Einzelbild herunterladen

Samstag, 8 Altober 192 Z

Gietzener Anzeiger <GeneraI-Anzeiger für Gberheffen)

llr. 236 Zweites Blatt

ein Mensch mit ganzen Oberhemd nicht fegen la!

lassen konnte, ohne ange-

Ium Tee bei Mussolini

römischen ^.-Korrespondenten.

vom tnbl1

alS sei sie

eS, als ginge ein Sieger von un».

Führer den Aufstieg zu wa>

der Bor-

)

D

f -Ser M j ss. 1 elfteSE

ve

schwarz« sogar ein wir um,

mit ihren

ö t.

3

H-

1927.

To r- eS im

le* iei >r. v

Don unserem

Rom, Oktober (Zeder Romsahrer kennt die "Billa

n n

X ui ze u. t*- CO

u zeigen, was sie kann, im Gegensatz zum armen Otaat, dem der Prater gehört, und der das -Geld zu Hessen Pflege nicht aufbringen kann.

Ionia alS unzugänglich. So steht Baedecker und im Grieben. Wer daher die

läliQ

Steren

chmidtäx

Neues zum Problem des Vogelzuges.

Nun, da sich der Sommer seinem Ende zugeneigt hat, und einer nach dem anderen von unseren, ge­fiederten Sommergästen nach dem warmen Süden gezogen ist, rückt die geheimnisvolle Erscheinung des

Die Gemeinde Dien will den Prater hadert, und der .Bund" man gebürdet sich hier gern schweizerisch - republikanckch-eedgenössfich- kantonal , uxll den Prater ir.cht bergeben. GS ist ein Beispiel für den Kamps zwischen Wien und dem Land, zwischen Wien und Oesterreich Man muh zwtschen Wien und Oesterre.ch einen Unterschied machen, benn seit jette» vom christ­lich sozialen LuegerkurS abgctommcn unb inS Fahrwasser sozial demokratisch - kommunistischer Ideen trieb, hat eS das Recht, sich österreichisch

zu nennen, verloren. Die Stadt erinnert heute an norditalienische Zustande vor der faschistischen Revolution. alS sich in Genua oder Bologna Stieseln und weißem

Wie die erste Frau den Kilimandscharo bestieg.

Eine Engländerin, die 22 ährige Sheila Mac Donald, ist als erste auf den Kilimtndscharv. Öen höchsten Berg Mrikas. gestiegen Der erste Eroberer dieses früher deutschen D?raes. war der bekannte Geograph Prof. Hans Meyer, der 1839 mit dnn Führer P urtfchella den gcfapr- ficben Aufstieg glücklich durchführie. Seitdem sind verschiedene "Befteigungm gemacht worden aber noch nie von einer Frau. Mch MacDonaU». dte bereits im schottischen Hochgebirge sich gute Bergsteigerin gezeigt hat, eine große athletisch

Die Zugvögel zeigen im allgemeinen eine zwei­malige Mauserung im Jahre, aber bei Fpnnen, die sich, wie die Nauchschwalbe, nur einmal mausern, fällt diese für das Leben de» Bogels sehr kritische Periode in den Winter. Die Standvögel hingegen -** Herbst

u Gast. Äußer dem Senator Tvrlonia zu seiner Linken, der dem Duce seine Billa zur Der- füauna aeftcllt bat. und Marcvni zu seiner

verschieden ist. Und Wien will den Brater haben, aber Oesterreich will ihn nicht ber­geben. ES ist ein Kamps, einer der Kümpfe, die dieser rote Wasserkopf mit der christlich-sozial- grob deutschen Provinz führt, und der im Grunde genommen erst entschieden werden kann wenn dieses unglückliche Opfer brutaler Diplomaten­weisheit auS der wirtschaftlichen Unnatur der gegenwärtigen Verhältnisse herauSgehoben wird und den Anschluß an daS Reich findet.

Aber daS hat noch gute Weile "Vorläufig jedenfalls demonstriert die Wiener Gemeinde am Praterstem, rund um das Denkmal Tegel - Hofs», daß es mehr Geld hat al» daS arme österreichische Vaterland liebet diesen Kamps und über den Kamps der Hauptstadt mit dem Staat ist der Mittelstand, soweit er durch die Inflation nicht zu Grunde gerichtet wurde, mit seinen letzten Resten unselig e n t s ch l a s e n» will lagen, verhungert Die Stadt ist prv- letarifiert worden. Der Reichtum ist mit seinen Kapitalien inS Ausland geflüchtet und gibt hier nur noch Gastrollen, um nachxusehen, ob seine Wohnungen noch nicht auSgeplündert sind. Die Steuern trägt aber nur der kleine Wcmn, der ihretwegen allem entsagen muh. dem Roidürf- tigsten, selbst dem Eas(-hauS, und dem eigent­lich nur noch der Prater geblieben ist. der, wie man sieht, mit der übrigen Wiener Romantik ebenfalls zu Grunde gebt.

Se'SS661'

machen nur eine einmalige Mauserung im durch. Es scheinen nun schon sehr früh bet h bereitung zur Mauser im Blute der Bogel gewiße Reizstoffe oder Hormone aufzutreten, die einen er­regenden Einfluß auf das Nervensystem der Tiere ausüben, so dah der Wandettrieb erwacht, und die nun folgende Mauserung im warmen Klima unter günstigen Bedingungen oonftatten gehen kann. Bon dieser Erregung zeugt auch das Berhalten gefange­ner Zugvögel, die zur Zeit des Zuges sehr unruhig werden, so dah man förmlich zu sehen meint, wie sie den Zug wenigstensim Geiste" tniterlebcn.

Wenn man auch durch diese neuesten Beobochtun- gen der Lösung des Dogelzuggeheimnisses etwas näher gekommen ist, so bietet diese Erscheinung doch immer noch ungelöste Probleme in Fülle, man denke nur an die Erforschung der Bogelzugstrahen, wobei alle Naturfreunde durch genaues Brachten mithelfen können.

Fragend stehen die Pinienschirme im Blau, lln- bewegUch um den Sommersitz beSdynamischen ManneS^.

Ginladungzum Tee beim Schlohherrn. Wan darf in die Villa nicht einfahren. ich gehe daher die paar Schritte zu meinem Rachvarn zu Fuß. So gewahrt man doch wieder einmal, was einem im DerkehrStrubel zu leicht entgeht, | daß sie gar nicht so verschlossen aussieht, wie man nach den Mauern meinen könnte. Sin ge­schickter Baumeister hat daS Terrain dahinter, wenn es nicht schon ein Hügel war, ansteigend angelegt, so dah sich bet Bewohner burchauS nicht eingeschlossen, sondern im Gegenteil thro­nend fühlt. Richt einmal der Obelisk überragt ihn. UcbrigenS ist eS keiner, über den Pharaonen- hände glitten, er wurde vor ein paar Menschen­altern, al» die HünmelSzeiger die grobe Mode waren, droben in Rorditalien gebrochen, ge­schnitten, mit Hieroglyphen verziert unb auf mühsamem Wasserweg, unter Zuhilfenahme von Abria, Tiber unb Anio, unter ballabenbaften Abenteuern an Ort unb Stelle geschleppt. 3cber Obelisk in Rom hat feine merftoürbige Ge­schichte.

Die Freitreppe hinauf, alS ging« eS über die unsagbar« Raumverschwendung der Stufen von S. Maria Maggiore. Ein kleiner, aber fürst­licher Vorraum, ein Schritt in die Halle der Hausherr Riemand drängt sich zuvor zwi­schen ihn und feine Gäste. Er ist immer schon da, bevor man sich'S versieht, und hat beim Händedruck fast daS Lächeln der AauS bame. Er ist in diesem Augenblick die vollenbete Oie* benSwürdigkett. Um das abgegriffene Wort wie­der einmal auf feinen Kern zurückzuführen' wür­dig, geliebt zu werden. Da» ist der Augenblick, wo so viele, die mit einer verstockten Feindschaft zu ihm kommen, sich plötzlich entwaffnet sehen. Es braucht oft lange, biS sie sich von diesem unbegreiflichen Vorfall erholen. Sie waren gewappnet mit Männer stolz vor Dik­tatorthronen, mit Uradel, mit Kirchenwürde, mit dem demokratischen, pazifistischen. individuellen Freiheitsdvlch im Gewand«, sie kamen mit dem Vorsatz, es ihn fühlen zu lassen, sie sperrten und spreizten sich innerlich unb nun fällt alle» ein, schrumpft unversehens zusammen wie vor einem Frauenlächeln. Sie stehen verwirrt und etwas beschämt da, wider Willen irgendwie beglückt, ratlos. 3ft vielleicht doch etwas Wahres daran seine Augen sollen eine geheim­nisvolle Kraft aus strahlen...

Via Romentana zum Äatalombengürtel von S. Agnes« hinauswanbcrt. wirft nur einen scheuen Blick durch bas mächtige Parktor ber Unzugänglichen unb erhascht bamit einen Hirn- melSweiser, einen ägyptischen Obelisken, bahinter ein« riesige Freitreppe unb barüber Palmen und Pinienschirme von demütigender Pracht. Gs gibt fein« vornehmer abweisend« Oase in bet Steinwüste.

3n ben letzten 3ahren sink» zu bem Gitter und den haushohen Mauern noch Carabinieri und Geheimagenten hinzugekommen, bi« das Stehenbleiben in dieser Gegend nicht gerne sehen. Sie machen scharfe Augen, denn als im vorigen September der Schlohherr auSfuhr, warf an der Ecke ber Bia Romentana ein Mann mit Handgranaten nach feinem Wagen. Dem 3n- falfen selber freilich fiel es nicht un Traum« ein, nun so ängstlich zu werden, wie seine Leute sein müssen, er fährt Tag für Tag den gleichen Weg und lächelt dabei. Der Schlohherr heißt Musso­lini.

Als Goerh« mit wohlskandiertem $ejamet«r- schritt die Via Romentana durchwanderte, mag sie nicht viel ander- alS zu ber Zeit auSgesehen haben, da sich hier Otero von feinem Diener eine Heine Selbstmordunterstützung erbat, unb selbst die Dichter einer noch nicht ganz artsgestorbenen Generation versichern wchmüttg bet dem für das Ertränken von Erinnerungen ausgezeichnet geeigneten Frascati, zu ihrer Zeit, vor dem Krieg« hab« man die Straße vor lauter Pinien nicht gesehen. 3ch selbst war Zeuge, wie man die antike Weinschänke zum ersten Meilenstein niederlegte unb einen gemäßigten Wolkenkratzer an die Stelle setzte, ich schwebt« hier noch im laizistischen RevolutionSjahr als knurrender Engel in Staubwolken, die Kärrner auf ihrer schellen­besetzten, zirkushaft lackierten Biga schienen mir aus bunten Bilderbogen entsprungen. Kein Wunder, daß sich die Torlonia reserviert ver­hielten.

Und heut« sausende Straßenbahnen, schwarz­polierter Asphalt. Hochspannungsdrähte, Hoch­antennen, Hochhäuser. Der beliebteste Fahrkorso, die Straße der meisten Derkehrsunfälle. viel­leicht di« pompöseste Straße beS Sü­dens. Unberührt nur die Parkvilla Torlonia. eine Mole, an ber bie Brandung vorüberdonnert.

3a, bwf« kreisrunden Augen! Sie haben jetzt, wie der gange Mann, so gar nicht» 3m- ptratrrmbafte», EäsaoenderrUche». Gegnerzer. malmende« an sich ft« blicken einfach unb freund­lich. Ix sagen Willkommen. Müllol ini wäre ohne diese Augen fast zu üderiehen. Itcfct eher un­scheinbar au» trägt keine Orden, keine Ein- btlbung zur Schau, nur einen gewöhnlichen schwarzen Rock zur gestreckten Hose. So hat man ibn noch nie auf Bildern gesehen. Er ist jetzt Gastgeber, nicht» weiter.

Und bittet in den Garten zum Tee. Diele blumengeschmuckre Tische heben da. die intimen Stunden in kleinem Kreis« werden immer sel­tener - e» gibt halt zu viele Menschen auf biefer Erde, die einmal den meistgenannten Mann möchten. Rom ist zur beliebtesten internationalen Kongrehstadt geworden unb wenn die Teilneh­mer zur schönen Jahre»zeit kommen, da» heißt in Rom bi» in den Rovernber hinein, so dürfen fit fast immer mit einer Einladung in die Billa Torlonia rechnen. Ratürltch muß e» sich nicht bloß um einen Kongreß zur internationalen Regelung de» Kegelschieben» handeln

Heute sind the Physiker und Elektrotechniker, die von der Dolta-2u»stellung in Eonw kamen.

pöbelt zu werden

3m Gegensatz zu toeitoer breitet en Anschau­ungen ist die Wiener Gemeinde reich Abge­sehen von den Forsten und Domänen die ihr gehören, besitzt ft« «in Steuersystem, da» zwar jebe Unternehmung»lust moskvwitisch untergräbt, dafür aber vorläufig noch immer bte Demeind«- faffen füllt... 2lber da» Heer ber Ar­beitslosen frißt alles auf- Rn eine pro­duktive Erwerbslosenfürsorg« wagt hier niemanb zu denken, man könnte mit der Erwähnung diese- Begriff» vielleicht die Einäscherung be# Rat­hauses riskieren Wien macht Sozialismus, der aber hier von Kommunismus nicht sehr

fügung gestellt hat, unb Marroni

Rechten, sitzen vier RobelpreiSträaer an bem Tisch« Mussolini». Rach und nach läßt sich noch fo manche wissenschaftliche Koryphäe vor­stellen. und nicht viele gibt e». denen er nicht in ihrer Muttersprache antworten würde.

Vogelzuges wieder in ben Borbtrgrunb bee Inter- esses bei allen Naturfreunben.

Wodurch werden unsere Zugvogel veranlaßt, aus ihrer Brutheimat auszuwandern, wenn sich die warme Jahreszeit zu Ende neigt? Eine Ant­wort auf diese Frage scheint sehr einfach, fliegt es doch sehr nahe, die Abnahme der Warme, der Nah­rung, des Lichtes dafür oerantworUich zu machen. Einer tiefer dringenden Forschung halten diese An­nahmen aber nicht stand; viele Bogelarien, wie i. B. der Mauersegler unb ber Pirol, verlassen uns schon Anfang August, wo bie oben angeführten Faktoren gerabe ihren Höhepunkt erreichen. Der Anreiz zum Zuge kann somit nicht von äußeren Umstänben ausgehen, sonbern man wirb irgend- welche Beränberungen, bie im Bogel selbst Vor­gehen, bafür verantwortlich machen müßen.

Nach neuesten Untersuchungen von Dr. Götz in Stuttgart hat sich nun gezeigt, daß bie von durchgreifenden Beränberungen des gesamten Stoffwechsels begleitete Erscheinung bes Federwech­sels oder ber Mauser zum Wandertrieb der Bögel in engster Beziehung steht.

Wien ist fortfchrUllich und Wien ist konservativ. DaS e» von beiden mehr ist, bad ist schwer zu sagen. Wit seiner Tradition hat «S gebrochen, kaS Wien der Vorkriegszeit ist lot. Aber man rechnet heute hier noch trotz aller Schlllingwährung und aller Groschen mit Millio- ten, ähnlich wie man noch im 3ahre 1914 die Ausdrücke Gulden und Kreuzer hörte. Und Wien fortschrittlich, denn e» hat Verkehrspolizisten »nb e» baut, nein, eS bubbeit. Schade, daß man tiefen schönen Berliner Ausdruck hier nicht kennt. Man baut Wohnhäuser für die Arbeiter, und man baut wahre Paläste. Besonders am Ende ter Praterstraße. am Prater st ern, blickt der Sieger ber Seeschlacht von Lissa verwundert auf Bas seltsam« Treiben unb Durcheinander zu se nen Kühen herab. Dori konzentriert sich sozusagen nämlich bi« Dauwut der Wiener Stabtväter. Und «» soll auch Großartig«- geschossen werben. Geht man jeboch einige Schritte, vorn Donaukai kommend, nach recht- ober nach links, so ist man in den alten engen Gaffen, wo man sich nicht rühren kann. Warum aber biese Aeußerungcn baulicher unb architektonischer Raserei gerabe auf diesem einen Platz? Die Antwort darauf kann nur ber geben, dec bie ganze Tragik bes Torso- Deutschösterreich kennt, bie hier «men ihrer be- »richnenbsten Au-d rücke findet, nämlich im

Kampf um den Prater.

Geht man unter dem Eifenbahnviadukt tn die Hauptallee hinüber, so glaubt man, plötzlich in die Zeiten Maria Theresia» zurückversetzt zu sein, al- biese noch In den 3agdgründen de- ®tatet» für die militärischen Mißerfolge im Siebenjährigen Kriege mit bem Preußenkönig. Trost und Ruk)« sucht«. Rur mag damals die Wildnis de» tratet Schönheiten gezeigt haben, Wildheit mit Romantik vermischt, während heute ka» einzig«, da» man zu den gegenwärtigen Zu- ftänben lagen kann, Verwahrlosung ift. Seit Maria TheresienS Sohn. Kaiser 3oscph II., ten der Preußenkönig wegen seinerFortschritt­lichkeit um jeden 'OttU oft verspottete, den gratet für seine Wiener öffnete, hat dieser vohl noch nie ein fo trauriges Bild geboten, tric heute Verwahrlost ist der Fahrdamm, der ein|l bie Galakutschen beS Wiener Barock und tRokoko und di« eleganten Gummiradler unb Li.iker ber Vorkriegszeit getragen hatte. Auto» dürfen da nicht fahren, Kutschen gibt eS nicht »iehr. bie Wiener Fiaker sind zu zählen, und <uherdem hat der Wiener kein Geld. Der Fahr- Lamm ist also verödet. Die Wege für die Fuß- länger sind voll von berabgcfallcncn Blättern, I zwischen denen die wilden Kastanien mit abge- faulter Schale traurig herauSschauen. Die Bänke sind schmutzig, ihre Füße verbogen, die CafL- läuler, in denen noch Franz Lehär den Taktstock schwang. find verödet, und Niemand findet mehr Len Weg hinaus in die Kriau, deren Grenzen Lie große Donau umspült, und auf dem Ronstantinhügri. wo keine Sichel mehr den Rasen pflegt, sitzen höchstens ein paar Arbeitslose, die Lie 16nen reichlich zuftießenden Unterstützungs- jtelder in irgend einer Kneipe versoffen haben.

Und am Eingang zu diesem Prater baut die Gemeinde Wien Paläste. Sie baut sie, um

Aber als man im besten Spiel ist, ruft die Mutter des Torwarts vomFrohsinn" vom Fen- ster herunter:Fritze! Der Papa ist da! Nischt wie heeme. Uebrigens gibt es Bratkartoffeln. Aber wenn de nid) gleich kommst, gibt es Dresche!"

Der Torwart verläßt fein Tor unb rast nach Hause.

Hallo! Die Feuerwehr!" Alle Beschäftigungen, selbst bie Schule, werben abgebrochen. Die Feuer­wehr ist _ füngcltnfl unb tut-tut in ber Neben­straße oorbeigefahren! .

Unb bie ganze Kolonne setzt sich tn Bewegung. Endlich wieder einmal ein Erlebnis!

Aber bald fährt sie wieder ab. ÄeHerbranb, Lumpenbrand

Es wird Abend Der Hunger macht sich bemerk- bar. Und energische Stimmen werden aus geöff­neten Fenstern laut. .HeinU" ruft ein Baß.Nischt wieruff!" Heini eilt wie ein geölter Blitz mit ban­gen Mienen. Er hat eine zerrißene Hose aus dem Nachmittagrimel baoongetragen.

.Rudi! Bubi!" ruft eine Mutter. Ja! Dem Rubi ist sein Kreisel in ben Kanal gefallen, unb er unb drei seiner Kollegen bemühen sich. ben Kreisel roieber herauszubekommen. Vergeblich! Unb Rubi kehrt heulenb heim. .

Die Heine Stefanie verläßt chre vielgeliebte Pfütze. Sie hat eine kleine tote Katze in ihr ge- funben unb trägt sie in ben Aermchen heim. Die Schühchen sinb patschnaß. Warum mußte auch bas Kätzchen In bie, ach so schöne, tiefe Pfütze laufen?

Unb Stefanie träumt von einer kleinen Katze, bie schnurrenb auf ihrem Bettchen saß, unb von dösen Jungens unb großen Kraftwagen.

Kinder auf der Straße.

Bon Ulrich Kamen.

Bor dem Hause, in dem ich mein bescheidenes heim ausgeschlagen habe, ist inmitten von Automo­bilen, Motorrädern, Bierlieserungs-Kroftwagen und anderen Behikeln ein Spielplatz! Es tummeln sich da ungefähr, ich kann mich in der Rechnung irren, dreißig Kinder umher. Das jüngste Kind ist bestimmt nicht älter als zwei Jahre. Der älteste Bengel wohl zwölf Jahre

Man kann drei Gruppen unterscheiden. Die aanz kleinen Mädchen und Jungens haben teils huppen im Arm, teils lutschen sie an Zucker- ftangen, ober spielenElektrische". Mit befonberer Hochachtung betrachte ich stets eine junge Dame im Alter von vielleicht zehn Jahren (natürlich Bubikopf!), bie eine unglaubliche Birtuofität darin entwickelt, einen Ball, einen ganz -'wohnlichen (BummibaU, zu hantieren. Es gibt keine ©lieber- Verrenkung, in ber sie ben Ball nicht an bie Wand unb wieder in ihre kleinen Händchen zurück bugsie­ren könnte.

Ein kleiner, niedlicher Blondkopf weckt am lieb- sten in Pfützen. Er mag vier Jahre alt sein. Aber (ein Schuhwerk muß alle drei Wochen erneuert werden. Denn sich nach einem Regenschauer eine Pfütze gebildet hat, steht der kleine Bursche be- stimmt darin.

Eine andere Kolonne spielt .Lehrer und Schü­ler". Ein junger Herr ist Lehrer. Sechs Kinder sind bie Schüler. Sie sitzen da und haben bie Hände gefaltet. Unb wehe, wenn ba irgenbeine Disziplin­losigkeit oorkommt!Wieviel ist 16 + 17?" fragt DerLehrer" streng.

Mensch!" kommt es aus dem Hintergründe, bas roeefte doch selber nich!" Der Herr Lehrer verstummt.

Bier andere Kinder haben ein Kätzchen gefan­gen. Es windet sich unter ben Liebkosungen. Ein Junge kneift es in den Schwanz.Mau!" sagt es und entfleucht

Unb an ber Ecke spielen sie Fußball. Maxens Mutter (Maxe hatreiche" Eltern) hat den Fuß- doll gestiftet. Haustore bilden bie sonst vorgeschrie- benen Tore. Es spielt ber Fußballklubgrobfinji", Maurerstraße, gegen ben SportvereinFestedrusf", 2angcgaffe. Auf beiben Seiten sind die Mannschaf­ten gut.

Man bummelt unter den Palmen und Pinien. Endlich einmal, denkt man, in 3talienl 3n jenem Italien nämlich, wie man es fast nur noch aus retuschierten Bildern oder im ersten Ferien­traum sieht. Weit und breit nicht» von den Fortschritten der Reuzeit, die seit Goethe auf- gekommen sind, den Leitungsdrähten und Bogen­lampen und AchlungSsignaien. Kein fremde» Fenster in der Runde Landschaft, ideale Land- schäft. Man kayn unbekümmert in» Weite wan­dern. So eine Mammutpinie steht ganz allein, ohne Unterholz und Dlumengarnierung. auf grü­nem Aasen, monumental. Die Zypressen wie stumme, bis in den Tod getreue Wachter. Bam­bus am Wildentenweiher Kein Gärtner tobt sich in architektonischem Irrsinn mit Füllhörnern, Prunksternen und einem kolorierten Deometrie- buch aus. Die Ratur hat ja schließlich ihre auch nicht zu verachtenden Qualitäten, so daß man ihr nicht immer die Hand führen muß. M« ßicht da die unvermutet auftauchende Komplrinentärfarb« eines Monsignore, da» rote Eape in» Grün! Ein« Singhalesin, vielleicht ist es auch eine Frau

Ischen Hof. steht unter der Fächerpalme, __ ,ie zu Hause, malerisch bewußt fällt ihre goldgeränderte SchmetterlingSpracht über den schwarzbraunen Arm. Schade, daß ihr Begleiter eine 3ntettig«nzbrille trägt, Gtrvhhut drängt sich vor, kehren Musik und Mussolini Men.

Die Amerikaner haben sich bereit» Kodak» an bat seltene Will» herangepirscht. Zuerst über drei Tische hinweg, dann über zwei, dann gerade inS Gesicht hinein er zuckt mit keiner Miene. 3ft auS dem schwarzen Hemd fr-» Rommarsche» längst in» Weltmännische binein- g«wachsen. Er sitzt beim Tee, warum soll ihm also nicht auf die Rase «zielt werden dürfen?

Man trinkt, man knaoberl, man plaudert, aber vor allem sieht man doch 3 h n, nicht» al» ihn. 0» wäre lächerlich. leugnen zu wollen. Die Frauen haben glänzend« Augen Anderswo pflegt das 3nteresse allmählich zu txrebben, hier wächst et an. Wenn es auf seinem Höhepunkt angelangt ist, steht da ein Mann, den alk ander» gesehen haben. Er ist verwandelt. ®t hat jetzt die typische gelockerte Haltung des Italiener», die so ver- sührerlsch sein kann. Und so löst er sich auS dem rasend applaudierenden Ring vieler Rationen, gebt in» Haus zurück, ganz allein, ohne jede Pose, und doch wie ein Fels, vor dem di« Wellen zurückweichen. Sin Mann, der überall Mittelpunkt sein muß.

Wir haben nur Tee getarnten, und doch war

gebaute Dame mit Bubikopf, befand sich seit Juli bei Verwandten in Ostafrika und Überredet« zwei englisch« Alpinisten, William E. West und den Major Lennox Browne, mit ihr ohne Führer den Aufstteg zu wagen. Während sie selbst sich gegenwärtig auf der Löwenjagd befindet und beabsichtigt, allein den Ril entlang zu wandern, gibt ihr Begleiter West eine ausführliche Schilde­rung der Besteigung. Die drei erklommen zuerst den niedrigeren Gipfel, den Mawenki. ber im Gegensatz zu demÄtbo, d. h. der .Helle . genannten höchsten Gipfel von 6310 Metern ber .Dunkle" heißt. .Wir feierten unsere Ankunft dort", erzählt West, .mit einem Trunk guten Weins und ließen die Flasche als Zeichen unserer Besteigung zurück. Dann gönnten wir un» einen vollen Tag Ruhe unb unternahmen am folgenben Mittag ben Angriff auf ben Kibv. Wir suchten, die .Hans-Meyer-Höhle" am Rande des Pla­teaus zu finden. Aber da wir keinen Führer hatten, so irrten wir herum, und unsere uner­schrockene weibliche Begleiterin sand eine andere Höhle, die ihre weiblichen Bedürfnisse nach Be­haglichkeit befriedigte. Um Mitternacht brachen wir auf, aber nachdem wir eine kurze Strecke gegangen waren, ging unser« Laterne aus und lieh sich nicht wieder in Brand stecken Die Dunkel­heit war so groß, daß wir uns in einem FelS- oerfted eng zusammenbrängen muhten, um den Sonnenaufgang abzuwarten Als wir eine Hohe von 19 000 Fuß erreicht hatten, war Major Browne vollkommen erschöpft und kannte niq>t mehr weiter. Miß MacDonald aber wollte ftch dadurch nicht abschrecken lallen und bestand daraus, dah wir beide den Aufstieg vollendeten 3ch ent­schied mich, ihr zu folgen Sie übernahm bte Führung, als wir weitergingen ES war eine überaus anstrengend« Leistung für eine Frau, aber sie überwand alles mit wundervoller Kraft, und erst, als wir den Gipfel erreicht hatten wurde sie von einer leichten Uebelkrit ergriffen

Der Kampf um denPrater

Don unserem o.-Berichterstatter.

iRachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Wien, Anfang Oktober 1927.

I Die Wiener Romantik ist vor die Hunde «gangen 3« nach der Einstellung des einzelnen oetben hierfür verschiedene Gründe angeführt. £te Umwandlung de» fiebert» der alten Äaifet- tabt unb die Aenderung in der Psyche ihrer brfannt Ieben»luftigen lebensbejahenden Bewoh- r Ist vielleicht In der einfachen Tatsache zu sichen baß man heute hier bem traditionellen Dreivierteltakt endgültig Valet getagt hat unb rafür mit fliegenden Fahnen in» Lager der am«- rkonischen Synkopen überging. Wte soll denn 2uch in Wien noch Romantik sein, wo kein Walzer mehr erllingt. Da» Rathausmandl »unn mit dem Donauweibchen keinen Shymmi

Kss Hu

VZtzÄ * rthet 4° von 7 «2,ckt.

taten!*1'' beut'»

Hl

««

' el.-Wr. C&TQlat U5Gs

deinen id Mo- alten Jungen

n laib. i)amllle ne. i udjt. Echr. Ang. ii-

QO.J.

Mochemnrder' Verein Menen. Conutag, 9. CiL, mitt *'ri Ubr: (!k- nielnfame ^anbexe. treffa: 6de Sil- belmitr/6m fiimer Str. Bei Siegen fällt Wanderung auS MW Der Tinlui.

V. i. B.

WU»

Lonntag natbnül' tag 3 Uüt:

59. B. DUH Clgo-Mtrot 11.

tm-Mttw.

Ad 1 V\\)x: MWIk.

Adends 8' . llbr: ZWWW im VercinSdcim.

Der Vorstand. GefanMrein Frohsinn".

mit Tanz nach d. starstrnde. ffbeiLlwr sind hmlM «