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Nr. 55 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger ff r Gberhesfen)

Montag, 7. März (927

3mam Iahia und sein Land.

Don unserem J. B-*0rienttortcftrcnbenten.

Kairo. Ende Februar 1927.

In der äußersten Südwestecke Arabien- Iiegt toe wette ficfKimntdt>o(It Land deS fd)iitt- Ichen PriestertönlgS 3mam 3 ahio mit lernen fruchtbaren Ebenen, seinen wild, tausende von Metern gegen den Himmel stürmenden Fels- «Gebirgen und den zwischen dielen eingebetteten achenden Tälern. Obwohl das Land schon den Alten bekannt war. die es schon wegen der be­sonderen Sigen'chasten seine- Klima- und DodenS in scharfer Unterscheidung gegen da- übrige Ara­bien. .Arabia felix. das glückliche Arabien" nannten, ist es doch noch heute eine- der uner­forschtesten. nur von wenigen Europäern läng- der Hauptverkehrsstraßen bereisten L.inder der Erd«. Dies kommt daher, weil der größte Teil der Vr- völkerung einer besonder- sremdenscindlichen 'llamttilchcn Sekte angehört und geographische Verhältnisse die 'Detteidiguna de- Lande- gcgen Eindringlinge besonders erleichtern. Iahr-ehnte- lana besahen die Türken das Land, aber obwohl alljährlich viele brave anatolischc Soldaten ihr Leben lassen muhten, war e- ihnen doch niemals gelungen, die türkische Herr'chast bauernd über da- Gebiet von Sana, der 2033 Meter hoch ge­legenen Hauptstadt bcS Land«-, und deren Tk-r- bindungsllrohen zur Küste hinaus auszudebnen.

Als während de- Weltkrieg«- die Türken da- Land der großen Entfernung von Anatolien wegen nicht mehr zu verteidigen vermochten, übertrugen fie die Verwaltung desselben ihrem bisherigen, lange von den Engländern protegierten Feind 3mam 3ahl0 und überliehen diese- alles dort vorhandene Kriegsmaterial und türkische Offi- ziere und Beamte zur Organisierung seiner Armee. DaS var ein Schachzug, der nicht nur einen so­fortigen Umschwung in den Sympathien Iahia- veranlaßte, sondern noch heut« für die Eng­länder und deren arabische Politik recht unan­genehme Wirkungen auSlöst.

Obwohl England nach dem Weltkrieg die Unabhängigkeit des 3emen auch weiter aner­kannte. unterstützte eS doch offensichtlich jede ein­geborene Macht der arabischen Halbinsel, die im Degensatz zu Imam 3ahla stand und diesem ge­fährlich werden konnte, zunächst den König deS Hedschas. H u s s e i n, dann, al- dieser zugunsten des mächtiger gewordenen Mahabitensürsten fallen gelassen wurde, den Sultan Ibn Saud. Dieser Gegensatz Iriit besonders in der Ange­legenheit des zwischen Hedschas und Jemen ge­legenen Reiche- A l i r zutage. Dort halten sich chon zur Türkenzeit aus Westafrika eingewan­derte Abkömntlinge der Familie der Idrisiten ein kleines Reich gegründet, welche- während >es Weltkrieges von England subventioniert und I# unabhängig anerkannt worden war. Während >ie Grenzen Asirs sowohl von König Hussein Is auch von Ibn Saud respektiert wurden, fand >mam 3ahia die Gelegenheit für günstig, die Grenzen seines Gebietes gerade auf Kosten des lum mehr Einwohner als daS ehemalige Monte- cgro zählenden 3drisitenstaateS zu erweitern. >m 3ahre 1924 besetzte Imam Iahia den osiri- ' Yen Hasen Höbet da. der seitdem den Haupt- ' afen 3emenS darstellt. Rur die energische Hal- ung Englands hinderte ihn. daS ganze Asir inzustecken Der Sultan von Asir. Di di Aly. ist leither eifrig bemüht, seine Stellung zu stärken. Durch Berkaus der Petroleumguellen auf den zu Asir gehörenden Farsaninseln an eine englische Gesellschaft verschaffte er sich Geld. Waffen und Munition, während ein Bertrag mit dem Waha- bitensultan 3bn Saud ihm Rückenfreiheit und militärische Hilfe sicherte. Aber auch Imam 3ahia hat angesichts des Zustandekommens dieser Koa­lition zwischen England. 3bn Saud und Asir Anschluß gesucht und ihn bekannllich bei Mussolini gefunden. Durch einen Bertrag sicherte sich Italien ein gewisses Handels- Monopol in 3emen, wofür eS die 11 n o t> - hängigkeit diese- Landes garantiert. Das Wichtigste an den italienischen Beziehungen ist für 3mam Iahia jedoch, daß er Flugzeuge. Waffen unb anderes Kriegsmaterial als Ge­schenk der Italiener erhalten hat, uttd daß italie- Nische Ofsiziere ihm Radiostationen und ähnliche nützliche Dinge einrichten usw.

Es stehen sich also zwei scharf umrissene Gruppen gegenüber, die beide mit fremden Mit­teln Wettrüsten und jeden Augenblick aneinander geraten können. Dorläufig sind sie das zwar noch nicht, wenn cs europäische Blätter auch behaup­teten und ein aus Sübarabien zurückgekehrter deutscher Iournalist unlängst zu erzählen wußte, daß er selbst die Kricgserllärung Asirs an Iemen überbracht hätte: wenn auch schließlich die Mission

Zweites Vaterland.

von Alberi h. Bausch.

. in.

Rom.

Bur verließen Florenz am soaten Nachmittag und kamen vor Mitternacht nach Rom. Ein glühen­der Mittag, den wir in den Gortenheimlichkciten von Fiesale verbracht hatten, ein Mittag, ganz in blauen Glast gespannt, überschwemmt vom heißen Duft des Labkrautes, hatte uns leicht und fröhlich gemacht, die Kinne gelockert und der Empfängnis vorgcahntcr, noch tieferer Schönheit geöffnet. So erschien uns die Fahrt sehr kurz, und die Stunde der Ankunft fand uns in seltener Frische. Fast alle Menschen denen das Rom vor 1914 sehr vertragt war. betreten das Rom von heule mit Beklemmung und die meisten verlaßen es voll Enttäuschung. Sie finden sich nicht mehr zurecht in der sehr veränderten Stadt. Sic agen, ihnen fehle das Heimatliche, das sic früher o lehr bestrickt und sestgehalten habe. So oft ich oliye Dinge sagen hone, konnte ich mich des Ge ühles nicht erwehren, daß dielen Enttäuschten nie­mals gerade dos in Rom die Heimat gab. was das überzeitlich-römische ist. und ich konnte nicht viel Bedauern für sie auf bringen. Dor allem aber fand ich. daß sie offenbar schon in den letzten fünf Jahren vor dem Ausbruch des großen Krieges die sichtbare Wandlung nicht gespürt hatten, die sich inihrem" Rom vollzog, oder daß sie sie nicht hatten spüren wollen, weil sie der überkommenen Romantik chrer Einstellung unbequem und feindlich war. Die meinen Deutschen, die noch keine Gelegenheit hatten, in Vie Ewige Stadt zu kommen, verknüpfen mit ihren Darstellungen von Rom noch Eindrücke, die sie in Goethes .Italienischer Reise" oder in den Schilderungen eines Grcgorooius und Dicwr Hehn vielleicht auch in Schlözers Briefen oder ähnlichen

Zaki Paschas, eines arabischen VclehNen. her von ägyptischen Prinzen nach Arabien griandt war, um die beiden feindlichen Gruppen zu ver­söhnen, offiziell al- gescheiten erklärt wurde. ES ist nämlich gegenwärtig höchst unwahrscheinlich, daß cs überhaupt zu einem Kriege von bedeutungslosen Pläukc'een ahzeschm kommt, einfach deshalb, weil feiner der bciden Teile da- Risiko des 2 n g r i f s s aus sich nehmen wird. Imam Iahia wird dicS nicht tun. well er nicht mehr einem ungerüsteten und freund los en Asir gegenüberstcht und feine Leute sich bdkr zur Verteidigung der Ieminitischen B.Tge als -um Angrisf eignen Ibn Saud und Sidi 2ll: anderer­seits wissen, waS das Kriegsührcn in eben diesen Ieminitischen Bergen «inst den ungleich kriegs» tüchtigeren Türken gekoste: hat. Trotzdem wird weiter gerüstet, einfach deshalb, weil eS auf beiden Seiten andere England bzw Italien sind. welche die Kosten tragen Es müßten wohl besondere Krästcver'ch eaungen ein­treten. um einem der beiden Teile einni Krieg genügend erfolgversprechend erscheinen zu lassen

Man hat auch behauptet, daß die italie­nische offenbar gegen englische Interessen gerichtete Innenpolitik nur den Zweck habe, gegen ein Ausgeben der jungen italienischen Inter­essen in Südarabien. wirtschaftlich wertvol­lere Kompensationen, etwa in Syrien, zu erhalten Ich kann die Möglichkeit solcher Kom­pensationen nicht einschen Frankreich geht meiner Ansicht nach heute aus Syrien weniger denn je heraus. dagegen scheint es unS wahr­scheinlicher. bah eS England nicht ungern flcfjt, wie der unruhige Mussolini sich im Iemen festlegt, wo er möglicherweise noch recht unan­genehme Erfahrungen machen wird. Schon hat sich der mißtrauische Imam Iahia nach an­deren Derbindungcn als Gegengewicht zu seinen italienischen Bundesgenossen umgefehen und einen Gesandten nach Angora geschickt: nach Angora deshalb, weil die Reise nach Moskau viel länger dauert und schließlich auch in Angora des letzteren orientalische Geschäfte besorgt zu werden Pflegen

Die Angaben über die Devölkerungsstärke des Iemen schwanken zwischen einer und vier Millionen Die Wahrheit dürfte der unteren Grenze näher liegen Etwa dreiviertel der Ein­wohner gehört der schiitischen Sekte der ®ci- b i t c n an, deren religiöses und wcltllches Ober­haupt der jeweilige Imam aus der Familie des Kalifen Ali ist. der stets al- Vertreter des Propheten und unfehlbarer Bollstrecker des gött­lichen Willens auf Erden gilt. Die Sekte steht bei allen übrigen QHuflamen, die anderen Schiiten mit cingeschlossen, im Gerüche der bösesten Ke^erei. Die Hafenstadt Höbe i da ist vom Suezla il in etwa vierzehntügiger Dampferfahrt zu erreichen, welche durch mangelhafte Anschlüsse bedeutend verzögert wird. Hodeida hat etwa 10 030 Ein­wohner und kein Trinkwasser. Die Reise nach der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Sana nimmt ungefähr fünf Tage in Anspruch. Als Landeswährung gilt der Marientheresientaler.

was geht in Rußland vor?

Don , *

Während ble Augen Europas nach dem Fernen Osten gerichtet sind, wo sich in Ehina unerwartete Lösungen vorzubereiten scheinen, kommen aus der Ukraine, wenn auch noch so spärlich, Rachrichten, die zum Aufmerken zwingen Der ukrainische Sowjet-Kongreß, der Anfang Iuni in Charkow tagen wird, soll auf seinem Programm nichts mehr und nichts weniger stehen haben als die Frage einer vollkommenen Autonomie des ukrainischen Staates und eine Umwandlung des kommunistischen SystemeS in ein republikanisch-demokratisches. Erwägt man, daß die Ukraine 40 Millionen Einwohner hat, daß sie über eine außerordentlich fruchtbare Erde und gewaltige Bodenschätze verfügt, so wird man ermessen, was die Derwirllichung der erwähnten Pläne an Rückwirkung auf Europa auSlösen müßte. Man hat In London, in Rom und zu allererst in Berlin schon seit geraumer Zeit den Dorgängen in der Ukraine besondere Auf­merksamkeit geschenkt. Gerade für uns Deutsche würde die Schaffung einer unabhängigen und nicht mehr kommunistisch regierten U&ainc von außerordentlicher Bedeutung sein Sie würde ein Absatzgebiet für menschliche Arbeitskraft und in­dustrielle Produkte darstellen, daS sich zu ge­winnen und zu erhalten oberste Ausgabe der deutschen Außenpolitik wäre. Sin freundschaft­liches DerhälttriS zu dem neuen Staat würde aber auch, rein politisch, die Stärkung unserer Stellung im Konzern der europäischen Mächte

Berichten geistig bedeutsamer Menschen empfangen haben. Und eben weil ihnen der Begriff der Ewigen" Stadt tief im Blute sitzt, nehmen sic an. diesesEwige" muffe sich auch in nur sehr geringem Wechsel der Erscheinungen des äußeren Lebens be­stätigen Einer solchen Auffasiung fehlen alle Vor­aussetzungen der Wirklichkeit. Sie sind blutlos und schwächlich, sic zeugen von einem starken Mangel an gesundem Menschenverstand und Willen Die natürliche Sprache des Heute zu verstehen.

Rom ist die Hauptstadt eines fühlbar wachsen­den Reiches, das. ganz wie das deutsche, seine Ein­heit nach unsäglichen Leiden und mit viel kostbarem Blut der eignen Söhne erkauft hat. Mehr als ein Jahrtausend lang immer wieder die Beute und Ausbeute fremder Mächte, hat sich schließlich das Doll auf feine höhere Sendung innerhalb des Mit- tclmeerkulturkreises also Europas besonnen und begreifen gelernt, daß es nur als staatliche Ein­heit feine wirkliche Aufgabe erfüllen kann. Als es dann nach Vertreibung der Franzosen aus dem Kirchenstaat und nach der Vernichtung der welttichen Macht des Papstes Rom zur Hauptstadt des neuge- schaftenen Staates erhob, übernahm es natürlich schon mit diesem Romen das Gewicht einer ungc beuren Vergangenheit und damit natürlich die Ver­pflichtung, feiner Metropole auch aus eignen Kräf­ten eine ebenbürtige Gegenwärtigkeit zu schaffen. Es hat Iahr,zehnte gedauert, bis dieser Gedanke, der in jedem italienischen Herzen lebte, von leidenschaft­licher Äugend (die sich um die Ädea Rationale sam­melte) zur Forderung erhoben wurde. Selbstver­ständlich war im Lause der vierundoicrzig Jahre, die zwischen der Reichsgründung und dem Aus­bruch des Weltkrieges lagen, schon vieles geschehen, was in der Richtung dieser Forderung lag: aber es war nach Auffasiung der heißblütigen Derlanger immer noch nicht genug geschehen. Es ist mehr als begreiflich, daß sich der junge Italiener beleidigt fühlte, wenn er immer wieder von den Fremden zu

überhaupt bedeuten. Unser Verhältnis zu Ruß­land brauchte in keiner Weis« getrübt zu werden. Polen gegenüber hätten wir c.ncn wertvollen Bundesgenossen und die Erleichterung unseres Absatzes gäbe unS freiere Hand in der Modifi­zierung unterer Handelsverträge mit Westeuropa.

Eine wefentllche Entspannung des russisch- englischen Gegensatzes ist von der Autv- nonnsierang der Ukraine nicht zu erwarten Ruß­land wird, nach wie vor, in Asien stark bleiben, und England wird ihm kaum ander- beikommen können, als durch ein neue- Bündnis mit Iapan, dessen antibolschewistische Haltung ja au- »einer Stellungnahme zu den chinesischen Wirren her- vvrgeht. Brächte eS die englisch« Politik. im Deretn mit der japanischen, fertig, dte nord- und südchinestschen Geaensätc zu überbrücken, d. h. den einheitlichen Staat Ghtna. In welcher Form immer (sofern einer mdx pp[fdx:unft'JdNn' wieder herzustellcn: so hätte sie einen ungeheuren Triumph errungen. Es tarnt als sicher angesehen werden, daß England jede freiheitliche Bewegung in der Ukraine unmittelbar und mittelbar seit langem schon unterstützt hat. so wie es ja auch seit geraumer Zeit Polen den Rücken stärkt, um eS in dem großen Spiel gegen die Sowjet- ein- setzen au können. Man hat sicher wieder in Eu­ropa Den Fehler gemacht, die Deine Prestige« Riedetlage Englands in Schanghai zu über» schätzen. Die Politik dieses Staate- erscheint stets von neuem genial, sobald man von dem Einzel-

Hören bekam, man komme ja nur in basalte" Rom (ober in bas Rom, welches bas Symbol ber katholischen Kirche ist), als ob bic Lebenden nicht zumindest den Anspruch darauf erheben könnten, daß ihr Sc-Sein nicht übersehen werde neben dem Roch-Da-Sein großer Vergangenhetten: und sei es nur im Anhauch einer noch wehenden tragischen Atmosphäre. Es ist sogar vollkommen begreiflich, daß die jungen Stürmer und Dränger einen Haß auf diesesGewesene" warfen, das ihnen auf Schritt und Tritt als Hemmnis entgcgentrat, und feine Dernichlung predigten. Es blieb kühleren, wenn auch nicht weniger ihr Land liebenden Herzen Vor­behalten, auf die enae wirtschaftliche Verknüpfung gewesenen und seienden Lebens hinzuweisen und Torheiten zu verhindern, die leicht hätten begangen werden können. Aber keine noch so große Ehrfurcht vor ber gewaltigen Geschichte der otabt und den vorhandenen Zeugnissen für diese Geschichte ver- mochte noch den Willen zu heftigster Bewußtheit des Geschehnisies derrinnenden" Minute zu er- sticken: und es begann, schon Jahre lang vor dem Krieg, jene Epoche gesteigerter und übersteigerter Tätigkeit, die ihren letzten Ausdruck erst durch die Teilnahme am Ärieae selbst und durch taffen er­folgreiches Ende fand. Nirgends wie in Rom, der Hauptstadt von Mailand und Genua abgesehen , wurde der Rhythmus, der oft noch überhitzte, so bis ins Kleinste fühlbar: nirgends auch zwang er sich so sehr dem fremden Besucher auf, der oft nicht geringe Mühe hatte, sich mit ihm abzufindcn. Er suchte in Rom ein Idyll wie er es in anderen Städten noch gefunden hatte und fand Lärm und Tumult einer Weltstadt, welche vor allem die Haupt­stadt eines einbcitlich, nicht bundesstaatlich regierten Königsreichs ist. Er fand saufende Wagen, em un-- unterbrochenes Ineinandergellcn von Hupen, krei­schende Bahnen, eine nach der anderen, in den wasiergekühlten Kurven der auf- und absteigenden Schienenstränge, Last karr en mit Bausteinen, wohin

Phänomen (da- natürlich einmal ein negatives reichen tragen kann!, auf die Gcsamtzusam- menbänge Hinblick! Da ergibt sich mit einem Male das ganze Spiel der Kräfte: unbeirrbar«, aber äußerlt gezügelte Energie Im Hinschreiten auf das Endziel, unendliche Geduld. Geheim» Haltung und bewußte Derdunllung des Ange» ftrebten. und mehr als deutliche Sprache da. tun eS di« Umstände gestatten.

Deutschlands eitle liegen an weu klei­nerer Peripherie Es scheint, tatst, insoweit die Ukraine in Betracht kommt. England- Absich.cn uns gute Perspektiven eröffnen Sine ausge­sprochen russische Orientierung ist in Dcutlchlaird immer nut von Darren befürworte, worden. Wenn eS die Gunst der Stunde erlaubt, brauch:« wohl auch Deutschland nicht aus lauter Wohl­wollen für die Sowjet- eine gute Gelegenheit zu .verpassen, die ihm von einer rußland-feindlichen Macht gegönnt wird: ja die eS sich selbst mit zu schassen alle Gründe hat. DaS Auswärtige Amt wird die Hände nicht in den Schoß lege \ dürfen. Reben den ungeheuren Ausgaben, die cs noch int Westen zu lösen hat. scheinen ihm In aller Still« nicht minder bedeutsame im Osten zu erwachsen. E-s ist an der Zeit, deut Doll die Augen zu offnen über beginnende Möglichkeiten, und das Interesse von bedeutungslosem innerem 3anl auf Ziele zu lenken, bereit Erreichung Einheit und Haren Willen vorau-schen.

er nur die Schritte lenkte, fei es für neu zu pfla­sternde Straßen, sei es für neu zu errichtende Hau fer ungeheuren Umfanges, er sand verschwindende ©orten und Feldwege, niedergelegte Gossen, damit Platz werde für bequemere und gesündere Fahr­straßen, neue Villenviertel, wo noch bis vor kurzem Derträumtc Debe und Einsamkeit sich ausgebreitet hatte. Und er fand Menschen, die ganz beseelt waren vorn Geiste der Tat, im großen und im kleinen, Menschen, die an den Sinn dieses Wirkens und Werkens glaubten: weil sie eine fanatische Liebe zu chrem Vaterland hatten, desien unbedingte Größe und äußere Macht sie hcrbeigefuhrt und gesichert sehen wollten. Äein Volk, das die fruchte eines für es erfolgreichen Krieges erntet, wird jemals auf am deren als stofflichen Gewinn bedacht sein, auf Reichtum, Glanz und Fülle aller äußeren Dinge. Um anderes. Höheres zunächst zu erstreben: dazu bedurfte cs einer Reife, die, solange die Erde be­steht, noch nie eine auffteigenta oolkhastc Gesamt­heit besessen hat. Wie es neben seiner äußere» Vervollkommnung seine geistige, künstlerische und echische Oberschicht bildet: das ist eine Frage für sich: eine Frage, die den Massen, in welchem Staat auch immer es fei, fremd und gleichgültig bleiben wird. Daß sich vor der Geichichtc und Gott erst durch die äußerst« Leistung ferner Ober schicht ein Volkerweist": das wissen seine Be­rufenen und Erleuchteten: es ist also ihre Aufgabe, die ihnen innewohnende Sendung zu erfüllen. Es bleibt abzuwarten, was Rom auf die Fragen, die nach dieser Seite hin an es gestellt werden, ant warten wird. Und es bleibt die Pflicht der Frem­den, keine Urteile zu fällen, ehe die Zeit erfüllet ward".

Wer sich nicht abfinben will mit dem Rom des heurigen Tages, wer, von schwächlichen Empfindlich­keiten und Ressentiments erfüllt, der Meinung ist, die Stabt habe sich durch eben ihre Wandlung an ihm persönlich gerade an ihm oeriünbigt der

Fahrplankonferenz in Nidda.

In dankenswerter Weis« hatte der Fahr- plan-Dczernent der Rcichsbahndirektion Frank- furt a. M.. Oberbahnrat Pietz, zur Erörterung ber verschiedenen Anträge den IahreSfahr- plan 1927/28 betr. bic Interessenten auf Samstag vormittag nach R i b b a in daS Gast­haus .Zur Krone" eingclaben. Etwa 40 Herren hatten ber Einladung Folge geleistet. Erschienen waren u. <t als Vertreter der Provinz Ober- Hessen Oberregierungsrat Dr. Heß» Gießen, ber Dorsitzende des Verkehrsbundes Oberhelsen, Bei» geordneter Dr. Hamm- Gießen, ble Vertreter ber Kreise. sowie ber ötäbte Gebern, Lauterbach, Hirzenhain. Ribda. Schotten, Bübingen. Hungen, Laubach. Lich, Ver­treter des Vogelsberger HöhenllubS, der Kammern für Handel, Gewerbe, Industrie von Gießen unb Friedberg, des Kur- und Verkehrsvereins Bad Salzhausen-Ribda u. a. m.

Oberbahnrat Pich- Frankfurt a. M., mit bem noch verschiedene andere Herren der RcichS- dahndirektion erschienen waren, eröffnete die Ver­sammlung durch Worte der Begrüßung und unter Hinweis auf Zweck und Bedeutung der Bespre­chung. worauf Bürgermeister Ringshausen- Ridda die Anweserrden namens der Stadt will­kommen hieß, dem Vorsitzenden Worte deS DaickeS widmete und den Verhandlungen erfolgreichen Verlauf wünschte.

Auf Anfrage des Vorsitzenden deS Derkehrs­bundes Oberhessen, Beigeordneten Dr. Hamm, ob außer der gegenwärtigen Besprechung noch eine weitere Zusammenkunft über di «hier nicht zur Verhandlung stehenden Fahrplanfragen be­absichtigt sei, erwiderte Oberbahnrat Pietz, daß er eine solche, fall- er sie für notwendig erachten sollte, demTiächst in Gießen abhalten werde. Die heutige Tagesordnung fei begrenzt durch die Anträge betr. den Verkehr auf den Strecken: Fried berg Nidda Schotten, Vilbel Stock­heim Lauterback), Friedberg Hungen Mücke, (Biesen Gelnhausen.

Die Fahrplanwünsche dieser Strecken wurden auf Veranlassung des Vorsitzenden jeweils durch Ver­treter der betr. Gegenden vorgetrag m und. fowett geboten, durch den Vorsitzenden des Derkchrs- oundes Oberhessen unterstützt und ergänzt.

Dte Grundlage der Verhandlungen bildete die von dem Derkchrsbund Oberhessen an die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ein- gereichte, alle bei dem Bund eingegangenen Wünsche umfassende Eingabe, die wir seinerzeit im »Gießener Anzeiger" tm Wortlaut veröffent­licht haben.

Unter Eintritt in die eigentliche Tagesord­nung verhandelte man zunächst über die

Streck« D'lbelStockheimLauterbach.

zu der Bürgermeister Müller-Gedern ein recht stattliches Bukett von Wünschen zu prä­sentieren hatte. Seine Ausführungen wurden sachdienlich unterstützt durch eine Reihe weiterer Repräsentanten des mit Recht so beliebten schä­mten grünen Vogelsberges, die für bessere Ver­

kehrs Verbindungen mit diesem herrlichen Stück oberhessischen He.matbodens jeder nach (cii er Art eine Lanze brachen.

Oberbahnrat Pietz, ber daS fei hier im voraus ganz allgemein betont bic nicht leichte und einfache Derhandlungsmaterie durchweg ohne jede Voreingenommenheit mit großem Ent­gegenkommen und verständnisvollen Eingehen auf die vorgebrachten Wünsche $u meistern wus te, unterzog die von Bürgermeister Qllullcr qege­boten Anregungen einer eingehenden sachlichen Prüfung, bereit Ergebnis wir am Schlüsse diese- Berichts int Zusammenhang mit den anderen Resullaten der Konferenz zusammenstellen.

Zur Strecke Friedberg Hungen Mücke sprach zunächst der Vertreter von Laubach über wünschenswerte Fahrplanverbesserungen auf der Strecke Hungen- Mücke. Kommerzienrat LangSdorf regte Aenderunaen auf tat St ecke Hungen Friedberg im Sinne besseret Anschlüße in Friedberg nach Frankfurt hin an. Der Ver­sammlungsleiter steht den Anträgen im allge­meinen zustimmend gegenüber.

Beachtenswerte Wünsche für den Fahrplan auf der

Strecke Friedberg RibdaSchotten wurden im Sinne einer besseren Berücksichtigung des Bades Salzhausen von dem Vertreter der Handelskammer Friedberg vorgebracht, woraus Oberamtsrichter Krug- Ridda seht eingehend die Interessen ber Stadt Ridda an der höchst notwendigen Herstellung einer besseren Früh- verbindung von Friedberg nach Ridda vertrat, und eine bessere Rachmittags- und Abcndverbln- dung in umgekehrter Richtung forderte. Von mehreren Rednern wurden diese Wünsche nach­drücklich unterstützt. Auch hier soll nach Mög­lichkeit Abhllfe geschaffen werden

Die erstrebenswerten Verbesserungen des FahrplanS auf der

Streck« RiddaSchotten wurden von Bürgermeister QHcngel»Schotten geltend gemacht und fanden gleichfalls bei Otar- oahnrat Pich wohlwollendes Verständnis.

Für die

Hauptstrecke Gießen Gelnhausen wurden gleichfalls mancherlei Fahrplanverbefse«' rangen vortzeschlagen und von mehreren Rednern näher begründet. Einige dieser Wünsche wurden von dem Vorsitzertden teils bestimmt ab gelehnt, teils alS sehr wahrscheinlich unerfüllbar bezeich­net. So hält Oberbahntat Pietz das Begehren von Bürgermeister H i l d n e r - Büdingen, den zweiten Früh-Schnellzug BerlinFrankfurt a. M.

Tprechstuttdeti ber Redaktion.

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