Einzelbild herunterladen

Vie Hindenburg-Amnestie.

Grundsätzliche Einigung der Länder.

Eigener Drahtberichl des ..Gießener Anzeigers'.

Berlin, 6. Sept. Die Besprechungen der Iustizminister der Länder über die an- äßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten beabsichtigte Amnestie hat nunmehr am vergangenen Samstag stattgefunüen. Man einigte sich in den Grundprinzipien, so daß eine Einheitlichkeit in dem Borgehen der Länder auf jeden Fall garantiert zu sein scheint. Es ist irrig, anzunehmen, daß es zu einer Generalamnestie kommen soll. Es verbleibt vielmehr dabei, wie ja auch schon von feiten des Reiches festgestellt wurde, lediglich E i n z e l b e - gnadigungen vorzunehmen. Ob es dabei auch zu Begnadigungen in Fällen kommt, die die Oeffent- lichkeit in letzter Zeit besonders interessieren, so im Falle des Plauener kommunistischen Bandenfüh­rers Mar Hölz, steht noch dahin. Irgendwelche Be­schlüsse sind jedenfalls in dieser Richtung noch nicht gefaßt worden. Die Justizministerien der Länder werden sich nunmehr mit den einzelnen Fällen be­schäftigen, und man hofft, bis Mitte des Monats die Ressortbesprechungen darüber abschließen zu können. Die Gerüchte, die in letzter Zeit in Lieser Hinsicht aufgetreten sind, dürsten sich somit auch er­übrigen. geht jetzt alles seinen ordnungsmäßigen Gang und wird bestimmt so rasch erledigt sein, daß die Belobigungen termingerecht ausgesprochen werden tonnen.

Der Reichsfinanzminister zur Besoldungsreform.

Dortmund, 6. Sept. (Wolff.) In einer Ver­sammlung der katholischen Beamten ergriff auch Reichsfinanzminister Dr. Köbler das Wort. Er ver­sicherte unter starkem Beifall, er werde das Ver­sprechen einlösen, das er der Beamtenschaft im Februar gegeben habe. Der Minister forderte die Beamten auf, sie sollten sich nicht vorzeitig beunruhigen lasstzn. Was geschehen werde, sei bis jetzt nur einem ganz kleinen Kreis be­kannt, aus dem nichts in die Oeffentlichkeit dringe. 99 Prozent von dem. was man über die Absichten des Reichsfinanzministeriums gelesen oder erzählt habe, sei unrichtig. Keine Teilreform werde kommen, betonte Dr. Köhler, sondern der ge­samten Beamtenschaft solle geholfen wer­den. Die Beamtenbcsoldungsresorm werde einen starken sozialen Charakter haben. Zum Schluß wandte sich der Minister mit einem Appell an die Bemnten, indem er auf die Pflicht der Treue zum Staat hinwies.

Die Be?owungsreform in Preugen.

Berlin, 6. Sept. (Priv.-Tel.) Zur Bereini­gung der zwischen Preußen und dem Reich noch schwebenden Streitfragen in der Beamtenbesol­dungsreform findet, wie eine sozialdemokratische Korrespondenz meldet, am Mittwoch eine Bespre­chung der Vertreter der preußischen Landtagsfrak­tionen mit dem preußischen Finanzminister statt. Bei den noch verhandenen Streitpunkten handelt es sich vor allem umdiePensions- undDiä- t a r f r a g e, sowie um die Stellung der Be­amtinnen. Im Zusammenhang mit der allge­meinen Besoldungsreform ist in Preußen eine nicht unwesentliche Besserstellung der preußi­schen Lehrerschaft aeplant. Die Lehrer stan­den bisher in Gruvpe 7 bis 9, wobei der Aufstieg in Gruppe 8 nach dem Dienstalter erfolgte, dagegen der Aufstieg in die Gruppe 9 von dem Freiwerden einer gehobenen Stellung abhing. Man denkt nun an eine Zusammenlegung der Gruppen 7 bis 9 als gemeinsame Besoldungsgrundlage für alle Lehrer.

Reichsfinanzminister Dr. K ö hier ist gesk. rn nachmittag im Flugzeug vom Dortmunder Katho­likentag nach Berlin zurückgekehrt und hat die Ge­schäfte wieder übernommen. Er hatte bereits gestern nachmittag die ersten Besprechungen über die bevor­stehende Besoldungsreform.

Vie Explofionskütastrophe bei Aafsek.

Noch keinerlei Feststellung über die Ursache.

Kassel, 5. Sept. Die Untersuchung über die Ursache der Katastrophe von Zimmersrode ist fort­gesetzt worden. Heute vormittag hat der Regierungs­präsident in Gegenwart von Sachverständigen sowie Vertretern der Betriebsleitung die Uns an­stelle besichtigt und die Zeugen verhört. Es wurde festgestellt, daß in den beiden Seiten-kammern eine Sprengstoffmenge im Gesamtgewicht von 1850 Kilogramm untergebracht worden war, und zwar in einem 16 Meter tiefen Sprengstollen. Mit dem Zumauern des Stollens waren zwei Schießmeister und neun Mann beschäftigt. Diese unmittelbaren Augenzeugen sind jedoch sämtlich tot. Die Vor­kehrungen für die elektrische Sprengung waren noch nicht getroffen, da die Sprengung erst am anderen Tage erfolgen sollte. Der verwandte SprengstoffAnimonit V" hat bisher zu Beanstan­dungen noch keinen Anlaß gegeben. Auch sämtliche Sprengpatronen wurden in Ordnung befun­den. Offenes Licht wurde in dem Stollen nicht benutzt. Die elektrische Zündmaschine war noch nicht angeschlossen. Die Arbeiterschaft bestreitet entschie­den, das Rauchverbot übertreten zu haben. Aus all diesen Gründen war bisher noch keinerlei Feststellung überdie Ursache möglich. Die in den nächsten Tagen beginnenden Aufräumungs­arbeiten erfordern große Vorsicht, da mög­licherweise noch die eine Sprengkammer ge­füllt ist und sich außerdem an der etwa 40 Meter hohen Abbauwand zahlreiche Felsstücke gelöst haben, die sorgfältig entfernt werden müssen. Es ist Dor- sorge getroffen, daß jeder Spur, die auf die Un- glücksursache Hinweisen kann, mit Sorgfalt nachge­gangen werden kann. Insgesamt konnten n u r d r e i einigermaßen erkennbare Leichen ge­borgen werden. Die Beisetzung der Opfer findet am Dienstag in Michelsberg statt. Die preußische Regierung und der Oberpräsident haben den Hinter­bliebenen herzliches Beileid ausgesprochen.

Die Wiener Tagung des veutsch- Oesterreichischen Alpenvereins.

3m großen Festsaal der Wiener Hofburg wurde die 53. Hauptversammlung des Deutsch- Oesterreichischen Alpenvereins in Anwesenheit von Vertretern ter österreichischen Regierung und der deutschen Gesandtschaft eröffnet Der Dereins- vorsihende, der preußische Handelsminister a. D. Dr. Sydow wies darauf hin, daß der Verein große moralische Stärkung durch die deutsche wie österreichische Regierung erfahren habe. Unter

den Gratulanten zum 80. Geburtstage des Reichs­präsidenten werde der Deutsch-Oesterreichische Alpenverein nicht an letzter Stelle stehen. Eben­so nicht in seiner Anerkennung für den Wiener Polizeipräsidenten Schober, dem es überhaupt nur zu verdanken fei, daß die Dereinstagung im alten friedlichen Wien stattfinden könne. Han­delsminister Dr. Schürff pries den Alpen­verein in seiner Rede als den Bahnbrecher des Alpinismus überhaupt. Der österreichische Frem­denverkehr müsse dem Alpenverein große Dank­barkeit bezeigen. Schon vor dem Kriege habe der Deutsch-Oesterreichische Alpenverein zwischen den Deutschen hier und dort keine Grenzen gekannt. Minister Sydow gedachte, nachdem noch die Ver­treter befreundeter alpiner Vereine zu Wort ge­kommen waren, der Deutschen Südtirols, die früher im Alpenverein mit an vorderster Stells; gewirkt hätten. Der Redner hielt nicht damit zurück, die Südtiroler Politik der italieni­schen Regierung in aller Deutlichkeit zu geißeln und sie daran zu ermahnen, daß nicht nur das deutsche Volk, sondern die Welt von dem Leiden der Deutschen Südtirols er­griffen sei. Italien sollte darauf bedacht sein, seinen Ruf als Kulturnation zu bewahren. Für die Jahre 192933 wurde Innsbruck zum Dereinssih erwählt. Die Leitung des Ver­eins kommt damit in die Hände des Professors

Dr. Klebelsberg. Als Beihilfe für Hütten unt) Wege wurden 170 000 Mk. bewilligt, davon 73 000 Mk. für Oesterreich. Auch ein Antrag auf Fürsorgeeinrichtungen für Hüttenschäden und Schaffung eines Darlehensfonds für Hütten- und Wegebauten wurden angenommen. Der Voran­schlag für 1928 sieht Einnahmen in Höhe von 835 000 Mk. vor, denen die gleichen Ausgaben gegenüberstehen. Die nächste Hauptrerfammlung wird 1928 in Stuttgart stattfinden.

Der deutsche Genossenschaftslag.

Der 64. Deutsche Genossenschaftstag hat in Köln seinen Anfang genommen. Im Gürzenich traten die Genossenschaften zu ihrer öffentlichen Versammlung zusammen, die außerordentlich stark besucht war und an der auch maßgebende Ver­treter der Behörden teilnahmen. Die eigentliche Tagung gliederte sich in Verhandlungen der Kreditgenossenschaften, die Montag stattfanden, die Verhandlungen der Derbandsrevisoren, die Verhandlungen der Warengenossenschaften und der Baugenossenschaften Dienstagvor- und -nach­mittag, während dann am Mittwoch die allgemeine Hauptversammlung des deutschen Genossenschafts­verbandes zusammentreten wird. Dazwischen ist außerdem noch die Hauptversammlung des Ar­beitgeberverbandes deutscher Kreditgenossen­schaften.

Zentrum und Katholikentag.

Es hat eine Zeit gegeben, wo die Katholiken­tage eigentlich die Parteitage des Zentrums waren. Inzwischen haben sich bei uns die Ver­hältnisse etwas verschoben, der Linkskurs des Zentrums hat dazu geführt, daß große Teile der Katholiken sich innerlich f r e i g e m a ch t und anderen Parteien angeschlossen habeir. Die Baye­rische Volkspartei ist fast rein katholisch, die Deutschnationalen haben einen sehr starken katho­lischen Flügel, ebenso die Deutsche Volkspartei, so daß zahlenmäßig das Zentrum nur noch eine Minderheit der deutschen Katholiken repräsew- tiert. Trotzdem aber erhebt das Zentrum immer noch den Anspruch, daß die Katholikentage je­weils die geistige Parole für die Partei aus­geben; und so ist es unvermeidlich, daß die Fäden, die aus dem religiösen Gebiet ins poli­tische hinübergehen, doch sehr stark sind, daß sogar die aktuelle Tagespolitik auch den Katho­likentag beherrscht. Eine alte Lradiliorz will, daß ein jeder dieser Tage seinen eigenen Schutz­patron hat. In Dortmund hat man den Bischof Kettel er gewählt, hat also gewissermaßen das Soziale in den Vordergrund geschoben, um dadurch den Gegensatz zum marxistischen Pro­gramm zu betonen. Aber das Zeichen, in dem der Katholikentag steht, ist doch ein anderes: es ist der Kampfruf für die religiöse Schule.

Bleibt es auch, obwohl der Reichskanz­ler mit starker Betonung die Verfassungstreue der Zentrumspartei und das Bekenntnis zur schwarz-rot-goldenen Fahne unterstrich. Er mutzte das nicht nur als Reichskanzler, ec mutzte das um so mehr, als eine eigenartige Entwicklung dazu geführt hat, dah die politischen Gegensätze im Zentrum auch auf das kulturelle Gebiet hinübergegriffen und sogar an dem Dogma der Bekenntnisschule gerüttelt haben. Herr Wirth, der Heerrufer des linken Aügels, der mit aller Gewalt das Zentrum in ein Bündnis mit den Sozialdemokraten hineinzerren will obwohl die Sozialdemokraten sich bei jeder Gelegenheit in den letzten Jahren versagten, hat in öffentlicher Erklärung festgelegt, daltz er den Keudellschen Schulgesetzentwurf ab­lehnt, nicht so sehr des Inhalts wegen, als wegen der politischen Konstellation, aus der heraus er geboren wurde. Herr Wirth hat also die Verantwortung auf sich genom­men, einen kulturpolitischen Glaubenssatz des Zentrums nur aus politischen Zweckmäßigkeils­erwägungen heraus zu negieren. Bisher hat ihn niemand an den Wagen zu fahren gewagt; er ist zu stark dazu. Das Zentrum hat in den Jahren nach Weimar die Zügel stark am Boden schleifen lassen und sich in eine Gefolgschaft der Arbeiter­sekretäre hineinbegcben, bis aus den Kreisen der Landwirtschaft heraus der Gegenstoß kam, der die Partei wieder in die Mitte hineinrückte und wieweit freiwillig, wieweit gezwungen, mag dahingestellt bleiben neuerdings sogar in eine Regierungsgemeinschaft mit den Deutschnationalen hineinbrachte. Das Mißtrauen der Zentrumsarbeiter gegen die Deutschnationalen ist dank der ausgiebigen sozialistischen Propa­ganda kaum noch zu übersteigern. Die Partei sieht also die Gefahr, sobald sie ins deutsch­nationale Fahrwasser hinein steuert, daß ihr lin­ker Flügel sich löst und, um das zu vermeiden, macht sie eine Konzession nach der anderen zur Linken hin. Rur aus dem Grunde sind auch die Disziplinlosigkeiten, mit denen Herr Wirth eigentlich seit seiner Reichs­kanzlerzeit nicht kargte, ungestraft geblieben. Er ist in kleinerem und größerem Kreise zur Ord­nung gerufen, er ist gerüffelt worden, hat das aber alles von sich abgeschüttelt und ist ruhig seinen eigenen Weg weiter gegangen. So weit, daß zuletzt sogar der badische Parteichef sorgen­voll sein Haupt schüttelte und in derGermania" eine Auslassung veröffentlichte, worin er darauf hinwies, daß eine Fortsetzung dieser Taktik die Grundlagen der Zentrums Partei erschütterte.

Aber Herr Wirth ist cki ch t allein ge­blieben. Er hat noch Zuzug aus dem Zentrum heraus gefunden; nicht allein bei der radikal eingestellten Berliner Ortsgruppe, sondern auch bei einzelnen Abgeordneten. Wir brauchen nur die Ramen Adam Roeder und Dessauer zu nen­nen, um den Kreis zu zeigen, aus dem heraus die Widerstände gegen die Zentrumspolitik kom­men. Die Herren vom Zentrum sind von jeher geschickte Takttker gewesen, sie wissen ein Bild zu stellen, und deshalb ist auch der Dortmunder Parteitag in der Richtung auf das gewollte Ziel außerordentlich klug arrangiert, das soziale Be­kenntnis so stark unterstrichen, daß niemand dar­an zweifeln kann, das Bekenntnis zur Verfassung an die Spitze gestellt, Herr Stegerwald als Ver­treter der Zentrumsarbeiterschaft zum Vorsitzen­den der Tagung gewählt: wer will es da noch wagen, zu behaupten, daß das Zentrum eine reaktionäre" Partei sei. Damit ist der Beweis erbracht, daß in feiner Grundlinie das Zentrum sich von seiner vermittelnden Poli­tik nicht abbringen lassen will.

Und nach diesen sorgfältigen Vorbereitungen ist dann die Möglichkeit gegeben, eine Barriere zu errichten gegen Seitensprünge, wie sie Herr Dr. Witth und seine Freunde versuchen. Es blieb Herrn

Kaas vorbehalten, den Satz auszusprechen, der den aktuellen Gehalt des ganzen Katholikentages um­faßt,die Forderung der konfessionellen Schule ist ein Wesensbestandteil des kulturpoli­tischen Aktionsprogramms der deutschen Katholiken. Keiner politischen Richtung und kei­nem sonst auch noch so beachtenswerten Personen­kreise innerhalb des eigenen Lagers vermögen wir das Recht zuzugestehen, die bisher lückenlose Grund­satzfront der katholisch-deutschen Kultur- und Schul­politik zu lockern". Und in einer vom Fürsten Lö­wenstein vorgelegten Entschließung wird etwas all­gemeiner gesagt, daß alle katholischen Mitglieder des Reichstages nur einer Lösung der Schulfrage Auftimmen dürfen, die mindestens die volle Gleich­berechtigung der Bekenntnisschule mit anderen Schularten gewährleistet. Damit hat der Katholikentag und das Zentrum das Panier aufge­worfen für die Bekenntnisschule gegen die Gemein­schaftsschule, damit ist aber auch der Kampf um die Schule selbst cingeleitet. -l i*e

(Ein Beschluß der Schulorganisation.

Auch für Simultanschulländer die Bekenntnisschule gefordert.

Dortmund, 5. Sept (MTV.) In der heu­tigen Versammlung der katholischen Schulorganisa­tion erklärte der vorsihtmde, Reichskanzler D r. Marx, bei der Diskussion über das Reichs­schulgesetz sei. bedauerlicherweise manchmal der Ein­druck entstanden, als wenn die alte Geschlossenheit des Zentrums nicht mehr vorhanden fei. Dabei handele es sich aber nur um einzelne. Die große Mehrheit des Zentrums und der katholischen Chri­sten stehe nach wie vor auf dem Boden der Bekenntnisschule. 3n der Versammlung wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt:Die deutschen Katholiken erwarten, dah das Reichsschulgesetz für die katholischen Kinder eine katholische Schule ermöglicht die in ihrer ganzen Einrichtung den katholischen Forderungen entspricht. Sie erwarten ferner, daß auch den katholischen Mi n - derbe iten i h r Recht auf konfessio­nelle Schulen gegeben wird. Sie erwarten, daß die Einrichtung des katholischen Reli­gionsunterrichts nach den Grundsätzen der katholischen Kirche gesichert wird. Sie fordern ins­besondere, daß in den sog. Simultanschul­ländern (also Hessen, Vaden, Rassau) das Elternrecht nicht unterdrückt wird. Auch in diesen Ländern muffen nach dem Willen der Eltern Be­kenntnisschulen eingerichtet werden kön­nen. Der vorliegende Entwurs zum Reichsschulgesetz erfüllt die wünsche der deutschen Katholiken nur teilweise; trotzdem kann er eine brauchbare Grundlage darstellen, von der aus eine gerechte Durchführung der verfassungsmäßigen Bestimmun­gen erreicht werden kann."

Schuldebatte im Auguftinusverein. Dortmund, 5. Sept. (Wolff.) Nach dem Be­richt derTremonia" hielt in der den jährlichen Katholikentagungen oorausgchenden mchtösfentlick)en Generalversammlung des Augustinus- Vereins das Hauptreferat über den Stand der Schulfrage der Abg. Rheinländer. Er wies die Behauptung zurück, daß das Zentrum das Reichs- schulgesetz als Handelsobjekt benutze. Das Zentrum habe in Verbindung mit dem Reichsschulgesetz keine An gebot «nach rechts gemacht. In der Aussprache gab der Präsident des babifdjen Landtags, Baumgartner, die Erklärung ab, daß die erdrückende Mehrheit der katholischen Be­völkerung Badens in der Schulfrage auf der Seite der Reichstagsfraktion des Zentrums stehe. Es fei in Baden nicht verstanden worden, daß Dr. Wirth der offiziellen Leitung des Zentrums in den Rücken gefallen fei.

Reichskanzler Dr. Marx zerstreute alle Be­denken, die von Dr. Wirth gegen den Reichs- schulgesehentwurs geltend gemacht werden. Was in Verbindung mit dem Verhalten Dr. Wirths in der Schulfrage sich ereignete, sei in der Zen­trumspartei noch nicht dagewesen. Die schleunigste Enrbringung des Reichsschulgesetzes war notwendig. Die Schulverhältnisse in Sachsen, Braunschweig und unteren Ländern seien unhalt­bar. Rach dem Bericht desGeneralanzeigers" wurde in der Versammlung des Augustinusver- eind die gesamte Zentrumspresse auf den Kampf gegen Dr. Wirth festge- l e g t. Während alle Laienredner sich in der Debatte gegen Dr. Wirth wandten, habe als einziger Geistlicher, der München-Gladbacher Prälat Dr. Müller, ter Verbandspräsident Ka­tholischer Arbeitervereine, eine Lanze für Dr. Wirth gebrochen. Wenn sich Müller auch grund­sätzlich für den Reichsschulgesetzentwurf aussprach, so warnte er doch vor einem Kampfe gegen Dr. Wirth und vor den Verdächtigungen, denen Dr. Wirth in letzter Zeit im katholischen Lager ausgesetzt war. Im Reichs ständen breite Massen noch hinter Dr. Wirth.

Aus aller Welt.

Knabentragödie im Waisenhaus.

Eine furchtbare Tragödie spielte sich tm Berliner Lehrlingsheim dec Rudolf-Mos se-S tif- tung ab. Ein 15jähriger Zögling meldete einem Lehrer, daß einer feiner Kameraden im Schlaf­faal einen Blut stürz erlitten habe. Der Lehrer fand den 14jährigen Jungen blutüber­strömt und mit einer Schußwunde am Halse auf. Bald darauf erlag der Knabe feiner Verletzung. Der Polizei gelang es im Laufe des Montags, den mutmaßlichen Täter, den 3imniergent>ffen des getöteten Knaben, zu er­mitteln. Dieser gab an, dah er die seinem Zim- mergenoffen gehörende Pistole im Scherz auf diesen angelegt habe, ohne zu' wissen, daß die Waffe geladen war. Als er dann los- gedrückt und der Kamerad tödlich getroffen zusammen gebrochen sei, habe er in seiner Angst dem Erzieher die fa l s che M.i t t eil un g von einem Blutsturz gemacht, worauf er b anon­gelaufen und umhergeirrt sei, bis ihn die Polizer auf gegriffen habe.

Schwere Autounfälle.

In der Rächt zum Montag fuhr in Har­burg ein Auto gegen einen Daum. Rach den Hamburger Rachrichten" sollen drei Perso­nen getötet und acht verletzt worden sein.

Bei den Salzbergrennen in Berchtes­gaden verunglückte in einer Kurve die Gräfin Schlik aus Kitzbühel mit ihrem Automobil t ö d- l i ch. Anscheinend erhielt ihr Wagen eine starke Erschütterung, so daß die Gräfin yerausgeschleu- dert wurde.

Schwerer Motorradunfall.

Auf der Landstraße zwischen Karlshafen und Martinshagen stießen zwei Motorradfahrer unb ein Radfahrer an einer abschüssigen Kurve zusammen. Alle drei blieben schwer verletzt liegen. Zwei von ihnen sind unterdessen gestorben, der dritte liegt in lebensgefährlichem Zustande tm Krankenhaus.

vereitelter Bombenanschlag in Buenos Aires.

Vor dem Eingang zu dem im Zentrum der Stadt gelegenen Gebäude der Filiale bet Westindia-Oil-Companh, einer Tochter­gesellschaft der Standard-Oil-Company, tourie eine Bombe gefunden, die sich als eine Höl­lenmaschine von großer Sprengkraft herausstellte. Eine Explosion wurde im letzten Augenblick nur durch die Geistesgegenwart eines Angestellten verhindert, der die brennende Zünd­schnur auslöschte. Die Polizei nimmt an, daß der Anschlag mit dem Boykott zusammenhängt, den gewisse Arbeitervereinigungen gegen die ame­rikanischen Oel-Gesellschaften ausgesprochen haben.

Bombenexvlosion in Brooklyn.

Montag vormittag explodierte in Brooklyn eine Bombe. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert, aber niemand verletzt. Die Ex­plosion soll sich im Zusammenhang mit einem Protest radikaler Arbeiter ereignet haben.

Explosionsunglück auf einem Schützenfest.

Auf dem Schützenfest in Bernburg (Anhalt) explodierte das Zelt eines Schnellphoto­graphen. 17 Personen erlitten derartige Verbren­nungen und Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Das Unglück ist wahrschein­lich durch Explosion des zum Trocknen verwandten Spiritus enfftanden.

Die Wetterlage.

45

x46

o

l>

«

®1

£ o

TRon tag,(len S.S<pt. 192 7. 8* verm.

------tng6-

W --Cm

qWolkenlos.® neuer <j naio oeaecKL ®woikiq. ®oedeckL elteget!

i * Schnee & traupein e Neoei R 6e*niter.@windstiiie.«O' seit leichter Ost y massiger Südsüdwest q stürmischer nordwesl Die Pfeite fliegen mit dem winde Pie oeoen Stationen stehenden Za* len oeoen die Temperatur an, Pie Linien veromdeo Orte mit gleichen! auf rteeresmveao umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Im Laufe des gestrigen Tages machte sich in unserem Gebiet der Einfluß der westlichen Druastorungen durch stärkere Bewölkung und Gewitterneigung, sowie leichten Sprühregen be­merkbar. Der Osten dagegen tag im Bereich der Hochdruckwetterlage. Die weiteren Beeinflussun­gen der westlichen (Störungen lassen auch morgen zeitweise stärkere Bewölkung aufkommen. Dabei sind stellenweise Gewitterstörungen, sowie Rie­derschläge nicht ausgeschlossen. Die Temperaturen werten wenig Aenderung zeigen.

Wettervoraussage: Vielfach wolkig, auch auf­heiternd, warm, strichweise Regenfälle, teilweise gewitterhafter Art.

Witterungsaussichten für Donnerstag: Fort­dauer des herrschenden Witterungscharakters.

Lufttemperaturen: Am 5. September, vorm., 21,6 Grad Celsius, nachm. 18,0 Grad Celsius; am 6. September, vorm., 14 Grad Celsius.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tief«: Am 5. September 20,7 Grad Celsius, am 6. Sep­tember 16,3 Grad Celsius.

Maximum: 21,6 Grad Celsius, Minimum; 12,0 Grad Celsius.

Riederschläge: 0,1 Millimeter.

Sonnenscheindauer: V/t Stunde.