Einzelbild herunterladen

Auf dem Gebiete des Tiefbaues ist der 'Beginn der Neupflasterung der Hauptverkehrs­straße zu erwähnen, ferner die Führung der Wasserleitung durch die 'Ringstraße nach dem Bahuhofsviertel. 3m nächsten 3ahr soll das neue Postamt, für das im Voranschlag 60CCO ORT. eingestellt sind, an der Vahnhvsstrahe (zwischen Wetter und Weidgraben) von der Stadt errichtet werden.

- Vellersb eim . 4. Oft. Gestern wurde das Ob st an der Provinzialstraße Bel- lersheim Bettenhausen versteigert. Es handelt iich hier in der Hauptsache um Tafel- birnen für den Winterbedarf. Da gerade in Birnen in hiesiger Gegend Lleberangebot herrscht, wurden außerordentlich niedrige Preise erzielt. Bäume mit vollem Behang. Winter Dechans- birne und Pachorenbirne, kamen auf 2 bis 4 Ml., geringere Sor en kamen noch billiger. Da man in diesem 3ahr bei der vollen Entwicklung der Früchte und dem dichten Behang den Ertrag eines Baumes leicht unterschäht, stellt sich der Zentner im Durchschnitt nur auf 30 bis 80 Pf. Anschließend fand die Versteigerung an der Pro­vinzialstraste nach Bahnhof Bellersheim-Obborn­hofen statt, und zwar kamen hier nur Aepfel, als Gelber Edelapfel, Holländische Reinette, Winter-Goldparmäne und Rambcur Papleu zum Ausqebot. Bei einer verhältnismästig geringen Zahl von Kauliebhabern waren die Stcigpr.i'e sehr gering, was vor allem seinen Grund in der in hie'iger Gegend ungewöhnlich reichen all­gemeinen Obsternte hat. Bäume besten Tafel­obstes. an denen zwei Zentner zu ernten sind, kamen auf 2,50 bis 4 Ml., einzelne glückliche Käufer steigerten noch billiger. Durchschnittlich kam der Zentner auf etwa 1,50 bis 2 Mk. zu stehen. Die Zementwarenfabrik von Gebrüder Böckel, die durch Verkauf an die Frankfurter Firma von Essen ft Lindenbaum überging und von dieser jahrelang als che­mische Fabrik betrieben wurde, steht schon seit geraumer Zeit st i l l. Sie befaßte sich haupt- fächlich mit der Herstellung von Gelblalium. das fast aus'chliestlich im Ausland abgefeht wurde. Das völlige Stocken deS Absatzes, bedingt durch handelspolitische älmsteklungen des Auslandes, und der geringe Bedarf im Inland führten die völlige Stillegung herbei. Wie man Höri, inter­essiert sich nun ein größerer chemischer Konzern für das Anwesen, der eine Zweig­niederlassung hier gründen will.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 4. Oft. In der Turnhalle der Augustinerschule wurde am Sonntag und Montag der erste Friedberger Obst­markt abgchalten. Hauptaussteller wrren die Stad! Friedberg und die hiesige Obstbauschule, während die Landwirte der iim.ebung noch etwas zurücihieltcn. Der Haup zweck des Markt.s war neben der Förderung des Absatzes auch die Ein­führung dcr Ginheitsverpackung, die heute vcm Handel überall gefordert wird und die der deutsche Züchter einführen must, wenn er sich auf dem Markt behaup e.c will. Für die Verpackung waren Preise ausgesetzt: den ersten erhi lt die Gräfliche Hofgärtnerei Aisenheim. Der Umsatz war sehr gut bei angemessenen Preisen. Ebenso war der Besuch des Marktes ausgezeichnet.

WSV. Bad-Nauheim, 4. Oft. Dem Pfarrverwalter Paul Gerhard Schäfer von der Darmstädter Pe'rusgemeinde, Sohn des Dekans Schäfer in Büdingen, wurde durch das Landeskirchen amt die hiesige zweite evan­gelische Pfarrstelle übertragen.

4 Bad-Nauheim, 4. Oft. Die Stadt hat bei Versteigerung ihrer reichen dies­jährigen Spätob st ernte etwas über 5000 Mark vereinnahmt. Zum Verkauf waren zwei Tage notwendig. Am erften Tage war bei größerer Kauflust der Preis verhältnismäßig hoch, am zweiten Tage dagegen gab es durchweg sehr billieZ Obst. Jin Durchschnitt haben sich aber selbst die feinsten Tafeläpfel nicht höher als 3 Mark am rJ$aum gestanden. Zu Spott- preisen wurden di« Birnen abgegeben. Der Zent­ner bestes gemischtes Tafelobst (Aepfel) wurde hier seither zu 12 bis 15 Mark verkauft. Die Kurgäste aus Gegenden mit geringer Obsternte legen diesen Preis gern an unD sind froh, gutes Wetterauer Obst von hier nach Hause schicken zu können. Die Obsternte ist hier noch im vollen Gang. Die großen Apfelweinfelterecrn am Platze hielten seither mit dem Ankauf noch zurück. Sie wollen ausgereiftes Obst haben und fetzen daher LlmErsolgundkiebe.

Roman von Robert Misch.

Copyright by Carl Dunker. Berlin SW 62.

8 .Sortierung Nachdruck verboten

»So singen können und spielen", dachte sie, wahrend sie ihn ansah. Täuschte sie sich aber nein, auch Lenz blickte plötzlich zu ihr herüber. Und letzt beugte er sich zu Currin, mit Haupt und Augen zu ihr hindeutcnd.

Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück, ganz ver­wirrt und benommen. Zum Glück achtete niemand darauf: denn d'Almanvert spielte eben auf dem Bechstein einen alten italienischen Meister. Sanft und zart breiteten sich diese Töne aus, wie knisternd schmiegsame Seide, die in matten Farben leuchtet.

Ali geschnittene Taxushecken, zierlich verkünstelte Gärten, kchte, brokatene Frauengewünder der Barockzeit mußte man dabei denken, an galante Kavaliere, an Lauten- und ylötenklcinge, Gavotten und Pavanen. Und das Ganze war auch so etwas wie ein feierlicher Reigentanz vor dem Sonnen­könig und seinem Hofe.

Und Lenz nein, sie täuschte sich wirklich nicht schaute immer wieder herüber mit seinen tiefen, genialen Kinderaugen, die sie plötzlich an die der Engel auf derSlriina" erinnerten Ein leises Pr ckeln zitterte durch ihre Nerven: sie fühlte ihr Blut fingen, aber sich dabei so moblig und leicht.

Alles limdrängte jetzt den Meister des Flügels. Len, stellte feine Taffe nieder, ging am Arme Lu- krins langsam auf den Flügel zu, an ihrem Tisch­chen vorüber. Plötzlich blieb er vor ihr stehen, sah sie und Suh-in scharf an, der die Stirn runzelte und dann, mit einem kaum sichtbaren, spöttischen Lächeln um die Mundwinkel,den großen Künstler der kleinen, zukunftsreichen Künstlerin^ vorftclltc.

Cenx ergriff ihre Hand und ließ sich dann, wie absichtslos, neben ihr nieder Für einen Augenblick feftte 31a-3 Pulsschlag aus. Aber sie faßte sich schnell und gab willig Auskunft auf seine Fragen ob sie ro rH di zur Bühne gehen wollte, wie alt sie sei, ob sie -stimme und Talent hätte

r,3<f) glaube, ja. Aber das muß mein Lehrer beffer wisse,,.*

erst im Laufe dieser Woche mit der Hauptkester- tätigfeit ein.

5 Butzbach. 4. Oft. Für daS nächstjährige große Gauturnfest deS Turngaucs Hessen, das bekanntlich in unserer Staat ftatt- findet, sind als Festtage die Tage vom 3 0. Juni b i S 2. Juli festgesetzt worden. Diesen Termin sollten alle Vereine der näheren und weiteren Umgebung, denen auch Feste übertragen worden sind, deshalb beachten, weil das Gau- turnfest erfahrungsgemäß einen großen Teil des Sonntagsverkehrs Oberhessens und der benach­barten Gebiete jewells an sich zieht.

Kreis Büdingen.

& Nidda, 4. Oft. Mit Ablauf September trat Oberjustizinspektor Geiger h er in den Ruhestand, nachdem er genau 24 3 hre am hiesigen Amtsgericht tätig gewesen war Sr.ne Vorgesetzten. Mitarbei.er und Freunde veranstal­teten ihm zu Ehren im Gasthaus »Zum Darm­städter Hof" eine Abschiedsfeier, woran beinahe 50 Personen teilnahmen. Oberamts­richter Krug würdigte die Drhirn e des Ge­feierten. der stets mit Gewiss nh f kJ i und E s r fein Amt vorbildlich geführt und sich dadurch die Hochachtung und Liebe f.nr.er Vrrgesetzt n und Mitarbei'cr erworben habe. 3m ganzen Gerichts­bezirk erfreut sich derHerr Aktuar" allg:rn inrr Verehrung und Wertschätzung Freundlich ud gefällig hat er gar manchem Ra und Auskunft in Rechtsfragen erteil*. Weiter sand er als Vor­sitzender des Dezir's Nidda der Kriegcrk m rad- schaft Hasfia häufig Gelegenhei, außertzi.n'.lich mit den Bezirks eingesessenen zu v rk hr n und neue Beziehungen a "zuk lüp'en. Obgleich G iger aus dem a.segne en Rh inh cksen sta nm u d t> r! über 43 Jahre seines Lebens zugebracht ha, ist er frei von jenen Vorurteilen, denen man häufig in Rheinhessen gegenüber u serem Olxrhcksen begegnet. Vielmehr hat er d e W t erau und d n Vogelsberg schälen und Leben g lernt. D s vor drei Jahren war er Vorsitzentzer des hiesig:n V. H. E.-Zwcigvereins und bat dessen Ziele ste s mit Eifer bertre'en und gck-rderl. G.rne unter­nimmt er heute noch Wanderungen mit dem D. H. C. und wird auch fernerhin hier seinen Wohn'itz bellten.

*?" Nidda. 4. Oft. Die neugcschaffene Hochspannungsleitung Wölfers­heim-Lauterbach wird am nächsten Mitt­woch in Betrieb genommen. Die Spannung des durchlaufenden Starkstroms beträgt vorerst 20 000 Volt, kann aber nach Bedarf auf 60 020 Volt gesteigert werde i. Durch Ausgabe von Anteilscheinen konnte der hiesige Sportklub die nötigen Geldmittel erhalten, den auf der Ganswiese gelegenen Sportplatz instandzusehen und neuzeitlich auszubauen. Außer den Mitgliedern, denen ein P'lichtanteil au erlegt war, beteiligten sich auch Nichtmitglieder zum Teil mit namhaften Beträgen. Die Drainage ist bereils durchgesührt. die Herrichtung einer- Lauf­bahn, Schaf ung von UmfteDeräumen usw. sollen baldmöglichst folgen. Schüttelob st zum Preise von 3 Mark pro Zentner wird eben wag­gonweise hier verladen. Es läuft vorwiegend nach Württemberg, das infolge schlechter Apselernte auf Einfuhr angewiesen, um seinen .Moscht" Herstellen zu können.

ow. Ober-Widdersheim, 4. Oktober. Schon im Januar d. 3. hatte der Kirchen- vorftand Ober-Widdersheirn in Uebereinftimmung mit den Gemeinderäten von Ober-Widdershrim den Beschluß gefaßt, die längst notwendigen E r - Neuerungsarbeiten in der hiesigen Kirche vornehmen zu lassen. Der Beschluß konnte bisher nicht zur Ausführung kommen, weil der Gemeinderat der ebenfalls zu de i Bau­kosten beitragspflichtigen Cem indeGrun.-Schwal­heim den Zuschuß seines Kostenanteils nicht be­willigte. Unter dem Vorsitz des KreiZöireltors Dr. G a ß n e r von Büdingen sand deshalb am Samstag im Rathaus zu Ober-Widdereh !m eine gemeinsame Sitzung der drei Gemeint eräte von Ober-Widdersheim, älnter-Widder.hci.n und Grund-Schwalheim statt, zu der auch der Kirchen­vorstand eingeladen war, und an der für die Kreisbaubehörde Regierungsbaurat Frey von Büdingen, und für die Kirchenbehörde Dekan Serina von Eichelsdorf teilnahmen. Er reu- licherweise ließ sich nach eingehenden Verhand­lungen der Gemeinderat Grund-Schwalheim be­reitfinden, wenigstens einen Beitrag zu i e.i Bau­kosten im Höchstbetrag von 3300 Mk. zu bewil­ligen. So dürfen wir hossen, daß im Lau'e bet nächsten Monate die Vorarbeiten im Kreis­

bauamt erledigt werden, und daß dann im kom­menden Frühjahr wenigstens die notwendigsten SrneuerungSarbeiten in der Kirche zur Aus­führung kommen können.

* Echzell, 4. Oft. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde als wichtigster Punkt über dir hirsigrn Marktderhältntsfe gesprochen und die Märkte für das kommende Jahr festgelegt. Sie sollen wie folgt stattlinden: 4. Februar, 4 März. 8. April, 6. Mai, 3. Juni, 8. Juli. 12. August Schweine- und Zie^enmarkt, 9. September. 7. 0' ober Schweine' und Krämr- markt. 4. November und 9. Dezember. Die hie­sigen Märkte erfreuen sich bei der landwirt­schafttreibenden Bevölkerung der mittleren Wetterau immer größerer Dtli'bthtitz was be­sonders in dem zunehmenden Besuch und dem ver­stärkten Auftrieb zum Ausdruck kommt. Dir Kartoffelernte ist hier so a enttcb be nd:t. Bei dem ausge'prochenen Kart-ff.lioben unf r:r Gemarkung war der Ertrag sehr gut. Ein hoher Prozentsatz der Anbavf'äche war mit F ühk r- to f In be' ell , die zu lahnmden Pes n abgefeht wurden. Gege cwäräg werden die bekannten Wet­terauer Speisekartoffeln, hauptsächlich Industrie und Gelbe Rieten, auf dem Bahnhof verlad n Während zu Beginn der Ernte der Zentner mit 2,75 Mk. bezahl' wurde, ist der Preis jeh' über 3 Mk. auf 3,50 Mi. gestiegen. Wrißflnschige Fut erkartoffekn. Den denen hier be'o cders Pepo. Has ia und Bötzms Heimat aig'bau* werden, wer­den zum Preise von 2.70 Ms. verfrachtet. Säm'liche Ob ft bäume -e gen einen außer­ordentlich starken Behang, wie seit vielen Jahren nicht. Neben den b kannten Wirt- schaft'sorten wurde in den letz en Jahren imm-r mehr feine' Tafcl^b'tz wie Bos'oov, Goldr nie von Denheim und die v'rbe.ferte Win er-Gold- Parmäne angebaut, das jetzt ins Tragen kommt. Ob'm kler Wilh. Müller D tläb: fast tätlich Pflückob^'. Erste Sorte kostet per Zentner 7 Mk.. geringere War? 5 bis 6 Mk. je Zentner. Schütt l- obst wird mit 2.53 Mk. bezahl'. Das Aus­steller, der Winterfrucht ha! begonnen. In diesen Tagen wurde das erste Korn gesät, allerdings nicht nach der a'tcn Baueweregel: Das Kom unter.ge'tnab." (ce'taubt), der Weizen unter gcllaab!" (untergeschmiert).

Kreis Schotten.

* Schotten, 4. Olt. Am Sonntag veran­staltete b:r fj.eiigc Kleinkaliberschütze n- Oerein anläßlich ke3 Geburts ages des Reichs­präsidenten ein Hindenbürg-Preis- schießen. Die Bet il gung am Schießen war sehr reg?. Am Abend fand in der Schühenhalle eine Familienfeier mit Pre.sverteilung statt, bei der sehr wertvolle Preise g geben werden konnten.

KreisNlsscld.

Id. Alsfeld, 4. Olt. Bei dem Bundes- schietzen des Landesverbandes der hessischen Kleinkaliberschützenver­eine (vgl. den gestrigen Bericht) beteiligten sich die zehn besten Kreismeister-Mannschaften. wie auch die je zehn besten Einzslmecster der Klasse A und der gemeinsamen Klasse B/C. Die Bedingun­gen. für alle gleich, waren: ein Probefchuß, der angezeigt wurde, und je drei Schutz liegend frei­händig, kniend, stehend freihändig ohne Anzeigen. Es wurde auf fünf Dahnen geschossen, das Schie­ßen wurde von Oberförster Rausch, Romrod, vorbildlich geleitet und wickelte sich glatt ab. 2ln besonderen Preisen standen zur Verfügung: Der Ehrenpreis des Herrn Reichspräsidenten (Bild mit ei e.ir.ä .biger Llntersch ist), der Silberne Poial des he,fischen Verbandes, sowie die Ehren- prri.e der Stadt Alsfeld, des kurhessischen Krie- gerbundes, der Kstegerkame.adschast Hast.a, der Berlin-Karlsruher Industriewerke und der Mauserwerke. Die E.gebnifse des Schießens waren: M a n n s ch a f t s s ch i e ß e n: l .K K S. Verein L a n d e n h a u s e n, Kreis Lauterbach, Landesmeister mit 338 Ringen, Ehrenpreis des Reicnsverbandes und K. K. Büchse. 2.K. K. S. Verein Straßebersbach, D'.llkreis, mit 377 Ringen, Chrenwanderpreis des hessischen Ver­bandes (bisher Steinbach. Kreis Gießen) und K. K. Düch'e. KlasseA: Landesmeister P a f f - rat. Marburg, mit 75 Ringen, goldene chlhr. Klasse B/C: Landesmeister 3oh. Schmidt. Auer, Kreis He.sfeld, mit 79 Ringen. Bild des Herrn Rrichsp ü'identen mit eigenhändiger iln- terschci t und K. K. Büch e. In den K r e i s G i e- ßen fiel der 5. Preis der KlasseA. den Theo Schlosser, ßiu.er, mit 62 Ringen gewann.

»Er sagt auch ja, spricht von einer kleinen, süßen Stimme. Aber gehen Sie nicht zur Bühne! Sie ist zu häßlich. Bleiben Sie im Konzertsaal. Freilich, wenn man so ausschaut, ist schon das halbe Spiel beim Theater gewonnen"

»Oh, oh, Sie haben eine Eroberung an un­serem verehrtem Meister gemacht, Fräulein Men- gers", spöttelte Lukrln.

Nun lächelte sie und schwärmte ihm von feinem Romeo und Homburg-Prinzen vor Er blickte sie gan$ ernst dabei an, ohne sie zu unterbrechen, ohne zu lächeln ober stolz-bescheiden abzuwehren, wie das wohl andere getan hätten.

Und ganz unvermittelt rief er in ihre Worte hinein:Weich göttliches Haar! Man m.chte feine Hände hineintauchen in diese goldenen Feuer- fluten. Madonna mit der Feuerkron e!"

Er Jagte das ganz ernst, wie man von den Eigenschaften eines Bildes spricht Wieder dieses Ziehen und Prickeln in ihren Nerven. Lukrin lächelte jetzt so häßlich.

Nicht wahr, dies Haar! Das allein kann ihr eine Karriere machen."

In diesem Augenblick kam die Hausfrau auf sie zu, beide Herren mit einem spöttischen Blick ftrel- fenb.

Lieber Meister, bie Wanbrowa möchte sie gerne kennenlernen und auch der Baron von der Leyen. Darf Ich Sie entführen?"

Lenz stand willig auf und nickte Isa zu:

Singen Sie ich möchte Sie gern singen hören!"

Auch Lukrin war gegangen. Die beiden jungen Leute halten sich schon bei Lenz' Hinzutreten re­spektvoll verflüchtigt. Sie saß jetzt ganz allein da, und alles schien ihr unwirklich, wie ein Traum.

Sie sah Lenz der Wandrowa und dem Baron bie Hand schütteln, mit ihnen plaudern und lachen, umringt von einigen ebenfalls plaudernden und lachenden Damen.

Aber das alles war nicht W rkUchkeit es verschwamm Ihr in einer rosenroten Wolke, und sie fühlte sich so merkwürdig glücklich

Lukrin weckte sie plötzlich wieder auf.

viun, woran denken S-e, kleine Madonna?"

Er lächelte ' ebenemürbig boshaft und erschien hr seist, als er ihr leicht mit dem Finget drohte, alt und häßlich.

Also, was wallen Sie singen, Madonna?"

Ich? Gar nichts! In einer Gesellschaft, in der ein d'Almanvert gespielt hat, vor Felix Kersten und vor Lenz"

Gerade vor Lenz! Reizt Sie das nicht?"

Ich bin eine Schülerin."

Wir sind hier nicht im Konzertsaal. Warum zieren Sie sich, kleines Fräulein? Uebrigens habe ich Sie bereits angekündigt und will Ehre mit Ihnen einlegen. Das nützt Ihnen mehr, als Sie glauben. Auch die Marini hat hier zuerst gesungen und andere meiner Schülerinnen. Sie fingen die französischen Chansons, die ich Ihnen einftubiert, unb eventuell als Zugabe die Pagenarie aus dem Figaro."

Aber ich ich fürchte mich."

Unsinn! Dann konnten Sie nie zur Bühne gehen. Sehen Sie nur, wie ungeduldig Lenz herüberblickt!"

Sie schaute auf. In feinen braunen Knaben­augen lag es wie eine stumme Bitte:Komm unb finge!", die sie hinüberzog ans Klavier.

Und wieder schien ihr alles unwirklich, ein schöner Traum. Die Notenblätter zitierten leicht in ihrer Hand: aber sie schaute gar n cht hinein Eie kannte die kleinen, .perl chen Stückchen auswendig, unb ihr scharfes Gedächtnis ließ sie nicht im Stich.

Einige Male blickte sie hinüber zu dem großen Künstter, besten Augen bewundernd unb ermuti­gend auf ihr ruhten.

Und dann vergaß sie alles. Wie ein freudiger Rausch kam es über sie. Im Uebermut jauchzte sie bas zierliche, muntere Stückchen in den Saal ... Noch nie hatte sie es so gut gesungen, noch nie hatte sie sich so glücklich beim Singen gefühlt.

Als sie geendet, brach der Beifall los. Lenz nickte ihr zu, und feine Augen lachten Zufrieden­heit unb Zustimmung Das war ihr mehr, als alles andere: unb sie begann gleich das zweite Chanson, das von einer Marketenderin handelt, vom Lagerfeuer zwischen Zelten, von trinkenden Eofbaten unb einem verliebten, trommelnden Tarn bour.

..Rataplan rataplan ...

H5W glou-glou ßsßs ..

Sie trommelte mit den Händen, ste marschierte mit Den Füßen auf der Stelle, man horte den

cf Nieder-Gemünden, 4. Ott. Infolge des günstigen Herbstwetters hat dis Äartof- f e l e r n t c im Laufe der vorigen Woche gute Fortschritte gemacht. Tr?tz der Kartoffel- fäulnis ist die Ernte im Durchschnitt besser ausgefallen, als man an'änglich dachte. Einige Landwirte sind bereits mit dem KariosfelauS- machen fertig. Dagegen konnte die Grummet­ernte immer noch nicht beendet worden. Das auf der Breite liegende Grummet ist voll­ständig in den Boden eingeregnet, ja teilweise schon verfault und kann als Viehstitter nübt mehr verwendet werden.

Starkenburg.

Darmstadt, 4. Oft. (TU.) Der Mes­si n g k ä f e r ist nunmehr auch in dem Haufe Kastnostratze 17 festgestellt worden. Es ist an­zunehmen, datz er sich auch noch in anderen Häusern eingeniftet hat.

Preußen.

Äirci* tdci/lnr.

MSN. Wetzlar, 4. Oft. Der feit Juli in Angriff genommene Verstärkungsbau der großen Sifenbahnbrücke über die Lahn unmittelbar bei der Station Wstzkar. ist jetzt soweit vorgeschri'ken. daß gestern aus dem Gleis Gießen Köln die Auswechslung der Brückenträger vor sich gehen konn'e. Der viele Stunden währende Vorgang verlief ohne Unfall

xx Kinzenbach. 4. Oft. Der hiesige Ge­sangverein ..Fortuna" hatte für Sams­tagabend zu einer Mchiedsfeier gelaßen, die ein vollbesetztes VereinSlokal brafte. Die Fe er galt dem ersten Vorsitzenden Karl Willershäu« f e r. der zum 1. Oktober als Werkmeister der 3. B. Nollscken Zigarrensabrik in Muders­bach beru en ist. W ilershäuser gehörte volle 20 Jahre dem Verein als unermüdlicher, fleißi­ger Sänger an und wurde 1923 zum ersten Vorsitzenden gewählt. Gs kam an diesem Abend mannigfach zum Ausdruck was der Scheidende dem Verein gewesen ist. ES fei nur an feine em- fige Vorbereitung unb glänzende Durchführung der vorjährigen 50jajr;gen Jubelfeier erwähnt, an der fo viele auswärtige Vereine teilnahmen. Mit Rech w r> dec W. 'gang allgemein bedauert, was auch in den trefflich zu Gehör gebrachten Liedern unter dem Dirigenten Leib. Gießen, zur G'ltung kam.

t Dutenhofen, 4 Oft Obgleich ber Weg von hier durch das Lahntal nach Atz- bach für Lastfuhrwerke im Durchgangsverkehr, sowie für Kraftfahrzeuge aller An gefnerrt ist, wird er trotzdem immer noch verbotswidrig be­fahren, To daß letzch n empfindliche Sira'en ver­hängt werden mußten. Der genannte Weg ist zwar der kürzeste zwischen dem d.eZseiii'ei und dem jenseitigen Lahntal, ec ist aber nicht so ausgebaut, daß er dem schweren Verkehr ce wach'en wäre. Aus die'e.n Grunde mußte Die Sperrung erfolgen, die durch Schilder der Doli,ze.Verwaltung kenntlich gemacht worden ist Die Verkehrsstraße von hier ins jenseitige Lahn- tal fu. rt entweder über Heuchelheim, o.er über Dorlar. Uutauf die Interessenten nochmals hin- gewiesen Kien.

Kreis Marburg.

Il M rburg, 4. Oft. Wie der Magistrat mitteilt, hat die Stadt Marburg im Iahrr 1927 bis jetzt > 0? Wohnungen fertig- gestellt, weitere 121 sind bald vollendet. 24 sind angefangen worden. Außerdem soll so- rt noch rin ZehnfamilienhavS errichtet werdm. ein weiteres Zehnfamilienh ins ist in Aus,ich: ge­nommen. wenn Klarheit über die Finanzierung geschaffen ist. Diese rege Neubautäligkrit ist da­durch ermögkick»! loorium. daß die S.nbt aus Anleibemil k-n fast 200 C03 Mark für Zusatz- bypmheken bewillig' unb außerdem den HauS- zic s'ieuerh Prth fe f nds durch ein: Ql l ih den 200 U00 Mark gestreckt hat. Die Sparfasse hat ihrerseits noch Hypotheken in Höhr von 538 000 Mark gegeben, und zwar hat sie die Grundstücke bis au 40 PrvA. beließen.

sch Marburg. 4. Ott. In der heutigen Stadtverordnetenfitzung mutten 1500 Mark für die Olbhaltung eines Verkehrs- 1 a g e s jetoilügf. Sodann wurde beschlossen, dem Dialonisfen-MutterhauS Kafiel in Gemein­schaft mit den hiesigen evangelischen Gen e n en für ein zu errichtendes Säuglings- und Murter-

Wein durch die Kehlen rinnen; unb alle Gesichter ber Zuhörer lachten und leuchteten freudig auf. Der Tambour küßte sie; die Soldaten tranken glou- glou ... und bann kam die Nacht und ganz heimlich ber Tambourc'Slait l'amour du ioli tambour rataplan rataplan" ... Unb braugen, während sie in feinen Armen lag, ..sonnait la trom- pette la relraite ... Tara tata tara f und sie ließ langsam diese Töne verhallen, bie in fabelhafter Täuschung den Klängen des Instru- mentes glichen. Unb bann noch ein letzte» hinge- hauchles Rataplan rataplan ...

Ein Sturm ber Begeisterung brach aus; alle» umringte fiF, sprach auf sie ein, drückte ihr bie Hände Lukrin nickte ihr vom Klavier, an dem er sie begleitet, zufrieden zu: seine Frau bankte ihr überschwänglich. Und bann kam er, gab ihr die Hand und sagte fo leise, daß e» kaum bie Nächst- stehenden verstanden:

D:e kleine Madonna ist ja eine große Bor- tragskünstkerln. Und bie Stimme ist wirklich süß." ;

Was fajat er was sagt er?" Unb schnell verbreitete sich das Wort von der kleinen Ma­donna mit ber Feuerkrone, bie eine große Bor- tragskünstlerin sei.

Sie bettelten alle um eine Wiederholung ober Zugabe. Isa sah Lukrin an, ber ein Notenblatt aus das Klavier legte. Sie trat neben ihn unb schüttelte den Kopf:

Nein nicht das! Das pahl jetzt nicht mehr. Das können andere auch oder vielleicht bester."

Alsa bann aus der Regimentslochterf"

Noch einmal Rataplan?! Nein, ich singe, wenn's den Herrschaften recht ist, das Wiener Lied ausMaritza"

Jubelnde Zustimmung Lukrin stand ' ärgerlich auf; aber Lenz nickte ihr amüsiert zu

Ein junger Mann fetzte sich schnell ans Klavier. Dann fang sie nein sie tanzte, sie kokett-erte, si,' rianf(f)ic allerliebst Wienerisch, als stammte fi< direkt aus ber Wienerstadt sie trillerte, schnalzte, schmollte und maulte, und zuletzt zeigte sie In enigen hohen Tonen den süßen Schmelz ihrer Stimme unb bie gute Schule ihre? Lehrers (borfiepun« folgt.,