Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gderhessen)
Nr. 260 Zweite Blatt
Samstag, 5. November 1921
Zwei Iubilare.
Außenpolitische Umschau.
Do« Pros. Dr Otto Hoetzfch. M. b. R.
Ql rin noch t*r Ehronik bet Wochenschau finb wohl die wichtigsten •oriamllf dieses Mal die tianbung italienischer Kriegs! chtfse In Tanner und bi« Tritt dlung Ruhlands, daß es an der Ubrüfcungtfcmfrr«n* »entnehmen wolle. Denn Wit die Wichetgtett dieser beiden Ereignisse miteinander vergleichen. so 1# ohne 3tt»ciW dos »weile bcNrutu hjeL^'cr als das er tu-
®w italienische Politik mühte sich doch allmählich fragen, was derartige Demon- ftrotionen für einen Sinn baden, di« sich nudlos ixrbrauebrn. die ohne TDfrfung auf die Mell bleiben. Jedermann weih, daß 3tollen bestimmte Ansprüche bei der Regeluiig der Tanger- frage erhebt. Riemanb zweifelt, dah ihm dabei auch der Rücken durch die englische Politik gesteift wirb. Ebenso ist klar. dah. toen» ein solcher Dorstoh 3to'.ien» erfvlzt. England dann nicht bei ihm bleibt, sondern wie auch in hiefem Jolle, der kalte Wasserstrahl, bie scharfe Kritik von der Themse kommen Und die französische Außenpolitik. Briond. bleibl ruhig und besonnen. 3fi es richtig dah Br land dieses Mol geäußert hol. man müsse solche T^monflrat.rmen ntchl so tragisch nehmen. Io entsprich! bas durchaus der Situation zwischen einer überlegenen machtbe- truttm und ze.'. fieren Afrikapo!
und einer ziellosen und demonstrativen PoliNk 3toltcru»
vchltehlich weist auch jedermann, dah die Unterstützung Spaniens wenig bedeutet. Die Schwierigkeiten, mit denen Spanien in der 3mwn- und Äuhenpolitik zu kämpfen hat. sind so groß. dost es zu einer wirklich starken Politik in einer solchen Richtung nicht kommen rann. Mies das muh doch eigentlich in Rom ebenso klar sein, wie es dem unbefangenen Beobachter an sich klar ist. Dah 3talicn die ihm gebührende Steil« in der grohen Politik Lurvpas ebmehme.i dah 3talten das feiner gewaltigen Lebe^krast erttsprschende Einstuhaebiel wirklich erhalte, bas kann nur der Wunsch jedes Dettt- scheii fein. Ilm so mehr bedauert i Demonstrationen, bi« einen Augenblick Unruhe schassen, vorübergehen und nur erneut zeigen. bat man in Rom di« richtige findet.
Ob nun eine Tangerkonferenz. an der nctürlich 3talien beteiligt fein soll, herausllebt ober ob Frankreich seinen Standpunkt i*eibehäll. dah ja alles durch die bestehenden Derträge sest- gclegt sei. bas steht noch dahin. Wieder einmal tst die Gesamtlage im westlichen Mittelmeer zwischen Engi and-Frankreich, 3talien- Spanien scharf be.euchtet worden, das Problem, bah ein an sich zu grosser Kvlonlalpolttik innerlich nicht befähigter Staat, wie Frankreich, durch Sicherste t. Koofeguenz und Macht hier die Dmge fest in der $anb Wit. dah ein Staat wie Spanien, der am besten seine Position hier ausgäbe, den Weg aus dieser Lage nicht findet, dah 3tallen, zu aktiver Kvlontol- politik berechtigt, wie faunt ein anderer europäischer Staat auf Grund seiner Lage, vor allem seiner gewaltig anschwellenden Bolkskrast. den Weg dazu gleichfalls nicht findet, dah England vor allem sich bemüht, die Sage, wie sie da ist (Gibraltar vor allem«, uttveränderl aufrecht zu erhalten und im übrigen ein Spiel in diesem Quartett zu spielen, das Im Gndessttkl auch für England yemhd) nutzlos ist. Erzwingen kann ja England, selbst wenn es das Ur.II. von Frankreich eine Marokko- und Tangerkonsereizz nicht. Miede also nach der jetzigen Lage nur der direkte Weg und Dersuch einer italienifch- franzbs.schen Verständigung, bei der Spanien dann eine Mittlerrolle hätte. Aber davon ist der ganze Stand des Problems heute mit all seinen Spannungen und Unsicherheiten wett entfernt.
Ss ist kein Lus all, dah hart vor dem zehnjährigen 3ubiläum der vowjetregierung diese sich bereit erklärt, an der vorbereitenden Abrüstungskonferenz. fre auf den ZS.
Aovember berufen ist. tx~..zunehmen Bekanntlich ist ausdrücklich in jener .Genfer Resolution- dcr Teilnahme auch von Stauten bte nicht zum Völkerbund gehören, m Lus'.che genoeune nicht nur an der Abrüstungslonfirenz. sondern auch an jenem Sicherherts komito«. auf bas man dann abkam. Torbamertfa' hat noch n.chts von 'ich hören lassen. Tschetscherrn aber bat hie Einladung '»fort angenommen und tst habet auf bi« Erleb.gung des Zwischenfalles zwilchen Xuh» lend und der Schweiz yirüdgefommer.. der die Teilnahmc an der ersten vorbereitenden Kommission aus fchwei^rilchem Boden nach nilhWvr Anlicht für Ruhl and unmöglich aemadK batte.
Man erkennt tn dreier Bereutchaft die Rich- rung Stalins . die Tschtt'chrrin durchaus leih. Hat die Abrüstungserönerung überhaupt eine Ausltcht. zu etwas zu führen, was sehr Sachverständiae allerbtn»i bezweifeln. Io hangt dies sehr stark von der ÜtiarbcK sowohl R v r fr a m ertkas ttn# Rußland ab. Bor allem für die Teilnahme England» bebeutel. wie die englische Preise offen ausfpe,cht. dieser niHUdx Enfichlust ein sehr wichtiges und die
er^lischrn DölkeroundSkreise bcgrü'ten ihn daher lebhaft Wenn man au-h t-chi so wett gehen wird, wie .Daily Thronte Ze'. um zu lagen, dah damit der erst« grobe Schrill getan fei, eine wirksame Abrüstuiv^polilil zu ermöglichen, fo ist doch eben die Teilnahme Ruhland» an dieser QIu *<•. n d n*vi1ct> ung ohne Zweifel ebenfo von Wert und W.chLig^eit. wie seine Teilnahme an brr We.Ltti.t'chastslonserenz «s auch war.
Der Sowielstaat befiel)! 10 3adre unter arofke ».rtfajiftilgen Schwierigkeiten, aber er besteht Rur lehr wen.ge Men'chen in Europa glauben im Ernst, dah es möglich sein würde, Ruhland durch eine bewd fiieto 3nterventio:» zu einem anderen Regime zu zwingen. So muh also Europa sich mit der Tatsache, dah ein bolschewisttfches Staatswesen da ist. abfinden, und Jeine Stellung zu den konkreten Aufgaben, die sich daraus ergeben, nehmen. Wir meinen damit die Frage der wirtschaftlichen Bo z'ebungen. Wir meinen weiter damit die Be-
vcti rgen des offiziellen Ruhlands zu Ä e - min.ern unb der Weltvevoluncm. Dir meinen schliehl ch sein» getarnte Stellung in der Weit. In Ir.ne . Beziehungen. Verträgen ulw.
Dir zweifeln gar nicht, dah die Teilnahme einer rusfiichen De.egation an der Abrüstu»^- kvntcoenz m öenf biwe mir Ichwierigerund umständlicher m-iAcn wird Wir surd sogar gelltk. dah fr« Teilnahme ru'ft scher De.egterrer er ne ganze Tlenge von unfruchtbaren und lang- aimtgcn Debatten herbetsübren wird, und kennen da» Spiel der Argumente, das Spiel zwischen Der russischer Delegation in Gens und der Moskauer Ptofie so zur Genüge dah man eigentlich schon jetzt sich im einzelnen lagen kann, was dir russischen Vertreter in Gens aus führen werden Aber trotz freier ober gerade wegen dieser Schwierigkeit ist es zu begrühen. dah fie dabei sind und dah das russische Problem auch nach dieser Richtung wenigsten»!, axiter durch» fiedacht und behandelt w.rd. E» i st ein Vorteil ür Europa, tpenn auf der einen Seit« die Einsicht zun.tnmt, daN der Weg des L o.uches bet Bez:< Hungen und her engl.lchen Politik im Mot nicht der richtige ist, und dah auf der anderen Seite Rußland. der Sewjetstoat. wenn er sich auf die Dauer halten will, sich nicht dem v3ttxing entzehen kann, in der entscheidenden .Trage ganz einseitig Stellung zu neb • Unter entscheidender Sragc r er verstehen wir jenen grundsätzlichen Gegentoy. der qu^> im Rakowsfi- fall toieber zutage trat: bah der russische Staat auf der e nen Se to aus übliche Weise dcploma- ttsch-fr»ebltche Sezlehungen pflegt, mit ihnen sogar w.-.-tfchastllchc und finanzielle Hllse erlangen will, und auf der anderen die welt- revÄutionäne Propaganda weitigst«n.Z Infrrcft und mittelbar toc.tcrtreibcn läßt. die diese» kapitalistische und .bourgeoise" Europa als Tot- feinl l-etrachtet Daraus, bah Stalin den Ent- sch.uh so unmittelbar vor dem Jubiläum saht« un* aussprach, Ruhland in Gens vertreten zu lassen, erteuni man die L*inie. die er auch in dieser Beziehung einhalten will!
Oer Kohlensürst von Harpen.
3n diesen Tagen ist in Dortmund dmt : X o e r t M üser.
jährige Generaldirektor drr Harpener Dergbau-Aktiengelelllchast. im 78. Lebensjahre gestorben. Das austerordentlich erfolgreiche Beben dieses Aol- len Magnat en ist eng mit der Entwicklung des Ruhrgebiels und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ganz Deutschlands verknüpft.
Wer den Handclsteil einer Zeitung, auch nur in gewissen Abständen lieft, kennt ben Hamen der Harpener Bergbau-Aktiengef^llchast. Zwar verfolgen viele Leute täglich bas Fallen und Steigen der Kurse dieses Börlmpapiers. aber nur die wenigsten haben eine Dorstellung davon, wie das Riefenunternehmen, dessen Aktien sie kaufen oder verkaufen, heute aussieht, wie es entstanden ist oder wer die Männer find, die eS durch harte Arbeit, schwere winsLastliche Kämpf« und geistreiche technische Ueberlegungen zu seiner heutigen Bedeutung entwickelt haben. Einst war Harpen ein winziges Dorf in dem Land zwischen Lippe und Ruhr, nur einem Zufall, nämlich der Auffindung reicher Rvhienfelder unb der Zähigkeit eines Dortmunder Arztes ist es zu verdanken, dah öS in der zweiten Hälfte des vorigen 3abr- hunderts zu einem wirt'chaltlichen Brennpunkt, zu dem Sitz eines mächtiaen Llnternehmens wurde. Erft im vorigen 3ahr ist Harpen mit der Landgemeinde Gerthe vereinigt worden, tn Zukunft würde allo wohl niemand mehr von diesem Ort sprechen, wenn nicht ein mächnge» Kohfenunter- nehmem, delsen Derwaltung ihren Sitz in Dortmund hat, seinen Hamen tragen würde.
Die Harpener Bergbau-AIticngJlllschast besah im vorigen 3abre 18 Zöchen, sie förderte im 3ahve 1924 y < Qftuitonen Sonnen Steinkohlen, also eine Menge, zu deren Transport weil über
eine halbe Million Gifenbah»Waggons nötig sind, beschälüg.e damals fast 2») Angeflellle unb rund 2> 0» Arbeiter, und halte ein Aktienkapital von 100 Millionen Mark. Aber der Mann, dem diese Gesellschaft untertan war. und den man deshalb als den .Rohlenfürsten von Harpen" bezeichnet, hatte feine Herrschaft noch weit über das Reich des schwarzen Diamanten ausgedehnt- er kümmerte sich nicht nur um die Landwirtschaft seines Gebietes. sein?s .w rtschastlichen Fürstentums", er be'ast auch Aussicht-ratsposten tn der BerliTwr HattdelSg.s-llschaff, deren Direktor Rar! Fürstenberg übrigens auch Im Aus- stchtSrat der Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft sitzt, und er war auch im Aus sicht-rat der Deutschen 'Peiroleum-Attieng.'sevschast, der Rüi- aerS-Werke und der Dynamit-Akriengesellfchast Gebrüder Rodel vertreten. Das waren freilich nur die wichtigsten von den 23 AussichtSrals- pvften, die der Geheime Kommerzienrat Rodert Müser, der ehemalige Generaldirektor der .Harpener Bergbau", trotz seines hohen Aller« zu verwalten harte. Sein Sinsluh erstreckte fich auch auf Elektrizitätswerk«, jtaligruben. Maschinenbau- gosell'chasden und Bersicherungsunternehmon.
Robert Muser hat diese gewaltige Wirt- schastsmacht nicht allein auf gebaut Sein Dator, einst praktischer Arzt, war schon einer der erfolgreichsten Pioniere, die der deutschen 3ndustrie neue Gebiete erschlossen und damit dem ungeahnten wirtschafil'.chen Aufschwung Deutschland» in der Zeit vor dem Jtricge den Boden bereitet haben. Dor 80 Jahren war daS ausländische Üriemebmcrtum im rhein,sch-westfälischen 3nbu- ftriebezirk we-t rühriger ali die einheimische 3ndustriellenlchicht. Engländer, Franzosc-n und Belgier erschlossen die deutschen Bodenschätze und heimsten die Gewinne ein. Roch lange erinnerten viel« Zechen namen an diese Ausl ander Epoche.
Mrlich 3 INilliarden Gespräche!
50 Jahre relephonvcrkchr in Teulschland.
Don Dr. Hugo Breitner.
Man sraat sich ob es wirklich erst fünfzig 3ahre her sind, leit dem Tage, als in Berlin — es war am 5 Q Irwin her 1877 — der damalige Generalpostmeister Stephan da» erste Telephongespräch führte. Stephan sah in seinem Arbeitszimmer tn der Leipziger St raste und mtterhiell sich mit dem Direktor des General- Wlegrapbenamts in der Französischen St raste. Di« Derstündigung war ausgezeichnet. Mil freiem Tag begann im Derkehr eine neue Zeit. Die Berliner batten fich bald von ihrem Erstaunen über diese neue wunderbare Erfindung die man anfangs mit höhnischem Zweifel begruht hatte, erholt. Und mit dem sicheren 3nfHnft des grohen Reformator» ging Heinrich Stephan daran, den Fernsprecher für den Telegraphenverkehr nutzbar zu machem Schon einige Wochen später waren bereits 16 Telegraphenämter mit Fernspr?chem ausgerüstet, ein 3ahr später waren es schon last 300 und nach einem weiteren 3ahr waren sogar bereit# in etwa 800 TelegrapbeTtämtern Fernsprecher in Gebrauch. 3mmerhin dauerte es noch vis zum 3ahre 1881, bis in Berlin das erste Ortssernsprechney eingerichtet werden konnte. Roch im gleichen Jahre wurden tn mehreren gröberen deutschen Städten ebenfalls derartige Orts fern! prechnene geschaffen und tn raschem, unaufhaltsamem Sieg^lauf eroberte fich der Fernsprecher da» ganze Land. Kurz vor dem Krieg gab es in Deutschland 750 000 Frrn'orech' teilndjnwr, während es heule nahezu fdx»n zwei Millionen find. Die Zahl der jährlichen Ortsgespräche kommt an drei Milliarden nahe heran, während die Zahl der zwischen verschiedenen Orten geführten GZpräche sich auf 250 Millionen beläuft
Diese Ziffern bedürfen eigentlich keines Kommentars. Sie reden eine so drutliche Sprache, dah jedes Wort über die Bedeutung des Femsvrechers durchaus unnötig ist. Zmmerhin ist cs nicht ganz unnötig, den Weg zu überdenken, den die En:- Wicklung von jenen ersten Fernfprechverfilchen des deutschen Erfinders 3ohann Philipp ReiS in Friedrichsdorf im Taunus bis zu den modernen Telephonämtern gegangen ist. Der Harne dieses Mannes, der neben seinem Beruf als Bolls-
schullchrer sich, trotz allen Spotts, fanatisch und unbeirrbar um die 3öec bemühte, den Klang der menschlichen Stimme auf mechanischem Weg fori- zupslanzen. ist nicht vergessen worden, wenn es auch richtig ist. dast erst der Amerikainr Aleran- der Graham Bell durch weitere Dervollkomm- nung die Erfindung für den Derkehr gebrauchs- veis machte. 11 nb nun find wir dabei, hmerbalb der Städte den Fernsprechverkehr durch allgemeine Einführung deS Selbstanschluh- s y st e m s noch mehr zu beschleunigen und zu vereinfachen und auch zwischen den einzelnen groben Stählen den automatischen Sprechverkehr einzurichten, toenn auch auf diesem Weg. wegen der groben finanziellen Belastung, nur schrittweise vorwärtsgegangen werden kann. Denn es ist z. B. nicht so einfach, die 30 selbständigen prechämter Berlins, die über die ganze Stadt verteilt find, innerhalb kurzer Zeit zu vereinigen. 3edensalls find die Dorarbeiten im Gang. Das neue Hauptfernsprechamt Berlins tn der Französischen Strahe, das vorauss'.chl- lich im 3ahre 1928 vollendet fein wird, wird das größte, technisch vollkommenste und darum auch leistungsfähigste Fernsprechamt Europas, vielleicht sogar der Erde lern. Schon heute bewältigt dieses Amt täglich durchschnitttrch über 40000 Gespräche zwilchen Berlin und andern Orten des Reiches, sowie 2000 Auslandfern- j$e. Ein Betrieb, der in ferner Ausgestaltung und Organisation mustergültig ist.
Die geographische Lage Deutschlands und die Tatsache, frist es fich mit feinen Grenzen mit nicht weniger als zehn Ländern berührt iHolland, Belgien, Quremburg. Frankreich. Schweiz. Oesterreich Tschechoslowakei. Polen. Litauen und Dänemark) hat es mit sich gebracht, dah das Deutsche Reich das Herz des europäischen Fernsprechverkehrs geworden ist, so wie es aus dem gleichen Grund das Herz des europäilchen Luftverkehrs wurde. Deulsch- Icmd ist mit allen Aachbarstaalen durch eigene Drahtleilungen verbunden. Dies war die Dor- ausfetzung dafür, dast zwilchen den einzelnen Ländern iz. B. zwischen Fraitkretch und der Tscheche! oder zvnschen der Schweiz und Dänemark! ein FerTtsprechdurchgangsverkehr ermöglicht wurde. Heute laufen nicht weniger als 22 fremd« Lini«n durch Deutschland und noch immer wird an dem weiteren Ausbau dieses europäischen SpovchverkehrsneyeS gearbeitet, um
den ständig steigenden Ansprüchen genügen zu können.
Alles ich noch in rasender Entwicklung, und es ist nicht übertrieben, sondern durchaus richtig, wenn einmal gesagt wurde, dah nach der Durch- führung des automattfchen Sprechverkehrs der Tag nicht mehr fern ist, wo Deutschland eine einzige grohe Telephon st adt fein wird. Detzc von LeilungSdrähten ziehen fich über die Länder. Stabet liegen in der Erde und in den Tiefen der Meere Durch den Metalldraht fliehen die )kachrichten von Land zu Land Ein phantastisches Märchen, das unS schon gar nicht mehr das Gefühl des Staunens abzwingt, ist Wirklichkeit geworden: im Zeitraum von sünfzig 3ahrett. Und schon hat die Radiotechnik ein neue. r angemdbet Dcr Haven Zeit,
von neuen ungeahnten Möglichkeiten zu träumen.
Snslands untrftböpflidie kunstschaye.
Die grohe Runsthandelssaison in England ist wieder einmal vorbei, und eine soeben ausgegebene ungefähre Stafistik stellt fest, dah in Dietern 3ahre Gemälde für md>r als 10 Mill. Mark und andere Kunst gegenstände im Werte von etwa 4 Will. Mark dem unwiderstehlichen Lockruf des Dollars gefolgt und nach der neuen Welt abgewandert find Inwlgedesskn erheben sich wieder die üblichen Klagerufe über den ..Ausverkauf des englischen KunstbefitzcS". aber besonnene Kenner treten Dielen pessimistischen Anschauungen entgegen. England ist ja seit mehreren 3ahr- Hunderten das Hauptland des KunstsammelnS. in dem Diele Tausende von Sammlern in gröberem oder kleinerem Mahstab mit mehr oder weniger bedeutenden Mitteln aus allen Teilen der Welt kostbares Kunst gut zulammengebracht haben. Die aufgebäuften Schätze sind daher so riesig, dah man sie — wenigstens vorläufig — noch für un» cr'chöpflich anlehen kann. ..Wir bal-en in unfern nationalen Sammlungen Gemälde, mit denen s ch kein anderes Land messen Icnn," sagte ein 'Vertreter Der größten internationalen Kunsthandlung. „Der Wert der Bilder, tri« sich in den arofKT. öfientlichen Sammlungen befinden, ist mit 5 Milliarden Mark wohl nicht zu hoch angeoeben. Dazu kommen dann rwch die Ecrnälde und anderen Kunstgegentzände. die fich in den Sammlungen der etrtsefnen Provinzen und Städte und
Der Arzt Dr Fnedr.ch W.lbelm Müler, der damals tn Dortmund lebte. be:rJt<jtr fich neben beu Ausläiidern in k.-wr svven Zeit an bat Arbeiten fre zur Entdeckung neuer Ko"'.enfeld«r auch er iunächll verkannt bespöttelt daß er lein gute» Geld für htrnverdeannre 3Dee.t Der» bivruchte. Schließlich sand er doch e.nigt Freunde. Nr hm zur C*-.tr stunden. Wan bojrle weiter m.t vcre-.nren Kr -.firn und sch. eßltch land man in der Tat Kodd Am Sennlog fuhr dann stellen hinaus fre Ich in der Harpener Gegend häuficm. Die K.nder ,o,en brv u'tri umher, und *<t 21rU betrachtete wo igesäll.g fre Ichwarzen Kv^ienslücke. d e er ans Iagr4 \il gebracht ha te. Diese 'onntägi:chen Au»'I ige b . c^eti noch m den letzten 3atzren Mc a tgenehmst« er.imrrung Roi»ert Mülers der als K.nd an ihnen teil- gci o-nmen batte. Aus print.t 'xn UraliänDcn entwickelte sich der ir-oVn. • Ä mb r tbau tn lern Wicht ifkn 3ndu :r exbtrt fr** «u v' ,t chrn Kv.tttneni*
Am 4 Januar 185d grunacte iann Wuler sen. irrt Heinrich pwt Stzdow Wtlhrlm von Hövel und VuDw.j Dacrit de heutige Alnen- ge'rlllchafi und zwar mtt dem ’ur jene Zeit rocht stattlichen Kap toi von 1.1 Will Talern, nachdem man zwar den Be'itz von zwöll alten Feldern 4944 preust.'chen Morgen in deren Boden sich Kohlen'chaye besanden. erlang« hatte. Bc'ondere Hosinungcn setzte man au’ frr damals von der Regrcrung geplante iL'rnbobn- Ihtir Bochum Ctot le Dutsburg, Die dann auch nn 3ahre 1862 eröffnet wurde Die regelmäßige Kohlenförderung begann im 3ahrc 1851«. aber die glänzende KoniuttfiurperivDe von 1850 bis 1657 war schon vorbei. unD in den ersten Jahren des Bestetzen» konnte Die Ge'e'.l chafi fe.iK Di td«nd« auslchütten wenn man davon abfieht. Daß zwei Prozent für da» Betriebsjahr 1861 ö2 g.iDubrt wurden. ES waren harte .letten, unD es Ito- durfte Der ganzen Si .rnack.gkei: der rastlo'en Energie des alten Mu er. Damit fciaem U ner- nehmeit nicht bte Kruste aut gingen. Aber er eyte fich Durch, und al» er am 16 Ma. 1874 die Augen sch lost, da stand Harpen b-frei:» groß da, ein Rieiendenfinal für Die latfra't seines Begründers. War Doch mit dem FriedenSschluh nach Dem Deutsch-sranzösischen Är.ege Der MU- s rar den'egen gekommen von dem auch Harpen bescheiden, schüttete nicht ihre gan-cn Gewinne aus. als fit für Da» Bettiebsiatz. 1872 73 „nur 60 Prozent Dwidende" zur Berit ilung brachte.
Friedrich Wilhelm Müsers Rachsolger tourt* sein oierter Lohn Roben, der nn 3ahvc 18t6 nach Amerika gegangen war und Dort die großzügigen AkbeitSverhäliin k* Der Reuen Well (ennci.gclemi hatte. Aach dem Tod feines Daters kehrte er tu Die Heimat zurück unD widmete sich nun Der Entwicklung de» Muter» nehmen», fri» unter feiner Leitung einen gewaltigen Ausschtöung nahm. Zwa» ging oft zunächst mit der Kohlenindustrie rückwärts, denn die Kohlenpreise sanken In den 3ahren Der GrünDer- krisls ganz außerordentlich, sie gingen im Jahr« 1878 sogar bl» aus 4.90 Mt sür Die Tonn« zurück, und Da» mußte fich natürlich in den Dividenden auswirken. Befser« Zeiten kanten dann erst mit der Bildung de» Kohlenlhndtkat». Muser war einer der Hauptverlreter de» Syndilat»- gedanken». und Me btlkce Lage de» Kohlenbergbaus war nickt zuletzt auf sein Eintreten für das Kohlenshnblkat zurüctzusühren Der Sohn hatte offenbar die eminenten Fähigkeiten seines Daker« geerbt, und der Ausfichtsrat seiner Gesellschaft erkannte seine überragen De Bedeutung auch dadurch an. daß er ihn im 3ahre 1893 zum alleinigen Dorstand»ntuglied Der Harpener Bergbau-Gesellschast machte: gleichzeitig wurde er der erste stellvertretende Dorfitzende des Kohlenfyndikats. Die Tkreinigung dieser Remter in der Hand de- vterundvierzigjährigen Mannes gab ihm eine geradezu diktatorische Machtvollkommenheit.
Dierzig 3ahre leitete Robert Muser das Unternehmen, das sein Bater gegründet hatte. Erst kurz vor dem Krieg, nämlich im 3unl 1914.
in Privatsammlungen finden. R»emand kamt den gegenwärtigen Derkausswerl der Kunstwerke an- geben, bte noch unberührt In England verbleiben. Das ist ein zum großen Teil noch unentberfte» Reich de» Ge heimn.Ises und der Romantik. Drei der größten Sammlungen, die von Privatleuten in England unterhalten werden, find di« des Lord cnc*nKrc. des Herzog» von Devonshire und des Lord Leicester >u Holkharn Hall All« Arten wertvoll er Bilder. Buch« und kunstgewerblichen Arbeit en sind in zahllosen Landhäusern verborgen. Diele von ihnen sind den Sachllm u rn bekannt, ab« viele auch nicht. 3mnter wieder kommen neue Schätze von denen man nichts ahnte, ans Licht. Da d'.ng z. B. em Bild in einem Landhaus bi Wales Man wußte, daß es .ein hübsche» Stück Geld" darstellte, aber als es zur Dersteigerung kam. brachte e» nicht weniger al» 800 OOO Mark. Kaum jemand wußte etwa« von dem Gemälde und Tausende solch« Bilder, di« nicht viel weniger wertvoll find und unter günstigen Umständen die gleiche Summe erzielen können, sind im Lande verstreut und bteten dem .kernt« ein wundervolle» 3agdge» biet.“ Aehnllch verhält es fich mit den Bücherschätzen Englands Sv wurde rwr einig« Zeit auf einer öffentlichen Dersteigerung ein Buch verkauft, von besfen Wert niemand eine Ahnung hatte, außer dem Käufer Dieser wußte, daß es fich um Ne erste Fvlioausgabe der Werke Shakespeares in einzigartiger Erhaltung handelt«. Er hätte das Buch für mehr ali 100 003 Dollar nach den Bereinigten Staaten verkaufen können, aber « überlief) es für einen viel geringem Preis dem Britischen Museum. .50 3ahre habe ich unter Büchern verbracht", erklärte der größt« englische Anfiquar Bernard Quurllch. .und ich bähe immer wieder Reue» und Unerwartetes entdeckt. Aiemand ahnt, was man da noch alles finden kann. Dielleicht stoße ich noch eines Tages auf ein ganze« Stück Shakefpeaves, von fein« Hand geschrieben ist durchaus möglich. daß es so (fcxiB in England gibt. Dem Kenner blühen Funde überall Kürzlich sah ich tn einem Londoner Laden das Porträt eintfl Mannes in Marineun form Ss war für ein Butterbrot zu haben, aber ich kannte das ®e» ficht des Mannes; ich wußte, daß e» ein Porträt des berühmten TagebuchichreibeM Samuel Peyps war, und dadurch wurde eS ein Schatz "


