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Fernsprechkabel Deutschland Oesterreich.

Begrüßungsansprachen der Staatsoberhäupter.

Wien, 4. San. (WTB.) Der Fernkabel- verkehr DeutschlandOesterreich ist heute vor­mittag durch einen Festakt im Zeremoniensaal der Hofburg feierlich eröffnet worden, an dem der Bundespräsident Hainisch, Bundeskanzler Seipel sowie die Vertretungen der auswärtigen Staaten, außerdem die Spitzen sämtlicher bundesstaatlichen und sonstigen Be­hörden in Wien, nebst den führenden Männern von Handel, Industrie und Presse teilnahmen. Die österreichische Post- und Telegraphrnverwal- tung war durch ihren Generaldirektor Hoh­eisel, die Deutsche Reichspost durch den Reichs- Postminister S t i n g l und Ministerialdirektor Dr. Grüner vertreten. Der Festakt wurde um 10.15 Uhr eröffnet, indem

_ Bundespräsident hainisch ein den Reichspräsidenten von Hinden­burg über die neue Linie die folgenden Worte richtete:Herr Reichspräsident! Ich eröffne die Benützung der neucrbauten Fernkabellinie WienNürnberg mit dem Ausdruck meiner persön­lichen SZerehrung und den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen. Ich spreche meine aufrichtige Befriedi­gung über die glückliche BoUendung dieses gemein­samen Werkes unserer Verwaltungen aus und er­warte mit Zuversicht, daß der neue Verkehrsweg seine Aufgabe, den Fernsprechverkehr zwischen Oesterreich 'und Deutschland zu verbessern und neue Sprechdeziehungcn mit anderen Staaten zu ermög­lichen, in vollem Matze erfüllen wird."

Der Reichspräsident erwiderte: .Herr Bundespräsident! Für die freundliche Begrüßung bei der Eröffnung der ncucrl)auten Fernkabnlime WienNürnberg und für die meiner Person gellenden guten Wünsche danke ich verbindlichst und erwidere sie aufs herz­lichste. Es darf uns und unsere Verwaltungen mit besonderer Freude erfüllen, daß Has Jahr 192?, welches uns das 50jährige Jubiläum der Ein­führung des Fernsprechers in Europa bringt, mit der Vollendung dieses wichtigen Verkehrsweges zwischen Deutschland und Oesterreich beginnt. Möge das neue Kabel dazu dienen, den geisti­gen und wirtschaftlichen 3usammen- hang zwischen unseren Volkern noch enger zu gestalten, und möge es sich zu einem wichtigen Zwischenglied für den europäischen Ge°- famtverkehr entwickeln."

Daran schloß sich ein Gesprächswechsel zwi­schen Bundeskanzler Dr. Seipel und Reichs­kanzler Dr. M.a r x. Hierauf folgte die Er­öffnungsansprache des Bundesministers für Han­del und Verkehr, Dr. Schürff, dir mit be- fonberer Wärme Reichspostminister S t i ng l be­grüßte und den Anteil der Deutschen Reichs­post an dem Zustandekommen des großen Werkes hervorhob. Auch der Bundespräsident gedachte mit besonders herzlichem Dank der tätigen, Hilfe der Deutschen Reichspost. Reichspostminister 6 t i n g l erkannte mit warmen Worten die bei der Ausführung des schwierigen Werkes be­wiesene Leistungsfähigkeit der österreichischen Postverwaltung und der österreichischen Technik an. Der Generaldirektor der österreichischen Post- und Telegraphenverwaktung. Hoheisel, be­zeichnete es als notwendig, in rascher Folge die -anderen wichtigen Linien in Angriff zu neh­men und zu vollenden. Für den Frühsommer stände die Fortsetzung des Kabels von Wien bis Budapest in sicherer Aussicht.

Die Anklage gegen Barmat und Genossen.

Berlin, 5. Ian. Am Dienstag kommender Woche nimmt vor dem Schöffengericht Berlin- Milte der Riesenprozeß gegen Barmat und zehn Genossen seinen Anfang. Man rechnet vorläufig 4iiit einer Verhandlungsdauer von ca. neun Monaten. Das Aktenmaterial füllt ein ge­räumiges Zimmer bis an die Decke. Die An­klageschrift ist ein Buch von 648 Sei­ten in Folioformat. Zum erstenmal in der Ge­schichte der deutschen Justiz hatte es sich als notwendig erwiesen, die Anklageschrift drucken zu lassen. Vorläufig sind allein von der Anklage­behörde mehrere Hundert Zeugen und sieben Sachverständige geladen worden.

Aus dem hessischen Landtag.

Die beut|d)nationale Fraktion beantragt: Der Landtag beschließt: Die Regierung um beschleunigte Vorlegung von Gesetzentwürfen folaenden In­halts zu ersuchen: Verringerung der Zahl der Land­tagsabgeordneten um 20. Dereinfachunb in der Smatsleitung unter Anlehnung an frühere Ver­hältnisse. Herabsetzung der Ministerbezüge. Neu­regelung der Ministerruhegehalte in Anlehnung an das preußische Ministerpensionsgesetz vom 13. Juni 1924.

Die deutschnationale Fraktion beantragt, die Re- rnerung um schleunige Vorlegung eines Gesetzent­wurfes zu ersuchen, der die Verlängerung der Man­datsdauer für den im Herbst neuzuwählenden Land- i ig und dessen Nachfolger von 3 auf 4 Jahre vor­sieht, und die Verbindung eingercichter Wahllisten gestaltet.

Die sozialdemokratische Fraktion beantragt: Der Landtag »volle beschließen, die Regierung zu er­suchen, bei der Reichsregierung dahin vorstellig z»t werden, daß sofort und ohne Verzug Maßnahmen zur Sicherung einer gleichmäßigen und gerechten Durchführung des Reichsbewertungsge­setzes ergriffen werden, damit die der hesfis.ben Wirtschaft drohenden Gefahren einer stärkeren Her- «nziehung zu Reichcstcucrn unterbunden werden.

Die amerikanische Politik in N caragua.

Washington. 4. Jan. (Reuter.) Ist der Umgebung des Präsidenten Coolldge spird die Meinung vertreten, daß die Vereinigten 6.aalen von Amerika gezwungen sind, ihre Politik "gegenüber Ricaragua zum Schutze des Lebens und Eigentums b«r amerikanischen Staatsange­hörigen fortzusetzen, zumal es sich um zahl­reiche Amerikaner handle, d e dort hohe Posi­tionen inne hätten. Außerdem hallen die Ver­einigten Staaten Rechte in Ricaragua da fte 3 Millionen Dollar z u »st Bau eines Kanals, der die Westküste der Ostküste

verbinden soll, und zur Anlegung einer Ma­ri n e b a s i s in der Bucht von F o n s e c a be­zahlt hätten.

Die Lage in China.

Das Fremdenviertcl in Hankau bedroht.

London, 4. Ian. (Wolff.) DieTimes" berichtet aus Hongkong vom 3. Januar: Rach einem Bericht aus Kanton ist die Kournin - tschang-Flagge jetzt anstelle der chinesisch­republikanischen Flagge auf den Verwaltungs­gebäuden gehißt worden. Die ausländischen Kauf­leute zahlen ohne Widerspruch die Zuschlagszölle, die, wie es heißt, in Kanton allein täglich 3000 Pfund Sterling ergeben. Die Lage in Hankau ist äußerst schwierig, da der geringste Zwischenfall ernste Folgen nach sich ziehen kann. Der kanto­nesische Außenminister ist aufgefordert worden, Maßnahmen zu ergreifen, um dem Steinewerfen und dem Eindringen von Volksmengen in die Fremdenviertel ein Ende zu machen, da andern­falls der britische Admiral zu Gegenmaß­nahmen gezwungen sein würde. In dec Rähe des britischen Viertels kam es wieder zu englandfeindlichen Kundgebungen. Marinesolda­ten zerstreuten die Menge mit Hilfe eines Pan­zerwagens, ohne daß ein Schuß abgefeuert wurde. Bei einer neuen Ansammlung wurde ein bri­tischer Matrose durch einen Bajonettstich am Bein ven'vundel. Erst am Abend zerstreute sich die Menge. Ein von der revolutionären Partei und englandfeindlichen Elementen organisierter Umzug, von dem weitere Unruhen erwartet wur­den, ging ohne Zwischenfälle von statten.

Rach einer letzten Meldung aus Hankau ha­ben gestern abend die in die britische Riederlafsung eingedrungenen Chi­nesen das Zollgebäude und das Ge­bäude der Gemeindeverwaltung der Niederlas­sung beseht und die Briten aus der Rieder­lassung vertrieben. 3n der Niederlassung wird die Ordnung von chinesischer Polizei auf­rechterhalten.

Japan lehnt das englische Memorandum ab.

London, 4. Ian. (Wolff.) Der diplomatische Korrespondent derSaUl) Mail" berichtet, die britische Regierung habe jetzt die Rückäußerung aller beteiligten Mächte zu der britischen Denk­schrift über China erhalten. Der allgemeine Cha­rakter der Rückäußerungen fönne als günstig bezeichnet werden. Dar Vorschlag, wie man sofort die Erhebung der Zollzuschläge ent­sprechend der Washingtoner Vereinbarung ver­wirkliche, scheine von allen Mächten, mit Aus­nahme von Japan, angenommen worden zu sein. Der japanische Außenminister Baron Shide - Hara empfing den englischen Botschafter, dem er erklärte, die Tokioer Regierung glaube nicht, ich der von der enalischen Regierung borge* chlagenen Kollektiverklärung anschließen zu mut­en. Sie könne nur bedauern, daß die englische Regierung sich geweigert habe, ihrer Anregung zu folgen und eine Konferenz zwischen den Vertretern der Mächte, die das Washingtoner Abkommen unterzeichnet haben, und den Dele­gierten aller chinesischen Provinzen abzuhalten, um offiziös über die Zollfraaen zu verhandeln. Es scheine somit, daß in Zukunft die Aufrecht­erhaltung einer Einheitsfront der Mächte gegenüber China schwer durchführbar sein werde.

Kleine politische Nachrichten.

Der SchullreuzerHamburg" ist am 3. Januar von Alexandrien nach Marmaritza in See gegangen.

Wie aus Bozen berichtet wird, ist an Stelle des bisherigen Präfekturkommissärs in Bozen, Stessanini, Commandatore Dr. Alfons Limon- g e 11 i nach Bozen berufen worden.

Aus Anlaß des Neujahrsfestes hat der König von Bulgarien neun wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schuhe des Staates zum Tode Verurteilte begnadigt.

Aus aller Welt

Sine neue Zenlralajierimifsion Sven hedins.

Sven Hedin, der in China weilt, hat von der Pekinger Regierung die Zustimmung zu einer neuen Expedition in das innerasiatische Wüsten- gebiet erhalten. Sven Hedin wird von einem wissenschaftlichen Stab begleitet, dem der be­kannte junge Forscher Norin und die beiden chinesischen Geologen Wamg und Schao an­gehören.

Die tägliche Zugleistung der Reichsbahn.

Die Züge der Deutschen Rcichsvahn haben während des Jahres 1925 insgesamt 538 000 000 Kilometer zurückgelegt. Das macht auf einen Tag umgerechnet täglich 1 500 000 Kilometer. Das ist eine so gewaltige Zahl, daß man sich von ihr nur durch einen Vergleich einen Be­griff machen kann. Der Erdum ang beträgt am Aequator 40 000 Kilometer. Es müßte also ein Cisenbahnzug 37 mal den Aequator um­greifen, um die tägliche Zugleistung der Reichsbahn auszudrücken.

Eine Seilschwebebahn im bayerischen Allgäu geplant.

Wie aus Füßen gemeldet wird, will sich eine Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Ehrwald bilden, um auf dem 1700 Meter hohen Seeben von Ehrwald aus eine Seilschwebebahn zu bauen. Die Dahn wird ohne jede Stütze eine 1450 Meter lange Trasse überqueren. Man rech­net init einer Bauzelt von dreiviertel Jahren. Die Kosten einschließtich des zu erbauenden Ho­tels werden auf 6)0 C00 Mark veranschlagt.

1,6 Millionen Fremde in Berlin.

Nach den vom Statistischen Amt der Stadt Berlin veröffentlichten Zahlen üb'.r den F.em- denbesuch in Berlin im Jahre 1923 kann fest- gestellt werden daß mehr als 1.31 Millionn Fremde 1926 in Berliner Gasthöfen gemeldet toareru

Ueberschivemmungegefatir für die Danziger Weichselnieverung.

Ser starte Rordoststurm der letzten Tage hat besonders in den Weichselniederunqen des Dan­

ziger Gebiets arg gehaust und großen Scha­den angerichtet. Der orkanartige Sturm trieb die Schollen gegen die neuen Deiche. Trotz ihrer starken und modernen Bauart wurden die Dämme auf der Danziger Seite in einet Länge von 200 Meter vollständig durchbrochen. An einer benachbarten Stelle erfolgte ein Durchbruch in etwa 50 Meter Länge. Man versuchte zu­nächst, durch die verschiedensten Absperrungsmah- nahmen das Unglück zu verhindern, doch er­wiesen sich alle Bemühungen dem tobenden Ele­ment gegenüber als zwecklos. Es besteht Gefahr, daß bei einem erneuten Einsetzen des Rordost- sturmes das ganze Deichgebiet über­schwemmt wird.

Neue Unglücksfalle In den Alpen.

Bei einer Stipanie auf* die Schneealpe hat ein Teilnehmer aus Graz einen Schwächeanfall erlitten. Auf dem Transport zur Unterkunftshütte ist der Kranke verstorben. Bei Delah (Bludenz) wurde der 25jährige Gemeindevor­stehersohn Rudolf Fritz von einer Lawine über einen 15 Meter hohen Felsen geschleudert. Er erlitt einen Genickbruch und war sofort tot.

Grippe-Epidemie in Frankreich.

In Paris und in der Provinz hat die Grippe- Epidemie, die seit einiger Zeit eingesetzt hat, einen ziemlich ernsten Charakter angenommen. Besonders beunruhigend tritt sie in Montpellier auf, wo bis zum Montag allein 32 Todes­fälle zu verzeichnen sind.

Grotzsener in einem Elektrizitätswerk.

3n Bad Kiss Ingen zerstörte ein Grohfeuer in der vergangenen Nacht das staatliche Elek- tri'.itätswerk, das die verschiedenen Kurgebäude, und den Kurpark bisher mit Licht und Strom versorgte. Die Maschinen und Motoren sowie die gesamte Inneneinrichtung des Werkes dürften unbrauchbar geworden sein. Der Schaden be­trägt nach sachverständiger Schätzung gut 100 000 Mark. Heber die Ursache des Brandes konnte bis jetzt noch nichts Gewisses ermittelt werden. Beim Spielen mit Streichhölzern den Tod gesunden.

In der Wohnung eines Ackerpächters in Berlin entstand vermutlich durch Spielen eines Kindes mir Streichhölzern ein Brand. Die Feuer­wehr fand die beiden Kinder des Ackerpächters bewußtlos auf. Das eineinhalb Jahre alte Mädchen war bereits tot, während der fünf­einhalbjährige Junge ins Leben zurückgerufen werden konnte.

Drei Kinder erstickt.

Auf dem Güte R e 11 a u e n im Kreise Fried­land (Ostpreußen) hatte eine Arbeiterfrau ihre vier Kinder im Alter von einem Vierteljahr bis fünf Jahren allein gelassen. Hinter dem Ofen zum Trocknen liegendes Holz führte einen Brand herbei, bei dem die drei jüngsten Kinder er­stickten.

Rieseneinbruch in eine Pelzwarengroßharchlung.

In der vergangenen Nacht drangen Diebe auf einem Grundstück in der Berliner Grün­straße vom Keller aus, nachdem sie in mehr- stündiger Arbeit ein Loch in die 40 Zentimeter dicke, stark gewölbte Decke gestemmt hatten, in eine Pelzwarengroßhandlung und erbeuteten kost­bare Felle im Betrage von über 70 000 Mark.

Wettervoraussage.

Nach anfänglichem leichten Temperaturfall wieder milder, meist trübe und Niederschläge (liebergang zu Regen).

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 2,4. Minimum 0,0 Grad Celsius. Niederschläge: 0,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 0,8 Grad Celsius.

Alts der Prsvinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. Januar 1927.

Unser Wandkalender.

Wenn man einmal durch die Straßen geht und sein Augenmerk darauf richtet, was einem auf diesem zwanglosen Streifzug an Plakaten vor die Augen kommt, dann wird man sich wun­dern müssen, wie wenig wirkliche Kunst sich darunter befindet. Wie der Durchschnitt keines­wegs dem entspricht, was wir auf nahezu allen anderen Gebieten seit etwa 20 oder 30 Jahren dazugelernt haben. Und dies ist wiederum sehr merkwürdig in einer Zeit wie der unfern, wo das kaufmännische Prinzip schlagkräftiger Reklame eine Forderung geworden ist, von bereu zwingen­der Selbstverständlichkeit man zuvor nichts ahnte: denn wirksam ist immer nur das gute Plakat, das künstlerische Werbebild. (Nicht jedes gute Bild freilich kann ein gutes Plakat sein. Aber das schlechte hat immer seinen Zweck verfehle) Und wenn man den Rundgang, von dem wir oben sprachen, auch in anderen Städten wiederholt, wird man bald gewahr werden: wir haben nur wenige Künstler in Deutschland, die die ganz besonderen Erfordernisse des Plakates erkannt haben und ihnen künstlerisch gewachsen sind.

Zu diesen Wenigen gehört Ludwig Hohl­wein in München: der neue Kalender auf das Jahr 1927, den er für den Gießener Anzeiger entworfen bat. ist ein Beispiel dafür, toi? man die Erfordernisse und Möglichkeiten eines Wand­kalenders künstlerisch in Einklang bringen kann. Der Plakatmaler muß ähnlich arbeiten wie der Bühnenbildner. Die große Linie, die Sparsam­keit, Einfachheit, Klarheit der Bildelem.'nte ist erste Forderung. Nichts Nebensächliches, nichts Ueberslüssiges! Nur Ausdruck! Das Auge darf nicht suchen, nicht herumraten. Man muß sofort wissen, im ersten Blick: dies und nichts anderes! Darauf kommt es an! Das ist gemeint!

In solchem Sinne erscheint uns das Kalender­bild Hohlweins als eine glückliche Schöpfung, die nicht erklärt zu werden braucht. Die einfachen und naheliegenden künstlerischen Motive Heimat, Scholle. Arbeit und Ausbau sind klar und gemeinverständlich in der oberen Bild­hälfte gestaltet. Unten fassen jetoüls rechts und links zwei kleinere, ornamental behandelte Bild­felder den Textsatz des Kalendariums ein: Tier und Pflanze beuten den Kreislauf und Wechsel der Jahreszeiten an. lieber diesen einfachsten gedanklichen Inhalt hinaus aber soll das Auge des Beschauers sich freuen an der bedachtsamen, stetigen Kraft, die von den schwer hinschrcitenden Tierleibern ausgeht, an der heimatlichen Ver­trautheit des Landschastsbildes. an den zart­getönten Farben und dem zierlichen Linienspiel des schmückenden Beiwerks, das der Künstler dem neuen Kalender mitgegeben hat. Mochte er jedem ein treuer Begleiter fein durch alle Tage des jungen Jahres'

Kopsschmerz.

Gerade in dieser Jahreszeit wird besonders häu­fig über Kopfschmerzen geklagt. Pflegen doch die Erkältungskrankheiten, die in der feuchtkalten Pe- riode an der Tagesordnung sind, zumeist von Kopf­schmerz eingeleitet und begleitet zu werden. Schnup­fen, Mandelentzündung, Katarrhe der Bronchien und dgl. gehen gewöhnlich mit Temperaturerhöhun- f|en einher, die wie Fieber überhaupt fast tets mit Kopfschmerz vergesellschaftet sind.

Kopfschmerzen können aber auch auf zahlreiche andere Ursachen zurückzusühren sein, und |e nach­dem eine ernstere oder harmlosere Bedeutung be­sitzen. So kann langanhaltender Kopfschmerz die Folge von Katarrhen oder Eiterungen in deck Nebenhöhlen der Nase, wie im Mittelohre sein. Bis zur Unerträglichkeit vermögen sich die Kopfschmer­zen bei Geschwülsten und Abszessen im Gehirn zu steigern. Uebermäßiger Genuß von Alkohol, Nikotin und Kaffee haben ebenso wieinnere Vergiftungen bei Zucker- ober Nierenleiden peinigende Kopf­schmerzen im Gefolge. Nicht selten tritt ein dumpfer Kopfschmerz bei Blutarmut und ytbererjeits bei der Arterienverkalkung auf: im letzteres Falle ge­wöhnlich ein Zeichen, daß die Verkalkung an den Gefäßen des Gehirnes vorgeschritten ist. Auch Herz- fehler, bei denen die Herzkraft zu versagen droht, führen oft infolge Blutstauung im Gehirn zu quä­lenden Kopssihmerzen; ähnlich wie z. D. das Tragen von engen Kragen ober allzu fest gebundenen Kra- vatken. Zahlreiche andere Organleiden, wie Erkran­kungen des Magens und des Darmes hier vor allem die Verstopfung sind vielfach von Kopf­schmerzen begleitet, migenftörungen Kurzsichtig, feit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus, Tragen unpas­sender Gläser bilden gerade bei Schulkindern, aber auch bei Erwachsenen nicht selten die Ursache von Kopfschmerzen. Ferner haben manche Frauen und Mädchen bei Störungen an den Unterleibs- organen unter heftigen Kopfschmerzen zu leiden. Aber wohl den höchsten Prozentsatz stellt der ner­vöse Kopfschmerz bar als Zeichen einer allge­meinen Neurasthenie ober .Hysterie, ober auch als Symptom geistiger Ueberani'trengung. Er tritt zu­meist als Kopsbruck auf ein Gefühl, als ob der Kopf zusammengepreßt würbe. Davon abzutrennen ist der auf Vererbung beruhende Kopfschmerz, der meist schon von Jugend an besteht und seinen Trä­ger bis ins hohe 2Uter begleitet. Eine besondere Stellung nimmt der anfallweise auftretende Kops- schmerz bei Migräne em. Damit sind jedoch die Grundkrankheiten, bei denen Kopfschmerz ein Symp­tom bildet, noch keineswegs erschöpft.

Allgemein pflegen Aspirin, Dyramibon, Arcanol u. dgl. die Kopfschmerzen aller Art zu lindern. Neuerdings erfreut sich auch das Deramon als schmerzstillendes Mittel großer Beliebtheit, zumal wenn die Schmerzen Schlaflosigkeit im Gefolge haben. Aber es ist bei der Anwendung all dieser Mittel stets zu bedenken, daß sie nur vorübergehend helfen können, und daß die Feststellung und die bauernde Behebung der jeweiligen kopfschmerzaus- löfenben Ursache nur durch eine gründliche ärztliche Untersuchung und Behandlung gewährleistet wer den kann. Dr. M.

Vornotizen.

Tageskalenber für Mittwoch. Stabttheater: 7.30 Uhr,Iohannisfeuer (Enbe gegen 10 Uhr). Schützengesellschaft 1926: Erster Schießabenb. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße!An ber schönen blauen Donau. * Astoria-Lichtspiele: .In Sachen Norini.

D i e Gießener Frauenvereine laben am 10. Januar, abends 8 Uhr, in den Einhornsaal zu einem öffentlichen Vortrag von Frau W a r l i ch (Harleshausen) überSittlichkeitsfragen und un­sere Jugend" ein. Der Eintrittspreis (30 Pf.) ist so niedrig gesetzt, daß jedem die Teilnahme möglich gemacyt ist. Allen Eltern und Erziehern, aber auch ber schulentlassenen Iugenb fei ber Besuch bringenb empfohlen. Es soll Gelegenheit zur Diskussion ge­geben werben.

Neuschnee. Seit gestern mittag ist im hohen Vogelsberg erneut Schneefall ein­getreten, ber bis zur Stunde noch anbauert. Es waren bis gegen 10 Uhr heute vormittag be­reits etwa 20 cm Neuschnee gefallen, so daß die Schneedecke jetzt etwa 60 bis 70 cm hoch ist. Bei etwa 5 Grad Kälte bestehen sehr gute Sportmöglichkeiten, die dem Skiklub für das Skirennen am nächsten Sonntag beste Aussichten bieten. Aus aus den übrigen Gebirgsgegenden Deutschlands wird Neuschnee gemeldet, so au8 dem Harz, Thüringer Wald und Schwarzwald. Die Temperatur liegt dort ebenfalls einige Grad unter dem Gefrierpunkt.

* Die städtischen Not st andsarbei- t e n, die kürzlich von den maßgebenden Körper­schaften bewilligt wurden, sollen, nachdem die Arbeiten in den Anlagen schon seit mehreren Tagen im Gange sind, auch in den übrigen Zeilen in den nächsten Tagen in Angriff genommen werden, falls die Wilterungsverhältnisse es er­möglichen. Bekanntlich sind hierfür Straßenbau- arbeiten, Planierungen usw. vorgesehen. Eine weitere Anzahl hiesiger Erwerbsloser wird bei diesem Arbeitsabschnitt Beschäftigung finden.

* Zu dem Streit zweier Patien­ten der hiesigen Heil- und Pflege­anstalt, über den wir gestern berichtet-en, und der bekanntlich kurz nach seiner Beendigung den Tod des einen Kranken zur Folge hatte, er­fahren trtr von zuständiger Sviie, daß nach dem Ergebnis ber ger:d)t£är tlicßcn Leio' enössnung bei dem Verstorbe. ei irgend e.che Verletzungen ober erhebliche Gewalteintoirkunge.i infolge fremder Täterschaft als Todesursache nicht nachweisbar sind. Bei dem Verstorbenen bestand eine Ver­größerung der Thymusdrüse, sowie der Milz bei schlaffem Herzmuskel. Es muß angenommen werden, daß auch infolge leichter Gewalteinwir- kungen und infolge ber damit verbundenen see­lischen Erregung auf Grund einer thymo-lym- phitischen Körper-Konstitution und des schlaffen Herzmuskels der Tod als mittelbare Folge eintreten konnte, daß also das Ableben des Mannes durch einen Schlaganfall in­folge Aufregung eingetreten ist. Wie die gerichtliche Hnteriut)ung irci.cr ergeben hat, han­delt es sich bei dem Vorfall um den Streit zweier Anstaltltranlen wie er in einer solchen Anstalt nie ganz vermieden worden kann an dem das Wärter-ersonal in keiner Weise be­teiligt war. Der tragische Ausgang des Zu- faminenstoßes ist hernach lediglich als ein un­glücklicher Zusall anzusehsn. DerGegner" des Toten ist jebenfalls iür f in: Handlungsweise als Kranker nicht verant örtlich.

** Kirchliche Personalie. Dem Pfarrer Otto Hohgraefe zu Asfenheim würbe die cvan- gelische Pfarrstelle zu Affenheim. Dekanat Friedberg, übertragen.

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