Nr. 52 Erster Blatt
in. Jahrgang
Dienstag, 8. Februar |927
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
t)nd und Verla-: vrühl'sch« llnioersilLlr-vuch. und Stetnönideret H. Lange in Gießen. SchrMletlung und Geschäftrttelle: 5-uslttaße 7.
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Frankreich und die Rheinlandräumung. Unmögliche Bedingungen.
Gens, 8. Jebr. (III.) Der meist gut informierte pariser Rorrcfponbenl des .Journal d e (Beneoe“ berichtet über die Bedingungen, unter denen nach französischer riussassung eine Räumung des besetzten Gebietes denkbar wäre. Der Korrespondent betont zunächst, der deutsche Standpunkt, eine weitere «ufreästerhaltung der Rhein- landbesetzung sei mit den Grundsätzen des Locarno- Paktes unvereinbar, werde von Frankreich völlig abgelehnt. Gleichfalls habe nach französischer Auf,'asfnng der deutsche Hinweis auf die im Cocarnooertcag Frankreich gewährte Sicher- teltsgaranlle seiner Grenzen keinen Zu- mmenhang mit dem Problem der Rheinlandräu- mnng. 3n französischen Kreisen weist man demgemäß nach Darstellung des Korrespondenten auf den Brtlkel 6 des Locarnopaktes hin, der die llnssüh- rungsbestimmungen des Versailler Vertrages wiederum anerkenne, doch wäre man In Paris geneigt, nach Erfüllung folgender drei Bedingungen die fran}ofifd)cn Truppen aus dem Rheinland endgültig zurückzuzlehen:
L Eine Räumung-kommission muffe Frankreich renügenb Zeit zum Ausbau eines D e - knfiosystems an der Grenze gewährleisten.
2. Errichtung einer ständigen Kon- trolle in der entmilitarisierten Zone, die fedoch unter keinen Umständen auf französi- sches Gebiet ausgedehnt werden dürfe.
3- Verzicht auf eine Revision der deutschpolnischen v st grenze.
Diese oom pariser Korrespondenten des .Journal de (Deneoe“ gemeldeten Bedingungen der Rfjein- lanbräumung bedeute somit die Einführung einer flänblncn Kontrolle im Rheinlanb. Es erübrigt sich, barauf hiniuroclfen, bah eine derartige Verha.d- lungsbafis für Deutschland unter keinen Umständen al« annehmbar angesehen werden kann. Deutschland hat nach der nunmehrigen endgültigen Durchführung des Entwafsnungspro- gramms volles Recht auf die Anwendung des Artikels 43 des Versailler vertra- ges, die endgültige Räumung der Rhein- lanbe fehl schon zu fordern. Eine Revision der deutschen vstqrenzen ist gleichfalls eine Forderung, deren Unhaltbarkeit nicht erörtert zu werden braucht.
Vaweslasten und Reichspost.
(Sine Unterredung
mit dem Reichdpostminister Tchätzel.
Berlin, 8. _ Febr. (TU.) Der ..Berliner llokalanzeiger" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Reichspostminister Schätzet, in ter dieser u. a. sagte, daß das hohe Verdienst S t i n g l s darin bestehe, die Deutsche Reichspost innerlich konsolidiert und wirtschaftlich gemacht zu haben. Aber trotzdem stehe die Reichspost heute noch nicht wieder so da. wie vor Kriegsausbruch, da sie a n den Daweslasten mittelbar beteiligt sei. So verlange die Dawes-gebundene Reichsbahn für die Bahn- postbesörderung gegenwärtig rund 120 Millionen Mark gegenüber 12 Millionen im Frieden. Die 120 Millionen würden vielleicht in nächster Zeit noch erhöht werden müssen. Die Deutsche Reichspost werde sich also unter erheblich schwierigeren Umständen die alte Weltgeltung wieder zu erobern haben. Als Ziel und Pflicht schwebe ihm als Reichspostminister zähe, stille Arbeit vor. Er werde seine Pflicht auch dann tun, wenn sie unbequem ist und Opfer fordert. Er wisse, daß er bei dieser Zielsetzung die 360 000 Beamten im Reiche alle hinter sich habe.
Die Vereinbarung über die Ostfestungen.
Berlin. 7. Fcbr. (Wclff.) Der Rotenaus- tausch und bie Vereinbarungen über die De- fefiigimgcn an der Oft- und Südgrenze werden heute veröffentlicht. Die ausgetauschten Roten sind rein formalen Charakters. Die Vereinbarung vom 31. Ganuar 1927 zwischen dem bevollmäch- tiflten Vertreter der deutschen Regierung. De- ncralkutnant v. Paweflz und dem interalliierten Militärausichuß von Versailles über bas System der befestigten Werke der deutschen Ost- und Süd- grenze bestimmt u. a. das Folgende:
1. Unbeschadet der der Küstcnzone durch den Artikel 196 auferlegten Beschränkungen wird das System der befestigten Werke der deutschen Ost- und Südgrenze so aufrechterhalten, wie cs 1920 von der Interalliierten Militärkontroll- bmmilfion ausgenommen worden ist, wobei Einverständnis darüber besteht, dah unter Oft- anö Eüdgrenze das Gebiet zu verstehen ist. das sich Den der Linie der von der GnteraHiierten Dlilitärkontrollkommi sion aufgeno r nter.cn bese- tiflten Werke bis zur deutschen Grenze erstreckt.
2. Soweit nicht in Ziffer 3 etwas anderes vereinbart ist. werden in diesem Gebiet nur die befestigten Werke und Unter- tänöc aufrechterhalten werden, die 1919 befanden haben und 1920 von der Interalliierten Dilltärkontrollkommission ausgenommen borden sind, wobei Einverständnis darüber beicht, dast weder ihre Zahl noch ihre Arsdehnung vergrößert werden soll. Das verderbliche Material (Erde. Holz, Ziegel) kenn durch Beton oder Mauerwerk er» k h i werden. 3n diesem Gebiet wird kein be
festigtes Werk unb Unterstand gebaut werden, auch nicht zum Ersatz alter eingeebneter Feldstellungen.
3. 3m Wege deS Vergleiches erklären sich die alliierten Regierungen damit einverstanden, dah von den feit 1920 gebauten Unterständen 54 erhalten bleiben, nämlich: bei Glogau aus dem linken Ufer der Oder 8 Unterstände, bei Lohen 15 Unterstände, bei Königsberg 31 Unterstände. Alle übrigen, nämlich bei Glogau auf dem rechten Oderuser 7. bei Äüftrin auf dem rechten Ooer- ufer 5, bei Königsberg 22 Unterstände werden
innerhalb von vier Monaten vom 15. Februar ab gerechnet zerstört. Don den 22 zu zerstören- d en Unterständen bei Königsberg werden 17 durch die deutsche Regierung. fünf durch die alliierten Regierungen bezeichnet werden.
4. Deutschland gibt die Dersicheruna, dah in dem in Ziffer 1 bezeichneten Gebiet feine anderen befestigten Werke oder Unterstände vorhanden sind, als diejenigen, die der Interalliierten Militärkontrolllommission mit- geteilt worden find.
Die Arbeitslosenversicherung.
Die Regierungsvorlage vor dem Reichstag.
Berlin, 7. Febr. (VDZ.) Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die erste Beratung deS Gesetzentwurfs übet Arbeitslosenversicherung.
Reichsarbeilsminisler Braun» begründet die Vorlage in längeren Ausführungen. Der Uebcrgang von der Erwerbslosenfürsorge zur Arbeitslosenversicherung solle auch den Uebcrgang zur Selbstverantwor- tung und Selostbeteiliguna der Versicherten bewirken, wie es die Vorlage will. Die Mittel für die Versicherung sollen durch Beiträge der Arbeitgeber unb Arbeitnehmer aufgebracht werden. Dazu komme ein Reichsanteil. Es sind sieben Lohnllassen eingerichtet um je 6 Mark steigend von 12 Mark Wochenlohn in der 1. bis 42 Mark In der 7. Klasse. Die Unterstützung beträgt in den beiden ersten Klassen 45 Proz., in den drei mittleren 40 Proz. und in den beiden höchsten Klassen 35 Proz. des Wo- chenlohneS. Die Anwartschaft auf die Unterstützung beginnt nach Leistung von 26 Wochenbeiträgen innerhalb von 12 Monaten. Die Unterstützung wird 26 Wochen lang, unter besonderen Umständen 39 Wochen lang bezahlt. Die Im vorigen Jahre beschlossene Krisenfürsorge ist in die Vorlage hineingearbeitet worden.
Abg. Brey (Soz.) erklärt, leider werde in diesem Monat wieder die Zahl von zwei Millionen Erwerbslosen erreicht sein. Die Erwerbslosenfürsorge sei nicht ausreichend gewesen, die furchtbaren Folgen der Erwerbslosigkeit zu lindern. Gerade, weil eS dem Kapitalismus gut gehe, gehe es der werktätigen Bevölkerung schlecht. Die erste Forderung sei Arbeitsbeschaffung und ein schnelleres Durchsetzen deS Arbeitsbeschaffungs- Programms. Rotwendig fei aber auch eine Verkürzung der Arbeitszeit und ein energisches Vorgehen gegen das Ueberstundenwesen. Das vorliegende Gesetz sei unbefriedigend. Es sei nicht einzusehen, warum bie Arbeitnehmer der Land- I unb Forstwirtschaft aus der Arbeitslosenversicherung ausgeschaltet werben. Die |
Unterstützungssätze bet Vorlage seien viel zu gering. Selbst in ber 3. Klasse erhalte der Versicherte bei 20 Mk. Wochenlohn nur 8 Mk. Unterstützung. Auch mit dem Familienzuschlag von 5 Prozent bes SinheitSlohns für jeden Familienangehörigen bleibe bie Unterstützung ganz unzureichend, zumal die Gesamtunterstützung in bleiern Falle auf 60 bis 70 Prozent des Einheitslohnes beschränkt fei.
Abg. Dr. Rademacher (Dn.) bezeichnete bie groste Arbeitslosigkeit als eine Erscheinung, bie leider chronisch zu werden scheine. Eine der Ursachen scheine auch bie überstürzte Einführung des schematischen Achtstundentages Im 3obre 1918 gewesen zu fein. (Widerspruch unb Gelächter bei den Sozialdemokraten und Kommunisten.) Die Stärkung des 3nnenmarktes, vor allem ber Äauffraft ber Lanbwirtschaft, fei die Voraussetzung der größeren ArbeltSbeschassung. Zu begrüßen sei in diesem Zusammenhang auch bet in ber Regierungserklärung enthaltene Abbau ber Woh - nungSzwangSwirtschaft. Eine Stärkung beS Inneren Marktes burch Erhöhung der Löhne werbe sich nicht ermöglichen lassen. (Wiberspruch links.) Durch eine vernünftigere Steuerpolitik könnte aber auf eine Detminbe- rung ber Preise hingewirkt werben. Die Einführung der Arbeitslosenversicherung sei zu begrüßen. Dor allem deshalb, well sie mit ber Einführung ber Lohnklassen eine gerechtere Regelung bringt. Die neue Regierung habe baburch, bah sie als erstes Gesehgebungswerk die Arbeitslosenversicherung vorleot, bewiesen, daß sie bie in «ber Regierungserklärung betonten sozialen unb wirtschaftlichen Gesichtspunkte wirllich in bie Tat umsetzen will.
Abg. Rädel (Komm.) bezeichnet die Vorlage alS einen ganz untauglichen Versuch zur Lösung bes Erwerbslosenproblems, das zu einem Dauerzustand geworden sei. Wir lehnen diese Vorlage ab und werden auch gegen ihre Kleber- Weisung an ben Ausschuß stimmen. — Weiterberatung Dienstag.
Vatikan unö Regierungsbildung.
Bislang keine Verhandlungen über ein Reichskonkordat.
Berlin, 7. Febr. (WTB Amtlich) Den in ber Oeffentlichkeit immer noch verbreiteten Gerüchten über geheime Vereinbarungen mit dem Vatikan anläßlich ber letzten Regierungsbildung ist mittlerweile sowohl von kirchlicher Seite als auch burch bie Rebe des Zentrumsführers v. Gu^rarb im Reichstage am 4. Februar scharf entgegengetreten worden. Seitens ber Re i ch s r e g ie r un g ist zu ber Angelegenheit folgendes zu bemerken: Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und dem Heiligen Stuhl über ben Abschluß eincä Reichskonkorkordates haben anläßlich ber Bildung ber neuen Reichs regier ung nicht geschwebt. Diese Frage ist in keinem Stadium ber Besprechungen über bie Regierungsbildung überhaupt nur berührt worden. 5m übrigen kann über die in ber Vergangenheit liegenben Konkordatsvorbereitungen folgendes mitgeteilt werben:
Das Problem einer 23crftänbigung mit ben kirchlichen Stellen über die vielfachen Wechselbeziehungen zwischen Staat unb Kirche, soweit eine Ro-ichszuständigkeit auf biefem Gebiete in Frage kommt, ist seit Erlaß ber neuen Reichs- Verfassung säst von allen Reichskabinetten ernstlich erwogen worden. Ein früheres vom Reichskanzler Dr. Marx geährtes Reichskabinctt hat bn Oktober 1924 6c- ch lösten. bie nötigen Vorarbeiten für ein ReichSlonkordat wiederauszunchmen. Aber auch ^lchskanzler Dr. Luther hat immer auf ben Abschluß eines ber artig en Konkordat s Wert gelegt. Es bars ferner an die (Srilärungcn erinnert werden, die am 30. 3uni 1920 zwischen bem verstorbenen Reichspräsidenten
E>cm beim Reich beglaubigten päpstlichen Runtius gewechselt worden md. Der Runtius hat damals bei lieber reich ung emes Beglaubigungsschreibens betont, es fn em« Ausgabe in Berlin, mit den zuständigen Stellen die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Deutschland von neuem so zu regeln, wie es ber neuen Lage unb den heutigen Bedürfnissen entspreche. Der Reichspräsident Ebert hat darauf erwidert, daß er mit dem Runtius Lte Au gäbe, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Deutschland neu zu regeln, »u löfen gedenke. Das solle gelchchon aus Grund ber Verfassung der Repu- ! b l i f, bie völlige GewissenSsrcihÄt verbürge. Auf |
dieser Grundlage sind die juftänb’.gen Ressorts seit längerer Zeit in einer Prüfung bet einschlägigen staatsrechtlichen und kirchenpolitischen Fragen begriffen, ohne daß es aber — wie eingangs bereits hervorgehoben — zu irgendwelchen Verhandlungen mit bem Heiligen Stuhl bisher gekommen ist.
Der kulturpolitische Kurs in Preußen.
'Berlin, 7. Febr. (SIL) Bei ber Beratung des Kultusetats im Haap:aus chuß des preußichen Landtages betonte Kultusminister Dr. Becker. daß die Staatsregierung in der Konkordats- frage von rein staatspolitischen Beweggründen geleitet werde. Das Konkordat werde, wenn es komme, weder Reichsverfassung noch preußische Verfassung verletzen. Das besonders im Hinblick auf die Schulfrage. Von einem unmittelbaren Konkordatsabschluß könne nicht gesprochen werden: denn das preußische Kabinett habe sich noch nicht einmal mit dieser Frage befaßt
Der baldige Erlaß eines Re ichs schul - gesetzes entspreche bem dringenden Wunsch: Preußens. Die Frage der Schullasten müsse grundsätzlich neu geprüft werden. Aus dem Ge- biete der Kulturpolitik müsse eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Reich unb Ländern in ginansfragen ftattfinben. Die Privatschu- I e n würden in ihrer Entwicklung vom Staat nicht gehemmt werden. Die Simultanaka- demie in Frankfurt werde leider von ber katholischen Kirche nicht als Lehrerbllbungsanstalt für katholische Volksschulen anerkannt. Der Versuch werde indes durchgeführt werden. 3n der Frage ber mittleren Reife sei eine Dor- ftänbigung zwischen Reich unb Ländern herbei- geführt worden.
Von deutschnationaler Seite wurde hierauf betont, daß ber Kampf gegen ben vierjähriger Ctoang in ber Grunbschule gerade aus sozialen Erwägungen heraus geführt worden sei. Die Personalpolitik des Ministers sei scharf p a r- teivolitisch eingestellt. Minister Teuer führ' Deichluffe des Landtages, soweit sie sich auf eine kleine Mehrheit der Linken (tüten, sofort aus. Beschlüsse, die unter Mitwirkung der Rechten zustandegekommen seien, würden übersehen.
Ver Vormarsch auf Schanghai. Eine Hilfsaktion Tschangtsvlins gegen die Aantonormcc.
Paris. 7. Febr. (WTB.) Wie die 21 gernur 3nbo Pacific aus Peking berichtet, hat auf Grund ber Rachrichten, daß bie Südtruppen fegen Schanghai marschierten, Tschangtfo- i n, um Schanghai vor dem Eintressen ber engl. Truppen zu besetzen, ben Truppen von Echantung Befehl gegeben, nach bem Gäben abzugchen. Sämtliche Kontingente hätten bereits Ranking verlassen. Diese Bewegung werbe auch veranlaßt durch da- Zuräckgehen ber Truppen von Suntschuanfang vor bem Vorstoß ber Kan- tonarmee Im ©üben von Schanghai. 3n ber Provinz Houpe setzten bie 9. und 10. Kantonarmee besonders in Tschang, wo bie Zolleinnahmen beschlagnem! worben sind, ihre Plünderungen fort. — Rach einem Reu ter bericht aus Schanghai haben dagegen die Stveitkräste des Marschalls Suntschuanfang die Stadt T s ch u t s ch a u, den vorgeschobenen Stützpunkt ber kantonesischen Truppen erobert unb bie Kantonesen zurn Rückzug in sübwe st sicher Richtung gezwungen. Sollte sich dieser Erfolg bestätigen, so würbe vorläufig jebc Beb roh ung Schanghais geschwunben sein.
Ein gemeinsames Ziel. TerBcrlincrGeschäftsträgcr über dicPolitil der chinesischen Zcnlralrcgierung.
Berlin, 7. Febr. In einem Interview mit einem. Vertreter des „D. I." über die Ziele ber chinesischen Zentratregieruna in Peking beton!, bet hiesige chinesische Geschäftsträger, daß L; Zentralregierung im wesentlichen dieselben politischen Richtlinien verfolge wie di verschiedenen Parteien und Machthaber, närnlia die Durchsetzung der nationalen 3iele. 3m Gegensatz zu den einzelnen Parteien versuche die Pektnger Zentralreg'.erung aus diplomatischem Wege ihr Pro Stamm burchzusühren. Die Befürchtung. China könne völlig zerfallen, sei unberechtigt. Der 1921 Mischen Deutschland und China geschlossene Der- trag, ber sich vor ben übrigen mit anderen ßän- betn abgeschlossenen Verträgen günstig unterscheide. habe ben Grund zu einer aufrichtigen Freundschaft zwischen China und Deutschland gelegt, bie auch auf kommerziellem Gebiete für Deutschlanb bie günstigsten Folgen nach sich ziehe, so daß der Töert ber deutschen Ausfuhr nach China bereits die Vorkriegshöhe bei weitem überschreite. Auch le- suchten bie chinesischen Studierenden mit Vor- liebe deutsche Hochschulen.
Ein Kolleklivjchritt der Mächte.
Peking, 7. Febr. (Wolff.) 2km Samstag trat das diplomatische Korps von Peking zu einer Sitzung zusammen. Die Dertragsmächte mit Ausnahme Der Vereinigten Staaten sind überein gekommen, gegen die Francis 21 g len erteilten Instruktionen, deren Ausführung er abgelebt hatte und die dadurch Okranlaffung zu feiner Absetzung von bem Posten bes General- inspettorS der chinesischen Seezölle sührlen, Pro- te,t zu erheben. Ferner würbe vom diplomatischen Korps bas Eriuchen Tschangtsolins zu Rlaßnahmen gecen bie Tätigkeit, die in ber ruf- sichen Botschast innerhalb des E:sandt- sthaftsviertels ihren Ursprung haben soll, seine Einwilligung zu erteilen, abgelehnt.
Was tut England?
2 o n b o n , 7. Febr. (Wolff.) 3n ber heutigen Kabinettssihung lagen befonbcrc 3nfor- mationen aus China vor, um bie nach der letzten Kabmetts.ihung telegraphisch er ucht worden war Die Frage der Absendung b?r für Schanghai bestimmten britischen Truppen ist wiederum erörtert worden. Es erscheint als sehr wahrschcin- lich daß bas Kabinett zur Bekuntnmg feiner fneblichen Absichten schließlich einer Ablenkung ber Truppentransporte nach einem anberen Hafen zustimmen wird, inzwischen in der Lage in Schanghai keine ernste Wendung eingetreten sein sollte.
Totenfeier
für Kaiser Boshihito.
??kio, 7. Febr. (WTB.) Heute abend ist die Leiche des verstorbenen Kaisers vom Paläste nach ben Shinjukugärten ü berge» fuhrt worben. Trotz der bitteren Kälte hatten sich viele hunber t tauf ende von Einwohnern aus dem ganzen Lande angesammelt. Der Weg war mit weißem Sande bestreut, um böse Geister zu vertreiben. Truppen unb Polizei bildeten beiderseits Spnlier. Fackelträger. Beamten in al.ertumlicher Tracht, Trommel- unb Gang- Kläger, Bannerträger unb Priester schritten bem 3uge Doran. Dem Katafalk schritten hohe Offiziere unb Beamte mit Fackelträgern zur Seite. Es solg.en hohe Hof- unb Regierungspcamte, bann Snnz Tsch11schibu als Vertreter des Kai- >ers, ber auf Rat ber Aerzte nicht an bem vuge teilnabm. Dem Prinzen folgten Abordnungen des Heeres unb ber Marine. 3n dem in Den ©b’.niufugärten errichteten provisorischen Pa- mllon würbe bie Totenfeier abgehalten. Um ^Li.terniacM wird ber Sarg nach bem Mausoleum bei Hlgakhi-Asawaka übergeführt werden.
Anläßlich ber Beisetzung des verstorbenen Alikado haben sämtlicheReichsbehörden in Berlin Halbmast aeflaaaL


