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Nr. 56 Erstes Blatt

177. Jahrgang

Dienstag, 8. März 1927

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Police (floRto:

granffurt am niain 11688. t)md unb Derlog: Vrühl'schc Untverfilätr-Vuch. und stehlöruderei B. lange in Gießen. Sd^riftleitnng und Gcschästrjtelle: Zchnlsttaße r.

Erscheint t4ghd),eeftei Sonntag» und TyttrrUge Beilagen.

Btetzenr, ^amtlienblätta Heimat tm Bitt Die Scholle monat$«Ft?ncsFfeli.

2 Beidfsmarb und 20 Betd)»pfenntg sLr Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen einj einer Jlumrr.erw infolge höherer Gewalt. Ferniprechaui chlüsse: 51. 54 und 112.

Losch risi für Drahtnach» ridftert Anzeiger tieften.

Annahme oon Anzeigen für die Tageenummer hin zumJlad)mittag vorher.

Preis für | mm Höhe gr Anzeigen oo.i 27 mm rette örtlich 8, auswärts 10 Reichipfenmg, für *Re» klamean-eigen von 70 mm Breite 35 Reichipiennig, Platzvorschrttt 20* , mehr. (ThefrebaNteur

Dr Fnedr Will) Lange. Btrantroortlid) für Politik Dr. Fr Will) Lange, für Feuilleton Dr H.TKnnoi; für den übrigen Teil Ernst Blumfd)ein; für den An­zeigenteil i. Bertr. H. Beist. I&mtlid) in (Bieften.

Die Eröffnung der Völkerbundstagung.

(Es wirb deutschgesprochen

Dens. 7. ODära. (Priv.-Tel) Man merkt es den ausländischen 'Scridjtcrftattem In Gens an. bah es für sie doch etwas Ungewohntes und Verwunderliches ist. wenn die Verhandlungen des DölkerbundSrates unter dem Vorsitz 6 t r e fe­rn a n n 6 durchweg in deutscher Sprache geführt werden. DaS klingt z. 03. aus englischen Berichten wieder, nach denen man eigentlich er­wartet hatte, baß Stresemann englisch sprechen würde, toäbrenb noch Ende voriger Woche fran­zösische Blatter ber Ansicht Ausdruck gegeben batten, Stresemann werbe französisch sprechen. ES wurde auch in ber auSläirdischen Presse bic Sraflc erörtert, ob eS überhaupt angängig sei. bah die Derhandulngen selbst in einer anderen Sprache geleitet tourben, als englisch und sran- äösisch den beiden offiziellen Sprachen deS Völker­bundes. Vielleicht erinnert man sich noch daran, daß bei der Gründung des Völkerbundes Ita­lien große, aber vergebliche Anstrengungen machte. in dieser Hinsicht England und Frankreich gleichgestellt zu werden, damit aber nicht durch­drang. weil Spanien deni'elben Anspruch erhob und bann kein Halten mehr gewesen wäre. Es wurde aber gleich vereinbart, baß jeder Dele­gierte in seiner Muttersprache reden dürfe, wenn er dafür sorge, baß bie äleber­setz u n g in eine der beiden offiziellen Sprachen sofort bewerkstelligt werde. Bisher waren die Vertreter anderer Mächte toenn ihnen der Vorsitz in den Ratstagungen zufiel, stets eifrig beflissen, englisch oder französisch zu sprechen, und so ist es einigermaßen erklärlich, daß der Gebrauch der deutschen Sprache durch Dtresemann Derwunkx- rung erregt hat Trotzdem ist eS durchaus korrekt, und wir freuen uns, daß der deutsche Reichsaußenminister in dem Augenblick, da et den Vorsitz im DölkerbundSrat übernahm, auch ber deutschen Sprache ohne weiteres den ihr gebüß­ten ben Platz angewiesen hat.

Die erste Sitzung.

Unter Ltrcfcmanns Vorsitz.

Die Ratstagung hat heute vormittag kurz nach 11 Ußr mit einer nichtöffentlichen Sitzung unter dem Vorsitz von Reichsminister Dr. Stresemann begonnen. Auf die Punkte von Interesse, die die Tagesordnung bietet, deutete schon daS Bild hin, das die große Vor­halle deS Völkerbundsgebäudes kurz vor Be­ginn der Tagung bot. Die Gruppen der einzel- nnen Delegationen, die zu verschiedenen Zeiten eintrafen, waren je nach ihrer Beteiligung an diesen Fragen Gegenstand des Interesses, doch fehlte ber übliche Ansturm von Fremden. Vor Beginn der Sitzung machte Reichsminister Dr. Stresemann dem Generalsekretär Sir Eric Drummond einen Besuch, um mit ihm die Formalltäten der Vorsitzsührung zu besprechen. Gegen ll/4 Vhr wurde d i e erste Sitzung der neuen Ratstagung für öffentlich er­klärt. Das Bild des Rates war das übliche, vielleicht unter etwas stärkerer Besetzung der Diplomatenpläye. Dr. Stresemann, als Vor­sitzender am Kopfe des hufeisenförmigen Tisches, bat den deutschen Dolmetscher neben sich. Zu seiner Linken sitzen der Generalsekretär Sir Eric Drummond, bann folgen Ehamberlain. Graf Ishii und Dandervelde: zu seiner Rechten fitzen Briand. Senator Scialoja. das chilenische Ratsmitglied Dilliegas. dann Zalesky. Benesch und andere. Als erster Punkt wird in öffentlicher Sitzung die Heber- nähme des Gehaltes des Völlerbundskommissars in Danzig auf den Etat des Völkerbundes be­handelt und abgelehnt, nachdem Dr. Etrese- mann den Danziger Senatspräsidenten S a h m und den Vvllcrbundskommissar van Hamel an den Ratstisch gebeten und der letztere in einigen Worten die Begründung seines Ge­suches wiederholt hatte.

Der holländische Delegierte van Troeste- to i j f behandelt als Berichterstatter den wich­tigsten Punkt der heutigen VormittagSsihung. nämlich die Anhörung von Gesuchs- Kellern aus den Mandatsgebieten durch den Mandatsausschuß, deren Zulassung dieser Ausschuß im letzten Jahre verlangt hatte. Die Frage wurde heute vom Rate entsprechend der Haltung der Mandatsländer ablehnend entschieden. Letzter Punkt der heutigen Tages­ordnung war ein Bericht zur Frage des Ver­fahrens bei ber Abstimmung über bie Wahl nichtständiger Ratsmilglieder. An­tragsgemäß wurde beschlossen, diese und ander« hierauf bezügliche Schriftstücke den einzelnen Ratsmitgliedern zuzuleiten.

Die Nachmrttagssitzung.

des Völkerbundrats war ausschließlich der juri- ftischen Streitfrage des ungarifdj-rumäni- schen Enteignungskonfliktes gewidmet. Das rumänische RatsmitgKed Titulescu be­zeichnete das rumänische Enteignungsgesetz als die Rotmaßnahme eines zwischen Eowjetrußland und dem übrigen Europa gelegenen Pufferstaa­tes, ber burch eine friedliche Revolution Zugunsten feiner Dolksmehrhcit. des Bauernstandes, soziale Umschichtungen schaffen mußte. Titulescu führte mit 71 amen und mit genauen Zahlen (allerdings ohne Hinweis auf den ihnen verbliebenen Grund­besitz) einzelne enteignete Rumänen und Aus­länder an. und suchte die Enteignung als ehre

Fürsorgemaßnahme für die Kriegsopfer zu be­weisen. Eine Erfüllung der ungarischen An­sprüche auf Befreiung von den Folgen ber rumä­nischen Agrargesetzgebung würde daS Privileg eines unanfechtbaren Forts des PrivateigetwumS für die ungarischen Optanten im Gegensatz zu ber ganzen übrigen Welt bedeuten.

Der ungarische Vertreter G a u a a u o verlaS einige Briese mit besonders eindrucksvollen Bei­spielen zum Beweis für die Einseitigkeit der gegen Ungarn gerichteten Maßnahmen der rumänischen Agrarreform und bat, einen Ersah der beiden nationalen Schiedsrichter durch vom DölkerbundS- rat bestimmte neutrale Schiedsrichter zu akzep­tieren. ober den Streitfall vor den Haager SchiedSgerichtShof zu bringen. Auf Vorschlag beS Ratsvorsihenden Dr. Stresemann wurden Ehamberlain zum Berichterstatter und Ishii und Willegas zu Mitberichterstattern über die grund­sätzliche wichtige Streitfrage ernannt, und die Fortsetzung der Beratung biS zur Iunitagung ausgeschoben.

Sine Tagung ohne Sensation.

(Bericht unseres Genfer Sonderkorrespondenten.)

Genf, 7. Mörz. Die erste Sitzung beS Völkerbundsra'eS ist heute vormittag lP/< Uhr eröffnet worden und zum ersten Male hat sich der Vorsitzende des DölkerbundSrateS als Ver­handlungsleiter der deutschen Sprache be­dient. Die Stimmung im allgemeinen ist weniger aufregend und gespannt tote bei den vorigen Sitzungen. Alles hat sich lediglich für eine Tagung ohne Sensation eingerichtet. Ge­wiß war der Gegenstand der gestrigen Bespre­chungen zwischen Dr. Stresemann und Briand einerseits, dem Reichsaußenminister und Sir Austen Chamberlain andererseits neben einigen Fragen ber Tagesordnung deS RateS, auch das andere große Fragengebiet ber Politik. So glau­ben wir zu wissen, baß m ber Unterredung Stresemann-Briand auch die Frage ber Rhein­landräumung berührt worden ist, ohne daß man dabei zu irgendwelchen festeren Abmachun­gen wie seinerzeit in Toirh kam. Die Zeit ist diesmal in keiner Weise für die Auswerfung dieses Problems geeignet, obwohl sich alle bewußt sind, daß ber Zritpunkr zur Lösung bieseS Pro­blems nicht mehr allzuweit liegt Länger dauerte die Unterredung Dr. StresemannS mit Cham­berlain. was allgemein auffiel und waS man auf die Unpäßlichkeit Briands zurückführte. Es scheint aber, daß diesmal Briand weniger zu sagen hatte, als sonst. Dagegen legte sich Cham­berlain mit seiner ganzen Aktivität ein, und die Frage deS Ost Problems dürfte keine unwesentliche Rolle habet gespielt haben. Im ganzen stehen aber zunächst noch die deut­schen Fragen im Vordergrund.

Die erhebliche Bedeutung ber 0 a er­fragen für die gegenwärtige Ratstagung wird durch die Anwesenheit von Mitgliedern bet Kom­mission. des Landtages und der Saarpresse ge­kennzeichnet. Im Mittelpunkt steht die Erörte­rung des Vorschlages auf Bildung eines Bahn- s ch u tz e s von 800 Mann. Da dieser Vorschlag das Ergebnis eines Kompromisses zwischen den drei der vorigen Ratstagung vorliegenden Pro­jekten ist. so besteht schon aus den allgemeinen psychologischen Gründen und nach den Gebräuchen des Völkerbundes eine gewisse Reigung, ihn an- zunehmen. Eine einfache, wenn auch noch so gut motivierte Opposition hiergegen läuft deshalb Gefahr, übernimmt zu werden, zumal eine Reihe der Ratsmitglieder sich für dieses Problem nur wenig interessiert. Die deutsche Auffassung ist nach wie vor die. daß nach dem Wortlaut der beiden Rechtsinstrumente. den Versailler Ver­trag und dem Saarstatut, nur die Schaffung einer Gendarmerie zulässig ist. Rach Briandschem Optimismus wird man auch hier eine Lösung finden. Ob man die Frage beantworten wird, wann der Bahnschuh überhaupt zurückge- zogen wird. daS ist noch fraglich. Die Fest­setzung eines Termins, der eng mit der Rhein­landräumung zusammenhängt, ist aber unbe­dingt nötig. Heber die uns angehenden O ft- fragen wird es zu Besprechungen zwischen Dr. Gtrefcmann und Zaleski kommen. Man nimmt allgemein an, daß auf diesem Wege eine Einigung erreicht werben wird. Im allgemeinen ist der erste Tag ruhig verlaufen, man hat den Eindruck, daß die Erösfnungs- und Degrüßungsformalitäten bei weitem noch im Vordergrund standen Soeben Horen wir, daß Briand voraussichtlich bis Freitag dort bleiben wird, da der Präsident der Tschechoslowakei. Th. M a s a r h k. am Donnerstag in Genf ein­treffen wird und man Vermutungen aus dem Wege gehen ttritL die evtl, auftauchen konnten, wenn Briand vorher abreifen würde.

Die Saarfrage.

Berlin. 7. März. Aui Grund der bisher gepflogenen Verhandlungen scheint es, daß man sich in Genf in ber Saarfrage auf ein Kom­promiß einigen wird, das dahin geht, den 2 a h n s ch u tz weferülich einzuschränken und die Bahnschuh.Beo ml en zu uniformieren. Wir glauben zu wissen, baß dieses Kompromiß Annahme finden toirb. In der Kommis ion. de in Genf die Saarfrage behandelt, führt der Ita­liener Scialoja den Vorsitz. Was die R e u - wähl des Saarpräsi denken betrifft so

scheint eS wie auch an dieser Stelle schon an­gedeutet, daß wiederum ein Kanadier den Vorsitz der Saarregierung übernimmt, manche Kreise wollen sogar wissen, daß man Stephen- wiederum dafür gewinnen konnte.

Die englische Politik in Gens.

Wird England die dtntschcn Wünsche unterstützen?

London, 7. März. (WB.) .Evening Stan­dard" schreibe Die von Chamberlain in Gens zu verfolgende Politik wurde vom Kabinett vor der Abreise beS Staatssekretärs eingehend er­örtert und klar abgegrenzt. Es wirb nicht überraschend sein, wenn Chamberlain mit Sir C. I. D. Hurst, dem juristischen Berater des Auswärtigen Amts, im n*esentlichen bie deut- schen Argumente zur Frage der Räu­mung deS Saargebiets durch die französi­schen Truppen unterstützen und bic Auf­fassung vertreten wird, baß die französische ju­ristische Auslegung des Versailler Vertrages z u weit geht. Andererseits ist es aber unwahr­scheinlich, daß er die Wahleines deutschen Vorsitzenden ber Landesregierung unterstützen wird.

Evening News" bebt die Bedeutung der Tat fache hervor, daß heute zum ersten Male ein Deutscher im Völkerbundsrat den Vorsitz fuhrt und gedenkt im Zusammenhang damit in sympathi schon Wendungen ber Rolle, die Stresemann in der Nachkriegszeit spielte, indem er durch seine glänzende Diplomatie Deutschland in den Locarnopakt und den Völkerbund brachte.

Das Interesse an der Genfer Tagung des Döl- kerbundsrates kam heute auch im Unterhaus zum Ausdruck, wo mehrere Anfragen über die Lage im Saargebiet gestellt wurden. Ein Arbeitermitalied fragte, ob nicht angesichts ber ständigen Klagen, über die Anwesenheit französischer Truppen im Saar- Sebiet der Bezirk unter eine internationale u t o r i t gestellt werden könne. Der Vorsitzende flriff indessen ein und sagte, diese Frage müsse schrift­lich gestellt werden.

Masaryk über Deutschland.

$ tag. 7. März. (WTB.) Das tschecho­slowakische Pressebureau mclbct auS Warschau- Die offiziöse Gpoka" veröffentlicht ein Inter­view mit dem Präsidenten ber tschechoslowakischen Republik. Masaryk, in welchem dieser auf die Frage, ob die gegenwärtige deutscheReichs- regierung die Stärkung der Revanche- beftrebungen in Deutschland herbei führen konnte, erwiderte, schon während des Krieges unb nach dem Kriege rechnete ich mit Deutsch­land als mit einer großen Ration, welche mit aller Kraft bestrebt sein wird, sich von ihrer Riederlage zu erholen. In der Rieder- lage der Deutschen liegt die Möglichkeit ihres Sieges in der Zukunft. Der Be­siegte nimmt eine gewisse Abrechnung vor und sucht nach Mitteln und Wegen zur Besse­rung seiner Lage. Der Sieger ruht auf den Lorbeeren aus und schläft aus. Der Sieg bereitet die Riederlage, die Riederlage den Sieg vor. Von diesem Standpunkt aus verfolge ich die Ent­wicklung des Aachkriegs-Deutschland und sehe, wie auf allen Gebieten die Deutschen intensiv arbeiten. Cs ist eine natürliche Erscheinung, daß eine Annäherung Deutschlands an die West- staaten erfolgt. Die letzte Rede Briands ist das Urteil eines Staatsmannes über bi? Resormbe- ftrebungen Deutschlands. Die Rechtsregierung in Deutschland ist eine nur vorübergehende poli­tische Probe. Diese Probe wird uns zur Vorsicht veranlassen, jedoch in keiner Weise unsere bis­herige außenpolitische Linie gegenüber Deutsch­land ändern.

Die Koften der französischen Rhein- und Zaararmeen.

(Von unserem Pariser Vl'.Z.-Derichterstatter.)

Paris. März 1927.

®tn Teil der französischen Presse behauptet ständig, daß Frankreich in der Herabsetzung der Zahl der Besayungstruppen am Rhein Deutsch­land große Zugeständnisse bewiesen habe. Die Ziffern, die das französische Budget des Kriegsministeriums aufweisen, ergeben ein an­deres Bild. Die für die Unterhaltung der Rheinarmee geforderten Kredit? ergeben die ansehnliche Summe von 542 411 540 Frank, bic nach einigen Abstrichen durch Kammer und Senat auf 532 311 540 Fr herabgesetzt worden ist. Die angeforderten unb .ewilligten Kredite dienen zur Unterhaltung einer Truppe, die sich für das Jahr 1927 wie folgt darstellt

2 371 Offiziere

58 830 Mann

12 785 Tiere.

Gegenüber den Effektivstärken des Jahres 1926 lind im ganzen folgende Verminderungen vorgenommen worden-

177 Offiziere

8078 Mann

427 Tiere

Rechnet man zu der französischen Besatzung noch die belgische und englische dazu, io ergibt k'ch mindestens eine Last von 75 000 Mann fremder Truppen, die noch heute, nach Lo­

carno und Gens, in deutschen ßanbetteilep stehen.

Trotz der Verminderung der Effektivstärken weist das Budget der Rheinarmee für 1927 eine Vermehrung von über 82 Millionen Frank auf. Diese Erhöhung ist auf die Ausdesse- rungbesSoldeSundderDehälter und auf bie Preissteigerungen auf allen Ge­bieten zurückzuführen. Außerdem wird den fran­zösischen HeereSangehörigen eine sogenannte ..Rheinlandentschädigung" gewahrt, die zum Ausgleich der Entwertung de« sranzösischen Franken gegenüber der Reichsmark dienen soll. Gemäß der Bestimmung vom 22. Januar 1926 ist diese Entschädigung auf der Grundlage Frank gleich 1 Mark aufgebaut Die für bic ..Rhein­landentschädigung" notwendigen Kredite belaufen sich auf 26 800000 Frank, die in der obenge­nannten Summe von 82 Millionen Frank ein­geschlossen sind. Mit Rücksicht auf die Wcristeige- rung des Franken haben Kammer und Senat diese Kredite um ca. 10 Millionen Frank gekürzt.

Die Stärke der sranzösischen Saararmee weist für 1926 und 1927 folgendes Bild auf:

1926

Offiziere 130

Mannschaften 3872

Tiere 994

Verminderung 1927

1927 gegenüber 1926

107 23

3138 734

940 54

TaS Budget betrug 19 908 632 Frank und erhöht sich für 1927 auf 21 349 895 Frank, eben­falls infolge ber Steigerung der Dchält.-r und der Preise. Diese völlig unproduktiven Aus­gaben für Rhein- und Saarbesatzung belaste' in starkem Maße den französischen Haushalt Hier wäre eine großzügige Ersparnis- und Ab­ba u p o l i t i k möglich. Ob aber Herr Poincar--, als Finanzminister. dafür der geeignete Mann ist, bleibt zum mindesten äußerst fraglich.

der Bürgerkrieg in China.

Schanghai, 7. Wärz. (Wolff.) Die Kan- tonesen haben die Dchanghai-Rankingbohn noch nicht unterbrochen, obwohl sie sich in gefähr­licher Rähe ihres Zieles befinden. Tschang Tschung-tschang sendet m Eile Truppen über den Jangtse, um seine Verbindungswege zu schützen. Er hat zwei Panzerzüge abgesandt, die mit russischen Weißgardisten bemannt sind. Die Kan- tontruppen setzen ihren Vormarsch auf Su 1 - schau von Südwesten her fort. Sie werden jetzt sechs Meilen von der Stadt entfernt ge­meldet. Wie verlautet, herrscht in Sutschau be­trächtliche Bestürzung. Die Tore sind verbarri­kadiert und Sandsactverteidigungen errichtet wor­den. Tschang Tschung-tschang hat 6000 Mann Truppen in ber Rachbarschaft unb Sun Schuan- fang 2000. während die Zahl der Kantontruppen auf 4000 geschätzt wird. ES herrscht jedoch die Ansicht vor, daß Sutschau den Kantonesen leicht in die Hände fallen wird.

Die Radikalen scheinen entschlossen, Tschang Üai.schek zu st ü r z e n , der selbst bestrebt ist, sowohl Borodin als auch die Bolschewisten zu beseitigen. Tschang Kai-schek ist bestürzt über die zuneh­mende Macht der Arbeiteroerbände, die offen seine Autorität verhöhnen. Ausländische Beobachter schreiben ihm den Wunsch zu, sich mit Marschall Tschang . Tschung . Tschang z u o e re i n i g e n. Es ist aber kaum möglich, diesen Wunsch wahr zu machen, da sich jedenfalls die Kommunisten offen gegen ihn auflehnen und seine Ermordung in die Wege leiten würden.

Die Kämpfe um Honan.

Paris. 7. März. (WTB.) Aach einer Mel­dung der Agentur Indo Pacific aus Honan haben zwischen den Mukdentruppen und den Truppen des Generals Wupeifu die Feindseligkeiten be­gonnen. Seit drei Tagen ist bei Haifang eine Schlacht im Gange, in der Maschinengewehre unb Schnellseuergeschüye eingesetzt seien. Di ? Mukden­truppen sollen leicht im Vorteil fein. General Tschangtsuliang hat sich gestern nachmittag nach der Honanfrvnt begeben. Er soll die formelle Weisung erhalten haben. Wupeifu zurückzuwcrsen und auf Hankau zu marschieren. Blutige Kämpfe sollen für die Mukdentruppen. die über 30 Flugzeuge verfügt hätten, günstig abgelaufen sein. Die Bewegung der Südtruppen nach der Bahnlinie SchanghaiRanking hin wird von den Generälen der Rordarmee a<ä bedrohlich ange­sehen.

Frau Borodin gefangen genommen

Paris. 7. März. (WTB.) Wie bie Agen­tur Indo Pacific aus Peking berichtet, haben die Weißrussen der Schantungarmee das Sowjet- Handelsschiff .Panniak Len i an" beschlag­nahmt und die Passagiere gefangen ge­nommen, darunter Frau Borodin, die in Fulau in Haft behalten wird. Die Sowjet­mission in Peking forderte die sofortige Frei­lassung. Rach einer Mitteilung der französischen Gesandtschaft in Peking habe Tschangtsolin nach Banking telegraphisch die Weisung gesandt, alle Passagiere des beschlagnahmten russischen Dampfers mit Ausnahme von Frau Bo - 'rodin. der Gattin des Ratgebers der kantonesi­schen Regierung, hinzurichten. Frau Bo­rodin und ihre Landsleute seien in Tsinanfu unter starker Bewachung eingetroffen.