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Nr. 54 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Samstag, 5. März (927

ugenD nicht nur unschätzbare bietet, sondern auch solche

DeS

sich

lur 4 Pfenni" kostet MAGGI* FleischbrOti-Würfe!

Achtung auf dan Namen MAGGI und die gelb-rote Packung.

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Der

Der

MAGGI5

HeischbrÜb- Würfel

Allerdings greifen nun die Aufgaben Berufsberatung jeDergeit über Die Grenzen

Einfach in l/4 Liter kochendem Wasser aufgelöst, gibt der Würfel gute, kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Ver­bessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art.

der Erholung geben. Die möglichst in einer schönen Landschaft, lern Den ausgehungerten Großstädten lagen. SrübAettig erkannte man aber, daß DaS

Leben im Helm Der 3i gesundheitliche Werte

VersuchsleiterS entzogen bleibt, und DaS V ' gleichmäßig nach einem objektiven Maßstab be> werten läßt.

(Eignungsprüfung und Berufsberatung

Don Dr. OttoÄlemm, <to. Prvfesior Der Psychologie an Der Universität Leipzig.

Eignungsprüfung ein Bild von Dem inneren Pro­file einer Persönlichkeit, DaS Der Willkür

gebracht bat, erfordert meist auch von Dem oft zu Unrecht so genannten Handarbeiter ein Matz von Intelligenz, DaS hinter dem manche« Kopf­arbeiters nicht zurückzustehen braucht.

So entstand also eigentlich für jede Art von Eignungsprüfung die Aufgabe, an irgendeiner ©teile auch eine Intelligenzprüfung vor­zunehmen. Man hat eS gelernt, eine Reihe von Einzelfunktionen in ejafter Weise au bestim­men, die solchen Intelsigenzleistungen Dienen; DaS Gedächtnis und die BegrifsSbildung, Die Auf­merksamkeit unD Die Kombination, Die Kritik­fähigkeit unD Das Achten auf DaS Wesentllche u. a. DaS klingt alle« sehr einfach, und e« ist wahrsich keine große Kunst, nach Den bereit- licgenDen Methoden Der Psychologie einen Ge- dächtniSverfuch anzuftellen. Aber wie so manches Mal in Der Psychologie, wohnt Dicht neben Dem Sinsachen und leicht Faßlichen DaS schwer Be- greisliche. ES geht nicht an, Dah wir etwa Die Intelligenz DeS Menschen einfach alS eine Art von Mittelwert solcher einfacher unD leicht be­stimmbarer Funktionen aus drücken. Wir kennen solche Fälle, in Denen bei einem Menschen Diese einfachen Sunfttonen. wie etwa DaS Gedächt­nis oder Die Aufmerksamkeit, s chlecht entwickelt sind, uni> Doch gewaltige Intelligenz- lei st u n ge n zustande kommen. Die Anekdoten von Der Vergeßlichkeit oder Der Zerstreutheit mancher berühmter Gelehrten mögen stark über­trieben sein. Immerhin schimmert eS in ihnen Durch, Daß Die Intelligenz einer Persönlichkeit nicht ausschließlich nach solchen einzelnen unD nur für Den Zweck DeS Versuches isolierten Funktionen, wie Gedächtnis und Ausmerksamkeit beurteilt werden Darf. Wir meinen eben mit Intelligenz nicht, daß Der Mensch ein gutes Gedächtnis und eine normale Aufmerllamkeit habe, sondern wir meinen, daß er die Höye eine# be-

und sonstigen Veranstaltungen der Schule und durch Spenden wohlhabender ©önner Der An­stalt oder Freunden der guten Sache. Es ist zu hoffen, Dah auch Der Staat und Die Kommunen ihr Interesse an Der guten Sache durch Gewäh­rung eine« Zuschusses bekunden.

Während im Reich der Landheimgedanke gro­ßen Anklang gefunden hat im Jahre 1926 sind 20 neue Heime errichtet worden, hat in Hessen Die Echullandheimcewcgung noch nicht sehr an Boden gewonnen. Soweit bekannt ist, besitzt Die Eleonorenschule in Darm­stadt al« einzige hessische Schirle ein Landheim. Auch für die hessische Jugend in Den größeren Stabten würde diese Einrichtung von großem Segen sein; auch sie steht noch heute vielfach unter Der Rachwirkung Der Krieg Lerna hrung. Es ist eine unabweisbare Pflicht. Dafür zu sorgen, daß eine an Leib und Seele gesunde Jugend heranwächst I

stimmten geistigen RiveauS erreicht habe, die sich alS Elgenschast seiner Gesamtpersönlich, feit in allen seinen Sinzelhandlungen bekunden kamt.

UnD damit komme ich zu Dem entscheidenden Punkte; Die Psychologie unserer Tage beginnt immer entschiedener jene Meinung abjuftreifen, daß man einen Menschen alS eine Summe seiner SinAeleigenschasten ersasten könne, sondern darüber hinaus ist Die Art, wie jich diese Ei- genschastcn verbinden, ist diese innercStruk- lut, dieses Gesamtgefüge für Die einzelne Per­sönlichkeit charakteristisch. Ich bezeichne in die­sem Sinne auch die Intelligenz al« ein solche« Merkmal der menschllchen "Persönlichkeit. olS ihre Empfänglichkeit für Die sinnvolle Verknüpfung von Sachverhalten unD ihre Zähigkeit, diese sinnvollen Zusammenhänge der unS umgebenden Wirklichkeit nachzuerleben und zu gehalten. Wer von diesen theoretischen Vorstellungen bei einer Intelligenzprüfung Gebrauch machen will. Der wirk) also nicht nur Die vorhin genannten Einzelsunktionen aufsuchen, sondern wird auch seine Versuchspersonen in solche Situationen brin­gen, in denen sich die Empsänglichkeit für die sinnvolle Verknüpfung von Sachverhalten zeigen kann.

ViSweilen glückt die« mit ganz schlichten Fragestellungen; Zwei Araber lassen sich in einer Wüste nieder zum Esten. Der eine hat drei Vrote, Der andere fünf Vrvte bei sich Ein Fremder gesellt sich zu ihnen unD will mitessen. Sie teilen nun den Vorrat in Drei gleiche Teile. Zum Danke gibt Der Fremde Den bei Den Ara­bern acht Goldstücke. Wie werden Die beiden teilen? Hier meint der naive;natürlich kriegt Der eine fünf, unD Der andere Drei Go IDstücke", während Der Intelligente noch eine andere Mög­lichkeit sieht:Jeder Teilnehmer an dem Mahl hat acht Drittel Vrote gegesten. Der Desitzer Der fünf Vrote gab von seinen fünfzehn Drittel Broten sieben Drittel an Den FremDen, Der Besitzer Der Drei Brote gab von seinen neun Drittel nur ein Drittel an ihn. Also kommen jenem sieben GolDstücke, Diesem nur eines zu.

WaS ich hier an Dem Beispiele Der Intelli­genz zu veranschaulichen suchte, DaS gilt nun auch für zahlreiche anDere Tätigkeiten, für Die Leistungen Der Sinnesorgane und für Die Ge­schicklichkeit Der arbeitenden Hand, für den Ar­beitsstil de« Rlenschen und auch für seinen ästhe­tischen Geschmack, Der etwa bei Der SchneiDerin erforderlich ist? Es entsteht bei einer solchen

Schullandheime.

Die Schullandheime verdanken ihre Entste­hung nicht einer schon jahrelang vorher vorhan­denen Landheimbewegung; weder auf pädago­gischen Kongressen, noch in theoretischen Abhand­lungen wurde in langem Für und Wider über ihre Notwendigkeit gestritten. Sie waren eine« Tage« da. AuS Der Rot Der Zeit geboren, ent­stand während DeS Kriege«, hauptsächlich aber in den ersten RachkriegSjahren, überall im deut­schen Reiche, vollständig unabhängig voneinander, eine große Anzahl von Schullandheimen. Ohne Zweifel ist der Hauptgrund dieses plötzlichen Ent­stehens in Der unsäglichen körperlichen Rot zu suchen, die gerade die deutsche Jugend durch die SrnährunaSschwierigkeiten der Kr-iegSjahre litt Man wollte den unterernährten Kindern Stätten

Eignungsprüfung hinaus. Die Berufsberatung nimmt Die Ergebnisse Der Eignungsprüfung nur al« Grundlage und sucht nun einen versön - lichen Kontakt mit Dem Jugendlichen zu ge­winnen, der möglichst viel von Berus «Neigungen und auch von der Wertbildung Der jugendlichen Seele enthüllt. Der Berufsberater muh Dabei einen solchen Lieberblick über Die Wirtschaftslage haben, daß er Den jungen Nachwuchs nach Mög­lichkeit auch an Die wirtschaftlich aus­sichtsreichsten Stellen leitet, und er muh e« verstehen, jugendliche BerufSwünsche mit über­legenem Geschick an diese Realitäten DeS DaseinS anzupassen. Denn Die Wirtschaft folgt ihren eigenen unerbittlichen Gesetzen, unD Da« hem­mungslose Zuströmen in einen besonders begehr­ten Beruf, z.D. in den De« Automobilschlossers, könnte durch Lieberfüllung zu Den schwersten Rachteilen führen. Der Berufsberater lernt es auch zu unterscheiden, ob irgendeine DerufS- neigung sich vor allem an Den zukünftigen Ar­beit- ertrag, also an Einkommen, soziale Stel­lung u. a. knüpft, oder ob sie sich an Den ArbeitS- Vollzug selbst knüpft, also an Da« Umgeben mit Dem Material, an Die Ausübung einer Ge­schicklichkeit, und er schätzt diese zweite Art von Motiven höher ein, als jene ersten. Mit alledem eröffnet sich ein Feld rein persönlicher Betäti­gung, die sich kaum in feste Regeln bringen läßt. In DiesePraxiS deS Berufsberaters gehen Die nach der Theorie gewonnenen Ergebnisse der Eignungsprüfung als eine sichere Grundlage ein. Theoretiker und Praktiker müssen sich vertrauens­voll Die Hand zum Bunde reichen, sie müssen sich gemeinsam jener hohen, ethisch wertvollen Ausgabe unterorDnen, eine junge Individualität dorthin zu führen, wo sie sich mit ihrer Lim weit in Harmonie befindet, und in der Persönlichkeit Des Berufsberaters muh diese Aussöhnung zu einem starken Erlebnis werden; Dann, aber auch erst dann, ist Der Sinn einer psychologischen Berufsberatung erfüllt.

Oberhessen.

Landkreis Wicforn.

Wieseck, 4. März. Zu Der Mitteilung de« Evangelischen Pfarramts tn Rr. 52 De« .©ich. An^" schreibt unser Li-Berichterstatter. .Ss muh zunächst sestgestellt werden, daß Der fragliche © c meinberal-bertcht in möglichst kurzen Zügen Den tatsächlichen Verlaus der Sitzung w.Derspicgelte. Wenn Pfarrer Gatt« I e r mit dem dort Gesagten mcht einverstanden ist, so kann ihm DaS niemand wehren, fraglich ist nur. ob Die Art und Weise, wie er Die« zum Ausdruck bringt, die richtige ist. Dah Der Rechts­streit nicht allein um die Kirche ging, weih in Wieselt jedermann. Man sagt einfach .Kirche" und meint Dabei nicht allein DaS GotteShauS, sondern alle« dazugehörige, ebensogut wie Da« Wort .Kirche" im Sprachgebrauch nicht allein eine Sache, sondern je nach seiner Anwendung einen Begriff bedeutet. Dah Die .Kirche" nicht um Die Gewährung eine« vorläufigen Kredit« nachgesucht habe, ist Dem Berichterstatter neu. Denn für jede Summe, Die nicht im Geldschrank Der Gemeinde liegt, muh der GemeinDerat einen Kredit" bewilligen, und Da der Gemeinderat weih, dah Der für Die Kirche bewilligte Kredit gewissermaßen nur eine Abschlagszahlung war. bezeichnete er ihn al« .vorläufigen". D. h, eS folgen noch weitere nachl Dah Der ÄtcDd sich auf die Rechnungsjahre 1925 und 1926 be­zog, ging aus Der öffentlich angeschlagenen Tages­ordnung Der DemeinDeratSsiyung hervor, e« konnte also in diesem Falle beim besten Willen nicht ander« berichtet werden. Auch Die Wen­dung .um ihren Verpflichtungen nachzukommen" wird in jener Mitteilung beanstandet. Die star­ken Geldbedürfnisie de« evangelischen PsarrarntS haben ihren Llrsprung in Den umfangreichen Er­neuerungsarbeiten (inwieweit Der Gemeinderat als der geldgebende Teil hierbei gefragt wurde, soll hier nicht erörtert werden). Die Die Arbeiten aussührenden Handwerker haben natürlich für ihre Leistungen Bezahlung zu verlangen Anders­herum nennt man daS auch; der Auftraggebende (hier die Kirchengemeinde) hat gegenüber den Ausführenden (Den Handwerkern) Verpflich­tungen zu erfüllen, nämlich zu bezahlen Diese Verpflichtungen können aber nur erfüllt werden wenn Geld Da ist. unD Deshalb sollte Der GemeinDerat welche« bewilligen! Diese nach- ttäglichen Gedanken finden eine wirksame ilntcr- stützung in Den Ausführungen, die DaS Gemcinke- ratSinitglied Kümmel in fraglicher Sitzung machte. Gewifsermahen als Berichterstatter Der Finanzkommission begrünDete Demeinderat Küm­mel Die Bewilligung Der 1500 Mark damit, .daß Die Handwerker DaS evangelische Pfarramt auf Bezahlung ihrer Rechnungen Drängen". Lind hierzu sollte Geld bewilligt werden Dies ist Doch so einfach, Daß eS da nicht« zu .berichtigen" gibt. Die weiteren chronologischen Ausführungen Dürfen hier übergangen werden davon ist in jener Gemeinderatssitzung kein Wort gefallen, und eS ist Darüber auch nicht« berichtet worDen Da« Schwergewicht wird auf die Ent­schiedenheit verlegt, mit Der Der Vorwurf, der Demeinderat werde im unklaren dar­über gelassen, wie sich die Ausgaben zusammen- setzen, zurückgewiesen wird. Hierzu da« solgende: Der ^-Berichterstatter wohnt seit länger alS sieben Jahren jeder GemeinderatSsitzung bei und weiß, daß selten« de« GemeinderatS oft Klage darüber geführt worden ist, dah ihm über die Verwendung Der für kirchliche Zwecke be­willigten Gelder nicht die gewünschte Darlegung Der Einzelheiten gegeben werden konnte. Zu untersuchen, nach welcher Seite hin hierbei ein Verschulden liegt, ist nicht Sache de« Bericht­erstatters; er hat nur Die Verpflichtung. baß, wa« von Dem Gang Der Verhandlungen im GemeinDerat für die Öffentlichkeit von Interesse ist. objektiv zu berichten.

Isi im GemeinDerat etwa« Ver­kehrte« gesagt, so müßte es Dann dort be­richtigt werden, und dann käme e« tn Der Be­richterstattung wieDer in Die Öffentlichkeit Aber auch in Der .berichtigten" Gemeinderatssihung konnte nicht gefügt wer Den, wie sich die an- gef orderten 1500 Mark zusammenfehen. Diese Feststellung im Sitzungsbericht entspricht völlig Der Wahrheit, Denn Diesmal erfuhr Der Ge­meinDerat, weshalb ihm die gewünschte Auf­stellung nicht vorgelegt werden konnte. Der Ge­meinderat Kümmel ertlärte nämlich, der Kirchenrechner Schneider habe ihm mitgeteilt, dah er eine Ausstellung Der zu tätigenden Aus­gaben angefertigt habe, Pfarrer Sattler habe diese aber verloren, und daS versprochene Ersah- schriftstück für Da« verlorengegangene lag Dem Gemeinderat nicht vor. Dah Pfarrer Sattler die Vorlage Der Aufstellung Der Einzelposten für Die Ratenzahlungen nicht für nötig hält, ist eine Angelegenheit. Die er mit Dem Gemeinde- rot. aber nicht mit Dem Berichterstatter auszu­fechten hat. Der sich für seine Person DagcqerX verwahrt, in Dieser Eigenschaft für Die scheinbar mangelnde »Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinde" verantwortlich gemacht zu toerben. Im übrigen ist ja auch die Verpflichtung der politischen Gemrinde zur Zahlung eingangs De« umstrittenen Berichts vermerkt worden. «In der Mitteilung De« Evang. Pfarramts Wirieck in Dr. 52 befindet sich in Seife 33 von rben ein Fehler; eS muh dort anstatt .Grundstück" richtig .Kirchengebäude" heißen. D. Red.)

£ Lollar. 4. März. AuS Der gestrigen GemeinderatSfihung ist als bfonder« be­merkenswert zu berichten: Zur Durchführung deS OrtSbauplaneS für das neue Baugelände .Aus Dem Stein" (über dessen Erschließung wir kürzlich berichteten) ist Der Liebergang von etwa 400 Quadratmeter Gelände De« Maurer­meister« Heinrich Deibel an Die Gemrinde für Die neu anzulegende Straße erforderlich. Der

einem einwöchigen Aufenthalt in der Regf 10 bi« 15 Mk. nicht überfteigen, wenn die Fahrtkosten sich nicht allzu hoch stellen. Der Lehrer besorgt Die Fahrkarten und vermittelt den Ankauf Der Le­bensmittel, Die am besten bei Den Dauern selbst, oder in den Geschäften des Orte« erworben wer­den. Das hllft mit, ein gute« Verhältnis zur Landbevölkerung zu schaffen. Auf ärmere Kinder wird weitestgehende Rücksicht genommen, sie be­zahlen entweder nur einen Teil de« Derpfle- gungsgeldeS oder gehen ganz umsonst mit Die etwaigen Kosten für Die Verzinsung Der Kauf- fumme bzw. für Die Miele, für Die Instandhaltung deS Hauses, für Heizung und Beleuchtung, für Reuanschasttmgen usw. werden au« Der Haupt­kasse bestritten. Sie wirD gespfst Durch freiwillige Beiträge oDer MitglieDerbeiträge Der zu einer .LanDheim-BerelnigungE .ufanunenge» schlofsenen Elternschaft Der betreffenden An­stalt, durch Llcberichüsse aus Vorträgen. Konzerten

erzieherischer An in großer Zahl. AuS diesem Grunde sind mit Der Besserung Der EmährungS- verhältntsse nicht etwa Die Land Heime wieder verschwunden, e« ist im Gegenteil jetzt eine große Landhelmbewegung entstanden, die die Ausmerk­samkeit weiter Kreise Der Eltern- und Lehrer­schaft aus sich zieht. SS bestehen heute in Deutsch­land etwa 140 Schullandheime.

Worin liegt nun Der große .Wert eines Aufenthalts Im Landheim? Sine Hauptbedingung ist die Forderung der Gfundheit. Der Aufenthalt in Der frischen Luft beim Wandern ober Spielen, Die kräftige Kost, daS Baden, sowohl im Wasser al« auch In Der Sonne, unD Im Winter Da« Rodeln und Schnceschuhlausen helfen Die Ge­sundheit kräftigen. Ebenso wertvoll al« Die For­derung Der Gesundheit ist aber die erzieherische Wirkung eine« LandheimS. Don großem Wert Ist die Pflege des Gemeinschaftsgefühl«. Ohne peinlichste Ordnung geyl e« im Heim nicht ab. Die Kinder werden planmäßig an Ordnung gewöhnt. DaS Zusammenleben vieler Kinder be­dingt Unlerorbnung befl einzelnen. Eigenwillig­keit, Llnduldsamkett und Unfreundlichkeit können nicht geduldet toerben. Der Lehrer lernt feine Schü ler in Der Ungezwungenheit De« ftänDiaen Beisammensein« besser kennen; hier Draußen entwickelt sich oft ein Vertrauensverhält­nis zwischen Lehrern und Schülern, da« Im Link erricht nicht immer erlangt wird.

Wie ist ein solche« Heim eingerichtet? 2tm erstrebenswertesten ist eS natürlich, wenn das Lanbheim Eigentum Der betreffenden Schule wird; rst die« nicht zu ermöglichen. Dann muß eS in Pacht genommen toerben. DaS Heim soll in land­schaftlich schöner Gegend, nicht allzu weit vorn Schulort, liegen; liegt eS m einem Ort, der Bahnstation Ist, so ist da« sehr an genehm, e« muß Die« aber nicht Bedingung fein. Sehr wün­schenswert ist e«, wenn das Heim etwaS abseits von Den übrigen Häusern de« Dorfe« liegt, einen geräumigen Hof und einen möglichst gro­ßen Garten bat. Im Hause selbst sind eine ge­räumige Küche, ein Wohnraum und verschiedene Schlaf räume nötig. Alle Räume müssen in ge­sundheitlicher Beziehung eintoanDfoei; die Schlaf­zimmer insbesondere lustig und sonnig sein. Die biS jetzt In Deutschland bestehenden Schulland­heime haben die Gegenstände, die sie zur Innen­einrichtung benötigten, zumeist auS Beständen de« alten Heere« erworben. DaS ist in Zukunft nicht mehr möglich; Die jetzt neu erstehenden Heime werden nach dieser Richtung hin größere Schwierigkeiten haben. ES ist aber auch gar nicht nottoenbig. daß von Anfang an die gesamte Innenausstattung lückenlos vorhanden ist; sie kann von Jahr zu Jahr ergänzt werden, ihre Beschaffung wird dadurch erträglicher. Die Aus­schmückung der Räume mit Bildern, Decken usw. braucht kaum Geld zu kosten. Linker den Kindern befinden sich soviele künstlerische Kräfte, die gern mithelsen werden, durch eigene Kunst daS Heim zu verschönern.

Wie ist da- Leben tn einem Schullandheim? DaS Heim wird nicht etwa bloß währetrd der Ferien benutzt, dann käme c« ja nur einem kleinen Teil der Schüler zu gute. Rein, jede Klasse Der Schule geht während Der Schulzeit, im Jahr in Der Regel ein- bl« zweimal, mit ihrem Lehrer auf eine Woche oder länger tn da« Landheim. Selbstverständlich ist eine Störung De« Llnterrichtsbetricbes Damit verbunDen. Die aber behoben werben kann. Die Kinber nehmen außer Dem Waschzeug Die notwendigsten Wäsche- und Kleidungsstücke mit. Knabenschulen benötigen für daS Kochen und Die sonstigen Arbeiten im Heim eine Wirtschafterin; für Mädchenschulen ist Diese entbehrlich, toeil Die Schülerinnen der Oberklassen diese Arbeiten selbst verrichten kön­nen. Die meisten Heime werden das ganze Jahr hindurch benutzt. Eigerülicher planmäßiger Linter- richt wird draußen nicht erteilt, wenn sich irgend­wie Gelegenheit zur Belehrung bietet, wird diese selbstverständlich benutzt. Bei gutem Wetter wer­den täglich Wanderungen in die Umgebung de« Heim« unternommen, ober e« werden Spiele un Hof ober im Garten veranstaltet; Die Kinder sollen sich möglichst vtel in frischer Luft bewegen. Die Verpflegung besteht in guter, kräftiger Land- kost. Die einerseits wohlschmeckend, zum andern aber auch so preiswert sein muß. bah allen Kindern ber Aufenthalt im Heim zu erschwing- sichen Preisen möglich ist. Die Mahlzeiten wer­den, wenn irgend möglich, im Freien einge­nommen.

Wie werden Die Kosten Der Erwerbung unD Erhaltung De« HeimS und die Der Verpflegung gedeckt? ES wird als zweckmäßig empsunden. Die Verpflegungskosten gesondert von Den übrigen Ausgaben zu behandele Jede hinauSzlehenbe Klasse muß Die Kosten für ihre Verpflegung selbst aufbringen. Vor Der Abreise händigt jeder Schüler seinem Lehrer Den Betrag. Der für B.chnsahrt und Verpflegung notwendig ist, aus. Er wird bei

Die vfycho logischen Eignungsprüfungen, die sich jetzt oei allen gröberen BerusSämtern durch- zusetzen beginnen, gehen auf eine Erforschung der Anlagen zurück, über die die Psychologie lange vor derlei praktischen Anwendungen nach- gedacht hat. Gewiß verraten sich manche aus­geprägte Begabungsrichtungen gleichsam auf den ersten Blick. Wer eine vorgespielte Melodie auS Dem Gedächtnis nachzusingen vermag, hat eben sicher einen gewissen Grad musikalischer Be­gabung. Wer unmusikasisch ist, erlernt c« niemals, mag er sich auch noch so sehr Darin üben. Ob jemand farbenblind ist, läßt sich ebenfalls nach einfachen Methoden mit hinreichender Sicherheit auSmachen, und feine Hebung vermag diesen LristungSauSsall auszugleichen.

DaS ist alle« einfach und leuchtet sofort ein. Aber nun erhebt sich Die ernste Frage: Gibt es auch für Die vielen anderen Tätigkeiten, die Der einzelne Mensch in einem Berus auSzuübcn hat. eine solche Anlage, und ist bife Dann auch einer experimentellen Feststellung zugänglich? Dife Frage reicht im Grunde genommen weit über Den Bereich einer EignungSprüsung hinaus. AuS Dem griechischen Altertum wird un« vom Philosophen Zeno eine Anekdote erzählt die tn ihrer Mischung von Tiefsinn und Hetterkeit wirk­lich die Worte eine« Weisen toieDcrgibt. Zeno lehrte, daß alle Handlungen De« Menschen au« seiner Veranlagung, eben au« seinem Gha- raller notwendig hervorgehen. Einst ertappte er einen ferner Sklaven beim Diebstahl, und begann ihn njit Der Peitsche zu züchtigen. Der Sklave sucht sich Den Schlägen zu entwinden: .Rach deiner eigenen Lehre o Meister, ist doch alles in der Welt vvrherbeftimmt. also auch, daß ich stehlen mußte." .Aber eS ist auch vor her be­stimmt," entgegnete ihm Der Weise, .daß ich dich züchtig. Also die Einsicht tn Den Zusammen­hang Der menschlichen Handlungen und mensch­lichen Leistungen mit ihrer Grundlage in Der Veranlagung De« einzelnen tut Dem Bewußtsein Der Verantwortlichkeit und Der Ausgabe, an Der eigenen Vervollkommnung mitzuarbeiten, keinen Abbruch

Schwerer aber ist e«, zu entscheiden, ob denn im einzelnen Falle DaS Verhalten DeS Menschen wirklich aus einer psychologisch erfaß­baren Anlage hervvrgeht, oder durch 11 e b un g und andere zufällige Llmstände bestimmt ist.

E« ist unS durchaicS geläufig, etwa von tn* teUigenfen und nicht inteuigenten Menschen zu sprechen: wir alle haben die Erfahrung gemacht, daß sich zwar manchmal in dem Verhalten eine« Menschen intelligente und nicht intelligente Hand­lungen miteinander mischen, daß aber Doch Da« Lieber gewicht De« einen ober DeS anderen Ver­halten« bet Den einzelnen Menschen sehr ver­schieden sein tarnt Ri em and zweifelt ferner Daran, daß für alle einigermaßen qualifizierten Berufe ein gewisser Intelligenzgrad un­erläßlich ist. Die Verfeinerung Der Arbeit«-