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Dienstag, 5. Juli 1927

Gietzsner Anzeiger (General-Anzeiger für GberWsn)

llr. 154 Zweites Blatt

Meine Friedensverhandlungen mit Lloyd George im Fahre 1917

Der erste Fühler.

ge­

ben

in

1. den aufrichtigen Wunsch Englands, . Krieg zu beenden:.

vollem Eigentum V a - und ein genügend um- in militärischer Hinsicht

mohammedanischen Staate werden.

§ 6. Italien erhält zu Iona, die Insel Sassena fanareiches Gebiet, um es zu sichern.

§ 16. Der vorliegende Vertrag soll geheim- gehalten werden. Was den Anschluß Italiens an die Deklaration vom 5. September 1914 betrifft,

so wird diese Deklaration der Oeffentlichkcit über­geben werden, sobald der Krieg durch Italien oder an Italien erklärt werden wird.

Frankreich, Großbritannien und Rußland er­klären ihr volles Einverständnis mit der vorliegen­den denkwürdigen 2lufzeichnung, die ihnen durch die italienische Regierung vorgelegt ist. In bezug auf die §§ 1, 2 und 3 betreffend das Einvernehmen über die Heeres- und Flottenunternehmungen aller vier Mächte, erklärt Italien, daß es aktiv in mög­lichst naher Zukunft und in jedem Falle nicht später als einen Monat nach Unterzeichnung des vorlie­genden Dokuments durch die vertragsschließenden Teile auftreten werde.

Das Vorliegende haben in London in vier Exemplaren am 26. April 1915 unterzeichnet und mit ihren Siegeln beglaubigt

Sir Edward Grey,

C a m b o n, Marchese Jmpe ri a li, Graf Benckendorff." (Fortsetzung folgt.)

3. das mangelnde Verständnis für die Schwie­rigkeiten jener in Oesterreich-Ungarn ge­wünschten internen Reformen, die nach Ansicht Englands den Frieden zu sichern

enthaltenden Auszug.

§ 1. Zwischen den Generalstäben von Frank­reich, Großbritannien, Rußland und Italien soll unverzüglich eine Militärkonvention

Der Hafen Duräzzo kann einem unabhängigen Albanien zugeteilt

Die alte Germania.

Von Liesbet Dill.

Ich hatte ihr einen Besuch abstatten wollen auf der Durchreise von Bad-Rauheim nach Luxemburg, aus verschiedenen Gründen. Erstens, weil sie etwas aus dec Mode gekommen ist, Öie der Rhein überhaupt, leider, zweitens, weil ich sehen wollte, ob man ihr noch etwas von ihrem Unfall ansieht, den sie 1917 erlitten bat, als der Vlih in sie einschlug, und den deutschen Adler gespalten haben soll, drittens, weil ich hoffte, daß bei diesem kühlen, grauen Wetter niemand außer mir auf den Gedanken kommen würde, auf das Riederwalddenkmal zu pilgern und ich mit Fran Germania droben ganz allein sein würde...

Alles dies erwies sich als Illusion.

Graublau und regenschwer hing der Himmel über dem Rhein, als das Motorboot von Bin­gen nach Rüdesheim rauschte, und die Germama, die ich alt, verrostet und mit der ehrwürdigen Patina überzogen erwartet hatte, schwang so sonderbar unternehmend die Krone, die von wei­tem aussieht wie ein Eichenkranz, und am Fuße des Riederwaldes warteten die Reisenden in Scharen und eine Zahnradbahn nach der anderen füllte sich mit Menschen, die alle hinauf woll­ten ... Steil führt der schmale Weg zwischen Weinbergen und Eichenwäldern hinauf. Die Ger­mania nmdrängten so viel Menschen, daß man mit ihnen eine kleine Ortschaft hätte bevölkern können. Sie reckten die Hälse und lauschten dem Führer, den man vor Lieberziehern und Hüten nicht sah. Die Germania ist eine Matrone. Sechs Jahre hat man an ihr gebaut, sie ist 670 Zentner schwer. Kaiser Wilhelm I. hatte, aus Frankreich heimkehrend, diese Stelle dazu ausersehen als die schönste am ganzen Rhein. Und er hatte recht. Das .Landschaftsbild hier oben ist über­wältigend und großartig. Mit schweren Wagen wurde das Material heraufgeschleppt, 11.80 Meter ist sie hoch, diese Dame, und das Schwert, das sie noch immer in der Linken hält, ist 7 Meter lang, ihr Kopf, zu dem der Schöpfer, Professor

2. das unbesiegbare Mißtrauen gegen die durch Ludendorff verkörperte, Deutschland herrschende Richtung und endlich

Italiens ScheinVertrag mit den Mächten des Dreiverbandes

Von Graf Ottokar Czernin, k. u. k. österreichisch-ungarischem Minister des Aeußeren.

Schillings, als Modell seine eigene Tochter nahm, hat 4 Meter Durchschnitt. Es ist eine gewaltige Frau, bei der man nicht mehr fragt, ob sie schön oder häßlich sei. Als Kind fand ich sie nicht schön und sie ist seitdem nicht schöner geworden. Aber sie ist imposant, und die Stelle, auf der sie steht, ist so märchenhaft, romantisch uird so bezaubernd, daß sie selbst ein solches Denkmal aushält. An Seilen wurde die mächtige Frau heraufgeschleppt. Es war für die Monteure, die ihr den Kopf aussetzten, eine lebensgefährliche Arbeit. In dieser schwindelnden Höhe mußten sie zu einem Arm herein- und zum anbecen heraus­kriechen. Rur für Schwindelfreie! l/s Million hat dieses Denkmal gekostet. Es ist gesetzt zur Erinnerung an einen siegreichen Frieden nach dem Kriege 1870. Lieb Vaterland magst ruhig sein ...

Tief unten flieht der graue Rhein schwer und ernst, die Schisse ziehen wieder kohlenbeladen rheinauf- und abwärts. Schlösser ragen stolz und kühn. Doch alle diese Bilder find ernst und ver­ändert. Sie erinnern an alte Schwindsche Ge­mälde, die lang in der Sonne gehangen und in der Farbe gelitten haben. Ruinen, Burgen, Schlösser ringsum. Man zeigt sie heute den Kindern, wie man sie mir einst gezeigt. Aber dazwischen liegt soviel. Wandlungen sind seither vor sich gegangen. Es ist die alte Germania noch und doch ist sie verändert. Man zeigt sie, wie man eine Riesendame auf der Messe zeigt. Diese Dame wiegt 350 Pfund, bitte meine Herren, sich zu überzeugen . . . Eiserne Kreuze, Lorbeer und Schwerter, Kaiserkronen und deutsche 2Dler, die so hilflos zum grauen Himmel aufschauen . . . uird der in Eisen festgehaltene Schwur des alten Kaisers:Du Rhein bleibst deutsch wie meine Brust" . . . Drüben in Dingen marschiert ein Trupp fremder Soldaten auf und ab, uird der Rhein ist immer noch nicht frei . . . weshalb malt man den Marktplatz von Palermo und Kirchen von Verona, aber den Rhein malt man nicht mehr? Er ist schwer zu erfassen. Seine ernste, romantische Schönheit muß einem liegen.

Als ich vergangenen Sommer von Rouen

§ 15. Frankreich, England und Rußland neh­men auf sich die Verpflichtung zur Unterstützung Italiens in der Angelegenheit der R i d) 15 u l a ( jung von Vertretern des Heiligen Stuhles zu irgendwelchen diploma­tischen Schritten, betreffend den Abschluß eines Friedens oder der Regulierung von Fragen, die mit dem gegenwärtigen Krieg zuiammenhängen. ~ soll geheim-

§ 7. Wenn Italien das Trentino und Istrien gemäß § 4, Dalmatien und die Inseln des Adriati- schen Meeres gemäß § 5, sowie den Busen von Va- lona erhält, soll es im Falle der Bildung eines klei­nen autonomen neutralisierten Staates in Albanien sich nicht dem möglichen Wunsche Frankreichs, Groß­britanniens und Rußlands nach Aufteilung der nördlichen und südlichen Grenzstriche Albaniens zwischen Montenegro, Serbien und Griechenland widersetzen. Der südliche Küstenstrich von der Grenze des italienischen Gebietes Valona bis Kap Stiloa unterliegt der Neutralisierung.

Italien wird das Recht in Aussicht gestellt, d i e äußeren Beziehungen Albaniens zu leiten: in jedem Falle ist Italien verpflichtet, sich mit der Uzeberlassung eines genügend umfangreichen Gebietes an Albanien einverstanden zu erklären, so daß die Grenzen des letzteren westlich von dem Ochridasee mit den Grenzen Griechenlands und Ser­biens zusammenstoßen.

§ 8. Italien erhält zu vollem Eigentum alle von ihm jetzt besetzten Inseln des Dodekanes.

§ 9. Frankreich, Großbritannien und Rußland erkennen grundsätzlich die Tatsache des Interesses Italiens an der Erhaltung des politi­schen Gleichgewichtes im Mittelmeere an, sowie das Recht, bei einer Teilung der Türkei einen gleichen Anteil wie sie an dem Bassin des Mittelmeeres zu erhalten, und zwar in dem Teil, welcher an die Provinz Adalia anstvßt.

§ 11. Italien erhält denjenigen Teil der Kriegskontribution, welcher dem Maß seiner Opfer und Anstrengungen entspricht.

§ 13. Im Falle der Erweiterung des französischen und englischen Kolo­nial b e 1 i tz e s in A f r i k a auf Kosten Deutsch­lands erkennen Frankreich und Großbritannien grundsätzlich das Recht Italiens an, für s i ch gewisse Kompensationen im Sinne einer Erweiterung seiner Besitzungen in Erythrcia, So- maliland, in Libyen und den mit Kolonien Frank­reichs und Englands grenzenden Kolonialgebieten zu verlangen.

§ 14. England verpflichtet sich, die unverzügliche Realisierung einer Anleihe in Höhe von nicht weniger als 50 Millionen Pfund Sterling zu gün­stigen Bedingungen auf dem Londoner Markt zu erleichtern.

Hauptversammlung der hessischen Miffionskonferenz.

* Gießen, 4. Juli 1927.

Mit einem Familienabend in der Stadtkirche wurde am Sonntagabend die Hauptver­sammlung der Hessische nMifsions- k 0 n f e r e n z ein geleitet. Rach tiefempfundenem Orgelspiel des Organisten Lehrer Simon brachte der evang. Kirchengesangverein Gießen unter Lei­tung von Lehrer Linden st ruth in vollendeter Weise die Komposition des Darmstädter Kom­ponisten Mendelssohn: O, lieber Herre Jesu Christ" zum Vortrag. Professor Werner (Fried­berg), der Vorsitzende der Hessischen Missions­konferenz, eröffnete die Tagung mit herzlichen Worten und sprach von der Mission als dem nächsten Ziel des Christentums. Da die Rot der Mission heute größer ist als je, so müsse auch die Heimat größere Opfer bringen.

Sodann ergriff Llniv.-Professor D. Julius Richter (Berlin), der Vorsitzende der Bran­denburger Missionskonferenz, das Wort zu fernem -Vortrag über:Die deu t s che e v ang. Mis­sion nach dem Weltkriege". Als nach dem Weltkriege unsere ehemaligen Feinde uns die Ausübung der Mission in China verbieten wollten, wurde von den Chinesen das Bleibekr der deutschen Missionare in China verlangt. Aehnlich war es in Südafrika und Deutsch-Ost­afrika. Die LInkvsten der deutschen evang. Mission belaufen sich im Jahre auf ungefähr 4 Millionen Marr, das sind auf den Kopf der deutschen De- völkerrmg noch keine 10 Pfennige, und diese soN- ten wir Deutsche nicht aufbringen können. Der Rachwuchs der Missionare ist infolge des Krieges stark zurückgegangen, es fehlen heute in der Mission die fungen Leute. Auch hat die neue Zeit neue schwere Aufgaben mitgebracht, die von der Heimat gelöst werden müssen. Rach Chor- imb Gemeindegesang fand die erhebende Feier ihr Ende.

Am Montägmorgen um 10 Llhr fanden sich die Teilnehmer der Hauptversammlung im Jo- hannessaal zusammen. Die Versammlung war recht gut besucht, auch Starkenburg und Rhein­hessen hatten Vertreter entsandt. Der Vorsitzende, Prof. Werner (Friedberg), eröffnete di^Ver­sammlung und gab das Wort dem Llniw-Prof. D. Dr. Cordier (Gießen), der seiner Schrift­betrachtung das Wort der Heiligen Schrift:

schluß von Lissgrik und Trebinje im Norden und allen Besitzungen bis zu einer von der Küste bei Kap Planta nach Osten auf der Wassersd>eide ge­zogenen Linie im Süden. In gleicher Weise werden Italien alle nördlich und westlich der dalmatinischen Küste gelegenen Inseln zugesprochen mit allen zu ihnen gehörigen Klippen und Eilanden, aber ohne die Inseln Groß- und Klein-Zirona, Bua, Solta und Brazza.

Der Neutralisierung unterliegen: Die ganze Küste von Kap Planka im Norden bis zum Südende der Halbinsel Sabbioncello, so daß in die Grenzen der neutralisierten Zone die ganze Bucht von Cattaro mit ihren Häfen Antivari, Dulcigno, San Giovanni di Medna und Durazzo fallen, sowie die Inseln, welche Italien nicht zugewiesen werden.

Die folgenden Länder im Adriatischen Meer wer­den von den Mächten des Dierverbandes den Ge­bieten Kroatiens, Serbiens und Mont e = negros zugeteilt: Im Norden des Adriati­schen Meeres die ganze Küste, beginnend von der Bucht Volosca an der Grenze Istriens bis zur Nord­grenze Dalmatiens mit Einschluß der ganzen jetzt zu Ungarn gehörigen Küste, der ganzen Küste Kroa­tiens, des Hafens Fiume und der kleinen Häfen Novi und Carlopago. Im Süden des Adriatischen Meeres, wo Serbien und Montenegro interessiert sind, die ganze Küste von Kap Planka bis zum Flufse Drina mit den wichtigsten Häfen Spalato, Ragusa, Cattaro, Antivari, Dulcigno und San Giovanni di Medua.

und in dem Ausschaltennationaler Hege­monien" zu bestehen hätten.

Die ersten zwei Punkte bedürfen keiner Erklä­rung. Was die Aenderung der internen Struktur der österreichisch-ungarischen Monarchie anbelangte, so war der Gedanke, daß alle das Reich bewohnenden Nationen es waren deren neun gleichbe = r c d) t i g t und gleichgestellt nebeneinander leben sollten, gewiß theoretisch wünschenswert aber praktisch undurchführbar, jedenfalls so­weit sie realisierbar waren, nicht über Nacht durch­führbar. Der Plan bedingte durchgreifende Aende- rungen der Verfassung.

Mensdorff klärte die englischen Herren sachlich und eingehend über alle diese Schwierigkeiten auf und wie sehr seine Argumentation, daß nicht der schlechte Wille, sondern die Schwierigkeit der Ma­terie das Hindernis sei, richtig war, beweist der heutige Zustand in jenen Staaten, welche sich in das österreichisch-ungarische Erbe geteilt haben. Nie­mand, der die Lage kennt, wird behaupten können, daß die Magyaren in Rumänien oder die Deut­schen im italienischen Tirol besser daran seien, als die nationalen Minoritäten in der alten öster­reichisch-ungarischen Monarchie es waren.

Immerhin gelang es dem Grafen Mensdorff Smuts und Kerr die Ueberzeugung beizubringen, daß es in den Intentionen Kaiser Karls liege, die nationalen Reibungen denkbarst zu verringern.

In der Frage der territorialen Kon­zessionen, welche England von der Monarchie verlangte, erstanden neue große Schwierigkeiten, insbesondere seitens Italiens, welche aut die von der Entente so streng geheim gehalteneLondoner Konferenz" vom 26. April 1915 zurückzuführen waren, die Oesterreich-Ungarn furchtbare Opfer auf- I erlegte, und England die Freiheit des eigenen Handelns nahm. Diese Londoner Beschlüsse, welche von Grey (England), Cambon (Frankreich), Impe­rial! (Italien) und Benckendorfs (Rußland) gezeich­net waren, waren gefaßt worden, um Italien zur Kriegserklärung gegen d i e Mittel­mächte zu veranlassen, und versprachen demselben alles das, was Italien tatsächlich nach dem Nieder­bruche der Mittelmächte erhalten hat.

Für das Verständnis des weiteren ist es nob wendig, zu erklären, daß diese Londoner Beschlüsse vor Wilson geheimgehalten worden waren und er dieselben erst bei den Friedens­verhandlungen in Versailles zu Gesicht bekam. Das geschah deshalb, weil die Staatsmänner der Entente mit Recht fürchteten, Wilson werde alle diese 2(nnettionen nicht gut heißen und sein Wider­spruch werde wieder Konflikte mit Italien herauf­beschwören. Ich gebe hier aus dem Text dieses Lon- dyner Geheimdokumentes einen, das wesentlichste

Hochschulnachrichlen.

Rach einer uns soeben aus London zu- gehenden Rachricht sind die Liften für deutsche Teilnehmer an den Ferienkursen in Cam­bridge und London geschlossen worden. Man war zu dieser Maßnahme genötigt, da die An­meldungen aus Deutschland ungewöhnlich zahl­reich waren und an den Ferienkursen grund­sätzlich Angehörige möglichst vieler Rationen in entsprechendem Verhältnis teilnehmen sollen. Ernannt wurde vom 1. Oktober 1927 ab der ordentliche Professor für Mathematik Dr. Ro­bert König in M ünster i. W. zum ordent­lichen Professor in der mathematisch-naturwissen­schaftlichen Fakultät der Universität Jena. Der Oberbibliothekar in der Heidelberger Universitätsbibliothek, Dr. Max Crone, ist in den Ruhestand getreten. Dem Verleger der Danziger Reuesten Rachrichten". Senator a. D. Gustav Fuchs (ein geborener Heilbronner) ist anläßlich seines 70. Geburtstages vom Großen Senat der Stuttgarter Technischen Hoch­schule die Würde eines Dr.-Jng. ehrenhalber verliehen worden. Gleichzeitig wurde der Jubi­lar von Rektor und Senat der Technischen Hoch­schule zu Danzig in Anerkennung seines un­entwegten Eintretens für die Danziger Hoch­schule und seiner besonderen Verdienste um die studentischen Wohlfahrtseinrichtungen zum Ehren­bürger ernannt. Der außerordentliche Pro­fessor Dr. jur. et phil. Ferdinand Graf von Degenfeld-Schonburg in Würzburg hat einen Ruf als ordentl. Professor für Wirt­schaftswissenschaft an die Universität Rostock erhalten. Graf v. Degenfeld-Schonburg habili­tierte sich 1920 in Marburg >y:V *»er_ Die Motive des volkswirtscb

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Professor an die Universb

I.

Am 18. und 19. Dezember des Jahres 1917 . fanden in der Schweiz Friedensverhandlungen zwi­schen England und Oesterreich-Ungarn statt. An den­selben nahmen englischerseits General Smuts und der Privatsekretär von Lloyd George, Philipp Kerr, österreichischerseits der Botschafter Gras Albert M e n s d 0 r s s teil.

Diese Verhandlungen, welche durch einige Wochen ungemein hofnungsvoll erschienen, hatten eine lange Vorgeschichte: Knapp vor meinem Amts­antritt als Minister des Aeußern, Ende 1916, war das offizielle Friedensangebot der Mittelmächte erfolgt.

Seine unfreundliche, fast höhnende Ableh­nung durch die Entente hatte mir gelehrt, daß dieser Weg, den Frieden zu machen, nicht der richtige scheine, und ich versuchte daher andere Wege. Ich beauftragte verschiedene fähige und dis­krete Diplomaten, welche wir in neutralen Ländern hatten, auf die vorsichtigste Art und Weise ihre Fühler auszustrecken und tastend zu erforschen, ob eine Basis, auf welcher über den Frieden gesprochen werden könne, zu schaffen sei. In erster Linie be­währte sich in dieser Hinsicht der österreichisch-un­garische Legationsrat Ladislaus v. S k r z y n s k i, welcher in der Schweiz tätig war und bald zu mel­den wußte, daß englischerseits ein ähnlicher Vor­gang eingeschlagen worden sei, und daß der ägyp­tische Prinz Djemil Tussim offenbar die gleiche Mission habe, ferner ein anderer Diplomat namens P a r 0 d i, ein Engländer im ägyptischen Außen­dienst.

Die Instruktionen, welche Skrzynski erhielt, lauteten dahin, daß er vor allem alles anzuhören und jeden wie immer gearteten Friedensvorschlag nach Wien zu melden habe, und daß er zweitens ermächtigt fei, zu erklären: Oesterreich-Ungarn werde niemals einen Separatfrieden schließen: es halte sich aber für geeignet, vorerst unverantwortlich im Namen der Mittelmächte über die Friedensmöglichkeiten zu sprechen und wünsche zu roiffen, wie sich England diesen Frieden vor­stelle. Monate verstrichen, in welchen Skrzynski langsam und vorsichtig seinem Ziele näherrückte, bis er endlich anfangs November 1917 zu melden wußte, daß England die Anregung zu einer Aus­sprache gegeben habe. Das war das erste Mal, daß sich eine Stimme Lloyd Georges hörte, die nicht das drohende Grollen seiner öffentlichen Re­den wiedergab, sondern die wirkliche Stimme, und ich schlug meinem Kaiser vor, den Botschafter Graf Albert Mensdorff in die Schweiz zu senden.

Gras Mensdorff hatte für diese Mission viele Vorteile. Abgesehen davon, daß er ein kluger wie vorsichtiger un$ taktvoller ZHpIpmat war, war er jahrelang österreichisch-ungarischer Botschafter in London gewesen. Er kannte nicht nur alle maß­gebenden politischen Persönlichkeiten des britischen Reiches, er, war auch dank seiner Eigenschaften ganz besonders beliebt in London sowohl in der politischen Gesellschaft als auch bei Hofe, mit wel­chen ihn verwandtschaftliche Beziehungen verknüp­fen, und er war endlich ein Vertreter jener Rich­tung, welche erkannte, daß selbst ein Friede ohne Eroberungen und Siegespalmen besser sei, als eine Fortsetzung dieses Europa zerfleischenden Krieges. Graf Mensdorff erhielt aus dem Munde Sr. Maj. des Kaisers Karl die obenerwähnten Skrzynski ge­gebenen Instruktionen und hatte darauf am 18. und 19. Dezember 1917 in Gens Unterredungen mit Smuts und Kerr. Seine einschlägigen Berichte ge­hören zu den interessantesten Dokumenten, meldje in dem Archiv des Ministeriums des Aeußeren liegen, weil sie einen klaren Einblick in die eng­lische Psyche jener ^eit geben und folgende drei charakteristische Momente widerspiegeln:

nach Le Havre wollte, riet mir dec Reisebureau - Ijerr in Paris zur Fahrt auf der Seine, weil sie viel schöner sei als der Rhein. Er kannte Mayence, er war an bord du Rhin gewesen. Welcher Franzose von heute kannte den Rhein Milcht? Lind diese Fahrt ist reizend und stimmungsvoll, aber der Rhein ist es nicht. Ihr fehlte alles, was dem Rhein feinen Zauber verleiht, es fehlten die Burgen, die Romantik, seine tragische Gröhe. . .

In das eiserne Gewand der Germania sind deutsche Märchenmotive gewebt, Schwäne und Genovefa, Siegfriede und Drachen... Sagen und Märchen umschweben den Rhein . . . 2llle diese CH amen des Denkmals: Metz, Mars la Tour, Sedan und Spick)ern stimmen melancholisch, alles das ist fast sagenhaft geworden, wie das ganze Denkmal. Hinter der Germania im Eichenwald liegt, vom Blitz gefällt, der Stamm einer alten Eiche ... an dem Denkmal selbst sieht man keine Spuren mehr. Durch enge Weinbergs­gassen gehts steil bergab. Ich folge einer Schule. Die Buben haben sich Eichenbüsche an die Hüte gesteckt, dieser kleine Zug gleicht einem wandern­den Eichenwald. Er geht in einer Staubwolke bergab. Sie haben die Germania gesehen, sie waren am Rhein. Ernst und fttK umfließt der graue Strom die leichten, eleganten Rhein­brücken, die schwimmenden grauen Inseln und den zierlicheir Mäuseturm an dem Binger Loch. Die Weinberge sehen von weitem aus wie ge­flickte, große bunte Süd>ec, und vor mir der wandernde Wald beginnt zu fingen. Das Wandern, das Wandern. Sie haben die alte Ger­mania längst vergessen, sie denken an das weihe Schift, das sie heimwärts trägt, an die Mutter, der sie erzählen werden, wir haben die Ger­mania gesehen. Die Sonne blickt durch die graue Wolkenwand, und am Fuße des Riederwald toarten schon neue Wandervögel und Schulen und Vereine. Unter den Weinbergen, die blühend grün schimmern, leuchten die graublauen Schiefer­dächer uralter Weinstädtchen, Burgen stehen stolz und kühn, und auf den Schiften flattern bunte Fähnlein im Sommerwind. . «

schlossen werden.

§ 2. Seinerseits verpflichtet sich Italien, mit allen ihm ßur Verfügung stehenden Mitteln den Feldzug einheitlich mit Frankreich, Großbritannien und Rußland gegen alle mit ihnen krieg­führenden Staaten zu führen.

§ 3. Die Seestreitkräfte Frankreichs und Groß­britanniens sollen Italien ungeschwächten aktiven Beistand bis zur Vernichtung der öster­reichischen Flotte oder bis zum Augenblick des Friedensschlusses gewähren. Zwischen Frank­reich, Großbritannien und Italien soll unverzüglid) eine Marinekonvention abgeschlossen wer­den.

§ 4. Beim kommenden Friedensschluß soll I t a - lien erhalten: Das Gebiet des Trentino, ganz Südtirol bis zu seiner natürlichen geographischen Grenze, als welche der Brenner anzusehen ist, Stadt und Gebiet von Triest, die Grafschaften Görz und Gradiska, ganz Istrien bis zum Quarnero mit Ein­schluß Volo'scas und der istrischen Inseln Cherso und Lussin und gleichfalls der kleineren Inseln Plaw- nica, Unie, Canidole, Pala,zzoli, sowie der Inseln St. Peter von Diembi, Asinello und Gruica nebst den benachbarten Inseln.

§ 5. In gleicher Weise erhält Italien die Pro­vinz Dalmatien in ihrer jetzigen Gestalt mit Ein-

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