Einzelbild herunterladen

rungen in Europa bei einem Abseitsstehen der Vereinigten Staaten können inb.rekt toieDer veränderlich über die Herrschaft im Stillen Ozean entscheiden- Wie kann sich Amerika da zurüclhalten? Sine Vereinbarung zwi­lchen Washington und London in bezug sowohl auf daS chinesische, als auch das russische Pro­blem vor Monaten würde die augenblicklichen Schwierigkeiten und Gefahren abgewandt haben.

Rußlands Traum der Weltrevolution wird nur am Leben gehalten durch die Hoffnung, baß Großbritannien schwer verletzt wird, während Amerika zusieht. Deshalb läßt man die Fanatiker der Weltrevolution hoffen, wie wir es tun. bah Wallstreet sie finanzieren wird? Die kommerzielle -Zukunft der Harriman-Konzessionen und anderer, die noch hinzukommen, würden in Rußland sicherer sein, wenn Rußland ein für allemal mitgeteilt würde, daß Amerika niemals einen Cent leihen würde, bis die Verschwörung zur Herbeiführung der Weltrevolution in Chma und überall aufgegeben worden sei.

Bei Fortsetzung gemeinsamer Aktionen unter Führung der Vereinigten Staaten würde jetzt im Fernen Osten eine weit weniger beunruhigende Lage bestehen als jetzt. Chamberlains Politik hatte jede Spur von wirklicher Wcinungsver- schiedenheit zwischen Downing Street und dem Staatsdepartement beseitigt. Großbritannien steht im Fernen Osten nur dadurch allein, daß es das Bündnis mit Japan opferte, und dies hat es nur deshalb getan, um den natürlichen Wünschen Amerikas entgegenzukom- men und Pfänder guten Willens zu geben. Eine englisch-amerikanische Vereinbarung würde die ..bolschewistische Verschwörung töten" und China retten. Weshalb geben die englisch sprechenden Mächte nicht gemeinsam vor? Auch auf Eu­ropa und den Weltfrieden würde die Frage zu- rücüvirken. Wenn Washington und London im wesentlichen meiner Ansicht sind, schließt Gar- »in, in Fragen von höchster Wichtigkeit wie der russischen und der chinesischen, so scheint es widersinnig und unvernünftig, daß sie sich nicht offen einigen sollten, ihren Zweck zu er­reichen.

Amerika für Neutralisierung Schanghais.

Washington, 5. Jebr. (WTB.) Die Regie­rung der vereinigten Staaten schlug den Regierun­gen von Peking and von Kanton vor, daß die internationale Niederlassung in Schanghai während des Bürgerkrieges zum neutralen Gebiet erklärt werden soll. Die Vorschläge wurden dem amerikanischen Gesandten zur Weiterleitung übersandt. E» ist aber bis jetzt von keiner Seite eine Antwort erfolgt.

Japanische Truppensendungen nach China.

London, 6. Febr. (WTB. Funkspruch.) Daily Mail" berichtet auS Tokio, die japanische Admiralität habe auf Grund von Informationen, von denen die Oeffentlichkeit nichts wisse, einen Kreuzer mit Marinetruppen an Bord, der jetzt in Kure liege, und vier Zerstörer veranlaßt, sich zur Abfahrt nach Ehina bereit zu halten. Japanische Berichterstatter in China be­richten pessimistisch über die Lage in Peking und Hankau. DaS Flottendepartement berichtet von einer Spaltung in den Reihen der Kan- wnesen. die dazu führen könne, daß die Extre­misten die Oberhand gewinnen.

Die deutsch-österreichische Rechtsangleichung.

1 Berlin, 5. Febr. (WTB.) Heute wurden »in Wien ein Vormundschastsabkommen und ein Rachlaßabkommen zwischen dem . Deutschen Reich und Oesterreich unterzeichnet.

Diese Verträge bedeuten einen weiteren Schritt auf dem Wege der gegenseitigen Rechtsanglei­chung. Die Vormundschaft über einen im andern Staate lebenden Minderjährigen kommt nach den geltenden Vorschriften des entsprechenden inter­nationalen Haager Abkommens den Behör­den des H e i m a t ft a a t e s zu. Künfiig sollen die beiderseitigen Staatsangehörigen hinsichtlich der vormundschaftsbehördlichen Fürsorge w i e Inländer behandelt werden. Das neue Abkommen ermöglicht eine wesentlich schnellere Bestellung des gesetzlichen Vertreters und er­leichtert die persönliche Fühlungnahme dos Dor­mundschaftsrichters mit dem Mündel und seinen Angehörigen.

Rach dem Rachlaßabkommen ist der gesamte Rachlaß grundsätzlich von den Behörden des Heimat staates des Erblassers nach dessen Recht zu regeln. Dies soll auch dann gelten, wenn zum Rachlaß Liegenschaften im andern Staate gehören. Hierdurch wird die einheitliche Behandlung deS Rachlasses ge­sichert rind es werden Schwierigkeiten vermieden, die bisher aus der Verschiedenheit der inneren Gesetzgebung beider Staaten erwachsen sind.

Veränderungen in den Reichsminifter'ren.

Berlin. 5. Febr. DieDost. Ztg." weih aus unterrichteten Kreisen zu berichten, daß im Zusam­menhang mit der Regierungsumbildung auch unter den leitenden Stellen der Reichsministerien noch Veränderungen beoorstehen. 11. o. soll jetzt das Z e n- t r u m einen alten Wunsch erfüllt erhalten, indem die Ministerialdirektorstelle in der Bildungsabteilung des Reichsmini st e- riumsdes Innern mit einem Zentrnmsmann, den Ministerialrat P e l e n g a r, besetzt werden soll.

Van Hamel leugnet.

Haag, 5. Febr. lWD.) Ein offiziöses nieder­ländisches Korrespmrdenzbureau veröffentlicht eine ihm vom Sekretariat des Danziger Bölker- bundSkommissarS, Prof, van Hamel, ^ge­gangene Erklärung, in der eS heißt, daß die durch die deutschen Blätter verbreitete Rach- richt, wonach Hamel in einen bestimmten Pro­zeß verwickelt sei und dadurch bei der Aus­übung der Funktionen als DölkerbundSkommissar für Danzig behindert werde. Wort für Wort unwahr sei. Hamel, der in Danzig im Sinne der Politik der internationalen Verständigung wirke, könne sestftellen, daß man ihm in Dan­ziger Kreisen nurSyinpathien-entgeaen- a eb rächt habe, und daß cr seine Arbeit im Zusammenwirken mit den verschiedenen Danziger Gruppen ungestört fortfetten könne. Van

Hamel wurde vorgeworfen, zu der Frau deS Danziger Schuhpolizeikommandeurs in Beziehun­gen getreten zu sein, die einen Ehescheidung-- Prozeß und den gesellschaftlichen Boykott Hamels in Danzig nach sich gezogen habe.

Belgien verweigert eine neue Debatte über Eupen-Malmedy.

Brüssel. 5. Febr. (Belg. Xelegr.-ttgentur.) Da einige Zeitungen der kreise Eupen und Mal- medy die Meinung äußern und verbreiten, daß die Bevölkerung dieser Gebiete ausgesordert werden sollte, ; u ihrem Anschluß an Belgien Stellung zu nehmen, haben der Minister­präsident, der Minister des Aeuhern und der Mi­nister des Innern ein Schreiben an den Gouver­neur der Provinz Lüttich gerichtet, in dem sie diesen aufiorbem, der Bevölkerung von Lupen und Mal- medy mitzuteilen, daß von einer wjederer- Öffnung der Debatte in dieser Angelegenheit, oder von der Anberaumung einer neuen Abstim­mung nicht die Rede sein könne.

Internationale Industriellenbesprechungen.

London, 6. Febr. (WTD.) Sundah Times erfährt, daß angesichts der Konferenzen, die zwischen Führern der Industrie und Finanz Englands und Deutschlands stattgefun­den haben, und angesichts der geplanten ähn­lichen Zusammenkunft zwischen englischen und französischen Industriellen, der Verband britischer Industrieller von den Vertretern Ita­liens. der Schweiz und Schwedens auf­gefordert worden ist. entsprechende Zusammen­künfte mit ihnen zu vereinbaren. Cs wird er­wartet, daß Ende März britische und französische Industrielle in London zusammentreffen werden. Vor Beendigung dieser Konferenz und der eng­lisch-deutschen Zusammenkunft, die in Berlin im April stattfinden soll, ist es unwahrscheinlich, daß weitere internationale Zusammenkünfte verein­bart werden. In industriellen Kreisen wird Be­friedigung geäußert, daß der Wunsch besteht, diese internationalen Besprechungen auszudehnen.

Für ^Beibehaltung des syrischen Mandats.

Paris, 6. Febr. (WTB.) Die Akademie fürKolonialwissenschaft hat gestern zur Frage des syrischen Mandats Stellung genom­men und in einer Entschließung die Beibehaltung das Mandats in Syrien gefordert. Frankreich, fo heißt es in der Entschließung, habe in Syrien bereits ein vertrauenerweckendes Werk des Friedens und der Organisation, das vom Völkerbund gebilligt worden sei, durch- geführt, so daß kein ernster und stichhaltiger Grund vorgebracht werden könne, um eine Mission aufzugeben, die bis zum ®nöc durchzu­führen eine Ehrenpflicht für Frankreich sei. Die Regierung wird ersucht, durch eine feierliche und llare Erklärung allen tendenziösen Gerüchten end' gegenzutreten, die von einem Verzicht auf daö syrische Mandat zugunsten Italiens sprechen.

Neue Sprachenpolitik in Elsatz-Lothringen. Von unserem Straßburger Mitarbeiter.

Straßburg, Februar 1927.

Die Stelle des obersten Leiters deS elfaß- lothringischen Schulwesens ist durch die über­raschend gekommene Versetzung des Franzosen Charl 6 ty nach Paris frei geworden Durch den Weggang dieses Mannes, der feit nahezu acht Iahren für die Schul- und Sprachenpolitik Frank­reichs in denwiederg fundenen Provinzen" ver­antwortlich gewesen ist, ist die Pariser Regierung vor eine schwerwiegende Entscheidung gestellt wor­den, der man hier mit höchster Spannung ent­gegensieht.

Charlety konnte seit 1919 seine verhängnis­volle Entrechtung der Deutschen, der Muttersprache fast des gesamten elsaß-lothringi­schen Volkes, ungehemmt betreiben, weil er von allen französischen Regierungen als der richtige Mann betrachtet wurde, dieRationalsprache" zur Alleinherrschaft zu bringen. Gestützt auf diesen Rückhalt, konnte CharlLty den immer starker an- schwellenden Protest gegen diese Kulturwidrig­keit und die damit verbundene Züchtung seelischer Krüppel höhnisch mißachten. Rach seiner Oktober­reise nach Elsah-Lothringen hatte Poincars in einem viel kommentierten Brief Eharlätys seine höchste Anerkennung für dietounberbaten Er­folge" seiner Methode ausgedrückt. Der Bries unterstrich aber auch die Rotwendigk.it. dem Hochdeutschen so viel Beachtung zu widmen, daß die Kinder bei der Entlassung aus der Schule das Deutsche in Wort und Schrift beherrschen. In elsässischen Blättern ist damals mit Recht be­zweifelt worden, daß die Verwirttichung dieses Versprechens ohne Reubesetzung der höchsten Stellen des ^Interrichtswesens geschehen könnte. Die im Parlament ausgesprochene Ansicht Poin- cared, Charlety fei in Elsah-Lothringenun­ersetzlich", wurde daher als Beweis dafür empfunden, daß es mit der neuen Beruhigungs­zusage Poincares auch nicht mehr auf sich habe, als mit früheren Versprechen französischer Staats­männer.

Run ist die Bahn frei für einen neuen Sprachenkurs. Die französische Oefsentlichkeit er­scheint für eine Kursänderung freilich keineswegs reif zu fein; Poincarä, der loeben den elsaß- lothringifchen Abgeordneten in persönlicher Aus­sprache wiederum erflärte, die Sprachenfrage wohlwollend prüfen zu wollen", aber wird zu zeigen haben, wie man feine Versprechungen ein- zuschähen hat.

Das deutsche Fünfmillionenheer.

Rom, 5. Febr. (Von unserem k-Korresponden« benten.) 3m größten römischen Morgenblatt ist buchstäblich folgendes zu lesen;

Deutsche Geheimbünde.

Rach einem der preußischen Regierung einge« reichten Bericht zählen die deutschen Geheimbünde nun 4 Millionen 753000 Mitglieder. Die Hauptbünde sind: Die National sozialischc arbeitenpartei von München, die 37 000 Mitglieder hat; der Front Viriegerbud 48 000; der Welswoef 85 000, Wiking 8000, Olympia 3000, Preußenbund 2000, Offiziers­bund 100 000, der Kigroawserbund 3 500 000, der Stalchercheim 900 000, der Iungstahthelm 100 000, der Jungdemtichau 70 000. Und es ist möglich, daß diese Liste noch nicht vollständig fft."

Eine entsetzliche Möglichkeit !Nach diesen furcht« baren Enthülllmgen über ein Geheimheer, das sich

Eine entsetzliche Möglichkeit! Nach diesen furcht« jeden Sioux vor Neid erblaßen läßt, kann man allerdings die Angst vor dem deutschen Erwachen begreifen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Stresemann, hat am Sonntag einen mehr­wöchigen Erholungsurlaub angetreten. In seiner Abwesenheit führt Staatssekretär Dr. von Schubert die Geschäfte des Auswärtigen Amtes.

Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. v. Höj ch, ist in Berlin eingetroffen. Die Reise gilt der Er- örterung aller Fragen, die in der nächsten Zeit zwi­schen Deutschland und Frankreich akut werden, vor allem den Vorbereitungen für die anfangs März in Genf stattfindende Tagung des Dölkerbundsrates, in erster Linie aber auch dem Abschluß der Entwaff- nungsoerhandlungen.

Der preußische Iustizminister Am Zehn- Hof, der der Zentrumspariei angehört, soll be­absichtigen, demnächst endgültig seinen Posten zu verlassen. Am Zehnhof ist seit längerer Zeit schwer leidend. Die preußische Zentrumsfraktion des Landtages wird an Stelle Am Zehnhofs den Abg. Kammergerichtsrat Schmitt in Vorschlag bringen.

*

Wie dieMontagspost" erfahren haben will, hat die Tatsache, daß Dr. Wirth am Samstag im Reichstag gegen das Vertrauens­votum für die neue Regierung gestimmt hat, im Zentrum große llnzufriedercheil hervorgerufen und der Vorstand der Zentrumsfraktion beab­sichtige, eine Klärung der Beziehungen Wirths zum Zentrum herbeizuführen.

Der Reichstagsabgeordnete Wilhelm K u b e ist durch Beschluß des Ehrenhofs der deutsch- völlischen Freiheitsbewegung aus der Partei ausgeschlossen worden, weil er trotz drei­maliger Ladung durch Richterscheinen die Klar­stellung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ver­hinderte.

Der Prozeß gegen den aus der Fremden­legion desertierten Deutschen K l e m s, der die Artillerie Abd el Krims befehligt haben soll, wird am Mittwoch vor dem französischen Kriegs­gericht in Meknes beginnen. Der Rechtsanwalt und sozialrepublikanische Abgeordnete Moco- Giafseri hat die Verteidigung des Angeschul­digten übernommen.

In Marokko soll eine spanische Abteilung in einen Hinterhalt geraten und von den Rif- leuten fast vollkommen vernichtet worbenfein.

Ein Telegramm aus Mexiko kündigt an, daß General Ariola und der frühere Bürgermeister von Trinidad, Rivers, wegen Bekämpfung der mexikanischen Regierung zum Tode verurteilt und innerhalb 24 Stunden hin gerichtet wor­den seien.

Aus aller Welt.

Ein Alexander v. Humboldt-Hau».

3n Berlin fand die Einweihung des in der Fasanenstrahe gelegenen Alexander-v.-Humboldt- Hauses statt. Nach Worten der Begrüßung erläu­terte Staatssekretär a. D. Dr. L e w a l d Zweck und Ziel des Humboldt-Hauses: Die echten Kräfte der ausländischen Fugend nach Deutschland zu ziehen, das ist der Gedanke der Alexander-v.-Hurn- boldt-Stiftung gewesen, die bereits 120 auslän­dische Studierende unter ihren Stipendiaten auf« zuweisen hat. Um diesen jungen Leuten ein Heim in Berlin zu geben, ist nunmehr dieses Haus ge- § rundet worden. Exzellenz Lewald übergab dann as Heim seinem Zweck. Als Vertreter des Neichs- minifters Dr. Stresemann überbrachte hierauf Gesandter Frey tag die Grüße und Glückwünsche des Auswärtigen Amts und sprach zugleich im Namen des Innenministers feine Glückwünsche aus.

Die Grippe.

Wegen der besonders unter den Schultindern stark auftretenden Grippe sind sämtliche Schulen in Tilsit bis auf weiteres geschlossen wor­den. Rachdem vor 14 Tagen die Frau des Sparkassenrendanten Weiner in ReeS an Der Grippe gestorben war, folgte ihr jetzt auch der Gatte. Das einzige Heine Töchterchen liegt ebenfalls schwer krank darnieder. Einem Land­wirt in Gendringen (Rhld.) starben in etwa 14 Tagen von fünf. Kindern vier hinweg.

Schwerer Betrugsfatt imBerliner Lokalan zeiget".

3m Hause des Berliner Lokalairzeigerö sollen, wie der .Montag-Morgen" zu berichten weih, aufsehenerregende Betrügereien aufgedeckt wor­den fein, die zu Verhaftungen von vier Angestellten des Verlages Scherl ge­führt hätten. Die Verhaftetet werden beschuldigt, durch betrügerische Manöver, die sie mehrere Iahre hindurch regelmäßig verübt haben sollen, den Verlag Scherl um mehr als 100 000 Mark geschädigt zu haben. Bei Untersuchungen der Go- schästsgebarung in der Illustrationsab- teilung hat es sich hcrausgesrellt, daß zwei Zeichner Tag für Tag wertlose Skizzen ver­fertigten, die niemals veröffentlicht wur­den, für die ihnen aber regelmäßig mit Hilfe eines Beamten der Honorarabteilung und eines Angestellten des Bilderarchivs Honorare von 10 bis 30 Mark pro Stück auSgezahlt wurden. Das Konsortium verdiente auf diese Weise im Durchschnitt wöchentlich 1000 Mark.

Schweres Flugzeugunglück.

In Kassel stieg der Fluazcugichüler K ü p - pes aus Oberkassel zu einem Probeflug auf. Er flog zunächst völlig sicher, als sich plötzlich in gar nicht besonderer Höhe, man spricht von 250 bis 300 Meter, das Flugzeug sich überschlug, abftürzle und völlig zertrümmert wurde. Küppcs wurde schwer verletzt in das Landkran­kenhaus gebracht. Abends ist er feinen Ver­letzungen erlegen.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt mit Aufklaren, nachts noch leichter Frost, auch tagsüber noch keine wesentliche Temperaturänderung, trocken.

Gestrige Tagectimperaturen: Maximum: 2 (Br. ddpus; Minimum: minus 0,6 Grad Celsius. Nieder­schlage: 0,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: Minus 1.4 Grad Celsius.

AU5 der Provinzlalhallplstadt.

Gießen, bett I. Februar 1927.

Die Bedeutung des Krüppelheims in (Sieben.

Don Geheimrat Prof. Dr. P o p p e r t. Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Gießen.

Der Hessische Fürsorgeverein für Krüppel hat sich schon seit Iahren die Ausgabe gestellt, m Hessen und den angrenzenden Gebieten eine planmäßige, umfassende Fürsorge für Krüppel einzurichten in Anlehnung an die Erfahrungen, die man in benachbarten Ländern mit der prak­tischen Durchführung der Krüppelfürsorge gesam­melt hat. Trotz gut ausgebauter Organisation und Aufwendung erheblicher GeldmittÄ für die Pflege und Behandlung solcher Kranken ergab sich jedoch, daß eine erfolgreiche Lösung dieser Frage nur möglich ist durch die Beschaffung eines besonderen Krüppelheims, das unter sachkundiger ärztlicher Leitung steht. 3m Hinblick auf die durch den Krieg bedingten schweren Ge­sundheitsstörungen der Kinder es sei hier nur an die auffällige Zunahme der Erkran­kungen der Knochen und Gelenke, -Ln^Rachilis und Tuberkulose mit ihren nachteiligen^ Folge­erscheinungen erinnert. ist die Lösung bieder Frage zu einer ungemein wichtigen und dring­lichen sozialen Ausgabe geworden.

Die einem Krüppel heim gestellten Auf­gaben sind recht vielseitig; in erster Linie sollen Krüppelkranke hier Heilung finden von den Entstellungen und Verkrümmungen ihrer Glieder durch chirurgische und orthopädische Maßnahmen, gleichzeitig soll auch durch Einrich­tung von Werkstätten dem Krüppel die Möglich­keit geboten werden, ein passend?S Handwerk zu erlernen, damit er später sich als nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft betätigen und für seinen Unterhalt selbst sorgen kann. DasKrüppel- fürforgegefet) vom 6. Mai 1920 sieht für die Krüppelheime noch ein weiteres Wirkungsgebiet vor. nämlich die dauernde Pflege und Hcimgs- währung für solche Krüppel, die nicht heilföchig sind und die sich im freien Existenzkampf nicht durchsetzen können.

Es liegt auf der Hand, daß die Errichtung eines Krüppelheims sehr erhebliche Mittel be­ansprucht; da der hessische Staat infolge der un­günstigen Finanzlage keine größeren Zuschüsse zu leisten vermag, so müssen diese Mittel durch Die opferwillige Hilfe weitester Kreise brr Be­völkerung aufgebracht werden. ES ist daS große Verdienst des Hessischen Fürsorgevereins für Krüppel, durch seine rege, unermüdliche Werbe­tätigkeit bereits eine größere Summe als Grund­stock des DaukapitalS gesammelt zu haben; der noch fehlende, sehr erhebliche Rest der Bau­summe soll mit Hilfe der vom hessischen Mini­ster des Innern genehmigten Wohlfahrts­lotterie aufgebracht werden. Da in der Lot­terie zahlreiche und wertvolle Gewinne ausge­spielt werden, so ist hiermit ein besonderer Anreiz zum Erwerb von Losen gegeben. Abgesehen davon Darf sich jeder, der ein LoS erwirbt, sagen, daß er hierdurch einer wahrhaft guten Sache einen Dienst leistet, und daß fein Scherflein mithilft, den unglücklichen, von einem grausamen Geschick heimgesuchten Kranken ärztli«A Hllfe und Hei­lung zuteil werden zu lassen.

DaS geplante Krüppelheim soll in Gießen errichtet werden, unb zwar in engem Anschluß an bie Universitätskliniken. Die Stadt Gießen hat sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, daS erforderliche Gelände, daS in nächster Rähv der Chirurgischen Klinik gelegen ist, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen; infolge der räumlichen Rahe können die kostspieligen Einrichtungen dieser Klinik für diagnostische und therapeutische Zwecke für die Insassen des Krüppelheims nutzbar ge­macht werden, wodurch die Kosten für dessen Inneneinrichtung wesentlich verbllligt werden. Es besteht begründete Hoffnung, daß schon im Laufe des Sommers der Dau begonnen und schon im nächsten Iahre seinem Zweck zugeführt werden kann.

Durch den engen Anschluß des Krüppelheims an die Landesuniversität ist bie Gewähr gegeben, daß es auch bie wichtige Aufgabe, zugleich cklS Lehr- und Forschungsinstitut zu die­nen, erfüllen wird, und die mustergültigen fli- nischen Anstalten der älniversität werden durch die Erbauung eines Krüppelheims eine wichtige Ergänzung unb Bereicherung erfahren, insbe­sondere im Hinblick auf die Möglichkeit, durch einen späteren Anbau an daS Kruppelheim eine eigene orthopädische Abteilung an der Landesuniversität zu schaffen.

Die Einwohner Hessens haben demnach allen Anlaß, bet Krüppelheimbaulotterie das größte Interesse entgegrnzubringen und sich eifrig an dem Erwerb und Vertrieb der Lose zu beteiligen. Wird doch durch die Erbauung dieses Krüppelheims am Orte der Landes-Universität eine Einrichtung geschaffen, bie auch ber Aus- bilbung ber jungen Letzte unb so mittelbar den Kranken im ganzen Lärche zugute kommt.

Jur Verschönerung des Stadtbildes.

Wie derGießener Anzeiger" vor furxem be­richtete, sind gegenwärtig viele Hände am Werk, um nach langer, durch die 'wirtschaftlichen Verhältnisse bedingter Ruhepause die städtischen An­lagen wieder neu herzu richten, schiefen und über­flüssigen Baum- und Strauchwuchs zu beseitigen, um dadurch Luft und Licht für junges Wachstum zu schassen. Man darf wohl erwarten, daß dabei auch die Liebig ft raße zwischen Frankfur­ter- und Bahnhofstraße in den Bereich die­ser wohltätigen Aufräumungsarbeiten einbezogen wird, um die dortigen lieberreste einer von Anfang an verfehlten Straßenbepflanzung mit Platanen vollends zu beseitigen. Was sich hiervon unter dem Druck der hohen und breit'ronigen Ulmen der Alten Klinik noch erhalten konnte, sind haltbtote, mit %tu- len und Wunden überdeckte Krüppel. Dringend not­wendig ist auch ein« gründliche und schleunige Aufräumungsarbeit in dem freien Ge­lände (Garten darf man das jetzt nicht nennen!) um bas ß i e b i g m u f c um; ein Müllplatz sollte hier doch wohl nicht zu sehen sein! Die Rajen - fläche vor der AltenKlinik dürfte der bes­sernden Hand gleichfalls zu empsehlen sein. Auch die im vorigen Jahre ihrer Kronen beraubten Lindcnbäume am Bahnhofsplatz vor ; dem Hotel Kühne dürsten inzwischen den Nachweis erbracht haben, daß sie als unoemein .zöblebiye ' Kreaturen zwar wieder grünen, auf Schönheit m I den nächsten 15 bis 20 Jahren jedoch keinen 'An­spruch mehr erheben können. Es dürfte sich darum 1 empfehlen, auch diese recht bald fortzunehmen, um