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bereits Bericht erstattet. Das Museum übt an­dauernd seine Anziehung auf die Bevölkerung sowie auswärtige Fachgelehrte, Schulen aus Dietzen imt) Umgebung und Vereine aas.

D i e katholische Landeskirchen- steuerinHessem Der Diözesankirchenvorstand der Diözese Mainz hat mit Zustimmung der hes­sischen Regierung für 1927 folgende Sähe für die katholische Landeskirchen st euer festgesetzt:

9 Mark v. H. der Einkommensteuer, bzw. des Lohrn- und Gehaltsabzugs im Kalenderjahr 1926 und fünf Reichspfennige für je hundert Reichsmark Wert des unbebauten Grundbesitzes. Dazu kommt noch die nach den Bedürfnissen der betreffenden Kirchengemeinde bemessene Ortskirchensteuer. Bei . letzterer kann autzer der Einkommen- bzw. Lohn­oder Gehaltsabzugssteuer und dem Wert des un­bebauten Grundbesitzes auch der Wert des ge­werblichen Anlage- und Betriebsvermögens zur Veranlagung herangezogen werden. Die Kirchen­steuern sind in vier Zielen zu entrichten, die auf dem jeden Steuerpflichtigen zugehenden Kir- chensteuerbescheid genannt sind.

* Keine Aehren zertreten! Was der Landwirt mit vieler Mühe und Schweitz geschaffen hat, hat auch alles Anrecht darauf, geschont zu werden. Der Bauer sät und erntet nur einmal im Jahr: von dem Ausfall der Ernte ift ein Jahr lang sein Leben abhängig. Es ist überdies ebenso Sachbeschädigung fremden Eigentums, wenn man Aehren niedertritt, um zu einer Kornblume zu ge­langen, als wenn man in eine Schaufensterscheibe ritzt oder ein Firmenschild beschmiert. Gleichfalls ist das Zertreten mehr oder weniger hohen schnitt­reifen Grases eine Ungehörigkeit, mag gleichwohl damit nichts anderes beabsichtigt sein, als das Zusammensuchen einzelner Blumen zu einem Strauß.

** Die mangelhafte Einfriedigung des Bahndammes entlang den Häusern am Riegelpfad zwischen Ludwigstratze und Essiggäßchen hat in letzter Zeit wiederholt Anlaß zu Klagen ge­geben. Am vergangenen Samstagnachmittag erklet­terten wieder zwei Kinder den ungenügend geschütz­ten Bahndamm und standen dicht an den Fahr­geleisen der im selben Augenblick von Fulda kom­menden Leermaschine, als diese nach dem Bahnhof fahren wollte. Glücklicherweise mußte die Maschine, die keine Einfahrt hatte, halten, sonst wäre ein Un­glück nicht ausgeschlossen gewesen. Es ist dringend erforderlich, daß diese Mängel beseitigt werden.

* Die Erinnerungstafeln an Prof. Credner am Haus Frankfurter Str. Ar. 11 und Professor Dietz am Haus Aeuen Bäue 9 werden zur Zeit ausgüressert und deren Inschrift erneuert.

* Militärkonzert Gestern fand auf der ^Liebigshöhe" das 7. (vorletzte) Konzert der diesjährigen «Sornrner-Abonnernentsserie unserer Aeichswehrkapelle unter Leitung von Oberrnusik- meifter Löber statt. In ausgezeichneter Weise brachte die Kapelle das abwechselungsreiche Pro­gramm zur Abwickelung und erntete für ihre trefflichen Darbietungen den stürmischen Beifall des wieder sÄ,r gut besuchten Hauses. Durch zahlreiche Einlagen, die die Veranstaltung bis 11,15 Uijt ausdehnten, zeigte sich die Kapelle für den lebhaften, langanhaltenden Applaus er­kenntlich. Besonderen Anklang fanden u. a.: Der M.mschHeimat, süße Heimat" von W. Löber, Ouvertüre zur OperMartha", Große Fantasie cmSLohengrin", sowie die Große Fantasie aus der OperAida".

** Zu dem Unfall in der Schießgar- t e n st r a ß e , über den wir in unserer Nummer 178 berichteten, kann erfreulicherweise mitgeteilt werden, daß die Verletzungen des abgestürzten Maurers Diefenbach leichterer Natur sind, und daß dieser voraussichtlich in Kürze wieder arbeitsfähig sein wird. Der mit Einschalungsarbeiten im Neubau von Becker und Rochlitz (nicht Nebhuth) beschäftigte Mann war zwischen zwei Trägern hindurch aus einer Höhe von 2,30 Meter auf den Kellerboden gestürzt.

* Der Jung-VH C.- Tag des Vogels­berger Höhenclubs findet am 27. und 28. August im Jugendheim auf der Herchenhainer Höhe unter dem Vorsitz des Obmanns, Professor Georg Bender (Frankfurt a. M.), statt.

** Briefe an die Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktton bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Re­dakteure zu versehen, sondern allgemeinart die Redaktion" zu richten. Aur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden.

Geld und Erfahrung

Novelle von Max E y t h.

8 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

,Lch wende mich an Sie, meine Herren," rief er,vertrauensvoll, schmerzbewegt! Wir haben ein gemeinsames Ziel: unsere Grundsätze der Wahrheit und Freiheit der deutschen Welt unseres großen neuen Vaterlandes täglich zu verkündigen, das Pa­nter der Gleichheit und Brüderlichkeit, ohne Ansehen der Farbe der Leser, im Süden voranzutragen. Wir haben dieselben Freuden, dieselben Sorgen. Im Schweiß unseres Angesichts haben wir wieder vier­zehn Tage lang der großen Sache gedient. Die Zahl unserer Abonnenten ist um fünf gestiegen: das Er­gebnis des Strahenverkaufs hat jedoch bedauerlicher­weise abgenommen, da unser tätigster Austräger samt seinen Freitagsexemplaren spurlos verschwun­den ist; Fritz Kleile ist mit einem kleinen Vorschuß aus unserer Mitte geschieden, ich fürchte, für im­mer. Sie, meine Herren, waren schon gestern be­rechtigt, den sauer verdienten Lohn für Ihr auf­opferungsvolles Wirken aus meiner Hand zu emp­fangen. Ich mußte Sie auf heute vertrösten. Meine Herren, auch heute ist unsere Kasse" der Redner hob ein Blechköstchen, das neben ihm stand, in die Höhe, öffnete es feierlich und zeigte nach allen Sei­ten das glänzende Vakuum seiner Innenseite diese unsere Kasse ist leer! Wollen Sie sich gefälligst selbst überzeugen", fügte er in vertraulichem Tone bei, indem er sich an seine nächsten Nachbarn, einen grimmigen alten Setzer und zwei schmächtige zwölf­jährige Jungen, wandte, die ihn hungrig ansahen.

Aber wo der Teufel ist das Geld von gestern?" fragte einer der fünfzehn, dessen trockene Kehle eigentümlich krächzende Laute heroorbrachte. Der Mann war sichtlich übermäßig durstig.

Sie haben ein Recht, diese Frage aufzuwerfen, verehtter Freund!" entgegnete der Redakteur mit einem mitleidigen Blick auf den Sprecher.Ich werde sie beantworten. Wir hatten das Unglück, gestern abend den Besuch des Geschäftsführers un­seres Papierlieferanten zu empfangen. Ich stand vor der peinlichen Gewißheit, der heutigen Aus- gäbe derDeutschen Zeitung von Louisiana" pavier- los entgegensehen zu müssen. Ich hatte die Wahl,

Landkreis Gießen.

n. Großen-Linden, 4. Aug. Die Zug. Verbindung zwischen Großen-Linden und Gießen war seither für die Schüler, welche die Schule in Gießen besuchten, nicht günstig. Da der hier um 7.55 Uhr abfahrende Zug zu spät mar, mußten die Kinder schon den Frühzug um 6.16 Uhr benutzen. Auf wiederholte Eingaben hat die Reichs- eisenbahndirektion Frankfurt a. M. nunmehr einen Schülerzug zwischen Butzbach und Gießen ein- gelegt, der mit Beginn der Schulzeit verkehrt und um 7.25 Uhr in Gießen eintrifft. Dieser Zug fährt aber nur an Schultagen, also nicht Sonntags und nicht in der schulfreien Zeit.

.L W i e s e ck, 5. August. Ungewöhnlich früh­zeitig wird in diesem Jahre mit den Vorbe­reitungen für die Drescharbeiten be­gonnen. Wie man hört, soll bereits in den nächsten Tagen mit dem Ausdrusch begonnen werden. Die Erntearbeiten sind, günsttg beeinflußt durch das herrlichste Ernteweiter, bereits sehr weit vorgeschritten. Mit dem Ertrag dürfte man hin­sichtlich der Körner und des Strohes recht zu­frieden sein, dies um so mehr, als die hiesige Gegend von Unwetterschäden völlig verschont blieb, und Getreidelagerungen nur sehr wenig zu verzeichnen sind. Auch auf die Entwicklung der Sommerfruchtarten, die hier im allgemeinen keine sehr günstigen Vorbedingungen haben, übte das sehr gute Wetter sich in der vorteilhaftesten Weise aur.. Für alle Hackfruchtarten wäre bei unserem leichten Boden ein durchweichender Regen bald erwünscht, der Stand befriedigt im allgemeinen. Die Aepfel -- und Dirnen- ernte verspricht gute Erträge, recht knapp wird die Ernte bei Zwetschen. Hier fiel die Ernte schon seit einigen Jcchren fast aus, und der Bedarf für das Honigkochen mußte von aus­wärts gedeckt werden.

:: Aus dem Dusecker Tal, 4. August. Auch in unserem Tal ist die Roggen ernte in voUem Gange. Das außerordentlich warme Wetter, auch bei mitunter bedecktem Himmel hat die Frucht sehr schnell zur Reife gebracht. Zur Zeit sind die Leute eifrig am Schnitt des Kornes beschäfttgt. Auch Gerste ist teilweise schon geern­tet, doch trifft das nur für die nach Gießen zu liegenden Orte zu. Bei den höher gelegenen Orten wird es noch ein paar Tage dauern bis zur Reife. Durch den außerordentlich guten oft zu dichten Stand des Geteides, gibt es hinsichtlich der Ge° bunde eine sehr gute Ernte. D^e Kartoffel­felder zeigen einen sehr günstigen Stand, auch zeigen die schon hie und da genommenen Proben sehr gut entwickelte Knollen.

:: Bersrod, 4. August. Vergangenen Sonntag hielt unser Dörfchen sein diesjähriges K i r ch w e i h f e st ab. Zu gleicher Zeit war damit eine Wiedersehensfeier für diejenigen ehemaligen Ortsangehörigen, welche, sei es durch Heirat oder durch sonstige Verhältnisse ver­anlaßt worden waren, ihren Wohnsitz cmder- toeitig aufzuschlagen, verbunden. Gesangverein Liederkranz, unter Leitung seines rührigen Vor­sitzenden Hofmann, hatte es übernommen, alle diese alten ehemaligen Dersröder Dorfaenosfen einzuladen. Begünstigt vom schönsten Festwetter, hatte sich eine stattliche Zahl von Gästen ein- gefunden. Rach einem Festzug durch den Ort bleit Pfarrer Dohert von Reiskirchen die Fest­rede. Auch der gefallenen Helden unseres Dorfes wurde gedacht. Bürgermeister Becker begrüßte in einer Ansprache die erschienenen Gäste sowie alle Teilnehmer und sprach die Hoffnung aus, daß das Wiedersehensfest allen eine bleibende Erinnerung fein möge.

L ich, 4. August. Der hiesige Manner­gesangverein Cäcilia unternahm dieser Tage eine Fahrt nach Schlitz, um dem dortigen VereinHarmonisches Kränzchen" einen Besuch abzustatten. Veranlaßt wurde diese Fahrt durch den derzeitigen Dirigenten der Cäcilia, Lehrer Stein, der 22 Jahre in dem alten Städtchen gewirkt und auch den dortigen Chor geleitet hatte. Alle Sänger der Cäcilia waren erfreut über die überaus herzliche Aufnahme. Am Abend vereinigten sich beide Vereine zu einem Lieder­abend, wobei jeder Verein sein Bestes gab.

Kreis Biid gen.

y. Büdingen, 4. Aug. Die hier neu gegrün­dete Obstverwertungsstelle ist schon voll beschäftigt. Hauptsächlich werden gegenwärtig täglich 50 bis 100 Zentner Himbeeren verarbeitet. Wie reich die Ernte dieser Früchte in diesem Sommer Im

den nicht ganz unberechtigten Forderungen des un­erbittlichen, ich darf sagen herzlosen Geschäftsmen­schen zu trotzen und damit uns alle zu vernichten, ober ihm den Inhalt unserer Kasse einzuhändigen. Da gedachte ich Ihrer Seelenstarke, meine Herren, gedachte der deutschen Treue, die sich in schweren Zeiten seit zwei Jahttausenden bewährt hat. »Besser/ sagte ich, »noch einmal ohne Geld vor meinen Freunden zu erscheinen als ohne Papier/ Und nun" der Ton des Redners wurde um eine halbe Oktave tiefer, seine Stirne legte sich in Falten und sein blonder Haarbusch schien in die Höhe zu steigenund nun, meine Leidensgenossen, frage ich Sie. Sie selber werden entscheiden. In Ihre Hand lege ich das Panier unserer großen Sache. Wollen Sie ja ober nein, wollen Sie noch­mals zwei Wochen ungelohnt in alter Treue Ihre Pflicht erfüllen? Ober wollen wir gemeinsam das sinkende Schiff verlassen und jeder für sich an un­bekanntem Strande eine zweifelhafte Rettung su­chen? Im ersteren Falle"er verfiel plötzlich wie­der in den gemütlichsten Gesprächston, in welchem er alle wichtigeren Teile seiner Rede vorzutragen schienim ersteren Falle bekommen Sie vor­läufig allerdings noch einmal nichts, aber es wird ohne Verzug weitergedruckt. Im zweiten Falle schließe ich die Bude, und Sie bekommen auch nichts."

Weiterdrucken!" riefen die zwei hungrigen Jun­gen mit vor Begeisterung glänzenden Augen.

Abstimmen!" stöhnte der Durstige.

Abstimmen!" riefen noch drei ober vier der Aelteren, und so kam es nach den besten Regeln eines in Trübsal geläuterten Parlamentarismus zur namentlichen Abstimmung.Herr Faktor Müller?" Weiterdrucken!"Herr Setzer Kunze?" Der Teufel hole die ganze Bude samt dem Herrn Redakteur: schließen!"Der nächste?"Wei- terdvucken!"Weiterdrucken!"Schließen!" Weiterbrucken!" und so weiter.

Die Abstimmung war rasch beenbet. Der Re­dakteur tat einen tiefen, cheatralischen Atemzug und begann wieder:Meine Herren und Freunde! Das Ergebnis unserer Abstimmung ist das erwartete. Die deutsche Treue hat auch auf fremder Erde aber­mals glänzend gesiegt. Sieden Stimmen sind für den Schluß der Bude, acht fürs Wetterdrucken. Die gute Sache ist gerettet. Wie eine Phönix wird das

Vogelsberg ist, ersieht man aus der Tatsache, daß ein Aufkäufer in dem kleinen Dorfe Betzenrod schon über 50 Zentner Himbeeren hierher geliefert hat. Die Sammler erhallen für das Pfund 35 Pfennig.

re. Bleichenbach, 4. Aug. Das dies­jährige Jugendfest unserer Schule konnte we­gen starker Verbreitung der Masern in der Ge­meinde zur Sonnwendzeit nicht stattfinden. Es wurde unter Beteiligung des ganzen Dorfes am vorigen Sonntagauf der Schönau" gefeiert. Durch die Mitwirkung des Turn- und des Ge­sangvereins wurde es ein rechtes Volksfest im guten Sinne. Ein bunter Festzug mit feinen Rcttur- und Märchenbilder darstellenden Grup­pen bildete den verheißungsvollen Anfang. Auf dem Festplah konnte Lehrer S ch n i e r l e in einer längeren Ansprache nicht nur die Bleichenbacher, sondern auch viel Gäste aus Rachbardörsern begrüßen. An den beiden Fischteichen der Schönau erfreute man sich an einem Erntespiel, einem Raturschutzspiel und vielen Reigen der Kinder, sowie an den Liedern des Gesangvereins und des gern. V. H. C.-Quartetts. Die hohe waldumhegete Bühne, wie überhaupt die ganze Umgebung erhöhten den Eindruck ungemein. Auf der großen Trist im engen Waldtal fanden bann turnerische Wettkämpfe statt. Mädchen und Kna­ben zeigien in volkstümlichem Vierkampfe er­freuliche Leistungen, die denn auch mit Brezeln, Wecken und Würsten belohnt wurden. Ein Lampionzug beschloß das frohe Fest.

t). Kohben, 4. Aua. Die ältefte Einwoh­nerin unserer Gemeinde, Katharina Ruhl Wwe., geb. Müddersheim, vollendete heute ihr 95. Lebens­jahr. 5-ie ist bas älteste Mitglied des ev. Kirchspiels Nidda. Bei ihrem einzigen noch lebenden Kinde, der Witive eines Bahnbediensteten, ist ihr ein heiterer, sorgenloser Lebensabend deschieden.

Kreis Schotten.

Rudingshain, 4. August. Die Frau des hiesigen Müllers geriet beim Abstellen des Triebwerkes mit den Kleidern in das Räder­werk der Mühle. Dadurch wurden ihr die Kleider vom Leibe gerissen und das rechte Dein in das Triebwerk hineingezogen, wobei sie schwere Quetschungen erlitt. In dieser Lage befand sich die Frau mehrere Stunden lang trotz ihrer verzweifelten Hilferufe, da ihre Ange­hörigen im Felde weilten. Glücklicherweise kamen die Räder bald zum Sttllstanb, da das Wasserrad bereits ab gestellt war, als die Frau erfaßt wurde.

k. Sichenhausen, 4. August. Gin be­dauerlicher Unglücksfall, der ein Men­schenleben forderte, ereignete sich an der ab­schüssigen Stelle beim ßinbenbaum mitten in un­serer Gemeinde. Dem Landwirt Heinrich Fischer 11. gingen etwas oberhalb der bezeichneten Stelle die Pferde durch. Der Fuhrmann wurde nahe an die Häuserwand gedrückt und konnte sich nur dadurch retten, daß er die Zügel freigab. In wil­der Fahrt rannten die Pferde mit dem Wagen, auf dem sich die Ehefrau Fischer und ein Kind fefanben, die Dorfstrahe abwärts. Das wilde Ge­fährt rannte eine ältere Frau um und ver­letzte sie so schwer, daß der Tod nach einen Stunde eintrat. Rur mit Mühe gelang es einem hiesigen Einwohner, die Pferde einzuhalten und weitere Unglücksfälle zu verhüten. Desonders tra­gisch wird der Fall dadurch, baß die überfahrene Frau bereits im Alter von 72 Jahren stand und taubstumm war. Anscheinend hat sie das hevrn- sausende Fuhrwerk gar nicht bemerkt unb deshalb jede Vorsichtsmaßregel außer acht gelassen.

Kreis Alsfeld.

<5 Erbenhausen, 4. Aug. Auch In unserer Gemeinde verursacht ein Fuchs durch Wegholen von Hühnern den Einwohnern in der Richtung nach Kirtorf Schaden. Bereits im vorigen Jahre holte er manchen Leuten (oft den ganzen Bestand. Bis heute sind etwa 15 Hühner verschwunden. Einem Manne wurden fünf ausgewachsene Gänse aus dem Pferch geraubt, in dem sie über Nacht versehentlich gelassen waren. Manche Hühnerhalter sperren ihre Hühner seit mehreren Wochen ein, was sich m dem Eierertrag sehr nacksteilig bemerkbar nracht.

Kreis Lauterbach.

t Herbstein, 4. Aug. Einem bedauerlichen U n g l ü ck s f a l l fiel hier ein junges Menschenleben zum Opfer. Ein 17jähriger Lehrjunge wurde dieser Tage vor Feierabend noch einmal in den Keller geschickt und dort am andern Morgen t o t auf- gefunden. Wahrscheinlich ist er einer offenen Stelle der elektrischen Lichtleitung zu nahe gekom­men und von dem Schlag getötet worden.

Panier derDeutschen Zeitung von Louisiana" aus der Asche dieser vorübergehenden Prüfung erstehen, und Arm in Arm mit dem sternbesäten Banner dieses großen und freien Landes" Er hielt plötz­lich an, wie wenn ihm etwas Wichtiges eingefallen wäreMeine Herren! Ich bitte die Herren Setzer, sich an ihre Plätze zu begeben. Es ist die höchste Zeit, wenn die Abendzeitung rechtzeitig auf die Straße kommen soll. Und, bei Gott, wir müssen heute abend etwas Geld haben. Was eingeht, wird vetteilt. Rasch an die Arbeit, meine Kinder! Was wünschen Sie?"

Das galt mir. Der kleine Bienenkorb war in einer halben Minute in voller Tätigkeit. Der Re­dakteur, Herausgeber und Eigentümer derDeut­schen Zeitung von Louisiana ' trocknete sich den Schweiß von der Stirne und gab mir vorsichtig die Hand. Ich war ein Landsmann. Sollte ich gekommen sein, ihn an^upumpen?

Sie kommen in einem nicht ganz glücklichen Augenblick, verehrter Herr!" sagte er, ohne jedoch im geringsten verlegen zu sein.Das nennen wir den Kampf ums Dasein. Er ist Ihnen vielleicht aus den neuesten Schriften eines gewissen Darwin bekannt. Hier haben Sie die Theorien des großen Natur- forschers in natura."

Es war mir höchst interessant und ich wünsche Ihnen Glück zu Ihrem Siege", sagte ich höflich. Ich verstehe und würdige Ihre freudige Erregung, denn auch ich, Herr Doktor"

Er nickte freundlich.

auch ich bin damit beschäftigt, im Kampf ums Dasein ein kleines Gemetzel vorzubereiten."

Was? Doch nicht hier bei uns?" rief der Re­dakteur.Sie haben gehört, wie es augenblicklich bei uns steht. Augenblicklich? Der Zustand ist chro­nisch, Verehrtester. Ich kann Sie nicht brauchen!^

Vielleicht doch", entgegnete ich zuversichtlich und erklärte ihm, um was es sich handle. Jetzt erst schüttelte er mir die Hand nach gut amerikanischer Art und dann beide Hände wie ein Deutscher, der seinen längst erwarteten Schutzengel gefunden bat. Um fünfzig Dollar wollte er meinen Dampf pflüg über alle Himmel erheben. Um die HAste, wenn iw fafort bar bezahle. Zwei Artikel von je zwei Spal­ten, die ich morgen selbst liefern könne, wenn Ich wolle. Dies war m der Tat billig. Die Zeitung hatte ohne Zweifel wenig Ettrfluß und keine Adon-

Starkenburg.

* Darmstadt, 4. Aug. Um den Fremden die Sehenswürdigkeiten Darmstadts und die Schön­heiten feiner Umgebung zu zeigen, wird das ftädt. Verkehrsamt als ständige Einrichtung Autobus- fabrten veranstalten. In Beerfelden stieß das Auto des gräflichen Oberförsters Wester- nadjer (Beerfelden) mit dem Motorrad des Kri­minalschutzmanns Kronfeld (Köln) zusammen. Kronfeld wurde so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus in Erbach gestorben ist.

Einweihung des umgebauten NaLhauses in Darmstadt.

* Darmftabt, 4. Aug. Das im Jahre 1600 in deutschem Renaissancestiel erbaute Darmstädter Rathaus mußte um gebaut werden, weil im Sisstingssaale die Decke einzustürzen drohte, und der Luftraum nicht ausreichte. Der Umbau kommt fast einer völligen Erneuerung gleich, denn das Rathaus hat im Innern ganz neues Mauerwerk und Gebälk sowie eine andere Raumeinteilung erhalten. Im Kellergeschoß ist jetzt eine neue Heizungsanlage, eine Warmwasserheizung, die durch Einzelradiatoren mit Gas beheizt wird. Das Erdgeschoß enthält u. a. einen großen Repräsentationsraum, die Ratsstube, mit einer Vertäfelung aus geräuchertem Kiefernholz. Im ersten Obergeschoß sind die Bureaus des Standes­amts und des Ortsgerichts. Besonderes Gewicht ist bei der Innenausstattung auf das Trauzimmer ge­legt, das nach Vorschlägen von Prof. Linnemann ausgemalt wurde. Im zweiten Obergeschoß befindet sich der neue Stadtverovdneten-Sitzungssaal mit seinen Neben räumen. Der Sitzungssaal selbst hat eine Breite von 9,80, eine Länge von 16,87 und eine Höhe von 6,40 Meter. Die Wände sind mit Nuß­baumholz getäfelt. Die Decke besteht aus einer seg- mentförmigen Stucktonne mit Saffettierung. Die Zu­hörer sind auf eine Tribüne verwiesen, die im Dach­geschoß angeordnet ist und 50 Sitze hat. Zwischen dem Sitzungssaale und der Ratsdiele ist ein kunstvolles altes Portal aus Holz mit Intarsien eingebaut, das aus der Zeit der Erbauung des Rathauses stammt und nun einen Schmuck des ganzen Hauses bildet. Die Natsdiele ist vornehm mit alten wettvollen Mö­beln und Bildern ausgestattet: an den Wänden sind zwei nach Entwürfen des Bildhauers Prof. Jobst- Darmstadt hergestellte Gedeittlafeln aus Bronze für die im Kriege gefallenen Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt. Der Umbau stellt in seiner Ge­samtheit eine hervorragende Leistung des Stadt- baurates Bürgermeister Buxbaum dar und bildet eine Zierde und eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Aus Anlaß der Fertigstellung des Umbaues fand heute eine Einweihungsfeier statt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

$ Wetzlar, 4. Aug. Der in den Gemein­den des Kreises Wetzlar wohlbekannte hiesige Medi­zinalrat Dr. Braun wurde gelegentlich der Feier feines 70. Geburtstages dieser Tage in Anerken­nung seiner besonderen Verdienste um die Krieger- vereinssache von dem Kreiskriegeroerband Wetzlar mit dem Kriegeroereinsehrenkreuz erster Klasse ausgezeichnet.

XX A tz b a ch , 4. Aug. Huhnerketten trifft man bei dem Abernten der Getreidefelder im Gegen­satz zum vorigen Sommer in verhältnismäßig gro­ßer Stückzahl an. Bekanntlich halten sich die Feld­hühner auffallend gern in den Niederungen zu bei­den Seiten der Lahn auf.

Kreis Biedenkopf.

Frankenbach, 4. Aug. Die vorüber­gehend bei einem hiesigen Landwirt beschäftigte Wilhelmine Loh von Frankenbach geriet heute morgen mit dem linken Fuß in die Mäh­maschine: ihr wurde eine Dehne durchschnitten, und sie mußte in die Gießener Chirurgische Klinik gebracht werden.

Kreis Marburg.

WSN. Marburg, 4. Aug. Auf der Straße nach Wermeln entwickelte sich geftern abend ein schwerer Kampf zwischen zwei feindlichen Z i - geunerftämmen, der mit Messern ufw. aus» getragen wurde, und an dem etwa 40 Männer und Frauen beteiligt waren. Mehrere Schwerver­letzte muhten ins Krankenhaus verbracht werden. Der Kellner Krohn aus Kassel, der während der Marburger 400-Jahrfeier hier als Kellner tätig war, ist am Dienstagabend auf der Rückfahrt nach

nenten. Aber wer weiß? ein geschickt ge­schriebener Artikel aus dem Süden ging in andre Zeitungen über. Man war gegenwärtig in der ganzen Union neugierig, was in New Orleans oor- S. Ich legte fünfundzwanzig Dollar auf den ), lud den Redakteur zum kommenden Dampf» pflugfrühstück ein und hatte in Doktor Wurzler nach seiner Versicherung den treuesten Freund gewonnen, den ich in diesem ebenfalls nach Doktor Wurzler gottverfluchten Süden finden konnte.

*

Wolken.

Mit all diesen Seitensprüngen war es spät am Tage und höchste Zeit geworden, nach der Haupt­sache zu sehen, von der alles andre abhing. Ein hastiges Gabelfrühstück, Mittag- und Abendessen, in einheitlicher Zusammensetzung, die eine Wirtschaft in der Kanalstraße bot, setzte die menschliche Maschine wieder in arbeitsfähigen Zustand.

Es war fast Dämmerung, ehe ich auf die Levees einbog, um nach demWilden Westen" zu fahnden. Der gewaltige, halbkreisförmige Landungsplatz, den der Mississippi gegen die Stadt hin ausgegraben und vertieft hat, lag schon in seiner Feieravendstille vor mir. Für eingeborene Landratten bleibt ein See­hafen, in welcher Form er sich auch darstellt, zeit­lebens ein Anblick, der das Blut in lebhaftere Wal­lung bringt. Der Bogen derLevees^ von Neu- orleans, der au einem großartigen Staden ausge­bauten Schutzdämme der Stadt, macht hiervon keine Ausnahme. Man sieht, wie der gewaltige Strom schon hier, achtzig Meilen von der See, einen großen Kontinent mit den Meeren aller Weltteile verbindet. Gegen Norden reiht sich, enggedrängt, nur mit den Vorderteilen das Ufer berührend, Boot an Boot: dis phantastisch verzierten schwimmenden Paläste des Mississippi, des Missouri, des Ohio mit ihren Riesen­rädern und ihren barock gekrönten Doppelschorn­steinen: dazwischen auch kleinere Dampfer, unter ihrer Last von Baumwollballen und Zuckerfässern fast versinkend. Nach Süden liegen die Seeschiffe, schwarze, wuchtige Massen, die volle Breitseite gegen das Ufer gekehrt, haushoch aus dem Wasser ragend, die roten Schraubenflügel, unheimlichen Seeunge- heuern gleichend, halb in der Luft, ihre stumpfen, trutzigen Kamine kaum über der Brüstung sichtbar.

(Fortsetzung folgt)