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Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird der 6türm, der durch die sozialDemokratlschrn Angriffe gegen den neuen Reichsinnenminister v. Keudell verursacht worden ist, sich allmählich im Sande verlaufen. Wer ruhig und nüchtern urteilt, muß sich sagen, daß zwar namentlich in der Verteidigung Des Herrn v. Keu">oll selbst: einige Llngeschicklichleiten unterlaufen sein mögen, daß aber im Grunde genommen gegen ihn keine weiteren Anklagen aus der Zeit des Kapp- Putsche- erhoben werden können, als gegen eine sehr große Anzahl von "Beamten, die damals, fern von "Berlin und von wichtigen Infor­mationsquellen abgeschnitten, nicht imstande waren, die Lage wirklich zu sehen. Außerdem ist seitdem eine Reih« von Jahren vergangen und wie so mancher, hat wohl auch Herr von Keudell inzwischen eingesehen, daß der damals beschrittene Weg n i ch t der richtige gewesen ist. Irren ist menschlich, und jeder denkende Mensch muß auch bas Recht haben, feine Ansicht und seine Aufsassung zu ändern.

Daß man selbst in den höchsten fmialdemo- kratifchen "Beamtenkreisen über die Sache anders denkt als die sozialdemokratischen Agitatoren in- und außerhalb oeS "Reichstages, beweist die jetzt feststehende Tatsache, daß bereits ein Jahr nach der Absetzung deS LandratS von Keudell der damalige sozialdemokratische Innenminister Se - v e r i n g Herrn von Keudell einen Posten bei der Regierung in Stettin angeboten hat. Da­mals ist Herrn Severing jedenfalls die Erinne­rung an die Vorgänge deS Kapp-Putsches und . dessen Folgen noch sehr lebhaft in Erinnerung gewesen, so daß man kaum sagen kann, Herr Severing habe in einem Anfall von Gedächtnis­schwäche gehandelt. In diesem Angebot liegt das Zugeständnis, daß selbst der Minister des Innern irgendwelche hochverräterischen Pläne dem frü­heren Landrat v. Keudell nicht untergeschoben hat. Wenn also jetzt, sechs Jahre nach diesem Angebot, die Sozialdemokraten im Reichstag jene Tinge wieder hervorholen, so schlagen sie sich selbst damit ins Gesicht.

Man merkt aus allen Angriffen, die gegen die neue Regierung erhoben werden, immer wie­der den drängenden Wunsch der Gegner her­aus, Linsrieden zu säen uni die Koalition zu sprengen. Das wird nicht gelingen. Die demo­kratischen und sozialdemokratischen Gegner der neuen Koalition verraten damit am deutlichsten, Wie unangenehm und peinlich ihnen die Wen­dung ist, die unsere Innenpolitik genommen hat. Darm sollte ein Ansporn für alle Teile der neuen Koalition liegen, nun um so fester zu­sammenzustehen, zugleich aber mich alle Unklug­heiten, Unbesonnenheiten und Voreiligkeiten zu vermeiden, an denen leider die jüngste Zeit sehr reich gewesen ist. Wenn man mit Ent- schlossenheit und Besonnenheit vorangeht, bann muß es gelingen, die noch nicht fest zusammen­geschmiedeten Teile der neuen Koalition enger zusammenzubringen und schließlich gedeihliche Arbeit zum Wohle des Vaterlandes zu leisten. Das muß jetzt der Leitstern fein, und um Klatsch, der von außen herangetragen wird, braucht man sich nicht weiter zu sorgen.

Wenn, wie wir mit Bestimmtheit erwarten, die Untersuchung gegen den Reichsinnenminister v. Keudell befriedigend erledigt ist, dann ist der wichtigste Stein des Anstoßes beseitigt. Rur muß, namentlld) an die Deutschnalionalen, die Mah­nung gerichtet werden, auch bei ihrem Auftreten in der Oessentlichkeit möglichst Zurückhaltung und Vorsicht walten zu lassen.

Sprengung der völkischen Fraktion.

Berlin. 7. Febr. Infolge des Aus­schlusses des Rcichstagsabgeordneten Kube aus der deutschvöllischen Freiheitspariei sind nu mehr auch die Qlbg. Graf v. ReventIow. Jürgens, v. Ramin und S t o h r aus der völkischen Fraltion ausgeschieden. Weitere QIuMtritte sollen folgen. Bereits morgen wird voraussichtlich dem Aeltestenrat Mitte.lung von der Auslösung der Fraktion gemacht werden.

Dr. Wirlh und bas Zentrum.

Berlin, 8. Febr. (Wolss.) Da- Verhalten Dr. Wirths bei der Abstimmung über das Ver­trauensvotum für die Reichsregierung wird wahr- fcheinlich am kommenden Sonntag sowohl den Reichsparteivorstand, als auch den Deichsparteiausschuß des Zen'rums beichäsligen. Unter der Ueberlchrift ..Ge'euossen- Helt ist notwendig" wendet sich die Germania

Der Fall Keudell.

Die Untersuchung des Reichskanzlers eingeleitet.

Berlin, 7. Febr. (Amtlich.) Der Herr Reichs­kanzler hat am vergangenen Samstagnochmittag in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit sei­ner öffentlichen Erklärung während der Reichstags- {itzung vom Herrn preußischen Minister des Innern »ie Personalakten des Herrn Reichsministrrs des önnem Dr. o. Keudell angeforbert Die Ver­handlungen werden nach Eingang dieser Akten m i t aller Beschleunigung durchgeführt. Sobald das Ergebnis zu Über'chen ist, wird es der Herr Reichskanzler den in Betracht kommenden Stellen unterbreiten. Zur Sache selbst kann heute schon mitgeteilt werden, dah Herr Reichsminister Dr. o. Keudell nach dem Kapp-Putsch von der preu­ßischen Regierung allerdings zum 1. Juni 1920 zur Disposition gestellt worden ist, aber bereits im Juli des folgenden Jahres vom Herrn preußi­schen Minister des Innern (vertreten durch Herrn Staatssekretär Freund) in Uebereinstimmung mit dem Herrn preußischen Finanzminister vorübergehend der Regierung in Stettin zur Leitung eines Ausschusses zur Feststellung von Krlegsschädcn über­wiesen und aufgeforbert worden ist, seinen neuen amtlichen Wirkungskreis in Stettin sofort zu über­nehmen. Es ist behauptet worden, Reichsinnen- minifter v. Keudell habe im Jahre 1923 unmittelbar nach dem K ü st r i n e r P u t ich sich bei dem Ober» sten Gudooius für den Major a. D. Buch- rüder verwendet. Diese Behauptung wider­spricht, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, den Tallachen. Reichsmintster Dr. v. Keudell hat den Obersten Gudovins einige Tage nach dem Putsch lediglich zu dem Zwecke aufgejucht, um ihm dafür zu danken, daß er durch seine Haltung gegen­über dem Putschversuch von seinem Heimatkreise Königsberg in der Neumark, in dem Stüftrin liegt, schwere Unruhen abgewendet habe. Zugunsten des Majors Bud)rüder ist Dr. v. Keudell weder bei die­ser noch bei anderer Angelegenheit eingetreten. Er hat den Küstriner Putsch stets aufs schärfste ver­urteilt.

gegen das Verhalten Dr. Wirths und zitiert zur Bekräftigung ihrer Ausführungen das badische Zentrumsorgan, den Badischen Beobach­ter. Der u. a. schreibt, daß man die Abstimmung Dr. Wirths unter dem Gesichtspunkt der Partei- bisziplin ganz entschieden mißbilligen müsse. Wir befinden uns, so schließt daS Berliner Zen- frumdblalt, sicher in Uebereinstimmung mit der übergroßen Mehrheit der Zentrumswähler. wenn wir der Hoffnung Ausdruck geben, dah das politi.che Gewicht, das die ZentrumSparlei in dieser Koalition in die Wagschale zu werfen hat. fernerhin nicht durch Sonderaktionen gestört wird.

Der Schutz der Jugendlichen in Hessen.

Darmstadt. 3. Febr. Die ZentrumSabge- ordncten Frau Hattemer, Lenhart. Hoffmann und Genossen haben im Landtag eine Anfrage zum Schutz der Jugend eingebracht, in der gefordert wird, daß eine Uebcrschreitung der 48-Stunden- woche für Jugendliche unter keinen Um - ständen geduldet werden dürfe. Sonntags- unü Rach'.aröeit müsse für sie v e r b o t e n blei­ben. Den jugendlichen Arbeitern müsse ein gesetz­licher Anspruch auf einen bezahlten Ur­laub In jedem Jahrs gegeben werden. Jede Abgabe von Rauchwaren und alkoho­lischen Getränken an Jugendliche müsse unter Strafe gestellt Werdern Zahlreiche Verstöße gegen das Lichtsplelgeseh kämen vor. Die Zulassung Jugendlicher zu öffent­lichen Lustbarkeiten sollte von einer aus- drücklichen behördlichen Genehmigung abhängig gemacht werden. Es wird dann angefragt: 1. Teilt die Regierung die hier vertretene Auffassung über die Maßnahmen, die zum Schutze der Ju­gend getroffen werden sollen? 2. Ist die Regie­rung bereit, soweit solche gesetzliche Bestimmun­gen zum Schutze Jugendlicher bereits erlassen sind, die unterstellten Behörden erneut anzu­weisen, deren Beobachtung aufs schärfste zu überwachen? 3. Ist die Regierung bereit, soweit gesetzliche Vorschriften im Sinne unserer Anregung noch fehlen, solche unverzüglich zu schaffen, oder, sofern hierfür das Reich zuftändtg ist. auf ihren Erlaß bei der Reichsregierung unverzüglich hlnzuwirken?

Brianö gegen die Preftigepolitik.

Die Ursachen der Kriege.

Paris, 7. Febr. (WB.) Außenminister Briand hat auf einem Bankett, das die ehc- maligert Frontkämpfer der Orienttruppen ihm zu Ehren veranstaltet hatten, u. a. erklärt: Ich habe die Gegner Frankreichs niemals unterschätzt. In­des haben 52 Rationen den Vertretern Frank­reichs zugestimmt, als sie in ihrem Romen die Vertreter Deutschlands begrüßten und gesagt haben: Deutschland ist ein großes Volk mit Vorzügen und Fehlern. Man kann doch wirklich nicht sagen, daß Deutschland lein großes Volk sei, sei es durch feinen methodischen Geist, sei es durch die Kontinuität seiner industriellen Begabung. Je größer Deutschland ist, um so mehr erkennen die Franzosen an. daß der Sieg, den wir davongetragen haben, ein großer war. Aber, wenn man sich geschlagen hat, und wenn man nach dem Siege seinen ehe­maligen Gegner wiedersindet, hat man da ntcht daS Recht, zu sagen: Soll das immer so bleiben, sollen wir unS alle zehn Jahre schlagen, und wenn man dann an d i e Ru­inen des Sieges benft, an all die ver­nichteten Reichtümer, an den ungeheueren Verlust moralischer und materieller Substanz, soll nunt da nicht versuchen, alles das zu vermeiden? Pazifistisch fein, was heißt das? Doch nicht, bah man mit verbundenen Augen voranschreitet und um den Frieden winselt, wie gewisse Leute be­hauptens Die moralische Entwaffnung muß erzielt werden, es müssen engere Beziehungen zwischen den Völkern geschaffen werden. Man darf nicht jede Gelegenheit ergreifen, um die Ereignisse auszubsu- ten, damit der Haß zwischen den Völkern geweckt und unverändert erholten werden. Wie entsteht der Krieg? Er entsteht in einer besonderen Atmosphäre. Wenn die Bölter sich bewaffnen, sagen sie immer: Wir wollen kernen Krieg! Aber schließlich wird eine Erregung in der öf­fentlichen Meinung geschaffen und die Frage des nationalen Prestiges wird aufge­worfen. Die mit unsichtbaren Gasen gelagerte Atmosphäre erhitzt sich voll, und es ift nicht mehr möglich, die Ereignisse auszuhallen. Dann kommt der Krieg. Briand empfiehlt deshalb alles zu tun, damit im Rahmen des möglichen j u - r i st i s ch e Lösungen zwischen den Völkern an die Stelle der Gewaltlösung treten. Wer wage es zu sagen, daß Frankreich, wenn es das tue, sich erniedrige?

Aus aller Well.

Orbach-Tcuischland

Lieger im Schachturnier von HyLres.

Das in der Zeit vom 24. Januar bis 6. Fe­bruar (im Grand Hotel des Palmores) aus elf Teilnehmern bestehende internationale Schach­meisterturnier endete mit dem Siege von W. Orb ach (Deutschland), welcher mit 7*/, Punkten den 1. Preis erkämpfte. Orbach ist bekanntlich Schachredakteur des Gießener Anzeigers. Den 2. und 3. Preis teilen mit je 7 Punkten H. Grob (Schweiz) sowie L. Schwarz mann (Polen). Letzter Preisträger wurde mit 6" 2 Punkten A Bar al) (Rumänien). Es folgen: R. H. V. Scott und Reilly (England) je 6 Punkten, Dr. Georges (Griechenland) 5*/» Punkten. Der Altmeister 3. Gunöberg (England) erzielte nur 3 Punkte. Der End purt des Turnier war äußerst spannend, da die fünf ersten Preisträger dicht aufeinander folgten. Auffallend war, daß Orbach und Grob infolge irrtümlicher Kenntnisnahme des Turnier- reglementS je eine Partie durch Kontermazierung verloren und dennoch an erster bzw. zweiter Stelle landeten.

(Ein kleiner Held.

Im Kreise Q> l o g a u orachen vier Kinder im Mter von fünf bis acht Jahren beim Spielen aus dem Eise ein. Dem 13jährigen Schüler Deutscymann gelang es. alle vier Kinder zu retten.

Schwerer Unglüdsfall in einer Papierfabrik.

In der Dui>elDor,er Popiersaoar .^).u:nes" blieb eine der großen Zerkleinerungs­maschinen, die nach erfolgter Reparatur wie­der in Betrieb genommen tourte, plötzlich ft eben, rst jetzt fiel den Arbeitern auf daß eine 2 3- jährige Arbeiterin vcrschrr unten war. Man fand die Mnal-'icT 'e n'ffin stückelt in

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als den preußischen Studentenschaften k e i lei Machtmittel zur Erfüllung dieser berung zur Verfügung ständen.

Stipendium für deutsche Studenten an amerikanischen Hochschulen.

eignete sich

Kesselerp ofion. Durch die ausströmenden Gase mür­ben fünf Arbeiter getötet und eine Anzahl fujroer verletzt.

Einbruch durch den Schornstein.

Einen eigenartigen Weg nahmen Einbrecher, die ein Konfektionsgeschäft in der Rühe des Aleranderplatzes in Berlin heimsuchten. Sie drangen durch eine Sisen'ür in einen Schornstein, dec das ganze Haus vom Dach bis zum Hausflur durchzieht, und gelangten von ihm aus in das Geschäft. Dort stahlen die Einbrecher, wie das ,B. T." meldet, für etwa 7000 Mark Wäsche. Sie entkamen mit ihrer Beute durch ein Hof­fenster.

fleffelerptofion in einer französischen Färberei.

In einer Färberei in Thaün bei (Spinal er-

breai.ai , »ch mit Chir.osollösung gurgeln und Nasenspülungen. Chinosol ist in allen Apotheken und Drogerien vorrätig. Versuchspackung nur §0 Pf., große Packung (vorteilhafter) 2. RM. Gebrauchsanweisung liegt bei.

Alle Packungen sind beit mm» vorrfltig- tu der Kaiser Dr-'ger'e ERNST NOLL.

. ifidenplfltz 5. :Mm

An der Universität os Eoüiornia in Bet­telei) und an der Leland Stansord Junior Uni- versity in Balo Alto ist je ein Stipendium von 1500 Dollar aegrünöct worden, daS z u - gunsten deutscher Studenten Verwen­dung finden soll. Das Stipendium, das an beiden Universitäten für Die Dauer von drei Jahren in Aussicht genommen ist. soll In jedem der drei Jahre einem besonders fähigen deutschen Stu­denten zufallen.

Stubcntetiittx-ir in Kairo.

Bon 3000 Studenten der zur Azhar-Universi- tät gehörenden Scyulen haben nur 3)0 die Stu­dien wieder aufaenontmen. Der Streit der Stu­denten der Azhar-Univrr'itäl geht weiter. E. brach am 1. Februar aus. weil das Parlament beschlo fen haue, die Schulen, darunter auch die Lehrerseminare, dem Unterrichtsmini'.erium zu unterstell-n

der Maschine. Rach den bisherigen Fest­stellungen sollen die Schutzvorrichtungen unge­nügend gewesen sein.

Starke Schneefälle in Süddeufschland and der Schweiz.

In Der Rächt zum Sonntag sind im ganzen Alpenlande neuerdings strichweise starke Schnee­fälle e.ngetreten Auch im Schwarz-ald, der Schwäbischen und der Bayerischen Alp bis Arl­berg und Tirol hat sich das neue BJintertoetter eingestellt.

Eia Pyrenäendors unter Schnee begraben.

Paris. 7. Febr. (TU.) Seit dem 20. De­zember ist das Heine Dorf Hospitalet in den französischen Pyrenäen unter einer zwei Meter hohen Schneedecke begraben. Die Be­wohner des in 1500 Meter Höhe gelegenen Ortes stehen jetzt vor dem Verhungern, wenn nichr eilig Lebensmittel aus der nächsten Amtsstadt herangebracht werden können.

Eine Kirche durch Vlihschlag zerstäri.

In Ceriale oei Genua lojiug Oec B.i.j in Den Turm einer aus dem 12. Jahrhundert stammen­den Kirche und zerstörte ihn vollständig. Dis bei­den schweren Glocken fielen herab, dis eins durch­schlug das Gewölbe und fiel in dis Kirchs hinein. Personen wurden nicht verwund t.

Gakfenmord im Rorden Berlins.

Der im Aoroen Bsr.uis in einer Gemeinde­schule wohnende Heizer Buchholz teilte seinen Verwandten mit, daß feine Frau seit meh­reren Togen spurlos verfchwunden fei. Die Kriminalpolizei sand in einer Eie.nen Rumpel­kammer des Schulgebäudes die Frau Buchholz In einer großen Blutlache tot auf dem Boden. Der Gerichtsarzt stellte fest, baß sie mit einem Ziegelstein erschlagen worden sei. B ch° holz, der verhaftet wurde, gab in voller Ge­lassenheit zu, daß er feine Ehefrau am ver­gangenen Freitag erschlagen habe, konnte aber keinen Beweggrund für die Tat angeben.

Raubübersall.

In St. G 0 a r orangen Hwei Bettler in ein abgelegenes Haus ein, überfielen die allein an­wesende Tochter eines Schiffslapitäns, knebelten das Mädchen und stahlen, was nicht niet- uni) nagelfest war. Die sofort alarmierte Bopparder Gendarmerie konnte noch am selben Abend die beiden Raubgesellen festnehmen unb ins Gefäng-

Brand des Krankenhauses in Jurtroangen.

In Furtwangen tm Scywarzwald, ift nachrs um 3 Uhr im Städtischen Krankenhaus ein Groh- seuer ausgebrochen, das im Dachstuhl aufkam und sich schnell aus daS dritte Stockwerk aus­breitete. Sämtliche Kranke mußten schleunigst in Sicherheit gebracht werden. Der Dachstuhl und das dritte und zweite Stockwerk wurden durch Feuer und Wasser schwer in Mitleiden­schaft gezogen.

Ein Jubilar des deutschen Glockengufsee.

Der Restor der deuiscyen Glockengießer. Ru» dolf 3 a u cf, der Inhaber der Glockengießersirma G. QL Iauck in Leipzig, begeht feinen 80. De- burtitag. Aus seiner Gießerei sind nahezu 40 0 große Kirchenglocken hsrrorgegangen, darunter die in Bethlehem, in Den M.ssions- gebieten Indiens, in Norwegen und aus Der Insel Cypem. Iauck hat sich aus Dem Gebiete des Feuerlöschwesens durch Herstellung der ersten Dampsspritze Verdienste erworben.

AmsferdamBremen in 81 IHinufen.

Der Hamburger Flieger Gerstenkorn legte mit einer dreimotorigen Junkers-Maschine D 950 Die 303 Kilometer lange Strecke Amster­dam-Bremen in 81 Minuten zurück und schlug so den bisherigen Rekord um eine Minute.

Anfall Im Bahrwerkehr.

Gestern nacht gegen 1 Uhr fuhr auf dem Bahn. Hof Nennig infolge falscher Signalstellung ein Güterzug auf einen haltenden Guterzug auf' Der Lokomotivführer wurde getötet, der Heiner schwer verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend.

Hochschulnachrichten.

Studenten schaff unb Kultusminister.

Eine Ausspra^)s zwilchen Rettore.. uer preu­ßischen Hochschulen und dem Hauptausschuß der Deutschen Studentenschaft ergab eine vollkom­men einmütige Haltung in der Auffas­sung, daß der Vorwurf, den der preußische Minister Dr. Decker Den preußischen StuDeutsn- fchasten in feinem Brief vom 24. Dezember 1926 machte, daß diesegegen Geist und Wortlaut" der staatsministeriellen Verfügung vmn 18. Sep­tember 1920 verstoßen hätten, unzutreffend sei. Zum zweiten wurde zum Ausoruck gabracht, dah das Verlangen des RrinisterS Becker, daß die preußischen Einzelstudentenschaften oaZ Stu­dentenrecht der aurlandsdeutschen Eiudentsn- schaften ändern foliten, insofern unmöglich sei,

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Februar 1927.

Schneeglöckchen.

Die Schneeglöckchen saßen zufammengedrängt unter der Erde unD beratschlagten. .Ich weiß nicht, wie mir ist," sagte das eine, das schon einen langen Trieb hatte, .aber ich habe das Gefühl, als müßten wir baC) das Licht der Welt erblicken." »Ihr Trieb ehrt Sie," sagte ein anderes, das noch nicht so weit war, .aber ich meine, Zurückhaltung wäre noch angebracht." .Was heißt Zurückhaltung" b.merkte ein dritte- streng, .wenn cs an der Zeil ist, erscheinen wir eben, Ordnung muh sein, und Gesetze sind dazu da, um eingehalten zu werden." .Ja, wenn nur alle Teile die Gesetze einhiclten." sagte daS vorige, .aber sogar die Raturgesehe haben ja heutzutage ihre Gültigkeit verloren. Ich bitte Sie. cS ist Februar, und der Winter hat noch nicht ange­fangen, ich habe meine guten Verbindungen nach oben und weih genau, daß noch immer kein Schnee gefallen ist. Wozu sind wir denn Schnee- alockchen? Wenn wir ohne dieses Btlrtout er­scheinen, sinken wir ja zu ganz gewöhnlichen Glöckchen herab, wir werden womöglich für Mai­glöckchen gehalten, eS gibt Fgmilisnkonflikte, Streitigkeiten bei dem Publlkum urttr In Gclchr- tenlrcijen nein, nein, warten wir schicklicher- weise ab, bis es erst mal ordenUich geschneit hat."

Der Streit war hin- und hergegangen unb hatte schon eine bübsche Weile gedauert, als da- erste Schneeglöckchen sich wieder vernehmen ließ. Sein vorwitziger Trieb hatte eS nicht ruhen las­sen. sondern vielmehr and Licht gedrängt, unö nun berichtete eS ganz aufgeregt: .Es ist noch durchaus kühl oben, wenn auch nicht winterlich kalt, aber dis Menschen, die Frauen, tragen schon ganz dünne Florstrrimpfe und haben an ihren Mänteln Rosen. Veilchen und Stellen angesteckt. eS muß Sommer fein, anders ist eS nicht zu erfiären. Entsetzt schwieg alles. So eine Schande! Einfach nicht geblüht zu haben! Richt erschienen zu sein, wie es an der Zeit gewesen war! Das reifste Schneeglöckchen der Qkr ammlung wandte sich endlich an das mit dem vorwitzigen Triebe und sagte mit ausgesuchter Höflichkeit: .Bitte, bemühen Sie sich noch einmal nach oben und versuchen Sie zu hören, wovon die Menschen reden, man könnte da vielleicht AnhallSvunktc ?.ewinncn und schließlich doch noch erscheinen önnen. »Besser spät als nie," sagte einmal eine russische Bäuerin, als sie auf den Bahnhof kam, .aus dessen Halle soeben ihr Zug hinausdonnerte. ES liegt immer viel tiefe Weisheit In den alten Redensarten."

Der Trieb meldete sich nach einiger Zeit Wieden, er sah noch recht verfroren auS, und gar nicht entwickelt. .Run?" fragte alles ge­spannt.Sie reden hauptsächlich vom Wetter," berichtete er mit etwas heiserer Stimme, »die Männer sagen meist, es sei ein verdammte- Wetter, daS schuld an der Grippe sei, -die über­all herrsche. Die jungen Mädchen aber sprechen von Maskenkostümen, von PierrotS, Pagen, Zigeunerinnen, Rixen, und dah e» sein am näch­sten Samstag fein werde, und dah .Er" auch hinkäme." .So, so, na, Gott sei Dank, bann ist ja alles in schönster Ordnung, bann haben wir ja noch vollkommen Zeit," sagte Die reife Urgroß- zwicbel, .schlafen wir noch ein bisschen; wünsche allerseits angenehme Ruhe." ilnD mit ober ohne Triebe versanken sie alle beruhigt in sreundlichc ZukunstSträume. E. v. M.

Preisausschreiben der Scho e.

Gestern nachmittag versammelten sich die Be wertungsausschüsse der vier Gruppen unseres P r e i s a u s s ch r e l be n s derScholle" zur gemeinsamen Schlußsitzung, in der das End­ergebnis der vorausgegangenen, sehr aründlichen Einzelprüfung der Arbeiten ermittelt wurde. Er war von den Herren Preisrichtern eine umfangreiche Arbeit zu bewältigen, da unter den eingt|anbten Antworten sehr viel wertvolles und lehrreiche» Mote- rial festzustellcn war. In Anbetracht der Güte zahl reicher Arbeiten haben die Bewertungsaurschüsse sämtlicher Gruppen, im Einvernehmen mit dem Verlag und der Redaktion, neben den Preisen noch eine Anzahl lobender Anerkennungen in Ge­stalt von wertvollen Büchern, die das Gebiet der Bearbeitung betreffen, zuerkannt. Näheres wird in unserer Ausgabe am kommenden Samstag mitgeteil» werden.

<Ditigentenhurfu5 in Gießen.

® Wie gestern schon kurz berichtet, fand am Samstag uno oonniag imPo,netter' dahier ein Dirigentenkursus statt. Vertreten waren Dirigenten und Dirigentinnen au- Den nordwestlichen Sängerbünden Oberhcfsen-, au6 dem Lahntalsängerbund, aus Dem Arbeiter- Sängerbund, aus den benachbarten preußischen Gebieten, ja selbst der hohe Vogelsberg (Ulrich­stein) hatte Vertreter enllandt.

Der Kursleiter Dr. R 0 a d von Darmstadt, in Oberhessen bekannt durch seine Konzerte, die er mit seinem Darmstädter Madrigalchor in oberhcs'ischen Landstädten gegeben hat, wurde in glänzender Weise Herr der Aufgabe, die er sich gestellt hat e. Am Samstagnachmittag bear­beitete er nachstehende Fragen: 1. Wen wähle ich als Chorsänger aus? 2. Wie erziehe ich di« Sänger zur Pünktlichkeit? 3. Wie stelle ich bi« Chorsänger bei einem Vortrag, auf? 4. Wie teile ich einzelne Stimmen auf? Eine größere Verach­tung widmete er dem Kapitel. Einstudieren der Chöre. Die Auswahl der Chöre muh unbedingt dem Diriaenten überlafsen werden. 3m allgemeinen hat er bei feiner Tätigkeit als Preis­richter bei Wertungs- und PreiSsingen die Be­obachtung machen muffen, daß die ffeinen Lanb- vereine viel zu schwere Chöre auSwählen. Die Pflege deS deutschen Volksliedes ist