Einzelbild herunterladen

Nr. 157 Erster Blatt

zreitag, 8. Zull <927

177. Jahrgang

Der Kampf um den Nationalfeiertag

Japans Politik in China

zu

l Prozent-

Pelf.

grOBt»

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 % mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Kurt hillmann, sämtlich in Gießen.

ui

Rußland und der deutsche Gsfiziersbesuch in England.

Eigener Drahtberichl des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 8. Juli. Erst kürzlich haben mir Ge­legenheit genommen, darauf hinzuweifen, welch gro­teske Formen die Nervosität in den kommunistischen Kreisen des In- und Auslandes im Zusammenhang mit der englisch-russischen Spannung angenommen hat. Es nimmt nicht wunder, wenn der private Besuch deutscher Offiziere bei den eng­lischen Luftmanöoern in Hendon in den

$5* E %

ijs !: vA 11.

Die Tokioter Regierung hat beschlossen, wei­tere 2000 Mann nach Tsingtau zu entsen­den, um die sehr wichtige Bahnlinie Tsinanfu Tsingtau möglichst an allen bedeutenden Punk­ten besetzen zu können. Damit bestätigt sich das Gerücht, daß Japan nicht gewillt ist, in Rordchina lediglich den unbeteiligten Zuschauer zu spielen. Rach Lage der Dinge würden sich die japanischen Truppen, wenn sie die Bahnlinie in Besitz nehmen, zwischen die kämpfen­den Parteien schieben und damit dem General Tschang-tsolin, der eine neue Rie­derlage erlitten hat, eine Atempause ver­schaffen. Wenn sich die Regierung in Tokio zu diesem Schritt entschlossen hat, dann tat sie daS lediglich mit Rücksicht auf die bedeutenden Interessen der japanischen Wirtschaft in den nordchinesischen Provinzen. Japan ist heute an der chinesischen Bergwerks- und Schwerindustrie in viel stärkerem Maße beteiligt, als das jemals nach außen hin in die Erscheinung getreten ist. Eingeweihte behaupten sogar, daß es zum Beispiel die gesamte Eisenindustrie Chinas kontrolliere. Wenn das viel­leicht auch etwas übertrieben ist, so steht doch fest, daß japanisches Geld im chinesi­schen Wirtschaftsleben eine Hauptrolle spielt. Im Rvrden beutet Japan mm aber noch zahlreiche Kohlen- und Erzgruben Chinas für eigene Rechnung aus, die es nicht in Verlust ge­raten lassen darf, wenn es die heimische Wirt­schaft vor einer gefährlichen Situation bewahren! will. Cs darf aber auch nicht übersehen werden, daß der japanische Export zu 34 Prozent nach China geht, Japan also ein großes Interesse daran hat, die bisher vom Bürgerkrieg einiger­maßen verschont gebliebenen Provinzen nicht auch zum Tummelplatz der Truppen der sich be­kämpfenden Parteien werden zu lassen. Die japa­nische Wirtschaft hat unter den chinesischen Wirren schon schwer genug gelitten, sie mühte zusammen­brechen, wenn nun auch noch die eigenste japa­nische Interessensphäre in ein Kriegsgebiet ver­wandelt wird. Ilm eine Wirtschaftskatastrophe zu vermeiden und vor allem die ungestörte Aus­beutung der chinesischen Raturschähe sicherzustellen, ist Tokio dazu übergegangen, neue Truppen nach Rordchina zu entsenden.

Eine Chinarede Tanakas.

Tokio, 7. Juli. (TU.) Bor der sogen. Chinakonserenz entwickelte Ministerpräsident Ta­naka die Chinapolitik Japans. Der Wiederauf­bau Chinas sei das Gebot der Stunde, aber diesen Wiederaufbau, müsse das chinesische Volk selbst bewirken. Japan werde keine chinesische

___-

loten

. Derka

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr.Bezngrpreis:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für TrSger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.

Partei begünstigen, sondern strikte Reutra- l i t ä t wahren. Die japanische Regierung sei aber bereit, mit den gemäßigten Elemen­ten in China zusammenzuarbeiten, falls diese den Willen des Volkes als Ganzes repräsen­tieren. Die gemäßigten Chinesen müßten ein­sehen, daß die Mitwirkung der ausländischen Mächte die wirtschaftliche Entwicklung in China nur fördern könne. Sollte der Frieden in der Mandschurei gestört werden, ganz gleich von wem, so werde Japan seine Rechte

und ist in eine Bearbeitung der Feier­tagsfrage eingetreten auf Grund des kom­binierten Antrages Schulte im Rechtsausschuh des Reichstages, in welchem eine Regelung der gesamten Feiertagsfrage angeschnitten worden ist. Die Reichsregierung ist sich aber in beson­derem Mähe dessen bewußt, daß eine befriedi­gende und würdige Lösung dieser Frage nur ge­funden werden kann, wenn eine Derfas- sungsfeier nicht nur von einzelnen Teilen der Bevölkerung, sondern von dem gesam­ten Volke getragen wird. Demgemäß ist die Reichsregierung natürlich bereit und ver­pflichtet, auf Grund der vorliegenden Initiativ­anträge des Reichstags in Verbindung mit den Anträgen des Dechtsausschusses des Reichstages das Ziel einer völligen Regelung der Feiertags­frage ihrerseits weiter zu fördern. Der Reichsrat sprach sich dann auf Antrag der preußischen

>9 9 \t 93 H 35 51 I»

M »w

,3! ,19 $ i 2

«MS

5,66*

JO,99

«SricL 16763 169,1 23,17 109,32 69,6* 2.59

113.N 813 21,85 12.53 <3,5?

&

0,193

A 1916 113-

-s

iiz,?0

Kraickftlr?amMain'iis86. vrrttk «n- Verlag: vrühl'sche UniverfitSts-Sllch' « Steiildruckerei K Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: rchulstratze 7.

ches Gaswerk!

iewerbemsstellung halte ich mich W .echten Garjlammc beschweren 1 nicht, weil ich kein Nörgler sein M cheidenheil wurde auch mit Bc- W ig belohnt, wenigstens sür einige M tvoll war die Gasslamme. beson- igsjcit. War es da ein Wunder. 1 könne über das stets pünktliche 1 und mir einen Hgsbackojen 311 Meid) nad) bet Ausstellung sollle I illunq gef)en. Unb jefit kommt M ür tid), mein liebes (Hasocrl. W Werbeausstellung ihre Psorter M h die Gasflamme wieder z ,1 einbaren Dasein zuriickkehe^ ; ine KName sür Dich, liebes i nur während "einiger Werbe- s Gas liefertest und nachher olu imM-laMMMwarv» noch keinen Gasoackosen oufh E ich bestimmt eine elektnlche einehuusfrau 9

cht mit Dir 's'-

^gesandt.

wlt aller unter dieser Rubrik ctnunmt die Dedakkivn dem r [einerlei Cßetanttoortung.) 'loser Motorradfahrer.

d st. Juli) verurfachle ein Ma­l' Hause Goethestrahe 33 bei esekt gewordenes Rad zu repa< lige furchtbare Detonation, jo Kinder der ganzen Umgegend ind lange Zeit nicht zu beruh!.

s gegen solche Menschen keine i R.

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

lichen Feiertage tn den Ländern die Kompetenz der Landesgesetze auf dem Gebiete der kirchlichen Feiertage nicht berührt werden. Die Frage, ob der Derfassungstag an einem Sonntag oder immer am 11. August zu feiern sei, habe auch durch die heutigen Erörterungen keine Klärung gefunden. Weiterberatung Freitag.

Der Beschluß des Reichsrats.

Berlin, 7. Juli. (D. D. Z.) Im Reichsrat gab namens der Reichs regierung Reichs­innenmini st er v. Keudell folgende Er­klärung ab: Die gegenwärtige Reichsregierung hat hinsichtlich der Dienstregelung am 11. August weitergehende Maßnahmen er­griffen, als irgendeine ihrer Vorgängerinnen. Sie hat sich andererseits dem Vorgehen des Rechtsausschusses des Reichstags angeschlossen

Politik und Reisezeit.

Daß die Reisezeit in mannigfacher Hinsicht geeignet sein dürste, den politischen Interessen des Vaterlandes zu dienen, wird sich wohl nicht jeder, der in den nächsten Wochen die Stadl verläßt, um außerhalb Erholung und Kräftigung zu suchen, klar sein. Tlnd doch kommt der Reisezeit gerade in politischer Hinsicht eine Bedeutung au, die man keineswegs unterschätzen darf. Wir denken dabei nicht nur an die Reisen, die un­mittelbar ins Ausland führen, nach Frank­reich, nach England, Italien, den Rordstaaten usw. und die Gelegenheit bieten dürften, durch persönliche Bekanntschaften daran mitzuhelfen, draußen im Auslande das irrige Bild von dem Revanchegeist der Deutschen zu zerstören. Gerade in dieser Hinsicht leistet ein jeder, der hinaus­fährt, außerhalb der Grenzen einen Dienst für das deutsche Volk, der auf jeden Fall und in jeder Beziehung einen großen Wert dar stellt.

Wir denken aber im Speziellen an die Reisen, die in Gebiete führen, die als deutsch heute aber vom Mutterlastde getrennt sind, vor allem aber auch an die Reisen i n s besetzte Gebiet, wo es gilt, durch den Besuch wirtschaftliche Werte zu schaffen und der bedrängten Bevölkerung damit zu helfen. Reisen iw Gebiete, die Deutschland nach dem Friedensvertrag hat abtreten müssen, dürften politisch von ganz besonderer Schwierigkeit sein. Richt nur, daß man dort als ungebetener Gast viel lieber nicht gesehen würde, sondern auch, daß man besonders vorsichtig sein muh, um nicht Mihhelligkeiten zu erleben. Trotz alledem ist es auch hier Aufgabe des deutschen Rei­senden, in den ehemals deutschen Gebieten den Bewohnern zu zeigen, welche Anhäng­lichleit das Heimatland an sie bewahrt hat. Daß dazu allerdings ein besonderer Takt und ein besonderes Feingefühl nötig sind, bedarf wohl keines weiteren Hinweises. Dor allem darf man sich nicht hinreihen lassen, bewußte Po­litik zu treiben, die doch auf alle Fälle mehv schaden als nützen würde.

Ein Gebiet, dessen Besuch in jeder Beziehung auch im Hinblick auf feine politische Bedeutung anempfohlen werden muß, ist Ostpreußen. Änd gerade hier hat das deutsche Verkehrswesen Mittel und Wege geschaffen, die einen bequemen Reiseverkehr ermöglichen. Die Schaffung des pol­nischen Korridors hat den Seeweg nach Ost­preußen und Danzig, der im Frieden nur vom Frachtverkehr benutzt wurde, wieder in den Mit­telpunkt des öffentlichen Verkehrs Interesses «2- stellt. Schon bald nach Abschluh des Waffenstill­standes gelang es rührigen Unternehmern mit Unterstützung des Reiches und Preußens, ver­schiedene Seeverbindungen in Gang zu bringen, um den Personenverkehr von den unleidlichen Mißständen im polnischen Korridor freizuma­chen. Die stärkere Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft und die durch die Kriegserlebnisse ge­steigerte Ratursehnsucht der Deutschen erforderte vor allem aber den Bau von Spezialschiffen, wozu die Mtttel auch vom Reichstag und Landtag bewilligt wurden.Hansestadt Danzig" und Preußen", die beiden Schwesternschiffe sind be­rufen, die deutsche Arbeit im Osten würdig zu repräsentieren, u. in vier Fahrten in der Woche den Seedienst nach Ostpreußen zu bewältigen. Aufgabe ist es aber, gerade dadurch einen stärkeren Ver­kehr nach Ostpreußen zu erreichen, und damit prakttsche polittsche Arbeit im besten Sinne zu leisten.

Köpfen der Sowjelleute das Furchtgespenst einer deutsch-englischen Militärfront gegen Sowjetrußland hat wieder lebendig werden lassen. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß es sich hier lediglich um eine Ausgeburt der Phantasie völlig verängstigter Leute handelt. Zur Beruhigung der Bolschewisten sei aber mitgeteilt, daß die Einladung der englijci-en Heeresverwaltung an die deutschen Offiziere zum Besuch der Manöver bereits vor dem Ausbruch des englisch-russischen Konfliktes ergangen ist. Im i.uri­gen hat schon im vorigen Jahr ein Besuch von einigen deutschen Offizieren in England stattgesn.i- den. Die russischen Befürchtungen lassen die große Nervosität der Bolschewisten und ihre gegenwärtige Lage in Rußland, die nicht die beste ist, erkennen. Es wäre den russischen Machthabern in ihrem eige­nen Interesse nur zu raten, sich in ihrer nervösen Stimmung nicht zu Dummheiten hinreißen zu lassen, sondern mit Besonnenheit auf eine Beruhigung der Gemüter im In- und Auslande hinzuarbeiten und so Herr der Ereignisse zu bleiben.

Die Minderheilssprachen in der Ukraine.

Moskau, 7. Juli. (Telegraphen-Agentuv der Sowjet-älnion. Funkspruch.) Die Ukrainischs Regierung hat die Sprachen aller in der llkraine lebenden Nationalitäten für gleichberechtigt er­klärt. Regierungsdekrete werden von nun an in ukrainischer und russischer Sprache sowie in den Sprachen der Minderheiten veröffentlicht werden. In den Schulen soll außer der ukrainischen Sprache Russisch als Pflichtfach eingeführt werden.

bei seinen Operationen stets die Stabilität der Währung zu befürchten hat.

Daß bei dieser Sachlage Jnflationsgerüchte überhaupt austauchen können, läßt sich nur aus einer Unwissenheit der Bevölkerung in Wäh­rungsdingen erklären. Die gegenwärtigen Preis­steigerungen sind das durchaus normale Ergebnis des Konjunkturauffchwungs. Auch die Vorkriegs­zeit kannte diese Wellenbewegung der Prerse, ohne daß jemand dabei im entferntesten an eine Inflation dachte. Die Wiedereinführung der Wertbeständigkeitsklausel im gegenwärtigen Au­genblick, die nach der Stabilisierung nur eine Zuscihsicherung war, wäre gleich einer Mitz- trauenskundgebung gegen die Währung. Strenge Gesetze und eine verantwortungsbewußte Reichs- banklciiung bieten Gewähr für die unbedirmt« Aufrechterhaltung der Stabilität der deutschen Währung.

Die Bankbesprechungen in Washington.

Washington, 7. Juli. (WTB.) Der Präsi­dent C r i s s i n g e r der Federal Reserve Bank gab den Chefs der Zentralbanken Deutschlands, Englands und Frankreichs, die heute in Washington eintrafen, ein Frühstück. Sowohl das Programm der Besprechungen wie auch die Reife- pläne werden streng geheim gehalten. Im An­schluß an das Frühstück fanden Besprechungen statt, an denen mehrere prominente Wirtschaftler und Mit­glieder der Federal Reserve Bank teilnahmen. Das Staatsdepartement und das Handelsamt waren

nicht vertreten. Es besteht hier der Eindruck, daß die Regierung entschlossen ist, diesen Besprechungen, die nach Ansicht einiger hiesiger Finanzleute ein weites Programm, darunter die Kreüithilfe an Rußland für die Einfuhr aus Deutschland und dem übrigen Europa umfassen, unbedingt f e r n- z u b l e i b e n , um nicht in die schwierigen Fragen wie die Anerkennung der Sowjets und die Neu­regelung der Schuldenfrage verwickelt zu werden. In Washingtoner Meldungen taucht die Vermutung auf, daß im Zusammenhang mit der Erörterung des interalliierten Schuldenproblems auch der Dawesplan besprochen wurde, unb zwar im Zusammenhang mit der Frage einer Ausgabe de r Eisenbahnbonds. Selbst für den Fall, daß triefe Meldungen zutreffen, darf unter keinen Umstanden vergessen werden, daß die Amerikaner auch heute noch jede Verquickung des interalliierten Schuldenproblems mit dem Dawesplan allerscharf- stens ab lehnen.

is Ä- x

""Wie l'ä'rts, n9'" 'm StmfQmtcn ®taQt um ® «n ['J" i.ft1'« li>c'tennung 7, ?."»»>-«

chertisch,

Wm » 35.

n unb etutttMrf o Z un$en- snsss

T W von Ort zu Ort Sei<6en wr £ man mit einem & -bnn9en die r.Z. durch SiMe aus befonbeten betragt 1:250000

3m Rechtsausschuß.

Berlin, 7. Juli. (D.D. Z.) Im Rechts­ausschuß des Reichstages wurde die Beratung der Anträge über nationale und kirch­liche Feiertage fortgesetzt. Reben dem so- zialdemokrattfchen Antrag auf Festsetzung des Verfassungstages des 11. August als Rational­feiertag stand auch heute folgender Zentrums­antrag zur Beratung: Der Tag der Ver­fassungsfeier des deutschen Volkes ist der 11. August, wenn er ein Sonntag ist, sonst der erste Sonntag nach dem 11. August. Gedenk­tag für die Opfer des Krieges ist der letzte Sonntag vor Ostern. Reichsrechtlich an­erkannte Feiertage sind außerdem der Reu- jahrstag, der Ostermontag, der Pfingstmontag, der Derfassungstag, der erste und zweite Weih- nachtsfeiertag. Ferner bleiben als reichsrechtlich anertannte Feiertage geschützt der Karfreitag, der Fronleichnamstag, soweit diese Tage nach dem 11. August 1919 landesrechtlich anerkannte Feiertage waren.

Der Dorsihende Abg. Dr .Kahl (D. Dp.) wies darauf hin, daß der Zentrumsantrag der weitestgehende sei und die Grundlage der Verhandlungen bilden müsse. Er schlug vor, die Frage eines Dolkstrauertages vorläuftg aus­zuschalten.

Abg. Dr. P r e g e r (B. D.) unterstützt diesen Antrag. In Bayern sei zwischen den beiden Konfessionen vereinbart worden, daß der Aller­seelentag als Gedenktag für die Gefallenen gefeiert werde.

Abg. von Freytag-Loringhoven (Dn.) wandte sich gegen den Gedanken, die Schaffung der Verfassung zum Gegenstand einer Dolksfeier zu machen. Man hätte vielleicht den 28. Juni als den Tag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages , als Volkstrauertag ein» führen können. Wenn einmal der Versailler Ver­trag hinfällig werde, dann sei das der ge^ gebene Rationalfeiertag.

Abg. Dr. David (Soz.) widerspricht der Behauptung des Vorredners, daß die Weimarer Verfassung nichts wesentlich Reues gebracht habe. Vor allem habe die Weimarer Verfassung die deutsche Einheit gerettet. Die Sozialdemokraten könnten dem Antrag des Abg. Schulte (Ztr.) zustimmen, in welchem die Bestimmung über die Verfassungsfeier in der von den Sozialdemo­kraten beantragten Weise gefordert werde.

Abg. Mumm (Dn.) begründet folgenden deutschnationalen Antrag:Auf Grund von Ar­tikel 139 der Reichsverfassung werden diejeni­gen Feiertage, die am 11. August 1919 in den Ländern gesetzlich geschützt waren, in demselben Maße, wie sie an diesen Tagen ge­schützt waren, von Reichswegen ge­schützt.

Abg. Kahl (D. V.) teilt mit, daß seine Fraktion beantragen werde, unter die reichs­rechtlich anerkannten Feiertage auch den Buß - t a g einzuführen.

Abg. Dr. Haas (Dem.) erklärte, daß seine Freunde dem Schutz der kirchlichen Feiertage zusttmmen.

Abg. P reger (D.V.) stellt sich auf den Standpuntt, daß das Reich überhaupt nicht zuständig sei zur Einsetzung von Feier­tagen, die auch für die Länder gelten. Deshalb werde die Bayerische Vollspartei gegen sämt­liche Anträge, auch gegen die des Zentrums und der D^rftchnationalen sttmmen.

Abg. Schulte-Breslau (Zentr.) ersucht die Sozialdemokraten, ihren Antrag nicht durch Klei­nigkeiten zu beschweren.

Reichsinnenminister von Keudell erklärte, daß auch bei der Vorlage von 1923 die Reichs- regierung davon ausgegangen sei, daß durch den vom Reich festzulegenden Schuh der kirch-

Unnötige währungsbesorgnisse.

Keine Wiedereinführung der Wertbestiindiqkeitsklausel.

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 8. Juli. Gegenüber den in der Oeftentlichkeit aufgetretenen Befürchtungen hin­sichtlich der Stabilität der deutschen Währung, die von gewissen Kreisen in skru­pelloser Weise aus genutzt werden, haben anr bereits an dieser Stelle des öfteren ©rflärungen maßgebender Stellen veröffentlicht, die auf die Grundlosigkeit derarttger Befürchtungen Hinweisen. Leider sind in der letzten Zeit auch aus Kreisen der Sparkassenkundschaft verschie­dentlich Besorgnisse wegen einer Gefährdung der Währung laut geworden. Sie haben in einzelnen Fällen sogar zu Anträgen von Sparkassen bei dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Verlin auf Wiedereinführung der Wertbeständigkeitsklausel im Spar- kasseiwerkehr geführt. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband in Berlin sieht sich auf Grund dieser Tatsache genötigt, in ausführlicher Weise gegen diese Befürchtungen als jeglicher Grundlage entbehrend Stellung zu nehmen.

Die deutsche Währung ist und bleibt stabil. Ursachen einer übermäßigen Rotenausgabe kön­nen Kreditansprüche des Reichs und der Wirt­schaft sein. Von diesen beiden Seiten droht jedoch der Währung gegenwärtig keine Gefahr, da notwendige Mehrausgaben des Reichs durch langfristige Anleihen bestritten werden können und müssen, und ein Rückgriff auf die Reichsbank nach dem neuen Bankgesetz dem Reich nicht möglich ist, während anderer­seits die Reichsbank gegen äu starke Kredit- ansprüche der Wirtschaft durch das Mittel der Diskontpolitik und der Kreditrestrik­tion geschützt ist. Auch die Devisenpolitik des Reparationsagenten kann für un­sere Währung nie eine Gefahr bilden, weil er

B-Programm ntfurt« r .Dadio-Mschau )

»> Anusfrau 1U ver

°"S feto 1805 Uhr-?' ntin. bis Schädlinge bis 18'45hULen' Bekämpfung, inzen und deren uf)t: iolf $ortra0

Leben HS 19.45 W: ens ^rÄbis 20.30 W'

S,S&JS

-"iD?

'S

81,16 11,65 12,4?

a. W.

67S5T27 1,19«

68.7< 109-26 112, 113,11 10,632 23,97 S.F 16,£ 81.36

u.<9i

Chinas Vertretung im Völkerbund.

Genf, 7. Juli. (Schweizer. Depeschenagentur.) Der chinesische Vertreter im Völkerbund hat grund­sätzlich beschlossen, auf seine Stellung als ständiger Delegierter der Pekinger Regierung beim Völker­bund zu verzichten. Hierzu ist zu bemerken, daß nach wie vor die Pekinger Regierung als die offizielle Leiterin Chinas anzufehen ist, und daß zur Zeit eine arnlliche Bertretuna anderer cbine- ischer Behörden beim Völkerbund ausgeschlos- e n erscheint. Wie man von chinesischer Seite er- ährt, ist jedoch die N a n k i n g e r Regierung bereit, gewisse Beziehungen zum Völkerbund aufzunehmen.

Einigung in Genf?

Ein japanisches Kompromiß auf der Seeabrüstungskonferenz.

Genf. 7. Juli. (1BB.) 3n den letzten Tagen haben in der Marinekonferenz mehrfach Desprechun- gen zwischen den Führern der drei Delegationen stattgefunden, bei denen der Ehei der japanischen Delegation. 2ldmiral Saito, die Rolle eines Vermittlers zwischen der britischen und der amerikanischen Delegation spielte. Es scheint seinen Bemühungen gelungen zu sein, eine gewisse Ent­spannung der Lage herbeizusühren. Die Ver­treter der drei Delegationen sind grundsätzlich über- eingekommen, dem von japanischer Seite vorge­schlagenen Kompromiß zuznfiimmen, demzu­folge das Britische Reich und die vereinigten Staa­ten von Nordamerika je 450 000 Tonnen und Japan 330000 Tonnen an Kreuzern und eine gleich hohe Gesamttonnage an Torpedobooten und Torpedobootszerstörern erhallen sollen. Die Marinesachverständigen der Mächte werden die Einzelheiten auf der Grundlage dieses Vorschlags ausarbeiten.

verteidigen und Schritte unternehmen, den Javanern und andern Ausländern in der Man­dschurei die Ausübung ihrer friedlichen Pläne ermöglichen.