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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. August 1927.

Die Auskunft.

(Zeder braucht einmal eine Auskunft. Man kann nicht alles wissen. Und wenn es in un­serer Zeit auch genug gedruckte Anweisungen, Wegweiser, Anschriften und Verbotstafeln gibt, man steht doch noch manchmal Dingen und Ver­hältnissen gegenüber, bei denen man sich nicht zu Helsen weih. Wenn man im allgemeinen auch nicht der Ansicht huldigt, daß di« andern s^hr viel mehr wissen als unsereiner solche Ansichten liehe die eigene Bescheidenheit nicht zu, so seht man doch da und dort einmal das Vertrauen in den lieben Nächsten, dah er von diesem besonderen Fall besser unterrichtet sein könnte. Diese Annahme dürfte auch oft richtig sein. Aber die Auskunft fällt trotzdem nicht immer zu unserer Befriedigung aus.

Cs war auf einem kleinen Bahnhof, in dem zwei Züge aus entgegengesetzter Richtung ein­ander begegneten. Eine dritte Linie mündet dort ein. Mit den örtlichen Verhältnissen unbekannt, vergewissere ich mich durch Nachfrage, daß ich den richtigen Zug benütze.3a, ja, steig'n 's nur ein." Der Zug fährt ab und bringt mich zurück an den Ort, den ich eben verlassen hatte, ober nicht an das erstrebte Ziel. Dabei habe ich noch Schwierigkeiten beim Aussteigen, denn man will meine Karte für die falsche Richtung, die ich gefahren bin, nicht gelten lassen. Wie abe - soll ein fremder Reisender wissen, welcher von beiden Zügen der richtige ist, wenn die Anschrift schlt und die Abfahrtzeit dieselbe ist. Dazu auch der Bahnsteig derselbe. Das war vor Zähren. 3eht haben die Züge auf dieser Strecke auch ihre Anschriften. Wenn man auf» paßt, fährt man also kaum mehr falsch.

Auf einem andern kleinen Dcchnhvf erlebte ich letzter Tage etwas Aehnliches. Ein Zunge von etwa 10 Zähren fragt, welcher Zug von zweien der richtige für ihn sei; wird, weil nicht viel Zeit ist, kurz beschieden, der Zunge versteht aber nur halb, weil auch die Auskunft nur halb war, sieht sich verängstigt um, sucht nach An­schriften oder nach einem Menschen, der ihm in seiner Hilflosigkeit helfen könnte, denn er will den Zug nicht versäumen, nicht falsch fahren. Zur Klarlegung war aber nur folgendes Zwie­gespräch nötig: Wohin willst du? Rach T. Hier der erste Zug ist es. Danike.

Mnb solche Fälle erlebt man oft genug. Es fehlt allerdings oft auch am richtigen Fragern Aber noch mehr an den Antworten, die un­vollständig und mangelhaft sind. Natürlich ist niemand verpflichtet, einen großen Vortrag zu halten. Aber wer eine Auskunft erteilt, muß auch die nötige Gewissenhaftigkeit walten lassen. Lieber ein Wörtchen zu viel es kostet ja nichts als eins zu toentg. Wer ein einziges Mal Pech mit -den Auskünften hatte, der weih, welchen Aerger und welche Scherereien ein solcher Bescheid zur Folge hat oder doch haben kann. ünt) schließlich sind wir ja doch alle auf­einander angewiesen. Heute der auf den, morgen der auf den andern.

Prolestversammlung gegen die Derkehrsordnung imSeltersweg

Man berichtet uns:

Am Freitagabend hatten sich etwa 80 Fir- mcnmhaber der Geschäfte am Seltersweg im kleinen Saale des Hotels Prinz Carl eingefunden, um Stellung zu nehmen gegen die neu erlassene Verkehrsordnung für die Hauptgeschäftsstraße unserer Stadt. Die sehr lebhafte Aussprache brachte zum Ausdruck, dah die Verkehrs- spcrre für den Seltersweg von allen Rednern als eine Geschäftsschädigung empfunden wurde. Die zahlreichen Kunden, die von den im Süden unserer Stadt gelegenen Orten per Fahrrad oder auch durch Auto die Geschäfte am Seltersweg aufsuchen, um Einkäufe zu machen, werden in die Bahnhofstraße gedrängt und er­ledigen dort ihre Einkäufe. Die aus der Rich­tung Frankfurt und Köln kommenden Autos, die in den Gasthöfen im Zuge des Selterswegs einzukehren pflegen, scheuen den Llmweg um die Anlagen und kehren teiltveise überhaupt nicht mehr in unserer Stadt ein, sondern fahren weiter. Die Hausburschen gewisser Firmen müssen in­folge der Einbahn-Derkehrsordnung mit ihren Handkarren und Fahrrädern große LImwege

Geld und Erfahrung

Novelle von Max E y t h.

10 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Geschrei, Gerassel und dröhnendes Gepolter auf dem hohlen Bretterboden in allen Richtungen. Hunderte von Negern aller Schattierungen, darunter wahre Herkulesse, rollten im Eifer der Arbeit lachend über die Ballen oder sprangen singend hinter den Fäs­sern her. Es wurde viel und kräftig geflucht, aber auch des Herrn Lob erschallte in wundersamen Lie­dern unter Lachen und Gcjauchze.Wir gehen alle über den Jordan o Jerusalem!" war ein beson­ders beliebter Kehrreim der Ernstergesinnten. Den Schwarzen war es in diesen Morgenstunden sichtlich wohler als ihren einstigen weihen Herren.

Auch auf dem Deck desWilden Westen" war schon alles in Bewegung. Mein zweiter Kessel schwebte an einem kräftigen Schiffskranen hoch in der Luft, machte eine elegante Schwenkung über Bord, als sei ihm das Fliegen zeitlebens eine liebe Gewohnheit gewesen, und sank in der nächsten Mi­nute auf die krachende Levee nieder. In zehn Mi­nuten hatte ich sechs Neger, Jem, Jo, Jak, Cato, Alexander und Bucephalus, in meine Dienste ge­nommen. Neugierig und energisch machten sie sich daran, die Deckel der Kisten aufzureihen, die ich den Monteuren bezeichnete, und die blanken Stan­gen und Wellen, die schweren Lager und Ständer aus den Spänen hcrauszuschälen, welche sich in ge­waltigen Haufen um uns auftürmten. Vor der Früh- stücksstunde noch war mein Trüpplcin im besten Zuge; mir selbst begann es ganz leicht ums Herz zu werden. Dazu kam nochSarorences Bruder", der schon in der Ferne eine Zeitung in der Luft schwenkte, als er denWilden Westen" und mich entdeckt hatte.

Sie haben verloren, Mister Eyth, Sie haben verloren!^ rief er aus weiter Ferne.Geben Sie mir zehn Dollar und hören Sie zul"

Er kletterte auf eine der Kisten, setzte sich, ent­faltete die nasse Morgenzeitung und las:

,Die berühmte und stets auf das Wohl unseres Staates bedachte Landwirtschaftsgesellschaft von

machen, um zu ihrem oftmals nur wenige Meter entfernten Beschäftigungsart zu gelangen, so dah dem Arbeitgeber ein großer Zeitverlust entsteht. Die Polizeibeamten, von denen vier im Selters­weg den Verkehr regeln, scheinen ohne Anwei­sung zu sein, hierbei ab- und zuzutun. Es wurden in der Versammlung einige Vorkommnisse ge­schildert, wie die überaus strenge Handhabung der Derkehrsdrosfelung sich in der Praxis aus­nimmt. Durch diese Maßnahmen wird der Ge° schästsverkehr im Seltersweg schwer betroffen.

Man war einstimmig der Ansicht, daß diese ganze Regelung für den breiteren unteren Teil des Seltersweges unnötig war, daß allerdings am oberen Seltersweg von der Maigasse bis zum Kreuzplatz die Straßenbreite für den Ver­kehr nicht ausreiche. Hier hätte die Stadt­verwaltung schon längst ein Opfer bringen muffen, um andere Derkehrsverhältnisfe zu schaf­fen. Seit Zähren redet man davon, der, Engpaß durch eine Verbreiterung der Straße zu be­seitigen. Aber es geschieht im Znneren der Altstadt durchaus nichts, man verhält sich ab­wartend, bis einmal ein Menschenleben dem Engpaß zum Opfer gefallen sein wird. Aeber die Frage, was zu geschehen hätte, war sich die Versammlung in einem Punkt vollkommen einig. Man hält die Richtung, die man dem Verkehr gegeben hat, im Znteresse der Anlieger des Seltersweges für falsch. Von Norden her hat der Geschäftsverkehr am Seltersweg im all­gemeinen nicht viel zu erwarten. Die Kund­schaft der Geschäftswelt kommt in der Haupt­sache vom Bahichof und von der Frankfurter Straße herunter in das Stadtinnere gefahren. Aus dieser Richtung kommen zahlreiche Rad­fahrer und Kunden mit Automobilen, die in der Hauptgeschäftsstraße Einkäufe machen. Dieser wichtige ^instand ist von der Bürgermeisterei und vom Polizeiamt bei der ganzen Angelegen­heit nicht gewürdigt und nicht berücksichtigt wor­den. Ein Teil der Versammlung war der An­sicht. man müsse verlangen, daß diese für die Verhältnisse unnötige Tterkehrsordnung wieder aufgehoben oder wenigstens entgegenkommender gehandhabt wird. Ebenso sei es unbedingt nötig, daß das Polizeiamt den Anliegern des Selters­weges Ausweise ausstellt, auf Grund deren die Beamten auch eine umgekehrte Fahrrichtung, be­sonders von Handkarrei, und Schieben von Fahr­rädern gestatten sollten. Die Versammlung sprach ihre große Verwunderung darüber aus, daß in der Stadtverordneten ° Versammlung diese das Geschäftsleben und zahlreiche gute Steuer­zahler schädigende Polizeiverordnung ohne ernst­lichen Widerspruch angenommen wurde. Es wurde ein sechsgliedriger Ausschuß gewählt, der die Angelegenheit bearbeiten soll, und schließlich eine Protestresolution gefaßt, die den geschädigten Interessenten zur Zustimmungserklärung vor­gelegt werden soll. Die Resolution soll dem Herrn Oberbürgermeister Dr. Keller und dem Herrn Regierungsrat Schmidt, sowie allen Stadtverordneten zugeleitet werden."

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Palast-Lichtspiele:Die Geliebte". Astoria-Licht- spiele:Die verkaufte Frau".

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2. U. Von der Landes-^lniver- s i t ä t. Die Akademische Auskunststelle (Bis- marckstraße 22) versendet gegen 0,40 Mk. das Vorlesungsverzeichn is für das Wintersemester 1927/28. Die Zmma trilulationen beginnen am 17. Oktober, die Vorlesungen am 24. Oktober.

** Carl Sanier Ehrenmitglied des Oberhessischen Kun st Vereins. Aus Anlaß feines 70. Geburtstages wurde Geh. Rat Professor Dr. h. c. Carl Bantzer in dankbarer Anerken­nung seiner um den Kunstverein erworbenen Der- dienste, insbesondere der Stiftung einer Vorarbeit zu dem berühmten Abendmahlsbilde in der Berliner Nationalgalerie, die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

** Don der Hindenburgspende. Don der Geschäftsstelle der Hindenburgspende wird mil- geteilt, daß sich die Aufrufe, die in der letzten Zeit Handel, Industrie, Landwirtschaft und politische Par­teien erlassen haben, in überaus günstiger Weise ausAumirfen beginnen. Die Eingänge bei der Hin- denourgspende, darunter viele kleine Beträge aus den breitesten Schichten des Volkes, nehmen von Woche zu Woche zu. Es ist besonders auch im Aus­lande günstig ausgenommen worden, wie einmütig zu der für den Reichspräsidenten beschlossenen

Louisiana hat sich entschlossen, den beträchtlichen Preis von fiebenhundertfünfzig Dollar für den besten Dampfpflug zur Bearbeil von Baumwoll- und Zuckerland auszusetzen. Mai. hofft mit Recht, auf diese Weise der unglaublichen Not des Südens, dem Mangel an Arbeitskräften jeder Art, für alle Zeiten abhelfen zu können. Wie wir hören, soll sich bereits ein Bewerber für diesen ansehnlichen Preis eingestellt und am Fuß der Tschapatulastraße seine Borbereitungen begonnen haben. Ehre einer Ge­sellschaft, die auch in den schwersten Zeiten Mut und Tatkraft bewahrt, an dem Wiederaufbau und der Wohlfahrt unseres glorreichen Südens Weiterarbei­ten zu können!' Wie gefällt Ihnen das? Sie brauchen die anderen Zeitungen nicht nachzusehen. Sie bringen alle denselben packenden Artikel, den ich und unser Geschäftsführer noch gestern nacht aus- gebrütet haben. Er wollte zuerst nicht recht dran; die Komiteesitzung kann erst übermorgen statlfinden, und so ist eigentlich noch nichts beschlossen. Merken Sie allmählich, daß Sie in Amerika sind?"

Merken Sie, daß Sie auf einer englischen Maschine sitzen?" antwortete ich vergnügt, indem ich gleichzeitig Bucephalus anwies, meinem Freund eine Brechstange zwischen die Beine zu stoßen, denn er saß auf der Kiste, die ich vor allen anderen ge­öffnet haben wollte. Bucephalus war energisch, aber etwas ungeschickt. Lawrence sprang deshalb mit jugendlicher Behendigkeit in die Höhe, um dem ge­fährlichen Stoß zu entgehen.

Und sehen Sie, da kommen Sie selbst!" rief er aus der Zeitung heraus, seinen Knotenstock schwin­gend, ohne jedoch den Zwischenfall eines weiteren Wortes zu würdigen.

Frühstück, Frühstück!" schrien die Neger, wäh­rend ein halbes Dutzend Glocken und hundert heu­lende Dampfpfeifen entlang der ganzen Levee einen infernalischen Lärm erhoben. Ein paar Stunden nüchterner Mrgenbeschäftigung mit dreiundfünfzig Kisten eines demontierten Dampfpfluges verfehlen ihre appejiterregenbe Wirkung auch in einem halb­tropischen Lande nicht. Ich war deshalb mit den Negern völlig einverstanden und bat Lawrence, mir Gesellschaft zu leisten. Er kannte eine Wirtschaft in unmittelbarer Nähe, wo wir unter Schiffskapitänen, Baumwollmaklern und Zuckerbörsenleuten rasch ein Tischchen und einelegantes" Frühstück fanden. Als

Ehrengabe große Teile des deutschen Volkes sich be­kennen. Ueber den Zweck der Hindenburgspende wird von der Geschäftsstelle noch mitgeteilt, daß die Hindenburgspende ihre Grundlage in den Aufrufen der Reichsregierung und der Länderregierungen, der wirtschaftlichen Verbände und der Beamtenschaft hat. Was für die Hindenburgspende eingeht, wird dem Reichspräsidenten unmittelbar übergeben. Der Reichspräsident hat erklärt, die ihm zugedachte Spende für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinter­bliebenen verwenden zu wollen. Die Gefahr irgend­welcher einseitiger Beeinflussung bei der Verwen­dung der Mittel, von welcher Seite sie auch kom­men mögen, ist damit ausgeschaltet.

** Eine Enquete der Reichspost. Das Reichspostministerium bereitet, wie wir erfahren, eine Erhebung bei sämtlichen Postanstalten des Reichs über die Art und den Umfang des Postver­kehrs und der Sendungen des In- und Auslandes vor. Die Erhebung soll während der Monate Sep­tember, Oktober und November vorgenommen wer­den. Das Ergebnis dieser Zählung dürste für die Gebührenpolitik der Reichspost von besonderer Be­deutung sein, da vornehmlich der Umfang der auf- gegebenen Briefsendungen, Massendrucksachen, Ge- schästspapiere, Drucksachen, Warenproben, Pakete usw. zur Erfassung kommen soll.

Unterstützung bedürftiger Be­amten in Hessen. Der hessische Finanz­minister teilt mit: Einem Vorgehen des Reiches und anderer Länder entsprechend sollen auch in Hessen mit Rücksicht auf die gegenwärtige schwierige wirtschaftliche Lage der Beamten Ge­suche um Gewährung von Llnterstützungen bei be­sonderen Notlagen in der nächsten Zeit mit be­sonderem Wohlwollen behandelt werden. Die den einzelnen Ministerien zur Verfügung ste­henden Llnterstutzungsfonds sind zu diesem Zwecke erhöht worden. Znsbesondere soll dies bei Ge­suchen von verheirateten Beamten der unteren Gruppen geschehen. Zn sachlicher Beziehung sol­len aber die für die Bewilligung von Unter» ftühungen an Beamte allgemein maßgebenden Gesichtspunkte ^unverschuldete Notlage durch Krankheit in d"r Familie usw.) Beachtung sinden.

** Gladenbacher Flugtag von Gie­ße naus. Am gestrigen Sonntag veranstaltete die Stadt Gladenbach einen Flugtag. Da die Flugmaschinen in Gladenbach feinen geeigneten Landeplay halten, wurde für die Durchführung der Veranstaltung der Gießener Flugplatz in Anspruch genommen. Die beiden Sportflugzeuge Raab -Katzen st einSchwalbe" D 856, D 725 stiegen vom Gießener Flugplatz aus auf, machten dabei Aundslüge über unserer Stadt und begaben sich dann zur Durchführung ihrer Aufgabe nach Gladenbach. Die Landung der Flugzeuge er­folgte ebenfalls auf dem hiesigen Flugplatz. Die Piloten werden auch heute noch Rundflüge über unserer Stadt ausführen.

** Dienstjubiläum. Der Bau-Oberafsistent Philipp Loh, hier, Mühlstraße wohnhaft, begeht heut« die Feier seines 25. Dienstjubiläums beim hie­sigen Städtbauamt. Zahlreiche Glückwünsche wurden dem Jubilar zuteil.

** Aus dem Gießener Standes» amtsregister. Es verstarben in der Zeit vom 15. bis 31. 3uli: 17. Zuli: Heinrich Rinn, Fuhrmann. 54 Zähre alt, Schiffenberger Weg 34; 18.: Friedrich Hermann Wiesner, Oberbauin­spektor. 70 Zahre alt, Gnauthstrahe 16; 19.: Jo­hannes Lenz, Schreinermeisber, 82 Zahre alt, Frankfurter Straße 123; Margarete Mandler, geb. Mankel, 42 Zahre alt, Buddestraße 11; 20.: Martin Friedrich Abermann. Bauunter­nehmer, 58 Zahre alt, Löberstrahe 8; 21.: Erna Schmidt, 20 Stunden alt, Leihgesterner Weg 42; 23.. Mari« Zohannette Köhler, geb. Hilgardt, Witwe, 72 Zahre alt, Dammstraße 32; 24.: Karl Hahn, Elektrotechniker, 29 Zahre alt, Kleine Mühlgasse 4; 29.: Anna von Klöber, geb. Schma­lenberger, 75 Zahre alt, Licher Straße 74; Johann Peter Margolf, Oberbahnassistent L R., 85 Jahre alt, Liebigstraße 37; 30.: Kurt Lam­bert in, 2 Stunden alt, Roonstraße 18; Heinrich Becker, Lehrer, 52 Jahre alt, Marburg. Str. 106; Heinrich Reitschmidt, Dienstknecht, 79 Jahre alt, Licher Straße 74; 31.: Klara Balser, geb. Weis, Witwe, 77 Jahre alt, Wolfstraße 10.

Verkehrssünder. In der Zeit vom 1. bis 31. Juli wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeugführer bzw. Kraft- und Radfahrer gegen verkehrspolizeiliche Vorschriften erhoben: 29 Anzeigen wegen Fahrens zur Nachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 15

Beilage las er mir eifrig die Morgenzeitungen vor, deren Inhalt, soweit er unsere Sache betraf, ihn sichtlich mit dem erhebenden Gefühl der Vaterschaft beglückte.

DerPicayune" erzählte in Sperrdruck:

Wir hatten gestern das Vergnügen, den Be­such des Herrn Eyth, des gentlemanlichen Vertreters der großen englischen Firma John Fowler & Co. in Leeds und London, zu erhalten, der uns von dem Bruder unseres großen Zuckerplantagenbesitzers Herrn Henry Lawrence freundlich zugeführt wurde. Herr Eyth beabsichtigt, durch die Einführung der weltberühmten Dampfpflüge seiner Firma, die alles bisher Dagewesene übertreffen sollen, an der Re­generation des Südens mitzuwirken, und wird da­mit voraussichtlich in wenigen Tagen im Ausstel­lungspark der Landwirtschaftsgesellschaft von Loui­siana den Anfang machen. General Longstreet und die hervorragendsten Männer unseres Staates neh­men den lebhaftesten Anteil an feiner Tätigkeit. Sein Pflug soll stündlich fünf Acker des schwersten Zuckerbodens auf eine Tiefe umbrechen, die nach der Verficherung unseres Freundes, Herrn Lawrence, von sechs Paar Ochsen nicht erreicht wird. In liebens­würdigster Weise teilte uns Herr Eyth mit, daß er ein Deutscher von Geburt und, im Gegensatz zur Mehrzahl seiner übrigens hochachtbaren Landsleute, der Sache der Südstaaten stets aufs wärmste zuge­tan gewesen sei. Hochinteressant finden wir, daß Herr Eyth aus einer alten Schweizer Fürstenfamilie abftammt und daß er in einem mittelalterlichen Männerkloster feines Vaterlandes das Licht der Welt erblickte. Der letztere Punkt bedarf jedoch noch der Aufklärung. Trotz dieser geheimnisvollen und hochromantifchen Vergangenheit scheint Herr Eyth ein lebhaftes Verständnis für die modernen Verhält­nisse unseres glorreichen Vaterlandes mit nicht ge­wöhnlicher Geschäftsenergie zu verbinden. Unsere, geschätzten Leserinnen dürfte es jedoch mehr inter­essieren, zu vernehmen, daß Herr Eyth durch keine zarten Bande an den alten Kontinent geknüpft ist und nicht unweigerlich an den klösterlichen Grund­sätzen seiner Jugend festzuhalten gedenkt. Wir wünschen ihm in dieser und jeder anderen Beziehung einen erfolgreichen Aufenthalt in den wieder aus- lebenden Golfftaaten."

Das ist gut, das ist sehr gut für einen Anfang!" meinte Lawrence.Sie werden sehen, unsere schönen

wegen Fahrens auf Bürgersteigen, 5 wegen Fahrens mit übermäßiger Geschwindigkeit, 9 wegen Fahrens ohne die rechte Straßenseite ein­zuhalten, 32 wegen Fahrens durch gesperrte Straßen, 18 wegen sonstiger Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht.

** Eine neueSIrt von D - Zugsf chw i n d- lern. Seit einiger Zeit treibt in den D-Zügen eine neue Art von Schwindlern ihr Unwesen. Sie versuchen es nämlich, sich an junge, alleinstehende Mädchen heranzumachen und sie, nachdem sie sich durch geschickte Weise deren Vertrauen erworben haben, bis auf den letzten Pfennig auszuplündern. So wurde dieser Tage ein junges Mädchen auf der Reise nach Berlin von einem Manne angesprochen, der ihr erzählte, ein vermögender Handwerksmeister zu sein und sich gegenwärtig auf der Suche nach einer Frau befände. Der Gauner verstand es, dem Mädchen geschickt den Gedanken zu suggerieren, daß ihr Geld bei ihm viel sicherer aufgehoben sei. Bei der Ankunft in Berlitz nahm der Zukünftige beide hatten sich in der kurzen Zeit der Fahrt fürs Leben versprochen dem Mädchen den Gepäck schein ab und versprach, für alles zu sorgen, sie möge ruhig auf ihn warten. Er kam aber nicht wie­der zurück, an der Gepäckstelle erfuhr das Mädchen zu feinem größten Schrecken, daß die Koffer bereits abgeholt waren, und der Betrüger verschwunden war. Alle Nachforschungen waren vergeblich.

" Die Besichtigung des Schlosses Braunfels ist, wie uns von der Fürstlichen Nentkammer mitgeteilt wird, aus besonderen Gründen am 9., 10. und 11. August nicht möglich.

" Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt. Och­sen 242, Dullen 79, Kübe 727, Färsen 324, Kälber 474, Schafe 59, Schwerne 5059.

Buntes Allerlei.

Blamierte Fachleute.

Dah auch alte Fachleute sich mitunter irren können, mußten in einer der letzten Nächte zwei Berliner Einbrecher am eigenen Leibe erfahren. In einem Konfitürengeschäft hatte die Auslage sie gereizt. Sie schlugen die Schaufenster­scheibe ein und stopften in mitgebrachte Säcke, was nur hereingehen wollte. Ein Wächter hatte ihr Treiben aber beobachtet und rief sie an. Die Einbrecher ergriffen sofort die Flucht und warfen unterwegs einen Teil der Deute weg. Von einer hinzukommenden Schupostreife wurden sie aber gestellt und auf die Wache g?bracht. Der Rest ihrer Deute wurde ihnen abgenonrmen. Es handelte sich um zwei bekannte Schau- senstereinbrecher. Der Revierwachtmeister, ein Spaßvogel, wollte sie über den Verlust eini­germaßen trösten und verehrte jedem eine Tafel Schokolade. Bei der Vernehmung auf dem Polizeipräsidium versäumten die Einbrecher nicht, lobend hervorzuheben, daß der Revier- Wachtmeister einanständiger Kerl" gewesen sei, der ihnen etwas gegönnt habe. Es wurde ihnen gestattet, die Schokolade gleich zu verzehren. Jetzt stellte es sich aber heraus, daß die verlockenden Hüllen nur P apierein lagen bargen. Was man ihnen bisher verschwiegen hatte, erfuhren sie jetzt außerdem: sie hatten bei dem Einbruch überhaupt nur leere Attrappen gestohlen. Darob schüttelten beide den Kopf und sagten: Daß uns sv was passieren kann!"

Berliner Börse.

Effekten-Frühverkchr.

Berlin, 8. Aug. (WTB. Funkspruch.) Auf die Meldung, daß die seit einiger Zeit zwischen der Standard-Oil-Company und der I. G. Farben ge­führten Verhandlungen zu dem beabsichtigten Ab- schluß geführt haben, machte sich im heutigen Früh­verkehr stärkeres Interesse für die Werte des Che- miekonzers bemerkbar. Farben selbst nennt man 320 Geld. Sonst ist das Geschäft noch sehr ruhig. Die Allgemeintendenz ist jedoch, hiervon angeregt, etwas fester. Am Devisenmarkt hort man Paris mit 124,03, Mailand 8930, Madrid 28,84 und das Pfund mit 4,8590 bis 4,8595.

Kreolinnen werden sich nach Ihnen umsehen; das kann nichts schaden. Weiter!"

Er griff nach demCrescent City News". Der Anfang des Artikels der republikanischen Zeitung, den er mit raschem Kennerblick gefunden hatte, war nahezu der gleiche. Auch hier war der Vertreter der großen Firma John Fowler & Co. vor allen Dingen gentlemanly", ein Ausdruck südlichen Zeitungsstils, dem kaum jemand entgeht und den ich oben in der Not mitgentlernanlich" zu übersetzen suchte. Ge­boren war ich hier, nach meinen eignen liebenswür­digen Mitteilungen, in den Tiefen des Schwarz­waldes und der Rauhen Alb, wo mein Vater,wenn wir Herrn Eyth, der ein Deutscher ist, richtig ver­standen haben", teils dem Holzhandel, teils der schon von Tacitus erwähnten Jagd auf Bären und Wolfe oblag.Schon von Jugend an hatte deshalb Herr Eyth eine fast schwärmerische Zuneigung für das große Amerika, namentlich aber für unseren lebens­kräftigen Norden, der in dem soeben glorreich zu Ende geführten Kampf seine Stärke und seinen ge­sunden Sinn zum Wohle des Ganzen mit blutiger Energie bewährt hat. Die Jugendzeit, verbracht 'in der finsteren Einsamkeit primitiver Wälder, mag auch die Ursache gewesen sein, daß der übrigens nicht unsympathische Vertreter der englischen Firma, dessen politische Ansichten im Gegensatz zu der in England herrschenden bedauerlichen Stimmung durchaus korrekt au sein scheinen, sein Geschick noch nicht mit dem Rosenband einer glücklichen Liebe um­wunden hat. Eigentümlicher ist, daß die englische Firma es für nötig hält, dem erfindungsreichen Amerika, das in nichts, somit auch nicht in Dampf- pflügen, hinter irgendwelchem Lande zurücksteht wir machen nur auf die Dampfkulturgeräte in Penn- sylvanien, in Ohio, in Illinois und neuerdings auch in Kalifornien, aufmerksam, derartige Apparate uns zuzusenden. Ihre Nützlichkeit bleibe hierbei un­bestritten. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß Herr Eyth, dessen offener Blick uns sofort sympathisch be- riihrie, mannigfach und reichlich belehrt zu seinen englischen Freunden zuruckkehren wird, und wün­schen ihm hierzu wie in jeder anderen Beziehung den besten Erfolg."

(Fortsetzung folgt)