Donnerstag, 6. Januar 192?
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 4 Zweites Blatt
h
8
5
Hessisches Landestheater
den von
weit Sei*
Teil und
je Schau- u beach-
lanuar ich die Weise
pedokles" fehlt die dramatische Spannung. Die Bedcutung dieses Dramas recht'ertigt aber doch eine Ausführung, denn seine sprachlichen Schön-
Erwartet niemand die helfen den Galliern natürlich wird sich ändern!
sie werden es doch mühen
das ist eigentlich eine versteckte Drohung
gerade so wie einer, der in alten Seiten in niederdeutschen Landen ohne Rot den Notruf I o d u t t e ausstieh, oder der heute aus der Eisenbahn ohne drohende Gefahr die Notleine zieht. Auf Waltershof, einer Ewinsel bei Hamburg, hing noch vor wenigen Jahren ein solches Gerät auf der der Landungsstelle entgegen»
draußen im Felde arbeitenden Leuten das chen zum Essen.
Der Name ist lautmalend. Der erste
heiten sind so groß und der Schwung der Ge- danken ist so hoch, dah sie allein schon zu fesseln vermögen. Die Inszenierung durch den Generalintendanten war von starker Eindrucks- kraft. Die Weihnachtstage und die Tage zwischen den Jahren brachten vor allem den „Fidelio" und die „Meistersinger" mit hochstehenden künstlerischen Leistungen. Auch dem Wunsche nach etwas mehr Untergattung wurde insofern Rechnung getragen, als u. a. die „Puppenfee", „Wiener SHut“, „Der Detter aus Dingsda", sowie „Robert und Bertram" gegeben wurden. Die zuletzt genannte Posse, die zum neuen Iahre überleitete, sand eine besonders dankbare Aufnahme. weil sie hier seit Jahren nicht mehr aufgeführt worden war. Auch sie war von dem Generalintendanten inszeniert worden, der jüngst von Leopold Ießner eingeladen wurde, am staatlichen Schauspielhaus in Berlin im Januar für ein Werk von Rehfisch die Spielleitung zu übernehmen; er hat aber diesen Anttag ab- gelehnt mit.Rücksicht auf seine künstlerische Ar- beit am Landes th rat er, die eine längere Unterbrechung gegenwärtig nicht zuläht. Die letzten Borstellungen des Landestheaters waren durchweg gut besucht, was wohl nicht zum wenigsten dem abwechslungsreicher gestalteten Spielplan zuzuschreiben ist. E- b.
Die HMebille.
In der Stadt werden wenige wissen, was das ist. Es ist ein aus niedersächsischem Boden sehr verbreiteter Name für ein uraltes Gerät, mit dem man aus weite Entfernungen hin Seichen gibt. Nach Berghaus, Sprachschatz der Sassen, ist es ein im Walde angebrachtes dünnes Brett, an das die Förster mit einem Holzhammer schlagen. Nach anderen bedienten sich besonders die Köhler (im Harz usw.) solcher frrihängen- den Buchenbretter, um je nach der Sahl der Schläge zu Hilfe, zum Essen usw. zu rufen. Wer die Hilleüille ohne Grund schlug, wurde bestraft.
Randbemerkungen Kaiser Wil- elms II.:
Glocke trägt, nur daß in unserem Worte das i einen höheren Ton ausdrüctt. Die ll geben deutlich die Tonschwingungen wieder. Die anlautenden Buchstaben der beiden Teile haben mit dem Klange nichts zu tun; sie dienen nur zur Wortbildung. Die deutsche Sprache liebt es, in solchen Doppelwörtern mit Gleichklang die beiden ersten Laute verschieden zu gestatten (z. B. Hackemack, Holterdipolter).
Doch unsere H i l l e b i l l e gerät in Der- gessenheit. Wir benutzen jetzt in unseren Häusern das Gong (auch Gonggong genannt) und das Tamtam, Tonwerkzeuge der Inder und Chinesen. 3m Grunde ist es doch dasselbe Gerät; ob die Ränder eingebogen find oder nicht, darauf kommt es nicht an. Es wäre zu wünschen, dah man den Asiaten ihre Namen liehe und dafür das alte deutsche Wort Hille- 6lHe wieder belebte und vor Vergessenheit bewahrte. Denn das Gerät stammt sicher aus den ältesten Seiten unseres Dolles, und das Alte soll man ehren. Prof. H.
steht im Ablaut zu hell (von Tönen) hallen, wie ja das Gerät auch im Wesergebirge H e l l e b e l l e heiht; der zweite Tell schliefet sich an bas niederländische bellen, schellen, englisch bell, die Glocke, niederdeutsch B e l l h a m m e l, d. i. der Leithammel, der die
Das Hessische Landescheater hat in letzten Wochen vor Weihnachten eine Reihe bemerkenswerten Ausführung en hcrausgebracht, die den im Publikum und im Landtag geäußerten Wünschen nach einer verstärkten Aufnahme der Klassiker in den Spielplan entsprechen. Auf die erfolgreiche Aufführung von Shakespeares „Macbeth" wurde bereits hingewie- fen. An eine besonders literarisch interessante Suhörerfchaft wandte sich das Trauerspiel „Der Tod des Empebolles", von Friedrich Holder- I i n. Der Ausführung war eine Textbearbeitung von Wilhelm Michel zu Grunde gelegt. _ Das Stück an sich hat die auch an anderen Bühnen bereits gemachte Erfahrung bestätigt, dah Hölderlin kein Dramatiker war; auch seinem ,.Em-
10, den M8W i ab «*u
MM
Trabi Kde Vbrnili*t > ^cncral-
gewissermahen sich selbst überlebt Seine orthodox- zentralistische Einstellung war dem neuen Drei- länder-Rahmen nicht angemessen. Auch in außenpolitischer Beziehung erwies sich sein imperialistisches. nachbarscindliches, jedoch von der par- lamentaristüchen Mehrheit unterstütztes Streben alS der stärkste Hemmschuh für Rintschilsch biegsame Verständigungspolitik und es bleibt nun abzuwarten, inwieweit die künftige Gesinnung durch das Hinscheiden von Paschitsch führerlos gewordenen radikalen Partei die gesunden Außenziele von Rintschilsch im Nachtrag doch noch rechtfertigen wird.
Nicht minder drückend als die Sorgen der jugoslawischen Außenpolitik erweisen sich die Komplikationen in Rumänien mit Hinsicht auf das dynastische Problem. Wiewohl die augenblickliche Lebensgefahr vom Haupte des Königs getrieben ist. bleibt in Anbetracht seines fortgeschrittenen Leidens die Frage der Thronfolge dennoch hochaktuell. Durch seine morganatischen Ehen und seinen freiwilligen Verzicht auf den Thron hat Kronprinz Carol im Sinne der Verfassung sein Crbfolgerecht verwirkt Nichtsdestoweniger tritt eine ansehnliche Innengruppe, an ihrer Spitze mit der Königin Maria, die die königlichen Agenden derzeit faktisch versieht, für den Exkronprinzen ein. und auch ausländische. namentlich jugoslawische Sympathien sind ihm sicher, wobei wohl der Wunsch, durch Lockerung der dynastischen Bande die politische Ein- slußsphäre Rumäniens zu schmälern, Vater des Gedankens ist. Auf keinen Fall wird Rumänien beim Akutwerden des Herrscherwechsels eine dynastische Krise ernstesten Kalibers erspart bleiben, zumal die Stellung des Hauses Hohenzollern in traditionellem Sinne nicht derart befestigt ist, um royalistische und republikanische Gegenströ-
WM» Kl ÖB5 MWW WWW
Englands Stellung iw kommenden Weltkriege.
Die heiligen drei Könige.
Am 6. Januar wird das Feist der heiligen drei Könige oder der Weisen aus dem Morgenland gefeiert, denen die Legende die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar beigelegt hat. Die Gebeine der drei Heiligen wurden zur Sett Kaiser Darbarvssas nach Köln gebracht und die Stadt wurde hauptsächlich dadurch zu einem berühmten Wallfahrtsorte. Die drei Kronen im Kölner Stadtwappen beziehen sich auf diese Reliquien, denen die Stadt 8um großen Tell ihr Aufblühen verdankt. Weniger bekannt dürfte eine andere Form der Legende von den heiligen drei Königen sein, die sich in Asien erhalten hatte und die der berühmte italienische Reisende Marco Polo, der Ende des 13. Jahrhunderts Jnnerasien durchquerte unö dessen Berichte sich als durchaus zuverlässig erwiesen ha- ben. wiedergegeben hat. Danach sollen die drei Weisen unweit Teherans in Persien begraben liegen, ihre Leichen waren damals noch unversehrt unb ihre Grabstätten durch prachtvolle Denkmä'ec geschmückt. Die drei Könige zogen, so berichtet die persische Sage, einst mit Gold. Weihrauch und Myrrhen aus, um einen neugeborenen Weisen zu huldigen und um zu erfahren was er feinem innersten Wesen nach wäre .' . . Wählt er das Gold, so sagten sie. ist er ein König, nimmt er den Weihrauch, so ist er ein Gott, und sollte et die Myrrhen bevorzugen, so ist er ein Arzt. Als die Drei von denen der eine ein Greis, der zwe.te em QUann von mittleren Jahren, der dritte ein Iungllng war, an den Ort kamen, betraten sie zunächst einzeln den Raum, in dem sich das Krnd befand. zu ihrem Erstaunen sah aber keiner ein kleines Kind, sondern einen Menschen im eigenen Alter. Erst als sie gemeinsam eintraten, fanden sie ein Kind, dem sie ihre Geschenke kniend darbolen. Es griff nach allen Gaben, und zeigte auf diese Weise, daß es sowohl ein Gott, wie ein König und ein Arzt sei. Die
iavendS' j. ’BlooW'cVr.
*itdi'.crö»rL
ßSs
Stadtthe^.
I
I
Weisen aber erhielten von dem Knaben eine geschlossene Büchse. Als sie diese auf der Rückseite öffneten, sanden sie einen einfachen Stein und warfen die Gabe, die sie nicht verstanden, fort, wobei der Stein in einen Brunnen siel. Aber sofort loderte ein Feuer daraus empor. Nun begriffen sie, daß der Stein geheinnrisvolle Kräfte besessen hatte, nahmen einen Brand des Feuers mit sich in die Heimat und erbauten zu Ehren der Flamme ein großes Heiligtum. Seitdem werden dem Feuer in Persien göttliche Ehren erwiesen und alle Opferfeuer werden an ihm entzündet. Niemals darf seine Flamme erlöschen. — In dieser Legende findet sich eme anziehende Verknüpfung des altpersischen Feuer- kultus und des Christentums, während der Stein, den die Könige fortwarfen, an den „Stein der Weisen" erinnert, der im ganzen Mittelalter eme große Rolle spielte und der dem Menschen, der ihn entdeckte, höchste Erkenntnisse und Kräfte vermitteln sollte.
mungen unter allen Umständen auszufchließen. Man kann in diesen Sonen einer unausgegorenen Verwaltung und Verfassung auf die verlchieden- ften Regierungssormen, auf die Möglichkeit einer Rechts- und Linksdiktatur gleicherweise gefaßt sein. Bezeichnend ist es allerdings, daß Presse und Oessentlichkeit in Ungarn, von wo bereits öfters Kombinationen über eine Form der Personalunion mit Rumänien nach dem Ausland drangen, die Ereignisse in Bukarest mit größter Aufmerksamkeit verfolgen.
Nach Abschluß der Wahlen, die für die Regierung noch bei weitem günstiger verliefen, als vorauszusehen war. ist auf ungarischem Gebiete heule Graf B e t h l e n unbeschränkter Herr der Lage. Von 245 Mandaten entfielen 213 auf die Regierung und die unter ihr koalierten Fraktionen. Sozialisten und Demokraten verloren sowohl wie der rechtsradikale Rassenfchutz etliche Mandate, und die ersteren beiden Parteien vermochten sich nur durch das Ergebnis in jenen wenigen Städten, wo die Abstimmung geheim erfolgt, insbesondere aber durch das Budapester Wahlresultat, das den Regierungsmännern die einzige nennenswerte Schlappe brachte, mit Not über Bord zu halten. Möge nun auch die Feststellung eines Wiener Blattes, laut welcher Ungarn zu Füßen des Grafen Bethlen liege übertrieben sein — immerhin ermächtigt der Ausgang der Wahlkampagne den ungarischen Ministerpräsidenten. sein wirtschaftliches Konsolidierungspro- gramm ungestört zu vollenden. Seinen eigentlichen Befähigungsnachweis dürfte jedoch Graf Bethlen erst durch die Art und Weise erbringen, auf die er das Kardinalproblem des Landes: die Königsfrage einer definitiven Lösung entgegenführt.
wörtlichen Leiter der deutschen Polittk muhte es seit der Seit klar sein, welches unerhörte, wenn nicht gar für Deutschland aussichtslose Unternehmen die Entfesselung eines europäischen Krieges sein würde, zumal auf italienische Hilfe wenig zu rechnen war. Die Tatsache, daß die Deutsche Regierung mit der Gegnerschaft Englands rechnen mußte, entkräftet deshalb auch die in der Welt so oft erhobene Behauptung. Deutschland habe auf den Weltkrieg hingetrieben, weil es bestimmt angenommen habe, daß England beiseite stehen würde. Heber die Frage der Stellung Englands bringen wir hiermit aus dem in Kürze erscheinenden 39. Bande der Großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes* die nachfolgenden bemerkenswerten Schriftstücke zum Vorabdruck:
Der Dokschasler in Corbon, Fürst von Lichnowsky, an bea Reichskanzler von Belhmann Hollweg.
Ausfertigung
London, ben 3. Dezember 1912.
Lord Halda n e besuchte mich heute, um mit mir die politische Lage zu besprechen. Während der längeren Unterredung betonte er wiederholt die Notwendigkeit, in der orientalischen KrisiS zu einem Ausgleich der Gegensätze zu gelangen, da es unabsehbar sei. welche Folaen eine kriegerische Verwickelung, In die eine oder mehrere der Großmächte hineingezogen würden, haben könnte. England sei unbedingt friedlich und kein Mensch wolle hier den Krieg, schon aus wirtschaftlichen Gründen. Aber bei einem allgemeinen europäischen Wirrwarr, der sich doch aus dem Einmarsch Oesterreichs In Serbien ergeben könnte, falls Serbien nicht gutwillig die besetzte Adriaküste räumte, sei es kaum wahrscheinlich, dah Großbritannien der sttlle Suschauer werde bleiben können7.
Ich entgegnete, ich wolle nicht die Frage an ihn richten, ob das soviel hieße, als ob Gng-
• .Die Große Polittk der Europäischen Kabinette 1871—1914.“ Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsius (t). 'Albrecht Mendelssohn Bartholdy. Friedrich Thimme. 5. Reihe. Dritte Abteilung: Band 34 bis 40. „Europa vor der Katastrophe." Im Verlage der Deutschen Ver- lagsgesellschast für Politik und Geschichte in Berlin W 8.
Sonntag, 9.
Aei^M
Im M 8t«'» haue. Benin» I» a>cderbiicher wh bringen.
Freitag, l*;3»1 Haupt»
Versammlung bei Hopstld.
Kerich'e, Ergr MMablkerO
jimöberg« immdcrM.
eim. io
Jahreswende im Südosten Die jugoslawische Kabinettsbildung.— Krise der rumänischenTynastie.—Ungarische
Wahlen.
Von Dr. Gustav Erenhi.
Budapest. Januar 1927.
Rach einer Regierungskrise von fast vier Wochen, in deren Verlaus dieselben Kombina- tioncn wiederholt aufgegriffen und vereitelt wurden, erfslg.c endlich knapp vor Weihnachten ixe Konstituierung eines neuen jugoslawischen Kabinetts unter der Präsidentschaft von Uzuno- witsch und im Wege einer Koalition zwischen Radikalen und der unter Raditsch' Leitung stehenden kroatischen Agrarpartei. Man einigte sich also zu guter letzt in der Person jenes Mannes, der als Vertrauter des bis zum leh.en Atemzuge allmächtigen Paschitsch von allem Anfang die größten Chancen besaß, und der in der Hauptsache wohl nur aus dem Grunde, um die widerspenstige R a d i t s ch - P a r t e i für Me Koalition mürbe zu machen, seine Berufung etliche Male zurückstellte und es auf die fruchtlosen Versuche von Außenstehenden wie der Demokraten- führet Dawidowitsch und dem Skupsttna- Vorsitzenden Triskowitsch ankommen lieh. Der eigentliche Kern der Lauerkrise im Innern ist aber unUrcitbar in außen politischen Schwierigkeiten zu suchen.
Es darf füglich behauptet werden, daß der jugoslawische Staat in den jüngsten Wochen die größte politische Erschütterung seit seiner Gründung erlebte. Eigentlich kann die Kabinettskrise bis zuletzt als eine ausgesprochene Hin* tschitsch-Krise betrachtet werden, da doch zuvörderst das kühne Werk des letzten Außenministers auf dem Spiele stand und da Nm- tschiisch' jäher Rücktritt zwingend eine Revision des außenpolitischen Gesamtprogramms erheischte. Dem außergewöhnlichen diplomatischen Geschick von Nintfchitsch glückte es in hervorragender Art. über drei Grenzen solide Nachbar- vindungen zu schaffen und Jugoslawien somit aus ferner isolierten Stellung herauszureißen, aber er rechnete nicht in zureichendem Maße mit Gefühlswiderständen an der Jnnensront. an denen seine weit ausholenden Pläne just im Moment größter Krästeanspannung scheitern mußten. Nintfchitsch erkannte richtig, daß der Anschluß an die Kleine Entente an und für sich Jugoslawien keine hinlängliche Sicherheit und Aksivitäl gewährleistet und brachte in der Folge die italienische Orientierung gegen alle italien- feindlichen Traditionen und die Hemmungen einer nach wie vor vorhandenen gegenteiligen Volks - stimmung zustande. Wie tief indes die Abneigung gegen eine "Verständigung mit Rrnn in breitesten Volksschichten wurzelt, beweist zur Genüge der Umstand, dah eine Ratifizierung der Rettuno-Verträge durch das Belgrader Parlament bis auf heute nicht erzielt werden konnte. Ohne Swcisel war diese Weigerung verschiedener politischer Fraktionen, die Jtallenpolittk von Nin- tschitsch mitzumachen, der Hauptgrund dafür, daß die italienische Regierung sich freie Hand behielt und überraschenderweise das Einvernehmen nut Albanien inszenierte. Der Vertrag von Tirana, so belanglos er in bezug auf einen italienischen Machtvorstoß anmulct, muhte In der Form, in der er ohne jede vorherige Fühlungnahme mit der jugoslawischen Regierung vor sich ging, al« ein unfreundlicher Akt gegen diese bewertet werden. der nun anstelle des bisherigen Gefühls einer ergiebigen Flankendeckung plötzlich das Gespenst der Einkreisung auftauchen läßt Unter solchen Umständen wird ein seit Jahr und Tag aktuelles, obschon nicht minder unpopuläres Problem. nämlich die Anlehnung an Sowjet-Ruhland lebhaft erörtert, und daneben kursieren mannigfache Gerüchte über eine abermalige festere Eingliederung in den Verband der Kleinen Entente, über Orientierungen nach der französischen, ja sogar nach der deutschen Seite.
Ein seltsames Geschick verquickte mit der unvermittelt entfachten Krise von Regierung und Außenpolitik den Tod von Altmeister Paschitsch, der ungeachtet seiner vollendeten achtzig Iahre die innenpolitischen Leitfäden unentwegt in den Händen hielt. Dieser Gründer des neuen Reiches, der noch Im besten Mannesalter den Umschwung vom Extremsoziallsten zum Na- tionalpolitller von äußerster Färbung vollzog — mehr Dollssührer durch seine allen Wendungen gewachsene Psiffigkeit. denn durch die Ducht seiner staatsmännischen Ueberzeugung hat
ungen | M Minen cti bei : iibzab- - :n wird
perl,
eg 39.
land alsdann gegen uns feindlich vorgehen mürbe1. Er erwiderte, bah das gewiß nicht die notwendige, wohl aber die mögliche Folge eines Kriege- sein würbe zwischen beiden kontinentalen Gruppen. Die Wurzeln, so brückte er sich aus, bet englischen Politik lägen in der hier allgemein verbreiteten Empfindung, daß bas Gleichgewicht der Gruppen einigermaßen ausrechtzuerhalten sei1. England würde daher unter keinen Umständen eine Niederwerfung der Franzosen dulden können', die er. ein großer Bewunderer unseres Heerwesen- und unserer militärischen Einrichtungen, mit einiger Sicherheit Voraussicht. England könne und wolle sich nicht nachher einer einheitlichen kontinentalen Gruppe unter Führung einer einzigen Macht gegenübersehen".
Sollte also Deutschland durch Oesterreich in ben Swift hineingezogen werden, und dadurch in Krieg mit Frankreich geraten, so würden in England Strömungen entstehen, denen keine Regierung widerstehen könnte, und deren Folgen ganz unberechenbar mären*. Die Theorie von dem Gleichgewicht der Gruppen bilde eben für Englands Außenpolitik ein Axiom- und habe auch zu der Anlehnung an Frankreich und Rußland geführt. Er könne mir verbürgen, daß man hier das beste Verhältnis mit Deutschland wünsche» und die Ausnahme, die zum Deifpiel die Ausführungen Euerer Exzellenz und des Herrn von Kiderlen im Reichstage sowie meine neuliche Rede beim Festmahl der Royai Society gefunden, müßten mir die Richtigkeit dieser Ansicht beweisen». Auch würde uns niemand hier ben Krieg machen wollen, solange keine europäischen Verwickelungen'" einträten. Die Folgen eines europäischen Krieges aber seien ganz unberechenbar. unb könne er alsbann für gar nichts cin- stehen".
Lorb Halbane kam auch auf bie Politik Sir E. Greys unb seinen Vorschlag au sprechen. Er ist bekanntlich mit dem Foreign Secretary intim befreunbet. unb Dieser wohnt sogar zeitweise bei ihm. Er bestätigte mir. baß Sir Ebward nach Möglichkeit banach trachte, eine vermittelnde Haltung einzunehmen, unb es bermeibe, als Parteigänger der Ententegruppe in dieser KrisiS zu erscheinenLord Halbane meint, bie angeregte Vorbesprechung werbe Russen und Oesteroeicher zwingen, mit greifbaren Anträgen hervorzutreten, was bisher nicht geschehen, unb befürwortete bie Wahl von Lonbon als ben geeignetsten Ort. Inzwischen müsse aber alles vermieden werden, was zu einer scharfen Sonderung der Gruppen (harden the groups) führen könnte13. Dieselben müßten sich vielmehr möglichst in „Gelatine" verwandeln".
Lichnowsky.
oder KampfansageI
• richtig; haben wir schon berechnet
7 sie ist ein Blödsinn I unb wirb England ewig zu unsren Feinden machen
8 bei solchen Auffassungen gärizlich nutzlosi
8 alles Quatsch!
ohne ernste Folgen
10 die werden eintreten
11 ich auch nicht!
11 er bleibt aber doch Parteigänger der Gallo- Slaven gegen die Germanen!
11 Quatsch!
" weil England zu feige ist Frankreich und Rußland offen in diesem Falle sitzen zu lassen, unb sehr neidisch ist auf uns unb uns haßt, deßwegen sollen anbere Mächte ihre Interessen nicht mit dem Schwert vertheidigen dürfen, Da es dann trotz aller Versicherungen, trotz Marschall und Lichnowsky doch gegen uns gehen will. Das richtige Krämervolk! Das nennt es Friedenspolitik! Balance of Power! Der Cnbkampf der Slaven und Germanen findet bie Angelsachsen auf Seiten der Slaven u[nbj Gallier
Aufzeichnung Kaiser Wilhelms ll.
für den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Kiderlen.
Eigenhänbig; ohne Oct unb Datum.
Die Unterhaltung Halbancs mit Lichnowsky, bie ich heute morgen gelesen zerreißt alle Schleier ber Unsicherheit. England wird aus Reid und aus Haß gegen Deutschland unbedingt Frankreich und Mißland gegen uns beistehen. Der eDent[uel]l[e] Existenzkampf, den die Germanen in Europa (Oesterreich, Deutfchland) gegen die von
Mit Erlaubnis dcs Auswärtigen Amtes unb der Deutschen Derlagsgesettschaft für Politik unb Geschichte bringen wir fort» laufen!) aus der in Kürze erscheinenben letzten Abteilung des großen deutschen amtlichen Aktenwerkes eine Folge von zu Kapiteln zu^ammengestellten besonders wichtigen Dokumenten zur deutschen Außenpolitik ber entscheidenden Iahre 1912 bis 1914 zum Vorabdruck.
Die Stellung, welche England in einem deutsch-französischen unb eventuell in einem großen europäischen Kriege einnehmen würde, ist jahrelang vor Ausbruch des Weltkrieges von manchem als äußerst problematisch angesehen worden. Ebenso ist der Eintritt Englands in ben Weltkrieg an ber Seite unserer Gegner vielfach ausgiebig als völlig überraschend unb als perfide gekennzeichnet worden. Der Vorwurf ber Perfidie konnte allerdings mit Rücksicht daraus naheliegen, daß England von höchster offizieller Seite irgendwelche Abreden mit Frankreich, die England zu einem militärischen Einschreiten verpflichten könnten, stets bestritten hat. Ueberraschend jedoch hätte die Haltung Englands in einem rein ‘ deutsch-französischen Kriege in Anbettacht dessen, daß England von dem Prinzip befl europäischen Gleichgewichts sich niemals loSgesagt hat, logischerweise nicht sein können. Eine andere Auswertung erforderte allerdings das europäische Gleichgewicht im Falle eines Sweifrontenkrieges, den Deutschland im Weltkrieg gegen Frankreich und zugleich gegen Rußland zu führen hatte. Der Ausgang des Krieges hat ja auch sehr zum Schaden englischer Vorherrschaft das kontinentale Gleichgewicht recht schief zugunsten Frankreichs verschoben. Trotz allem hat in Deutschland an maßgebender Stelle feit 1912 fein Stoeifel über bie Stellung Englands in einem europäischen Kriege bestanden. Wenn auch der Grey- Cambonsche Briefwechsel vom 22. und 23. November 1912, der eine starke moralische Bindung Englands gegenüber Frankreich für den Kriegsfall in sich schloß, erst im Frühjahr 1914 zur Kenntnis der deutschen Regierung gelangte, die ihn bann nach Ausbruch bes Weltkrieges am 16. Oktober 1914 veröffentlichen liefe, so bringen doch feit Ende 1912 die Berichte des deutschen Botschafters in Lonbon, Fürsten Lichnowsky, bie Stellung Englanbs in einem künftigen Kriege unzweibeutig zum Ausdruck. Für die verant-
gefefeten Seite des Wassers, zu dem Stoe je, bem Fährmann brüben zu rufen. Es war aber bereits aus Eisen hergestellt. Ebenso sinb auch noch auf mecklenburgischen Gütern eiserne Hille- 6Ulen in Gebrauch; man gibt Damit den
v. n. Ö, 4. v, Sektion Gießt Sonntnn, 9. jlan. LMraoi. Matti- &27 do:
CewolbSdQtitn »ach Rtolbotl.
6iMi> iWMti- fain Sltjii
Tountaa, 9. Ja, nadjmut. \ Utt 1 btt Liabt Wcv!i
lÄlWlDiabl:
Familien- abend verbunden niii
Kinberbtltym. lomlfätn Qorttiii. unb MImmAW TitWitbtrir ibten Anaeböri? werd, hierin Iren- Mit etngtlabcn.1
Der Aoriitt
S’r.16l,,en unltr ÄÄet davon ^«nlszuntbmti H °Ue nad) hin °en änmt dunae ",unltrer A
mm mehr btlijM "L w'lden könnet 5»!


