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Nr. ZI Erster Blatt

177. Jahrgang

Montag. 7. Zebruar 1927

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Das Vertrauensvotum für das Kabinett Marx

(Eine Erklärung des Reichskanzlers

Annahme

des Vertrauensvotums mit 235 gegen

174 Stimmen

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Reichsinnenminister v. Keudell

ersucht ums Wort und erklärt unter

trauensmann des Landarbeiterverbandes auf den

lauten Hört! lediglich

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amerikanischen Reichtum». Großbritannien geht daher recht ernsten Zeiten entgegen, und die Er­schütterung, die sich au» dieser Wirtschaftslage er­geben wird, dürste kein europäische» Land unberührt iasscn, auch Deutschland nicht. Diese Entwicklung wird nicht von heute aus morgen vor sich gehen. Man hat somit genügend Zeit, sich ans die Ereig­nisse vorzubererten, die au» dem Ende der bis­herigen sogenannten europäischen Kolonisation in Asien sich ergeben müssen.

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poffsch: Skonto.

5ranksurl°n,maini68s. vnkik vnd Verlag: vrShl'sch« UniversitSlr.vuch- und Stetndrmkerei R. Lanze in Siehen. Schrrftleitung und Sefchäftzftelle: Schulftraße 7.

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agitiere, werde er in Schuhhaft genommen. (Leb­haftes Hört! Hört! links.)

Präsident Löbe: Weitere Wor:melbungen liegen nicht vor. (Stürmische Rufe Keudell nicht antworten?)

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Eriche, ni täglich, autzer Seeniags und Feiertag» Beilagen:

Dietz euer Familiendlätter Heimat im Dild Die Scholle

DTonati-rtjDtfrrfh: 2 Reichsmark und 20 Reich,Pfennig für Träger« lohn, auch Lei Richter» Icheinen einzelner Runnn er, infolge höherer tknvalt. Fernspkechonfchlusse: 51, 64 und 112.

Lnschrist stlr Drahtnach­richten Injelger Oietze».

Deulschlonds Vermittlung im englisch-chinesischen Konflikt

Der Vorschlag eines britischen Blattes.

Hört! Hört! Ruse links.) Herr v. Keudell hat sich übrigens nach feiner Entlassung alsKö­niglicher Landrat a. D." bezeichnet. (Gröhe Be­wegung links.)

Rach einer einstündigen $auTr kommt nun­mehr der von den Regierungsparteien einge­brachte BertrauenSantrag zur nament­lichen Abstimmung. Dor der Abstimmung gibt Abg. v. Guörard für die ZentrurnSsraktion folgende Erk.ärung ab: Die Zustimmung meiner politischen Freunde zu dem beantragten Ver­trauensvotum bezieht sich auf die gesamte Reichs­regierung und insofern grundsätzlich auch auf jedes ihrer Mitglieder. Der Reichsinnen. m in ist er v. Keudell ist in dieses De. trauensvctum einbegriffen (Hört! Hort, links) in der Annahme, das) sich die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen wegen Unterstützung des sogenannten Kapputfches durch die vorn Reichskanzler Dr. Marx im Einvernehmen mit dem Reichsinnenminister zugesagte Untersuchung als unberechtigt erweis en.

Das Vertrauensvotum wurde mit 235 gegen 174 Stimmen bei 18 Stimmenthaltungen angenom­men. Dafür haben gestimmt die Deutschnatio­nalen, das Zentrum, die Bayerische Volkspartei, die Deutsche volksparlei, der Bayerische Bauernbund und die Deutsch-Hannoveraner. Enthalten haben sich die Lvirtschaflspartei und einige völkische. D a - gegen stimmten Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten, die Mehrzahl der völkischen und Abg. vc. Wirth oom Zentrum. Aus der rechten Seite des Hauses haben 22 Abgeordnete gefehlt, auf der linken Seite des Hauses 44.

Der sozialdemokratische Antrag, die Rede des Grafen Westarp im besetzten Gebiet auf Reichskostcn zu veröffentlichen, wurde abgelehnt.

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Asaohme von Hniclatn fsr die logesnummtr oi» zu» Rachmitlag vorher.

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ThefredaKteur

Dr Fnedr Will) Lange. Verantwortlich für Dolttih Dr. Hr Will) Lange: für Feuilleton Dr tz Thyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An­zeigenteil LTerlr. h.Deckt, sämtlich in Dietzen.

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Hört!-Rufen von rechts, er habe die Anweisungen feines Dorge­fetzten, des Regierungspräsidenten von Frank­furt a. d. O. und auf dessen Anweisung die des Militärbefchlshabers befolgt. Andere Derord- nur.gcn oder Anweisungen der rechtmäßigen Re­gierung habe er nicht erhalten. Er habe erst nicht authenti'ch Kenntnis davon e halten, dah der Generalstreik damals offiziell von der Reichs- regietung proklamiert worden fei Er habe auf Deranla iung des Militärbcschlshabcrs auch wie- derholt vor dem Generalstreik gewarnt. Der Der-

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MtzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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bis heute find zweiundzwanzig Jahre vergangen. ES ist nicht viel länger her, daß chinesische Truppen mit Regenschirmen und Pfeil und Bogen gegen Europäer fochten. Jetzt werfen sie schon ganz hübsch Fliegerbomben. Noch zwei Jahrzehnte?---

Tie Europäer werden zweifellos in den nächsten Jahrzehnten, außer zum Selbstschutz, und das auch nur ausnahmsweise, nicht so viel schießen, wie in der Bergangenheit. ES wird ihnen auch nicht so sehr daran gclcgensein. Reuter kann noch so viel von kriegerischen Dingen melden, die Hauptsache, die hinter allen diesen Dingen steckt, bleibt die: Wie

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sich Abg. Landsberg beruft, habe die Unwahrheit gesagt und sei aud) sonst sehr unglaubwürdig. (Hört! Hört! rechts.)

Rei^skanzlcr Dr. Marx:

Die Behauptungen, die hier aufgestellt worden sind, in ihrer Tragweite und Bedeutung abzu- schätzen, bin ich natürlich jetzt nicht in der tage. 3d) habe gestern bereits mit dem Reichs innen- mlnlfter davon gesprochen, daß selbstverständ­lich die ganze Angelegenheit ein­gehend von mir untersucht werden wird und dah ich die Akten der früheren Zeit durch­sehen werde. 3ch kann aber jetzt schon feststellen, dah Minister v. Keudell erklärt hat, er habe damals bei der zuständigen preußischen Dehorce die Einleitung eines Disziplinär verfah­rens gegen sich beantragt, habe aber darauf überhaupt keine Antwort erhalten. (Hört! Hört! rechts.) Es liegt natürlich in seinem 3nteresfe, dieses Derfahren noch nachträglich nachzuhvlen. Ich werde selbstverständlich diese Mn.erfudun.- mit möglichster Beschleunigung füh­ren und von dem Ergebnis dem Hause Kenntnis geben.

Abg. Landsberg (5.):

Unter den Flugblättern, die Herr v. Keu- dell in Königsberg verbreiten lief), befand sich auch eins, ba> im Auftrage des Reichskanzlers Kapp jeden mit Strafe beörchte, der irgend­welche Veröffentlichungen oder Kundgebungen der ehemaligen Regierung verbreite. Der Regie- rungspräfident in Frankfurt (Oder) bestreitet, dem Landrat v. Keudell die Ermächtigung zur Befolgung der Anweisungen des Kappmilitär­befehlshabers gegeben zu haben. (Stürmische

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London, 7. Jebr. (TDIB.-Junffprudj.) 3n berDailn Tlews" schreibt IDhfon Harris in einem Artikel überDer Völkerbund und China":Der Völkerbund ist geschaffen worden, um die Welt vor Krieg zu bewahren. Er wurde geschaffen für die Regelung von Streitigkeiten zwischen Rationen auf ber Grundlage ber Vernunft unb Gerechtigkeit. Seine Satyjng enthält mindestens zwei Artikel, bie er­lauben, bie chinesische Frage in (Senf au zuwersen. Es würbe einen schweren Schlag für bas Dreftige b e s Völkerbundes bedeuten, wenn beide Länder, die Mitglieder des Völkerbun­des und des Rates sind, etwas unternehmen wür­den, was auch nur von ungefähr einem Krieg ähneln würde, ohne vorher die Organisation des Völkerbundes in Anspruch zu nehmen. Gegen einen Appell an den Völkerbund spreche, daß der Russe Borodin glauben könnte, er habe jetzt das Spiel in der Hand, unb daß bie vereinigten Staaten wohl kaum mit nach Genf gehen würden. Am besten sei die Vermittelung einer neutralen TR)t Deutschland, das unter dem Versail­ler Vertrag alle exterritorialen unb anbereu Vor­rechte aufgegeben habe, stehe besonder s gut mit allen Teilen ber Cinesen. Slrefemann habe in ber Vergangenheit Beweise für feinen 2Huf in ber Diplomatie abgelegt, was hier nötig sei, fei Takt unb Urteilsfähigkeit.

Eng ands ChinapolitiK.

Tie Opposition der Arbeiterpartei.

London, 6. Febr. (WTB. Funkspruch.) Bei einer stark besuchten Kundgebung der Ar- beiterpartn. die veranstaltet wur!'- um den Frieden mit Ehina zu fordern, erklärte Mac- donald, wenn Großbritannien alle '^rrechte der alten Dcrträge mit China aufgeben solle, so müsse dies im Wege der Verhandlung g en und nicht unter Gewaltanwendung geschehen. Er fürchte, das) die Expei-itionsstreitträfte. die nach China entsandt würden, womöglich mehr scha­den als nützen würden. Großbritannien sollte dem kantonesischen Außenminister Tschen erklären, wenn das Hanlauer Dokument unter­zeichnet würde, ko dah keine we'.terc Sicherheit für Schanghai erforderlich wäre, würden die Truppen nach England zurücktranspor- tiert werden. Der Rationalrat der unabhängigen Arbeiterpartei nahm ein: Entschließung an. in der er ferne For­derung nach Zurückziehung aller Land« und See-

Das Ende der europäischenKolonisation

Bon Erich Lllienthal.

Bon Port Said bi- zum japanischen Meer er-- strecken sich viele tausend Kilometer asiatischer Küste. Sie waren seit Jahrhunderten da- Ziel aller see­fahrenden europäischen Böller. Bon allem Anfang an eröffneten die Kanonen (auch die Kauffahrer trugen Kanonen) die Unterhaltung mit den dort wohnenden Menschen. Nachdem bie Geschütze ge­sprochen unb freie Bahn für bie weitere Verstän­digung gefchaffen hatten, konnten bie Schätze ein» geheimst werden. Die Schätze Indien- wurden »rtchwörtlich, die Erzeugnisse ou- Arabien, dem holländischen Hnsulinbe und aus dem Reich der Mitte waren bie kostbarsten Tinge, bie der Euro­päer bi- in bie neueste Zeit kannte. Auch in der Gc- gcnroact hat sich bie Schätzung der Produkte dieses TeilS bet Welt nicht verringert. Im Gegenteil, eine große Zal;l von Rohstoffen, auf denen sich die Jn- ustrien der weißen Welt aufbauen, kommt von den hier liegenden Ländern. Ein großer Prozentsatz bei europäischen Wohlstände- beruhte auf der un­gehemmten Ausnutzung dieser osiattschen Reich- tümer. Britannien wäre ohne sie niemals geworden, waö es ist.

Europa braucht Asien mehr als je, aber es ist noch nicht ganz so klar, ob doS Asien von heute auch Europa braucht. Danach wurde bis vor kur­zem von niemanden gefragt.

Kulturell war der Einfluß Astens auf Europa in diesen dreihundert Jahren unbedeutend. Die große Masse der Europäer betrachtete die Asiaten kurzer­hand all Wilde, und wenn auch eine wachsende An­zahl Weißer sich mit asiatischen Dingen abgab, so war das mehr berufSinäßig oder Modesache als ernsthaftes Beschäftigen. Die paar tausend Forscher können außer Ansatz bleiben, denn sie hatten gegen­über den .Kaufleuten, Beamten und Militärs nidjt das Geringste zu sagen. War den Kaufleuten irgend etwa! schief gegangen, bann setzten sie sich nicht etwa mit den Forschern, sondern eben mit Militärs unb Be­amten in Verbindung. Nachbem einige hundert oder tausend Eingeborene die Ueberlegenheit der europäischen Waffen gefühlt hatten (manchmal waren eS auch ein paar Hunderttausend), war die Geschichte gewöhnlich zu Ende. Handel und Wandel gingen nach den von Europa bi [Her: en Leitlinien weiter. ES war ganz gleich, ob es sich um anglo­indisches Opium, um englische Dolle, englischen Kattun, um sogenannte Seeräuber, um Boxer­aufstände oder AehnticheS handelte. Die Stationen brachten immer alles rasch inS Lot. So ging und geht das seit dreihundert Jahren etwa unb warum soll cd plötzlich aushören?

Tas Konzert der Mächte ist allerdings etwas dis­harmonisch geworden. Deutschland, Rußland, Ja­pan flöten Melodien, aber England, Amerika, Spanien, Portugal und vielleicht auch Frankreich und Italien schicken ober werden Kriegsschiffe schicken. Die können alle jetzt viel weiter schießen als früher. Sie haben größere Besatzungen, stärkere LandunyStruppen. Man kann weit größere Truppen­massen in kurzer Zeit versammeln. Man hat über­haupt bie ganze durch den Weltkrieg io enorm an­geregte Kriegstechnik. ES ist aber heule ziemlich gleichgültig geworden, wie weit die englisd)en Ka­nonen schießen können. Sie werden and) nicht allzu­viel und nid)t allzulange schießen. Möglicherweise tut man es ein bißchen auS Prestigegründen, auS aller Gewohnheit, auS slolonialkoniervatismuS, aber so gern als früher tut man es nicht mehr. Am liebsten würde man nur verhandeln, nichts als verhandeln und auf die Ueberzeugilngskraft der militärischen Argumente gerne verzick)ten. Aber auch dies ist unendlick) fduoicrig geworden. In China ist man genau so klug wie in London. Tas ist den meisten etivas Neues, aber es ist unmöglich, sich dieser Einsicht länger zu verschließen, ohne er­heblichen Sdiabcn weniger an seiner Seele als an seinem Geldbeutel zu nehmen. Was ist eigentlich passiert? KaS hat sid) so grunblegenb geändert?

Es ist nicht zu schivicrig, sid) hierüber klar zu werden. An der Küstenstrecke von Suez bis zum japanischen Meer wohnen ein paar hunderttausend Europäer und Amerikaner. Eine halbe Million vielleicht. ES können aud) einige Hunderttausend mehr sein. Sehr viel ei'.ropäischer Abschaum verbirgt sid) in diesen menschenwimmelnden Küstenvlätzen. Man weiß nichts von ihnen. Keiner hat ste gezählt. ES tut aud) nicht not, denn es sind verlorene Menschen. Man rechnet nur mit den Laufleuten, Militärs unb Beamten. Wenige von dielen aber sind festwohnend. TaS Land ist ihnen Broterwerb, Turchgangsstation, ab und zu eine wertvolle Erinnerung im späteren Leden. Nur sehr wenige halten dauernd hier aus. DaS Klima setzt an den meisten Stellen eine unüber- steigliche Grenze für den Aufenthalt von Europäern für eine wirkliche Kolonisation. Biele verlassen daher bad Land, ohne von seinem Eigenleben daS geringste zu wissen. Die wenigen Kenner aber sind häufig genug für Europa verdorben. Sie sind im asiatischen Kulturkreis aufgcflongcn. Sieben-, achthundert Mil- lidifcn Asiaten, die eine eigene, uralte, sehr hoch­stehende Kultur haben, bildeten bis vor kurzem nichts als Hintergrund für die paar hunderttausend Weißen. Sie wurden nur als Objekte betrachtet und mit nackter Gewalt gezwungen, jeder Form von Demü- ttgung den geduldigen Nacken zu beugen.

Japan bewies den Asiaten, daß die europäische Uebcrmacht verhältnismäßig leicht gebrochen werden könne, sowie man bieweißen Teufel" mit ihren eigenen Waffen bekämpfte. ES genügte schon, wenn man von den europäischen Techniken sich das Wich- ttgste aneignete. Japan halte nicht ganz fünfzig Jahre gebraud)t, um die Unterlegenheit in Fragen der Bewaffnung völlig auszuglerchen. Cb bereit­em e Ueberlegenheit vorhanden ist, wird die Zukunft lehren. Bon 1905, dem russisch-japanischen Kriege,

stellen wir es an, daß wir in der nächsten Zeit in Asien nicht sehr viel schlechtere Geschäfte machen als bisher? Tie europäische Wirtschaft, ber ganze Welthandel wird durch die asiatischen Dinge entscheidend beeinflußt werden. Bon den Kon­zessionen dürfte nach einer Weile nicht mehr die Rede sein. Man wird sich freuen, wenn man über­haupt im Geschäft bleiben kann. Fällt der Kanonen- schütz in Zukunft weg, bann ist es mit der bisherigen leichten Einheimsung der asiatischen Schätze und dem Herrenspielen vorder. Auf dieser Einheimsung aber beruht ein großer Teil zum mindesten des anglo-

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Berlin, 5. Febr. Die große politische Mus» spräche wird fortgesetzt. Zur Verhandlung flehen das Vertrauensvotum der Regierungsparteien und die Mißtrauensvoten der Demokraten, Sozialdemokra­ten und Kommunisten: ferner der sozialdemokratische Antrag, die Rede des Abg. Graf Westarp auf Reichskoften in allen Gemeinden des besetzten Ge­bietes öffentlich anzuschlagen.

Abg. Stegerwald (3.)

wendet sich gegen die sozialdemokratische Behaup­tung, dah eine Große Koalition möglich gewesen sei. Diese Möglichkeit habe trotz aller Versuche nicht mehr vorgelegen. Es sei schließlich keine andere Lö­sung übrig geblieben, als die gegenwärtige Regie­rung. Sie sei, der Besetzung der wichtigsten Ministe- rlcn nach, eine Rechtsregierung. Praktisch werde von ihr eine ähnliche Politik gemacht werden, wie sie von der Großen Koalition gemocht worden wäre. (Zustimmung im Zentrum. Hört! Hört! links.) Der Redner wendet sich gegen die Bezeichnung der neuen Regierung als Bürgerblock. Mindestens bie Hälfte der Wähler der vier Koalitionsparteien sind auch Arbeitnehmer. Meine politischen Freunde wollen nicht wieder ein Klassendeutschland. Wir nehmen gern Kenntnis davon, daß Herr Koch alle Kulturkampfbestrebungen obgewiesen hot. Die Mehrheit des Volkes wünscht die Bekenntnisschule: das hoben die Wahlen zu den Elternbeiräten ge­zeigt. Es läßt sich auch bei verschiedenen Schuloord- nungen erreichen, daß die Schüler zu einer staat­lichen Einheit verwachsen. Zn der Wirtschaftspolitik brauchen wir die richtige Synthese der Jnnenwirt- schaft und Etzportwirtschost. Die Landwirtschaft muß zoll- und h-andelspolitisd; genau so behandelt wer­den wie die übrige Wirtschaft. Mit Zöllen und hohen Preisen allein ist hier nicht geholfen. Eie muß ihre Produkte absetzen können. Darum ist die Stärkung des inneren Marktes not­wendig durch Erhöhung der Löhne und Gehälter Der Redner verlangt schließlich Förderung des Mittelstandes und Schutz der Qualitätsarbeit. Die Sozialpolitik müsse fortgesetzt und ausgebaut wer­den. Die Zentrumspartei gebe von ihren sozialen Forderungen nichts preis.

Abg. Städter (Komm.)

erklärt: Der Reid)sinnenminister von Keudell habe gestern in einer Erklärung auf Behauptun­gen der Linken eigen! lich zugestanden, daß er beim Kapp-Putsch sid) als Landrat auf die Seite Kapps geschlagen und feine bewaffneten Gendarmen der Kappschen Regierung zur Derfügung gestellt hat. Man kann sich vor- stellen, wie dieser saszistische Zunker die gegen die antirepublilanifchcn Wehrverbände gerich­teten Bestimn'.ungen des Regierungsprogramms als Innenminister anwenden wird.

Abg. Landsberg (S.):

Herr von Keudell hat es so dargestellt, als ob er während des Kapp-Putsches derselbe treue Beamte geblieben sei, wie vorh.-r. Tat­sächlich hat er aber damals seine Sympathie für Kapp in Wort und Tat bekundet. Er hat als Landrat in seinem Kreise nur die Ausrufe und Bervrdnungen der Kappregie ung verbreiten lassen, nicht aber die ber rechtmäßigen Regierung. (Hört! Hört! links.) Als der Dertrauerrsmann des Landarbeiterverüandes in Bärwalde für den von der rechtmäßigen Regierung proklamierten Generalstreik eintrat, liej ihn Herr v. Keudell kommen und sagte ihm:Die neue Regierung Kapp hat schon mit der alten Regierung eine 6ini» gung erzielt und erseht sie!" (Hört! Hört! links.) Laitdrat v. Keudell sagte dem Vertrauensmann weiter: Wenn er weiter für den General streik

ftreitfräfte in China erneuert und feine Zweig­stellen auffordert, die Bewegung gegen te.i Krieg zu verstärken und zum organisierten all­gemeinen Widerstand vornüber:iten, der m der Verweigerung des Militär­dienst e s einschließlich der Herstellung und Be- förderung von Munitton bestehen soll. In einer anderen Entschließung wird auf die Rctwen- digkeit einer Verständigung mit Ruß­land hingewiesen und erklärt, der Krieg mit Rußland werde aus den entschlvsiencn Wider­stand der organisierten Arbeiterschaft stoßen.

In unterrichtelen Kreisen verlautet, daß der englische KabinettSrat beschlossen hat, die bis­herige Chinapolitik aufrecht zu er­halten. Die leh'.en in Kanton und in Peking gemachten Einigungsvorschläge blcib.n ebenso be­stehen wie die bereits gefrorenen militär.schen Maßnahmen zum Schuhe des englischen Lebens und Elgentums in China. Rach Pekinger Mel­dungen hat Marschall Tsangsolin beim ameri­kanischen Gesandten gegen die Entsendung amerikanischer Kriegsschiffe nach China Protest eingelegt. Privatim habe der Marschall jedod) wissen lassen, daß ihm die ausländischen ©tre.tfrä,te in China zur Erschütterung der Macht Kantons nicht un - sympathisch seien.

Warum keine anglo-amerikanische Allianz?

Tie gemeinsamen Interessen in Rußland und China.

London, 6. Febr. (WB.) In einem Ar- tdel tmObserver" gibt Garvin offen seiner Enttäuschung über den Mangel an Zu- s a in m e n w i r k e n zwischen Amerika und Großbritannien in Weltftagrn, vor allem in der russischen und der chinesi­schen srage Ausdruck. Er betont: Der Völ- k e r b u n d ist heute, was Asien und Äord° und Südamerika, d. h. den größeren Teil der Welt betrifft, machtlos. Der Friede ist in Europa und in Asien noch nicht endgültig ge­sichert. Ein Krieg im großen Maßstab kann tn keinem der beiden ßänber ausbrechen, ohne daß das andere gleichfalls in ihn hineingero- gen wird. Das riesige Sowjetre.ch hat mit diesen beiden Konkurrenten gemeinsam, grobe Veränderungen bewirken zu können. Erschvttc

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