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Rückblick auf Gens.

Außenpolitische Umschau

Don Prof. Dr. Otto Ho«-sch. W. d.R

In einer einzigartigen Feter^ di« endlich einmal doch Da5 gan-e deutsch« Volk in feiner überwältigenden Mehrheit einte, hat e« feinem achtzigjährigen R e i ch - p r 2 s r h e n t e n gchul- biat. Auch da- Au «land bat ihm fern« Ach- tuna bezeugt und feine ölu(ftDÜn14)c gesandt, L^grVn. reinen, da- Vaterland und die Pflicht über allez stehenden Führerpersönlichlelt. Äönige und Präsidenten vieler Länder haben ihm ihre Grübe geschickt. Aber nicht die Könige von England und Belgien, nicht die Präsidenten von Frankreich. Polen und der Tschechoslowakei. Ist da- ein Zufall? Sind da- nicht gerade die Mächte von Locarno? Jtonn da« Ausbleiben eine- Glückwünsche«, die Dichter,üllung einer selbstverständlichen internationalen Höflichkeit von fei Kn sämtlicher Locarnomächte ander« erklärt werden, al« durch eine gemeinsame Ver­abred una? Unseren Hindenburg berührt solche Verletzung de« internationalen Takte« ja nicht, ober der Vorfall xelgt wieder einmal, wie wenig im Grund die andere Seite gewillt ist. den be­rühmtenDeist von Locarno im Ernst wirken zu lassen. , ,

CS ist sehr verständig, daß nach der Rück­kehr von Gens man davon abgesehen hat. sofort im Abrollen der verschiedenen Berichterstattung gen eine Woche und länger die deutsche Auf­merksamkeit mit den BölkerbunbSfragen zu be­schäftigen. Deutschland ist im Völkerbund. Wir wollen un« daran gewöhnen, dah da« nun etwa« Regulär cZ ist und wollen nicht durch eine auf­geregte hintereinander folgende Verhandlung vor Rei.h-präilkent. Reichskabinett, Reich-rot. Par­teiführern. Auswärtigem Ausschuß usw. die Tage mit Erörterungen über dieselbe Sache füllen. Doch ein paar Worte des Rückblick« auf die diesmalige Versammlung seien gestattet.

Sie hat die großen Sonderfragen wie den Konflikt zwischen Ungarn und Rumänien oder die Danziger Angelegenheit vertagt. Sie hat in Auswirkung der Deschlü'se der Wellwirt- schaftSkonferenA Beschlüsse gefaßt und Maß­nahmen vorbereitet, die an sich ganz nützlich ober durchaus nicht welterschütternd sind. Sie hat vor allem den Rat des Völkerbünde« neu -üsammengesetzt. _ , , .

Betanntlich bestand er außer den fünf stän­digen RatSmitgliedern au« Belgien, China, Chile. Columbien, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Ririellande und Salvador. Von diesen schieden am) Belgien, Tschechoslowakei und Salvador. Der Kampf um den belgischen RotSsitz war dabei insofern von großem Interesse, al« Belgien ge­mäß der im letzten Iahre beschlossenen Wahl- resorm den Antrag stellte, für wieder wähl­bar erklärt zu werben. Bekanntlich hat diese Wahlresorm öe« vorigen Iahre«, die den Rat zahlenmäßig erweiterte, einen Unterschied zwi­schen einfach nichtständigen Mitgliedern und wiederwählbaren nichtständigen Mitgliedern ge­macht, welchen Unterschied Polen im letzten Sep- tember für sich nutzbar gemacht hat. Belgien versucht« nun jetzt da« gleiche Manöver und erlitt dabet eine Riederlag«, öle ihm um so schmerzlicher war. al« e« sie nicht erwartet hatte. CS erreichte nicht öle Zweidrittelmehrheit, öle sich für die Wiederwählbarkeit auSsprechen muß. Woher kam da«? SS war eine ganz deutliche Revolte der mittleren und kleineren Staaten, die, ohne gegen Belgien an sich feindselig zu sein, bei dieser Geleaenhell mit ihrem Wahlrecht Ernst machen und nicht die ganze Wahlresorm de« vorigen Iahre« illusorisch ma~ en wollten.

So erlitt Belgien diese namentlich für Van- dervelde recht peinliche Riederlage, und zu einem ganzen Teil war die unerhörte Rede des bel­gischen Ministerpräsidenten am 25. September 6ann auch ein Widerhall darauf. Belgien hat nämlich auch mit dieser Wahl gesehen, dah die Völkerbund-Versammlung bei aller Achtung vor Delgien doch eben ihre Angelegenheilen jetzt geschäftsmäßig behandeln will, mit anderen Wörtern daß Belgien nicht wie bisher das Schoßkind der Versammlung, der immer und immer wieder gefeierte und bemitleidete Mär­tyrer sein soll, der deshalb auch sortwährend Berückfichtigung beansprucht. Dagegen stieß 3a* spar vor mit dem Angriff auf Deutschland und der Wiederholung der bekannten Vorwürfe, mit denen Belgien wieder in der Gloriole deS von KriegSgreueln heimgefuchten Lande« erscheinen wollte. Für un« im besonderen hat der Aus- gang die Bedeutung, daß künftig die Völker- vuird-zusammenkunst «richt von selbst mit einer solchen der Locarnomächte zusammenfällt, da Bel­gien nunmehr zwar Locarnomacht bleibt, aber nicht mehr Rat-macht ist.

Dieser Ausgang aber war weiter noch durch ein andere« bemerken-wertes Ereignis in der Ralswahl möglich, da« von großen Folgen sein wird. Die Zahl derer, die gegen Belgien stimm­ten, wurde nur erreicht, indem sich große Gruppen gegenseitig zu der Wahl, wie sie zustande kam, verbanden, nämlich von Ka­nada und Stuba. Dadurch haben die englischen Dominion«, von denen sonst sicher mehrere im Sinne Chamberlain« für Belgien gestimmt hätten, natürlich alle für Kanada gestimmt.

Da« ist nun ein sehr wichtiger, Vorgang. Kuba trat an Stelle von Salvador, auf Grund nicht seine« Reckte«, aber einer allgemeinen An­erkennung. daß die s ü d a m e r i k a n i s ch e Gruppe regelmäßig einen Sitz im Rat haben soll. Daneben tritt nun Kanada al« Rat-macht. Das rollt wichtig« Fragen auf. Gehört nicht Kanada ebenso wie Kuba zu Amerika im wei­testen Sinn« und hat nicht Amerika so tatsäch- lich zwet Vertreter im Rat? Ist nicht Kanada ein Teil de- Weltreiche« und tritt w so mcht unmittelbar und gleichberechtigt neben den Vertreter be« englischen Del t * reiche«, der bisher allein im Rat saß? Diele letztere Frage ist heute keine Frage mehr, denn mit dem Beschluß der Brutschen ReichSkonfcrenz un vorigen Iahre ist der staatSrechtilche Cha- rakter eine« englischen Dominion« berechnet. So aut Kanada da« Recht Hal. in Washington einen diplomatischen Vertreter zu bealaubiaen. so gut ann es auch in Öen Rat gewählt werben Unter cdcm Gesicht-punkt t innerhalb de- Völkcrduntes .m Verhülnns zu England, im Verhältnis zu Nordamerika. ist diese Wahl von großer Bedeu- hing und noch mehr, als sich Kanada voraus» 'ichtlich auch energisch für die nationalen Minderheiten einsehen wird. <36 war lein xSufall, dah der übrigen« regelmäß.g nur Iran- zösisch sprechende Vertreter Kanadee ter e .upe war, der diese« Mal in Gent die Minderheiten- /rage nachdrücklich zur Sprache brachte.

Der letzte freie Sitz wurde durch Finnland besetzt da« gegenüber Griechenland und Portugal durch das Ziel ging. Da« ist unter einer an* deren Beleuchtung wieder wichtig. Jtnnlar.b liegt an der Stelle, wo DöUerbund und Rußland sich berühren, und es hat ja auch durch die Dis­kussion über Öen Artikel 16. die es selbst ent­fesselte und weiterhin betreibt, letncrieit« Znefe Bedeutung stark unterstrichen. Deutschland hat Anlaß gehabt, in den letzten Zeiten mit der Haltung Finnland« nicht ganz einverstanden und zufrieden zu sein. Lassen wir diese berechtigte Empfindlichkeit beute beiseite und zF)en wir von der Mitarbeit Finnland« im Völkerbund hi« Dorteile, die auch für uns daraus hervor­gehen können, namentlich im Hinblick auf die weitergehende Diskussion Über Genfer Protokoll und Locarnovertrag, über Artikel 16 und die -Verträge, die Rußland mit seinen Grenznachbarn zu schließen sich bemüht.

Dem russisch-türkischen Vertrag ist soeben am 1. Ohoher ein neuer Vertrag Rußland« mit Persien gefolgt, in dem beide Länder slch verpllichten, alle Streitigkeiten dem Schieds­gericht zu unterbreiten und in keinem Falle sich den Krieg zu erklären. Das harmoniert mit dem Dölkerbund und seinen Verpslichtungen. Ferner aber verpflichten sich beide Länder für Öen Fall, daß eines in einen Krieg mit einem anderen Land verwickelt wird, neutral zu bleiben. Da« harmoniert nicht mit den Völlerbund«- verpflich!ungen (Periien gehört bekanntlich zum Dölkerbund) und entspricht durchaus einer glei- chen Bestimmung im russisch-litauischen Vertrag, der eben'o Litauens Dölkerbundszugehörigleit be­rührt. wie derselbe Gesichtspunkt auch im Ver­trage Rußlands mit Lettland durchgesetzt wer­den soll, der in Dorbereitung ist. Ebenso drehen sich die russisch-polnischen Verhandlungen um diese Punkte.

Es ist die Idee Rußland«. Richtangrifss- vertrüge ohne jede Einschränkung zu schließen, ohne Rücksicht auf die Verpflichtungen, die aus der Dölkerbundszugehörigleit des anderen her- vorgehen. Wie sein Vertrag mit Persien zeigt und wie schon angedeutet war Im Rotenwechsel beim Berliner Vertrag, ist Rußland dafür auch bereit, von seinem früheren Standpunkt zurück­zugehen, der jedes Schiedsgericht ausschloß, und die Idee des Schiedsgerich es in die inter­nationalen Beziehungen seinerseits auch aufzu­nehmen. Wir sind gespannt, wie dieser Zusam­menhang, noch durch die Resolution von Genf gegen den Angriffskrieg weiterhin verstärkt, sich in den russisch-polnischen Verhandlungen jetzt auS- wirkcn wird. Damit aber kehrt die außen­politische Betrachtung von Öen Völkerbundsfragen zurück zu Öen großen europäischen Zusammen­hängen und Fragen, die im Augenblick vor allem durch Frankreichs Erörterungen mit Nord­amerika über die Zollfrage und mit Rußland über die Abberufung des russischen Botschafters bezeichnet sind.'

2lus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Oktober 1927.

Gieftenci Wochcnmarktpreise.

E« kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 biS 210, Matte 30 bi« 35. Käs« (10 Stück) 60 bis 130, Wirsing 12 bis 18. Weiß­kraut 8 bis 10. Rotkraut 12 bis 15. gelbe Rüben 10 bi« 15, rote Rüben 10, Spinat 30 bis 35, Römischkohl 10 bis 15, Dohnen 20 bis 25. Unter- Kohlrabi 6 bis 8, Feldsalat 100 bi« 150, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 10 bi« 15, Meerrettich 30 bl« 80. Rhabarber 15. Kürbi« 8 bi« 10. Kartoffeln 5 bis 6. Falläpfel 4 bis 5. Aepfel 10 bis 15. Dirnen 8 vis 15, Preißelbeeren 50, Brombeeren 45 bis 50. Zwetschen 15 bis 18, Nüsse 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 biS 120, Ganse 100 bi« 110 Pf. das Pfund: Eier 16 bis 17. Blumenkohl 20 bis 130, Salat 10, Salatgurken 10 bis 40, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20. Sellerie 20 bi« 40 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 10 Pf.

* D ic Guthaben früherer Krieg S- aefangener. Die Auszahlung der Gelder, Die den deutschen Kriegsgefangenen für geleistete Arbeit in England gutgeschrioben worden sind ist jetzt im Gange. Es find laut .Germania'^ bereits 7 Millionen Mark an ehemalige deutsche Kriegsgefangene überwiesen worden. Diese Summe stellt aber noch nicht die Hälfte der gesamten Forderung der Ärieg«gefangcnen dar. In Deutschland haben sich insofern weseiitliche Schwierigkeiten ergeben, als die Erfassung aller Kriegsgefangenen, denen aus der Arbeit in der Kriegsgefangenschaft ein solches Guthaben zusteht, noch nicht gelungen ift Außer England kommt für die Enllohimng deutscher Kriegsgefangenen­arbeit im wesentlichen nur noch Frankreich in Frage, daS sich verpflichtet hat, die fälligen Zahlungen bi« zum Ende dieses Iahve« zu leisten.

WSR. Da« Austragen von Back­waren. Kürzlich ging eine Mitteilung durch die Presse, wonach ein Kölner Bäckermeister, der vor morgen« 7 Ufcr frische Backwaren an seine Kunden geliefert hatte, vom Kammergericht sreigesprochen worden sei. Daran wurde die Fol­gerung geknüpft, dah diese Entscheidung von weittragender Bedeutung für das Bäckergewerbe sein bürste. Diese Annahme trifft nicht zu: ledig­lich aus einem formalen Grunde, weil über die­selbe Sache bereits rechtskräftig entschieden war. mußte vorn Kammergericht auf Einstellung des Verfahrens, nicht auf Freisprechung, erkannt wer­den. Danach kann von einer grundsätzlichen Be­deutung dieser Sitlscheidung nicht die Rede sein. Die Bestimmung, wonach vor 7 älhr morgend Backwaren jeder Art weder ausgetragen iwch abgegeben werden dürfen, besteht weiterhin zu Recht. Das Verbot gilt auch für Versorgung von Zweiggeschäften, Hotels, Anstalten. Wiederver­käufer usw.

* Zuchlviehversteigerung in Lau­terbach Die In unserem heutigen Anzeigen­teil angekündigte Zuchtviehversteigerung in Lau­terbach ift eine eigene Veranstaltung des Sjanb- wirrichallskammer-'Ausschusses für die Provinz Oberdessen, auf welcher nur in da- Herdbuch eingetragene und zur Versteigerung zugriassene Faseltiere auf getrieben werden dürfen. Gemein­en und Zucht gen offen schäften ist hier beste Ge- legenbeit geboten, i bren Bedarf an guten Zucht­bullen zu decken. Man beachte die Anzeige.

WSR ,L a T r e b I a**, der neueste Tanz, ll-a Trehlr h ißt der neueste Tanz, der dem Gehen" im Ballsaak ein Ende bereitet, den Tanz- 'ckrllt wie x r zu Etzren bringen und Musik an ©leile des Iazz-Quäkens führen foll. ..La Trcbla

kann nach einer Mazurka von Lhopin getanzt werden. Der Tanz vereint Elemente der Ma­zurka und solche des Menuetts, ohne daß er deshalb altmodisch oder allzu prätentiös wirkte. Die Musik ist im Dreivieriel-Takt gehalten und wird mit der Geschwindigkeit von d3 Takten in der Minute gespielt.

(Ein interessanter Kolonial- Vortrag mürbe am Donnerstagabend vom Deutschna nona len Handtungsgedilfen verband, Ortsgruppe Gießen, einercbr zahlreichen Zuhörer- schäft ün Saale des Katholischen vereinsbauses ge­boten. Auf Einladung der Ortsgruppe sprach der Xianötagsabgeorbnete Kindt s Darmstadt) über seine Erlebnisse und Eindrücke in Südwest Afrika und die vielen Erinnerungen, die ihn nach 24jähri- ger Tätigkeit al» Farmer und Herausgeber der Deutschen Zeittma" in Windhuk mit diesem ver­lorenen deutschen Kolonialbesitz verbinden. In etwa zweistündigem 'Bortraae, der reich war an wert- vollen, volk-psychologischen Aufschlüstm und inter­essanten Darlegungen über die große wirtschaftliche Bedeutung Sudwests für unser Vaterland, sowie über das ausgezeichnete Verhältnis zwischen den Deutschen und den Eingeborenen, verstand es der Redner vortrefflich, seinen Zuhörern diese» Land nahe zu bringen. Man begleitete ihn im Geiste auf feinen Reisen durch das ehemalige Schutzgebiet, er­lebte mit ihm die denkwürdigen Besuche bei den Häuptlingen, z. B. die köstlichen stunden denn Häuptling Banjo, lernte die Mühen und morgen der Farmer gebührend würdigen, konnte fick den Aufschwung der Kolonie namentlich in den sieben Jahren von 1907 bis 1914 vor Augen halten, und mußte aus Grund all der vielen, durch vorsichtiges Abwägen der Tatsachen gegebenen Einzelzüge das vom Redner entworfene Gesamtbild über die segens­reiche Herrschaft der Deutschen in Südwest rückhalt- los anerkennen. Wenn auch heute der Engländer als Herr im Lande sitzt, so sind nach den Er­klärungen des Vortragenden die Deutschen dort unten doch immer noch hochgeschätzt, und die Mög­lichkeit eines guten wirtschaftlichen Fortkommens ist dort für sie gegeben. Im Hinblick darauf forderte der Redner die auswanderungslustigen Volks­genossen auf, ihre Schritte nicht nach Nordamerika oder nach den latein-amerikanischen Staaten au len­ken, sondern eine neue Existenz in Südwestafrika sich zu schaffen, wo sie ihre Hoffnungen weit sicherer und größer erfüllt sehen würden, als irgendwo anders. Der Vortrag fand verdientermaßen ben rei­chen Beifall der bis zum Schluß lebhaft gefesselten Zuhörer.

Oberhessen.

Landkreis Gießen

Klein-Linden, 7. Oft. Der hiesige SchützenklubRoland' hielt bei starker 'Be­teiligung sein diesjähriges Abschießen auf dem neuen Schießplatz ab. Schützenkönig wurde der erste Vorsitzende, Lokomotivführer Fr. Stein, mit 52 Ringen bei 5 Schuh.

Lang-Gön«, 7. Oft. Der im Iahre 1901 gegründet« SchweineAuchtverein Lang- Göns hat sich bekanntlich die Zucht des deut­schen Edelschweins zur Aufgabe gestellt. Schon vor dem Kriege hat der Verein auf verschi-ede- nen Ausstellungen zahlreiche Anerkennungen In Gestalt von Ehrenpreisen für feine Zuchtprodutte erhalten. Auch jetzt wieder auf der hessischen landwirtfchastlichenLandesauSstel- l u n g in Darmstadt, an der sich zahlreiche hiesige Landwirt« al« Aussteller beteiligten und in den Abteilungen Pferde», Schweine-, Schaf- und Go- stügelzucht, sowie im Ackerbau mit gutem Ergebnis- absch itten, könntc unser Schweinezucht er >i1 ei en ganz h rvorragenden Crfolg verbuchen. E fptt: die Ausstellung mit 18 Sbern und Sauen (Deutsches Edelschwein) beschickt und erh ell auf diele Tiere bei stärkster Konkurrenz, besonders aus Starken­burg und unserer Provinz, folgende Preise: Erster großer Sammlung-ehrenpreiS für beste Gesamtleistung. Ehrenpreis für beste kleine Sammlung, zwei dritte Sammlungspreise, außer­dem zwei Ehrenpreise (darunter bronzene Staats- medaille), drei erste Preise, drei zweite Pro.se, fünf dritte Preise und zwei Anerkennungen; Be­weise dafür, daß die Schweinezucht in unterem Dorfe auf der Höhe ist. Sämtliche Tiere dieser Gruppe wurden preisgekrönt, sie sanden bei den Besuchern der Ausstellung aufmerksamste Be­achtung. Wie der Verein im Anzeigenteil unse­re« Blattes bekannt gab, stellt er aus dieser Stammzucht des deutschen Edelschweins eine An­zahl Zuchteber zum Verkauf.

z Rödgen, 7. Oft Diele Kinder sind hier vom Keuchhusten, auch .Blauer Husten- genannt, befallen. Er tritt bi« jetzt in leichterer Form auf. Kürzlich fiel der kleinste Iunge unseres Straßenwarts Wiegel vom Wagen. Dabei ging ihm das Wagenrad über das Dein und knickte jedenfalls einen Knochen de« Oberschenkels. Erst einige Tage später wurde der Druch durch eine heftige Bewegung vollständig DaS Kind mußte mit öem Sanität S- auto in die Klinik gebracht werden. E« wird wohl selbst in einem für Knollengewächse so günstigen Iahre wie dem diesjährigen al« eine Seltenheit verzeichnet werden dürfen, daß eine Kartoffel, Gelber Riese, zwei Pfund unb eine Dickwurz über vierzehn Pfund wiegt. Gastwirt Heinrich Balser von hier hat sie geerntet.

4 Lollar, 7. Ott. Turnerische Vorführungen unb Wettkampfe, wie sie der Landbevölkerung im allgemeinen wenig gezeigt werden, finden am kommenden Sonntag hier statt Dem Turnver­ein Lollar, Mitglied des Lahn- und Dpn»berg- Bundes, ist das dtesjährige Meisterschaft«- turnen des Südwcsldeutlchen Turneroerbandes übertragen warben. Unter Leitung des Verband«- turnwartes Jung (Wixhausen) werden die Der- bandsmeisterschasten an den (Beraten hier ausge­tragen. Hierzu liegen rund 100 Anmeldungen aus vier (Bauen de» Turneroerbande» vor Zu Ehren der fremden Turner, Turnerinnen und Gäste, die be­reits im Laufe de» Samstag» hier eintreffen, findet am Samstagabend eine Begrüßungsfeier mit turne­rischen Vorführungen durch die eigenen Turner und Turnerinnen unter Mitwirkung der Kapelle Lyn- ter (Lollar) statt.

Grünberg. 7. Ott. Der hiesige Schkit- xeneetein hielt jetzt fein Abschi eßen, ver­bunden mit PreiS'chicßen. ab. Bei der abenb- lichrn Preisverteilung gedachte der erste Dor» lltzende, Fabrikant Schmidt, in seiner Begrü­ßungsansprache auch des 80. Geburtstage« des Reichspräsidenten von Hindenburg. Die Prei-verteilung brachte folgendes Ergebnis: Schützenkönig wurde der beste Schütze August T r i n k a u s . der auch da« silberne Ehrenzeichen des Deutschen Schützenbundvs erhielt. Den zweiten Preis erhielt Otto Mathie«, den dritten Richard 3 öd ei, vierten Kari Schott, fünften

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Kreis Friedberg

«f. Friedberg, 7. Olt. Gestern fanö Borsiy von Bürgermeister Dr. S«yd Stadtverordnetensitzung statt, kommunisttsche Stadtv. Deutel hatte

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Friedr. Iöckel usw. Die Ehrenscheibe errang Otto Allmendinger. Don den Iungschützen errangen Paul Haack den ersten, Theo Schlos­ser den zweiten, Rudols S e e p e den dritten. Rich Schmidt den vierten und Heinr. Seipp den fünften Preis. Letzterer erhielt auch die Ehrenscheibe.

h Gründe r g. 7. Ott Während deS Ein­läutens des PfingMestes sprang in diesem Iahre die sogen. Bater-Llnser-Glvck«. Ein hier cmwesender Deut Ich-Amerikaner stiftele den Be­trag zur Anschaffun^einer neuen Glocke. Heute ist nun die neueGlocke, die von der be­kannten Glockengieherei Rinker und Sohn in Sinn gegossen wurde, hier etnqetroffen. Da« Ge­läute Dürfte somit in den nächsten Tagen wieder

Dringlichkeitsantrag eingebracht, nach btm öte Stadt gegen das geplante Reich«-s-chulgesetz Stellung nehmen soll. Nachdem die Dringlichkeit anerkannt worden war. entspann sich eine lange Debatte darüber, ob über die Frage verhandelt werden solle. Damit die Mitglieder des Kolle­giums sich noch mit der Materie vertraut machen können, zog Stadtv. Deutel schließlich le nen An­trag zurück unter der Dedingung, daß innerhalb dreier Wochen eine neue Sitzung anberaumt wird Die Ablösung der städtischen Mari­anleihen wird nur in der gesetzlich festge­legten Höhe von 12'/, Prozent üor.jenommen. Mit 12 gegen 8 Stimmen wurde beschlossen, der Hindenburgspende 200 M zu über­weisen. Der Dürgermeister stellte gleichzeitig aus seinem Dispositionsfonds denselben Betrag für örtliche Zwecke zur Verfügung. Die K t no­steuer wird weiterhin nur zum ermäßigten Satz von 10 Prozent erhoben. Die Errichtung eines Licht- und Luftbades muß lcider weiter verschoben werden, da Mittel nicht ,ur Ver­fügung stehen. Die Versammlung wünschte jedoch, daß Pläne ausgearbeitet werden, so daß zur gegebenen Zeit sofort mit bem Dau begonnen werden kann. Ein vorgeschlageirer Zusatz zum Ori-baustatut, nach dem an älteren bauten bauliche Qlenöerungen verboten wer­den können, fall« dadurch ihre bauliche G gen- art beeinträchtigt w.rd, wird an den Dauaus* schuß zurückrcrwiesen. Als Auswertung des Kaufpreises für da« Äa le menge* fände werden vom Reichs inanzm!nister an die Stadt 1900. M. bezahlt, womit tiefe aus weiter, Ansprüche verzichtet.

chButzbach,7. Oft. Heute mittag überflog her erfte Zug Schneegänse inl-yorm* unsere Gegend in her Richtung nach Süden, ein Zeichen, daß es bald Winter werden wird.

Kreis Bübingen.

WV* Ridda. 7. Ott. ilm der noch immer herrschenden Wohnungsnot abzuhelfen. tmrt die Stadt ein Doppelhaus mit Klein­wohnungen in der Hopfengasse errichten. Die Arbeiten sollen so beschleunigt toerötn, dah bis zum Eintritt des Winter« der Rohbau fertig* gestellt ift Infolge der großen Mengen von Kelterobst, die jetzt bohnwetse zum Versand kom­men, macht sich ein Mangel anElsenbahn* wagen bemerkbar, so dah Derzözeiungen poo- kommen. Man verwendet meiiun« un ^deckte Wagen, da gedeckte nicht in genügender^ Zahl zur Verfügung stehen. Das Verladen Dom Tasel- und Wirtschaft«obst kann erst vor sich aehen. wenn das Schüttelobst abgesetzt ist, da« seinen Preis von 3 W. vro Zentner nicht verändert hat. Dei der Versteigerung de« städt.schen Obste« konnten etwa 4 M pro 3entner am Da um« erlöst werden. Die Gesamternte, die vorwiegend Tafelobst aufweist, wurde auf 80) Zentner ge­schätzt.

)( Ortender g. 7. Ok ober. Das hiesige Männer-Doppelquartett errang auf dem Gesangswettstrrit in Hochstadt in der zweiten Klasse den zweiten Prei«. Bei dem Abschiehen des bieiigen S ch ü tz e n v e r e i n « wurde Dauunternehmer K. H o s m a n n Schützen­könig. An dem Abschießen beteiligten sich di« Vereine von Düdingen und Gedern. Für die gelegentlich des Kalten Markte- stattfin­dende ObstauSstellung haben bereits die Gemeinde sowie der Vorschuhverein größere Preise gestiftet. Inspektor Rebel von Lau- bach beabsichtigt hier eine große Geflügel­farm f ü r Gierproduktion zu errichten. Das Gelände ist bereit« gekauft und mit dem Dau der Farm begonnen werden. Die Farm wird nach den neuesten Erfahrungen auf diesem Gebiet eingerichtet und zunächst mit einer größeren An­zahl amerikanischer Leghorn beseht werden. Das von der Daugenosienschaft im .Taubenloch" errichtete Haus wurde von Spar» kassenlontrolleur Müller käuflich erworben, das Dachsche Haus ging in den Besitz von Schneider Prinz über.

Au« dem D l e i ch e n b a ch t a l. 7. Oft Infolge der letzten schönen Herbütage machte die Kartoffelernte gute Fortschritte. Trotz