Einzelbild herunterladen

obgewürdigt würde. Zwei Lösungen müßten diese Tagung beherrschen:

Lösung der Gegenwartsaufgaben aus der Kirche und mit der Kirche undseid einig".

3um Schluß jeiner Rede spendete im Nomen des Papstes der Nuntius der Versammlung den apo­stolischen Segen.

An die Rede des Nuntius schloß sich die Begrü­ßungsrede des

Präsidenten Dr. Stegerroald der dreier Männer gedachte, die in Westfalen ge­boren sinid und deren Leben vieles enthalte, was für die gegenwärtige Tagung als Anregung und Hinweis zu gelten geeignet sei, des Frhrn. v. S t e i n, des großen deutschen Bischofs Emanuel v. Ket- teler und des Prälaten Dr. Franz Hitze. Nach­dem der Präsident die Versammlung für eröffnet erklärt hatte, sprach zunächst Otto Cohauß S. J. überDas Weltgeschehen im Lichte des Gottesglau- bens" und nach ihm

Prälat Dr. ßaas, M. d. R überDie Kirche im heutigen Deutsch­land, ihre Lage und ihre Aufgaben". Der Redner führte u. a. aus: Das kultur- und kirchenpolitische Verfassungswerk von Weimar ist Anfang, nicht das Ende. Es ist ein System rahmenrechtlicher Sicherheitsnormen, die reichs- unh landesgefetzlich weiterer Entfaltung und Verwirk­lichung bedürfen. Wir fordern von dem neuen deutschen Volksstaat nicht nur Brot und Arbeit, sondern auch

Raum und Licht für unsere geistige und religiöse Eigenart, freien Raum für den Flügelschlag des katholischen Gedankens aus allen Gebieten des privaten, des öffentlichen, des gesellschaft­lichen und staatlichen Lebens.

Es ist schwer, ja unmöglich, im gegenwär­tigen Augenblick auf die Konkordats- frage einzugehen. Soviel aber muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden: Der deutsche Katholi­zismus sieht in dem K v n k o r d a t s p r o b l e rn keine Frage zweiter und unterge­ordneter Bedeutung, wir deutsche Katho­liken jeßen in dem Abschluß einer Vereinbarung zwischen dem neuen deutschen Volksstaat und der katholischen Kirche die Probe dafür, ob die neue Demokratie und das Staatswesen, das ihrem Gedanken dienen will, bereit ist, auch den überzeugten und kirchlich emp - find-enden Katholiken ein Haus aus deutscher Erde schaffen zu helfen, in dem er noch den Lehren und Vorschriften seines Glaubens leben und wirken kann. Zur Schul- frage übergehend, erklärte der Redner: Die Forderung der konfessionellen Sch u le ist ein Wesensbestandteil des kulturpoliti­schen Aktionsprogramms der deutschen Katho­liken. Auf die konfessionele Schule verzichten, heißt, auf die Zukunft eines fiarten Katholizismus verzichten. Ein Gesetzentwurf, der beherrscht wäre von dem Gedanken der rechtlichen und sachlichen Deklassierung der B e - kenntnisschule und der gewaltsamen For­cierung der anderen Schularten, wird von uns mit unerbittlicher Festigkeit zurückgewiesen werden. In einer Menschheit, die auf staatlichem Gebiete dem Autoritätsgedanken immer mehr entwächst, obliegt der Kirche als Siegelbewah­rer in des übernatürlichen Autoritätsgedankens eine doppelt verantwortliche Sendung. Ilm aber allen diesen Fragen gerecht werden zu können, sei es notwendig, den Auf zur Einigkeit der katholischen Kreise aufzunehmen und weiterzu­tragen.

Reichsminister Koch über die Flaggenfrage.

Stettin, 4. Sept. (WB.) Aus Anlaß der Fahnenweihe des deutschnationalen Arbeiter­vereins in Stettin hiell Reichsminister Dr. Koch eine Rede über die politische Lage, in der er sich zunächst gegen die Auffassung Frankreichs wandte, daß die Besatzung als Sicherheit für die Durchführung des Dawesplanes not­wendig sei. Darauf kam der Minister auf die Flaggenfrage zu sprechen, wobei er u. a. ausführte, der preußische Minister­präsident versuche diese Frage mit Hilfe des Boykotts derjenigen Hotels zu lösen, in denen am Verfassungstage die Reichssarben nicht gezeigt wurden.Es ist selbstverständlich." sagte Dr. Koch,daß die Reichsfarben," weil sie verfassungsmäßig sind, geachtet werden müs­sen. Das hat aber mit der Frage nichts zu tun, die freien Staatsbürger zu zwingen, sie zu zeigen. 3n dieser Situation ist es be­dauerlich, daß der Streit auf wirtschaftliches Gebiet hinübergetrieben wird. Man muß zur Besonnenheit mahnen. Diese Frage kann nicht mit roher Gewalt erledigt werden. Die Zerrissenheit unseres Volkes darf nicht durch diese Sache weitergetrieben werden. Es ist daher nicht zu verstehen, daß der preußische Minister­präsident sich dazu hergibt, die politischen Leiden­schaften zu verschärfen. Die schwarz-rot- goldenen Farben sind durch die Agitatton des Reichsbanners zu Parteifarben gewor­den. Rach dem Vorgehen der Sozialdemokratie in dieser Frage muü angenommen werden, daß man schon jetzt die Massen zum Wahlkampf auf­fordern will. Die .srage: Monarchie oder Re­publik ist zur Zeit gar nicht von so großer Be­deutung. Die Monarchie kann in konkreten Fra­gen nationaler und fruchtbarer fein, wie ein de­mokratisches Staatswesen. Die Deutschnationa­len steht die Etaatsidee immer höher als die Parteiorganisation.Die Deutschnationalen haben den Eid auf die Verfassung gelei­stet und fruchtbare Arbeit in der Re­gierung getan und werden dies weiterhin tun. Einigkeit tut uns not, nicht Agitation, durch -ie das Volk auseinandergetrieben wird."

Lin unerwünschter Botschafter.

Paris, 3. Sept. (WTB.) Das Außen­ministerium bestätigt in einem Kommunique die Nachricht, daß die französische Regie­rung bei der.S owjetregierung wegen des Lerhaltens des Sowjetbotschafters Rakowski in Paris vorstellig geworden sei. Das Kom­munique sagt, eine der Erklärungen des k o m - n, unistischen Zentralkomitees habe die Untertanen der mit Sowjetrußland im Krieg Lbenben Länder aufgefordert, aktiv an der Ried erlageihrer Regierung zu ar­beiten und jeden ausländischen Sol­daten aufgefordert, zur Roten Armee überzutreten. Unter den Unterzeichnern dieser Erklärung habe sich R a k v w s k i befunden. Daraufhin habe der Außenminister gegen eine'

Die Tagung der Deutschen Industrie.

Frankfurt a. M 3. Sept. (WTB.) Der heu­tigen öffentlichen Tagung des R e i ch s v e r b a n - des der Deutschen Industrie ging eine interne Geschäftssitzung voraus, in der die Rechnungslegung für das Geschäftsjahr 1926 vor- genommerr und vom Schatzmeister Ber icht über den Haushallsplan erstattet wurde. Bon den Satzungsänderungen ist bemerkenswert, daß der Reichsverband der Deutschen Industrie in Zukunft seine Mitgliederversammlungen nur alle zwei Jahre einberufen wird, um auch sei­nerseits an der durch die Berhällnifse gebotenen Ein­schränkung allgemeiner industrieller Veranstaltungen lind der damit verbundenen nicht unbeträchtlichen Kosten beizutragen. Die nächste Tagung wird in Breslau abgehalten werden.

In der anschließenden öffentlichen Sitzung sprach zunächst

Direktor

Sans Kraemer, M. d. RWR.,

überWettbewerb der Völker

«nt die Qualitätsarbeit"

Nach eingehenden Untersuchungen stellte Der Red­ner die These auf: Nur Qualitätsarbeit vermag auf die Dauer hohe Zölle zu ertragen weil sie durch die Zollsätze verhältnismäßig weniger belastet wird als Schund, nicht nur bei Gewichts. sondern auch bei Wertzoll' Je stärker der Wohlstand der einzelnen Länder steigt, je höhere Formen die Kultur der Völker annimmt, um so mehr steigt der Bedarf an wirklich guten Waren. Bei durcygefühtter Rationali­sierung, Normung und Typisierung werden aber Die Preise für gute Produkte kaum höher sein als für schlechte, wenn die Vorteile der Betriebsverbessenm- gen, der Typenoerminderung usw. die Hebung Der Qualität der Produkte zuonte kommen. Voraussetzung bildet natürlich sorgfältig e Auswahl der geeigneten Rohstoffe Wett Der erkstoffprüfung gründ­lichste Heranbildung des Nachwuchses der Facharbei­terschaft durch Fachschulunterricht, Handwerk und Die neuzeitlichen Ausbildungsstätten der Industrie und weitgehende Heranziehung von Wissenschaft und Forschung. Wir haben in den meisten deutschen Werken noch lange nicht genug oder vielfach über­haupt noch keine wissenschaftlichen Mitarbeiter (Ingenieure und Chemiker). Tausende von Fabri­kanten haben noch nicht erkannt, daß der moderne in­dustrielle Existenzkampf nicht allein mit Der Kalku­lationstabelle, sondern mit Den Hilfsmitteln geführt werden muß, die Wissenschaft und Forschertätigkeit auf allen Gebieten liefern; nicht nur auf Dem Gebiet DerNeuheiten", sondern vor allem auf Dem Der Betriebs- und damit Qualitätsverbesserung. Siegt Der QualitätsgeDante auf Dem Weltmarkt, Dann wird die Qualitätsproduktion ebenso zur Massenproduk­tion werden können, wie die der billigen Stapel­waren, Die jeDer junge Industriestaat ebensogut", aberbilliger", weil weniger vorbelastet, liefern kann als unsere deutsche Heimat. Deutschland muß den Weg weiter verfolgen. Der Die ganze Welt zur Anerkennung des Satzes zwingen wird, dem kein anderer an Propagandawirkung gleichkommt: Deutsche Ware Qualitätsware! (Leb­hafter Beifall.)

Hierauf referierte

Geheimrat Dr. Hermann Bücher, M. d. RWR.

überDie volkswirtschaftliche Einheit von Wissenschaft, Arbeiterschaft nnd Nnterneh-

mertum im Prodnktionsprozes;".

Er führte u. a. aus: In Verkennung der tat­sächlichen Verhältnisse wird bei uns heute vielfach im privaten und öffentlichen Leben ein an Ver­schwendungssucht grenzender Aufwand getrieben, obgleich wir nur unter Anspannung aller Kräfte durch Leistungen, die über diejenigen der anderen Völker hinausgehen, uns erhalten und unserem Volke eine bessere Zukunft sichern können. Solche Höchstleistung ist aber nur in einer wohlorgani- sierten Wirtschaft möglich.

Der Zweck der Wirtschaft ist die Deckung des Lebensbedarfes der gesamten Bevölkerung, ihr Ziel die Erhöhung des Lebensstandards aller Volksgenossen. Dies kann nur erreicht werden durch eine ständige Verbilligung der Waren ohne Verminderung ihrer Qualität. Reben der rein technischen Rationalisierung der Betriebe ist hierzu die enge Kooperation der am Produitions- prozeß Beteiligten notwendig, d. h- die Zu­sammenarbeit von Wissenschaft, Unternehmertum und Arbeiterschaft.

Man kann die Stellung dieser drei Kategorien im Produktionsprozeß auf folgende Formel bringen:

ohne Wissenschaft kein technischer und wirtschaft­licher Fortschritt, ohne Unternehmertum keine moderne Produktionsstalte und keine wirtschaft­liche Führung, ohne dnrchgebildete Arbeiterfchaft überhaupt keine industrielle Leistungsfähigkeit.

Der Mann, in dessen Händen die Leitung der modernen Unternehmung liegt, muß ein Aristo­krat, kein Autokrat fein, weder Techniker noch Kaufmann, sondern der Leiter des Unternehmens, mit dem er mit feiner Existenz verwachsen ist.

Die Leitung durch ein Direktorium gleichgestell­ter Persönlichkeiten hat sich nicht bewähtt. Gleich­ordnung ohne Führung führt zum Kompromiß und zur Unverantwottung. In nicht geringerem Maße als die Leitung des Unternehmens find die übrigen Beteiligten an das Gedeihen des­selben ideell gebunden. Im Grunde ist der Unter­schied zwischen Arbeitern, Angestelften und Lei­tung nur ein Unterschied der Lebenshaltung und Sicherheit der Existenz. Wir gehen einer Zeit des Hochkapitalismus entgegen, der nicht durch eine sozialistische Ordnung im Sinne des Marxis­mus abgelöst werden wird, sondern wir müssen evolutionistisch zu Wittschastsformen kommen, die die Härten und Ungerechtigkeiten der vergange­nen beseitigen oder doch mildern. Die Lohnfrage wird zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer immer ausgehandelt werden muffen; denn es gibt kein Schema für den gesicherten Absatz der Ware und damit für den Preis der Ware und damit auch für den fixen Lohn. Dagegen kann viel geschehen in der Sicherung der Existenz des Ar­beiters. Der Widerspruch von Arbeitnehmerseite gegen die Stabilisierung der Produftion durch Kartelle, Syndikate usw. ist gegen die eigenen Interessen der Arbeiterschaft gerichtet. Es würde auf diesem Gebiete überhaupt keine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit zwischen Unternehmer­tum und Arbeitnehmerschaft bestehen, wenn nicht von beiden Seiten, zumeist aber von Arbeit- nehmerfeite Weltanschauungsfragen und politische Tendenzen mit dem Produktionsprozeß verknüpft würden.

Die in so starkem Maße fortschreitende Wirt­schaft benötigt für eine sichere Führung Dor stän­digen Untersuchung der dieser Entwicklung zugrunde liegenden Tendenzen. Auch diese Aufgabe zu lösen ist Die Wissenschaft, insonDerheit Die Wirtschafts­lehre berufen. Die UeberfüUung Der Hochschulen mit Studierenden der Volkswirtschaft ist ein Zeichen für das heute herrschende Bedürfnis nach volkswirt­schaftlich wissenschaftlicher Fundierung der Wirt­schaft, die Laufbahn jedoch, die diese theoretischen Volkswirte zum großen Teil in der Praxis durch­machen, zeigt deutlich, daß die Kluft zwischen der schulmäßigen, historischen und rein theoretischen Wissenschaft und Dem, was Der Praktiker für wirt­schaftlich möglich hält, zu groß ist für Das richtige Zusammenwirken von Theorie unD Praxis. D i e Deutsche Nationalökonomie h a t Das Gefühl für die Ausgaben ber Gegen­wart verloren.

Unternehmertum und Arbeiterschaft müssen sich Darüber klar fein, daß es in ihrem und der All­gemeinheit Interesse liegt, eine objektive, unpar­teiliche, nach Wahrheit und Erkenntnis suchende Wissenschaft der Wirtschaftslehre zu besitzen.

Wir von Der Wirtschaft müssen Den Wissenschaftlern Die Gelegenheit geben, sich von Den tatsächlichen Dingen zu unterrichten, so wie es im großen Maß­stabe zur Zeit Durch Den Enqueteausschuß geschieht. Wissenschaft, Unternehmertum unD Arbeiterschaft können zu einer richtigen Zusammenarbeit im Pro­duktionsprozeß nur gelangen, wenn sie eine geistige, auf persönlicher gegenseitiger Achtung und Wert­schätzung beruhende Kooperation eingehen. Ist aber diese erst einmal hergestellt, so ist die Sicherheit unseres wirtschaftlichen Wiederaufstieges in ganz anderer Weise gewährleistet, als es bisher der Fall gewesen ist. (Lebhafter Beifall.)

Geheimrat Du'rsberg.

schloß hieraus Die bedeutsame Tagung mit folgen­den Worten:Ein Rückblick auf den Verlauf Der gestrigen und heutigen Sitzung ergibt, daß wir hoch­interessanten und lehrreichen, temperamentvollen und formvollendeten Vorträgen zugehört haben. Für uns, die Mitglieder des Re'ichsverbandes der Deut­schen Industrie, ergibt sich nun die Verpflichtung, die Folgerungen daraus zu ziehen, und zwar jeder an seiner Stelle, neben der Herstellung guter und billiger Massenartikel, Die Herstellung alter und neuer Qualitätsartikel zu fördern und zu steigern. Die Parole muß jetzt heißen :

Statt gut und billig nunmehr immer besser und besser und doch billig.

Wie früher so auch heute hielten wir uns für ver­pflichtet, darauf hinzuweisen, daß wir noch nicht über den Berg sind und schwere, allzu schwere Lasten zu tragen haben. Konjunkturen kommen und gehen, sie steigen und fallen. Immer und immer wieder haben wir betont, daß zu Pessimismus keine Veranlassung oorliegt, eher umgekehrt, es liegt aber auch kein Grund zu übertrie­benem Optimismus vor. Wir haben Ver­trauen in die Fähigkeiten und die Tüchtigkeit des deutschen Volkes, zur Wissenschaft und Wirtschaft und zur Beamten- und Arbeiterschaft. Wir glau­ben fest an Deutschland, wir glauben auch an Deutschlands Zukunft. Der Red­ner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Deutschland. Die Versammlung stimmte stehend das Deutschlandlied an.

Der Nachmittag vereinigte Die Teilnehmer Der Tagung auf einer Rheinfahtt bis nach St. Goar, wozu der Mainzer Fabrikantenverein eingelaDen hatte.

so unzulässige Kundgebung seitens einer bei der französischen Regierung akkreditierten Persönlichkeit protestiert. Infolge dieser Intervention habe die Regierung der Sow­jetunion dem französischen Botschafter gegen­über diese Manifestation desavouiert mit der Erklärung, daß sie klar und formell Den Ge­danken v er werfe, Daß einer ihrer Vertreter eine Aufruhr- und Desertievungspropaganda auf Dem Gebiet Frankreichs organisieren könnte, mit dem Die Sowjetregierung friedliche Beziehungen unterhalte.

Ein großer Te l der Blätter vertritt den Stand­punkt, Daß Rakowskis Stellung in Paris unhaltbar geworden fei. DerMatin" nennt ihn einenunerwünschten Botschafter" und schreibt, wennRa.^wski von seinem Kom­plizen Tschitscherin nicht a6E>erufen werde, dann müsse er unverzüglich von Der französischen Regierung vor Die Tür gesetzt werden.

Rakowski erklärt.

Paris, 5. Sept. (WTB. Funtfpruch.) An­gesichts Der Angriffe, denen Sowjet-Botschafter Rakowski wegen der Unterzeichnung eines Manifestes Der Kommunistischen Partei Rußlands ausgesetzt ist, läßt er durch Die Agence Havas eine Erklärung veröffentlichen, in Der er sagt, er mißbillige den Gedanken, Daß ein Svwjetvertreter Den Auf- stand oDer Die Desertion in Frankreich organi­

sieren formte. Das von ihm ^Unterzeichnete fasse die Hypothese eines evtl. Krieges gegen Die öotojet-Union ins Auge und beziehe sich folglich nicht aus einen Derzei­tigen und konkreten Fall. Im übrigen betont Der Sowjet-Botschafter, Daß er seine Diplomatische Mission in Frankreich in Dem Sinne auffaffe, Daß er mit noch größerer Energie Daran arbeiten werde, Die noch zwischen Ruß­land und Frankreich bestehenden Streitig-- f ei t e n z u beseitigen, um so Die Aus­sichten für Den allgemeinen Frieden zu erfüllen.

Im übrigen soll, wie eine französische 2Igen- turmelDung aus Genf besagt, B r i a n d erftärt haben, er überlasse die Sorge, zu entscheiden, ob Botschafter Rakowski abberufen werden müsse oder nicht, der russischen Regie­rung. Er selbst habe Die Desavouierung für befrieDigend erachtet. Man Dürfe Diese bedauer­liche Angelegenheit keinesfalls als einen Schritt Frankreichs zu einem Abbruch Der Beziehungen zu Sowjet-Rußland auffassen.

Rücktritt Rakowskis?

Lo n d o n , 5. Sept. (WTB. Funtspruch )Daily Mail" meldet aus Paris: Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß Rakowski zurückzu- treten gedenke, um Die Leitung eines wichtigen sowjetrussischen Bankinstituts zu übernehmen. Es sei z w e i f e l h a f t, ob er durch einen anderen Bot­schafter ersetzt werde würde,angesichts des wahr­

scheinlichen baldigen Abbruchs Der diplo­matischen Beziehungen zwischen Frankreich und Sowjetrußland".

Aus -xller Wett.

Ter Flug um die Welt.

Das FlugzeugStolz von Detroit". Das gestern nachmittag in Karachi (Indien) landete, ist heute früh nach Allahabad wei­tergeflogen.

Wieder zwei mißglückte Ozeanflüge.

Kapitän Courtney, der am Samstagfrüh in Plymouth zu einem Fluge über Die Azoren nach Amerika stattete, konnte wegen des starken Gegenwindes auf Dem Atlantik Die Quo­ten nicht erreichen und steuette abenDs Den spanischen Hafen L a Coruna an, ..wo er I a n D e t e.

Das FlugzeugRoyal WinDsor", das am l. September zu einem Flug nach Wind­sor in England aufgestiegen war, jedoch in St. Johns (Quebec) wegen schlechten Wetters hatte niedergehen müssen, ist am Samstag von neuem zum Fluge nach England geftanet. Das Flugzeug mußte aber am Abend um 9.48 Tlhr Londoner Zeit in Pottland wieder landen.

Die Sprengstoff-Katastrophe bei Kastel.

Aus Dem bisherigen Ergebnis Der amtlichen Un­tersuchung des Explosionsunglücks im Basaltstein, bruch bei Zimmersrode ist heroorzuheben, Daß die Vorkehrungen für die elektrische Sprengung, die erst am nächsten Tage stattfinden sollte, noch nicht ge­troffen waren, die elektrische Zündmaschine infolge­dessen auch nicht angeschlossen war. Offenes Licht ist in dem Stollen offenbar nicht verwendet worden. Die Sprengladung selbst war bereits am Tage vor­her in der Sprengkammer untergebracht worden, die verunglückte Belegschaft war am Tage Des Un­glücks lediglich mit dem Zumauern Der Spreng tammern beschäftigt. Die noch übrig gebliebenen Sprengpatronen haben sich als einwandfrei erwie­sen. Infolgedessen ist es bisher unmöglich gewesen, die Ursache der Katastrophe aufzuklären, zumal, da sämtliche Augenzeugen getötet wurden.

Tödlicher Fallschirmabsturz.

Bei dem gestern in Altenburg veranstalteten Flugtag stürzte Der Pilot Trieber, Der aus dem Reklameflugzeug der Hamburger Reichardtwerke einen Fallschirmabsprung vollsühtte, tödlich ab. Während Frau Trieber zweimal sicher aus Dem Flugzeug abgesprungen war, entfaltete sich beim Absprung ihres Mannes der Schirm nicht, so Daß Der Pilot aus etwa 500 Meter Höhe zur Erde stürzte. Er war sofort tot.

Schweres Autounglück in Harburg.

In Der Sonntagnacht fuhr in Harburg ein Auto gegen einen Baum. Rach denHamburger Rachrichten" sollen Drei Personen getötet unD acht verletzt worden fein.

Mißglückter Stapellauf eines italienischen Kreuzers.

In Gegenwart des Königspaares und des Ver­kehrsministers sollte gestern in Livorno Der Stapel­lauf des KreuzersTrento" stattfinden, dessen Paten­schaft Prinzessin Giovanna übernommen hatte. Aus geringfügigen Ursachen blieb der Kreuzer, nachdem er etwa 40 Meter auf der zum Wasser führenden Bahn zurückgelegt hatte, jedoch stehen. Ein starkes Aufgebot von Arbeitern ist damit beschäftigt. Den Kreuzer von seiner jetzigen Position aus möglichst bald ins Meer zu bringen.

Siebenfacher Mord.

Gestern erschoß in Boungtown (Ohio) ein arbeitsloser italienischer Arbeiter seine Frau, seine Drei Töchter und Drei Enkelkinder und ver­wundete seine Schwiegettochter, zwei Rachbarn und einen Der Polizisten, Die ihn verhafteten, schwer. Vor Der Polizei erklärte Der Mann, er habe Die Absicht gehabt, seine ganze Familie ums Leben zu bringen und zuletzt sich selbst zu töten. Die Waffe habe jedoch versagt.

Die Wetterlage.

n

Jin Miyen

l tidersum

o

-Röst

Nki

O

ingö

O

Hör \ o

warsdi

lamDo "rL- 'fjJlPcrim

Sonntag, den lr.5eptbr.J92.7 8h norm.

w l 4

> 16 Qent

x O '

UHv O r

45

AOerttenTZ-TVXL/ /

QWolkenlos.0 neuer o naio oedectL »woirjg. oeotcM

* Schnee a Graupeln MeDei K 0cwilter.@windstiiie.-O' sch» leichter Ost y Südsüdwest Q stürmischer nordwes»

Die Pfeile fliegen mit dem winde Pie oe den Stationen stehenden Zähe len oeDen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mH gleichen* aut rteeresniveau umflerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Obwohl in dem ausgedehnten nordöstlichen Hoch­druckgebiet das Barometer langsam fällt, besteht immer noch das aufheiternde Spätsommerwetter fort, lieber Nord- und Ostdeutschland ist heute mor­gen noch Ostluftzufuhr vorhanden, so daß dort vor­wiegend heiteres Wetter herrscht. Dagegen hat in Süddeutschland unD Frankreich durch die flachen Druckverteilungen wolkiges Wetter mit vereinzel­ten Niederschlägen und leichten Gewittern eingesetzt. Durch die vorhandenen Druckstörungen ist es zwei­felhaft, ob Die Schönwetterlage noch von langer Dauer sein wird.

Wettervoraussage: Wolkig, Temperaturen wenig verändert, vereinzeltes Ausireten von leichten Nie­derschlägen.

Witterungsaussichten für Mittwoch: Keine we­sentliche Aenderung.