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Nr. 260 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Samstag, 5. November 192Z

'Aftua Luropäisieri sich.

Ateijtcr ^edrrion«

über die .Holumalpolüif (Ualicnv

Ton unsere t R K -6onb<rbcttJ)lcrftaller

R om. den ZI Oktober IS77

Dir jünflftm ff re ini'le Haden erneut bewtekn. welches aubcrocbvmlube 3nter- esse Gialten an der Äolomlierunq OUrtla« ho« r.r ttolleniiche ÄolonialmiriHet Vuiai Federhoni gibt in dem heul gen 2u'- lutz uis'res R K -Ssnderberichlcrstun.r- nxicnihdx Aulfchlüsfe über die saszi'tilche Äolonialitoliilf.

Vuifli Federzom Kehl nicht nur alt einer der prominentesten 'Sckrtminiher. sondern auch al» einer der Senioren dec Partei, soweit man bei der jungen laizistischen Bewegung überhaupt von Senioren reden fann m der allerersten Reihe der sadistischen Toliiiler. ff« gibt wenig ruhende Pole in der Ericheinungen Flucht. Hnb dast Luigi Federzvni von dem Zag an. da der FasziS- mu« zur Macht gelangte, ununterbrochen die Kolonialpolitik des Lande« bestimmt, ist ein wah­re« Phänomen

.31« ich vor fünf Jahren unmittelbar nach dem Marich auf Rom mein R.ssort übernahm." erzählt der Minister. ..waren die Verhältnisse in den Kolonien -** dann lucht er wie e« seiner konzilianten Art entspricht ein hösliche« Wort und findet e«:q r u n b P r I cb c b c n oon den

J n Tripoli- Und d > r C : naif<i herrschte d i e latente Revolu­tion. Anarchistische Truppen und Formationen, die auS Eingeborenen bestanden und vielfach von desertierten europäischen Führern geleitet waren, schusen cnen obigen Zustand von Unruhe, der einen auSgeipro he.ien antiitalienischen ffha- rafter hatte. Aehnltch lagen die Dinge in unseren ost afrikanischen Kolonien Hier bestand die ärgste Schwierigkeit in ihrer wirtschaftlichen Ter- wahrlosung Und e« war dar. daß wir. hier wie dort, energisch burchgreisen muhten."

Der Minister lächelt bezaubernd liebens­würdig. wenn er von energischem Durchgreisen. von Truppentran-porten und kriegerischen Hand­lungen spricht. QLn aderliebenSwürbigsten aber, wenn er in diesem Zusammenhänge den Rainen seine« KabinetiSkoUegen. des gegenwärtigen Finanzwinister« ffrafen Volpi nennt.Dolpi war damals Gouverneur von Tripoli«. Zweiein­halb 3aljrc lang hat er gearbeitet, um die tat­sächliche Eroberung der Kolonie, die der formalen Besitzergreifung endlich doch folgen muhte, burchzuftchren ffiaentlid) Parador. daß dieser eminent friedliche WirischaftSpnIitiker eine kriegerische Ausgabe zu lösen halte, während sein Rachsolger. General de Bono, einer der vier militärischen Führer der Schwarzhemden auf Rom. Kt)t die friedliche WirtfchaftSardril leistet"

.Sie werden c« begreifen" fährt Erzellenz Federzont reizend, wie ihm da« kern Diplomat der alten Schule nachahmen kann, fort, ..wenn ich mich heute, nach fünf Jahren, cm bischen m Erinnerungen verliere Damals war unter gan­ze« Kolonialgebiet, von her Küste bi« in« Ge­birge, ein einziger Unruheherd. Heute bie­tet Tripoli« den wunderbaren An­blick von Ruhe und Arbeit. Da« Land befindet sich in einem Zustand vollster wirtschafte licher Entwicklung. Die Kolonisierung geht in rafchem Tempo vorwärts. Wir müssen die Ko- loni'terungstendenzen der 3tahener. die sich in Tripoli« ansiedeln wollen. nicht nur keineswegs unterstützen, wir müssen sie soaar zurückhaUen. Der Ausbau de- Landes wächst so rasch, dah wir eine gewiNe Mühe haben, um die notwendi­gen Mittel bcreitzusteUen. Ratürlich müssen wir un» an einen sehr genauen Kreditplan halten. Ich erinnere mich noch, wie in der x3eit vor dem Weltkriege ganz 3talien die Frage erörtert bat. ob Tripolis überhaupt tolonihcrbar sei. Pro­fessoren und Politiker haben sich herumgestritten. Untere italienischen Bauern beteiligten sich an diesen Diskussionen Ireilich nicht. Die fahren hinunter, leben, dah der Boden ausgezeichnet ist.

Kameraden.

Roman oon Selig MoeschIin.

Copyright by Carl Sünder, Berlin W 62

fl. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Nein, es i|t nichts io», in jenem Sinne, den du meinst. Vielleicht ist sonst etwa» los. 3ch spüre ein Gewitter schon, wenn die anderen noch in den blauen Himmel gaffen. Vielleicht stedt hinter allem nichts andere» al» die Tatsache, dast man in dre, lagen wieder anfangen soll ' oie nahm ihre Sreunbin am Arm und zog sie auf die nächste Bank ..Man sollte auch auf der Buhne so etwas haben wie diese grü­nen Boote hier'

Was für grüne Boote?'

..Die Rettungfrboote. Sie sind so hübsch grün pe strichen ff» ist überhaupt eine gut ausgestattete, tadellose Insel. An den Badewagen. Etrandkorbcn und Zelten ist nichts auszusetzen. Alle - Hl hier zu­verlässig und sauber. Das fann man von der Bühne nicht sagen, ffs wird einem an den ersten Tagen wieder merkwürdig vorkommen

..Hilde, siehst du den Mann dort?"

..Den Dicken.

Na. |o bid ist er nicht. Wir sollten uns ihm vor- iteilen lassen. Das könnt« nicht» schaden. Man hat nie zuviel Verbindungen '

Wer ist» denn?"

..ff in Dichter. Dan maL Die Heist! er? Jetzt habe ich den Namen wieder vergessen, ffr hat ein ötürf geschrieben, ff In Lustspiel, ffs hat im letzten Winter einen großen erfolg gehabt."

Die heißt das 6tüd?"

..Ach, auch das ist mir emiaUen. ffs ist ein Stück wie Kabale und Liebe', nur daß es natürlich gut endet, denn es ist ja ein Lustspiel."

So, der? Also einer von denen, die Haßgcsänge schreiben, so lange es Mode ist. und öncbenspal- inen, wenn es Mode ist. und biejutn vaterländische Lustspiele zusammendichten, mit Soldaten und jam patbiieben Fürsten, weil sie die neue flonjunfnir wittern? Ader wer mir an meine Kabale und Liede' rühri, der hats mit mir zu tun. Zwöttmal habe ich bi« Luise gespielt, und ick freue mich daraus, si« noch zwölfnml zu spielen." Sic sprang auf, vergessend, wo sie war.Weiht du. der Wurm, wie er einen Schritt tut auf sie ju, und glaubt, er habe sie schon, und flüftert: Wieso liebe Jungfer? Und wie sie schreit: Weil ich dich in der Brautnacht erdrosselte

linden Waller und gründen ftch c ne erträgliche Enstenz. So must Tetpvlis zu etnet Kolonie italieniicherrrolfciuna werd« w e ja me ner Meinung nach ganz Rordasrika auf dem B)eg ist. sich durchaus zu europäi»

Die ffrichliestung der Ehren aika vollzog sich nicht ganz <o einfach D-r haben in diesem Vanbe eine außerordentlich merkwürdige Situa­tion Dorgetunben einer'c.i« regierten die lo- falen Autoritäten zumindest formell andererseits Herrichten tatsächlich die C c n u f 1 i im Lande eine rtligibfe Sekte die ihren starken geiftioen Einfluß auf die ff --.geborenen »u allerlei, gewöhnlich keineswegs reinlichen Geschäften nnh- brauchten. Da« Merkwürdiaste an diesem Zu- ftanb war die Tatsache daß die SenusfiS mit italienischem ffieibe arbeiten, na­türlich gegen un« arbeiten konnten. Run. wir baiKn auch hier Ordnung gel4>aHc i. Obwohl es stch um ein gebirgige« und zertlüftete« Gebiet, ähnlich dem marokkanischen Ri«, handel«, in dem ein paar hundert ort«kundigc und waghalsige Männer einen ständigen Guerillakrieg gegen die Autorität führen können und obwohl es außer­halb de« Küstenstrich« wenigsten« bi« in die gab. die wir als Stützpuirkte hätten ausbauen können ist es un« doch gelungen bie ffhrcnaila zu pazifnieren Die Technik und die öriabrung unserer Kolonialpolizei, die allein, ohne mili­tärische Formationen, die Ruhe bcrqcHeilt hat ist. wie ich wohl selbst sagen darf, beispielgebend lycr.cntoänifl haben die Aufständischen nur noch vier Punkte von Bedeutung m der Hand zwei Flächen in El Veßcia. ein Stüdchen von ffcbel el Aldar und einen Streifen in der Sahara. Aber auch hier wird ihr Terror i m kommenden 3 ahr unterdrückt sein, ürft vor wenigen Tagen, am IahecSiaq des Mar­ches auf Rom. haben wir die Eisenbahn, linie Bengasi-Barce eröffne!, lind gegen diese Fortschritte der Technik nüyt kein Guerilla- kneg unb leine Revolte der Eingeborenen.'

..Lind ffyzellenz nicht trotzdem der Auf­fassung. daß eS sich bet diesen einheimischen Revolten um mehr al« um lokale Kämpfe handel« ? Glaubt die italienische Regierung, daß

da- Erwachen der farbigen Rassen sich auf die Dauer aushalten lÄfttT

nister Ader die Feindseligkeit gegen Europa läßt sich zumindest in unseren Kolonien gew.st unterbrüd- :i durch Erzie> ng und wirtschaft- liche Besserstellung der Eingeborenen! Betrachten Sie nur d.e wunderbare E twicklung in Ertz- « hräa wo ein neues Uniemetmen nach dem anderen geschafft wird, wo Eisenbahnlinien ent­stehen und der Handel immer größeren Umfang armtmini. Die überaus wertvollen Baumwoll- Pflanzungen de« Lande« werden jetzt erst zu er- plottieren fein, wenn der Haie > v.-n Mafsaua mit dem Tal von Gaich durch eine neue Bahn, bie ein Wunderwerk der Technik darste'.lt sie verläuft stellenweise in einer Höhe von 2400 Mei er und ist fo die höchste Bahnlinie m Afrika. verbunden wird Gouverneur GaIparini von Eiyihiä hat es überdies ver­standen. «ehr wertvolle Beziehungen zum König­reich 'Seme: das auf der anderen Seite des Roten Meeres liegt, und zu Abessinien ber- zustellen. Ebenso rasch vollzieht «ich Ter wirt» schaflliche Ausstieg des Lomalilandes der vom Gouverneur Graf de Beech,. ebenfalls einem der vier Führer de« Marlches auf Rom. eingelötet wurde 3n diesem Zusammenhang muß ich übrigen« de« Herzog« der Abruzzen eines Betiers unseres König« gedenken, der fein ganzes 1kmögen und feine ganze Energie daran wendet, al« der erste Pionier 3tahen# aus dem armen Somaliland ein wertvolles Wirtschaft«- gebiet zu mache.

Unk re Berber und Araber, lauter brave und erziehungssähige Leute leben die Vorteile der literarischen Verwaltung sehr wohl ein. Die friedliche Eroberung Afrikas durch den euro­päischen Geist erscheint auch ihnen als em er- stt>ben«werie« Ziel Uns iftle besonder» wichtig, weil wir hier einen Teil unsere» Vevvlkerung»- überid>uffc» werden ansiede In können. Freilich ist damit da« Problem der 11 e b e r - vöfferunp Italien» noch nicht gelost. Und sobald Kolonialfragen wieder aufgerollt werden w i r d d i e Welt auch die demographischen Bedürfnisse 3 t a 11 c n 6 berücksichtigen müsse n."

LicbesabciiieiierderKölijWMnevoiiRumänien

Von Zoe Bedleh.

II.

Zwischen Onkel und Neffen,

(iarolo eijerne Hand.

Ferdinand vonRumänien hatte nicht einen Tropfen rumänischen Blute«. Er war Deutscher au« den, Hause HohenzoUern- Sigmaringen. ein Sohn des FürstenLeo- p o 1 d von Hohen zollern und der Fürstin An­tonia. einer geborenen Infantin von Portugal. Tochter deS König« Ferdinand von Portugal und der Königin Maria d'Gloria. Er war Rumäniens zweiter König und folgte feinem Onkel Earol, auch von deutscher Abkunft, einem Mann mit einem Willen von Elfen und spartani» fchem Pflichtgefühl. Gerade daS Gegenstück war Ferdinand, der einen schwankenden Willen be­sah. ein gutes Herz, einen unbedeutenden Ver­stand und eine ausgesprochene Anlage zur Untergebenoeit. Er war ein ge­fälliger Gentleman, der den Eindruck guten Wil­len«. von Geselligkeit beseelt und dem Wunsche recht zu handeln machte, der am liebsten jedem helfen mochte, wenn ohne zu große geistige An­strengung einigermaßen die Vkoglichkeit dazu vor- laa. Die zwei- oder dreimal, die ich ihn in Buka­rest lab. fiel mir jedeSmal die RedensartPoor old Darting (Armer alter Lieblings ein. 3ch hatte immer daS Gefühl, dah ihm eine kleine Aussprache mit mir gut tun würde und ihn vielleicht ein klein wenig'ausmuntern könnte. 3ch kann nicht sagen, weshalb er mir so aufmuntc- rungSbedürftig vorkam. aber c« war eben der Eindruck, den er auf mich machte.

6m mittelgroßer Mann mit einem schonen Kopfe fhi« auf die Ohren, die unglüdlidKrtocile abstehend waren), hübschen blauen Augen, einer start entwickelten Adlernase, voll grauen Haare» und einem* grauen Epitzbart. hatte er wenig Aehnlichkcit mit jenem anderen Hohenzollem. 6r-K aiser Wilhelm, in seinen späteren Tagen in Doorn. AIS ich ihn daS erstemal sah, war er gerade Rekonvaleszent von einer Krank- beit und einer kleinen Operation. ffS war ge­legentlich der sogenannten DamStag-Abend- Kino-Dorfuhrung im Dotroeeni-Palai- einer informellen kleinen Gesellschaft, bestehend auS einem Teeabend, zu dem vielleicht fünfzig Personen geladen waren, auf welchen eine Fa- milien-Kino-Vorstellung folgte, zu der einige der Gäste bleiben durften Ein Leinwand schirm war an einer Korridvrwand ausgespannt und nach unten führte eine breite, tiefe Treppe Auf deren untersten Stufen sahen die Dienstboten und deren Kinder, die Lust boAu hatten, je höher der Rang der dienstbaren Geister, desto höher oben durften sie sitzen und weiter vom Schirm entfernt. Oben standen zwei Armstühle auS Goldbrokat für König Ferdinand und Königin Marie und nebenan und dahinter standen Reinere Sessel für die Gäste und die anderen Mitglieder der .königlichen Za- mllie. 3d) sah zufällig direkt hinter Seiner Maje­stät, neben ör-Äönig Georg von Griechen- land, dem Gatten der ältesten Tochter de» KönigS- paareS. Der König trug einen bescheidenen braunen Wollanzug nicht besonders sitzend, ton keiner eleganten Fasson, ein gestreifte« Hemd mit Kragen, dazu schwarze Schuhe. 3ch erinnere mich, dah ihn seine Tochter 61 e a n a beim De-

bann mit Wollust auf» Nad flechten liehe ff in schöner Satz!"

Pst. Dilbe, nicht so laut, die Leute drehen sich ja um."

Meinetwegen, am Meer bars man laut fein. Und Schiller, der ist wie das Meer. Über bann kommt so cm schlauer fterl, so ein gewichtiger Mann, und macht ein Lustspielchen daraus, und am Ende frieren sie sich der neue Ferdinand und die nc.;e Luise, ff» ift rührend Heute verlangt man, bah sie einander kriegen. Man hat schrrxiche Nerven, nach all dem Schießen und junger leiben. Man darf stechen auf der Bühne, aber ja nicht wtstechen. Man darf ausnnunbergeben. aber man muh wieder zu» fammenfonmien. Man wird auch aus .ffmilia (Balotti' und au» den .Raubern' ein Lustspiel machen unb aus Maria Magdalena' erst recht. Geheiratet muh werden, bannt ein Volk, das einen Krieg aus- gehalten, aber feine Trauerspiele auspchalten oer mag, getröstet ins weiche Ben schlupfen kann. Und einem wichen Manne willst du vorgestellt werden? ffr soll ein Segelschift nehmen, und ich will hier am Strande stehen und eine Freudenträne weinen, wenn er untergebf"

Gott, bist du heute temperamentooö."

..Sicherlich nur. weil in drei Tagen die Geschichte wieder los geht. Ich bin ja zu beneiden, ich weih es. Ich werde auch beneidet. kann es ertragen." 6ie ctzte sich wieder neben btt greundin. ..Und doch sage ich dir, ich habe in meinem Leben nur einmal rnohrha't Theater gespielt und seither nie mehr. In Frankreich ist» gewesen, hinter der Front, im letzten Mriegennnter, es lind jetzt sieben, acht Jahre her. Lenn ich nickst wüst:e. was ich damals gekonnt habe, 'o würde ich oiellridst die Host'nung aufgeben, noch etwas Ncctste? werden zu können. Ich war bei einem flXanbertbeatcr und spielte die Lüste rmt meinen _chr;ehn Jahren unb bas Gretchen. Wir waren zwei für die gleichen Rollen, und mm sollte man den Soldaten etwas vorsoirien, bamii sie wieder einmal ttnxis anderes yu hören bekämen al» Äanonen- chüste und ich brannte darauf mitzugehen. obgleich die .stollegin rin aröheres Recht gehabt hätte. Der Direktor hat fchiietzlich doch mich mitgenommen, ffr Hütte offen gestanden, seine bestimmten Gründe, die ich wohl nickst zu erklären brauche. Wir soietten den Fall''!. Und wenn man vor diesem Publikum stand, cor diesen Männern, die nach Blut und ffrbe rochen, ich sage btr. bann wurde man etwas, man hatte gar nickst gewuht, daß man so etwas werden formte, ffs war jedesmal, als liebe man wahrhaftig

und als sterbe man wahrhaftig 3a, und einmal, da ist noch etwas anderes geschehen, der Direktor jagte, er schlage mich toi. und ich sagte, er solle mich totschlagen. es sei mir gleichgültig, ffr hat mich bann doch nickst totgejchlagen." Sie hob die Hand.Siehst du die drei aolber.en Ringe? Uni siehst du den schmalen Silbernen? Der ist mir beute noch der Liebste. Biegen des Mannes, der mir diesen Ring gab. wollte mich der Direktor totschlagen.'

Die Freundin lachte ..Btenn man einen solchen biUi^en Ring so lange behält, so bedeutet das nicht wenig."

-iu>as muß man doch behalten, ffs wird wohl nicht oiel mehr von ihm übrig sein." wie sprang au- .Xkftt btn ich reif für» Metropol. stamm, dar: spielt em Balalaikaorchester. Das Russische tut einem immer gut."

Sie saßen im Tanzoalast Die großartige B. Zeichnung war rin wenig übertrieben. Doch durch bie großen Fenster schaute das große Meer, und aus der Buhne spielten die Russen, glatt rasiert, sauber gescheitelt, in roten Stiefeln.

..Glaubst du, daß bas Saffianleber ist, fjilöc" ffs ist anzunedmen," jagte riilbe. Sie durchstog

bie neuesten Zeitungen. .3eyl ist Tom Mir. der srrlmhcld mit Dem großen weichen Filzhut wieder m Amerika," rief sie.Gott, was hab' ich gelacht über chn (hebe April in Berlin." Sie las weiter. Auf einmal packte sie die Freundin am Arm. Grell, schau, da, in der Mrttc ... ,Ban den Toten auferitanben*.*

Grell las.Run ja, eine seltsame Grichichic. ."

Hilde stand aus. ^Ich mug ihm. Das ist der mit dem Ring, verstehst du, vielleicht hat er niemand."

Wer lagt dir denn daß er niemand hat? Wahr- ichemlich hat <r Freunde genug unb eine Frau dazu Bteid du ruhig sitzen."

Hilde gehorchte, ffs war ja wohl vernünftiger. Wer weiß, ob er sich überhaupt noch an sie er­innerte.

Das Orchester spielte eine einfache, schwermütige Melodie, wie ein Ruf, der immer stärker und stär­ker w.ederkehrt.

Wieder Iprang sie auf.Rein, Grell, ich ge^e. In drei Togen müßte ich ja doch in Berlin fein. Aber heute fährt kein Schiff mchr."

Du kannst ja nach Bremen stiegen."

,3a. öu hast recht, das tu ich!"

Du wirst ihm buchstäblich in bie Arme fliegen."

grüßen tvr ic führte dabei große Bclorjnt« verraten? bast er ia nicht Mi viel sichen ober

stc von ihrer Mutter der bildschönen Königin Mar.e uni. rsii.zt wurde. Trvtzdei'i machte Leine Majesiät eine Ivmp.ettc R-mde durch« Zimmer unb gab einem nach dem anderen die Hand in t' t ubiiche i Reihe i'olge 0. ulne küßten ihm die Hand Alle i achten ihre tiefe Berl'euguiig aufer nur. die 'i t> ein wenig bog und duckte, gerade noch zur rechten 3elL ohne daß meine klägliche L. teile aulgctallen wäre

Seine MaieAät prach lowcbl Euglilch al« auch Zranzv is^g mit starkem deutschen Akzent. Cr rehe:e nicht viel, aber schien er­freut. wenn ihn .emand anfprach und er etwa« Reue« cr-ubr. Wahrend der ToriLllur einer von ber tltmvdifchen Cor:« betitelt .Der I tu g c ff lei roch es plvf 'ch rach brennen-

Jc seit* quclqur cho«r bruicr *" Die Königin tat desgleichen und fagic .Somcthin burnsT äis ist weiter nicht« ais irgendeine . igatette", 'aqte die dübsche ff r-Königin Griechenland«.

\liis non!" beharrte ihr Vater in feinem teulo- ni'chen Fraiizösilch, indem er weiter schnüstelte. . Je bin* bien >utc quclque chose bruic en Im!"

be ledoch etwa» pastieric war d.e Lemewand- Vorstellung zu Ende unb da« 5königspaar erhob stchAu rcxoir. tout Ic niondc!' sagten fie lächelnd unb entließen bie Gefellschast mit einem Kop!nicken. Deutsch wird un allgemeinen im Palast nicht mehr gesprochen mit Ausnahme vinigcr Dieiistboicii <> ranzosifch unb @ n q l i l d) linb die Gesellschaftssprachen. Ru- mänifch wirb sehr wenig a^sprochen. Beide. Fer­dinand wie Marie lernten diese Sprache zu spät, um sie fließend zu sprechen.

Man wundert fich vielleicht, wieso ein Deut- icher dazu kam. Rumämen« Herrscher zu werden. Die« ist leich' zu veriteben. wenn man sich vor Lugen luört. datz das Land bi« 1880 ein Vasall der Türkei war. ein wilde«, halb zivilisierte«, ganz unkultivierte« Land ohne Städte. Eisen­bahnen ober sribsi brauchbare Straßen ff« be­durfte dringend einer tnchugen Kraft, einer deutschen Kraft! ff« hatte sich gerade einigermaßen erholt von unzähligen Einfällen und baucnibim Kleinkrieg, in dem jahrhund.'N?- lang um da« Land gefochten worden war Es

PaNeien vereinen lonntc. Dazu war rin Aus, n- Ieiter erforderlich E» gab cpllvisse politische und in i r 11 d> a I t i; d) c 3e|le| u nq< Deutschland und deutsche i Angelegenheiten - zumal der alte Premier-Minister Bratiai, u einen Haß au f Rustland hatte und eine Sympathie für Berlin. So wurde da« Königreich Rumänien proNamiert und Pr nz Karl I Earol) von HohenzoUern-Sigmaringen kourbe er n geladen, den Thron zu bett eigen. König Earol und seine Frau Elisabeth, der Welt bekannt al« .ffarmen Sy Iva", bie Dichserkönigin, halten keine ffrben. inichdvm sie ihre einzige Tochter Marie in deren Kindheit oerloren. Jahrelang hegte Königin Elisabeth bie Hoffnung, dem Throne einen Erben zu bangen, aber al« man dies all­mählich al« unmöglich ansehen muffte, wurde Ix-schlvlsen. den Bruder«svh°i König ffaml« zu adoptieren, um dereinst ffarol al« Herrscher Ru­mänien« nachzu folgen.

Prinz Ferdinand kam deshalb Im 3ahre 1880 im Aller von drriundtzwanzig Jahren Er war damals Leutnant im ersten Garde- Regiment au PviSdam. ffr war mtl mehr oder weniger Strenge erzogen worden, hatte al« Soldat eine vorzügliche Ausbildung gciroHcn ffr

geführt, hatte fänerlri politisch? 'SeranttDoriung Icnnen gelernt und nichts Besondere« war oon feinem Geilt verlangt worden. Ai em and beküm­merte sich um sein innere« Leben oder bemüht« fich. seinen ffharakter zu analysieren. Beide er­schienen allem Anschein nach für die Verhältnisse genügend. Er war rin anständiger junger Durchschnitt«msnsch ohne besonderen ffbr« gerz. unb wie man so sagen möchte, mit einer all­gemeinen Abneigung gegen zu große geistige Anstrengung. Wenn Ferdinand in die Hände von

Scherze nicht. (Breil. Ach, davon ist ja nickst bie Rede . . ." Sie drehte den Ring.Du begreifst doch, ich mochte ihm bloß bie Hand geben und sagen: (Buten Tag. es freut mich ..." Unb ohne daran zu öenfen. daß sie den Leuten al» eine tolle Person Vorkommen mußte, drängte sie sich rücksichtslos zwi­schen Stühlen und Tischen hindurch und lief hinaus.

Kopfschüttelnd, mit einem Versuch zu lad,rin, und dennoch totber Willen, erschüttert unb mitgeriffen, bezahlte Grell den Kaffee

Marianne und der Aisistenzarzt schritten durch den langen Bang des Verwaltungvjievanües, durch- querten einen Park, honen Schreie zur Linken und Rechten,ffr ist bei den Ruhigen in der Abtei­lung D," sagte der Arzt. Benn nächsten Hause stand er stillHier haben wir bie striegspchchosen " Man unterschied deullich eine Stimme, bie immer auf dem gleichen Tone fang:Reoolvergranatenkanonen, Re- ooloergranatenkanonen...' Marianne erinnerte sich daran, baß sie diesen Gesang schon srüher «ehori hatte, unb erschauerte: Diesem Manne hatte noch fein Blitz geholfen. Wieder gingen lie unter Bau­men. inciHiA. schattig und kühl dahin ..Dir haben auch Pll)choikn au» ber Inflationszeit," sagt« der Ärzt. Die au; Kommando deklamierte eine gelle Stimme mit der rnaschmenmaßigen Ausdauer eine» Phonographen: .Hunderttausend Millionen bi lli- onen ..

Marianr e haftete weiter. Sie erinnerte sich an die Jahn, da ;ie jede Woche durch die-ie Schreie ge­gangen war immer von neuem zerschmettert unb .n ihrer Mütterlichkeit verwundet. <nb sie dachte bebend Warum ist der Blitz nicht damals gekom- men, wie em'ach und herrlich wäre jetzt nicht aliest Unb doch bäumte sich etwas oon jener straft, bie fie eie 3ahre lang ausrecht erhalten Halle, auch »etzt noch m ihr oui unb iaait: Wer weiß, ob es einfach unb herrlich iem muß ... und bas verbrauchte, mißbrauchte 3ort aus ber stnegszett sprang wieder auf: Durchhatten, Durchhatten! aber es klang ohne rechte Mach: unb straft. Die Belt war heute ohne Unordnung war erlaubt, ja oorge» schrieben, ine Wahrheit eine Sünde, die Sünde eine Xugenö unb heil:oe Norwendigkeit. Man kannte sich nickst mehr aus Man ließ sich treiben, es war viel­leicht am heften so. Dirie Bell hrer hatte ihre elge» ner. Gesetze. Die andere Welt, bie da hinten lag, galt nicht mehr, mochte fie auch nach ein paar Stun­den schon wieder fürchterlich auferftehen.

(Fortsetzung folgt)