in Gelnhausen halten zu lassen und hierzu einen Anschluß des Zuges 522 herbeizuführen, für völlig aussichtslos und die Einlegung von beschleunigten Zügen für äußerst zweifelhaft, wahrend er den übrigen Anregungen entgegenkommend gegenüber steht.
Die Ergebnisse
der Fahrplankonferenz bestehen darin, bah seitens des Vertreters der Aeichsbahndireltion Frankfurt a. M. folgende Fahrplanverbesserungen auf den obengenannten Strecken in Aussicht gestellt worden sind:
Streife Lauterbach — Stockheim — Vilbel.
Zug 4137, ab Stockheim 7,01, jetzt nur zwilchen Stoc^eim und Gedern verkehrend, soll künftig täglich bis Lauterbach burchgeführi werden und dort etwa um 9,30 anfommen.
Zug 4103, ab Frankfurt a. M. 7,32, soll Sonntags bis Hartmannshain gehen
Zug 4108 fahrt Sonntag» ab HarimannShain. sonst täglich ab Gedern.
Zug 4147 verkehrt täglich zwilchen Frankfurt und Lauterbach ohne Umsteigen.
Zug 4146 ab Lauterbach 5,46 verkehrt täglich biS Stockheim mit Anschluß an die Hauptstrecke.
Während des Sommers soll je am ersten Sonntag deS Monats ein Zug ab Frankfurt a. M. 6.43 Uhr früh über Offenbach. Hanau bis Hartmannshain gehen, dort etwa 8*/$ ankommen. Rückfahrt abends ab Hartmannshain 6.15. Ankunft in Frankfurt 9 Uhr.
Streife: Friedberg — Nidda.
Der Zug 4153 ab Fricoberg 8,15 soll lünitig etwa i/2 Stunde früher abgehen und etwa 8,50 in Nidda eintresfen.
Zug 4156 ab Nidda 9,43 soll etwa 1>'s Stunde später abgehen.
Neu eingelegt soll werden ein Zug ab Friedberg etwa um lli,_> Uhr vormittags. Ankunft in Nidda ca. 12i/2.
Nachmittags soll ein Zug um 3 Uhr in Nidda abgehen, der Zug 4.25 Wegfällen, dagegen täglich abends ein Zug 7,46 nach Friedberg ab- gelassen werden.
Strecke: Nidda — Schotten.
Die Züge 4181 und 4182 sollen künftig auch Sonntags gehen.
Zug 4183 soll etwa 5 Minuten später in Nidda abaehen.
Zug 4183, seither nur Sonntags verkehrend, soll täglich verkehren und unmittelbar nach Ankunft in Schotten wieder zurückfahren.
Zug 4187 soll Sonntags wie am Werktag fahren, in Schotten unmittelbar nach Ankunft zurückgehen und während des Sommers abends 10,23 von Nidda wieder nach Schotten fahren.
Strecke: TNücke — Hungen — Friedberg.
Zug 42t 1 soll im Laubacher Wald halten.
Zug 4270 von Mücke soll Anschluß an Zug 508 und 505 erhalten, auch Sonntags.
Zug 4273 und Zug 4267 sollen künftig täglich gehen.
Neu in Aussicht genommen ist ein Zug ab 340 Hungen nach Friedberg — Rückfahrt ab Friedberg 4.29, Ankunft Hungen 5.29.
Strecke: (Stehen — Gelnhausen.
tag 504 soll künftig täglich fahren, deSgk. ug 513.
Zug 507 soll Anschluß haben an 706 und Zug 512 an den O-Zug 275.
Wenn wir diese Ergebnisse der Konferenz hier bringen, so wollen sie nicht den Anspruch auf Unfehlbarkeit Theben. Irrtümer sind bei der Lebhaftigkeit und Vielgestaltigkeit der Verhandlungen nicht ganz ausgeschlossen. Es ist hierbei weiter zu betonen, daß die Aenderungen Ln Aussicht genommen werden, aber noch nicht Tatsache sind. Amtliche Mitteilungen über die definitiven Resultate werden wohl bald in der Presse erscheinen.
Dem Vertreter der Reichsbahndirektion Franl- kurt, Oberbahnrat Pietz, gegenüber wurde in den Verhandlungen mehrfach betont, daß die Provinz Oberhessen sich bei der bisherigen Gestaltung des Fahrplans stiefmütterlich behandelt gefühlt habe. Mit um so größerer Genugtuung und Anerkennung wurde am Schlüsse dieser Konferenz bas weitgehende Verständnis und wohlwol ende Entgegenkommen des Reichs- bahnvertreters für die Wünsche der Provinz Oberhcssen allgemein vermerkt und dem Ober- bahnrat Pietz in den Schlußworten aus der Versammlung heraus dies zum Ausdruck gebracht. Man darf wohl als sicher annehmen, daß nicht nur die gugesagten, sondern auch die in Aussicht gestellten Verbesserungen des Fahrplans auf den oben genannten Strecken zur Tatsache toerben.
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Die Entlastung des hessischen Ministeriums der Justiz
Die Verordnung vom 4. Dezember 192 .
F r a u. oder, in Ermangelung eines Wohnsitzes in Hessen, durch das Amtsgericht ihres hessischen Aufenthaltsortes. Notfalls ist das Amts» gerickst Darmstadt I zuständig.
3. Jeder Eheschließung soll ein Aufgebot vorausgchen („Aushang im Kasten" usw.). Das Aufgebot darf unterbleiben, wenn die lebensgefährliche Erkrankung eines der Verlobten den Aufschub der Ehefchlleßung nicht gestattet, und
es kann auch in anderen Fällen Befreiung vorn Aufgebor gewährt werden, (§ 1316 Absatz 3 des VGV.). Das entsprechend begründete Gesuch ist künftig an das übergeordnete Amtsgericht desjenigen Standesamtes zu richten, vor dem die Ehe geschlossen werden soll. Diese Bestimmung ist sehr wichtig, da die früher erforderlich gewesene Einholung der ministeriellen Genehmigung erfahrungsgemäß oft großen Zeitverlust und mit ihm verbundene Unannehmlichkeiten
(Nachdruck verboten.)
Nach den bisher geltenden Bestimmungen hatte das hessische Justizministerium Rechtsangelegenheiten zu bescheiden, die in anderen Ländern schon längere Zeit den lokalen Iustizbehör- den übertragen waren. Viele Sachen toarteten hierdurch in Hessen längere Zeit auf ihre Erledigung, weil das Ministerium fast ausnahmslos auf die Einholung gutachtlicher Berichte der Personen- und sachkundigen lokalen Stellen angewiesen war, bei denen sich auch meist daS einschlägige Aktenmaterial befand.
Wie sich die neue Verordnung im einzelnen auswirkt, sei an Hand deS GesetzesterieS kurz erläutert. Vorweg sec bemerkt, daß die durch sie begründete Zustänbigkell die gleichzeitige gesetzliche Befugnis des Iustizministers, tm Einzelfalle selbst eine Entschließung zu treffen, unberührt gelassen hat.
1. Nach § 1312 deS Bürgerlichen Gesetzbuches darf eine Eye nicht geschlossen werden zwischen einem wegen Ehebruchs geschiedenen Ehegatten und demjenigen, mit dem der geschiedene Ehegatte den Ehebruch begangen bat, wenn dieser Ehebruch in dem Urteil als Grund der Scheidung festgestellt ist. Von dieser Vorschrift kann Befreiung bewilligt werden, und zwar von jetzt an von dem Präsidenten des Landgerichts, in dessen Bezirk der geschiedene Ehegatte wohnt, der der Befreiung bedarf, oder in" Ermangelung eines Wohnsitzes in Hessen, sich aufhält. oder, sofern er in Hessen keinen Aufenthalt hat, zuletzt gewohnt hat; notfalls ist der Präsident deS Landgerichts Darm
stadt zuständig.
2. Nach § 1313 B. G. B. darf eine F r a u erst zehn Monate nach der rechtskräftigen Auflösung oder Nichtigkeitserklärung ihrer früheren Che eine neue Ehe schließen, es sei denn, daß sie inzwischen geboren hat. Befreiung von dieser Vorschrift ist möglich, und zwar nunmehr durch das Amtsgericht des Wohnsitz« ' ‘ Frau. oder, in Ermangelung eines W
brachte, wenn z. B. schon alle Vorbereitungen einer Hochzrit für einen bestimmten Tag getroffen waren und dabei nicht an die innezu- haltende zweiwöchige AufgebotSsrist gedacht worden war.
4. Nach § 1723 BGB. kann ein uneheliches Kind auf Antrag seines natürlichen DaterS als dessen eheliches Kind erklärt werden. Heber den Antrag deS (hessischen) Vaters entscheidet der Präsident desLand- a e r i ch t s des Wohnsitzes des Vaters, oder in Ermangelung eines Wohnsitzes in Hessen der Präsident des Landgerichts in Darmstadt.
5. Wer keine ehelichen Abkömmlinge hat — Mann. Frau oder Eheleute — und einen anderen an K i n d e s st a i t an nehme« will, muß nach 8 1741 BGB. das 50. Lebensjahr vollendet haben und mindestens 18 Jahre älter fein als das Kind. Nach beiden Richtungen ist Befreiung zulässig Heber entsprechende Gesuche entscheidet das Amtsgericht. daS für die Bestätigung des Annahmevertrages zuständig ist. Dieses ist nach 8 66 des Gesetzes über die Angelegenheiten der freitoitligen Gerichtsbarkeit das Gericht, in dessen Bezirk der Annehmende zu der Zeit, zu welcher der Antrag auf Bestätigung eingereicht wird, feinen Wohnsitz, ober in Ermangelung eines inländischen Wohnsitzes. seinen Aufenthalt hat. Sofern hiernach kein hessisches Amtsgericht zuständig wäre, entsche.det das Amtsgericht Darstadt l.
6. Juristische Personen bedürfen zum Erwerb von Grundstücken staat'icher Genehmigung. um zu verhindern, baß öffentliche Interessen durch einen solchen Erwerb etwa verletzt und daß beispielsweise durch Beteiligung ausländischer Personen ober ausländischen Kapitals an dem fraglichen Unternehmen, ober wegen Beziehung von Beteiligten zum Ausland die Gefahr besteht, daß fremde Interessen zum Schaden der deutschen Wirtschaft gefördert ober deutsche Interessen gefährdet werden. Die Erteilung der Genehmigung ist nunmehr Sache des Amtsgerichts, in dessen Bezirk die Grundstücke liegen. In Zweifelsfällen wird jedoch der hessische Iustizminister selbst auf Grund bet stattgehabten Sachuntersuchung seine Entscheidung treffen.
Sine weiters Bestimmung der Verordnung über die Genehmigung zur Bestellung von Vergleichsbehörden auf Grund bet Strafprozeßord- nung berührt keine privatrechtlichen Interessen.
Nach diesen Ausführungen ist es ersichtlich, daß diese Verordnung nicht nur der von Parlament und Presse schon lange geforderten Entlastung der Zentralbehörde Rechnung trägt, sondern daß sie auch künftig dem recht- suchenden Publikum ein erheblich bequemeres und beschleunigteres Verfahren der Behörden bei den In Rede stehenden Angelegenheiten gewährleistet. F. G.
Dom deutschen Kleinkaliber-Schietzsport. Von W. L i n d e n a u, Kreisschießmelster, Gießen.
Immer mehr breitet sich das Kleinkaliberschießen im Vaterlande aus, immer mehr sieht man ein, daß man es nicht mit irgendeinem geheimen, die Oeffentlichkeit scheuenden Rüsten zu tun hat, sondern mit einem reinen Sport, wie es Tennis, Fußball, Turnen usw. auch sind.
Eine neue innere Festigung hat der Kleinkaliberschießsport durch den am 3. Dezember 1926 erfolgten Zusammenschluß der drei großen Spitzen- verbande, nämlich des Deutschen Schützenbundes, der Deutschen Sportbehörde für Kleinkaliberschießen und der Reichszentrale zur Förderung des Kleinkaliberschießwesens in Deutschland zur „Reichsgemeinschaft für Kleinkoli- b c r j di i e b f p o r t" gefunden. Diese Reichsge- meinjchaft ist in den Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen aufgenommen, wodurch erneut ihr rein sportlicher Charakter bargetan wird.
Um aber nochmals jeden Zweifel an diesem alten, schon vom Turnvater Jahn gepflegten Sport zu beseitigen, seien im folgenden die sportlichen Leitsätze für unsere Tätigkeit allen Sportfreunden dargelegt.
1. Wir haben mit Politik nichts zu tun, nichts mit Außen-, nichts mit Innenpolitik. Wir wenden uns an den einzelnen jungen Deutschen, der in Bejahung seines Vaterlandes in unserem Sport
Kräftigung seiner körperlichen und geistigen Eigen- schaften, seiner Persönlichkeit, seines Charakters — unabhängig von feiner parteipolitischen Einstellung — erstrebt. Einbeziehung irgendwelcher Fragen des politischen Tagesstreites In unsere sportliche Tätigkeit ist ein Ausschließungsgrund.
2. Wir treiben nur Kleinkaltberspori und die diesen tragenden Leibesübungen.
3. Wir schießen nur auf festen, polizeilich abgenommenen Scheibenständen, nicht im Gelände. Unsere Sportentfernung ist nicht größer als 60 Meter. Wir führen die 12er-Ringscheibe mit dem großen, schwarzen Spiegel. Der Ringabstand beträgt 1 Zentimeter. Auf Entfernungen von 30 Meter und darunter, z. B. beim Schießen in Kegelbahnen usw. im Winter, haben wir eine kleinere Ringscheibe mit 6 Millimeter Ringabstand. Wir führen keine Figuren oder anderweitige Scheiben.
4. Wir benutzen nur die einfache Kleinkaliber sportbüchse von 5,6 Millimeter Kaliber, ohne Mehr- wdeoorrichtung, mit nicht wechselbarem Laus. Wir brauchen nur ein die Korrektur verschiedener Treffpunktlagen zulassendes Standvisier.
5. Unsere Munition ist die im internationalen Handel übliche Randieuerpatrone mit Weichbleigeschoß.
6. Unsere Vereinsbüchsen, im Durchschnitt 1 bis 2 je Verein, werden unter Verschluß Des Vereins gehalten, so daß mißbräuchliche Benutzung außer- halb des Sporriweckes ausgeschlossen ist. Mißbrauch führt zum Ausschluß.
7. Wir lehnen künstliche Ergänzungsmittel des
Sport» ab, wie Diopter, gemrohrnffiennrg, a» steckbare Mehrladevorrichtung u. dgl.
8. Wir lehnen als Ziel des Sports die oorzua*- weise Erreichung von Spitzenleistungen ab. Wir erstreben als Grundlage eine gute Durchschnitts- leiftung, aus der sich im Laufe der Entwicklung von selbst die größere Leistung, die bann auch dem zunehmenden Wettkampf gewachsen ist, cryibt.
9. Wir fordern die sportliche Freiheit, die jeder anderen Sporian zugebilligt wird, (ebnen aber auch die Verantwortlichkeit ab für Verstöße, die in den zahlreichen anberroeitigen Vereinigungen außerhalb unserer Drganifation gegen die Merkmale reinen Sports Vorkommen.
Wenn diese Leitsätze erst einmal mehr Allgemeingut unseres Volkes geworden sind, dann werden auch bald alle Zweifler verschwinden.
9n reiner Sportarbeit werden wir weiter kommen, und ich will hoffen, daß wir auch in unfern engeren Heimat dann Sporikräst« finden, die schon in diesem Jahre auf Einladung des Deutschen Schützenbunde» zu seinem in München beabsichtigten Bundesschiehen auf dem dem Kleinkaltberschießsport ein weiter Raum Vorbehalten wird, gesandt wer den und mit Ehren bestehen können.
Radfahrer-Wettkämpfe und Saalsporrfeft in Gieren.
Gestern veranstalteten die Gießener D. D. 9t- Vereine (Gießener Radfahrer-Verein 1885, die „Wanderer", Gießener Radfahrer-Gesellschaft von 1896, Rad-Club „Germania" und Radfahrer-Verein „Fortuna") im Saale des Cafe Leib den Kampf um die Meisterschaften 1927 des Lahngau e s Bund Deutscher Radfahrer im Saal- fahren, um den 2er Radballpreis der Stadt Gießen, verbunden mit einem auher- ordentlich fesselnden Saalsportsest. 9lad)bem am vormittag Die Dorwettbewerbe statigefunbe« hatten, wickelte sich nachmittags ber Hauptkampf um die Meisterschaften bes Lahngaues im Saalfahren ab. Ein sehr großes Zuschauerpublikum hatte sich zu diesen Wettbewerben eingefunden, das die verschiedenen Kämpfe mit starkem Interesse verfolgte. Ein hübscher, exakt gefahrener Degrüßungsceigen (12er Jugendreigen, eingeübt von Gaufahrwatt Muhl) bildete den Auftakt der radiporilichen Darbietungen. Hierauf hielt der Gau-Eyrenstraßenfabr- wart Marx die Begrüßungsansprache an die Ehrengäste, unter diesen Prooinzialbirektor Graes und Oberbürgermeister Keller, und die außerordentlich zahlreichen übrigen Besucher, wobei er die Bedeutung des Radsports für die Ertüchtigung unserer Jugend betonte und um die wohlwollende Förderung dieses Sports warb. Rack; einem Posaunensolo des Bundcsmitglieds Haoermehl dankte Gauoorsitzender Bellinger- Alsfeld den Gießener Vereinen für die Herrichtung des Festes und der Stadt Gießen für die Stiftung des Ehrenpreise», den die Vereine als einen Ausdruck des Interesses der Stadt für den Radsport betrachten. Weiter wies der Redner auf die erzieherische Arbeit hin, die im Bund Deutscher Radfahrer im Sinne des vaterländischen Wiederaufbaues durch die Weckung und Vertiefung ber Sportbegeisterung unserer Jugenb ausgeübt wirb. Diese Arbeit oerbkne bk vollste Unterstützung aller, bamit sie halb zu bem erstrebten Zkk führe. Anschließenb begannen nun bie spott- lichen Wettkämpfe, bie einen höchst feffelnbcn Sport, reich an fparmenben Momenten unb zeugenb von ungemein hoher Kunstfertigkeit in ber Beherrschung de» Fahrrads, brachten. Sämtliche Darbietungen wurden mit Recht durch lebhaften Beifall geehrt, sie offenbarten, daß in den Vereinen eifrig gearbeitet und dabei Wett gelegt wirb auf bie Aus bilbung von Gewanbtheit, Mut unb schnellster Entschluß ber Jungmannlchatt, baß hierbei in ber Tat erzieherische Wette geschaffen werben, bie volle Anerkennung oerbienen. lieber bas sportliche Ergebnis ber Wettkämpfe werben wir morgen berichten, ebenso über ben Verlauf ber Abenbveranstaltung, bei ber neben ben rabspottlichen Darbietungen auch das gesellige Moment zur Geltung kam.
Das Marburoer Univerfiläts- jubttaum.
Die 400-Jahrfeier der Marburger Philipps-Universität ist in großem Rahmen geplant. Am Freitag, 29. Juli, wird da« Gefallenendenkmal der Universität enthüllt werden, ein Fackelzua' und Begrüßungsabend in ber Festhalle, bie auf bem Kärnpfrasen errichtet wirb, schließen sich an. Der Samstag, 30. Juli, wird ein* geleitet durch einen Festgottesdienst in ber lutherischen Pfarrkirche. Um 11.30 Uhr finbet in ber Unk verütatskirche ber erste Festakt statt, bei bem bie Stiftungen überreicht unb bie Behörden unb Rektoren ber Schwesteruniversttäten begrüßt werben Am Nachmittag finbet bann bie Uebergabe ber neuen Institute statt: es finb bas bic Kinber- unb Ohren klinik unb oor allem ber JubilSumsbau, bas neue
soll fern von Rom bleiben. Denn bie Tatsache allein, daß ihm der oeränberk Rhythmus bes äußeren Werktagslebens soviel Unluft unb Mißstimmung erweckt, erweist zur Genüge, baß er gar nicht so tief unb schicksalsmäßig mit bem Ewigen Rom ber tragischen Vergangenheiten oeriniipft war, wie er sich unb anderen einreden möchte. Wäre es so: er würde über allem Lärm und (Betriebe dieses Ewige Rom auf Schritt und Tritt wiedorfinden. Es würde die selbe erschütternde Sprache zu ihm sprechen, die es zu allen sprach und spricht — heute wie je — die hingeneigten Ohres zu ihm kommen und um so deullicher hören, je liebenswürdiger sie dem Ge räufd) des zeitlich äußeren Lebens seine Berechn- gung zugestehen. So oft ich nach dem Krieg in Rom war: cs war immer das Ewige, das überzeitliche Rom, das ich mühelos neben bem zeitlichen «lieber ranb: ja seine Gewalt über mich war noch gesteigert durch bic Wirkung ber Gegensätze (ber im OJrunbe nur scheinbaren): so wie Die Macht alles wahren Seins sich immer steigert an bem Beispiel allzu- heftigen Werbens! Aber es ist ja gar nicht dieses gott- unb flöttercrfüüte Sein ber Ewigen Stabt, bem jene Enttäuschten unb Ernpsinbsarnen nachtrauern: cs ist ja nur ihre eigne, zerstörte Bequemlichkeit, bie sie bejammern, ihre verschwunbene Beschaulichkeit: ihre ganz unb gar bürgerliche Art unb Weise, sich mit Rom auseinanderzufetzen unb in ben Schätzen Roms zu stöbern. Aber Rom hat nichts an ihnen verloren: so wenig es verloren bat an all ben Schreibern, Pinselern, Meißelern, Die ihre Mittelmäßigkeit durch die berühmten Irattcrlen und Osterkn spazieren trugen und sich für Lieblinge der Götter hielten, weil sie weinseiiger als kunstselig waren . . . Rom kann verzichten auf dieses „Volk der Künstler": seine großen Liebenden werden im mer die Einsamen sein: die aus sich heraus zu ihm kommen und lautlos untertauchen im xaO'ßXcv seiner Seele, zu langer unb beftätigenber Weihe. Denn es ist unb bleibt bas große Vatcrlanb aller ergreif; baren unb crfdiütterbaren Menicken di, zu den
ewigen und deutlichen Sinnbildern irdischer Geschichte flüchten, um sich der ganzen Tiese Gottes einzuvcrkiben.
Hat man es auf sich genommen, Freunden, die zum ersten Male in Rom finb, in wenig Tagen einen wesenhaften Einbruck von ber Ewigen Stabt 3« geben, so muß man nichts so genau wissen als dieses: welches Licht unb welche Schatten zu jedem Ding gehören: in welcher Stunde es fein eigenstes Leben lebt und am süßesten mitteilt.
Unser erster Gang galt den Gärten des Pincio. Mit kaum einem Namen Roms verbindet sich so sehr wie mit diesem ein Festliches und Feierliches, das ruht und ausruht, ein wenig fern bleibt, nicht ganz aus seiner Zurückhaltung hervottritt Unb irgenbeine Melancholie birgt, wie sie immer Orlen üiibaftct, die in breiter Terrasse an ein Meer von nahen Dächern und Türmen, an verlausende flache Hügel unb Ebenen rühren. Vom Gelänber bes Pincio kann man nickt, wie von dem bes Piazzale Michelangelo in Florenz, losgelöst von ber Stabt in der Tiefe, zu gleich hohen unb höheren jenseitigen Hügeln hinanschweben. Man ist noch in der Stadc, obwohl schon über ihr, ihre Schwere zieht noch nieder, ihr Atem schlägt noch an unseren Mund . . Und wenn auch in unserem Rücken kühles, grünes Dunkel winkt und wartet, Dunkel aus Steineichen unb Lorbeer, wenn verborgene Brunnen mit Dünnem Strahl unb perlenbein (Betropf aus flachen Schalen einlaben zu schläfrigem Traum, der die Stunde tötet: wir können uns der Stadt, ber anbrängenben, nicht erwehren, müssen immer wieder versuchen, sie zu deuten, in ihren Teilen zu benennen, an denen wir so wenig unmittelbaren Anteil hoben . . . Unb es wirb immer eine Beklommenheit von uns fallen, wenn wir ben Fuß auf die oberste Stufe der Spanischen Treppe fetzen, um langsam hinabzuskigen in bas Leben ber mittag« licken Stunbe. bas uns sogleich mit sich vermengt, an bie Schaufenster zwingt, vor bk ’Blumenftänbe,
an bies unb jenes schone menschliche Bildnis. au» dem uns — vielleicht — ein Abenteuer, eine Begegnung, ein Erleben erblühen kann. Es ist immer entzückend, durch Lichtgesprenkel und flatternde Farben die via Condotti entlang nach bem Eorso zu gehen, bie Richtung ber Piazza Venezia zu nehmen, am Faraglia seinen Vermouth zu trinken unb ,zu« rückzuschkenbern in bie Gasthosc ber oberen Stabt, beren Vestibüle kühl unb voll goldbraunen Schweigens sind . . . Unb es ist (ommelnb unb belebcnb zugleich, nach Tisch eine halbe Stunde lang zu träumen, an jedem neuen ersten ober ersten ersten Tag in Rom. sich leße zu sagen. ..Dies ist Rom: biejes steile Licht hinter den geschlossenen Lädcn, dieies Rufen über einen glühenden Hof hin, dieser Fall einer Orangenschale auf ein Glasdach, dieser Singsang eines Hausburschen, ber brühen, im Nachbarhaus, ein leergewordenes Zimmer reinigt . . Aber eine Stunbe später werbe ich auf bem Forum stehen, über Stufen roanbeln, bie ber Fuß ber Vestalinnen berührte, an rofenumftanbenem Wasserbecken sitzen, wo bie heiligen Frauen abenbs ausruhten, wenn es sie noch gekühlter Luft unb bem gelösten Duft ihrer gehüteten Blumen verlangte . . . Unb um abermals eine Stunbe später werbe ich im verbrannten Grase bes Palatin liegen, nicht fragend, nicht wißen wol- lenb, ob dies Das Haus ber Livia sei unb jenes Der Palast bes Tiberius ober bes Septimius Severus: nur liegen unb wieber leise vor mich hin« sprechen bie verzaubernben, silbernen Silben: Palatin: Silben des Glanzes unb bes Lichtes, Silben kaiserlicher Höhe über bem Abgrunb kaiserlicher Schwermut: benn ben Göttern bes Schmerzes wehrt fein menschlicher Türhüter — unb jene Fernen, Vergangenen litten unb trugen wie wir unb lösten doch nie bas Geheimnis . . .* Ja: bieses ist es, was in uns hinüberzkht ben ungeheuren Duft ber Gröhe, den namenlosen Schauer des Leibes über Dem Vclatin: nur )u verharren unb zu lauschen in bie raunenbe Lust, bie ben Gesang ber Steine tönen läßt: ihn ausiauqt aus verwitterndem Atom
und jedem Lauscher so am Ohr verwandelt, wie et ihn hören muh durch die Bestimmung seine» Blutes . . .
Unten aber, hinter dem Geländer, ist wieber Rom, sich bes sinkenben Nachmittags freuenb, finb Brunnen, unzählige, mit quirknbem Wasser und dort ist die Campagna, in Staub unb Thymianbust... unb bort bie Berge von Frascati, mit Kastanien- wäldern . . . unb hier, wie nah unb areifbar plötzlich im sich roanbelnben Licht: ber Aventin, noch süßerer Lautverschwisterung, noch rührenberer Me- lobic . . .
Dies ist ber Berg ber Tagesneige ... ber Hüpel bes gefriedeten Sichres . . . Diele neue Häuser finb hier gebaut worben, oiek Felbwege zu Straßen ge wölbt unb geglättet: aber es thronen über bem Werk der Menschen San Alesstos Türme, Santa Sabinas wundervolle Säulenschwünge — wir sahen sie schon gefüllt vom grauen Duft der Nacht, vom Beben der ewigen Lampe angeschattet — unb bie unverletzliche (Barkneinfamfeit bes Maltheserprio« rotes . . Eines noch bleibt, ehe mir nieberjktgen: im Gatten bes Castello bei Cesari jene Viertelstunde zu verweilen, wenn die Sonne, versinkend, ihr Blut in den Zypressen des Judensriedhofs unb ben Stein eichenwipseln bes Palatin verströmt . . . Doch schon bebt bas Angelus von Santo Prisea unb brängt ben Schauer zurück, ber uns bem Abenb selber gleichmacht.
In vielem Licht ber lauten, frohen Ufer und schwerem Weine von Frascati verlosch uns dieser erste Tag von Rom. Erlauscht war Maß unb Melodie: was uns bk anbern Tag« brachten, verwob sich zu bem großen Gesang, ber uns im Abschieb ganz in feinem Dann hielt. In feinem AusNang rauschten die Wasser der Villa b'Este aus sonnen- gesprenkelten Lauv, über seiner Trauer brannten die schweren, trüben Feuer am Himmel ber Tarn pagna, bie unsere letzte Einfahrt in bie rufenbe, bergende Stadt begleitet hatten.


