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Mittwoch, 5. Dttober 192Z

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Ur. 255 Zweites Blatt

Garbenteich und vorüber^

Stellen Arheilgen.

Vilbel, Groh-Eichen,

Seine grobe Freude ist Harrmut, der Enkel. Blond und blauäugig, wie fein Grobvater. Ab und zu gehen beide .konditern". Dann unter­halten sie sich (der Junge ist sieben Fahre) über tiefe Probleme, vermehren grobe Mengen Schlag­sahne und sehen sich beide mit Kennerblicken die netten Damen an, die so in der Bähe sitzen. An einem solchen Lage hörten sie die Unter­haltung am Rachbartifch. .Sieh mal. wie dieser reizende Junge seinem Da ter ähnlich sieht!" Mein alter Herr' strich sich erfreut den Schnurr­bart und setzte sich noch grober hin. Da aber tönte Hartmuts gellende Äinberfrimme: »Und wo es doch bloß mein Grohvater ist!"... -3d) glaube, an diesem Tage gab es keine neue Portion Schlag­sahne!

Seitenlang könnte man über den .alten Herrn", der mit seinen siebzig Jahren noch immer wie ein Jüngling frisch und voller Fähigkeit, das Leben zu genießen, arbeitet, bummelt und seine Bowlen trintt, kleine Geschichten erzählen, berichten, wie er. als Richter in einem Preis- ausschreiben, von uns anonyme Briefe erhielt mit den merkwürdigsten Vorschlägen wie er

das Ortsnetz anschl.eßen können.

8 A l t e n - B u s e ck. 4. Olt. Aach 43jähriger treuen Dienstzeit wurde unsere Gemerndeheb- amme Frau Christine Hofmann in den

Frankfurter Theater.

Die Uraufführung von Bernhard Shaws .Inka von Peru sa lern" kehrt, dah auch grohe Schriftsteller mitunter geistige Richtigkeiten produzieren, und daß auch die Sa­tire eines Shaw an der Politik kranken kann. Das Reue Theater hatte einen Shaw-Li end unter der Ge'amtetikett.erungD o n Gottes Gnaden" zusammengestcll: um zum Schluß das Publikum mit einer sehr schwachen reichsdeut- schon Hrauf'ütjrung der genannten Satire zu über- raschen. Der Abend begann mit demW a n n des Schicksal s', jener bekannten Rapoleons- komödie, welche dem wieder dem Enkernble btf-

. iioiicn in der Tangerfrage abhängig mache. Frankreich zeigt« jedoch gar keine Aciaung seine Dormacht ftcllung in Langer zugunsten Spa­niens aufzugeben. Mehr au8 Höslich'eit als aus rgendeinein anderen Grunde, war es allein be- rcTt eine spanisch-französische Tangerkon- fcrenz in Pari- cinjuberufen. die mehrere Mo­nate umgeben von grobem Geheimnis hinter ver- schlossenen Türen tagte, über die zuerst der spa­nische Aubenn.inistcr. Sr. Manguas-Messia. zu Fall kam. well feine Forderungen als über­trieben erkannt wurden, und bann versackte die Konferenz resultatlos im Sande. Inzwischen hatte Spanien mit Italien einen Aeutrali- tätS- und Fleundichaftsvertrag abgeschlossen, der angeblich eine unverössenllichte Älau'el enthält, in der Spanien die italienische Unterstützung feiner Langeransprüche zugesagt wird.

Oderhessen.

tnnDIrcio Wtefcen.

® Großen-Linden, 4. Oft.' Am vorigen Sonntag wurde in unserer Gerne.nde das De- kanatSmissionSsest des Dekanats Giehen gefeiert, nachdem schon am Sonntag morgen die Gemeinde ihr Erntedankfest fest­lich begangen hatte. Der FestgotteSdienst in den mit Feldsrüchten aller Art festlich gefdjmüdten Gottes Hause wurde eingeleitet durch ein ppf- fendes Vorspiel des Posaunenchors von Klein-Linden unter fcincm verdienstvollen Dirigenten, KreiSbaumwart Germer. Auch der hiesige Kirchenchor mit seinem Leiter, Lehrer Römer, hatte sich in dankenswerter Weife für das Fest zur Verfügung gestellt und brachte zwei gut geschulte gemischte Chöre zum Vortrag. Prof. Werne r (Friedberg) sprach in seiner Festpredigt über die Rotwendigkeit der Mission in der heu­tigen Seit. Rach einer kurzen_ Kas'eepaufe. in der die vielen auswärtigen Gäste von unserer gastfreundlichen Einwohnerschaft mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden, sand kurz nach 4 Uhr, ebenfalls im Gotteshause. die Rachversamm- lung statt. Sie wurde eröffnet mit einem Chor der Iugendvereinigung Klein-Lin­den. Missionar Lauk (Frankfurt) hielt die Festansprache und erzählte von seinen Erleb­nissen und seiner Wirksamkeit in China. Dekan Buhmann (Kirchberg-Lollar) bekräftigte die Worte seiner Vorredner und bat. allezeit für die Mission ein offenes Herz und eine offene Hand zu haben. (Sr brachte in feinem Rückblick über die Mifsionsarbeit des Dekanats im letzten Jahre u. a. auch die Misfionsbeiträge in den einzelnen Gemeinden. Rach einem weiteren Chor der Iugendvereinigung von Klein-Linden, be­gleitet von Zupfinstrumenten, der allgemein An­klang fand, sprach der Ortsgeistliche, Pfarrer Schultheis, einige Worte des Dankes an alle, die zum guten Gelingen des Festes bet-

eines Tages mit einem jungen Kater von Berlin aus das Gut reiste und fast den ganzen Weg im Packwagen fahren muhte, weil der in einen Korb eingenähte Kater sich befreit hatte und spuckend auf den Koffern fah. so dah sich niemand herantraute wie obgemeldtter Kater fich eines Tages auf das Derandadach verirrt hatte und nuj)t mehr zurück konnte. An einer langen Leine wurde ich da aus dem Fenster gelaffcn, um den verzweifelt Schreienden wieder he mzuholen. Und unten stand Vater mit ausgebreiteten Armen, um mich auszufangen, falls ich abrutschte wie er mit grobem Interesse die merkwürdigen Aus­wüchse eines Baumes prüfte, den wir gerade vorher heimlich etwas gewaltsam .okuliert" hat­ten wie er wie er.... seitenlang könnte man erzählen.

Aber ich will ja keine Lebensbeschreibung geben ich möchte nur auch einen Teil zu seinem Ehrentage beitragen. Ich. die ich von üjm einen winzigen Bruchteil seines großen Talentes ge­erbt habe möchte ihn hier auf seinem eigensten Revier begrüben. Möchte ihm von .Schreib­maschine zu Feder" ein Hurra zuru'en! Ein Hurra, dah ich einen solchen Vater habe!

Rundum meinen alten Ifcnn...

Zum 70. Geburtstag von Fedor v. Zobeltih.

Don Hilde Stein von Zobeltih.

Als mein alter Herr noch gar nicht alt war und abgcllari. sondern jung und temperamentvoll, war ich als Reines Puy nicht immer nut ihm einer Meinung. Diese Gegensätzlichkeit endete meist mit einer schallenden C^fage und ich verschwand brüllend in meinem Zimmer. Ich brüllte, brüllte mit trockenen Augen und einer Stentorstimme, die auf gute Lungen schließen lieh. Und es vergingen denn auch keine zehn Minuten, und Vater er.ch.en. Erst wüt.md. dann gutmü.ig bebauernb und schließlich voller Ver- zweiflung, da ich mein Geheul durch [einerlei Zureden einstellen wollte. Er bat. er fdmauzte. er bat wieder nichts half, bis er schließlich die letzte Rettung sand. ..Hier hast Du fünfGrochen aber nun sei still!" Und bums die tränen versiegten! Ganz pädagogisch war es nicht, und erst viele, viele Jahre später gestand ich. dah manches Gebrüll einen Druck auf seine Gut­mütigkeit und offene Hand ausüben sollte.

Das Geheimnis von Barcelona.

Don 9 v. Ungern-Sternberg.

»bamberlain bat der Welt durch seinen j unerwarteten Besuch in Barcelona und durch | urtn« öulammenlunft mtt General Prirno de I 3 i oe r a in einem abgelegenen Hasen von Mal- I Lrtca eine Überraschung bereitet Der begrenzte | Lntertanenverstand sollte sich anfangs mit der HfiA;j|en Erklärung begnügen, Da 3 beide Staats- - r.anret mit ih.em Zusammentreisen nur einen teunblcta tlichen Händedruck beabsichtigten, bem 3?in< poll.i che Bedeutung beizume len fei, aber j -ie Ulenf^en sind doch zu hellhörig geworden. 1 Jn sich mit befer Auslassung zufrieden zu Sben und Io gab Denn die spanische Regierung einem zweiten Kommunique zu. dah die Zu- fimmenfunft de- Leiter- der britischen Auüen- I eolitlt mit dem Diktator Spanien- verein­ig a r t gewesen und dah man über die bevbe I Länder in.eressierenden Fragen verhandelt habe. 1 ,hne .«doch ein festes Ablornmcn zu treffen, ©c- I wih werden wichtige polittfche Verträge nicht z <n einem einzigen läge am FrühstückSttsch ab- 1 gefchlo'fen, aber schon die Tatsache der Mmtster- susaminenkunst al ein ist nach dem Versanden der | ßoanisch.franzöfischen Tan>,erkonf-renz und nach i Ser Lcüvung der italienisch-sranzöfischcn Bezie- ; Cungen eine politische Demonstration, l nie man Quai d'Orsay, trotz aller selbstverstand- llchen Freundschaft-Versicherungen, sehr wohl zu ieuten verstehen wird. ES mag hier noch er- wähnt werden, dah die englische Mittelmeerslottc ! nlt der Zustimmung Spaniens alljährlich bei ien Balearen Manöver abzuhallen Pflegt.

Da für Spanien das Tanaerproblem -m Bren.ipunkt der außenpolitischen Interessen teht und da auch England am Tangerstatut inter- ^liert ist. so ist eS selbstverständlich, dah Prirno be Rivera und Chamberlain sich eingehend über 2le Tangerfrage unterhalten haben. Wie bekannt, lind Spanien und Frankreich durch den ; Vertrag von Madrid vom Jahre 1925 politisch -und militärisch in Marokko gebunden. Aber Lald nach dein Siege über Abd et Krim und r.ad) seiner Verbannung nach der Insel R6union lam es zwischen den ociden Bundesgenossen zu richt unerheblichen Difserenzen. Gegensätze, He sich noch mehr in der Behandlung der Tanger- ) frage verstä.kten Durch daS herrschende Tan- f cerftatut, daS auch Spanien unterschrieben Hat, ist daS ganze Gebiet einer internatio­nalen Verwaltung unterstellt. Aber Spa- rien, das durch feine geographische Lage, durch tlc Jahrhunderte alte geschichtliche Tradition und richt -um wenigsten durch die Angrenzung seiner ^rotekttonszon« an daS Tangergebiet dort ganz besondere Interessen hat, fühlte sich durch das .llebcrgewicht Frankreichs in Tanger beeinträchtigt. Frankreich beherrfcht in Tanger tlc Zölle, befitzt de facto die Polizeigewalt, und xuch der Vertreter des Sultan-, der Mendub, der ter gesetzgebenden Versammlung vorsitzt und die <!rekutivgewall über die eingeborenen Mauren unb Juden ausübt. wird indirekt durch den französischen Deneralresidenten in Fcz ernannt. ' Tanger war und ist das Zentrum des Wasfvn- IchmuggelS sür die rebellischen Kabylen in der Ipanifchen Zone und der Sitz aller gegen Epanien gerichteten Intrigen, ohne tah es der Madrider Regierung möglich gewesen Där«, tatkräftig einzugreisen.

Um Abhitse zu schäften, richtet« Prirno de Rivera eine recht schroffe und diplomatisch un­gewöhnliche Rote an die bi Tanger intereffier- ;cn Mächte, in der er die Einverleibung dcS Tangergebietes in die eigene Pro- ek ionSzc-iie. oder doch einen überwiegenden Ein- in der Verwaltung und Kontrolle über die i verlangte. Spanien lieh durchblicken, dah , v\ Verbleiben im Völkerbünde von Kon-

der Landwirte besuchten die Ausstellung. Rahezu 100 CO3 Beiucher hatte die Ausstellung aufza- weifen, barunier erfreulicherwe.se auch viel« Riwtlandwirte. Bewohner der Stadt unb An­gehörige anderer BerusSkreiie Die Zahl der Be­sucher ist die doppelte, wie die der letzten Landes­ausstellung 1906 in Mainz. Wenn auch ein großer Teil der Besucher zu einem vielsach sehr ermäßigten Preis Eintritt hatte, so dah auS der Desu erzähl nicht ohne weiteres auf, die Ein­nahmen geschlossen werden kann, so können doch die M eßmacher beruhigt fein: eine beson­dere Umlageerhebung zur Kosten­deckung der Landesausstellung wird bestimmt nicht erforderlich sein. Wit dieser Feststellung wird sicher der Ersoig der Ausstellung bei vielen noch höher angeschlagen werden wie vorher, wo man eine Umlagenerhö- hung zugunsten der LandesauLstellung befürchtete. Die großen idealen Erfolge der Landesausstellung werden wohl durch materielle Sorgen nicht beein­trächtigt werden.

getretenen Waller Fried Gelegenheit gab. sein darstellerisches Können in der Rolle deS Bona­parte zu entfalten. Es folgteD i e große K a t h a r i n a". welche sich Kitty A s ch e n d a ch, bie ebenfalls ans Reue Theater zurückge ehrt ist, zur Antrittsrolle gewählt hcttte. Sie feierte ein fröhliches Wiedersehen mit den Frankfurtern, die sie in der gleichen Rolle vor Jahren im Schauspielhaus bewundert hatten. Hätte sich der Theaterabend nur auf diese beiden 6tü e be­schränkt. et wäre amüsant und stimTnungSvoll ver­laufen: fo aber verdarb der Schluß den guten Anfang. Es ist schwer erklärlich. waS die Direk­tion zur Annahme dieser Uraufführung bewogen hat. Die dünnflüssige Geschichte, die sich lediglich um die Gestalt des Exkaisers dreht, wird in Deutschland kaum irgendein Publikum inicr- efliercn. auch ist die Persönlichkeit für eine der­artige Dramatisierung riel zu unergiebig. Etwa- anderes tft es, daß Shaw im Rahmen einer Komödie unter Verzicht auf Objektivit t an die Frage der deutschen Kriegsschuld rührt. Max O p h ü l s Regie hätte es >m übrigen bei der gegebenen, nur allzu dünnen Bemäntelung er Figur durch Inka von Perusalem lassen s I n, zum mindesten die eindeutig deutliche Ce alt in eine ^antasieunifvrm kleiden sollen: d.e Zu­schauer hätten trotzdem Shaws Abficht kaum m.ß- verstanden. Schade, daß Kitty A s ch e n b a ch und Io'eph Renner (Titelrolle) sich mit diesem unergiebigen Dialog was selten bei Shaw ist: man langweilte sich - abgeben mußten. Das Publikum bewahrte nach dem Fallen des Vor­hanges eilige Ruhe, und erst nachdem sich das Haus wieder erhellte, ließ sich vereinzelt Beifall vernehmen. Jedenfalls wäre es im Interesse Bernhard Shaws besser gewesen, man hätte die'es Stück nicht ausgegraben, und die toe^n- lo'c Uraufführung samt den damit verknüp trn Geschmacklosigkeiten wäre unterblieben. L. W.

getragen hatten.

ch. Watzenborn. 4. Oft. Am morgigen Mittwoch. 5. Oktober, begeht unser Ortsgeistllcher, Pfarrer Staub ach, sein 25 jähr. Dienst- j u b i l ä u m. Es find die« für ihn 25 Jahre segensreichen Wirkens im Dienste GolteS. im Dienste der evangelischen Kirche und im Dienste seiner Gemeinden. Rach dem Abitur am Gym­nasium zu Laubach und beendetem Studium 1901 in Giehen, sowie nach einjährigem Besuch de« Prcdigerseminars in Friedberg versah er die Herchenhain, Groß-Felda, seit 11. Mai 1924 Watzen-

Ruhestand versetzt Lccheze dorrZehndundert jungen Erdenbürgern von hier unb au» bei Rachbargemeinde Trohe hat |i« während dieser Zeit beim Eintritt in da» Oeben tpe« Hllse und 5i.r1orge angedeihen lassen unb stet- das oollc Ikrtraucn der ganzen Einwohnerschaft besessen. Al» ihre Rachs.üge«n für beide Gemetn>en wurde Frau Margarete Müller. Hollmrg- ftrafK hier, ernannt. Beim somttäglichen Zuß» b a 11 s p i e l ere.gnete sich in Lollar ein Un- glückSsall. Sin 1 6 i ä h r i g e rM i t s p i e 1 e r von hier stürzte infolge eine» Fehltriues nach dem Dalle mit voller Wucht fo ung uck.ich zu Boden, daß der eine Unterschenkel dop­pelt brachDie nunmehr zu Ende gehende Kartoffelernte bat, wie tu erwarten war, sehr gute Erträge geliefert. Hierbei ist besonder« al« ausgezeichnete Speisskartofsel die Sorte .Edeltraut" hervorzuh.ben. deren stär­kerer Anbau in diesem Jahr« einen glänzenden Erfolg gezeitigt hat.

ch Au» der Rabenau, 4. Oft. Tlc jüng­sten warmen Tage haben es ermöglicht, die ® rummeterntc im allgemeinen z u Ende zu bringen. ES war höchste Zeit, denn schon be­gann da« auf Kegel sitzende balbbürre Gra­in Fäulnis überzugeben Ratürllch hat da« Grummet diesmal an Qualität und Farbe ein- gebüfit. Die kahlen Wiesengrunde hat>en ihren letzten Iahresfchmuck angelegt t die Herbstzeitlose schwankt mit ihrer weichlilafarbigen Blüte in fer manchnal sommerlich warmen Herbstsonne. Eifrig sind unsere Landwirte nun an der K a r- tof selernte beschäftigt. Der Ettrag ist über­all zufriedenstellend. Mitunter liefern aus An­höhen gelegene Aecker infolge der feuchten Som- mertoltterung fast die gleichen Erträge wie die bestwertigen Aecker im Tal. Allerdings haben sehr viele Gemarkungsteile unter grober Räffe zu leiden, und gerade dort ist an den Kartoffeln Fäulnis eingetreten: besonder« leiden darunter die bekannten Sorten .Hassia" und .Preuhen". Letztere eignet sich nicht besonder« für unsere Gegend, und wird wohl von vielen Landwirtei', im nächsten Jahre nicht mehr angebaut toerben. Eine LieblingSsorte scheinen die .Rkodrows In­dustrie" und .Vater Rhein" hier zu fein, die in größeren Mengen überall geerntet werden und die Zufriedenheit gefunden haben Die Spätobstversteigerungen haben in fast allen Orten stattgefunden, bi« auf eitrzelne Ver­steigerungen an ben Provinzialstraben. Die Obft- bäumc haben eine Do11ernte geliefert, wie fell Jahren nicht. Es war fast fein Obflbaum zu finden, der nicht übervoll behangen war. Reben dem besten Tafelobst, da« wir aiwauen, wie Schöner von Boskop, Goldparmäne, Dan­ziger Kantapfel, Goldrenette von Dlenl)«im, Her- bertsrenette usw. sind es auch die Dielen Arten Wirtfchastsobst. da« trotz i'c großen Mengen überall Käufer fand Die P.e.se bewegen sich durchschnittlich in mäßigem Grenzen, so daß es selbst dem kleinen Familienvater möglich war und noch ist, seinen Wlnterbedarf voilaus für wenige« Geld zu decken. Die Brombeerernte ist in den Wäldern au-gezeichret. Täglich ziehen viele 'Veerensucher, namentlich Kinder, hinaus unb kehren schon nach verhältni-mäbig kurzer Zeit mit vollaepflückten Gefäßen heim. Kleine Leute, die größere Mengen auf den Markt nach Gießen gebracht haben, hatten au« bet Brom­beerernte einen recht ansehnlichen Rebenverdienst zu verzeichnen. Berechtigte Klagen führen überall die Iagdpächter, denn sehr selten

General Prirno de Rivera hat, fall« Spa­nien mit seiner Tangerforderung in Pari« nicht durchdringen sollte, seine Absicht au-gefprvchen. eine Tangerkonserenz aller Mächte einzube- rufen, die da« Statut unterschrieben haben. Gr stich habet aber nicht nur auf den entschiedenen Widerstand Frankreichs, sondern auch Eng­land -cigte fich dem Verlangen de« spanischen Diktatoi« abgeneigt, teil« um Frankreich zu sekun­dieren. teil«, aber auch, weil England an einet Abänderung de« bestehenden Tangerstalut« nicht- gelegen sein konnte. Ein Tanger, ourch politischen Hader geschwächt unb unter internationaler Ver­waltung. kann dem gegenüberliegenden Gibral­tar niemals gefährlich werden.

Der Besuch Ehamberlain« in Bar­celona und seine Besprechung mit Prirno de Rivera läßt nun die Möglichke t offen, dah Eng­land sich doch unter gewissen Bedingungen be­reit finden lasten würde. Spanien in feinen Tangerwünschen en: gegen» u! envmen und sich dem italienischen Standpunkt zu nähern. Sei c« nun. dah es seine Zustimmung zu der von Spanien angeregten allgemeinen Tangerkonse- renz gibt, auf der Frankreich in der Minder­heit bleiben würde, oder dah c« einen Druck auf Pari- ausübt. damit e« Spanien gegenüber ein gröberes Entgegenkommen zeigt. Aus alle Fälle darf Spanien den Besuch Chamberlain- al« ein PluS für fich buchen. SS ist anzuneh­men, daß die beiden Minister auch über die Stel­lung Spanien« zum Völkerbünde gespro­chen haben und daß e« Spanien nahegelegt worden ist. seinen Austritt vom Jahre 1926 rückgängig au machen auch die Schwierigkeiten die bet Einfuhr von englischem Eisen in Spanien gemacht werden, mögen berührt worden sein. Um sich die englische Unterstützung in seinen Plänen zu sichern, wird Prirno de Rivera sich gewih für bedeutende Konzessionen bereitfinden lasten. ,

Außenpolitisch wird sich die Zusammenkunft Primo de R.vera- mit dem britischen Auhen- Minister nicht sofort auswirken, es werden nur allgemeine Richtlinien vorgesehen toorccn sein, aber innerpolitisch wird sich ihre Bedeutung bald genug bemerkbar machen. Am 10. Oktober findet Oie feierliche Eröffnung der vorn Diktator ge­schaffenen Rationalversammlung statt, deren Ausgabe es sein wird, eine neue Verfas­sung auszuarbeiten. DieseAsamblea Racional" ist eine ureigene Ersindung Prirno de Riveras, die man sich kaum in einem anderen Lande vor- ftelkh kann. Der Bequemlichkeit halber und um den Wahltaumel zu vermeiden, werden die Abge­ordneten nicht gewählt, sondern unter den tüch­tigsten Leuten des Königreich« ausgesucht und von der Regierung ernannt. Partet- pvlittker werden ausgeschlossen. Dem Präsidenten ist es verboten, parteipolitisch gefärbte Reken zu dulden, die Kammer soll überparteilich ge­stellt fein. Sttmmenenthaltung ist den Abgeord­neten unter Androhung der Diätenentziehung verboten. Die Kammer ist vor der Regie­rung und nicht die Regierung vor der Ra­tionalversammlung verantwortlich. Man hat Primv de Rivera und auch dem König wegen der Einberufung der Versammlung offenen Der- sassungsbruch DorgetDDt.cn und die Rückkehr zur absoluten Monarchie. Mehrere frühere Minister, unter ihnen vanchez Guerra. sind unter Protest ins Ausland gegangen und in mancher Be­ziehung drohte die Lage de« Diktators schwierig zu werden. Die Zusammenkunft mit Chamberlain hat seine Stellung gestärkt, er tritt mit der Aureole deS Erfolge- vor die Kammer, und wenn er dem Lande auch noch nicht- Positives bieten kann, so bleiben doch die Türen für Hoffnungen und Illusionen offen!

G4 herrsch e bei uns immer ein sehr lustiger Reckton. Da wir alle in der Familie schrieben - Vater. Mutter und ich so hatten wir zwar vor der Arbeit des anderen einen groben Re­spekt. was aber nicht hinderte, dah wir uns gegenfeitig gerne anulkten. So erschien eines Tages auf dem Gute ein Photograph, der mei­nen Vaterbei seiner Li.blingsbeschästigung" auf­nahm. Z. B. das Reh fütternd, oder die Hühner um sich versammelnd! Schon un cre Vorschläge über die Art feiner Lieblingsbefchäftll-ung brach­ten den Photographen zur Derzweijlung. Als aber bann die Bilder kamen, schafften Mutter und ich heimllch eines beifeite. Aus einem

treffen sie Fe l dh ü h n e r ke 11 e n an, u. innerhalb eine« solchen Hübnerstamme« ist die Zahl ebenfalls sehr gering Die Ursache ist wohl auf die ungünstige FrühjahrSwitte.-ung zurück- zuführen.

<5 L i ch. 4. Okt. Sehr rege ist die Bau­tätigkeit in diesem Jahre in unserer Stadt gewesen. Cs wurden insgesamt 9 Käufer er­richtet. die im Herbst bezugsfertig sind. Davon entfallen auf die Mengesstraße zwei Einfamilien­häuser und ein Zweifamilienhaus, auf bie Butz­bacher Straße ein Einfamilienhaus und zwei Zweifamilienhäuser, auf die Iahnstraße ein Dop­pelhaus und ein Einfamilienhaus, auf die Bahn- hofstrabe ein Einfamilienhaus. Mit Ausnahme des Doppelhauses in der Iahnstraße. das von der Stadt erbaut wurde, handelt es sich bei allen Reubauten um private Bauten. Die Stadt hat aufjerbem die neue Kle inkinderschu le im Dau, die zwei Säle und zwei Wohnungen für Schwestern enthalten und im nächsten Frühjahr bezugsfertig wird. Im Rohbau werden ferner noch zwei private Reubauten vor Eintritt bc« Winters fertiggeftellL Die Brauerei Ihrinq- Melchior hat im Laufe des IahreS die Er­bauung eine« neuen Sudhauses vollendet.

Keine Umlayenerhebung sür die Land- wirlschaflliche Landesausstellunq.

In einem Rückblick auf die Landwirt­schaftliche Landesausstellung schreibt der Generaldirektor der Landwirtschaftskammer, Dr. H a m a n n. in derHessischrn Landwirt­schaftlichen Zeitschrist" u. a.: An unseren Land­wirten liegt es nun, die gegebenen Anregungen auszunutzen für ihren Betrieb, für sich und ihre Familie. Und wer die Tausende, ja Zehntausende in die Ausstellung strömen sah, ihr Interesse be­obachtete. der muß der Ueberzeugung sein, daß die geleistete Arbeit aus fruchtbaren Boden fällt. Richt alle Landwirte waren da: mancher, der cs nötig hatte. Anregungen zu erhallen, fehlte. Die wirtschaftliche Lage erschwerte manchem die Reise, ja machte sie unmöglich. Aber viele, sehr viele, aus manchen Gegenden mehr als die Hälste alten Magazin schnitten wir ein kleines nacktes Bübchen au« und klebten es an Stelle des zu füt­ternden Rehes auf. So T>afc derDichterfürst" mit einer Bananenschale einen Keinen Rackedei ernährte. Dazu schrieben wir den fingierten Bries einer Dame, die sich sittlich über die merlwürdige Erziehung desErben" entrüstete und dazu be­tonte, daß sie von heute an ihrer haLotlüggen Tochter die Leltüre deS bis jetzt so geschätzten Schriftstellers unterlagen würde. Der arme Vater hat tagelang nach Erhalten dieses Brie­ses mit dem Blld den Kops geschüttelt, bis er an unserem Grinsen die Uebcltäter erkannte, und ein wenn auch mit Lachen gemischtes hei­liges Donnerwetter über uns herbrauste.

bonvStcinbcrg mit

gehend auch Hausen. Ueberall, wo Psarrer Stau­bach wirken Durfte, war er ein treuer Seel­sorger. und die vielen Gemnndeglieder gedenken feiner in Dankbarkeit. 3n unserer Gemeinde be­trat er ein reiches Arbeitsfeld, aber auch hier wußte er fich zum Segen der Gemeinde zu be­tätigen und kirchliches Leben neu zu erwecken. Möge es Dem Jubilar befchieden sein, noch lange bei uns zu arbeiten, um als treuer Seelsorger in gleichem Ansehen wie heute geliebt und geehrt von jedermann unter uns zu stehen.

Z Rödgen, 4. 01:. Da ein wei crer Deu- bau am Durgwiesenweg nvch in diesem Herbst in Angriff genommen werden soll, wird ein Stück des Weges mit Wasserleitung versehen. Damit Die Anwohner ihre Häuser an