Nr. 185 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, 8. August (927
Bismarcks Sturz.
Unbekanntes zur Vorgeschichte.
Der Sturz Bismarcks im Jahre 1890 ist der große Wendepunkt der neuesten deutschen Ge- schvchte. Sein tiefster Grund ist die Machtauseinandersetzung zwischen Kaiser und Kanzler gewesen; in diesem Sinne saht das Wort, das damals Graf W a l d e r s e e dem Kaiser sagte: ..Friedrich der Große wurde nie der Grofte geworden sein, wenn er bei seinem Regierungsantritt einen Minister von der Bedeutung und Machtstellung Bismarcks vorgefunden und behalten hätte." dre ganze Tragik biefca Geschehens am schärfsten zusammen. Bismarck, der Allmächtige, war ohnmächtig gegen die Macht, dre er selbst der Krone wieder in die Hand gegeben hatte. Wilhelm ll. wollte es Friedrich dem Groszen gleichtun. Das Parlament hat bei dieser Krise die Rolle des passiven Zuschauers gespielt. Auch hier mag man die tragische Ber- lettung der Dinge im Leben des gewaltigen Kanzlers sehen: dah die Parteien, die int Schatten des Titanen verkümmert waren, die er entweder zu seinen Trabanten oder zu ohnmächtigen Opponenten seiner genialen Politik herabgcdrückt hatte, nun durch ihren Mangel an selbständiger, verantwortungsbewuftter Initiative, zu seinem Sturz wenigstens mittelbar beitrugen.
Eine Parteigruppe hat es allerdings gegeben. die zwar nicht am Sturz im Jahre 1890 unmittelbar mitgewirkt, aber doch attiv an der Trennung Bismarcks vom Kaiser gearbeitet und die dieses Ziel gerade durch den Appell an die absolutistischen Reigungen Wilhelms ll.. an die Rechte der Krone gegenüber dem „Hausmeiertum" des Kanzlers zu erreichen gesucht hat: es war die „kleine, aber mächtige Partei", die seit den Tagen Gerlachs ihre Macht nicht auf ihre parlamentarische, sondern auf ihre höfische Stellung gründete, die „Kreuzzeitungspa rte i'. Aus ihrer Tätigkeit gegen den Kanzler veröffentlicht soeben Walter Frank im neuesten Sonderheft der Süddeutschen Monatshefte (München) „Aus der Vorgeschichte von Bismarcks Sturz" mit wertvoller Einleitung eine Anzahl bisher unbekannter Dokumente aus dem Rachlasse des Hofpredigers Stöcker.
3m Anschluß an Bismarcks seit 1879 ein« 'geschlagenen konservativen Kurs, hatte sich in Berlin die sog. „Derllner Bewegung" entwickel. 3hr bedeutendster Führer war der Hofprediger Stöcker, zweifellos eine glänzende Persönlichkeit und der größte Volkstribun, den das konservative Preußen hervorgebracht hat. Sein Kamps galt der Sozialdemokratie, dem Fortschritt und dem modernen, d. h. liberalen Judentum; was er dabei letzten Endes erstrebte, war die Wiederherstellung der Autorität der evangelischen Kirche im öffentlichen Leben, wo sie, geschützt von einem „sozialen Kaisertum", die Rolle einer „sozialen Großmacht" spielen sollte. Dank seiner hervorragenden populären Begabung war Stöcker zwischen 1880 und 1885 der am meisten geliebte und am meisten gehaßte Mann Berlins.
Diese konservativ-antisemitische Bewegung hat Bismarck als Sturmbvck gegen die Fortschrittspartei ausgenüht; sie war 3jm tobe alle politischen Richtungen nur Mittel ztun Zweck, älebrigens ist er schon in dieser Zeit Stöcker selbst, bei aller sportsmäßigen Freude an seinem „Löwenmut", reserviert gegenüberstanden. Als man ihm Stöckers Verdienste rühmen wollte, erwiderte er: »Zwei hübsche Mädchen in demselben Hause — das geht nicht!" So berichtet Stöckers Biograph Oerhen und fügt hinzu: „Alles Selbständige war dem Fürsten als solches unsympathisch, vollends wenn der, der sich seine Persönlichkeit währte, ein evangelischer Pastor war."
Erste Aufgabe der Geschichte ist das Der- stehen, nicht das Anklagen und Verteidigern. Grundsätzliche moralische Verdammung einer Opposition gegen Bismarck wäre darum ein Zugeständnis an unhistorisches Denken. Bismarcks Größe verträgt es außerdem, daß man auch die Gegner seiner Politik, sofern sie nur bedeutend und von reinem Wollen beseelt waren, in ihrer Eigenart anerkennt und würdigt. Auch der Hofprediger Stöcker, der im Mittelpunkt der vorstehenden Veröffentlichung steht, muß unter diese Opponenten gerechnet werden; wer nur den
Gotisches Erlebnis.
Von Gerda Treviranus.
(Rächdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?)
Paris. —
Immer wieder ist es, diese Stadt, die die Menschen an sich zieht. 3n dieser Zeit der Hvchsommertage zumal. Der lachende und der traurige, der törichte und der kluge, der zerrissene und der ausgeglichene Mensch, sie alle werden von dieser Stadt in ihren Dann gezogen, die für alle Raum hat, für alle ihre Schönheiten, für alle den Rhythmus ihrer Bewegung — für alle das, was ihre Sehnsucht sucht.
Zeder Sehnsucht wird Erfüllung. Dies ist die Stadt der lebendigen Gemeinschaft, der Gemeinschaft aller Zungen, der Gemeinschaft aller Erhebungen und aller Leidenschaften.
Inmitten des gestauten Stroms sich drängender Automobile, die aus den Champs Elysees in die engeren Schlünde der Riesenstadt sich hin- eindrücken, glaubst du das Herz Europas klopfen zu hören, ein Herz, das im Takt des Motors klopft jmb das doch wie in einer Schale ruhend liegt — in der Schale der Harmonie, die aus dem Adel der Architektur und dem unfaßbaren Duft der Tradition dieser Stadt gewoben ist. Lasse dich treiben auf diesem schiebenden Band aus ungezählten lebendigen Maschinen und lasse dich halten von jenem machtvoll aufsteigenden und doch wieder in weichem Dogen sich beugenden Tor dem Triumphes.
3st das Herz Europas hier? Das Herz Europas schlägt in den Rationen. Diese Ration bietet ihr Herz allen Augen dcn:. Da ist das Grabmal Rapoleons — und das ist das Herz des Ruhmes. Da ist das gewaltige Massiv der Notre Dame mit ihren zum Himmel sich schwingenden Türmen — und dies ist das Herz des Glaubens. Lind da steht die Sacre Coeur, das Bekenntnis zum heiligsten Herzen, auf dem Berg der Märtyrer, der sich emporringt aus der Brandung dieser Stadt und den doch ihr Auswurf und ihr niedrigster Taumel zur halben Höhe umspült.
Ist es nicht hier auf der halben H:-e dieses Berges in der „Butte de Montmartre“, wo vor
„Scheiterhausenbrief" kennt, mag zunächst geneigt sein, in ihm einen Intriganten im Priesterrock zu sehen. Aber das geschichtliche Bild ist das einer geistig bedeutenden Persönlichkeit und einer starkwilligen leidenschaftlichen Kampfnatur, die, vom Eifer für die Größe der Kirche durchglüht, sich in die Arena der Politik stürzte; daß dann hier der kategorische Imperativ txr christlichen Ethik mit dem kategorischen Imperativ der Politik: Macht zu gewinnen für sich und die Sache, in Konflikt geriet, geraten mußte, ist nach den Worten Franks, tragische Verkettung, nicht „protestantischer Iesuitismus".
Der Rachlaß Stöckers beleuchtet die Vorgeschichte der Entlassung Bismarcks von einer bisher weniger gekannten Seite her. Lind wenn sich dabei für das Jahr 1890 kein Material findet, so beleuchten diese Dokumente doch die ganze Tragik der Entwicklung und die Tatsache, daß der Sturz Bismarcks von Den Extremkonservativen begrüßt wurde in falscher Anwendung des monarchischen Gedankens, des gleichen monarchischen Gedankens, aus dem heraus Bismarck das Haus Hohenzollern aus der Krise von 1862 auf die Höhe von Sedan geführt hatte.
Englands ostafrrkanische Herrschaft.
Von * „ •
Seit die Ententemächte durch den Versailler Vertrag unter dem Deckmantel der längst widerlegten Lüge iber deutschen kolonialen Llnfähig- keit Deutschland seiner Kolonien beraubt und es aus der Reihe der Kolonialmächte ausgeschaltet haben, teilen sich in den afrikanischen Kolonialbesitz neben Belgien, Italien und Portugal in der Hauptsache Frankreich und England. Die Deutschland abgenommenen afrikanischen Gebiete hat der Völkerbund als sogenannte „Mandate" an Frankreich, Belgien, England beziehungsweise an die südafrikanische Llnion gegeben. Dott der größten, wertvollsten und entwicklungsreichsten deutschen Kolonie, von Deutsch-Ostafrika, ist der Hauptteil, jetzt „Tan- ganyika Territory" genannt, unter englisches Mandat gestellt worden. Daß man den Begriff des Kolonialmandats lediglich deshalb gesoffen hat. um die entschadigungs- lose Aneignung des deutschen Besitzes zu verschleiern und so der Welt Sand in die Augen zu streuen, kann heute als ausgemacht gelten. Der juristische Begriff des kolonialen Mandats wird in Artikel 22 der Völkerbundssatzung ein» deutig festgelegt, und zwar wird dort unterschieden zwischen den Mandatsgebieten, in denen der Mandatar die Verwaltung des Gebietes übernimmt und solchen, die aus näher darge- legten Gründen nach den Gesehen des beauftragten Staates und als integrierender Bestandteil ihres Gebietes verwaltet werden sollen. Zu der letzteren Kategorie, den sogenannten C-Mandaten, gehört beispielsweise Südwestafrika, während Ostafrika unter die erste Kategorie, die sogenannten B-Mandate, fällt. Für die B-Mandate ist mithin nach der Völkerbunds» sahung ein Zusammenschluß mit anderen Gebieten nicht zulässig.
Trotzdem plant England jetzt, das Tangan- yika Territory mit den angrenzenden englischen Kolonien Llganda, Kenya und Rordrhodesien zu einem Dominion zusammenzuschließen. Die Bestrebungen Englands nach der Schaffung eines neuen vst afrikanisch en Dominions unter Einschluß des Mandatsgebietes Tanganhika, sind die Folge der Londoner Kolonial -Kon- serenz vom Mai dieses Jahres. Auf dieser, durch lokale Besprechungen in Ostafrika vorbereiteten Konferenz handelte es sich nicht nur um eine Reuregelung der unmittelbaren wirtschaftlichen Beziehungen der Kolonien und Protektoratsgebiete zueinander, sondern vor allem um die künftigen konstitutionellen Beziehungen der verschiedenen unter britischer Verwaltung stehenden Länder Ostafrikas mit Einschluß des Tanganhika Territory zu einer neuen Konföderation. Die Pläne über die künftige englische Politik in Ostafrika sind niedergelegt in einem kürzlich von der englischen Regierung herausgegebenen Memorandum, nach dem eine zu diesem Zwecke nach Ostafrika zu entsendende Spezialkommission arbeiten soll. Das Memo-
einem Abend für Abend ausverkauften Parkett das Theater Grand Guignol spielt, das Theater der Grausamkeiten, das die Fieberträume eines Marquis de Sade zu überbieten versucht und dem grausamen Herzen dieser Ration in Surrogaten immer wieder die Rahrung darreicht, die es sich während des Krieges sowohl wie auch in seiner kolonialen Betätigung gierig verschaffte und noch immer verschafft. Man hat gesagt, Paris sei nicht Frankreich, und man hat Recht mit diesem Wort, wenn man diese Stadt nur politisch nennt, wenn man glaubt, boft MS, was als . das spezifisch Pariserische bezeichnet wird, zugleich spezifisch bezeichnend für die ganze Ration sei. Aber das Pariseri.-sche ist eben doch nur auf dem Untergrund des Französischen denkbar. Es ist zugleich seine höchste Sublimierung, wie es im andern, so vor allem im Riedrigen seine krasseste und widerlichste Ausdrucksform darstellt. So ist Paris zwar nicht Frankreich — das Pariserische aber doch eminent französisch.
Höchste Sublimierung des französischen Geistes ist die Gotik. Die Gotik, die ja nicht Frankreichs Besitz allein ist, sondern die ein Kind zweier Rationen ist, Frucht einer übersinnlichen Ehe, die über alles Irdische hinweg im Himmel geschlossen wurde, und die vielleicht gerade deshalb für das Irdische ewig unerreichbar bleibt, da sie das Wunder ist.
Rouen ist die Stadt, wo dieses Wunder Ereignis wurde. Schon ist es ein Sommertag, durch den die Fahrt geht nach dieser Stadt, wo Ieanne d'Arc, von Englands Hatz gehetzt, den Flammen übergeben wurde, wo der Körper der Heiligen verbrannte, aber ihr Herz einer schönen Legende nach von der Brunst des Feuers unberührt blieb... aber vielleicht ist es doch von Schlacken umschlossen, dieses Herz, so daß es seine Kräfte nicht auszu strahlen vermag, um die gotische Ehe int Gefilde des Irdischen zum Ereignis werden zu lassen.
Ereignis ist sie nur geworden in diesem Symbol der Steine, die beten.
Du Deutscher, — feinen Augenblick stehst du fremd in den neuen und alten engen Straßen dcr Stadt mit den Zeilen ihrer Bürgerschafts- häuser, die von allen Zeiten seit dem frühesten Mittelalter Kunde geben. Vor diesem Torbogen
randum kommt zu dem Schluß, dah eine „engere Verbindung zwischen den Territorien Zentral- und Ostafrckas, besonders in bezug auf die Entwicklung des Transportes und der Verkehrswege, auf Zölle und Zollverwaltung, wissenschaftliche Forschung und Verteidigung, wünschbar erscheint." Zunächst wird die Vereinigung zwischen Kenya. Llganda und Tanganycka in Aussicht genommen, während der Beitritt von Sansibar. Rhastaland und Rordrhodesien für einen späteren Zeitpunkt ins Auge gefaßt wird, und zwar sobald der Ausbau der Verkehrswege es gestatten wird.
Lieber die Einbeziehung des Tanganhika Ter- ritvry, also D e u t s ch - O st a f r i k a s, heißt es in dem Memorandum: „Die Tatsache, dah wir Verantwortlichkeiten a ls Mandatar betreffs Tanganhika übernommen haben, schafft keine Schwierigkeit oder Komplikation hinsichtlich des Problems einer engeren Llnion. Artikel. 10 des Mandats für Tanganhika ermächtigt ausdrücklich die Mandatarmacht, das Mandatsgebiet in eine Zoll-, fiskalische oder Derwaltungsunion oder Förderativn mit den anliegenden Gebieten unter ihrer eigenen Souveränität oder Kontrolle zu bringen, immer vorausgesetzt, daß die dazu ergriffenen Maßnahmen nicht die Vorschriften dieses Mandats verletzen."
Was England hier plant ist nicht mehr und nicht weniger als eine Llnterschlagung eines chm zu treuen Händen anvertrauten Gutes und würde einen weiteren Schritt auf dem Wege zur endgültigen Annektion Deutsch-Ostafrikas durch England bedeuten. Formell kann sich England bei seinem Vorgehen auf den Artikel 10 der am 20. Juli 1922 zu London abgefaßten, vom Völkerbund später genehmigten Mandatsakte über Deutsch-Ostafrita berufen. Aber die Desttmmungen dieses Arttkels 10 widersprechen den oben wiedergegebenen Festsehu ngen des Artikels 22 der Völkerbundssatzung. Sie wiederum einen integrierenden Bestandteil des Friedensvertrages bildet und deren Abänderung nur mit Zustimmung des deutschen Vertragspartners möglich ist. Eine solche Zustimmung Deutschlands aber liegt bisher nicht vor und kann auch um so weniger gefolgert werden, als Deutschland zur Zeit der Schaffung der Mandatsakte über Deutsch-Ostafrika noch nicht Mitglied des Völkerbundes war. Auf jeden Fall stellt sich der fragliche Ar- titel als ein nachträglicher Versuch Englands dar, sich unter der Hand doch noch die Vorbedingungen für eine dauernde Annekttvn Deutsch- Ostafrikas zu verschaffen, die es bei den Friedensverhandlungen gegen den Widerstand Wilsons nicht durchzusehen vermochte.
Deutschlands Eintritt in die Mandatskommission des Völkerbundes erscheint nahezu gesichert. Deutschland wird hier reichlich Gelegenheit finden, um sein Recht zu kämpfen. Ebenso selbstverständlich ist es, daß Deutschland sich mit dem Bruch des Artikels 22 der Völkerbundssatzung, wie er in dem Artikel 10 der Mandatsakte über Deutsch-Ostafrika liegt, nicht abfinden kann. Deutschland wird vielmehr alles daransehen müssen, die auf die völlige Annektion Deutsch-Ostafrikas hinauslausenden englischen Bestrebungen rechtzeitig zu durchkreuzen. Denn wenn erst einmal die englischen Pläne konkrete Gestalt angenommen haben, wenn der Zusammenschluß des Tanganhika Territorh mit den angrenzenden Teilen des englischen Kolomalgebiet cs einmal erfolgt ist, dann wäre, zumal bei der Machtlosigkeit des Völkerbundes. eine Wiederloslösung des Mandatsgebietes von Deutsch-Ostafriko aus dem geplanten vstafrikanischen Dominion fast eine Unmöglichkeit.
Die Ziele, die England mit der Schaffung des ostafrikanischen Dominions verfolgt, liegen Har auf der Hand. Je mehr sich die Dominions industrialisieren, je mehr Indien sich politisch und wirtschaftlich von der brittschen Vormundschaft loslöst, desto stärker tritt der ost afrikanische 3n t er essenko m plex in den Vordergrund als gewaltiges Rohstoffreservoir und potentiell großer Absatzmarkt für England; aus diesem Grunde ist stärkste Konzentration und straffste Durchorganisierung notwendig. Aber nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Gesichtspunk'e mögen maßgebend sein. Zwar steht im großen betrachtet der
der großen LIHr des Sonnenkönigs schlägt dein Herz, das Rürnberg und die Städte des Rheins und Schwabens in gleichem Takt erlebte. Wenn die Sonne im dollen Mittag mit ihrem Glanz die unzähligen Verzierungen, Ranken. Kapitelle und die ganze steinerne Pracht der Kirchenwerke übergießt, wenn gegen das durchsichtige Blau des Himmels der gewaltige Hochbau der Kathedrale mit seinen zwei großen Fronttürmen aufragt, die zwischen sich die holde Frucht des. tour de beurre behutsam bergen und es doch nicht hindern können, daß er wie eine Blüte halt sich erschließt, um mit der Knospe sich verjüngend hinaus m Den Himmel zu wachsen — dann mußt du auf die Knie niedersinken und beten. Richts anderes ist dir hier möglich, als glauben und beten, um dann von jener steingewordenen Süßigkeit der PEglise Saint-Maclou die Gnade der Hoffnung zu empfangen.
Dies ist die lieblichste aller Kirchen, die es in Der Welt gibt. Dieses Werk der Freude, der sprudelnden Phantasie des Reichtums unb der Fröhlichkeit ohne Ende, das gebaut wurde nach der Besiegung und der Vertreibung des englischen Feindes.
Hier überfiel mich am tiefsten der Rausch der Farben, die mit der Sonne durch die vorn Bunt übersättigten Fenster hindurch ein Spiel austrugen, das in bezaubernder Lichtbrechung das ganze innere Schiff der Kirche in ein wogendes Gegeneinander von Tönen verwandelte. Hier fitzt, wie auf dem Gemälde jenes niederländischen Meisters, die heilige Eäcilia selbst an der Orgel der Farben und läßt fte' ausleuchten in himmlischer Kraft und Harmonie. Hier ist die Schönheit, die weinen macht aus heiliger Gelöstheit.
Wie ernst dagegen ist die St. Quenkirche, dieser langgestreckte schmale Dau, der fast zu ernst zu sein scheint für die Menschen von heute, die tiefster Innerlichkeit verlustig gingen. 3 en er 3nnerlichkeit, von *&er hier alles zeugt, dieses Labyrinth der Ziergestalten, diese reine Freude eines holzgeschnittenen Amoretlenbogens, diese Portale tiefster Symbolik und diese beiden Statuen Ser ersten Menschen, die steingewordene Seelen sind. Rur wenige beten hier in dieser ernsten Halle, in der der Schritt verhallt, wie tausende und abertaufenbe Schritte verhallten, wo dos
Osten Afrikas vom Kap bis zu den Mündungen des Rils unter der Hoheit des Weltreiches, mag die Form die des Dvminiurns, der Kolonie, des Protektorates oder des Mandats fein; aber ohne Zweifel würde, schon als Gegengewicht gegen Sas reichlich selbstherrliche südafrikanische Dominion, eine einheitliche Zusammenfassung aller ostafrikanischen Einheiten eine Stärkung des Imperiums auch in machtpolitischer Hinsicht bedeuten.
Oberhessen.
Landkreis Sictzcn.
X Klein-Linden, 7. Aug. Heute am 14. und 21. August hält der hiesige S ch ü tz e n k l u b „Roland" auf feinem Schießstande, unweit dcr Straße Klein-Linden—Wetzlar, ein P r e i s s ch i e - ß e n ab. Die gestifteten, zum Teil sehr wertvollen Preise sind im Schaufenster von Margarete Adolf, Frankfurter Straße 23, ausgestellt. — Eine sehr reiche Obsternte steht in diesem Jahre in Aus sicht. Die Bäume an der Provinzialstraße nach Wetz' lar zeigen einen sehr guten Behang, so daß fid) auch für die Massen der Käufer aus Gießon, welche alljährlich dort ihren Bedarf decken, reiche Auswahl bietet. Im allgemeinen ist die diesjährige (9 c = treideernte aller Fruchtarten als eine Rekordernte zu bezeichnen, die Kartoffeln und Hackfrüchte zeigen ebenfalls einen vorzüglichen Stand.
*1* Grünberg, 7. August. Am Freitag hielt der Ländliche Reit- und Fahrverein Grünberg und Umgebung eine Mitgliederversammlung im Hessischen Hof ab. Der 1. Vorsitzende begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste, insbesondere den Ehrenvorsitzenden des Bcreins, Rittmeister a. D. Frhr. Roeder von Diersburg, Bürgermeister Jäckel und die Gemeinderäte Schmidt und Böß. Den Verhandlungen lag das am 2. Gallus- markttage (20. Oktober) vom Verein zu veranstaltende Reitturnier zugrunde. Das Turnier soll in diesem Jahre in größerem Stil abgehalten werden. Voraussichtlich werden sich die Nachbaroerei ne Rabenau, Lich und Homberg beteiligen. Die Leitung des diesjährigen Turniers wird in den Händen des Ehrenvorsitzenden, Rittmeister a. D. Frhr. Roeder v. Diersburg, des 1. Vorsitzenden, Dr. Selzer und des Schriftführers Pofttnspektor Carle, liegen. Bürgermeister Jöckel sagte die Unterstützung der Stadt- verwalttmg nach Möglichkeit zu. — Ferner beschäftigte sich die Versammlung mit dem Turnier anläßlich der Landesausstellung in Darmstadt int September und dem Turnier des befreundeten Nachbarvereins Rabenau am 4. September. Der Grünberger Reiterverein wird mit je einer Abteilung an beiden Veranstaltungen teilnehmen.
* Ober-D es s ingen, 7. Aug. Der in den Basaltwerken Ober-Bessingen beschäftigte 33jährige Maurer und Heizer Hermann D ö - ring and Münster bei Ober-Bessingen, Vater von drei unmündigen Kindern, verunglückte am Sonntag morgen durch eine Hand - granatenexplvsivn. Döring wollte einige hundert Meter von seinem Hause entfernt eine Handgranate abziehen, die zu früh losging und ihm dadurch die linke Hand gänzlich ab» riß, während die rechte stark verletzt wurde; außerdem trug er schwere Ges ichtsver- letzung en Davon. Trotz seiner schweren Verwundung konnte sich der Marrn noch in seine Wohnung begeben, wo ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. Das städtische Sanitätsautv brachte den Verunglückten in die Chirurgische Klinik Gießen.
Kreis Schotten.
„?" Schotten, 6. Aug. Anläßlich des 64. G e - burtstags des K r e i s d i r e k t o r s Geheimrat Böckmann brachte der hiesige Männerchor 1837 (Dirigent L. Süßet) dem Jubilar ein Ständchen, während Geschäftsführer Hofmann namens des Vereins die besten Wünsche entbot.
Kreis Büdingen.
„?" Nidda, 6. Aug. Der Zweckoerband Ulfa-Nidda ließ jetzt in Ulfa, wo die Wagen der Autolinie stationiert sind, eine 21 u toballe mit Reparaturwerkstätte sowie eine Wohnung für den Wagenführer erbauen. Wenn auch in den Sommermonaten erwartungsgemäß der Verkehr auf dieser Strecke nachgelassen, so bietet doch die neuaufgenommene Verbindung N i d d a— Bad Salz- ha u s e n reichlich Ersatz, so daß der Bestand der Linien nicht in Frage gestellt ist. — Für die jun =
Herz still unD demütig und zagend wie das eines Kindes wird, das innerlich fühlt, daß es nachgebvren ist und zu der Gestaltung nichts mehr beizutragen vermag.
Hier ist die Gestaltung vollkommen und vollendet. Ehrfürchtig neige ich mein Haupt und schreite von diesen heiligen Stätten hinweg — still und voll Ftteden in einer Seele, die erfüllt ist von dem Traum erdentrückter Gemeinschaft, von dem Wunder gotischen Erlebnisses.
Die Nutzbarmachung des Kolorado.
Der durch die wildromantische Schönheit seiner Canons berühmte Koloradofluß im westlichen Teil der Vereinigten Staaten von Rord- amerika sott, wie die Llmschau berichtet, in großzügigster Weise zur Krafterzeugung und Landbewässerung ausgenuht werden. Freilich sind dabei ganz riesige ^»wierigkeiten zu überwinden, und Die Kosten des Ausbaues werden auf Hunderte von Millionen Dollar geschaht. Auf einer Strecke von etwa 1500 Kilometer sotten im ganzen 13 Staudämme errichtet werden. Die eine halbe Dittivn Kubikmeter Wasser aufstauen sollen. Das gesamte ausnutzbare Gefälle beträgt rund 1000 Meter. Damit lassen sich fast 6 Millionen Pferdestärken gewinnen, also mehr als elfmal so viel, wie der Riagarafatt liefert, und annähernd zehnmal so viel, wie das Großkraftwerk Rummelsburg in Berlin nach seinem vollständigen Ausbau erzeugt. Die verfügbaren Wassermengen können zur Bewässerung eines bisher unfruchtbaren Gebietes von der doppelten Größe Thüringens benutzt werden. Durch den Ausbau wird das Landschaftsbild völlig umgestaltet: Es wird eine große Seenkette mit Fjordbildung entstehen; die größten Stauseen werden 250 Kilometer lang sein und Breiten bis zu 12 Kilometer haben. Zum Vergleich sei angeführt, daß der Bodensee 60 Kilometer lang ist. Die Damme sollen nach Möglichkeit an die steilen, hohen Talfelsen angelehnt werden; der höchste wird 185 Meter hoch werden. Bei den Plänen hat man auf besonders wirkungsvolle Raturdenkmäler, wie z. D. die berühmte Regenbogenbrücke, Rücksicht genommen; diese sotten unverändert erhalten bleiben. Da die Regierung bereits die Genehmigung erteilt hat, sott der Ausbau in Kürze beginnen.


