Nr. 35 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für ©bertjeffen)
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Jugend und Hochschule
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«nid gcmcftene Dewegungon. Ihr innere« Wcken prägt sich au8 in Ritterlichkeit gegenüber dem Schwächeren. in versöhnlicher OTlilbe oder — je noch Loge des Fal.eS — in tocl la>oUenLer6ircn c gegenüber wenige, ©ebUbeten. Tcugter. em Eon- erfafl unbeherrschter und darum unvornehmer AuSbruckSbewegung. ist ein typisches Merkmal der ilngebilbe.cn ober noch nicht zu den lebten <yeinhei;en der Bildung Gelangten.
Del solcher Sinngebung hört Bildung aus. ein Vorrecht bestimmter Klüften und Stände zu sein. Gin Torurtcil zu meinen, dass die Verwalter des wissenschaftlichen DilbungsguteS an (Scfümibübung. geschweige Kultur. .Leute auS dem Bolle- immer überragten. Aullpcicherunq toten QDUtenfMeJ schafft höchstens den <uftanb eine« gewissen GeoilbetseinS. aber keine Bildung ,m aktiven Sinne. Zudem können Gelehrtornkeir und. Intelligenz. Kenntnis von Tatsachen und Scharfe dcS Denkens in umgekehrtem Verhältnis zueinander stehen. Schlichte, edte Raturlichkeit der Sprache und oller Lebensäuberungen sind mit Gründlichkeit und Tiese vereinbar. Das Bündnis beider darf vielleicht gerade als das Kennzeichen höchster Bildung gelten.
Universitäten sowie anderen Hochschulen, wis- s.nscha tlichen Gesckllcka ten und Ein e.por onen." Die Arbeiten 61:*3 von einem g: chästssüh- rtnben Ausschuss geleiteten Instituts werden in drei For'chcrklasfen geleistet. Di? erste umfasst Arbeiten, beten Ausführung ein beständiges — jahrelanges — Forschen seitens eines ganzen Gelehrtenkollegium- er ordert. G.n; zweite Gruppe stellt Ginzelfarschem Ausgaben, die sie in bestimmten Zeitabschnitten zu leisten haben, eine dritte unterstützt aussergewöhnlich bezahle. leistungsfähige Forscher bei ihren Arbeiten.
Der Arbeitsbereich der etilen Ria s: umsaht tolgcnbe Sektionen b:tonische Forschung Staa'.s- wisfenschasten und Soziologie, das geophykische 2abcr.TtotiLTn. Gelclicktöser churg Le.vermel un- gen. Astronomie und Erdmagnetismus. Voll Stolz todit Carnegie aus zwei Unternc&nmngen seines Instituts. .die geradezu einzig baftejen“, hin. DaS Institut un erhält eine aus Holz und Dronze berge (teilte Iacht .Carnegie". die um bi? Erde reift, um die Irrtümer früherer Vermessungen auszugleichen. Diele die.'er 6?eü?rm:lfungcn haben sich als unrichtig infolge von Abweichungen des Kompas.es heraus gestellt. Dron.c ist nicht magnelifch. Eisen und Stahl sind es in hohem SHabe; demgemäss waren die früheren Beobachtungen mancherlei Irrtümern un erwor'en. Ein schlagender Beweis hierfür ist der Un'ergang eines Dampfer« tn der Rähe der Azoren. Als Kapitän Peters von der .Carnegie" diesen Fall untersuchte, stellte er fest, dah der Kapitän des ocrunglüdten Schisfes leiten Kurs genau nach der Admiralitätskarte gerichtet batte; ihn traf also leine Schuld, denn die Beobachtung war unrichtig gewesen. Der durch Kompassabweichung hervorgerufene Irrtum ward sogleich veroe fert.
Ferner das Observatorium aus dem Moum D)llfon in Kalifornien. Hier wurde auf photographischem Wege nach neuen ©e'timen geforscht. 2luf der ersten der entwickelten Platten entd;ckie man 16 neue Welten, auf der zweiten 63; auf der Dritten fchähte man mehr als 103. von denen einige zwanzigmal grösser find als die Sonne ..Welche Enthüllungen", fragt Earneg e. Jtcfcen uns noch bevor, wenn erst da $ neue Riefenfernrohr benutzt werden kannl Ich bin sicher, dass man sogar die Monbbcwchner wird sehen können — wenn es welche gibt."
DaS Botanische-Institut — um dies herauszugreifen — unterhält ein Laboratorium in Tue- fon (Arizona) in einer Gegend mit Wüstenvege- tatton sowie Deobachtungsstationcn an verschiedenen Punkten der steppenartigen Landstriche im Süden ber Union. Diese Sektion hat beachtliche Rachweise über die Reaktion ber Lebewesen aus Klimawechsel — wenn sie von Dergeshöhen an Meeresküsten ober von feuchtem auf trockenen Doben verpflanzt werben — geliefert.
Die Ergebnisse der im Earnezie-Institut geleisteten Forschungsarbeiten werden in umfangreichen. prachtvoll ausgestatteten Werken in Auf- lagen zu je tausend Abdrücken veröffentlicht und im Derein mit den Iahrbüchern des Instituts grossen Bibliotheken kostenlos zugestellt; Privatpersonen erhalten sie zum Herstellungspreise. Ebenso stellt das Institut Geldmittel bereit zur Drucklegung wissenschaftlicher Werke, die sonst auS Geldmangel unveröffentlicht bleiben würden. Hunderte von Gelehrten werden hierdurch der ®üqe überhoben, bei Derlegem anzuklopfen und geschäftliche AIntcrbanblungcn zu ps.egen.
On ber Schenkungsurkunde hat Carnegie (T 1919; bie Hoffnung ausgesprochen. Amerika werde einst — wenigstens in gewissem Grade — die grosse Schuld abtragen können, in der es sich den älteren Ländern gegenüber fühlt. „Rich'.S ge- wöhrt mir lebhaftere Befriedigung", bekennt er. .als das Bewusstsein, dah Ql.nmfn — wenig- stens teiltocife — damit bereite angegangen hat."
Im Geiste seines Stifters hat das Carnegie- Institut. bas auch mit deutschen Forschung«, anftalten im Gedanlenaustaufch steht, im ersten Diertekjahrhundert seiner Wirksam'eit zum Ausgleich dieser Dankesschuld reichlich beigetragen.
ilnb mttten in allem nieberbrüdenben Scham- gefubl quillt dem Kinde irgendeine ganz feine tfreuoe auf. fo als ob es etwa« Köstliches geschenkt bekommen hätte. Cs weiss nur nicht, was.
ilnb ein drittes Bild auf dieser Bühne. Ein schmaler Gang nut Hellen Wänden, ber von einer dunklen zu einer grossen Glastür führt. Durch die dunkle Holztür. da kommt das Gericht. Schwester Elisabeth, hoch aufgerichtet und streng, ö^rrt mit fester Hand den armen Sünder zum Glaskasten hin. Iämmerlich brüllt bet; die Wut entftellt das kleine Gesicht, das raubtierartin mit den Zahnen fletscht.
Mit grossen, erschrockenen Augen blicken fünf- unbbreihig Blaukittel aus dem grossen Spielsaal hinter ihm drein, und ein banges Flüstern geht durch die Reihen: Der Pius kommt in den Glas- kauen. Die grösste Schande ist es. die es im Kinderheim überhaupt gibt. Der Pius weiss daS und die Schande bringt sein Blut vollen! S zum Kochen. Er ballt die Faust: ein Schlag mit aller Kraft, em Splittern und ein Schrei! Und ein MeiMk kleines Kind liegt am Boden. Arn Arm sickert Blut. Ilnb es ist nur Angst noch - Angst! , ,.^.e junge Schwester beugt sich nieder. Sie hebt Die leichte Last vom Boden auf. ganz ruhig, als ob nichts geschehen wäre und tragt sie am bellen, sonnigen Spielsaal vorbei nach oben. Zuoen wir Gläser, die scharf genug sind, zu sehen, was dabei tn chr vergeht?
Hinter den Kulissen steht ein schmales, weisses KmDerbett. ®et kleine Iunge darin ahnt nicht, welch eine -aft sein »Will brav fein. Schwester!" /er-, lc vermag, und warum die Schwester Elisabeth nur leife über fein Haar streicht und bann, nachdem sie ihm vorsorglich den Arm verbunden, still davon geht...
. „Das Spiel ist aus. wenn chr es so nennen wollt, üragt chr nach seinem Sinn? Erziehen heisst -l-len chen bilden. Srzieher Mensch fein und immer wieder Menlch und i ■ m?r wieder bereit, Den vorn anzufangen in Ehrfurcht vor der Kin- besteele.
Erzieher.
Don Freda B e t h ck «.
Ein dunkelgrauer Sammetvorhcmg hängt in kosen Falten hernieder, gefasst in einen schweren, tiefbunUcn Holzrahmen. Ein paar Lichter scheinen irgendwo, ganz matt, machen daS Grau zu Silber oder Gold. Stille und ein paar gedämpfte Laute.
Drei Bilder sollen kommen. Wir warten. WaS sie sagen werden. Warten, dass ber graue Borhang sinkt, ber Gegenwart von Vergangenheit scheibet und uns wieder auf eine Buhne führt, von der wir lange abgetreten sind.
Sieh da: ein Garten, mitten zwischen hohen Grvssstadkhäufern. Garten? O ja doch! Trampeln nicht ungeduldige Kinderfüsse auf wie'enbuntes Gras, und blüht nicht der Hollunder mit bunter Kreise um bie Wette rings um bie offene Laube? Gewiss doch, es ist ja bie grosse, immer neue Freude, dass man diesen „Garten" hat und nicht wie so viele andere Sag für Sag artig durch die Strassen zu spazieren braucht, sondern hier unten spielen darf! Ilnb doch ist dieser Garten im Augenblick nicht er selber. Eben ist er zum grossen, steinernen Kasten geworden, und bie h.lle. lufage, so fröhlich bunte Laube zur kahlen, weissge ünch- ten Stube, älnb all die mühsam herbeigeschlepp- ten Kinderstühlchen sind nun Reihenbänke, deren Sitze klappen. wenn eins aufftejL Ilnb ganz vom ist die Strafbank. Die muss da fein, natürlich! Cs muss alles so fein: die Brille, bie man auf ber Aase hat. und der Stock in ber rechten Hand und ber mit zwei Haamabeln aufgesteckte Daumelzopf und die um die Füsse gewurstelte, lange Küchenschürze, die den Rock barstellt, ilnb es muss so fein, dass die andern da in den zwei langen Reihen stillfitzen und die Hande gefaltet haben und nur reden, wenn sie gefragt find und sich nicht mucksen, nur den Finger heben — aber nicht zu hoch! ilnb wenn sie es ni ht tun wie ber <5ranz da und die Liefe, sondern lachen — da gibls eins mit dem Stock — fol
Bi'bung.
Ton Dr. 3. TL Ter wehen. Professor an ber Universität Bonn.
Arten ber Bildung gibt eS so viele wie menschliche Anlegen, bte nach Entfaltung verlangen. Sie wachsen an Zahl mit zunehmender Menschwerdung, beten Wesen auf baS Hinein- bilden deS GeiiteS in das Stoffliche, des Idealen In bas Reale, auf Hebertet nbung des Rohen und Unförmigen. .Barbarischen" gerichtet ist. ES gibt eine wissenschaftliche und künstlerische, eine sittliche und religio ft, eine theoretisch: und praktische, eine Bildung deS Kobfed unb Herzens. Ort Tedtanbe«. beS Gefühls und dcS Wlllens.
ilm den Vorrang ber Bildung streiten btt einzelnen Bezirke menschlicher Tätigkeiten. Wel- cher Form ber Bildung bie Palme gebührt, ist «ne Frage, bie. gemessen an ber Idee vollendeter Bildung gegenstandslos wird. Denn die biLenl,e Tätigkeit auf Teile des menschlichen Wesens beschränken, heisst Halbbildung zutage fördern. Der einseitig willenschastlich Höchstgeblldet« kann an Höflichkeit und Herzensbildung von einem über geringeres Wissen Verfügenden um viele« übertroffen werben. Blosses Willen gewährleistet nicht bie Reinheit beS Gewissen«. Da« Licht der Erkenntnis kann zum Irrllcht werben. baS in Abgründe statt zur Höhe führt, wenn «S sich nicht zu dem Lichte eine« Willen« gesellt. ber aufwärts strebt. Dies ist gegenüber allzu leibenfchaftlichen Fürsprechern ber Verstand eSbildung mit Rachdruck zu erinnern. Anderseits sind blosser guter Wille und blosse cMe Absicht ohne Erleuchtung des Kopse« keine Gewähr für bie Tilbung des starken, im Kampfe Mit ber feinblichen Ratur siegreichen Menschen.
Da« unendliche Ausgaben bergende Ideal der Bildung lässt bie Forderung der .Allgemeinbildung in Ihrer ganzen Bedingtheit und zeitlichen Gebundenheit erkennen. Rur ber .D i l- vungSphiliste r", bet auf ber erreichten Stufe in einer Stimmung der Sattheit auszu- ruhen, mehr das bisher wirklich oder scheinbar Erreichte al« bie Weite bes noch zurückzulegenden Lege« zu sehen liebt, neigt zur vorschnellen Gleichsetzung bestimmter Bilbungselemente. namentlich bc« Wissens, mit Bildung überhaupt. Er entbehrt ber Ehrfurcht, des Respektes vor den Schwierigkeiten unb offenbart gerade darin do« Merkmal aller Halbgebildeten — in dem üblen Wortfinne — welche mehr Wissen und Bildung vortäuschen als sie be itzen. Der wahrhaft Gebildete weiss, dass .Lücken ber Bildung" Menlchenlcs sink) unb mit wachsenber Steigerung ber gesamten DilbungShöhe immer mehr werden. TJa^re Bildung macht bescheiden, in mehr als einer Hinsicht.
DestensattS beutet der Begriff .Allgemeinbildung" auf einen gewissen Durchschnittswert unb Rormaltypus. Aber wer bestimmt dessen Inhalt? Ocffentliche Meinung. Zeitgeist. Schulen: lauter höchst fragwürdige, von Vorurteilen beherrschte, in Sachen ber Bildung keineswegs unfehlbare Autoritäten.
Im Bereiche der Verstandsbildung. besonders der „akademischen" findet „Allgemeinbildung" ihren Gegensatz in der „Fachbildung" und bedeutet die durchaus sinnvolle Forderung einer Enksachung al« Lieberwindung des einäugigen unb begrenzten Spezialistentums. Gerade hier wirb ber eigentliche, schliesslich allein in Betracht kommende Sinn der Allgem-inbildung sichtbar. Grösstmögliche Hingabe an bie Ganzheit begosst igen Kosmos der Probleme, Bereitschaft zur Ausnahme geistiger Werte, zum „Bilden" des eigenen und fremden Wesens.
Dieses Stilprinzip des Leben«, das lebendige Interesse für bie Arbeit am rauhen Stein", die innere Aufgeschlossenheit gegenüber den For- mungsaufgaben jeglicher Art ist schliesslich daS «illgcnieinfte formale Unterscheidungsmerkmal der Gebildeten von den Ungebildeten. Alle auf Inhalt und Gegenstand ber Bildung bezogenem Merkmale sind schwankend und bedingt durch Zufälligkeiten der Zeiten und Menschen als Stöger einer bestimmten Bildung.
In ber Richtung aller Tilbung auf Veredelung deS Raturhasten. auf Verfeinerung deS Rohen liegt bie Vornehmheit als innere Freiheit unb Unabhängigkeit vom Zufall bes äusseren Einbruchs. Ihre Erkennungszeichen finb ruhig«
chwertigen Elikoks ,plrs3msler Stoff izungen »grö6=«n Men-
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ftften WohllahrtSpllege ouSgebaut werden, es ist geplant, etwa 33 bebüritlge unb würdige S.u- dierendr in dem neuen Hein, unterzubringen. sobald die Einrichtung der Ein'e.räuiite i-e- Forst Hose« in die Wege geleitet ist Der Kultusminister stellt. Zur Finanzierung der InitenauSstattung hofft man die ber hessischen Kirche in Kassel nahcste.'enben Kreife zu gewinnen, die G mein schaftSräume sollen von den ^'sarrveveinen Heis.n- Kassel, Frankfurt und Wiesbaden übernommen werden. Tor kurzem ist nun dem Marburger Studentenheim durch Erwerbung de« .'iur Hauses Schlossderg. des vormals Scheilenbergschen Anwesen«, abermals ein erfreulicher Fortschritt in seiner gemeinnützigen Arbeit gelungen, ber u:n so höher zu belpertcn ist. wenn man bedenkt, dass die Zahl der beöürhigen 6tu icren en grösser ist al« gemeinhin angenommen wird, unb dass jährlich runb 63 000 Mk. erforberiich wären, um allen WohlsahrtSausgaben für bie Marburger Ötubenten gerecht zu werben. Die Erwerbung des EchlotzbergeS ist ber tatkräftigen Unterstützung von Geheimrat D u i « d t r g. dem Präsidenten des ReichSveroandeS ber deutschen Industrie au danken, und das neuerworbene Hau« soll nach der Uebergabx beim Marburger Universitätsjubiläum im nächsten Iahre den Rainen .Karl-Duisberg-Haus" führen und etwa 40 Studierende aus der Studienstiftung de-o deutschen Volkes auf nehmen, von denen zur Zeit 26 in Marburg studieren. Mit der Vereinigung der beiden Liegenschaften. Forsthos und Schcllenberg- haus. ist es somit der Marburger studentischen WohlsahrtSpslege gelungen, für etwa 83 Studierende der Universität eine ebenso durch ihm Vergangenheit, wie durch ihre schöne und ruhige Lage sich auszeichnende Unterkunft zu schassen
8chwedischeSrziehung§btmdnisse
Ton R. Kaulitz-Riedeck.
Sport und Sanz und wieder Sport füllen bie .Freizeit ber fchwcbifchen Iugcnb. auch der Schul- jugenb, aus. Iugenbführer und -sühreiinnen junge zielbewusste Menschen, die in Schweden von besonderem Cinslus c find auf Knaben- und Mädchenherzen, wollen jetzt geldliche und fittlkhc Fähigkeiten der Kinder ausserhalb des Schulbesuchs pflegen. Dazu gründeten sie Erziehung«- bündnisse. das sind kleine Gruppen von Knaben unb Mäbchen baffenber Altersstufen, an deren Spihe ein Führer oder eine Führerin stehen al« Freund oder Freundin, als Lehrer oder Lehrerin, als Wegweiser und durchaus als Vorbild. Oft wählen sich die Führer BundniSführer ober -füh- rerinnen auS ber eigenen Qiunbe und merkwürdig sicher unb gut treffen fle bie Wahl. Die Er- ziehungsbündnille unb Gigcnorganifationcn haben ein gcsunbes Rückgrat. Lebt boch in ben jungen Menschen ber fröhliche Wille. GuteS unb Schöne« in sittlicher Hinsicht zu erstreben und Reue« und Brauchbares für das Leben zu lernen, auch manches. das über ben gewöhnlichen Schulunterricht hinauSreicht.
Denn ein junger Stubent ober ein Abiturient vor seiner Iugenbfchar in kamerabschaft- lieber Weise über bie Selbstzucht und Selbstbeherrschung spricht. ober über ben Mut. bie Wahrbeit noch in' schwierigen Lagen hochzuhalten und Feigheit. Iähzorn unb Reib in sich selbst zu bezwingen als erbärmliche Charakterzüge, so rührt bas an Knc.denherzen. Sie geloben sich in heimlicher Feierlichkeit, danach zu streben und die ausgezählten erbärmlichen Charakterzüge als schlimmen inneren Feind zu bekämpfen. Denn wenn sie es nicht wollten, wären sie ja nicht in den Cmichungsbund getreten, dessen ungeschriebenes Gesetz lautet: Gut werden, rein reifen!
«inc Seminaristin oder Selektanerin vor ihrer Madchengruppe über eitle Putzsucht unb fabelt fle alle Klatschsucht ober Srägheit, lobt fte ben Fleth unb bie Sreue unb Beständigkeit bei kleinen unb grossen Ausgaben, so fliegen bald in bie Herzen ihrer Zuhörerinnen lauter gute Torfatje. Die ihnen bies anrät, will bas Gute Ue alle sie ist ihre Freunbin unb nach dem Gelübde will man ihr nacheifern auf allen rechten Wegen. Der lebendige Gedanke wirkt in den Erziehungsbündnissen, sich gegenseitig zu fördern un Schulunterricht unb in praktischen Arbeiten Der langsame unb träge Geist eines Kinbes wirb
opyinpen
rt billigst
Das Marburger Studentenheim.
Der an ber Ritterstrasse in Marburg gelegene Forsthos ist bereits vor einiger Zeit in ben Besitz bes Stubentenheims e. V. Marburg übergegangen unb soll im Rahmen ber alaberni- wcnn sie ganz unschuldig sagen: Mein S—trick—s- trumps sieht so komisch aus!"
Aber heute sieht Da« Kinb — baS boch beinahe schon keins mehr fein will — nichts vom Buckel unb nichts von ber roten Rase unb feinen Zwicker. Ganz allein steht es mit ber oft Verlachten auf bem grossen, sonnigen Schulhos unb guckt auf bie roten Kirschen, auf bie nuch bie anbern grauen Augen blicken. Sie haben einen so. scharfen Blick ohne bie Gläser.... Unb bas Kinb weiss ganz genau, bass bie Augen es mit- angeschen haben, wie ba zwei Hänbe an ben Kirschbaum gingen. Ganz hinten in ber letzten Gcke steht er und gehört bem Schulbiener. Jedes Kind weih bas. Unb nun haben die Hände bas Verbotene bvch getan, unb gerabe bie Buckel- Hofsmann muhte bazukommen. Wenn sie eS toeiterfagt! — Die Kirschen brennen wie Feuer. Das Kinb stehl wie auf Kohlen unb möchte in ben Doben sinken, statt Rebe und Antwort stehen zu müssen. Oder möchte die Buckelhofs- mann umbringen können, bah sie nichts weiter- sagt.
Unb nun spricht sie. Ach nun wirb sie schirnpsenk Rein? — Wie? — Sraurig ist sie, sehr traurig, ilnb nur einsehen soll bas Kinb, baö eS Unrecht tat und dann mitkommen. Wohin denn — zum Direktor? Olein, zum Schuldiener. TJie wunderbar bas ist! Was finb das für seit- fanw graue Augen! ilnb alles, was ba gesagt tmrb. stimmt. St:mmt auf« Haar! Woher weih sie bas nut alle«?
om Ende gehl bas Kind wahrhaftig an ihrer Hanb mitten über ben Hof zum Schul» dienerhäuschen unb ist ganz klein unb ficht bie Helle, warme Sonne nur burch einen Schleier. i!nb bei allebem ist boch ein Frohgesühl in ihm. dass es biefen schweren, langen Weg nicht allein 3u gehen braucht, fonbetn an bieter Hanb. die es gut mit ihm meint, ilnb das Kind weih aus einmal, dass es nie wieder über dicken Menschen lachen wird, und dass solches Lachen je es- mal hässlich und gemein wat. so oft es geschah.
'naben unh buljahr lüt dir riextia oerben mündlich von sMillwoch. 1S27, vor-
-12 Uhr
gegengenoimml. igsjeugnii, Ec-
Aufnahmen in t, in besonderen iach drei Grund- jüler, die später oder Heal- 'en vollen, ist titel
NM».
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ift. Ibrrnnhviz- ichrn SttilQmt? 2.21. 68 muh Mt 101 Lm.
25 Jahre Carnegie-Institut.
Ton Professor Dr. Eugen Wölbe.
(Rachdruck verboten.)
Oll« Andrew Carnegie um bie Jahr- yunbertwenbe — barnals 65 Iahre alt — von ber Leitung seiner inbustr.eilen Untcrnchrnun- gen zurucktrat. legte er bie Erfahrungen feiner CebcnitDanberung vorn FabrilarbeitLburfchen zum OHtlliarbär in e.ncm Werle. „Das Evangelium bes Reichtums", nitbrr. Gleichze t g setzte er bie biet bargebotene Sheorie in die Tat um. indem et an die Okrteilung seines ungeheuren Vermögen« ging. Der Reingewinn, den er aus seinen Stahlwerken erzielte, hatte bct.it« die Höhe von 40 Millionen Dollar jährlich erreicht; er stand — wie er in seinen LebcnSetinncrungen bekennt — vor ber „beä rgstigenben Aufsicht', bah sein Iahresverbienfl cu, 70 Milioncn steigen wurde!
Zunächst stiftete Carnegie mit einem Kapital von 4 Millionen Dollar einen Unter- stühungsfonbs für feine Arbeitet, eine weitere Million für Tibliot)e!en unb Lesehallen, bie er gleichfalls „Zum Zeichen feiner t cfen Dankes- schulb' feinen Arbeitern widmete. Reuyotk. Brooklyn. Dunfermline in Schott and — Car- negies Geburtsort — Allegheny Eity. wo er feine erste Heimat in Amerika gefunden Halle, und Pittsbuvg, wo er fein Termögen erwarb, erhielten mit Millionen von Dollars ausaestattete Tolksbibliotheken.
Was aber bedeuten diese gewaltigen Spenden für feine Landsleute gegenüber dem Segen, den die am 23. Januar 1902 erfolgte Gründung des Carnegie-Institutes in Washington über die ganze Menschheit ausstrahlte.' Hierzu stiftete Carnegie 25 M.llionen Dollar Grundungskapital. Die ersten Gelehrten der Union berief et in das Direktorium, darunter ben früheren amerikanischen Botschafter in Berlin, Anbrew D. White, unb ben späteren Präsi- benten aöilliam H. Saft; bem Aussenminister 3obn Hay übertrug er ben Kanzletposten. AIS Carnegie bem Präsidenten Roosevelt die Liste dieser auserlesenen Persönlichleiten unterbreitete, erllarte der Präsident freudig über- rascht: „So etwas gibt es wohl nicht zum zweiten Male!"
. Mitglieder gehoreii bem Direktorium traft thres Amtes an: ber jetoeilige Präsibent der Okreinigten Staaten, ber Präsident des Senat«. der Sprecher des Abgeordnetenhauses, der Sekretär des Emithonian-Jnstiluts und der Präsident der Staatlichen Alademie ber (Ratur-) Wissenschaften.
Ein Kongressbeschluh vorn 28. April 1904 bestimmte dies Carnegie-Institut „zu weitgehender und grosszügiger Förderung von Forschung. Untersuchung und Entdeckung, zur praktischen Verwertung aller Kenntnisse für den Fortschritt der Menschheit, besonders aber zur Leit ing und Unterstützung der Forschung aus allen Gebieten der Wissenschaft, der Literatur und Kunst sowie ber Raturwissenschasten; zu gemeinsamer auf dieses Ziel gerichteter Arbeit mit Otegterungen.
»Werbet ihr wohl! Klober haben zu ge^ horchen! So! Was? Du lachst auch? OVarte!" Der Stock tanzt auf bie anbere Seite. Die Stimme schlägt schon über. Die Drille kommt in« Rutschen. Die Klasse quietscht vor Vergnügen. Man kommt in Hitze, brüllt Sie lachen und trampeln. Die Drille rutscht ganz von der Rase. Der Lärm der Freude erreicht den Höhepunkt, und heiss wird es. so heiss! Da ballen sich die warmen Fäuste noch einmal ganz seit um den Prügelstock, der gleich darauf in grossem Dogen über bie Kopfe bet Wiberfpenstigen hinweg in bie Ecke saust. Mit hochrotem Kopf erklärt bie .Lehrerin" — sie schluckt ein wenig babei — .ihr seid mir zu ungezogen!", wendet sich, läuft stolpernd über bie hinbernbe Amtstracht ins schüyenbe Haus. Hinter ihr jauchzen bie .Schüler" brein.
Im stillen, kühlen Kinberzimmer werben ungesehen ein paar heisse Dränen geweint. Der Ausllang ist es eines fröhlichen Spieles, bellen Enbe etwas sehr Sraurige« auslöst, irgenbein Ditteres. bas nicht genannt werben kann. Ilnb ganz leise kommt ein Schimmer bet Erkenntnis, dass bas Los einer Lehrerin boch nicht so bc- neibenswcrt sein konnte wie man bisher geglaubt Eigentlich immer geglaubt!
Darüber finkt ber Vorhang leise unb hebt Heb wieber. Da steht mitten unter ben Kaftanien- bajimcn bes Schulhofes bie .Vuckelhoffmann". D'e gibt Handarbeitsstunbe. Man liebt sie nicht eie hat eine rote Rase unb einen Zwicker an schwarzer Schnur, bie macht sie mit einem Schieber lang unb kurz, wenn sie ärgotlich ist Unb bas ist sie oft über all bie prubdligen Strümpfe, bie ihr gebracht werben. Und etwas verwachten ist sie auch. Deshalb heisst sie die .Duckelhvff- mann". Und es ist wahr, man ha! an die Here vom Knusperhäuschen denken mj'tex als man sie zuerst sah und hell mit d n anderen über eine Zeichnung gckach». die da kürzlich durch die Klasse flog und sie als selche barstUl e. Sie , stösst auch ein bisschen mit der Zunge an. unb ein paar können bas gar zu gut nachmachen.


