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m. 82 Erster Blatt

177. Jahrgang

Donnerstag, 7. April 1927

f r|d)tmi läglidb.oe^tr Sonntags unh 5<itTtags.

Beilegte: Wtfeewtr ^mtlienbl&tttr Heimat Im Bild Vit Schollt.

Äoiaii-BtiigeprfU: 2 Reichsmark und X Reichs Pfennig fflr Irftgco Vhn. auch bei Richter- tofinm einzelner RummetN vtfolgt HSHerer Gewalt, -ernfprechanschlüffe: 61, 54 und 112.

Anschrift ftr Drahtnach­richten: Anzeiger Gieße«.

votzscheckkoito: IrenMart am Rate litte.

Gicheim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

!>ni<! web Dfrlofl: vrühl'sche UetoerfilätS'Bnd)- nnö Stdubriderd H. Lange in Giefsen. 5chrtftlettnng und KeschLstsftelle: Zchulffraße 7.

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für btt lagtswewmet bis zum Rochmittag vorher.

Preis ter 1 mm Hs he fix Mnjtigte von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig - ftr Re- klamean.'etgen von 70 mm Brette 35 .Hf dispUnnig, plotzoorfchrisi 20* . mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilb. Lange, verantwortlich iur Tolttib Dr. <Vr ötlb. Lang»: für Feuilleton Df fylbnriot; für den übrigen Iftl Ernst Dlumfchein, für den An» zetgentetl Kurt tzillmann, sämtlich in Gießen.

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^Sodener Päslillen gegen keif.Veischlwng

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Annahme des Reichsetats

'Bettln, 6. Elprll. Auf brr Xagrtorfmung Bebt Me zweite Udung des Gesetzes über die ErlaubniSpfficht für die Herstellung von

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2anJJittbanb ' Zuruf JtlS* ^lchrervnein 7R6t. Kgogischn unb 6^, Anzahl dn zSi. or 30 betragen. D« Annahme. iuA __ ' Lehrerver7in7 ue'nlührung", «In die Lehrcrl^st 181 bjv öladtschulm «flen trifft, wurde em. drängten sodann noch en )ur Annahme hir ^gen beuchen Ausbau nb Zahlung btt von le gShatttnen Stunden, und 10. LvilÄchuIjaht bends tonnte der Dor» -r-Damstadl. die ar. momsch verlaufene Aer. orten an alle, die mit- en.

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Sündhölzern. w ,

2lbg Behrens (Dn.' erstattet den Aus- lchuhbericht. Die Parteien, die für das Gesetz ritmmen, tun dies nur. weil hier ein A u s - lahmes all vvrliegt. der einen Eingriff in O.e freie Witts chafl rechtfertigt. Die deutsche ündholzindufttte stecht In einem aussichtslosen Vamps gegen einen ausländischen Trust.

Ada. Rauch- München (Daher. Vpt.) gibt

Orflürung ab, feine Fraktion fttmmc dem Eesetzentwurl zu. um die deutsche Zündholz- iibidtrie vor dem völligen Untergang gj bewahren. Ein Präzedenssall für andere 3n- buftrien soll dadurch nicht geschaffen werden. Siese Erklärung gilt auch für die anderen Re» erungSpa rieten

2Tba Heinig (©.): Es handelt sich um eine Lwfehgcberildx Auseinandersetzung mit der Ra- i .'»natihenntg. jedenfalls bcfeitxgt das Gesetz k»e Gewerbefreibeit. (Höttl Hört! links.) Dieses Besetz kann das Dvrdringen des SchwedentruslS *ar nicht aufhalten. Der Trust hatte auch gute Verbindung mit den A usschußrnit - rliedern, die angeblich dem Trust den Weg »<rlcgen wollen. (Lebhaftes Höttl Hört! links.) Dierzehn Tage nach Gründung des Syndikats aurden die Preise um 70 Mark für die Rorrnal- rtfte erhöht (Hört! Hört! links.) Die Deutsch­irationalen hoben Herrn Behrens als Bericht- rrftatter voraeschlagen. Ich frage Sie, Herr Deh- rms. sind öle nicht Aufsichtsrat der Rord-

deutfchen Zündholz A.-G?

3bg. Behrends (Dn.): Ich bin längst a-asgeschiedenl

Aba. Heini g (S ): So! Aber in der Hypo- iheken-Akti^ibank sind Sie geblieben, deren Äa- t> tal zur Hälfte in den Händen des Schweden- lnists. zur anderen Hälfte in den Händen her Geldgeberin des Schwedentrusts ist? (Stürmisches > Sört! Hort! links ) Sie sind also nicht nur Sachverständiger, sondern auch Interessent! (Drohe Unruhe Im ganzen Hause.)

Abg. Dr. Hilf er di na (S.): Da die De­rr hterstattung in nicht ganz einwandfreien Händen lirgt. beantrage ich Zurückverweisung der Dorlage o den Ausschuß Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der nur schwach vertretenen Regierungs- Parteien angenommen. Es stehen dann

blc Schlußabstimmung über den Etat.

die Entscheidungen über das kommunistische Miß­trauensvotum gegen den Reichsarbeit-Minister Dr. Brauns und über die Entschliessungen zum Etat ruf der Tagesordnung.

Bor der Schluhobstimmung verweist Abg. Erkelenz (Dem.) in einer Erklärung, die er tarnen», feiner Fraktion abgibt, auf die Ableh- :t u n g des Vertrauensvotum- durch die kemokralen anlählich der Aeaierungserilärung. Die bisherige Entwicklung der Polttik des neuen .Rabinett» beweise, dah die Befürchtungen der Demokraten vollauf gerechtfertigt fgen. llnbe- 'chodet unferer ablehnenden Stellung zu vielen »nzelheiten des AeichshauShalts werden wir in tsrr Desamtabstimmung dem Haushalt zu- Mimmen. um die Arbeit der Deichs- und der lländerverwaltungen nicht zu hemmen. (Beifall Bei den Demokraten.)

Abg. Müller- Franken (S.) gibt eine Sr- rärung ab. in der behauptet wird, der Haus­halt enthalte in Wirklichkeit einen Fehlbetrag, c-vvohl er olle Reserven heranziehe Den So- haldemokraten fei es nicht gelungen, den 700 Millionen-S'.at der Reichswehr zu vermindern. 3m Gegensatz dazu würden die Äulluraufgaben rxrnachlasftgt Durch hohe Industriezölle fchlieh- I-ich würden die InlandSpreife hochgehalten. AuS Oefem Grunde lehnte die fozialdemokratifche Beichstagelraktion den Defamtetat ab. (Beifall bei den Soz.»

Die Schluhabstimtnung ist namentlich. Sie er- (j.bt die Annahme des Etats mit 238 gegen 156 Stammen bei 6 Enthaltungen

DaS kommunistische Mihtrauensvotum t*cgen Arbettsminister Dr. Brauns wird gegen bc Stimmen der Antragsteller abgelehnt

Dor der Abstimmung über eine von den De- i i *olraten eingebrachte Entschllehung. die sich f gegen den Abschlust eines Ronkvr- ca 16 ausspricht. gibt Abg. ®raf Westarp CPU) nameras der Regierungsparteien folgende □rflärung ab: Die in der Entschließung der Tcmotraten behandelten Fragen find von so weit- Tehender Bedeutung und In ihren Einzelheiten roch so wenig geflärt. dah ihre Lösung durch »ehnbare, in chren fachlichen Auswirkungen nicht iberfeßbare Formulierungen, wie sie in der lemokratifchen Entfchllestung angewandt werden, eicht gefördert werden kann. Um einer fachlichen Stellungnahme für die Zukunft nicht vorzugrcifen, llchnen wir daher die vorliegende Entfchliehung Nnferrrfeits ab. um fo mehr, als es m dem gegenwärtigen Stadium der Etatsberatungen un­möglich ist. in die notwendige eingehendere 6r- erterung einzutreten. Die Entschließung wird mit 226 gegen 185 Stimmen abgelehnt.

Eine Au-tchuf^nischs^hu^^ bie den Reichs- dmstwart zur felbständigen Reichsbehörde machen tiUI. wird gegen die Linke abgelehnt.

Die detnokratische Entschllehung. am Wehr­etat 10 Proz. z u sparen, wird gegen die Stimmen der Linken, des Bayer. Bauernbundes mh des 2kbg. Dreht (Dt. Pt.) abgelehnt. Sie Tatsache, dah Dr. Bredt feine Parteifreunde »ryeblich zu veranlassen fucht. dem Arrtrage zu- zistrmmeu. ruft groste Heiterkeit hervor.

DaS Haus vertagt sich auf Donnerstag.

Tfchangtsolin gegen Moskau.

Verhaftungen in der Pekinger Sowjetbotschaft.

Peking. 6. tlprll. (Reuter.) Etwa 100 Sel­be ten Ischang Iso lins, die gemäh einer vom blplo- matifchen Korps unterzeichneten Ermächtigung han- beiten, drangen heute morgen, begleitet von be­waffneter polttei. In die Loffchajt bet Sowjet­republik ein. Ein Schuh fiel. Darauf würbe e I n Hülfe aus bem Gebäude hinausgeworfen, g e - fesselt unb In einem Automobil I ori­ge b r a d) L Bis jetzt würben etwa sechs Rusten unb 20 Chinesen zur Polizeiwache gebracht. Ein Maschinengewehr, 15 Gewehre unb zahlreiche Mu­nition wurden In dcr Polschaft beschlagnahmt Der Geschäftsträger der Sowjets unb an- bere Beamte der Botschaft sollen in ihren Amts­zimmern in hast gehalten werben. Vie Trup­pen halten bie ganze Botschaft beseht. Vie Polizei- iiche Durchsuchung erstreckte sich nur auf bie Rebengebaube brr Sowielgesanblschaft. da bie Vertreter bet Mächte, mit deren Erlaubnis bie Haussuchung erfolgte, nicht gestatten, bah bie Poti- listen In das eigentliche Botschaftsge­bäude eindrangen. In einem Tiebengebäude brach ein Brand aus, da einige Russen versuchten, be­lastende Dokumente w vernichten, wobei unbeab- sichtigterwetic Munition explodierte. Ein Russe wurde schwer verletzt. 16 Huffen und 34 Chi­nesen wurden durch die Polizei aus der Botschaft entfernt und eine riesige Masse von Propa­gandaschristen usw. beschlagnahmt. Mährend der Haussuchung wehte die Sowjetslagge nicht aus der eigentlici-cn russischen Botschaft, son­dern auf bem Rebengebäube.

Rach einer bisher nicht beffällglen Meldung aus Peking soll Ischang Iso-liu bie bei ber Razzia gefangen genommenen russischen unb chinesischen Frauen unb Männer sofort haben hin richte» lassen. Die Meldung besagt weiter. Mehrere hundert chinesische Polizisten seien in das Diplomatenolertet elnacbrungen, durchsuchten einen leit der Sorojd- botschast und verhafteten eine Anzahl von Chinesen und Raffen, die beschuldigt werden, U n r o h e n unter Studenten und Arbeitern z u erregen. Die Behörden erklärten, dafz eine ganze Anzahl von Chinesen In oer Botschaft gehalten wur­den. 3n offiziellen franzSfifcheu Kreisen wird er­klärt, bie chinefifchen Behörden hätten beim diplo­matischen Korps einen Antrag ans hansfnchnng in einer russischen Bank gestellt, die l m Gesandtschastsviertel liegt. Diese Bank,

die in bem früheren russischen postgebäube unterge- bradjl worden war, kann, da bie Sowjetregierung aus ihre sämtiichen Vorrechte in China verzich­tet hat. ein (£rlcrritorlalred)t Iur sich nicht m Anspruch nehmen. Da bas bipiomatische Koros sich besbalb ber Haussuchung nicht wibersetzen konnte, wurden die chinesischen Behörden ermächtigt, in bas Gebänbr ber Bank einzubringen. Rach anderen Mel­dungen soll ber Doyen des Pekinger diplomati­schen Korps, der holländische Gesandte Duden- dijk vormittags um 11 Ahr die Polizei des Ge- sandlschastsoierteis instruiert haben, ber chinesischen Militärpolizei Zutritt zu gewähren, ohne batz bie anberen Gesandtschaften benachrichtigt wurden Ls wird behauptet. Dudendijk sei von 6 n g la n b vorgeschoben. Der Pekinger Sonberkorrespon- bent besDaily Chronicle" melbet. es werbe ange­nommen, basz Japan Ischang Iso-lln Garan­tien gegen einen sowietrusslschen A n - g e If f gegeben habe, aubernfalls würde er es nicht gewagt haben, einen Krieg in ber Manbschurel her­an szusorbern. Der Jeibzng Ischang Tso-Iins gegen bie russische Propaganba scheint auch in anberer Rlchtuna sortgesetzl zu werben. Zwei Amerikaner. Ihrs. Mitchell, bie frühere Herausgeberin ber chinesisch-amerikanischen Rach­richtenagentur, und Mrs. Burton, wurden von ber chinesischen Polizei unter Anschuldigung, mit den Kantonesen In Verbindung gestanden zu haben, verhastet.

Der Schutz der Konzessionen von Schanqhai.

Paris, 7. April. (DTD. Funkspruch) Der Besieblshabor der englischen Streitkräfte in Schang­hai. General Duncan, yar dem Sonderkorvefpon- denten der Agentur Havas etflärt, er halte hie französifchen Befestigungsanlagen für stärker als die Dvrkehrungen. die zur Derteidlgung bet englischen RvnzeffionSzone getroffen worden sind. Die internationale Kon- zlstlonszone verfüge über 23 000 Mann, davon 13 000 Mann Engländer. Patrouillen durchzögen bie Stabt unb überwachten sie. Die geringste An- farnrnluna werde die vorbereiteten Plane zum Schuhe der KonzeffionSzone jjur Durchführung bringen. Die Franzosen verfugten über 12 000 Mann, davon die Hälfte Anarniten, 600 weitere 1 ancrmitische Streitkräfte würden erwartet.

Neue deutsch-polnische Spannung.

(Eigener Drahtbcricht besGießener Anzeigers*.

Berlin, 7. April. Wir konnten bereits an biefer Stelle berichten, baß die deuffchpalvischev Verhandlungen seit Ihrer Wiederausnahme nach der Genfer Ratstagung nicht recht von der Stelle zu kommen vermögen. Die Mefdungen, bie aber im Laufe ber letzten Stunden eingelaufen sind, beuten darauf hin, daß durch bas Verhalten ber Polen in Vst oberschlesien außerordentlich gefährliche Spannungsmomente auf­getaucht find, bie felbstverfländllch eine Rückwirkung auf bie (Befamtflimmung Im Verlauf ber deutfch- poinischen Verhandlungen haben werden. Ls be­darf keines hlnweifes. daß für Polen das (Ben - f e r Schulkompromiß abfolut nicht maß­gebend ist, fonbem daß man in der Sdjulfrage in Dberfchlesien in zahlreichen Fällen genau noch wie vorher vollkommen willkürlich unb beutfchfeindlich handelt. So sind vor allem auch bie seinerzeit verhängten Schul st rasen keineswegs aufgehoben, sondern es sind sogar noch neue Strafen verhängt worden, Maßnahmen atfo, die eigentlich nach der Unterredung Dr. S trete- manns mit dem polnischen Außenminister Z a - Ieskl vollkommen aus der Welt geschasst sein soll­ten. Dazu kommt aas kattowlh die Meldung, daß vberbergwerksdircktor pietsch, der Leiter der Bergwerke der Bereinigten Königs- und Caura- hutte zunächst einen dreimonatigen Urlaub erhalten hat, wobei man Ihm mitteilte, daß man dann auf seine Dienste verzichten werde. Vie Meldung von der Sprengung des Grabmals eines deutschen Pfarrers mit Dynamit In Mys- iowitz scheint in die Reihe der Dynamitattentate zu fallen, die seitens der Polen bevorzugt werben. Allerdings läßt sich diese Meldung zur Zeit noch nicht bestätigen. Und schließlich kommt die Meldung, daß bei der vereinigten Königs- und Laurahütte 8000 deutsche Arbeiter gekündigt wor­den seien. Diese Rachricht scheint sich zu bestätigen. Sie hat selbstverständlich in der dortigen Gegend eine außerordentliche Erregung hervorgerufen, und es steht zu erwarten, daß der veuffche Volksbund

sein. Aus alle Fälle hat Polen bisher sich die größte Mühe gegeben, gegen eine deutsch-polnische Ver­ständigung zu arbeiten.

Polens Mißerfolg in Amerika.

Nnbeständiqkeil dcr polnischen Politik daö

Hindernis für wirtschaftliche Lanierung.

Berlin, 6. April. (Pno.-Tel.) Die Anleiheoer- Handlungen, die Polen seit längerer Zeit inJleu- York geführt hat, sind ohne greifbares (Ergebnis abgebrochen. Die polnischen Unterhändler sind wieder in Warschau cingetroffen, um ihrer 'Regie­rung über ihren Mißerfolg Bericht zu erftatlen.

SHe ,D. 2L 3 veröffentlicht einen von der Neuyork Times" im Anschluß an diese polni- schen Anleiheverhandlungen mit ame­rikanischen Bankiers gebrachten Auifay des ame­rikanischen Polenkenners Louis Fischer, in bem es u. a. heißt: Gs ist durchaus wahr, daß eine liberale Politik gegenüber widerspenstigen Minderheiten deren Haltung befänftigen würde. Die Polen lagen, das fei leichter gefügt, als ge­tan. Es trifft auch zu, daß Polens Zukunft un­gewiß und unbeständig ist. solange eS keinen Vertrag mit den Bolfchewisten und keine polittsche Vereinbarung mit den Deutschen hat. Wichtiger aber alS politische Verträge find Handelsabkommen. Poten hat weder mit feinen östlichen, noch mit seinen westlichen Rachbarn ein solches Abkommen ge- lroNen. Inzwischen treibt Me Pincho ' e dcr Furcht oder wenn man den Gegnern PilludskiS Glauben schenken soll, der Wunsch, daß Polen sich bis zum Rjemen und Bug ausdehnen solle, die Regierung in Rtchrung schwerer Rüstungen vorwärts. Offiziell gibt der Staat 33 Prozent seines Haushalte fiür Heereskvsten aus. ausschließlich der Pensionen. Darin sind aber Grenz'chuy. einige OsfizlersauS- bildung-schulen und einmalige Baukosten nicht einbegriffen. Ein Gesandter, der sehr pölenlrrund­lich und hier zu Lande sehr bekannt ist, sagte nur auf meine Frage nach der Höhe bet Rosten für Polens militärische Ausrüstung. 40 Prozent deS Gesamthaushalts. Ein zweiter Diplo­mat meinte zwischen 40 und 45 Prozent, während ein dritter sie auf 45 Prozent schätzte. Das ernsteste Hindernis für den Erfolg der jüngsten Aeuyorker Anleiheverhandlungen Polen- war die Frage der ausläirdischen Kontrolle. Wenn die Polen sich der ^leberwachung von außen unterwerfen wollen, so wollen sie einen guten Preis datür haben. Die polnische Delegation wird wiederkommen. Es ist ein Kamps zwi'chen dem Einfluß der amtlichen und dem der geschäft­lichen Streife. Die amtlichen Stellen lehnen die

sich mit einem neuerlichen Appell an bie Ge­mischte Kvmmlfflvn wenden wirb. In hie­sigen Kreisen werben bie Dinge selbstoerilänblich mit ernster Besorgnis verfolgt. Wie wir erfahren, sind bereits Vertreter vom Reichsauhenminlfterinm zur Prüfung ber dortigen Verhältnisse nach bort gesandt. Alles in allem scheint es, als wären in Oberfchlefien in allernächster Zeit wieder sehr ernste Zwischenfälle zn erwarten. Wer bafär ver­antwortlich ist, bürste nicht betonbers zu betonen

Kontrolle ab, bie Geschäftsleute sehnen sich I nach ihr.

Renaissance des Liberalismus.

Eigener Drahtbettcht bes(Bwfoencr Anzeigers".

Berlin. 7. April. Die augenblickliche Dis- kuffion über die Frage des Konkordats schließt unmittelbar an an die Kundgebung der Deut­schen B o l k » p a r t e i. mit der sie sich als Erbin der Rationalliberalen Tradition m Han­nover anläßlich der 60-3ahrfeier dargetan hat.

Es geschieht nicht von ungefähr, daß eine Betonung des Liberalismus und der liberalen Grundgedanken gerade im jetzigen Augenblick erfolgt, wo die Vertreter diele» Liberalismus im Reiche in einer Äoalltion stehen mit den stärkeren Rachbarn, die gemeintem den konservativen Ge- danken vertreten Stresernanns übet die prinzipielle Haltung seiner Partei zur Frage eines Konkordats so oder so gelautet haben, so oder so ausgelegt werden können, ist im Verhältnis Grundgedanken und den Endzielen seiner 5kund- gebung wie überhaupt den jüngsten Lebens- äufoerungen deS Liberalismus verhältnismäßig belanglos. Woraus eS ankommt, ist bie Fest­stellung der Tatsache, daß eS einen solck>en Libe­ralismus überhaupt noch gibt, und daß er An­spruch auf Berücksichtigung der inneren unb' Kulturpolitik mit einer Bestimmtheit erhebt, bie man nach Jahren völliger Verwischung ber kul­turpolitischen Unterscheidung mit einiger Uebet- raschung feststellt.

SS ist beinahe schon ein Ariom geworden, baß der Liberalismus tot fei. Der ebenso geistreiche wie zynische englische Schriftsteller Al. L a r t h i l l hat vor Jahresfrist das Absterben des Liberalis­mus wenigstens für England konstatieren zu können geglaubt. Die englische Liberale Partei ist über Grey und Asquith zu dem populä­reren. kulturpolitisch weniger interessierten Lloyd George übergegangen und hält sich in einer mitunter kompromittierenden Rähe der Cabour- party auf. In Frankreich findet man über­haupt keine Parteienbezeichnung mehr, bie das Wort .Liberal" enthält. Hcbctafl in ber Welt treten bie radikalen Richtungen in den Vor­dergrund. und bie Tatfache, baß es stets überall in ber Welt bie drei Elemente nebeneinanbet gegeben hat: bie Besitzenden, bie die bestehende Rechtsordnung aufrechterhalten, die Befitzlofen, die sie umstür-en wollen, und die Liberalen, die bemüht sind, bie Gerechtigkeit ber Wettbewerbs­bedingungen unter Erhaltung der Gesellschafts­ordnung herbeizuführen. fcheint vollständig ner- gefsen. Indessen ist der Liberalismus so wenig tot, wie er jemals tot gewesen ist. Er Hot nur sein Vorzeichen geändert, hat bis zu einem gewissen Grade in Fragen des materiellen Daseins seine Mission erfüllt, seitdem bie Frage der Grundrechte zu einem Ausgleich gebracht und 1 bie praktische Macht ber beiden anderen politi­schen Faktoren in ein gewisses Gleichgewicht ge­bracht worden ist.

Jetzt handelt es sich für ihn darum, bie Güter zu verteidigen, die bei diesem Ringen von beiden Seiten gefährdet worden sind, die auch von den anderen politischen Faktorerz je nach ihrer Aussassuna gewürdigt, aber hinter diesen nächstliegenden Zielen -urückgestellt wurden Die Aufgabe deS Liberalismus, so wie feine Ver­treter sie auffaffen. beginnt deshalb genau da wieder, wo ber Ausgangspunkt gewefen ist. näm­lich bei dem weltanschaulichen Gegensatz zwischen denen, bie auf grunbfätzlicher Erhaltung des Bestehenden abzielen, ohne selbst zu be­merken, daß sie an bie Entwicklung täglich Kon­zessionen machen, und den anderen, die bie Um­wälzung wollen, ohne bemerkt zu haben daß he mittlerweile schon Errungenes zu verteidigen haben. Der Äampf to.rh interessant fein unb der Liberalismus wird unter befonders schwie­rigen Verhältnissen seine Esislcnzbeieligung barzutun haben.

Das Arbeitszeitnotgefetz.

Aus bem Lozialpolitifchen Ausschuß des Reichstags.

Berlin, 7. April. lV D. I.) Der Reichs» tagSausschuh für sozialpolitische Angelegenheiten beschästigte sich mit dem Gesetzentwuri zur Ab­änderung der 2rbeitszeitverord- n u n g. In der Diskussion kam zum Ausdruck, dah die nach der geltenden Arbcitszeitregelung mögliche und vielfach in Anspruch genommene langen Arbe tSzeiten sozialpolitisch bedenklich und mit der bestehenden Arbeitslosig­keit nicht vereinbar fei. Auch die Reichs- reg erung bestätigte die Klage über ben gro­ßen Umfang der Ueberarbeit in ge­wissen Industrien, wenngleich Mißbräuche nicht in dem Umfang feftgestellt worden feien, wie vielfach angenommen werde. Dcr Vertreter der Reichsregierung betonte aber, dah eine Ab­änderung ber Arbeitszeitverordnung nicht soweit gehen könne. Mh jede produktive Mehr­arbeit mit einem Schlage beseitigt werde. Eine derartige starre Durchführung deS Acht­stundentages würde der deutschen Wirtschaft Lasten auferlegen, die sie heute nicht zu tragen vermag. S.e ginge nicht nur über die Regelung hinaus, die das Washingtoner Abkommen für die Arbeitszeit vorsieht, son­dern auch über alles, was. soweit bekannt, in irgendeinem Lande der Welt bisher gesetzlich verwirklicht worden ist. Eine Rotregelung und um die allein könne eS sich hier handeln dürse nicht das geilende Arbci^Szciirechi voll­ständig Umstürzen und die endgült'ge Regelung vorwegnehmen, die das dem RcichSrat vorlie­gende 21 r b ei tsfchiltzge s e tz bringen soll. Dementsprechend wurde» die über die Regie-