Nr. |f)6 Drittes Blatt
Kiehener Anzeiger (General-Anjeiger füc Gderheflen»Samstag, l, iluii 192T
Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen
Frühling in Paris
8»n unterem .»-Ben^urfuner.
(Jtodthnnf. auch mit Queflmangcbe, c-rrbotrn » Part». 9ai 1V27
Hm ‘ re tj Äorb und cm Ourt de l'äh kam nun d.e o«’<x t« ..groben HinteiT pufenadeood an . nd er«letzen chren €tf»m von c-.rm&n aut den rorpt-C öo s»ch ijattrurc Lhausteure und />oiri« btrnrr eilrifi um die Betreuung bemühen. Hut den glotzen Boulroorb# hon man wieder wie in höchsten öriten der Qnflohon. mehr al» fran$ofi|4) da» gequnlch'.e Kouberwrilch der Englar'.« und 8mm- taner und dann — beuhd). deuUch. beutlet Dw ÄaOdAtnr Bnntrmp». QktUme Vainatyelte feuere, der Don Marche und tute ste sonst alle heihen Haden ihre Schaufenster mit dem f)errtfdNten gefüllt, ea» sie aus ihren foarrn befiu<n. schreien. Dccafton! Dccofton' aus bte c traben hm au», und am Opern- platz stauen sich tie vollbesetzten rter-benomnibufle if» ist nicht mehr länger zu leugnen, e» tst wieder Frühling in Pan,
Dotz au herbem über der Seine die Lust pastellb» auistbnmen datz um bte Mabes« .,e herum Stand an Stand Mr ^rühling»btiMWN blühen, dotz im Luxembourg hell, «'lecket, Kinder vor den Bänken Iptrfrn, wo ihre Bonne mit einem Poilu bw ersten Verabredurgin für eine Fahrt zum Rodmfon trifft und datz du» Boi» sevg ergrünt, und datz drautzcn vor den Btiitlrn in »ontmoreneg. St Cloud. in Ü Horenton dir Baume und Sträucher vor Bluten strotzen, da» ist ichiietzlich eine lokale Angelegenheit die — I et brr. leider — dem vurchschnitt»fremden nicht do» Wesentliche Ml.
Do» Wesentliche fstr ibn ist alle» bas, wo» man in Baeb.tfer mit zwei Siemen an gezeichnet steht, »nd die» 'N der beste Bewei» bofur. datz die g r e m, densaisvn wieder begonnen hol. wenn im ctrofieribilb. vor dem Louore. vor der Oper, vor dem Änvaltbendom. der Rotredorne dem Pere- Lochaile und in den abamp»-(Hglct» die roten I uns en in den fyänbtn hagerer fDciifi» aufleuchten. Uno da» andere Desenlliche, do» ist da» Essen, da» Esten in den ungcwblkn guten Restaurant» deren Adretten von Hand zu f)anb gehen, und bann die ftouphüitx — Parfdei Nacht
Do» Essen, da» ist eine Sache, bte nicht nur für den Fremden ba Ist Auch der Pariser Einwohner, der etwa» andere» ist al» der. den man gemeiniglich den ..Pariser" nennt. — also brr. der wirklich in dieser Stadt geboren ist. lein Gewerbe hier treibt leine Steuern bezahlt und wie bet bravste Bourgeois irgenbeinev Heinen Provinzneste» sein Leben ■1 unb . ’
men fein mit seiner Familie, vor der )>au,tir sii-enb oder vorn Balkon herobschouend einteilt, hat so leine bestimmten .Rettin. wo et der heimischen Küche entsitechi und abenteuemb in diese» unb jene» Lokal zieht, wo ihm Sveztalitoten geboten werben Gibt e» doch geradezu Hfobemten de» guten Esten». So |ene» Restaurant aus der Rue Eondoisei. an dem der Fremde unauimerksam oorüberiaust unb wo doch »eden Sonntag sich ein Areopag de» pulen (Re- ichmatk» versammelt unb. vom hemdärmeligen Wirt bedient, stundenlang die erlesensten, immer wieder neu geschossenen (Benufle lasest. Ab hier muh man eingeführt lein! f)ler muh man Referenzen unb Empfehlungen aufwelfen können, die lorgfältiger geprüft werben, alt* wenn man sich um eine hohe Be- ointenslelle bemüht Ist man aber einmal ausgenommen, so sitzt man bei Rabelai» unb hat da» Recht, »ur Kritik unb zum Vorschlag — uorau»ge- setz', bah ber Magen nicht allzu nordisch ober zu oiiflfl|adjfi|d) ist. nier ist die itudienfunh zur Philosophie erhoben. Der Fremde, ber geht zu Pru-
olttik
unb e zuruckwie IRan soll den Deri be» stück» in der Politik nicht oertennet
Aber lasten wir die Politik Um ber
willen such ja Mele Fremden, die wir die Schwalben in Scharen beim ersten Frülsting»sonnenstrahl in Bari» erscheinen, nicht an ber Seme, wenn e» auch viele, viele genug, vornehmlich Deutsche gibt. Prosestoren und Industrielle Journalisten i nb Abgeordnete ur.b andere Leute, die tm össentlichen
tttchen Zweck vorgeben unb bann, wenn sie erst em- andere» kennen al» diese Stad! tu geniesten, nicht» als geniesten. Dn s'amusc' Dn s'amule! Da» ist die Nacht von Pari», wo man sich amüsiert, fld). man must es nicht machen wie »ene wackeren Engländer. die sich in Hutocar, pressen lasten, um lur rin Fixum mit den JIafterftähen vom Montmartre" bekanntgemacht zu werden. Bla» sehen diese schon. Ste sehen nur da», wo» man überall in der Welt, ido die Frembenindustrie nur irgendwie blüht, zu sehen bekommt, unb wo» ber Film origineller, wenn auch darum nicht zutressender, im kleinsten Dors von Äentucfg al» Pariser Leben oorsuhrt. Da sollt denn so eine f>orbe von Fremden in jene längst nicht mehr pariserischen (Tabarett» am Place be Clichy in die . f)6lle" oder in den „fumm.-t" hinein unb glaubt ein Panier Erlebnis zu haben, wo ihm nur von mittelr-äfoigen Komödianten etwa» norqeführl wird ba* internationalen Stempel trägt. Vielleicht wenn e» doch kommt wirb der Besucher in den Lapin agile geiuhrt. eine wahrhaft historische Ställe be» (Tabarel:; ein Neine». verfallene» f>au», muffig unb leucht mit Bilbem der verschiedenen Zkunstschulen ber letzten Jahren an den über und über bemalten Wanden. Hier gewinnt er vielleicht ooch eine Ahnung von dem Pari» ber wirkilch<n „flriifle»* unb der denn immer noch lebt der alte Bdre mit feinen meisten Korkenzieherlocken, ber einem Baudelaire, einem Verlaine, einem Rimbaud Kredit gab auf jede» neue Gedicht ba» hier entstand oder ba» sie hier Dort rügen. Die Tarnen kommt ein recht angenehme» Gruseln an wenn sie sich an den verwitterten Tischen aui av ' Jen zwi-
fchen die Tiänner nut dem Apachenschal und die Mädchen mit der roten Blule drängen mästen und revolutionäre französische Lieder au» Polkssänger- mund im Patoi» hören, für die ihr Schulfranzösisch nicht au»reid)t. Hber auch hier ist schon Fremdcn- inbuflrie. Derjenige, ber Bari» wirklich kennt, wird sich kaum mehr hierhin verirren, der bleibt lieber auf halber Höhe ber Butte de Montmartre unb
nirr. |u Baratt aber zu Weber, wo er et» Freu» der unter cremten |<fL und wo bte Äerconi lall schon ba» iian zc.fi »Le cerlernt haben, ober er bat da» flMud wenn er «ireuebe n Pari» bestsi Me t»m die Adrett« geben, zur Änne de Pe. zu kommen. wo et anheben must wie in Rrit^zeuen nach der Brcilane.-um einen Platz zu finden Dafür lachest aber a-j* vom sei« edeckten Tilch ein Berg ofbgrib« Butler und bo'ur wird ihm auch der uemar a la Dtscrenon gereicht und bat .x kann er sich seine Languste auriuche- IrfrmMnfd) noch, hie auf amerikomzche Sri bereuet wird. Aier kann r» ihm enberiohren dost er auch neben Franzosen sitzt, und »e n er Wad b. :. erfahrt er her d c anderen flbre'len die wie ctz n. eschente cuegegebm werden. Man erzählt sch. hast einer der >)enen ter beutschrn jvinbel'belrgation höchst mbinfiiert gewesen fei. al» ihm von feinem Berhanblungvgegner ba» Sngebot gemacht wurde, ihm -u sagt! wo man fl.it e' en könne unb bah er mit der notwendig, n internationalen f)oHid)feii aber doch merkbar fühl, gebanst habe D. c irir furchten, dieser Mann wird io den richtigen Perhandtung«. n mit den Franwsen nie- mal» imben. ba er solche, Angebot mißverstand
geht tu» Äoultn be la Galette wo alerfena» „Bul- bur ober Me anderen .t'out»* auch nicht mebt ihren Stamm* haben onberr an ibr»r Stelle brate Henle': ont 'iglirae m 1 ’bren Met nerie» Ne Uteheimniste be» vhariejion unb be» Black Bsttom mit tem der Ratte eigen'umli^en Temperament er- gnurben 9cn schliestt --n 1? Uhr ba, .st da» beste Zeichen dafür. bc«< d er Me 9rembenlnbuftrie noch ichi eingebrungen ist.
Immerhin kann man diüd haben unb wemgsten» in da» astberuh«! Mo- .ux .'..-»-ge • allen Acer gibt r» einmal den JmI“. od man die ctubien anstellen kann de mn io gerne anstelli -nd wobei man lor.liahert. hast bw sar. «■ Lande. k>-cher der gro’ t • Marion . nzwei'elha't m bv. Mehrzahl sind uni- n chi etwa Me jaru 'chlanle Pariserin oorsieben. - jr.be. n im (brgmtctl da» dralle Matchen, da, von der bretonischen Küste kommt, ob« jene Damen mit dem Schnurrbart instug. deren Frühlmg»tage wert vor dem Kriege lagen. Ater merkt inan, dost sich doch Immerhin chon < tx Hngleichung vollzogen hat. hast lur.1 ininde'tlii Me wackeren Holoniaflol- baten neben ihrer Krieg.p'lich: auch ihre Frieden»- ausgabe verstehen, dir Mutter Frankreich „flrohe und kinderreich zu machen
Hber neben ben ..bal gibt e» auch noch ba« Revuetheater, und hier tritt Madame Mistingaett auf. Der feitnt aut den Filmen der BorkrtegezeU dirien (Bamintup nicht ber seine auMriprochme eigene Note hat und so in ber Vorstellung aller berer, bie Frankreich nicht kennen, al» da» Urbild ber Baritenn gilt E» konnte iein. bast Mabemoiseile •jSiftmguctt nunmehr blond ist. denn blond ist bie grosze Mode. Hber für bie Haarfarbe einer Frau tonn man sich nicmal» verschworeti Doch ba» . ine fleht fest, in ben letzten Stt Jahren ist sie minbesten, ‘unr Jahr« älter geworden, und aufzerdem dat sie in IoieoMne Baker unb schliestlich auch in ber letzt auf (Bastipielen herum tu merken Fräulein (Bolder- Iennu' beachtttche Konkurrentinnen erhalten
Die Baker bat sich im übrigen hier oben am Montmartre «ne eigene Bar eengenchiet. zu ber man nur in Eoemng-Dreh zügel itten wirb. Doch seien Neugierige gewarnt. Man trif't hi« nur ben ewigen Kommerzienrat au» Frankfur! a. M- bem ber Jlcpp von 4HO Franken sür bi« schlechtes!« Flasch« Sekt schön von Berlin her vertraut ist.
Nein, nein, der „Pariser" -- man wirb du» im Hdiaus von etwa 14 Tagen — amüsiert sich ganz lv o ander» al» am Montmartre, ftier kommt er höchstens einmal hin, wenn ba» 'Brand (Buignol die Vremi#re eines neuen Schauerstücke» hat ba» da» Blut in ben Adern eistarren macht und ben ttoanakoerbrauch am Büsett beträchtlich bebt. Da» ist ba» Pari» be» Grand (Bingnol, und ba» sieht man mch«, wenn man nicht Pariser von mstibrsten» vierzehn Tagen ist.
Dieser, der mindesten» Biencbntagige, hält sich nrunbsatzlich mir unten am Boul vstche, am Mont- Pa maste und gegebenensall» an ben ../-allen" auf, wo es so von nacht» 2 Uhr ab in ben kleinen Stampen bie berühmte Ääfefupp« gibt. Dill man wirklich so etwa? wie einen Apachenkeller sehen, io geht man zu La Botet, wo bie Schirmmützen sich zusammenbrangen, unb wo hin und roieber sich tat- •acNid) noch «n Talent entdecken last«. Denn auch O»kar Wilde hier schon verkehrt hat unb Huynnann» und andere prominent« Männer jener Uiteratur- epoche. unb rorm auch aller Wabricheinlichkeit nach szalenclever. Ltemheim unb Kerr Mesen Au»schank Ichon kennen, so bat man immertnn bie (Emotion, bah Zwn brave franzosilche Polizisten oor ber lur biefe» ehemaligen Plerdesiallc, stehen unb bamit ben Bewei» liefern, bah gegeben«niall» hier auch bi« Kriminalistik nicht unergiebig« Rech«rchen anzu
stellen vermag. Ueb«Haupt Mese» P^rtrlch«« hier am „■ bet r, 'o ein Mstcher i» s..-b abe: mehr bur^ber za erzählen, würb« gegn. c*1 iß nd Schund oerstohen
3«m Thema jedoch gehört, datz men nach einem Bummel, mag er nun oben aus dem Monemarir» futige*-unbm heben, in ben »V! en o>rt am Mant- •sirnciw geendet sein, *«fj t» ' ng, unertt : »m Boulevard Ra'pail Scbl.ih niachr. wo man
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uck Schn
. b ui urib ein In'cbe« (2la» . miche» Bier be» kommt. 6ria.
Wanderfahrten.
Ullerbarf - $ ehbauf*e — Rw »eb rg - Ki ch» Haie
Dir beginnen unser» IDanderung die »weck- mätzia tm Früh fahr ober Herbst 4u*»ufuhrm Ist. in 3 11« n b o r 1 An Ao rdeck vorbei mit seinem hochragenden Schlosse unb Ober-Drei- bauten sühn b« j durch bm 8Mbor’er i^rund nach dem lieblich gelegenen Holz- bauten, tro der prämnge .Stummlchr P rk mit dem Cailoh. Aeu-Poi-dam genannt eine De- 'ichtlgung lehnt Auf Ichatten'.osrr Vandstvasie gelangen wir über A oh dort nach bem auf mäch- ia«n Tala! t fege! liegenden Amöneburg. >eilen Desteigung nicht ganz mühelos ist Reichlich .ntschadiat wird man ab« durch den herrlichen Rundblick, den man von den Jtuinrn des ehemaligen .Kloster» weit hinaus in das Land gern eftt. Aus dem Dege zum Endziel Rirchhain kommen wir auch an zwei historischen Glätten vorüber an dem Friedensstein. wo wahrend des Gtcbeniäbriflen Krieges di« letzten Schüsse gewechselt wvrden sind, und anberVin- dauer Kapelle, die von Bonifatius «baut und zur Taufe brr ersten Ehristen verwendet worden sein soll. Bon Kirchdain dem sreund- heben Krrisslädtchen. erfolgt die Heimfahrt. Dauer ber Wanderung 5 Stunden.
Balduinstein - 6duiumberg — Laurenburg — ttzvethepunkt — Oberebef.
Dir sahren mit d« Lohnbahn nach Balduin st «in mit sein«, aus steilem Felsen düngenden Burgruine. Hier führen uns schwarze Punkt» auf einer Fahrslrah« durch einen F.lsen- tunnel auf weiten 'Ä'inbunge#. die sich todoch d rch »labe abkürzen lassen, zum prächtigen Lchlost Schaumburg. Tom Turm des Schlostes hat man et ne unvergleichlich 'chöne Aunbsicht Ton hi« folgvn wir bem Labndodenweg (L gezeichnet b« uns üb« den (habet ft ein. «in« F.l»i«rast» mit großartigem Blick in das Lahntal und durch bas Dörfchen Steinsberg zu dem tief einge- ichnittenen Aupbachtal bringt. Tvir übtt» schreiten das Tal. um. bi« s«ith«ige Tlarflrruna verlast end. nach dem unten al b« Lahn malerisch hegenden Dvrs Laurenburg zu gelangen, hinter dem Orte flohen Wir wird« auf da - l . das uns über Dörnberg zu bem hoch über dem Ausgang de» schönen Aelbachtales liegenden i^oethepunkt mit prächtigem Ausblick luhrt. Soethe fvU diesen Blad als den schönsten Aus- '.chtspunkt an ber Lahn «klärt haben. Aach genüg enber Augenwetbe Abstieg ,um -ndnel Obernhof, haben wir noch Zeit, Io empfiehlt fich ein Abstecher zu bem. auf b« anderen Fluh- feite nahegelegenen herrlichen Klost.r Arnstein Gesamldau« ber überaus schönen Dan- b«uno etwa S Stunden.
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