Zreitag, 8. Juli 1927
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheffen)
M. 157 Zweites Blatt
bei
Turnen, Sport und Spiel
Magenbeschwerde zu.
Unterführer einmal wieder mit den Spitzen ihrer Organisation und mit denjenigen Behörden, die im besonderen Maße berufen sind, an der Förderung landwirtschaftlicher Interessen teilzunehmen, in Verbindung zu bringen. Das war letzten Endes der erhebendste Eindruck, den alle die erwähnten Tagungen bei den Teilnehmern zurückließen. Es ist in der deutschen Landwirtschaft der ungebrochene Wille vorhanden, mehr und Besseres als bisher aus dem Boden herauszuholen, und es sind auf diesem Wege trotz aller Ungunst der Zeiten gerade in 6en letzten Jahren nicht unerhebliche Fortschritte erzielt worden. Es kommt darauf an, dieser an sich vorhandenen Tendenz unter dem verstärkten Zollschuh zur weiteren Entwicklung zu verhelfen.
Die Lcrge des Handwerks.
Wie der Rrichsverbon^ des deutschen Handwerks u. a. mitteilt, läßt jid) für den Monat Juli überwiegend sagen, daß die bereits im Dormonat gemeldete Besserung der wirtschaftlichen Lage im Handwerk sich in einer Anzahl von Gruppen hat halten können und z. T. langsam vorwärts ging; andererseits berichtet auch eine große Anzahl von Handwerkskammern, daß die gesamte Lage des Handwerks in ihren Bezirken kaum als befriedigend zu bezeichnen ist, da gewisse Zweige, bei denen der Höhepunkt der Saison in der ersten Hälfte des
nienmarfcf) dm 18.3uli 1927 'eine- und Kraniermackt, >d Schasbockauttion. ^gelassen sind Tiere aus emcinben der Kreise Tie- Büdingen und Schotten, glichen Vorschriften sind Iprungszeugnisse sür Er- 'is der Quarantäne für
6411D ramiierung Mches Fleckvieh und Ao. ). Anmeldungen zur Prä« n bis spätestens Sonntag, ,3m bei uns zu erfolgen, n die Prämiierung hveyteigerung
Uhr vormittags, die Prä« . mt um 9 Uhr.
> Volksbelustigung, Umzug i n Tiere, äonzett und Tanz.
/.3uli 1927.
ermeisterei Lich. Böller.
Zieheng I u 14. u. 15. luH 1927 |
Zölle und landwirtschaftliche Erzeugungssteigerung.
Bon Dr. Hoffmann. Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
Die Zeit um Pfingsten ist herkönnnlich uns diejenige, in der landauf, landab zahlreiche Kongresse stattfinden. Zu den alljährlich wiederkehrenden gehören auch die Versammlungen der landwirtschaftlichen Zentralorganiscctionen. So haben auch in diesen Wochen die Tagungen der beiden großen Genossenschaftsverbände und des Deutschen Landwirtschaftsrates wieder stattgefunden. Manchem Fernerstehenden drängt sich, wenn er dabei an die zahlreichen anderen Versammlungen landwirtschaftlicher Interessenten denkt, die Uebei-zeugung auf, daß die deutsche Landwirtschaft mehr als ihr gut ist, mit Organisationen gesegnet ist, und es ist auch gewiß etwas Wahres daran. Spiegelt sich doch in dem Aufbau der landwirtschaftlichen Organisationen nicht nur der Gedanke einer zweckmäßigen Arbeitsteilung zwi
schen den einzelnen Organisationen wieder, etwa eingeteilt nach den Gesichtspunkten der Förderung der Landwirtschaft auf technischem Gebiete, der Förderung der Landwirtschaft auf privatwirt- schristlichem Gebiet durch genossenschaftlichen Zusammenschluß und endlich der Einwirkung auf die Parlamente durch die wirtschaftspolitischen Verbände, sondern neben der Teilung nach diesen großen Gesichtspunkten lausen die Rücksichtnahme auf die politischen Parteien im Reich und die Rückflcht- nahme auf die herkömmlichen landsmannschaftlichen und konfessionellen Trennungslinien her. Das Thema, das in diesen Tagen wieder die Oeffentlichkeit, soweit sie sich für landwirtschaftliche Fragen überhaupt interessiert, vor alleni Dingen lebhaft bewegt, ist die Frage der Lebensmittelzölle. Immer wieder kehrt in der Debatte der Vorwurf wieder, daß die Landwirtschaft sich dadurch einen durch nichts gerechtfertigten Vorteil auf Kosten der Konsumenten, also namentlich der Bewohner der großen Städte, sichern wolle, und daß von diesen Lebensmittelzöllen eigentlich der kleine Landwirt nichts habe, sondern nur der den städtischen Zeitungslesern meist in der Karikatur gezeigte Großlandwirt. Wer von diesen Gedankengängen ausgeht, den möchte ich doch einmal bitten, sich die Verhandlungen der letzten großen Versammlungen der landwirtschaftlichen Organisationen anzusehen und er wird aus ihnen nur die eine Tatsache entnehmen, daß sie alle bemüht sind, die deutsche Landwirtschaft zu neuen größeren Leistungen emporzureihen, und daß es durchaus nicht in den Absichten der führenden Organisationen liegt, die deutsche Landwirtschaft im Schuhe der durch Zölle aufgerichteten Deiche gegen ausländische Waren im ruhigen Besitz einer Rente schlummern zu lassen. ..
Die beiden großen Genossenschastsverbande — der Reichsverband deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften und der Raiffeisen-Verband — haben selbstverständlich bei ihren Tagungen tue Fragen des landwirtschaftlichen Kredits auch in diesem Jahre wieder eingehend besprochen. Daneben aber zeigen auch gerade ihre Dexhand- lungen, daß der Gedanke der Standardrsre- rung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die verstärkte Anwendung von Maschinen, soweit es wirtschaftlich gerechtfertigt ist, einen immer b eiteren Boden gewinnt. Außerdem war es sehr erfreulich, daß auf der Versammlung beider Verbände nunmehr ein Gedanke, der eingewerhteren Kreisen schon seit langem als ein Ziel aufs innigste zu wünschen vor Augen geschwebt hatte, in den Vordergrund zu treten scheint, nämlich Die Vereinigung dieser beiden Verbände. Es würden dann nur noch wenige Prozente der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften außerhalb dieser einheitlichen Organisation sich befinden, und manche unfruchtbare Doppelarheit. die jetzt sowohl in den Zentralinstanzen tixe’in den Außenorganisationen geleistet wird, wurde in Wegfall kommen. ,f. .
Am klarsten aber und nachdrücklichsten ist Der Gedanke, daß die Landwirtschaft nicht ausruhen darf, in den letzten Verhandlungen des Deutschen Landwirtschaftsrates zum Ausdruck gekommen. Sie standen, zumal sie in Der Pommerschen Hauptstadt abgehalten wurde, unter dem Zeichen des ehrenden Gedenkens an Konrad
Juni liegt, bereits ein merkliches Abflauen der Tätigkeit feststellen müssen. Die Lage wird beherrscht durch die verhältnismäßig günstige Konjunktur im Baugewerbe, das im großen und g-nzen gut beschäftigt ist. In den übrigen Handwerkszweigen war die Beschäftigung uneinheitlich. Im Bekleidungsgewerbe war der Auftragsbestand bis Pfingsten noch größtenteils zufriedenstellend. In der zweiten Hälfte des Monats folgte dann eine stark rückläufige Bewegung. Den gleichen Rückgang zeigen auch einzelne holzverarbeitende Gruppen. Die Landbezirke berichten weiterhin über schlechten Geschäftsgang. Lieber die Bestimmungen der neuen Arbeitszeitnotverordnung ist eine starke Erregung festzustellen, weil durch sie den Organisationen, die bis jetzt noch keine Tarifverträge hatten, diese aufgezwungen werden. Die Erhöhung des Reichsbankdiskonts macht sich für das Handwerk zum Teil in einer starken Erschwerung der Kreditbeschasfung bemerkbar, so daß der Wechsel wieder eine verhängnisvolle Rolle spielt. Der Zahlungseingang hat die wünschenswerte Besserung noch nicht erreicht, besonders in ländlichen Gebieten ist infolge der Verluste der Landwirte in der Schweinemast der Zahlungsverkehr schlecht. Die Rohstoff- und Materialbeschaffung war überwiegend ohne Schwierigkeiten möglich. Vereinzelt wird allerdings über Knappheit von Baumaterialien, insbesondere von Ziegeln und Holz geklagt. Die Preise weisen eine steigende Tendenz auf.
der Türkei zu vertiefen; als nämlich Wilhelm II. nach Palästina reiste, übertrug der Sultan der Berliner Firma die Verköstigung der Reisegesellschaft von der türkischen Grenze bis Jerusalem und zurück. Damals hatten deutsche Köche in großen Zelten mit türkischem Hilfspersonal die Verpflegung der gesamten Hofgesellschaft übernommen.
Besonderes Ansehen genossen die Weinkellereien, die der Firma gehörten, und die sich unter der Petrikirche und unter der Singakademie befanden. Das wertvolle Lager, dessen Burgunder- und Bordeauxweine besonders kostbar sind, war aber in den letzten Jahren nahezu unverkäuflich, da die Fürswnhöfe verschwunden sind und die ehemaligen Hofkreise nicht mehr übet die Mittel verfügen, so teure Weine zu kaufen. Industrielle und Grohkaufleute, die sich so kostbare Dinge wohl leisten könnten, gibt es weder in einer entsprechend großen Zahl, noch sind sie ebenso großzügig im Ausgeben wie die feudale Welt von gestern. Dazu kommt, daß alle Geschäftsleute viel stärker von der Konjunktur abhängig sind; gehen die Geschäfte gut, so kommt es auf ein paar Flaschen teuren Weins nicht an; im anderen Fall sind sie aber stets geneigt, zunächst auf diesem Gebiet zu sparen.
Früher war es bei der Firma Borchardt üblich, nur einmal im Jahr, nämlich zum 1. Januar, Rechnungen zu versenden. Mahnbriefe waren verpönt, denn die vornehmen Kunden liebten es nicht, an ihre Schulden erinnert zu werden. Dieses System hat dem Unternehmen viel Schaden zugefügt, da sich nach dem Zusammenbruch heraus stellte, daß diele Schuldner ihren Verpflichtungen nicht Nachkommen konnten. Wenn man aber nicht die ganze Kundschaft verlieren wollte, so muhte man auch mit diesen säumigen Zahlern nachsichtig umgehen. Die JnflatiorÄzeit versetzte dem Unternehmen dann den entscheidenden Stoß, von dem es sich nicht mehr erholt hat. Da es in Berlin eine in diesem Sinne nicht mShr gibt, irrte fte vor dem Krieg bestanden hat, muß nun <n«h früherer Mittelpunkt veröden und schließlich bet» | schwinden.
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sehen wie die Festversammlung, die sich bei der Eröffnung des Rord-Oftseekanals in Kiel- Holtenau eingesunden hatte. Damals wurden 1050 Gedecke bestellt; das Menu zählte elf Gänge; außerdem reichte man sechs verschiedene Sorten edelster Weine, aber die Organisation klappte so vorzüglich, daß das Essen in einer knappen Stunde beendet war. Auch auf den Subskriptionsbällen im Berliner Opernhaus, die regelmäßig vom Hof besucht wurden, und auf denen sich die einflußreichsten Kreise ein Stelldichein gaben, stammten die im großen Konzertsaal aufgestellten Bufetts von Borchardt.
Die Weinstube der Diplomatie.
Don Legatus.
Die weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Firma F. W. Borchardt, Berlins berühmtestes Weinhaus und vornehmstes Restaurant, hat in Liebereinstimmung mit dem Gläubiger-Ausschuß soeben beschlossen, den Antrag auf Eröffnung des Konkurses zu stellen. Der Geschäftsbetrieb wird vorläufig fortge-
Gekrönte Häupter, Botschafter, hohe Militärs, berühmte Gelehrte und Künstler von Ruf verkehrten ehemals in den vornehmen Weinstuben, die im Zentrum Berlins in Der Französischen Straße liegen, und die binnen kurzem ihre Klärten — hoffentlich nicht für immer —. schließen müssen. Genau vor einem Jahr muhte Die .Firma, die im Jahre 1853 gegründet worden ist Die Geschäftsaufsicht beantragen; Damals besaß sie noch ein Vermögen, das ihre Schulden erheblich überstieg, tonnte aber nicht genügend Geld flüssig machen, um ihren großen Verpflichtungen nachzukommen. Inzwischen hat sich die Lage des Llnternehmens weiter verschlechtert; um es zu sanieren, müßten etwa 700 000 Mark aufgebracht werden. Es ist nicht ausge- schlossen, daß einige ausländische Häuser, vor allen Dingen die große englische Finna Lyons, eine Stützungsaktion vornehmen werden; doch muß man annehmen, daß das berühmte Weinhaus Borchardt auch Dann seinen alten, besonderen Charakter verloren haben wird, wenn es gelingen sollte, im Berliner Westen in irgendeiner Form ein neues Weinhaus der alten Firma zu gründen; es würden andere Kunden sein, die den gesellschaftlichen Charakter der berühmten Weinstuben in Der französischen Straße von Grund aus zerstören wurden.
Am Riedergang dieses Hauses an dessen StannntifcOen sich -in Stäck d^schlchte. °bg-. (bleit hat, ist nämlich nicht etwa älirtuchtigkeit bet Jichaber schuld: te wotata stände haben diesem früheren gesellschaftlichen Mittelpunkt Der Reichshauptstadt Die Grundlagen mtzogen. In den Weinstuben in Der Fran-
heit zunächst hemmenD wirken muhte. Doch Ideen lassen sich toeDer unterDrüden, noch tot- chlagen, und so wuchs mit Der Besserung der Verhältnisse auch Die Zahl Der Anhänger Dieses Sportzweiges.
In erster Linie ist Der Schießsport eine Ausbildung der Geistes- und Rervenkräfte. Ein gut gezielter Schuß seht eine scharfe Anspannung des Willens, schnelle Entschlußkraft und klare Geistesgegenwart voraus. Das Schießen fordert uneingeschränkte Herrschaft über seine Rerven. Es erzieht aber noch zur Ehrlichkeit gegen sich selbst und Erkenntnis eigener Schwächen. Für- Fortschritt und Erfolg aber sind Regelmäßig- ■ feit Der Llebung und Ausdauer unbedingte Erfordernisse.
Das Kleinkaliberschießen soll und muß im Interesse unseres Volkes ein Volkssport werden, also muß seine Ausübung jedermann möglich sein. Da Die üblichen Scheibenbüchsen mit ihren großen Schiehanlagen unD DaDurch bedingten hohen Erhaltungskosten für Die Masse Des Volkes zu teuer waren, erinnerte man sich des Kleinkalibers, unD unsere WasfeninDustrie schuf in kurzer Zeit gute Sportbüchsen. Hier muh allerdings gesagt werden, daß wir hierin noch nicht zu einem Ideal gelangt sind; Dazu ist Die Zeit zu kurz nnD Die Erfahrung zu gering. Wir sind aber auf bestem Wege.
Die verhältnismäßig billige und sehr brauchbare Büchse gab Die Möglichkeit, Das Schießen in Die breiten Massen des Volkes zu tragen. Die Lust am Schießen liegt Dem Deutschen im Blut, unD so erstanden überall Die Kleinkaliber-Sport- vereine (zur Zeit im Landkreis Gießen 33). In ihnen lebt Der Gedanke des Volkssportes, D. h. dieser Sport soll eine Angelegenheit des ganzen Volkes sein, und dieses Ziel wird erreicht wer- Den. Hier sei als Beispiel nur Der Schweiz gedacht.
Mit Dem Gedanken des Volkssportes zusammen mußte aber Die Lieberlegung kommen. Daß nicht mit Spitzenleistungen einzelner Der Ertüchtigung unserer Jugend geholfen ist. sondern nur mit hohem Durchschnitt aller. So werden bei stattfinDenden Wettkämpfen nicht nur Cinzel- leiftungen belohnt, sondern größter Wert- wird auf den Mannschaftskampf gelegt. Den verschiedenen Fortschritten entsprechend werden diese Wettkämpfe wieder im Rahmen von Klassen ausgetragen, so daß jedem Mitglied die Aussicht auf ®rfolg gegeben ist.
Aber noch ein anderes zeigte sich mit Der wachsenden Ausdehnung des Schießsportes als I Volkssport. Ihn allein und ausschließlich zu pflegen ist für einen Sportsmann von heute nicht I mehr gut denkbar, Der moDerne Sportschütze ver-
Jn einer Zeit, in der das internationale Transportwesen noch nicht entfernt so entwickelt war arte heute, wurde es in allen Kreisen, Die es bezahlen konnten, besonders hoch angerechnet, daß man in Der Französischen Straße im Dezember Erdbeeren kaufen konnte, die aus Algier stammten; in jeder Jahreszeit gab es Dort Die ersten Früchte ihrer Art: Die ersten Pfirsiche unD Die ersten Spargel, australische Schild- kröten, Hcrifischflossew Känguruhschwänze, indische Schwalbennester, Ortotanen und Langusten, ägyptische, türkische oder chinesische Konfitüren. Einfuhrschwierigkeiten gab es natürlich für dieses berühmteste Delikatessengeschäft seiner Zeit, das über einige Dutzend Hoflieferantentitel verfügte, überhaupt nicht. Man betrachtete es als die Kulturmission des Hauses Borchardt, Dem europäischen Frieden dadurch zu dienen, daß es die Diplomaten vor Magenbeschwerden bewahrte und durch eine auserlesene Küche, russische, dänische, holländische Schnäpse, französische oder italienische Liköre, bei guter Laune erhielt. Schrieb doch im Jahre 1878 nach Der Beendigung des Berliner Kongresses zur Regelung Der orientalischen Angelegenheiten ein österreichischer Journalist: »Die Rachwelt flicht Der Firma Borchardt keine Kränze; das ist gewiß sehr unDanf» bar, denn es ist nicht abzusehen, was sich tn Europa ereignet hätte, wenn sich m einem dieser denkwürdigen Augenblicke Bismarck eme Magenbeschwerde zugezogen hätte!"
Auf ihre Weise hat die Firma F. W. Dor- chaiärt auch dazu bei getragen, Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und
Gedanken über den N!ernkattber-§psrt.
Von W. 2 in Den au, Gießen.
Dieser wichtige Sport, Der zum wahren Volkssport toerDen muh, zwingt immer wieder in seinen Dann, so oft das Wort „Kleinkaliber" zu Ohren kommt. Man mag über ihn Deuten wie man will, man mag ihm ablehirend gegenüber» stehen, ihn für überflüssig halten, man wirD doch an Der Wahrheit nicht vorbeikommen, Daß durch seine richtige Pflege nicht nur schießen gelernt wird. Durch diesen Sport werden gerade sicherer Blick, Entschlußkraft, Selbstzucht und Selbstverttauen in erheblichem Maße gefördert, alles Dinge, Die Dem deutschen Staatsbürger von heute unbedingt notwendig sind. Re^nbei sei Darauf hingewiesen, daß Die Kenntnis Der Feuerwaffe nützlich ist. Llnkenntnis Der Gefahr und Unvorsichtigkeit sind es vor allem, welche so oft Menschenleben Durch Das Gewehr in Gefahr bringen oder zerstören. Es ist in solchen Fällen fast gleich schlimm, Derjenige zu fein. Den Das Unglück trifft, oder Derjenige, Der das Unglück veranlaßt hat. Uebung in Der Handhabung Der Waffe und Erziehung zur Vorsicht beim Gebrauch Der Waffe müssen stets in gleicher Weise Zief und Zweck Der Schießübungen sein.
Die erzwungene Abschafftlng Der allgemeinen Wehrpflicht durch Das Versailler Diktat und Die zur Durchführung dieser Anordnung uns von Den Feinden aufgezwungenen Maßnahmen taten zunächst alles in Acht und Bann, was mit dem Schießen zusarnmenhing. Man vsrga'h völlig, daß schon vor Dem Kriege Der Schießsport auf den Olympiaden öffentliche Anerkennung gefunden hatte. So ruhte dieser wichttge Sportzweig zunächst, verfehmt, verachtet, in jeder Weise behindert, was sogar zur Beschlagnahme von Spvrtbüchsen führte.
Dieser unhaltbare Zustand Dauerte aber nicht lange, man erwachte aus Der Betäubung, und Der gefunDe Sinn des Volkes, Dem man mit Der Wehrpflicht auch Die Körperschule geraubt hatte, verlangte nach Betägigung. Da Der Beruf viele Menschen an geschlossene Räume bindet und stramme körperliche oder geiftige Arbeit von ihnen verlangt, so Drängten Die gesund denkenden unD fühlenden Deutschen bald hinaiis in Die Ratur zu erfrischender Tätigkeit. Turnen und Sport nahmen in allen Volksschichten einen ungeheueren Aufschwung, und natürlich ging jetzt auch der Schießsport mit dieser Bewegung mit. Es ist selbstverständlich, daß eine Zeit wirtschaftlicher Rot und tiefster innerpolitischer Zerrissen-
zösischen Straße verkehrte Bismarck, Der mit Dem .alten BoiicharDt", Dem Begründer Der Firma, eng befreundet war. Aber auch Wilhelm II. speiste dort mit seinen Generälen als Prinz, Kronprinz und als Kaiser, und auch seine Söhne besuchten mit Vorliebe diese Gaststätte. Wo die kaiserliche Familie verkehrte, konnte die Hocharistokratte nicht fehlen. Graf Fink von Finkenstein, Der kroiiprinzliche Adjutant von Stülpnagel, Radowih, Hohenlohe, Oldenburg unD Holstein hatten ihre Stammtische bei Dor- chardt, an denen alle wichtigen Ereignisse durchgesprochen und manche politisch bedeutsamen Entscheidungen getroffen wurden. Als Graf Wal- dersee aus China kam, wurde das Wiedersehen in der Französischen Straße gefeiert. Ratürlich traf man dort auch Adolf Menzel, der an feinem Lisch manche charakteristische Studie zu seinen großen Bildern gezeichnet hat, und neben Der „kleinen Exzellenz", wie Menzel oft genannt wurde, saß Der Bildhauer Begas, der mit großem Eifer Den Austern zuzusprechen Pflegte, von Denen er regelmäßig zwei Dutzend verzehrte. Auch Theodor Fontane und Paul Lindau, Die manchen ihrer Romane bei BorcharDt spielen lassen unD die Geselligkeit der dort verkehrenden Kreise treffenD zu schildern wußten, waren in Den Weinstuben anzutreffen.
Aber Der Ruf Dieses Weinhauses ging weit über Deutschlands Grenzen. Es lieferte nicht nur an alle deutschen, sondern auch an Die meisten europäischen Fürstenhöfe. Zu seinen Kunden zählte Der König von EnglanD unD Zar Riko- laus II., Der sogar russische Galadiners aus Berlin bezog. Die Gerichte tourDen in Berlin vorgekocht, Dann mit Dem Exprehzug nach Petersburg gebracht unD Dort von BorcharDts Deutschen Köchen am Zarenhofe selbst fertiggestellt. Im Sommer 1896 veranstaltete Die deutsche Botschaft in Moskau ein großes Festessen, zu Dem 450 Gäste geladen waren. unD das ebenfalls von Borchardt in Berlin geliefert wurde. Auch die wichtigsten internationalen Kongresse Pflegten ihre Galatafeln von Borchardt servieren zu lassen. Der Weitvostkongreß. Der Telegraphenkongreh. Die Afrikanische Konferenz wurden von Borchardt ebenso mit Den erlesensten Speisen Der»
Freiherrn von Wangen heim. Wem es je vergönnt gewesen ist, mit Diesem Führer Doti deutschen Landwirtschaft, auch noch in seinen letzten Lebensjahren, in Berührung zu kommen, Der wird sich dessen erinnern, wie er, der die 70 schon geraume Zeit überschritten hatte, mit jugendlichem 5euer seine Ideen über das Hilfswerk Der deutschen Landwirtschaft seinen Hörern Darlegen konnte. Darunter verstand er die Ernährung des deutschen Volkes aus eigenerScholle unter Ausnutzung aller in Der deutschen Landwirtschaft ruhenden Kräfte. Roch in den Jahren 1922/23 glaubte er, daß die Landwirtschaft Dieses hohe Ziel auch ohne wesentliche staatliche Unterstützung werDe erreichen können. In späteren Jahren verlangte er als erste Voraussetzung für die Ankurbelung Der Intensivierung vor allen Dingen Die Schaffung eines großen Kredit
institutes, wie er es dann später, wenn auch • in anderen Formen, als es ihm vorgeschwebt hatte, in Der Deutschen Rentenbank- Kreditanstalt erstanden ist. Unter den verschiedenen Maßnahmen zur Anspannung aller in der deutschen Landwirtschaft ruhenden Kräfte stand für ihn stets an erster Stelle Die Durchführung großer Landesmeliorationen. Wie er sein eigenes Gut Klein-Spiegel aus einem wenig ertragreichen Betriebe zu einem weithin als Musterbetrieb anerkannten Großbetrieb entwickelt hatte, so forderte er, daß überall in deutschen Landen jeder Boden, der nur in irgend einer .Weise einen Ertrag bringen kann, sei es Moorland, sei es Oerdland, seien es versauerte Wiesen oder weit ins Frühjahr hinein überschwemmte Aecker durch verständige Meliorationen in einen für die Erzeugung größerer Ernten geeigneten Zustand verseht würde. Der Hinweis auf die Wichtigkeit der Meliorationen bildete daher auch den Gegenstand des ersten Vortrages auf der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates, den Wangenheim's Rachfolger, Der Vorsitzende der Pommerschen Landwirtschastslammer von Flemming hielt; ihm schloß sich) ein Vortrag des Direktors Der ostpreußischen LanDgesellschaft Freiherrn von Gayl über Die SieD- lungss ragen an, ein Gebiet, das mit Dem Der Meliorationen im engen Zusammenhang steht, wobei man aber, wenn man bei Der Durchführung Der Siedlungsfragen keine allzu großen Enttäuschungen erleben will, Der Regelung Der Meliorationen Den Vorzug lassen soll. Ueber die Rotwendigkeit der Siedlung herrschte allgemein Ueber- einstimmung. Der Vortragende betonte namentlich das Erfordernis, dafür zu sorgen, daß der einzelne Siedler unter solchen Bedingungen angeseht werde, daß er auch sein wirtschaftliches Auskommen, wenn auch bei schwerer Arbeit seiner ganzen Familie, habe.
Der zweite Tag Der Verhandlungen in Stettin brachte eingehende Vorträge über die Standardisierung von Vieh, Getreidearten, Gemüse, Milchprodukten usw. An die Vorträge schloß sich eine lebhafte Debatte, und wer ihr angewohnt hat, der wird auch diesmal wieder aus den Verhandlungen des Deutschen Landwirffchaftsrates den Eindruck mitgenommen haben, daß die Verhandlungen dieser zentralen Vereinigung aller deutschen Landwirtschaftskammern, an denen neben anderen hervorragenden praktischen Landwirten herkömmlich alle Vorsitzenden sowie Die leitenden Kammerdirektoren teilnehmen, sich auf einer im Vergleich zu vielen wirtschaftlichen Tagungen sehr bernerfenstoerten Höhe bewegt haben. Selbstverständlich klangen bei den Verhandlungen auch Die I in Der öffentlichen Debatte jetzt besonders stark betonten ForDerringen eines ausreichenden Schuhes derKartoffel-undSchweine- erzeugung durch und fauDen in einer außerhalb Der Tagesordnung mitten aus der Versammlung eingebrachten Resolution ihren Riederschlag. Aber überall war man ftch dessen bewußt, daß mit Errichtung von Zollschranken die Aufgaben der deutschen Landwirtschaft in keiner Weise erfüllt wären, sondern nur eine Voraussetzung geschaffen werde, Damit sie nun erst recht an ihre eigentliche Arbeit Herangehen kann, nämlich Den nicht-landwirtschaftlichen Volksgenossen durch ihrer HänDe Arbeit alle notwendigen Lebensmittel zu liefern, und so unsere Handelsbilanz von man» cheii unnötigen Einfuhrposten zu befreien. Mag auch in solchen landwirtschaftlichen Tagungen mal ein unwilliges Wort über den Lauf der Zeiten zuviel gesprochen werden, sie erfüllen doch alle , 1 den Hauptzweck, die provinziellen und lokalen
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