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Mittwoch, 5. Januar 1927

177. Jahrgang

Nr. 5 Erstes Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vfttck vnd Verlag: vrühl'fche Untverfi1üt5-Vuch. und Stetnönidcret u. Lange in Sieden. Zchriftleitunz und Seschäftzftelle: §chtt!Nraße 7.

Hnnahmt von Hnielgcn für btt lagetnummer bi» zum Nochmlllag vorher.

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Chefredakteur

Dt Friedt Wilh Lange. Verantwortlich tur Politik Dr Fr Wilh Lange, für FeulÜeton D( H 2hgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumichein; für den An- jeigcntttl t. Dertr 5». Deck, iümtlich in Gieren.

Erfchetnt täglich,auher Sonntag» und Feiertags

Beilagen.

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Die Scholle

Monat, »Eejugsrrets:

2 Neichsmark und 20 Netchspsennig für Träge» lohn, auch bei Nichter­scheinen emzelnerNummtrn infolge höhere, Gewalt. Fernfprechonlchlüffo: 51, 54 und 112

Lnfchrist für vrahtnach» richten Anzeiger Gietze«.

Poftfd).Jfonto:

gronffurtom Illain 11C86.

Deutsch-französische

Verständigung.

TerTln, 4. 3cn. (W2.) 3m- 3a7ruarheft bttHilfe" wird das Problem der deutfch- franzöfifchen Dcr.iandigrrng von Driand, Marx, e-trefemann, Reinhold und anderen verantwort» lichen Leitern der Politik Deutschlands und Frankreichs besprochen .

Briand

schreibt dabei u. a.:Frankreich und Deutsch­land gaben, indem sie den Meg der Zusammen­arbeit ei'.tschlosien beschritten, ein herrliches Tei- fpuL Ohne di- noch zu überwindenden Schw.c- kigkeiten zu unterschätzen, werde ich mich der Verfolgung diefes grohen europäischen Werkes widmen, für das ich bereits meine ganzeiKrast einsetzte." Zur Wciterführung dieses Wertes fordert Driand in Deutschland und Frankreich die Mitarbeit aller Menschen, die glauben, dah vertrauensvolle loyale Ve.irhungen zwischen den beiden Ländern eine wesentliche Bedingung zur LAusrechtcrhaltung des Friedens sind.

Ncichvkanzlcr Marx schreibt: »Das große Unternehmen des Aus­gleichs der deutsch-französischen Gegensätze nahm innerhalb kurzer Zeit eine Entwicklung, die. wenn sie auch erst einen Ansang bedeutet, doch jeden- fallS den Beweis liefert, dah man sich in den führenden Schichten der beiden Völker auf die Pflicht der Erhaltung der Abendlän­dischen Zivilisation besinnt." Der Reichs­kanzler fügt hinzu, das; diese Besinnung auch die beste Grundlage für eine fruchtbringende Arbeit der Staatsmänner und zugleich eine Bürg­schaft dafür ist, dah die deutsch-französische An­näherung nicht etwa neue Gegensätze in das Leben Europas hineinbringt, sondern im Gegen­teil die friedliche Entwicklung in der Welt sichert und fördert.

Neichöautzenmirrlster Strcsemann bespricht die Verhandlungsmethoden und die bei­derseitigen psychologi'chen Hemmungen und führt dabei aus. dah die deutsch-französische Annähe­rung auS dem Stadium warmherziger Klubreden in daS der diplomatischen Realisie­rung übergegangen sei, indem sich naturgemäß der Fortschritt nicht mit der Geschwindigkeit des Gcdankenfluges vollziehen kann. Aber gerade weil jeder einzelne Schritt vorwärts das Ergebnis sorgfältiger, oft mühevoll langwieriger Verhand­lung darstelle, dürfen die erreichten Positionen als sicherer Besitz, als Grundlage weiterer Erfolge gewertet werden. Man dürfe sich die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frank­reich nicht als ein engherziges Feilschen um kleinliche Vorteile vorstellen. Rur durch eine immer wieder neu sich anpassende Verbindung von weitausschauendcn Konzeptionen mit den realen Krästen des Tages könne ein so viel­seitiges und schwieriges Problem wie die deutsch- sranzösische Annäherung etappenweise gelöst werden.

Für den französischen Staatsmann ist cs so bemerkt Strcsemann weiter keine leichte Auf­gabe, die öffentliche Meinung seines Londes mit der Erkenntnis zu durchdringen, daß die Dreisgabe gegenstandslos gewordener oder die Defricdung hemmender vertragsrechte Tein wirkliches Opfer bedeutet, während aader- feiks die deutsche Oeffentlichkeit nur schwer ver­letzt, dah man in Frankreich dos Entgegen­kommen, das für ein auf seine Vergangen­heit stolzes Volk in der Freiwilligkeit der Anerkennung der unerhört hohen Dawes- loslen und in der Freiwilligkeit des Verzichts auf gewaltsame Grenzkorrekluren im Westen liegt, nicht in seiner vollen Trag­weite zu würdigen geneigt scheint.

Man kann aber nicht verkennen, daß das Ausmaß der Tlnterstühung, die diese Politik schon heute in der deutschen und französischen Oeffent­lichkeit f.ndet, zu einer Hoffnung auf weitere Er­folge durchaus berechtigt. Diese Hoffnung kann sich aber nur verwirklichen, toenn das Verständ­nis für die Bedeutung der Loearnopolitik in un­ablässiger publizistischer Arbeit in immer weitere Volkskreise Deutschlands und Frankreichs hinein­getragen wird.

Rcichsfinanzminister Dr. Reinhold betont, daß die Rotwendigkeit der Verständigung vom finanziellen Standpunkt aus am zwingendstem sei. Er erinnert Frankreich an den Umstand, daß ihm die zweijährige Ruhrbesetzung effektiv höchstens 313 Millionen einbrachte, während es allein im zweiten 3ahr des Dawesplans 436 Millionen Goldmark erhielt.

Briands Flucht in die Oesientlichkeit.

2luch Herr B r i a n d hat sich für die fran- zösische Politik immerhin eine seltsame Sache zu einer Flucht in die Oeffentlichkeit gezwungen gesehen; er hat um Reujahr gleich zwei Interviews aba:scho,sen, in denen er sich gegen seine nationalistischen Gegner zitr Wehr setzt und gleichzeitig, was ja noch viel boshafter ist, eine öffen l.che Aussprache inderKam- m c t über die Grundlagen der französischen Außenpolitik angekünd'gt. Das ist unzweifelhaft ein Akt der R o t w e h r. Als Briand das ge­fährliche Experiment machte, auch unter dem Ministerpräsidenten Poincare seine auswär­tige Politik weiterzuführen, hat er sich von Poincarö vorher bestätigen lassen, dah die Linie

von Locarno nicht verlassen würde, und er ist sogar vorsichtig genug gewesen, das im Kabi- neltsrat protokollieren zu lassen. Geholfen frei­lich hat es ihm nicht allzuviel.

Herr Poincarö hatte zunächst alle Hände voll zu tun, um den Sturz des Franken aufzuhalten und hat damit ja auch verblüffende Erfolge er­zielt. Er konnte aber niemals ganz aus seiner Haut heraus und hat deshalb in aller Heimlich­keit seinem Außenminister, wo es ging, einige Knüppel zwischen die Beine geworfen. Auch das wieder mit seinem ganzen taktischen Geschick. Er war viel zu klug, um nicht zu sehen, daß er gegen Briand direkt nicht angehen konnte, well da­mals auch die Innenpolitik eine ruhige Entwick­lung nach außen brauchte. Er hat aber nach Krästen dazu beigetraaen, dah Briand f i ch f e ft- rannte, und die Abmachungen von Thoiry in der Luft hängen blieben. Es ist gewiß auch nicht ohne seine Zustimmung geschehen, dah die natio­nalistische Presse dauernd gegen Briand Sturm läuft und ihn als einen nationalen Schädling hin­stellt. Die Ersatzwahlen für den Senat, die am 9. Januar bevorstehen, haben dieser Kampagne einen neuen Auftrieb gegeben, llnö Briand war

Riga, 4. Jan. (TLl.) Die Revaler Konfe­renz der lettischen, estnischen und finnischenAußen- minister brachte zum Ausdruck, daß die Politik dieser Länder gegenüber Polen und Litauen ab­lehnend bleiben werde. Die Wilnaer Frage wurde von der Revaler Konserenz nicht berührt. Die Einberufung einer WirtschaftSkonfe- r e n z der drei Staaten wurde beschlossen. Der innische Vertreter forderte, dah Litauen eine Annäherung cm die übrigen Randstaaten er­streben müßte. Die politischen Richtlinien Li­tauens und der anderen Randstaaten gegenüber der Sowjet-Tlnion und Polen müßten in lleber- einftimmung gebracht werden. In politischen Krei­sen wird den erzielten Ergebnissen, die aus dem Gebiet der auswärtigen Politik vollständige Einigkeit der sozialistischen Regierungen Finnlands und Lettlands mit der nichtsozialisti­schen Regierung Estlands an den Tag legten, große Bedeutung beigemessen.

Die Randstaatenkonferenz und die auf ihr ohne Litauens Beisein gefaßten Beschlüsse ma­chen Litauens völlige Isolierung nach dem Putsch der Herren Smetona und Woldemaras deutlich. Wohin die Kownoer Regierung heute blickt, stößt sie auf mehr oder wenige;; schlecht verhülltc: Feindschaft, die sie zum Teil selbst erst sich in den letzten Wochen geschaffen hat. Wenn man bedenkt, daß Litauen sich in einer schweren Wirtschaftskrisis befindet und von außen her keinerlei Hilfe zu erwarten ist, dann er­scheinen die Zweifel nicht ganz unberechtigt, ob es den neuen Machthabern gelingen wird, den litauischen Staat, der ohnehin schon morsch ist, am Leben zu erhalten. Bei der überwiegend sozialistisch oder lommunistisch eingestellten De- völlerung muß sogar angenommen werden, daß diese Krisis den Anlaß zu einer neuen von links her eingeleiteten und vielleicht auch durch Mos­kau unterstützten Tlmsturzbewegung ab- geben wird. Die Kownoer Regierung scheint so­gar mit derartigen Möglichkeiten zu rechnen, da sie gegen alle linksgerichteten Politiker außer­ordentlich scharf vorgeht.

Neue Brüskierung Memels.

Litanev dekretiert ein neues Landcsdircktorium.

Memel, 4. Ian. (LU.) Der litauische Gou­verneur hat heute ohne Berücksichtigung der Wünsche der Mehrheitsparteien den Oberamts­anwalt S ch w e l l n u s zum Präsidenten des Memeldirektoriums ernannt. Eine weitere Brüskierung liegt darin, dah Schwellnus zu Mitgliedern des Direktoriums den Agenten Cheskleba und den Großlitauer Borchart berufen hat, der auch dem bisherigen sog. Ar­beitsdirektorium angehörte und gegen den be­reits mehrere Mihtrauens Voten ange­nommen wurden. Man rechnet hier mit der Möglichkeit einer Landtagsauslöfung, da sich der Memelländische Landtag kaum mit die­sem Vorgehen zufrieden geben dürfte.

Das illegale Landesdirektorium Falk hat ferner dem Landesgerichtsrat und Landiagsab- geordneten der Memelländischen Volispartei Rogge zum 1. Februar den Dienst als Richter gekündigt. Rogge war bekanntlich Mitglied der Landtagskommission, die die Klage der Me- melländer vor dem Völkerbund vertreten sollte.

Auf Grund der umlaufenden Gerüchte, dah das Landesdirektorium den Beamten d:s Memel­gebietes nur einen SeiI ihrer Geh älter werde auszahlen, können, da toegrn des Aus­bleibens dctz Finanzantells aus Kowno, den das Memelgebiet aus den Einnahmen für Zölle, Monopolen und Accisen zu erhalten hat, die Kassen leer seien, wandte sich die Redaktion derMemelländischen Rundschau" an das Lan-

jetzt soweit, daß er entweder den Kamps auf­geben oder eine klare Entscheidung erzwingen mußte.

Er hat den zweiten Weg gewählt, wobei er sich gewiß über die Folgen nicht im Tlnklaren war. Seine wahren Absichten hat er in einem Rebensatz enthüllt, als er daraus hinwies, dah die Grundlagen seiner Friedenspolitik nicht in Locarno zu suchen sind, sondern bereits in Cannes, das heißt also damals, als er von Poincar 6 gestürzt wurde, unmittelbar bevor er eine Verständigung mit England eIn­letten konnte, der nachher die Verständigung mit Deutschland gefolgt wäre. Die offene Feldschlacht, die er jetzt ankündigt, ist aller­dings den Rationalisten mindestens ebenso un­bequem. Sie fürchten, daß die Aussprache in der Kammer ba$ mühsam hergestellte Gebäude der nationalen Einheit zum Zusammenbruch brin­gen und das ganze System Poincare ver­nichten könne, weil es ja ein offenes Ge­heimnis ist, daß die Gruppe Tardieu-Dokanowski mit Briands Politik nicht einverstanden ist. Wie aber jetzt die Entscheidung noch einmal vertagt werden soll, nachdem Briand den Fehdehand-

desdirektorium mit der Bitte um Aufklänmg. Hier wurde mitgeteilt, dah das Landesdirektorium eine Auskunft hierüber ableb ne, und beschloß, derMemelländischen Rundschau" keinerlei amtliche Rachrichten mehr zukommen zu lassen. Der Kriegskommandant von Heydekrug, unter dessen Zensur dieMemelländische Rund- chau" steht, erhielt durch den litauischen Gou­verneur die Anweisung, jede diesbezügliche Mel­dung zu unterdrücken.

Polens Außenpolitik.

Wa r s ch au, 4. Jan. (SU.) Außenminister Zaleski erklärte in feiner heutigen Rede vor dem Sejm-Ausschuß für Auswärtiges, daß Po­lens Außenpolitik auf der Basis des Völker­bundes aufgebaut sei und, daß die militärischen Interessen Polens nur auf die Selbstverteidi­gung gerichtet seien. Erfreulich fei es, so erklärte Zaleski weiter, dah Deutschland in letzter Zeit ebenfalls aufrichtig am Weltfriedenswerk mitarbeite. Der Minister beutete an, dah zwi­schen Warschau und Moskau gewisse Verhand­lungen zur Regelung der polnisch- russischen Beziehungen noch in der Schwebe seien. Zu der Lage in Litauen er­klärte Zaleski, dah sich Litauen auf dem Wege zur Stabilisierung befände. Die polnische Re­gierung lege größten Wert auf die Wieder­herstellung guter nachbarlicher Beziehungen. Polen fei zu Verhandlungen mit 21- tauen bereit, wenn die dazu nötigen Voraus­setzungen gegeben seien. Rach der Erklärung des litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras, daß Litauen ebenfalls eine Friedenspolitik treibe, sei damit der Weg zu einer polnisch-litauischen Ver­ständigung offen. Polen habe nicht die Absicht, die finanzielle Wiederherstellung Danzigs zu erschweren, noch sich einer An­leihe zu widersetzen, die die (Sanierung, der Freien Stadt Danzig gewährleiste. Doch müsse Danzig vor allem die vom Finanzkomitee des Völker­bundes vorgeschlagenen Sparmaßnahmen durch­führen.

Eine Dölkerbundsuntersuchung in Oberschlesien.

(Berlin, 4. Jan. Der Leiter der Sektion für nationale Minderheiten im Dölkerbunds- feiretariat, der (Norweger Colban, fährt am 11. Januar zum ersten Male nach Kattowih zu einem viertägigen Studienaufenthalt. Er wird zunächst mit dem schlesischen Wojwoden konferieren und dann ausführliche Bespre­chungen mit den Vertretern der deutschen Minderheit in Polnisch- Oberschlesien und der polnischen Minderheit in Deutsch-Oberschlesien abhalten und schließlich sich auch mit Vertretern der Industrie in Verbin­dung setzen.

Oie Wendenlomödie in Belgrad.

(Berlin, 4. Ian. DasB. S. bringt heute eine weitere Meldung aus Belgrad, die das (Blatt dieWendenkomödie in Belgrad" über­schreibt. Danach sind d.e beiden in Belgrad an­wesenden Spreewäldlerinnen als Gäste des Lausitzer Wendenführers Schmoller Gegen­stand weiterer Kundgebungen. Die Veranstaltung in der ilniDcrfität soll wieder­holt werden. Gestern legten die beiden Wen- dinnen Kränze auf dem Grabe des Unbekannten Soldaten und auf den Gräbern der großen ser­bischen politischen Führer nieder. Es wurde ihnen zu Ehren ein Bankett gegeben. Auch wurden sie von Frau P a s ch i t s ch und von dem Skup- schtinapräsidenten S r i s k o w i t s ch empfangen. Heute veranstaltet der polnische Klub zu Ehren der Lausitzerinnen e:ncn festlichen Abend. Der frühere Abgeordnete Dajmonj ruft zur Gründung einerLausitz-Serbisch-Südslawischen Liga" auf.

schuh ausgenommen hat, ist schwer zu sehen; allerdings, auch dieses Gcae/.einanderintrigie- ren Im Dunkeln ließ sich nicht sortsetzcn.

Die Angriffe der Rechten.

Pari«, 4. Jan. (Sil.) 3m .Echo de Paris", dem Organ der Patriotenliga, macht sich Pcrtinax zum Wortführer der Widersacher Briands und einer Außenpolitik. Sroh der Eindeutigkeit der Erklärungen Briands, daß zwischen ihm und feinen Mitarbeitern tm Qual d'Or.ay stets volles Einvernehmen geherrscht habe, erheb! Per.inax den Vorwurf, Briand habe feit Bestehen des Locarnovertrages eine Geheimpolitik ge­trieben und seine Mitarbeiter nicht auf dem Laufenden gehalten. Besonders unzufrieden ist Periinax mit dem Locarnovertrag. Da weder eine Zusammenarbeit zwischen dem fran­zösischen und dem englischen Generalstab vorge- ehen, noch der Dölkerbundsrat sich in Konslilt- ällcn über die Bestimmung des Angreifers einig werden würde, dürfe Frankreich nicht.die g.-ringste kriegerische Geste Deutschlands dulden. Zum Schluß äußert Pertinax Zweifel, ob Briand bei Zu- ammentritt deS Parlaments Sieger bleiben werde.

DieEre Rouvelle" hält heute Abrechnung mit diesen französischen Rationalsten, denen sie vorwirft, durch ihre Heye das W e r k von Locarno und die deutsch-französische Annähe­rung gefährdet zu haben. Zu der Absicht Briands, das Urteil d e s Parlaments über seine Außenpolitik anzurufen, stellt das Blatt unter anderen fest, daß eS sehr gut ver­ständlich sei, day der Mann von Locarno der gehässigen Angrisfe der Rationalisten müde sei. Troy der unbestreitbaren positiven Vorteile, die Frankreich aus der Anwerrdung des Dawes­planes erhalte, trotz der Haren Beweise für den guten Willen Deutschlands und der Interven­tion deS DatilanS zugunsten der europäischen Entspannung setzten die Freunde Marins und Millerands ihren Kamps gegen Briand fort. Ihr Feldzug sei ungerecht und ihr Haß blind. Briand habe vollkommen recht, wenn er seine Politik öffentlich erörtert wissen mochte, weil der Ruf Frattkreichs in der Welt aus dem Spiele stehe. Keine Rücksicht auf die nationale Einigung könne die Kammer des Linkskartells vom 11. Mai zwingen, das vom Volke erhal­tene Mandat zur Schaffung des Friedens zu verraten.

Die Arbeitslosenkrisis in Frankreich.

,^Zn keiner Weise beunruhigend".

Paris, 4. Jan. (WB.) Heute vormittag fand im Elysee unter dem Vorsitz des Präsioenten der Republik, Doumergue, ein Ministerrat statt. Außenminister Briand, Iustizminister B a r t h o u und Kriegsminister P a i n 1 e v 6, die sich augenblicklich nicht in Paris befinden, haben an den (Beratungen nicht teilgenommen. Rach dem Ministerrat, der sich auch mit der inten­siven Ausgestaltung der Wirtschaftstätigkeit in Frankreich beschäftigte und sich über ein Pro­gramm, das dem Parlament vorgelegt werden soll, ausgesprochen hat, machten Innenminister Sarraut und der Minister für offenlliche Ar­beiten T a r d i e u x gegenüber Mitgliedern der Preise Angaben über die Arbeitslosigkeit in Frankreich. Innenminister Sarraut erklärte, die Lage sei in keiner Weise beunruhi­gend und die Krise sei, was ihre Bedeutung anbetreff?, nicht mit derjenigen des Winters 1920/21 zu vergleichen. Abgesehen von zwei oder drei Industriezentren, wie Paris, Lyon und Marseille, wo die Zahl der Arbeitslosen ein wenig höher sei als im übrigen Frankreich, sei die Krise unbedeutend. In Paris zähle man augenblicklich 13 000 Arbeitslose, und zwar 3000 Handarbeiter, 2000 Techniker, 1500 Arbeiter aus der Leder- und Fellindustrie, 1500 Holzarbeiter, 1000 Arbeiter aus der Bekleidungsindustrie und der Rest verteile sich auf die übrigen Branchen.

Der Minister für öffentliche Arbeiten gab einen ausführlichen ileberblicf über die Arbeits­losenziffern in den einzelnen Departements und führte dann aus. daß die Unternehmen des Mi­nisteriums für öffentliche Arbeiten 8 bis 10 000 Arbeitslose beschäftigen könnten. In ein­zelnen Departements könnten in den staatlichen Betrieben unverzüglich 6000 Personen Beschäfti­gung finden. Bei Wegebauten, Drücken- und Eisenbahnbauten und bei Flußregulicrungen könnten außerdem demnächst, wenn sich ein Be­dürfnis Herausstellen sollte, 35 000 Mann beschäf­tigt werden.

Die Neubildung der Neqreruny.

Berlin, 5. 3 an. (Wolff.) Wie die Blätter be­rieten, werden die Verhandlungen des Reichs­präsidenten mit den Parkei'ührern über die Bildung der neuen Regierung, die am Montag beginnen, mit einem Empfang des Reichstags­präsidenten Lobe eingeleltet werden. Bisher haben lediglich ganz interne Vorbesprechungen zwischen einzelnen maßgebenden Persönlichkeiten ftiftgejin- den. Wie dasB. T." wissen will, wird der erste Auftrag zur Regierungsbildung voraussichtlich an einen Volksparteiler (vermutlich an den bis­herigen Reichswirtschastsministcr Dr. C u r t i u s) ergehen.

Litauens Isolierung.

Beschlüsse der Randstaatenkonferenz.