Nr. 185 Erster Blatt
177. Jahrgang
Montag, 8. August 1927
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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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Gießener Anzeiger
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.
Genf in Sicht.
Die deutsche Dölkerbundsdelegution.
Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers*.
Berlin, 8. Qlug. Mit dem 1. September wird, wie wir bereits berichteten, die Ratstagung in Genf eröffnet. Das Programm liegt bereits vor, dürfte jedoch erst in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Die Vollversammlung beginnt am 6. September und wird voraussichtlich eine Woche dauern. Der Bericht über die politischen Ereignisse der letzten Zeit, dec wie gewöhnlich der Völkerbundsversammlung vorgelegt wird, beschäftigt sich auch mit all den Fragen, die Deutschland unmittelbar berühren. So steht im Mittelpunkt dieses Berichtes der memelländischeLand- tag und sein Schicksal, die oberschlesische Schulfrage, die Weltwirtschaftskon- ferenz, die Mandatsfrage usw. Die deutsche Delegation, die ftch voraussichtlich am 31. August nach Genf begeben wird, dürfte wie die letzte zusammengesetzt sein. Auch diesmal wird Dr. B r e i t s ch e i d, wie der „Vorwärts" meldet, der Delegation angehören, wobei das Blatt betont, daß die Sozialdemokratie nur unter starken Bedenken einer solchen Mission Dreitscheids zugestimmt habe. Da jedoch die außenpolitische Linie, die die deutsche Regierung im Völkerbund einnimmt, mit der von der sozialdemokratischen Partei eingehaltenen Richtung zur Zeit übereinstimmt, hat man schließlich doch noch den Entschluß zur Beteiligung Dr. Breitscheids an der deutschen Delegation gefaßt. Das Hauptgewicht während der Genfer Tagung dürfte allerdings außerhalb des Völkerbundspalastes liegen. Gerade hier werden die persönlichen Verhandlungen diesmal ganz besonders unter dem Zeichen der außenpolitischen Spannungen, wie sie in letzter Zeit zutage getreten sind, stehen. Die Richtlinien der deutschen Delegation werden, wie wir bereits gemeldet haben, in der kommenden Kabinetts- sitzung am 10. d. Mts. erörtert werden, sie dürften allerdings im wesentlichen bedingt durch die mannigfaltige Kampagne, wie sie in den letzten Wochen gegen Deutschland geführt wurden, auf der Hand liegen. Hier wird wahrscheinlich die deutsche Delegation einen schärferen Ton anschlagen müssen als bisher.
Die Kolonial- imb Mandalsfrage.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers*.
Berlin, 8. Aug. 3m Zusammenhang mit dem Beschluß des Belgischen Mini st e r - rats, seinerseits der Aufnahme eines Deutschen in die Mandatskommission des Völkerbundes zuzustimmen, ist die Erörterung der kolonialen Fragen in der Weltpresse wieder einmal ziemlich lebhaft geworden. Die uns unfreundlich gesinnten Zeitungen, insbesondere in Frankreich, stellen sich dabei auf den formell unzutreffenden Standpunkt, es bestehe ein Zusammenhang zwischen der künftigen Mitwirkung Deutschlands an der völkerbundlichen Aufsicht über die Mandatsverwaltungen und zwischen den eigenen kolonialen Wünschen und Bedürfnissen des deutschen Volkes. Faktisch handelt es sich bei der Teilnahme an der Mandatskommission nur um die
Wahrnehmung deutscher Gleichberechtigungsansprüche und hoheitsrechte,
die sich aus der Aufnahme des Reiches in den Völkerbund und aus der Gewähruntz eines ständigen Ratssitzes logisch ergeben. Es ist also durchaus unangebracht, wenn chauvinistische französische Blätter, wie das „Echo de Paris , fid) so anstellen, als könne der belgische Beschluß „die ernstesten Folgen" auf kolonialem Gebiet haben, imt> wenn sie sich einen Trost darin suchen, daß die belgische Zustimmung von derjenigen Frankreichs und Englands abhängig gemacht worden ist. Denn wenn nicht ein schlechtes Gewissen in bezug auf die Verwaltung der anvertrauten Kolonialmandate den Wunsch nach Vermeidung einer sachkundigen und objektiven Kontrolle Hervorrufen sollte, könnte die Zurückweisung Deutschlands nur als ein Versuch seiner politischen Riederhaltung, also als eine Brüskierung empfunden werden.
Unsere eigenen kolonialen Bedürfnisse stehen aus einem gang antern Blatte. Daß sie vorhanden sind, daß auf der andern Seite aud> bet uns selbst noch eine gewisse Unklarheit über die zweckmäßigste Form ihrer Geltendmachung und über die möglichen Wege einer künftigen deutschen Kolonialtätigkeit besteht, hat die ziemlich lebhafte Erörterung des Themas in der Presse in den letzten Monaten ergeben. Vielleicht ist das Arbeitsprogramm, das die vor einiger Zeit gegründete „Gesellschaft für koloniale Erneuerung" in Berlin aufstellt, geeignet, auf diesem Gebiet weiterzuführen. Diese Organisation, die unter dem Vorsitz des Staatssekretär z. D. Dr. K e m p n e r und unter Mitwirkung ter meisten Spihenverbände jeder politischen oder wirtschaftlichen Richtung ins Leben gerufen wurde, geht von der Anschauung aus, daß bisher noch kaum in eine ernsthafte Prüfung der neuen Gedankengänge aus tem Kolonialgebiet ein getreten wurde, daß man nicht vorwärts kommen kann, wenn man den Begriff „Kolonie", wie früher mit einem Teil oder einem Zeichen der politischen Macht eines Staatswesens gleichseht, daß ferner das industrielle Europa angesichts seines steigenden Rohstoffbedarfs und des steigenden Eigen-
Die Vorbereitung des deutschen Ozeanflugs.
Flugbereit.
Start nicht vor Donnerstag.
Dessau, 7. Aug. (WTB.) Nachdem die beiden für den Ozean flug bestimmten Maschinen noch einmal gründlich überprüft worden waren, wurden sie gestern von den Junkerswerken den Auftraggebern zur Verfügung gestellt. Im Laufe. des gestrigen Tages fanden eingehende Besprechungen statt, in denen die Nutzbarmachung der technischen Erfahrungen des Dauerfluges erörtert wurde. Außerdem weilt der Wettersachverständige Dr. Seilkops von der Hamburger Seewarte augenblicklich in Dessau.
Wie das Wolfbureau von der Leitung der Junkerswerke in Dessau hört, haben die technischen und meteorologischen Besprechungen zu dem Beschluß geführt, daß der Start der Transozeanflugzeuge nicht vor Donnerstag stattfinden soll. Nach der augenblicklichen Lage beabsichtigt man am Donnerstag oder Freitag den Start vorzunehmen, vorausgesetzt, daß die Witterungsaussichten keine besondere Verschiebung erfahren. Ein Start vom Berliner Flugfeld aus kommt nicht in Frage, weil allein die in Dessau hergestellte Startbahn das glatte Loslösen der schweren Maschinen gewährleistet. Nach der „Voss. Ztg." steht nunmehr fest, daß in der Weltrekordmaschinc die beiden Flieger Edzard und Nisticz, sowie der Berliner Vertreter des Hearst-Konzerns, Redakteur Knickenboker, in der zweiten Maschine die Flieger Loose und Köhl und ein funktechnisch ausgebildeter Vertreter des Norddeutschen Lloyds fliegen werden. Die beiden Maschinen bekommen nicht nur drahtlose Empfänger, sondern werden auch instand gesetzt, auf Dampferentfernung drahtlos au geben. Für den Flug kommt nach der „Voss. Ztg. nur die nördliche Route in Frage, die über Irland der Dampferroute folgt, oder nach Irland mit schärferem Kurs nach Norden Neufundland ansteuert. Die Wahl des Weges wird erst nach den während des Fluges eintreffenden Wettermeldungen erfolgen.
Die beiden Junkers-Maschinen W 33 sind ein Frachttyp, der sich namentlich auch bei dem vorjährigen Seeflugwettbewerb in Warnemünde sehr gut bewährt hat. Sie sind in ihrem Innern so umgebaut worden, daß das größere Mittelstück von Tanks ausgefüllt ist, durch die in der Mitte ein Laufgang in die im Schwanz befindliche kleine Kabine führt, in ter eine Hängematte angebracht ist. Die Führersitze sind zum Schuh gegen etwaige ilnix>etter ganz geschlossen. Beide Maschinen, die übrigens einen Motor- und Metallpropeller haben, sind äußerlich in einer Detonfarbe gehalten. Kurz vor dem Start werden die beiten Maschinen auf die Ramen „Europa" und „Bremen" getauft werten. Risticz und Edzard werden die „Europa" fliegen, die sie auch bei der Aufstellung des Dauerrekords benutzt haben, Loose und Köhl die „Bremen". Die Piloten — alle vier übrigens auch erprobte Feldflieger — rechnen damit, daß sie bei besseren Wetterverhältnissen etwa 40 bis 45 Stunden brauchen. Sie werden auf dem ganzen Fluge Gegenwind haben: daraus erklärt sich die längere Dauer. Ein ausgezeichneter Fachmann wie Kapitän König rechnet damit, daß auch um diese Jahreszeit immerhin mit Winden von 40 Kilometer Stundengeschwindigkeit gerechnet werten muß. Der Grund ter Verzögerung des Starts bis in die zweite Hälfte ter Woche ist in ter augenblicklichen meteorologischen Lage zu suchen.
Der amerikanische Botschafter bei den Ozeanfliegern.
Dessau, 7. Aug. (WB.) Heute mittag um 15.30 ilfjr startete in Berlin eine Maschine ter Lufthansa mit dem amerikanischen Botschafter S h u r m a n, Direktor Merkel von ter Luft- Hansa und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Lufthansa Dr. H e d an Bord nach Dessau, Botschafter S h u r m a n hatte den Wunsch geäußert, die Piloten und Professor
Junkers noch vor dem Ozeanflug zu begrüßen und die beiten Flugzeuge zu besichtigen. Die Maschine traf gegen 1/25 Uhr hier ein. Auf dem Flugplatz begrüßte Prof. Junkers seine Gäste, namentlich den Botschafter S h u r m a n mit herzlichen Worten. Der Botschafter sprach Prof. Junkers seine Glückwünsche zu dem Gelingen des Dauerrekvrdsluges aus und fügte hinzu, daß er für den bevorstehenden Transozeanflug vollen Erfolg erhoffe. Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats der Deutschen Lufthansa, Dr. Heck, und Direktor Merkel überbrachten die Grüße und Glückwünsche der Lufthansa. Rachdem die 'Gäste in der Villa von Prof. Junkers gemeinsam mit den Teilnehmern des bevorstehenden Ozeanfluges einen Imbiß eingenommen hatten, besichtigte Botschafter S h u r m a n einen Teil ter Flugzeugwerke. Dann versammelte man sich auf tem Flugplatz bei den Maschinen, wo Botschafter S h u r m a n folgende deutsche Ansprache hielt:
„Meine Herren, Sie haben den Rekord im Dauerflug gebrochen. Darüber freue ich mich sehr. Sobald ich die Nachricht erhielt, sagte ich mir, daß ich nach Dessau fliegen und Professor Junkers und Ihnen gratulieren müßte. Das will ich hiermit tun. Mein Landsmann Chambertin, der sich über Ihren Erfolg ebenfalls gefreut hat, sagte: ,Die deutschen Piloten sind sehr gut und ihre Maschinen ebenfalls. Sie werden größere Schwierigkeiten haben, den Atlantik zu überfliegen, weil sie von der anderen Seite kommen.' Als Sportsmann sagte er, daß er den deutschen Dauerrekord noch vor Ende des Jahres zu brechen hoffe. Heute aber haben Sie den Rekord. Wir Amerikaner haben ihn durch Sie verloren. Das freut mich sehr.
Unser Rekord war gut, Eurer ist besser. Ich liebe das Gute, aber noch mehr das Bessere.
Heute will ich Ihnen meine herzlichen Wünsche für Ihren bevorstehenden Flug aus- sprechen. Ich hoffe, daß Sie einen guten Flug und einen großen Erfolg haben werden. Sie unternehmen Ihren Flug nicht für Geld, sondern aus Lust und Liebe zur Sache und zu großen Taten. Lust und Ciebe haben Sie, die. große Tat wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Deutschland hat den amerikanischen Fliegern nicht nur einen freundlichen, sondern auch einen herzlichen Empfang bereitet. Ick) kann Ihnen im voraus versprechen, daß meine Landsleute in Amerika Sie ebenso herzlich auf nehmen werden. Je schwerer der Flug, um so freudiger wird der Empfang sein."
Botschafter S h u r m a n sprach den Teilnehmern des Fluges und Prof. Junkers nochmals seine Glückwünsche aus und drückte ihnen erregt die Hände und schloß mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen einen guten Erfol g.“
Für die Rückfahrt lud Prof. Junkers seine Gäste in feine neueste Maschine ein, die 15 Personen faßt. Das Flugzeug traf gegen 1/«8 ilfyr in Berlin ein.
Amerikanische Unterstützung des deutschen Ozeanflugs.
Berlin, 7. Aug. (WB.) Wie das Wolffbureau erfährt, hat der amerikanische Botschafter in Berlin, Shurman, beim Staatsdepartement angefragt, ob eine Unterstützung der Ozeanflieger in der Weise möglich sei, daß eine amerikanische Radio- ftation binnen 24 Stunden nach dem Start von Zeit zu Zeit Nachrichten über die Wetterlage auf der amerikanischen Seite des Ozeans und an der Küste gibt. Er fügte hinzu, daß er mit Rücksicht auf das weitherzige Entgegenkommen, das die amerikanischen Ozeanflieger in Deutschland gefunden hätten, hoffe, daß eine solche Unterstützung möglich sei. In der Antwort des Staatsdepartements wird ausgeführt, daß das Wetterbureau in Verbindung mit dem Marineamt gerne zu einer solchen Z u - fammenarbeit bereit sei. Die Station Bar Harbor Main werde entsprechend den in Amerika zweimal täglich auf der Welle 2541 festgestellten Wetterbeobachtungen die gewünschten Wetter
nachrichten geben, und zwar von 24 Stunden nach dem Statt ab um 5 Uhr morgens bis 5 Uhr abends mittlerer Greenwichzeit. Die Berichte werden um 11 Uhr abends und morgens jeweils wiederholt.
Amerikanische Empfangsvor- bereitungen für die
Funkersflieger.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 8. Aug. Rachdem in Dessau die Startbereitschast der beiten Junkersmaschinen „Europa" und „Bremen" für den Flug nach Amerika verkündet worden ist, werten dort alle Vorbereitungen für den Empfang der deutschen Flieger getroffen. Da Präsident Coolidge und die Mitglieder des amerikanischen Kabinetts wegen ter Sommerferien und auch aus politischen Gründen von Washington abwesend sind, wird es die Stadt Reuyork übernehmen, die deutschen Flieger offiziell in den Vereinigten Staaten wiUkommen zu heißen. Es ist ferner ein Fliegerbegrü- hungskomitee in Bildung begriffen, dem u. a. alle amerikanischen Europaflieger wie Chamberlin, Lindbergh und Byrd angehören werden. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge hat auch das deutsche Reichsverkehrsministerium alle Vorbereitungen zur Unter ft üt)ung der deutschen Ozeanverkehrsflieger getroffen. Die Luftfahrt- abteilung des Ministeriums wird den Fliegern den gesamten Wetter- und Funkdienst zur Verfügung stellen. Außerdem werden sämtliche unterwegs besindlichen Schiffe ter deutschen Kriegsund Handelsmarine angewiesen werden, auf die Flieger zu achten und ihnen jede Unterstützung zu gewähren.
Die Hapag und der Flugverkehr.
Hamburg, 6. Aug. (WTB.) Unter Bezugnahme auf die kürzlich veröffentlichte Meldung, wonach auch die Hckpaglinie seit geraumer Zeit nach den verschiedensten Richtungen hin Verhandlungen eingeleitet habe, die auf die Erbauung eines geeigneten Flugzeugthps für den Transozeanflugverkehr hinzielen, meldet das „Hamburger Fiemdenblatt", daß hier- h"tr in Hebereinftimmung mit den Ansichten, die man in den Hapagkreisen hege, wohl nur ein Wasserflugzeug in Frage kommt. Anscheinend seien die Verhandlungen nunmehr zu einem gewißen Abschluß gekommen, wenn es sich dabei auch nicht um eine feste Bindung auf feiten der Hapag handele. Rach dem genannten Blatt sind die Rumpler-Werke in Heber* einftimmung mit der Hapag mit der Konstruktion eines mehrmotorigen Großflugzeugs be- schäfttgt, das in der Lage sein soll, etwa 100 Personen und eine entsprechende Menge Fracht und Post zu befördern. Erst wenn ausgedehnte Bersuche die absolute Sicherheit und Zuverlässigkeit einer solchen Maschine ergeben haben, würde die Inbetriebnahme des Flugzeuges unter der Hapagflagge erfolgen, lieber den Zeitpunkt der etwaigen Indienststellung lassen sich daher bestimmte Angaben noch nicht machen.
Französische Pläne für Transozeanflüge.
Paris, 8. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie die Blätter melden, wird nun auch der Flieger C o st e s mit einem Beobachter zum,O zeanslug auf dem Militärflugzeug starten, mit dem er bereits den Flug Paris—Djask unternommen hat. Der Kriegsminister hat die Erlaubnis bereits gegeben. (Taftes beabsichtigt, keine Probeflüge zu machen, da er seine Maschine gut genug kenne. Das Flugzeug erhält den Namen „Coli-Nungesser". Der Aufstieg dürfte kaum vor Ablauf von 10 Tagen erfolgen. — „Paris matinal" erfährt, daß auch ein gewisser Paillard auf einem Liorö-Olivier-Appa- rat starten wird.
Verbrauchs der rohstoffproduzierenden Gebiete deren Erschließung als ein dringendes Bedürfnis empfinden muß und daß in erster Linie Afrika, vor Europas Türen gelegen, als natürliches europäisches Rohstoffreservoir anzusehen ist. Also W i r t s ch a s t s - nicht Machtpolitik und systematische Arbeit vom gesamteuropäischen Standpunkt aus. nicht mehr Prestigepolitik der einzelnen Mächte. Gelangt man allgemein zu dieser vernunftgemäßen Auffassung, so läßt sich die Einschaltung Deutschlands in die Kolonialarbeit unbeschadet der Rechtsform hierfür auf die Dauer allerdings nicht ablehnen.
Die deutsch-französischen handeisvertragrverhandlungen
Berlin, 8. Aug. Wie wir bereits berichten konnten, hat sich die K a b i n e 11 s s i h u n g vom Freitag, an der nur drei Minister teilgenommen haben, im wesentlichen mit den deusch-fran- zösischenHandelsvertragsverhand- lungen beschäftigt. Die Beschlüsse, die dabei gefaßt wurden, hatten die französischen Wünsche zum Thema, wobei man, wie wir zu twissen glauben, denselben auch restlos entgegengekommen ist. Es liegt nunmehr an I Frankreich, dasselbe Entgegenkommen auch
gegenüber Deutschland zu zeigen, so daß dann einem Abschuß eines deutsch-französischen Wirtschaftsvertrages nichts mehr im Wege stünde. Die Meldungen, die heute vormittag aus Frankreich vorliegen, besagen auch, daß Frankreich in diesen Tagen den Abschluß des Vertrages erhofft. Der Optimismus, der sich also allenthalben zeigt, dürfte nicht ganz unangebracht fein.
Einer Meldung aus Paris zufolge fand dort am Samstagvormittag ein Mini st errat statt. Dem amtlichen Kommunique zufolge hat sich der Ministerrat mit der Erledigung laufender -Angelegenheiten beschäfttgt. Den Journalisten gegenüber erklärte jedoch Hand'lsmnnster Doka- n o w s k i, er habe über den Stand ter deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen Bericht erstattet. Er betätigte, daß er gute Hoffnungen über eine baldige Beendigung ter Verhandlungen habe. Der nächste Ministerrat wird am 9. August stattfinden, also vor der Abreise Bokanowskis nach Amerika, die für den 10. August in Aussicht genommen ist.
Der preußische Innenminister an hörsing.
Berlin, 6. Aug. (WTB.) Wie ter Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Innenminister an den
Oberpräfitenten z. D. Hörsing in Magdeburg folgendes Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Oberpräsident! Bei Ihrem Rücktritt von dem Amte des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen namens ter Staatsregierung Anerkennung und Dank zum Ausdruck zu bringen für die treue Hingabe und aufopfernde Mitarbeit im Dienste des Staates. Sieben Jahre lang in politisch und wirtschaftlich schwerster Zeit haben Sie an der Spitze einer der größten und wichtigsten preußischen Provinzen gestanden und in dieser Stellung reiche Erfolge erzielt. Wie ernst in gefahrvollster Zeit als Reichs- und Staatskommissar in Schlesien, haben Sie sich auch als Oberpräsident der Provinz Sachsen als ein Mann von ungewöhnlicher Tatkraft, Energie, Derantwortungsfreudigceit und Willensstärke erwiesen. Ihre Verdienste'ind im Staatsministerium von allen Seiten dankbar anerkannt worden. Sie haben die Tätigkeit nicht auf den engeren Rahmen der amtlichen Aufgaben beschränkt, sondern darüber hinaus auch den großen allgemeinen politischen Fragen Ihr Interesse zugewendet und sich namentlich als unerschrockener Vorkämpfer für die deutsche Republik jederzeit hervorgetan. Ihnen auch dafür zu danken, ist mir persönliches Bedürfnis. Ich hoffe, daß auch in Zukunft Ihre starken Kräfte und Fähigkeiten dem Volk und Staate dienst-


