Ausgabe 
6.4.1927
 
Einzelbild herunterladen

'TUNGS. $ C H I n e n "ALLS B'sio. april

LIa AUSBAU haushalt

N Ha0e^ muss

(furta.m

-INTRITT 1MK.

Reklameschild det I en nachwelien. N

arsamster

ngen.

ö

m r Sm tg C

IliliMe

in allen Sorten C. RübMr».

relevb-n IW >"D

Feiertage, gn et- ras in K Okltbfthi- teile bei 0. S. r*

.11

Mitt#

;ler,

U5S1

»i Mit*

Äs- -lein- Bfelb, irlag, ästen-

:vtl.

.«bF

k""L 1..11

»aa. ».7l.

Olltz

d Ei* Sonntag. 1W*I: !Rani,ati - trauen «rftohl Mm. l'/ißk", karte /stdda. meld. f. äugen61.1®: zwecks Sadrpw^

Rteime

nimmt noch ttni t Sunden an, o. - vor Ottern Sdr. Angeb. u. an den G.An». erbeten. | Vereine ]

X,

n5'/ Ä- einig60 irktkeif

.tNeuanschf3

d.r*rt- igsveste" J

«n!

bischer (>8 ߻7

Kl 81 Zweiter Blatt

Sirhener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesten)

Mittwoch, 6. April (927

Deutschland, England und der Scheldevertrag.

Ton Dr. 'S. Brunner. Berlin.

Mit dem Tüdtritt txi holländischen Buhen- innisters Frßrn. van Aarnebed wegen 3b» *«U!U1 der Ttatifijierung des von chm 1925 -/schloNerren und im Borjabr von der Zweiten Rimmer angenommenen Vertrages mit Belgien !"irch die Erste Kamm« ist noch nicht das letzte Bort in dieser Angelegenheit gesprochen. Denn Zeigten, das die Rattfikattvn dere-.ls vollzogen will in London und Bari» vorstellig werden. _jb seine Forderungen doch noch durchzuletzen, camtt gewinnt der Vertrag eine pvl.r-.lche Be- -mlung, welche weil über die Interellen der >e.den unmittelbar beteiligten Länder Holland ib Belgien hlnausgeht

Bor allem tst Frankreich an dem Zu- .-indekvmmen des Dertrages gelegen, dessen Aus- oarkunaen mit den Zielen (ranzdsischer Atm» n lenlafoolilrt übereinftimmen, tote sie Krieg und Tichkriegszeil enthüllt hat, und di« auf die Dor- Hiebung der snan-Ssischen Grenze bis »um Rhein rd der Emsmüntiung hinaus!ausen Da das Vriedensdiklat Frankreichs Wünsche nur hinsicht­lich Elfaß-Lothringens voll befriedigt hat. Saar- xb Rheinland aber wieder geräumt werden Ern. fo hat es Belgien »um Sturmbock H irr Politik gemacht, die sich unmittelbar gegen Holland mittelbar aber gegen Deut sch­att d und England richtet. Zwar ist der re der ersten Rachkrieaszeit erfolgte belgische Mtrsuch nach Einverleibung he* holländischen «eLandes »wischen Maaß- und Scheldemündung teb der Provinz Limburg an der deutschen J stTM« gegen anderweitig« Entschädigung Hol» Es von diesem a b g e l e h n 1 worden, aber Xmb den im April 1925 mit Belgien ge» flössen«n Scheldevertrag schien es dem belgisch-französischen Einlluh unterlegen »u sein. ,'Skser Vertrag mochte die Scheldemündung bei» t|b, und sollte den Ausbau Antwerpens iu einem Artegshasen ermöglichen. Für lvutschlaiid und England stand damit viel auf teil Spiel.

Englisches Bestreben war es stets. Frankreich der Scheldemündung fernzuhalten. 3n- >m England die Schaffung eines selbständigen -tederländischen Staates durchsetzte, dem die bemündung g. enle es diesen Be­

erbungen. und die Aeutralisierung Belgiens 1829 uitspeoch in Derbindung damit ebenfalls eng» .scher Politik. Durch den Writkrieg ist die D e u- Jiralität Belgiens praktisch ausgehoben rxxhen, es hat nach dem Ariege mit Frankreich ärtn VkUitürbündnis aeschloffen, so daß Frank- ckhs Grenze tatsächlich heute wieder bis zur ^»Hündischen reicht. Belgien hat seine stets be- iarpteten Hoheitsrechte auf die Westerschelde :e<en Holland nicht aufgegeben, trotzdem die .-tagelung dieser Frag« tn dem belgisch-holländi- 'frtn Vertrage nicht vorgesehen wurde. Dagegen laute Holland durch ihn die Aufhebung der bel- x-schen Aeutralllät anerkeinten, was bisher nicht icstzehen war, Deutschland ist, wie erinner- tx durch daS Versailler Diktat dazu gezwungen Mxörn. 11 nb bemerkens wert erw ei s c auch dazu, ihn Beträge zwischen Belgien und tzwlland einerseits oder zwischen diesen Staa- «, und den Alliierten anbrrctfeltA »u ge - ,eh migen

Trotzdem nach früher g^chlossencn Dertrügen tetr Aufhebmig des Verbots. Antwerpen zu «wn Kriegshafen auszubauen, alle Unterzeichner sißttmmen mühten, nimmt Belgien auf Grund rtee* Vertrages mit Holland, der das Verbot WUrtate, Hafenbauten vor. 3n Verbindung da- rirt muh die Tatsache bedenllich stimmen, dah n dem Vertrage die Frage der Durchfahrt )»n bel gl schen Kriegsschiffen durch die Illnterschelde in fdner Weife geregelt ist. Diese ?.echtsunslcherbeit gibt nun England eine 3 fglichkett des Eingreifens auf dem Kontinent, lind »war deshalb, weil der Scheldevertrag Hol- äriö die Dolle zuschieben wollte, welche Belgien Hl »um Ariege gespielt hatte es »um Glacis I r England zu machen.

Wird England durch den Scheldevertrag nur nrtelbar in mllitärpolitischer Beziehung berührt, i wird es Deutschland in Ansehung der artuna des aus seine Sicherheit bedachten Frank- kifhs sowohl in politischer als auch wirtfchast- -Her Hinsicht. Man erinnere sich, dah der

Artikel 361 des Friedensdllicues Deutschland die Schaffung eines Grohlchisfahrtskanals Ruhrort Antwerpen vorschreibt; Art 6 des Scheldevenrages lieht nun di« Führung dieses Aanals durch die holländisch« kohlenreuche Provinz Limburg vor. deren Industrialisierung dadurch «inen außerordentlichen Antrieb erfahren würde Vor allem würde aber nach Fertigstellung des Aanals Antwerpen für daS westdeutsche Industriegebiet der beste Ausfuhrhafen werden. Der Emfluh des Aanals würde auch nicht nur auf das Rhein-Ruhrgebiet beschränkt bleiben, sondern sich bis tief nach Elsah-Lothrin- aen erstrecken Dadurch würde nicht nur dem hol'- ländischen Rotterdam schärfste Aonhirren» be­reitet sondern auch ein beträchtlicher Teil des Handels den deutschen Rordfeehäfen entzogen werden. 3m Zusammenhang mit dem Aanalprvbiem gewinnt Oie Rachricht be­sondere Bedeutung, dah der französische Hafen Le Havre mit amerikanischem Delde ausgebaut werden soll und weiterhin, das, Deutschland jetzt die Inangriffnahme der Arbeiten für den Bau des Rhein Aachen-KanalS. der also ein Stüd des Wasserweges nach Antwerpen fein könnte, vor­gesehen hat. Die schon fortschreitende wirtschaft­liche Orientierung Deutschland

fällt zusammen mit der politischen Annäherung an Frankreich. Im Falle einer späteren Ratifikation des Scheldevertrages würde dies heißen mit einem Frankreich, dessen strategische Greiize Antwerpen einschlieht, das noch vor 95 Jahren in seinem Besitz war. und dessen politischer Einfluß sich auch auf da- ganze Westdeutschland ausd^nen würde, das wirtschaftlich sein Hinterland ge­worden ist. Deutschland hat also allen Anlaß, die weitere Entwidlirng der belgisch-holländischen Dertragsangelegenheit mit größter Auf­merksamkeit zu verfolgen.

Eisenbahn-Fahrplanwünsche aus dem CumbataL

i Aus dem Lu mdata l, 5. April. Der .Gießener Anzeiger" veröffentlichte in letzter Zeit mehrere Rotschreie an die ReichSbahn- verwaltung. Man gewann daraus den (Sin­ti rud, dah diese den Bedürfnissen des Verkehrs recht wenig Rechnung trägt. Auch die Verhält­nisse auf tier Rebenbcchn Gießen Lollar Londorf bestätigen dies. Dem Reisenden, der zur Besorgung von Geschäften nach Gießen muß, stehen nur zwei Züge täglich zur Verfügung. Gießen an vorm 7.26 Uhr und nachm. 2.37 Uhr. (Die Züge Dießeii an 5.27 Uhr vorm. und 6.10 Uhr nachm kommen für ihn. da zu früh bzw. »u spät, nicht tn Betracht.) Wird der erste der beiden Züge benutzt, so ist die Rüdreise erst um 3.06 möglich, bei letzterem 6.48 Uhr. Roch ungünstiger liegt aber der Fall für den Geschäftsmann, tier im Lumdatal »u tun hat. Er kann in Gießen abfahren entweder 6.13 Uhr vorm. dann besteht für ihn die erste Möglichkeit zur Rüdreise erst mit dem Zuge Gießen an 2.37 Uhr nachm Oder aber er fährt nachmittags 3.06 Uhr Gießen ab. dann muh er schon wieder mit dein Zuge 6.10 Uhr nach Gießen zurückkehren, so daß ihm zur Abwicklung der Geschäfte am Reiseziel nur ganz wenig Zeit zur Verfügung steht. Wer Besuche im Lumdatal abft alten oder dorthin Ausflüge unternehmen will, wird diese ungünstigen Verhältnisse ebenfalls bedauern. (Sonntags ist die Verbindung insofern etwas besser, als hier ein Zug in der Richtung Lon­dorf morgen» 9.48 Uhr und der Abendzua statt 6.48 erst 8.30 Uhr aeht.) Die Kinder, tte die Gießener höheren Schulen besuchen, müssen nach Schluß des Unterricht- sich noch ftuirdenlang in Gießen aufhalten bi- zur Abfahrt ihres Zuges. Die Eltern der Kinder haben deshalb eine gemeinsame Eingabe an die Reichsbahn gerichtet und um (Sinlegung eine- Zuges bzw. Triebwagens gebeten. Der Fahr­plan könnte so eingerichtet werden, daß er sowohl den Wünschen der Ellern, als auch der Geschäfts­leute. Arbeiter usw. gerecht wird. Es wurde vorgeschlaaen. den Zug 3.06 Gießen ab zwei Stunden früher und einen weiteren Zug etwa um 5.15 Uhr verkehren au lassen. Die Einlegung letzteren Zuges würde besonders auch von der zahlreichen »n Gießen. Lollar, Mainzlar usw. beschäftigten Arbeiterschaft sehr begrüßt. Der Zug. der jetzt in Gießen um 6.48 Uhr abgeht, könnte dann wesentlich später gelegt werden, so dah den Bewohnern des Lumdatales auch einmal der

Besuch des Theaters, der Konzert« usw in Gießen möglich wäre. In der Richtung Londorf Gießen ist ein Zug »wischen 7 Uhr norm, und 2 Uhr nachm. dringendes Bedürfnis. Hoffentlich entschließt sich die Reichsbahnverwallung »u einer allen Wünschen gerecht werdenden durchareiten- den Verbesserung des Fahrplans unserer chxde!

Bon der Kraflwagenlinie Butzbach-Niederkleen-Cleeberg

O Riederkleen, 5 April Rachdem die Gemeindevertretungen von hier. Dornt olzhaulen und Eleederg beschlossen haben, zunächti auf die Dauer eines halben Jahres einen Zuichuß von 10 Pf. und eine Garantiesumme von 15 Pf je Kopf der Einwohner und Vierteljahr aus Ge­meindemitteln zur Verfügung zu stellen, hat die Autoverkehrs-Gln.b. H zu Butzbach einen ständigen Kraftomnibus-Verkehr auf tier 6 t rede Butzbach Rieder- kl « e n Dornholzhausen -Cleeberg eingerichtet. Durch diese Einrichtung soll i-/be- sondere den Derkehrswünfchen der Arbeiter ,ch- mmg getragen werden, die hier, tn Dornholz­hausen und in Lleeberg wohnen und in Bunbach beschäftigt sind. Das Auto ist in tSlccbcra sta­tioniert. es fährt dort vormittag- 625 Uhr ab. kommt 6.52 Uhr hier an und trifft 7.10 Uhr in Butzbach ein. Die Rückfahrt beginnt abends 6 Uhr in Butzbach mit Ankunft um 6.35 Uhr in Rieder- kleen und endigt 6.50 Uhr in (Herberg; Sams­tag- findet sie schon nachmittags um 2 Uhr ab Butzbach statt, berührt 2 33 Uhr Riederkleen und schließt 2.50 Uhr tn Cleeberg. Außer diesen täglichen Fahrten, die jedoch nur an Wochen­tagen nicht Sonntags - statt finden, verkehrt da- Auto Mittwochs noch einmal besonders wie folgt: Butzbach ab 10 Uhr norm., Riederkleen an 10.33 Uhr. Cleeberg an 10.50 Uhr. Cleeberg ab 10.50 Uhr. Riederkleen an 11.25 Uhr. Butzbach an 11.45 Uhr ES handelt sich bei den angege­benen Fahrzeiten um einen DersuchSfahrplan. dessen Aufrechterhaltung von einer zufriedenstel­lenden Benutzung her Linie abhän it Cs kann jedoch damit gerechnet werden, daß der Bestand der Linie ein dauernder sein wird, da sich sowohl aus der hiesigen Gemeinde, alS auch aus den Orten Cleeberg und Dornholzhausen eine ganze Anzahl Arbeiter verpflichtet haben. daS Auto regelmäßig zu benutzen. Der Preis für eine Arbeiterwochenkarte beträgt für die Fahrt von hier nach Butzbach und zurück 2,80 Mark, von Dornholzhausen nach Butzbach unti zurück 3 Mk. Für einfache Fahrten (ohne Rückfahrti ermäßigt et (ich um die Hälfte. Diejenigen Arbeiter, dte im Sommer das Auto nicht benutzen, müssen im Win­ter für Wochenkarten einen Preis zahlen, der nm ein Drittel Hk her ist do der Normalpreis. In Anerkennung der Aufwendungen der Ge­meinden hat sich die Autovetlehrsgesellschaft ver­pflichtet, die Linie zunächst für die Dauer eines IahreS, insbesondere auch im Winter unter allen Umständen aufrecht zu erhallen. Die hiesige Ge­meinde sowie die Rachbargemeinde Dornholz­hausen sind über den Ausbau der Linie sichtlich befriedigt, stellt diese doch gewlsfermahen einen Ersah für die vom 1. April ab in Wegfall ge­kommene Veichindung auf der Araftpvstlinie Gie­ßenAleebachtal bar.

Oberhessen.

Landkreis Gießen

r. Alein-Linden, 5. April. Sin Gang durch die Handarbeitsausstellung, die Arl. Gärtner im Saale der Schule darbot, zeigte. waS die Schülerinnen der Volks- und Foribildungsschule im letzten Schuljahr geleistet haben Del allen angeserttgten Sachen sah man, daß im Handarbeitsunterricht alles mit Inter- eff® unter bester Anleitung hergeficllt worden war. Die vorgefchriebeiren Arbeiten waren sauber und tadellos ausgeführi. Die Hand­arbeiten der Fortbildungsschülerinnen zeigten jedem Besucher, daß die Mädchen in ihrem Unter­richt Gegenstände gearbeitet hatten, die für jede Frau nützlich und notwendig ftnd. Frl. Gärt­ner selbst hatte einige Umhänge in Gabelarbeit und drei wunderbare Aquarells ausgestelll, die Frl. GäNner als Künstlerin kermzeichnen Die Gemeinde zeigte durch regen Besuch das größte Interesse.

Der Weißdorn.

Don Erika von unti zu Ruthenbeck.

Di« Berge schlafen. Sie haben ihre blauen kGri gsmänt« enger um ihre Schultern gelegt. 2lt «in einziger Sonnenfunke blieb in ihren leiten hängen

Der Dtnd ist still vorübergegangen Der Mbt b^te keinen Mut zum Spielen

Rui Wetzt daS große Schweigen neben der »rtfien Rächt.

Es ist zum Träumen oder Weinen.

Die Wollen ziehen langsam am sternenleeren "jrnmel. Sie sind wie Wellen, die ihrem Meere < trauriges Lied lautlos fingen

Die Birke toi tat schmeichelnd und sehnend ihre «en Zweige und schauert leis tn ihrem bräut- -Hrn Gewarrd.

Auf dem Heidhüael droht der Wacholder als tutetet Wächter und Krieg«. Fest wurzelt er 1 der sandigen Erde. Die braune Heide horcht äsenden Herzens, ob sie erweckt würde. Man ttSdeutlich ihren fiebernden PulSschlag und ihr tnrrndes Warten Zwischen ihnen stehl der ^^hdorn wie ein weißes Märchen in dieser InbL Er ist von seltener Schönheit. Erst am \rjangenen Tage entfaltete er seinen Schleier rit hüllte sich ganz hinein Run träumt er. h mutz träumen Alle seine Blüten, vom Früh- >< «weckt, singen und kosen mit ihren Klängen.

sind noch iung und lallen den Weißdorn türmen._ Drüben aber, zwischen hohen schwarzen' sÄtenstcnnmen und dem letzten Laub des vorigen !«»5steS. irrt ein einzelner Mondstrahl und neckt sch tanzettd mit seinem eigenen Schatten

Der Sturm wandert wieder, der Wilde, vor hriben ging er vorüber. Run hat er den Mut K Spielen Er ist groß unti schlank unti Hal mde Augen. Jene Augen, in denen viel ADHell funfclt unti viel Freude der Jugend. Er kha vorüb« an den blauen Bergen, den schwarzen «1tm, dem drohenden Wacholder, der trarten- h Heide und stcht nun vor dem Weißdorn, dem

Märchen dies« Rächt. Er steht vor ihm unti lächelt. Der Weißdorn aber hüllt sich vor diesem Lächeln noch tiefer in seinen Schlei« und schaut mit scheuern Warten auS seinen Träumen. Lang­sam. ganz langsam und ganz Icifc neigt sich der große, wilde Sturm über daS Märchen Da­to ei he Märchen noch träumend in seinen Träu­men. weiß nichts, fühlt nur. daß ein tiefes selt­sames Sehnen es umkreist, eng« und eng«. Ein Suchen, in lang« Einsamkeit geboren, irrt aus großen Augen in hie freudetrunkenen des Stur­mes. Es hall die brennende Kerze fein« Seele, die kaum «wachte und von diesem Erwachen und diesem Erlebnis erschau«!, in heißen Kin­derhänden und neigt sich mit ihm kaum bewußt dem wilden Sturme entgegen. Der steht unti lächelt noch. Der nimmt es leis unti verwundert ob sein« unberührten Schönheit. D« küßt es noch mit lächelndem Munde.

Sonst achtete « solch« Zartheit nicht.

D« wilde Sturm, das große Schweigen, die dunlle Rächt, sie alle küßten das weihe Märchen

Drüben tier einzelne Mondstrahl war müde geworden vom spiäentien Tattze. Mit seinem Schatten lehnte « matt und schmal an einem Fichtenstamme. Da war d« Sturm an ihm vor- übergegangen, nicht achlettd dies« flehten Ko­ketten Dort ist ja das scheue weihe Märchen das « küßt. Der Mondstrahl ab« leuchtet grell und zitternd am Fichtenstamme und reckt sich zu sein« ganzen Höhe. Er irrt mit seinem Schalten durch Die Fichten und teilt den blauen Dunst dies« Rächt, tier sie umlagert Er findet feinen Weg und den Sturm.

D« sonst so wilde ist so leite in dieser Rächt Er kniet vor dem Märchen, daS wirft ihm mit lächelnd« Anmut feine lichten Blüten zu. Die find fo fein und zart unti Hingen hell, wie frohe Glocken Sie find die Stimmen tier Heinen Deih- dorn-Seele. Eine ab«, eine leichte mit viel Ueb«- mut, fällt zu weit unti dem Mondstrahl m die schmalen Hande. Er lockt mit höhnendem Lachen den Sturm unti läuft zu den Fichten Dori neckt « sich nun mit feinem schwarzen Schatten unti der lichten Blüte.

D« Sturm, tier lange vergessen, erkennt feine eigene Wildheit Er neigt sich tief vor feinem Märchen unti streicht ihm traurig üb« die reine Stirn

D« Wontistrahl lockt fern hinter den Fichten

D« Sturm wlll die Blüte holen, die ihm ge­hört. und während « die eine Blüte sucht. Die ihm entgangen, verliert « die vielen, die « besah, fern, fern hinter den Fichten

Das Märchen sieht ihm nach. Er ist so groß und so schlank unti hat so junges heißes Blut.

D« wilde Sturm ab« v«gißt bald das Wethe Märchen Er sucht nur noch daS leichte Wild auf seinem Wege.

Sr läuft, unti fein Atem fliegt Sr bricht die zarten Aefte d« Birke, peitscht den drohend en Wachold«, tobt üb« die wartende Heide, beugt die Fichten, daß sie schreien Auch die Zartheit des Märchens achtet « nun nicht mehr. Sein Schlei« zerreißt SS tanzt in losen Fetzen mit dem Sturm unti bleibt an ächzenden Fichten hängen Tie leichten Blüten liegen zertreten wie müßige Worte am Boden. ES sind die Stim­men fein« Heinen Weißdorn-Seele. die nun blutet

Der Mond strahl hat sich fangen lassen Doch ist « schmal und ganz blaß geworden D« wilde Sturm ist müde und will schlafen Run steht Wied« das große Schweigen neben d« tiunHcn Rächt Bald wandert auch sie mit dem Schweigen über die Berge. Der Tag zeichn« leichte Streifen am Horizonte.

Einfam steht d« Weißdorn, so einsam Sein weiß« Schlei« ist nun ganz zerrissen Gr träumt nicht mehr. Und graue, kalte Rebel verhüllen jenes arme, weihe Märchen

Die D«ge haben ihre blauen Könia-mäntel twch eng« um die Schultern gezogen Auch ti« einzige Sonn en funke, der tn ihren Falten hängen geMteben war. erlosch.

Chinesische Piraten.

Die britischen Marinekrälte tn China haben eine Strasexpedimrn gegen Ute Pirntensch^fe tn btr Skis-

AIltndsrs (Lahn . 5. April- Im Saale b« Gastwirtschaft Xhititrig Wagner III hielt Dr Lehr, Direttor des Landtotrischastsannes

- lerungsfragen tn der Rindviehituchl' Im ersten TeU des Vortrages tourtir die Geeignetheit der

Nimatischen unti wirtschaftlichen Verhältnisse ein« enigehenden Erörterung unterzogen und beson­ders auf Ne wertvollen boticnfiarbigen Raffen des Vogelsberger und ti<» heffllchen Fleckviehs btnactoiricn Daran anschließend wurden tvert- polfc Hinweife für die rationelle Fütterung des Rindviehes gegeben, bei dem ohne Leistungs­fütterung eine gesicherte Rente unter den her» zeitigen Verhältnissen nicht »u erzielen sei.

Dreieck 5. April. Ein w oh igel u »genes und gutdefuchte^ Konzert veranstaltete die Sängervereinigung Wieseck am Sonn­tag unter Leitung ihres Coormeisters Philipp Groß und unter Mitwirkung von Frl. Eck­hardt-Gießen (Alapiet). Mank - Wieseck «Trompete» und einem aus musikalischen Freun­den des Dirigenten »usammengefetzten Orchester. D-e Vorlragsfolge ehrte das Andenken Beet­hovens durch einen Chor mit Ovchesl«befiel- tung und dieEgmont"-Ouvertüre als Hall>s«he Beiträge. Franz Schubert war als Romantiker mit fein« wunderschönen bl-Moll-Symphonie ver­treten. Aber auch die Beiträge neuerer Ton- setz« einschließlich d« Volke'.ederbearbeitungen boten nur Gutes Die Aussühruna übertraf alle Erwartungen Wenn auch, wie selbstverständlich, wohl einmal ein Wunsch offen blieb, so zeigte doch das Gebotene und die Art, wie es ge­boten wurde, dah hier eine tief musikalische und gewissenhafte Vorarbeit geleistet worden ist. Dem einheimischen Pistonsvlisten H. Mank gelang es. mit seinen Darbietungen wahre Beifallsstürme zu wecken.

z Rödgen. 5. April, liniere Schulspar- kasse besteht seit Juli 1925. 3m Schuljahr 1925 26 wurden 340,60 Rm.. im Schuljahr 1926 27 359.90 Rm eingelegt. Sie ist der hiesigen Spar­und Darlehnskafse angeschlossen und arbeitet nach einem einfachen System, bei dem Slempellarien verwendet toertien.

v. Londorf. 5. April. Der Arbeiter- GeiangvereinEintracht"- Gießen veranstaltete am Sonntag nachmittag im Döeger- fchen Saale ein Konzert, das allseitigen Bei­fall fand. Der Dortrag der einzelnen Chöre und Lieder zeigte den Verein auf fefcr beachten-- werter Höhe und in guter Schulung Auch die Solisten fanden ungeteilten Beifall.

iS. Steinbach, 5. April. Fleischbeschau« Balser Müller von hi«, ti« dieses Amt über 40 Jahre begleitete, trat am 1. April In den Ruhestand. Sein Rachsolg« ist der Landwirt und Metzger Heinrich Sehrt II. Müller ist 82 Jahre alt und der einzige noch lebende KriegS- veteran von 1871. Heute nachmittag 5 Uhr ÜbCTflog eine Schar Schneegänse in nörd­lich« Richtung unsere Gemarkung.

Sberftadt, 5. April. Ein schön« Unter- haltungsabenti wurde unser« Gemeinde am Samstag durch eine von Lehr« Bell mit der hiesigen Schuljugend v«anstaltete Sch ulent- laffungsfeier bereitet Lehr« Bell, her sich während fern« Tätigkeit seit Herbst vorigen Jahres hi« die größte Beliebtheit und das Ver­trauen d« Gemeinde und der Schill« erworben bat. führte mit den Schulkindern ein Programm, bestehend aus Liedern, Gedichten. Sprechchöven, Kinderszenen und zwei Theaterstücken auf. das bet den sehr zahlreich erschienenen Einwohnern voll« Anerkennung fand. Zum Schlulle richtete Lehr« Bell noch ein Geleit- und Abschiedswort an die entlassenen Schüler und ermahnte sie. sich in ihrem ferneren Leben an den Spruch zu halten: .Dein Leben lang habe Gott vor Augen unti im Herzen." Hiermit sand die tooblgelungene Schul- entlallungSfei« ihren Abschluß.

ri. Hungen. 5. April. Im .Solms« Aof* sand gestern unter dem Vorsitz des Dekans Engel von Obbornhofen eine Konferenz der evangelischen Geistlichen des De­kanats Hungen statt, her auch d« Super­intendent von Oberhessen. Oberkirchenrat Wag­ner von Gießen beiwohnte. Sie tourtie von Pfar­rer Clotz von Wölfersheim mit ein« kurzen Andacht eröffnet Daraus fand eine ausgedehnte Aussprache üb« soziale Fragen statt im Anschluß an einen Dortrag. den Dsarrer Rau mann von Melbach üb« den sozialen Kursus im Johann es­st ift zu Spandau hielt

Bai, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Hongkong, unternommen und dabei 40 odjiffe versenkt sowie 130 Häuser zerstört Damit ist aber nur ein sehr kleiner teil des chinesischen Piraten wesens aus- gerottet. Die Zahl der Seeräuber ist im heutigen China Legion, und Ueberfälle auf Schisse gehören xu den Alltäglichkeiten. Drei Viertel dieser chinest- tchen Banditen und Piraten sind frühere Soldaten, die ihrem General so lange treu und brav dienten, als er ihnen den Sold zahlte und für den unum­gänglich notwendigen Regenschirm sorgte: aber als sie keine Löhnung mehr bekamen, liefen ste fort und versuchten sich des Lebens 'Jlotburft auf eigene Faust zu gewinnen. In diesem Räuderaeschätt wird der Chinese, der sonst mcht mit Unrecht für einen frieblithen Menschen gilt, »um grausamsten und ge­fährlichsten Berdrecher, eben weil er das Rauben ganz als Geschäft betreibt und jede menschliche An­wandlung ausscheidet. In vielen Fällen greifen diese Piraten nicht mit ihren Booten die fremden Schiffe an, sondern verdingen sich auf dem zur Beute ou»> ersehenen Fahr^ug als Mannschaft und brinaen dann in einem verabredeten Augenblick das Swill mit Revolvern und Messern in ihre Gewalt. Die (Begangenen wcrden im allgemeinen nach ihren Mitteln behandelt. Wenn man einen reichen Mann vor sich zu haben glaubt, aus dem man viel herauslchiazen zu können hofft, dann begegnet man ihm mit der größten Häßlichkeit, solange Aussicht auf ein stattliches Lösegeld oesteht. Entsprechen die Summen, die die lieben Verwandten aufbringen, nicht den Erwartungen, dann schickt man ihnen eine Janfte Mahnung- in Gestalt eines Ohrs oder einer Rase, die man dem Unglücklichen abgoschnitten hat. Bisweilen äußert sich diese Grausamkeit in einem grimmigen Humor. So wurde ein Beamter der Asiatischen Pettoleumgesellfchaft, nachdem das Löle- geld für ihn gezahlt war, von seinen Netten befreit und feierlich bis zu dem Ausgana seines ©räng- nlstes begleitet. Dann präsentierte ihm der Räuber- Häuptling mit einer Verbeugung eine Rechnung, auf der zu lesen stand:Abnahme Der Fest ein 6 Dollar, Ehrenwache 6 Dollar' Es Hieb nichts anderes übrig, als auch noch diese Summe zu bezahlen.