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KncmMZglelchundNeuregelung der Gewerbesteuer.

Der Reichßtnnenminister Dr. Külz hat in feiner unten auszugsweise mitgeteiltrn Stutt­garter Rede mit Nachdruck darauf hingewiesen, bah die staatlichen Finanzen aus das Äeuherste angespannt seien und der Finanzausgleich zwi­schen Reich, Ländern und Gemeinden demzufolge ein hartes Stück Arbeit fei. Der Finanzausgleich werde zwangsläufig das Problem der Verwal- tungsrcsorm in Fluh bringen und hier und da vielleicht sogar an der verfassungsrechtlichen Struktur des Deutschen Reiches nicht Halt machen können. Diese Aeuherung des Reichsinnenmini­sters ist gerade jetzt bedeutsam, da die Verhand­lungen über einen endgültigen Finanzausgleich in ein Stadium getreten sind, das verfassungs- wie finanzpolitisch schwere Bedenken erregen muh.

Der Finanzausgleich soll bekanntlich w i e d e r nicht endgültig geregelt werden, son­dern bis zum 31. März 1928 mit geringen Ab- Weichlingen in seiner bisherigen, provisorischen Form beibehalten werden. 3n diese Situation hinein sollen nun die Bestrebungen, die für die Gemeinden ertragreichste Steuer, die G e w e r o e- st e u e r, durch ein Deichsrahmcngeseh zu regeln. Der preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff will diese Regelung nicht abwarten, scndern bereits Mitte Januar im Preußen- Landtag eine vorläufige Reuregelung der preußr- schen Gewerbesteuer vornehmen in der Richtung, daß sie in der Hauptsache nach dem Ge- wcrbeertrag oder nach dem verwende­ten Gewerbekapital erhoben werden Tann. Die Veranlagung soll nach dem Ergebnis des Vorjahres erfolgen. Dieser Vorschlag für 1927 bedeutet, daß das Grundvermögen aus dem Gewerbclapital künftig ausscheiden soll, was einer Senkung des Aufkommens aus der Gewerbe- Tapitalsteuer um etwa 50 Proz. gleichkommt. Außerdem soll der Miet- und Pachtzins für die dem Gewerbebetriebe dienenden gemieteten und gevacbtelen Teile des Gewerbekapitals, die der Grundvcrmcgenssteuer nicht unterlagen, abzugs­fähig sein. Den mit diesem Vorschläge. verbun­denen Einnahmeausfall will der preußische Fi­nanzminister durch eine Erhöhung der Steuersätze beim Gewerbekapital von 1 '2 auf - 3 v T. ersehen.

Zur Frage der Gewerbesteuer liegen nun drei Gutachten vor. Die beiden umfangreichsten stammen von dem Senatspräsidenten Dr. Decker in München und dem Bonner Universitätsprofessor S) e n f e I. Das letzte vom Präsidenten des Deutschen Städtetages, Dr. 'M u l e r t. Die beiden ersten Gut­achten sind auf Anregung der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft entstanden. Beide setzen sich für eine Reichsrahme nregeluckg ein und wün­schen als Besteuerungstypus in erster Linie die (krtragsabgabe. Das Beckersche Gutachten verschließt sich aber nicht dem Bedenken, daß bei Anknüpfung der Demessungsgrundlage der Ge­werbesteuer an das Einkommen aus Gewerbe die Zweifelsfrage entsteht, wo bei dieser Regelung der Realcharakter der Gewerbesteuer bliebe. Dar­über hinaus sprächen auch politische Gründe gegen eine allzu große Verstärkung der Finanzhoheit Des Reiches, die eine Gefährdung des föderativen Ge­dankens mit sich brächte.

Daß eine einheitliche Regelung der Gewerbe­steuer notwendig ist, bestreitet niemand. Warum soll der preußische Gewerbetreibende mehr zahlen als der bayerische? Die entscheidende Frage ist nur die. ob dazu ein besonderes Reichsrahmen- geseh erforderlich ist ober ob es nicht zweckmäßi- ge-r ist, diese Regelung dem endgültigen Finanzausgleich vorzubehalten. Denn nimmt man jetzt die Gewerbesteuer aus der all­gemeinen Reuregelung der finanziellen Beziehun­gen zwischen Reich, Landern und Gemeinden her­aus, so ist das keine Reform an Haupt und Gliedern, sondern nur an den Gliedern. Die Folge wäre eine weitere Verwirrung und die praktische Unmöglichkeit, den Finanzausgleich überhaupt einmal endgültig zu regeln. Aus diesem Grunde muß man aber geaentoättig auch die Doreii ge Reform der preußischen Ge­werbesteuer ablehnen.

Mit Recht wird daher in der Denkschrift des Stäbtetages und in einer umfangreichen Arbeit eines seiner Dezernenten, des Finanz- Wissenschaftlers Dr. Arnd Jessen, darauf hin- eewiesen, daß die Schwierigkeiten der gemeind­lichen Finanzpolitik nicht dadurch behoben werden können, daß man es unternimmt, nur die Ge­werbesteuer zu ändern. Die Gewerbesteuer ist von jeher und auch heute der Ankostenbei- trag des Gewerbes zu den besonde­ren La st en der Gemeinden. Die Ab­sichten des preußischen Finanzministers sind ein Schritt aus dem Wege, die preußische Gewerbe­steuer aus einer Realsteuer zu einer Personal- steuer zu machen. Das Realsteuerprinzip ist aber je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen eines losen oder straffen Ausbaues fähig. Bei der gegenwärtigen Finanzlage ergibt sich ganz von selbst eine Verschärfung der zur Real- bestiuerung führenden Tendenzen, da die Ge­meinden die Ausgaben für Schulen. Wohlfahrts­pflege. Wegelasten und Polizei fortlaufend ohne Rücksicht auf die Gewerbeerträge eines bestimmten Jahres leisten müssen. All diese Probleme können zweckmäßig nicht aus dem großen F nanzkcmvlex herauSgegriffen werden. Der Kampf um die Ge­werbesteuer ist letzten Ende staatspolit-sch be­deutungsvoll. weil es ungemein wichtig ist. die Beziehungen zwischen Gemeinden und Gewerbe nicht mutwillig zu zerschneiden.

Reichsminister Dr. Külz zur inneren Politik.

Stuttgart, 6.3an. (Wolsf.) Auf der Landes.'e.sammlung lec Deutschen Demokratischen Partei hielt der RcichLinnenminister Dr. Külz heute eine Rede, in der er u. a. erklärte, ii' Freiheit des Rheines sei uns eine Lebens- und Chrensrage. Der ehrliche Wille des übergroßen Teiles des deutschen Volkes, rai: Frankreich in einem mit den Geboten der nationalen Würde vereinbaren Einvernehmen zu leben, sei über allen Zweifel erhaben. Wenn die deutsche Politik jetzt auch mit Italien wie früher mit Rußland, z i einem verträglich geordneten Einvernehmen gc.onmen sei, so habe das keine Spitze gegen eine andere Macht, sondern liege in der selbstverständ- lichen Linie der allgemeinen deutschen Fried ns- 1 oätU. 3m inneren Leben Deutschlands gelte es, an der tod eten Festigung des Staa c mit aller Kraft zu arbeiten.

Bei der sozialen, wirtschaftlichen und kultu­rellen Struktur des deutschen Volkes, sei eine Konsolidierung des staatlichen Lebens nur durch eine Politik der mittleren Linie zu erreichen. Auf einer solchen Linie müsse das Parlament die Regierung aber auch wirk­lich arbeiten lassen. Für unS gelte e?, einen Zustand zu erreichen, bei dem die Regierung auch wirklich regieren kann und nicht dauernd im Kamvf der Parteien zerrieben wird.

Die Konsolidierung unserer staatlichen Ver­hältnisse verlange ein Verbundensein auch der breiten Masse des Volkes mit dem Staate. Des­wegen würden Parolen, wie niemals mit der Sozialdemokratie oder immer gegen die Sozial­demokratie überaus verhängnisvoll wirken müs­sen. Innerliches Verbundensein mit dem Staate müsse vor allem von den Funktionären des staatlichen Willens, von der Beamtenschaft und der Reichswehr verlangt Werdern Von diesem Gesichtspunkt aus sei es selbstverständlich, daß die Reichswehr von politischen Ein­flüssen freigehalten werden müsse, so­wohl bei der Annahme von Offizier und Mann als auch bei der Erziehung der Mannschaft durch die Offiziere.

3n seinen weiteren Ausführungen kam der Minister auch auf die privatwirtschaftliche und staatswirtschaftliche Entwicklung Deutschlands zu sprechen. 3nnenwirtschasttich seien manche An­zeichen einer langsamen Besserung vorhan­den, aber die Ziffer der Erwerbslosen sei nach wie vor eine schwere Sorge. Die staat­lichen Finanzen seien auf das äußerste ange­spannt. Der endgültige Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden werde ein hartes Stück Arbeit sein. Er werde zwangs­läufig das Problem der Verwaltungs- r e s o r m in Fluß bringen, hier und da viel­leicht auch vor der Struktur des Deutschen Reiches nicht Halt machen. L i l i p u t st a a t e n, deren Dasein nur auf der Tradition beruhe, und nicht auf innerer staatlicher Lebenskraft, hätten keinen Anspruch mehr auf Eigenstaat­lichkeit.

Eine neue Sachlage.

Das Zentrum beansprucht das Reichskanzleramt.

Berlin, 7. Jan. (Wolff.) DerLokalanzeiger" kommt heute auf die Erklärung derGermania" zurück, wonach das Zentrum bei einer neuen Re­gierung der Mitte den Kanzler für sich in Anspruch nehme, und behauptet, es bestehe Anlaß zu der Vermutung, daß diese Erklärung un­mittelbar von Dr. Marx stamme. Aus die Deutsche Volkspartei habe sie daher erheblichen Eindruck ge­macht. Nachdem auch von deutschnatio- uale r Seite, so bemerkt das genannte Blatt weiter, betont worden ist, daß die Deutschnationalen eine Mitielregierung nur dann eventuell unter­stützen würden, wenn das Zentrum durch einen Kanzler aus seinen Reihen f e st an die Koali­tion gebunden sei, hält man die Möglichkeit einer Kandidatur Eur 1 ius für außerordentlich geschmälert. Offenbar, so heißt es in dem Blatt weiter, hat bas Zentrum mit seiner Erklärung eine neue Sachlage geschaffen. DerVorwärts" beschäf­tigt sich heute mit der außenpolitischenRegierungs­fähigkeit" der Deutschnationalen und verlangt, an- knüpfend an eine Reihe von deutschnationalen Er­klärungen, wonach sie die Locarnopolitik nicht an­erkennen, daß die Deutschnationalen diesen Stand­punkt kategorisch widerrufen mühten, wenn sie re­gierungsfähig fein wollten.

Das deutsche Wunder.

London, 6. Ian. (WB.) In der Tlonatsüber« sicht der Midland Bank heißt es u. a.: Deutschlands Erholung in den letzten zweieinhalb Jahren ist e i n unerklärliches Wunder. Der erzielte Fort­schritt übertrifft alles, was selbst die optimistischsten Beobachter erwartet haben. Zweifellos steht der bri­tischen Industrie eine Periode scharfer Konkurrenz bevor, und man kann nur hoffen, daß die Kaufkraft der Welt so zunimmt, daß sowohl der britifchen als auch der deutschen Indu­strie uneingeschränkte Beschäftigung ermöglicht wird. Weiter heißt es in der Uebersicht, Deutschland werde den Ueberschuß seiner Ausfuhr im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre mehr als ver­doppeln müssen, wenn die 120 Millionen Pfund jährlich für feine Gläubiger verfügbar sein sollen, andernfalls müßten die Zahlungen aus Anleihen b e ft r 111 e n werden, was lediglich bedeuten würde, daß Privatpersonen an Stelle der Regie­rungen zu Gläubigern Deutschlands werden würden.

Die ausländischen Arbeiter in Frankreich.

Paris, 6. 3an. (WB.) Das Arbeitsmun- stedum ceref e. t(;<f)t erneut eine Auslassung zum Stand der Arbeitslosigkeit in Frankreich. Darin wird festgestellt, daß in den letzten Wochen sei- te.-s des Arbeitsmini''.er'ums lei. e Befürwortung für die Einstellung ausländischer Arbeiter mehr erteilt worden sei. Außerdem sei vom 3nnen- minister Weisung erteilt worden, ausländischen Arbeitern, die nicht im Besitze eines Arbeits­vertrages sind, die Einreise nach Frank­reich zu verwehren. Die in Franlreich be­findlichen und arbeitslos gewordenen aus­ländischen Arbeiter sollen, wenn nötig, in Ge­genden gelci et werden, wo es an Arbe.tskräit.n mangelt, nötigenfalls sollen auch Maßnahmen zur Rückbeförderung in ihre Heimat ins Auge gefaßt werden.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 6. 3an. 3n der heutigen Sitzung des Finanzausschusses wurde beschlossen, über die Frage des Landestheaters fol­gende offiziöse Mitteilung h:rauszugeben: Die Verhältnisse des Landestheaters, Voranschlag und Spieljahr 1927 wurden einer allgemeinen Aus­sprache unterzogen. Um den Fraktionen Gelegen» heit zu geben, zu der Sache Stellung zu nehmen, wurde die Debatte abgebrochen. Die Aussprache soll in einer der nächsten Sitzungen fortgesetzt werden. Eine Eingabe der Hessischen Landes­hauptstelle gegen den Alkohplismus wegen eineß Staat sbeitrags zur Bekämpfung der Trunksucht wurde durch die Regier ngßant- wort für erledigt erifärt, nachdem die Regierung bekanntgab, daß bie eingegang nen Beiträge aus Reichsmittcln der Stel'e re'tlos übertoicten wr- b<n und damit der Forderung Genüge geleistet sein dürfte. Eine Eingabe der Bergarbeiter der hessischen Staatsgruben zu Wölfersheim wegen einer W i r 1 s ch a f 1 s b e i h i l f e wurde I durch den Beschluß deS Landtags betr. Weib­

nachtsbeihilfe für erledigt erklärt. Rächst« Sitzung Freitag vormittag mit der Fortsetzung der heutigen Tagesordnung.

Aus aller Welt-

Hamburgs Seeverkehr.

Der Seeverkehr Hamburgs weist im De­zember 1926 wie in den vorhergehenden Mo­naten eine bedeutende Steigerung gegen­über dem gleichen Zeitraum des Vorkriegsjahres 1913 auf. Während im Dezember 1913 1178 See­schiffe mit zusammen 1 179 070 Rettoregistertonnen eingekommen sind, waren es im letzten Monat 1476 Seeschiffe mit zusammen 1 435 716 Retto­registertonnen. Die Gesamtzunahme beträgt, an der Schiffahrt gemessen, 15 Prozent, und nach der Tonnage 28 Prozent. Der Anteil der deut­schen Flagge betrug 40 Prozent gegenüber 38 Prozent im Rovember 1923. Die deutsche Schiff­fahrt hat also im letzten Monat weiteren Voden zurückgewonnen.

Südafrikanische Studenten in Köln.

Donnerstag früh gegen 6 Uhr kamen auf dem Hauplbahnhofe 50 südafrikanische Studenten und Studentinnen an, die 6 Wochen Deutsch­land und Oesterreich besuchen wollen. Um 11 Uhr fand in der Universität eine kurze Begrüßung statt, woraus eine Besichtigung der Universität und ein Besuch des Domes folgten. Hieran schloß sich ein gemeinsames Essen. 3m Lause des Rachmittags suhren die Gäste nach Düsseldorf weiter.

45 Menschen vom Tode gerettet.

Hamborn, 7. Jan. (WTD. Funkspruch.) Dom preußischen Staatsministerium des Innern ist zwei Kapitänen, einem Maschinisten und zwei Matrosen aus Hamborn die Rettungsmedaille am Bande verliehen worden. Durch ihr entschloßenes Eingreifen hatten sie im Mai v. I. bei dem auf einem städtischen Motorboot ausgebrochenen Brand 45 Menschen vor dem Tode des Ertrinkens und Ver­brennens gerettet.

vier Kinder vom Tode des Erttlnkens gerettet.

3n Rürnberg begaben sich ein acht- und ein zehnjähriger Knabe auf das Eis des Lud- wlgkanals, der nur leicht zugefroren war, und brachen ein. Ein neunjähriger Knabe und ein 13 3ahre altes Mädchen wollten den eingebroche- nen zu Hilfe eilen, brachm jedoch ebenfalls ein. Durch einen vorübergehenden Mann wurden dar­auf die vier Kinder, die alle noch bei Bewußtsein waren, aus dem Wasser gezogen und in ihre Wohnungen verbracht.

Stürmische Zwischenfälle bei einem Fußballspiel.

3n München sollte ein Fußball-Ligaspiel Bayern" gegenMünchen 1860 stattfinden, wo­zu über 10 000 Zuschauer erschienen waren. 3n- folge des großen Schneefalles erklärte der Schieds­richter ein Ligaspiel für nicht gerechtfertigt und kündigie ein Privat spiel an. Unter stür­mischen Protestrufen drang ein Teil der Zu­schauer auf den Platz und forderte sein Geld zurück, wahrend andere di? Abhaltung eines Ligaspieles erzwingen wollten. Erst beim Erscheinen der Polizei wurde der Platz ge­räumt.

Käthe Dorsch und Harry Liedtke geschieden.

Die seit langem umgehenden Gerüchte von einer bevorstehenden Scheidung des Künstler­paares Käthe Dorsch und Harry Liedtke bestäti­gen sich. Wie die Abendblätter melden, ist gestern die Ehe rechtskrä'tiq geschehen worden.

Ein glücklicher Lolleriegcwinner.

Der Hauptgewinn der kurz vor Weihnachten ausgespielten Arbeiterwohlsahrtslott-erie für ganz Deutschland ein Landhaus im Werte von 50 000 Mark ist nach Mannheim gefallen, ein in nicht gerade glänzenden Verhältnissen leben­des Ehepaar, hatte die Losnummer nebst fünf weiteren Losen von einem Strahenverkäufer er­standen.

Zunahme der Grippe in Spanien.

Madrid, 7. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die Grippe-Epidemie in Madrid hat zugenommen. Die Zahl der Todesopfer betrug allein gestern 125. In Barcelona soll dagegen ein Nachlaßen der Epidemie zu verzeichnen fein.

Neues Erdbeben in Kalifornien.

In Calexico in Kalifornien wurden neue Erdstöße wahrgenommen, die an Heftigkeit die bis­herigen bei weitem übertrafen. Die noch stehenden Mauern der bei dem letzten Erdbeben zerstörten Häuser fielen ein. Unter der Bevölkerung herrscht große Panik.

Rieseuunterschlagungen in Rußland.

3n der staatlichen Handelsstelle Zentral- Rußlands sind Riesenunterschlagungen In Höhe von 5 Millionen Rubel aufgedeckt worden. Meh­rere leitende Persönlichkeiten, darunter der frü­here Leiter der Westeuropäischen Abteilung Sa» pelow sind verhaftet worden. Sämtlichen Verhafteten droht die Todesstrafe.

Wettervoraussage.

Roch kurze Riederschläge, Bewölkung etwas abnehmend doch meist trüb. Winde aus westlicher Dichtung, Temperaturen allmählich e'was fallend.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 3,8, Minimum 1,2 Grad Celsius. Riederschläge: 2,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 3,8 Grad Celsius.

hoherodskopf, 7. Januar, vormittags 8 Uhr.

Windrichtung: Ost. Windstärke: schwach. Luft- temperai /:: 0 Grad Celsius. Höchsttemperatur der letzten 24 Stunden: minus 2 Grad Celsius. Ge­samtschneehöhe: 50 bis 55 Zentimeter. Höhe des in den letzten 24 Stunden gefallenen Reuschnees: 30 Zentimeter. Deschaffenßeit der Schneedecke: verweht. Sportmöglichkeit: vorhanden bis gut.

Odenwald.

Tromm.

Schneehöhe: 37 Zentimeter. Schneedecke. Weich und gleichmäßig. Svortmöglichkeit: noch vor­handen.

Minterkasken.

Schneehöhe: 15 Zentimeter. Schneedecke: weich und verweht. Lufttemperatur: 0,5 Grad Celsius. Sportmöglichkeit noch vorhanden.

Sauerlanb.

IDmferberg.

Lufttemperatur: 0 Grad Celsius. Höhe des in den letzten 24 Stunden gefallenen Reuschnees: 20 Zentimeter, in Höhen über 700 Meter 40 Zen­timeter. Die Skibahn ist brauchbar.

Villingen.

Reuschnee: 20 Zentimeter. Temperatur: plus 2 Grad CelliuS. Tauwetter. Lüdenscheid, Mei- nerzhagen Tiefenbach melden keinen Wintersport. Sonder^üge ins Sauerland verkehren nicht.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. 3anuar 1927.

Das Profitchen«

Frau Biedermann war nicht nur eine sparsame grau, sondern sie verstand es auch, auf geradezu raffinierte Weife stets ihren Vorteil zu wahren. Sie bildete sich zwar immer ein, daß ihre ganze Verwandt» und Bekanntschaft keine Ahnung davon hätte, w i e vorteilhaft sie alles einzurichten wußte, aber an dem verhängnisvollen Tage, an dem kürz- lieh die Kränzchendamen bei ihr versammelt waren, stürzte jäh das ganze Gebäude ihrer Einbildung zusammen, und mit ihm verschwand ein beträgt- kicher Teil ihres Wirtfchaftsgeldes. Und das kam so:

Frau Biedermann, eine gut situierte Dame, hielt schon seit Jahren mit sieben Damen an jedem Don­nerstag nachmittag ein Kränzchen ab, das der Reihe nach in den Wohnungen der einzelnen Teilnehme­rinnen stattfand. Schon lange, bevor sie ihr Kränz chen abhielt, traf Frau Biedermann ihre Vorberei­tungen, um mit möglichst geringen ÄefUö ihren Ver­pflichtungen nachzukommcn. Mit größter Aufmerk­samkeit verfolgte sie alle Preisangebote der ein­zelnen Geschäfte und verglich sie miteinander, da mit sie ja nicht im gegebenen Augenblick einen Pfennig mehr für Zucker ausgab, als unbedingt nötig war, oder die zweitbilligste Sorte Mehl er­wischte, statt der geringsten. Infolge dieses Aus- klügelns aller Zutaten und der Verwendung des nur eben Notwendigen waren ihre Kuchen trotz ihrer ganz ansehnlichen Kochkunst immer nur gerade genießbar, aber keineswegs ein Genuß. Und daß ihr Kaffee zur jedesmaligen Verwunderung ihrer Kränzchenschwestern einigermaßen angenehm in Stärke und Geschmack war, hing lediglich von ihrer vorbildlichen Vorsorge ab: In einer kleinen Dose sammelte sie die von jedem Nachmittagskaffee (morgens gab es nur Malz!) abesparten Bohnen, so daß sie nach den jeweiligen acht Wochen keine besondere Ausgabe für den Kaffee hatte. Mit Zucker ging sie ohnedies sehr sparsam um, und die Ausgabe für Milch fiel auch nicht weiter ins Ge­wicht, weil sie diese einerseits erst etwas mit dem bedeutend billigeren Wasser streckte, und sie an­dererseits nur in einigen ganz kleinen Kännchen servierte, bei denen man unwillkürlich sparsam mit dem Inhalt umging. Aus Grund all dieser kleinen Tricks und Raffmessen war sie bisher immer äußerst billig daoongekommen.

Wieder war ein Donnerstag nachmittag ange­brochen und Frau Biedermann überblickte in Er­wartung ihrer Gäste noch einmal den Kaffeetisch; sie freute sich an den prositlichen Kuchen, als die Klingel ertönte und das Mädchen kurz darauf als erste die Frau Apotheker ins Zimmer führte. Liebste Frau Biedermann," sprach diese nach der Begrüßung,als ich eben an der neueröffneten Kon­ditorei von Zuckermann vorbeiging und mir die Preise betrachtete, lächerlich niedrige Preise, dachte ich ganz in ihrem Sinne zu handeln ich weiß nämlich ihre vorteilhafte Einkaufsweise sehr zu schätzen wenn ich für Sie eine Torte zu dem Eröffnungspreis bestellte. Der Konditorjunge steht schon draußen!" Frau Biedermann stammelte mit sauersüßer Miene etwas von sehr liebenswürdig und bezahlte, innerlich über diese Einmischung empört, die ganz nette Rechnung, als die beiden nächsten Damen onkamen.Denken Sie nur, Frau' Bieder­mann, was ich heute für eine Ueberraschuna habe," sagte die kleine Frau Rechnungsrat,wir bekamen von einer Wiener Firma zwei kleine Baumkuchen zugeschickt, statt eines großen, und zwar zu einem recht annehmbaren Preise, und weil ich weiß, wie gern Sie günstige Gelegenheit benützen, habe ich Ihnen den einen mitgebracht!" Und sie überreichte Frau Biedermann eine recht ansehnliche Schachtel. Ich glaube, ich bin mit Kuchen heute hinreichend versehen", wehrte diese ab und warf einen ent­setzten Blick auf die Rechnung, die ihr die Frau Rechnungsrat jetzt mit liebenswürdigem Lächeln hinhielt.Oh, das macht nichts." ermunterte die kleine Frau,der Baumkuchen schmeckt so vorzüg­lich, der ißt sich nur so weg!" ,Lch danke, für 12 Mark Baumkuchen 'nur Jo weg' essen" wollte Frau Biedermann sagen, brachte aber vor Wut kein Wort über die Lippen und holte stillschweigend ihr Portemonnaie hervor.

Inzwischen waren wieder drei Damen ange- kommen.Frau Biedermann, ich glaube, heute oe- komme ich bei Ihnen einen Stein ins Brett," sprach die junge Frau Doktor,ich habe etwas fabelhaft Vorteilhaftes ausprobiert, was ich Ihnen jetzt ver­raten lverde: Sie klagen doch auch immer über die wenig schmackhafte Milch ihres Händlers, wenn Sie von dieser Milch" Frau Doktor hatte inzwischen eine Dose Düchsenmilch zum Vorschein gebracht nur ein wenig der Kuhmilch heimischen, schmeckt sie wie Sahne!Ich danke Ihnen bestens, liebe Frau Doktor", lächelt Frau Biedermann höflich zu­rück und griff wieder nach der Börse.

Frau Rechtsanwalt, die zuletzt ankommende Kränzchendame, hatte zufällig äußerst - vorteilhaftes Kleingebäck für Frau Biedermann besorgt, das diese kochend vor Wut bezahlte. Nur in dem Gedanken, daß alle Gäste versammelt waren und somit kein weiteres Unheil über sic hereinbrechen würde, konnte Frau Biedermann ihre Fastung bewahren. Als aber die Kaffeeschlacht geschlagen und die Damen, ihre Wirtin laut rühmend, gegangen waren, stand Frau Biedermann nachdenklich vor den Ucberresten: Der Baumkuchen war alle geworden und das herrliche Kleingebäck auch, von der Nuß­torte war ein einziges Stückchen übrig geblieben, aber von all ihren selbstgebockenen Kuchen war nur e i n Stück gegessen worden, und das hatte sie selbst verzehrt!! Also eine infame Ab­machung, ein richtiggehendes Komplott hatte man gegen sie geschmiedet, weil---! Und sie war

immer überzeugt gewesen, daß ihre Profillichkeit unbemerkt geblieben wäre! Aber wann war denn nur diese niederträchtige Verabredung getroffen worden, sie hatte doch in den letzten zwei Jahren bei keinem einzigen Kränzchen gefehlt?!

Plötzlich ging ihr eine hundertkerzige Lampe auf. Das letzte Kränzchen hatte bei der Frau Oberlehrer stattgefunden, die nach dem Kaffee eine Sammlung für einige Kranke der Gemeinde veranstalten wollte und dieser Sammlung war sie unter einem Vorwande glücklich entronnen. Allerdings, wenn sie das geahnt hätte, wäre sie geblieben mit dem zwanzigsten Teil der heutigen unvorhergesehenen Kosten hätte sie sich glänzend aus der Affäre ge­zogen und hätte nicht wochenlang trockenen Kuchen essen müssen! T.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag.^ Stadttheater: 7.30 Uhr,Die fünf Karnickel". (Ende gegen 9.45 Uhr). Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: An der schönen blaun Donau". Astoria-Licht spiele:Unter Rothäuten und Büffeln".

Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u re a v I wirb uns geschrieben: Es sei besonders daraus