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Nr. 180 Zweites Blatt

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48 281

32 448

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32 798

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bzw. 8,02 bzw. 5,29 bzw. 4,42 bzw. 5,30 bzw. 6,40

bzw. 6,19 bzw. 5,19 bzw. 6,02 bzw. 5,82

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Erkrankungen an Scharlach be- auf je 10 000 der Bevölkerung

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Jahre 1915 allein in Preußen noch 113 776 Erkrankungen an Diph- ßherie mit 14 852 Todesfällen gemeldet wurden.

rütztsjahre auch die Zahl der Geburten sich aLsolut erhöht hat, so ist diese Zahl an sich trotzdem nicht beunruhigend, wenngleich natür- li ch noch immer hoch genug. Das häufige Vor- kcommen des Kinbbettfiebers ist fast ausnahmslos anif die immer mehr sich ausbreitenden Ab- ttreibungsversuche zurückzuführen.

Was die gemeingefährlichen Krankheiten Aussatz, Cholera, Fleckfieber, Gelbfieber, Pest, Mcken) anbelangt, so sind wir im Jahre 1925

trugen im Reiche z" Jahre:

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1921

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1925

Demgegenüber

Preußen noch 120 176 Erkrankungen an Schar­lach mit 12 129 Todesfällen zur Anzeige gebracht. Die für 1925 gemeldete Gesamtzahl ist recht bedenklich und mahnt zur Vorsicht.

Bezüglich der Typhus erkrankungen ist ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Bei einer An­zahl von Thphusepidemien hat sich als wahr­scheinlich ergeben, daß die Verbreitung der Lh- vhuskeime durch Milch verursacht wurde, wäh­rend sie in einigen anderen Fällen durch Trirck- vasser verschuldet war. Abgesehen von diesen Tpidemien waren weitaus am häufigsten je­doch die Thphuserkrankungen auf Kontaktinfek- wonen, also durch Berührung, zurückzuführen.

Sehr beachtenswert sind die Kindbett- s ie b e r erkrankungen. Danach sind im Jahre 1825 7003 Erkrankungen gegenüber 635 im Vorjahre gemeldet worden! Da aber im De-

Heure reior * NSchfte Prob-- Donnerstag.

^ann kann man den Segen der Schutzimpfungen liegen diesen Würgeengel der Kinder klar und deut­sch erkennen. Aehnlich liegen die Verhältnisse beim

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Das Krankheitsbild des deutschen Volkes.

Don Georg Streiter, Berlin, Mitglied d. R. G R. und des pr. Landesgesundheitsrats.

Zn einer ausgezeichneten Denkschrift des Reichs­ministeriums des Innern über die gesundheitlichen Verhältnisse des deutschen Volkes, die der rührigen Arbeit des Reichsgesundheitsamtes zu verdanken ist, wird ausführlich über die Krankheiten des deutschen Volkes berichtet. Wenn auch, wie die Denkschrift her- oorhebt, im allgemeinen die Ernährungslage in weiten Kreisen des Volkes besser geworden ist. so läßt sie doch noch immer sehrzu wün- s ch e n übrig, insbesondere in den Kreisen der Arbeitslosen, ferner bei den Sozialrent­nern sowie den ihres Vermögens und ihrer Ein­künfte verlustig gegangenen Kleinrentnern und alten Leuten, nicht zuletzt aber auch in den kinderreichen Familien. Einen recht emp­findlichen Einfluß auf die Volksgesundheit üben auch die noch immer völlig unzureichenden Woh­nungsverhältnisse aus. Zu dem Mangel an Wohnungen tritt keineswegs selten der in gesundheit­licher wie auch in moralischer Hinsicht gleich be­denkliche Mangel an Betten hinzu, über den in der Denkschrift z. B. allein aus zwölf preußischen Regierungsbezirken geklagt wird, so daß häufig mehrere Personen und oft ältere Geschwister ver° chiedenen Geschlechts auf eine gemeinsame Schlaf- ltelle angewiesen sind. Auch der besonders in den Kriegs- und in den ersten Rachkriegsjahren so schwer empfundene Mangel an Wäsche u n d Klei­dung kann noch nicht überall als völlig beseitigt ungesehen werden.

An Diphtherie waren noch im Jahre 1921 im -ganzen Reiche 63 018 Erkrankungen (10,2 auf je 10 000 der Bevölkerung) gemeldet worden. Dem- Segenüber betrugen die Erkrankungszahlen auf je HO 000 der Bevölkerung im Jahre:

weltkonserenz für eine Einigung der ttirchen. Don Priv.-Doz. Lic. Justus Ferdinand Laun.

Gestern wurde in Lausanne dieWelt- kcmferenz der Kirche Christi für Glaube und Mrfassung" eröffnet, die drei Wochen tagen w-:rd, um sich mit dem Problem einer Wieder­vereinigung aller getrennten Kirchen zu be­schäftigen ein Unternehmen, das gewiß die valle Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verdient.

CS ist wohl irvch in aller Erinnerung, daß ttrr zwei Jahren im August 1925 - in St®.y dieWeltkonferenz der Kirche EHristi für Leben und Wirken ( für praktisches Thristentum)" stattgefunden hat, die eine bedeut- sarne Annäherung der Kirchen der ganzen Welt - mit Ausnahme der römisch-katholischen, die sich selbst ausgeschlossen hat als Ergebnis ge;eigt hat. Es war also im Interesse der Sache gut, daß jene Bewegung, die eine Einigung

Kirchen in praktischem Christentum erstrebt, :hver in einem Weltkonzil zu öffentlichem Aus- teud gekommen ist als die andere Bewegung, teren erstes Weltkonzil erst jetzt stattfindet. &am diese zweite Bewegung, welche die ur- - p-mnglichere ist, erstrebt dennoch die Kirchen- irigung auf einem Wege, der unendlich viel Hvieriger ist als der von Stockholm. Mag die Z-altung unter den Kirchen eine noch so tief- ^^ende sein, man Earai doch das Trennende vo rübergehend vergessen, wenn die allgemeine oziale Rotlage einen gewaltigen Ruf an die hristlichen Kirchen ergehen -läßt. Aber eben M) nurvorübergehend". Damit soll nun gesagt fein, baß man nach Stockholm ch-m wieder uneinig geworden wäre. Im tegenteil, die dort entstandenen Ansätze haben ch über alles Erwarten kräftig entwickelt: 4 wird nächstens das Internationale Kirchlich- voziale Institut in der Schweiz ins LÄben Ter.en, es wird eine Zeitschrift geschaffen wer- es fand Studenten- und Professorenaus- -ausch statt, es haben bedeutsame Besprechun- ieri stattgefunden usw. Aber gerade diese »vach-. ernte Annäherungstendenz der Kirchen hat mmer deutlicher gezeigt, daß man die im ' theoretischen, ja sogar in der religiösen Grund- taltung liegenden Unterschiede auf die Dauer richt einfach übersehen faitn. Das würde zu

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Giehrner Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

fast völlig hiervon verschont geblieben. Rur eine Reiye von Pocken erkrankungen, die ja immer wieder vom Auslande eingeschleppt werden, sind vorgekommen. Ihre Zahl hat jedoch nur 23 (mit 9 Todesfällen) betragen. Ein Triumph un­serer vorbildlichen Hygiene!

Die bereits für 1924 festgestellte Abnahme der T u b e r k u l o s e st e r b e f ä l l e hat erfreulicher­weise auch im Jahre 1925 angehalten: sie sind von 17,1 im Jahre 1923 auf 13,6 im Jahre 1924 und auf 11,7 im Jahre 1925 gesunken. Für das ganze Reich betrug die Tuberkulofesterblichkeit auf je 10 000 Einwohner im Jahre:

1921 13,6 Tuberkulosetodessälle

1922 14,1

1923 15,0

1924 12,0

Heber die Erkrankungshäufigkeit an Tuberku­lose können für das ganze Reich noch keine ge­naueren Angaben gemacht werden, da bisher nur in einem Teil der deutschen Länder eine Anzeigepflicht für ansteckende (offene) Lungen­oder Kehlkopftuberkulose besteht. In Preußen, das etwa 61 Prozent der Gesamtbevölkerung des

Reiches umfaßt, wurden im Jahre 1924 auf Grund des preußischen Tuberkulosegesehes vom 4. August 1923 50 104 Fälle von ansteckender Lungen- oder Kehlkopstuberkulose gemeldet oder 13,26 auf je 10 000 der Bevölkerung Preußens. Diese Zahl stieg, wie die Denkschrift anninunt, Wohl infolge des besseren Eingangs der Mel­dungen für das Jahr 1925 auf 53 362 oder 14,02 auf je 10 000 Einwohner. Die Mitteilungen der beamteten Aerzte lauten überwiegend dahin, daß neben den Todesfällen auch die Erkrankungen an Tuberkulose zurückgegangen seien, oder daß we­nigstens eine Zunahme nicht stattgefunden habe. Don einer leichten Zunahme wurde in den Re­gierungsbezirken Marienwerder. Potsdam, Merseburg, Oppeln und Koblenz berichtet. In Bayern nahmen die Erkranlungsfälle bei Kindern und Jugendlichen zu und zeigten zum Teil schwerere Formen. Die anhaltende wirt­schaftliche Rotlage und die zunehmende Arbeits­losigkeit haben naturgemäß die Tuberkulose­kranken besonders hart getroffen, zumal auch die Wohnungsnot gerade für die Familien der Tu­berkulosen von den schwerwiegendsten Folgen ist.

Der Sternhimmel im August.

Sonnenaufgang von 4,20 bis 5,10 Uhr.

Sonnenuntergang von 19,50 bis 18,50 Uhr: Lichtgesta lten des Mondes: 1. Viertel am 5. um 19 Uhr, Vollmond am 13. um 6 Uhr, 3. Viertel am 19. um 21 Hhr.

mf. lieber ein halbes Jahr lang, nämlich vom Januar bis in die ersten Tage des August hinein, erstrahlt die Venus als Heller Abend­stern am Westhimmel, aber nun ist es auch mit ihrer Herrschaft vorbei, und so lange diesmal die Dauer ihrer Sichtbarkeit währte, um so größer ist leider auch die Pause, die zwischen

Glanz erreicht sie um diese Zeit wegen ihres aus den angegebenen Gründen tiefen Standes nur rechnungsmäßig.

Von den übrigen Wandelsternen verschwindet auch der Mars in den Strahlen der Abend­sonne, während der Jupiter nicht weit vom Frühlingspunkt immer schöner sichtbar wird. Er kann gegen Ende des Monats schon von 20 Uhr an gesehen werden. Auch der äußerste Planet, 'der Saturn, ist des Abends und wäh­rend des ersten Teils der Rächt in der Rähe des Sternes Akrab im Skorpion sichtbar.

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Der die 24 Stundenzahlen von Mitter­nacht bis Mitternacht einet Tage» ent­haltende Kreie und die dich punktierte Linie, der sogenannte Horiront, sind fest­stehend xu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil gewissermaßen dem Zei­ger der Himmelsuhr in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinns des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sicht­baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo­

natsmitte. ^Uill man tu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Be­obachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin- etngedreht. Für je 5 Tage vor der Mo­natsmitte ist der gerade Pfeil *11 Stunde früher, für ie 5 Tage nach der Monats- mitte Ml Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten SteThsn- 0<R twi, w<vm er die angedeutete Licht­gestalt zeigt.

ihrem Verschwinden vom Abendhimmel und ihrem Auftauchen als Morgenstern liegt. Es kann vorkommen, daß die Venus gleichzeitig Abend- und Morgenstern ist, nämlich dann, wenn sie im Augenblick ihres Dorbeigangs an der Sonne weit nördlich der Sonnenbahn, der sogenannten Ekliptik, steht, so daß sie aus diesem Grunde einen größeren Tagbogen be­schreibt als die Sonne und deshalb vor ihr auf- und nach ihr untergeht. Diesmal ist nun gerade das Ilmgekehrte der Fall: Die Denus steht unter der Mliptik und sinft im Verlauf des Monats und auch noch im kommenden Monat immer tiefer unter sie hinab. 36 Tage vor ihrem Verschwinden wird von den Stern» kundigen dieZeit ihres größten Glanzes" angeseht: dies ist der 5. August. Ihren größten

Der Fixsternhimmel zeigt das für den August gewöhnliche Bild: die schnell dunkler werdenden Abende lassen eine immer großer werdende Zahl von Fixsternen hervortreten, und namentlich die M i l ch st r a ß e erstrahlt gegen Ende des Monats in leuchtender Pracht. Be­sonders beachtenswert ist ihre Gabelungsstelle im Sternbilde des Schwans. Von den beiden Hauptsternen des Sommers, Qlrctur und Wega, neigt sich der Qlrctur in der Ver­längerung des Deichselbogens des Himmels­wagens im Großen Bären immer mehr gegen Westen, während die Wega noch in größerer Höhe steht. Beachtung verdienen auch die zahl­reichen Sternschnuppen, besonders der sogenannte Laurentiusstrom um den 10. herum.

st ermann.

einer Unaufrichtigkeit führen, die keine wirk­liche Zusammenarbeit möglich macht. Das hat seine Parallele in unserer politischen inter­nationalen Zusammenarbeit, aus der man weder die Kriegsschuldfrage noch eine andere der aus dem Versailler Vertrag entstandenen Ursachen tiefer Entzweiung auf die Dauer ausscheiden kann. Man muß sich endlich zusammensehen und auch über diese heiklen Fragen zu einer sach­lichen und verständigungswilligen Aussprache zu kommen suchen.

Aus diesem Grunde ist es nur zu begrüßen, daß nun endlich auch die Bewegung für eine Kircheneinigung in den schwierigen Fra­gen der Glaubensbekenntnisse und der Kultus - und Verfassungsformen es zu einem Weltkonzil aller Kirchen gebracht hat. So tief es zu bedauern ist, daß sich auch diesmal wieder die römische Kirche ausgeschlos­sen hat und zwar trotz jahrelangen Be­mühens seitens der Führer der Bewegung, persönlicher Abordnung beim Vatikan u. a. so sehr wird dadurch die Aussprache erleichtert, da unter den anderen Kirchen die Hnterschiede zwar auch tiefgehend, aber doch nicht in dem Maße mit dem unbeugsamen Element kirchlich­politischen Machtanspruchs verbunden sind. So sind doch gewisse Aussichten einer Verstän­digung vorhanden, die sonst vielleicht kaum vorhanden wären.

Allerdings darf man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben: Es ist völlig sinnlos zu glau­ben. daß aus den Besprechungen dieses Konzils eine neue vereinigte Kirche hervorgehen könnte. Im Grunde wird das auch niemand erwarten. Aber wir, die wir die Ehre und Freude, aber auch die Last der Verantwortung auf uns ge­nommen haben, die in der Teilnahme an die­sem Konzil liegen, möchten uns von vorneherein davor wahren, daß man uns nachher ein Miß­lingen des Unternehmens vorwirft, weil nicht jenes Ergebnis erzielt wurde.

Don den Programmpunkten werden die Frage der Rotwendigkeit der Einigung und kirchlicher Zusammenarbeit zu diesem Zwecke wohl die we­nigsten Schwierigkeiten machen, da darüber unter denen, die überhaupt nach Lausanne gegangen sind, Einigkeit besteht. Schwieriger wird es schon sein, sich über das Wesen der Kirche zu verstän­digen, da in dieser Frage zwischen der anglika­nischen Kirche und den Kirchen des Ostens, die sich das katholische Kirchenideal gewahrt haben, und

den Kirchen der Reformation, die ein evange­lisches Kirchenideal haben, sehr wesentliche Unter­schiede bestehen. Da aber die Gründung auf Christus und das Reue Testament allen Kirchen gemeinsam ist. so wird vielleicht die Bespre­chung des ThemasDie Botschaft der Kirche an die Welt: das Evangelium" eine Grundlage schaffen, auf der auch eine Verständigung über das Kirchenideal möglich ist, denn m. E. ist im Reuen Testament sowohl das katholische, als auch das evangelische Kirchenideal enthalten

Die größte Schwierigkeit werden wohl die Frage nach den, kirchlichen Amt, vor allem die Dischofssrage, und das Pro­blem der Sakramente, d. h. der Bedeu­tung des Gottesdienstes für die Erlangung des Heils, machen, da auch hier zwischen den katho­lischen und den evangelischen Kirchen große Unter­schiede bestehen, ganz zu schweigen von den Dif- feren^en zwischen den einzelen evangelischen Kir­chen. Die Problematik ist so groß, daß man von vorne herein verzweifeln müßte, wenn es sich um eine rein theoretische Einigung handelte. Da aber zunächst eine gegenseitiges Derstehen und Geltenlassen, d. h. mehr als die bisher geübte Toleranz, erreicht werden soll, bei dem es vor allem darauf ankommt, daß man erlebt, wie ernst es auch den Andersdenkenden um die Wahrheit zu tun ist, während an eine gedankliche Klärung oder gar Einigung erst dann gedacht werden kann, so besteht auf Grund der Erfahrungen von Stock­holm begründete Hoffnung auf ein Gelingen.

Politische Gesichtspunkte werden wohl diesmal keine Rolle spielen, so daß von dieser Seite her keine Gefahr droht. Auch finö nicht soviele offi­zielle Kirchenmänner, wie in Stockholm, ver­sammelt, sondern mehr geistige Führer.

Aber ein gewisses Manko der deutschen Delegation liegt wieder darin, daß keiner von uns offiziell delegiert wurde, fonbern daß sich die Landeskirchen ebenso wie der verfassungs­gemäß dazu verpflichtete Kirchenbund vollkommen zurückgehalten haben. Dadurch wurde die deutsche Dorbereitung der Konferenz sehr behindert, was wenigstens soweit wieder gut gemacht wurde, daß die von einem freien Dorbereitungsausschuh bestimmeten Delegierten vom Deutschen Evange­lischen Kirchenausschuß als Dertreter des deut­schen Kirchentums genehmigt wurden. Immerhin bleibt eine gewisse Hnklarheit darüber, ob die Deutschen eine Einheit bilden oder ob sie sich tei­len und sich den großen konfessionellen Gruppen

Donnerstag, 4. August (927

Zur Bekämpfung der Tuberkulose sind im Deutschen Reiche in Betrieb: 175 Lungenheil­stätten für Erwachsene, 11 Derforgungs-(Lungen-) Krankenhäuser. 82 Kinderheilstätten für Lungen­tuberkulose, außerdem 19 Kinderheilstätten für Knochentuberkulose, 160 Erholungsheime für tu­berkulosebedrohte. skrofulöse und erholungsbedürf­tige Kinder, 29 Waldschulen. 2041 Fürsorge­stellen.

Dei den Geschlechtskrankheiten wurde ein Stillstand oder ein Zurückgehen dieser Erkrankungen berichtet. Insbesondere sind Reu- erkrankungen an Syphilis selten geworden. 3m Gegensatz zu den Städten wird, was außer­ordentlich beachtlich ist, aus ländlichen Der- hältnissen mancherorts eine Zunahme der Sy­philis gegen früher gemeldet. Salvarsanschäden sind in neuerer Zeit erfreulicherweise sehr zu- rüdgegangen. Man hüte sich vor Hebertreibungen bei einigen sensationell aufgebauschten Fällen!

Erscheinungen von vorzeitigem Der- fall der Körperkräfte, frühzeitigem Al­tern und mangelnder Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten sind glücklicherweise weiter zurück- getreten. Weniger ausgesprochen ist der Rück­gang psychischer Störungen, die sich in all­gemeiner Rervosität, in Depressionszuständen und in Reigung zu Geisteskrankheiten äußern. Eine Besserung läßt sich ferner nicht fest stellen in bezug auf den Mißbrauch von Rausch­giften (Morphinismus, Kokainismus), der. ur­sprünglich in der Lebewelt verbreitet, mehr und mehr auch in weniger wohlhabenden Kreisen sich einbürgert und leider auch nicht mehr als ein Dorrecht der Großstädte anzusehen ist. Heber eine bemerkenswerte Zunahme dieses Lasters wird besonders in Schwaben und in Sachsen Klage geführt! In engem Zusammeirhang mit den vorstehend behändsten Fragen steht auch die Zahl der Selbstmorde, die eine erheb­liche Steigerung aufzuweisen hat.

Einzelne typische Krankheiten traten in letzter Zeit stärker hervor. In erster Linie scheinen die krebsartigen Reubildungen vielfach in größerer_ Verbreitung aufzutreten. Gegen den Krebs müßte in Deutschland viel mehr getan wer­den. Das Reuyorker Krebsforschungsinstitut hat jährlich über eine Million Dollar zur Verfügung, das Londoner Institut ebenfalls etwa eine Mil­lion Maick. Für das von dem anerkannten Men­schenfreunde und Forscher Professor Blumenthal geleitete Berliner Institut für Krebsforschung standen bisher gaiue 60 000 Mark jährlich zur Verfügung. Erst in diesem Jahre ist es gelungen, diese Summe durch den preußischen Landtag auf 100 000 Mark zu erhöhen.

Heber gehäuftes Auftreten von Herz-, Ge - fäß-undBlutkrankheiten berichten meh­rere Bezirke. Diese letzteren Erscheinungen werden meist mit übertriebenem Tabakgenuß in Zusammen­hang gebracht, der namentlich bei der Jugend ver­breitet ist. Die kropfartige Entartung der Schilddrüse wird noch immer in ver­stärktem Maße beobachtet. Die in Deutschland int allgemeinen recht seltene äghptischeAugen- krankheit (Trachom) erfuhr eine Zunahme da­durch, daß vornehmlich in der Pfalz (Haßloch und Hmgegend) einige Epidemien auftraten, die na­mentlich unter den Schulkindern zahlreiche Erkran­kungen zur Folge hatten.

Ein besonders trauriges Bild bieten die Be­richte über die für die Gesundheit der Frau wie für die Zukunft unseres Volkes gleich gefährlichen Abtreibungen, die sich immer mehr ver­breiten und auch bei der früher weniger zugäng­lichen Bevölkerung des flachen Landes um sich greifen! Vielfach konnten die sehr niedrigen Ge­burtenziffern unmittelbar mit der Zunahme der Abtreibungen in Zusammenhang gebracht wer­den. Mit den Klagen über Zunahme der Abtrei­bungen wird auch über häufige Erkrankungen der weiblichen Hnterleibsorgane sowie über eine Steigerung der Erkrankungen an Kindbettfieber berichtet, wobei ein tödlicher Ausgang nur zu häufig war.

Was den Ernährungs- und Gesundheits­zustand der Kleinkinder, Schulkinder und Jugendlichen anbetrifft, so schien zu Beginn des Jahres 1925 die Besserung der ge-

anschließen sollen. Das ist insofern bedauerlich, als gerade die Mitarbeit der mit Recht in der ganzen Welt hoch geachteten deuffchen Theologie an der Klärung der theoretischen Probleme von besonderer Wichtigkeit ist.

So steht das Hnternehmen von Anfang an un­ter Hoffnungen und Gefahren, die alle die, denen die Einigung der Kirchen auch im Interesse der inneren Erneuerung unserer Kultur ein ernstes Anliegen ist, mit großer Spannung nach Lausanne blicken läßt. Mögen sie nicht enttäuscht werden!

Die grobe Exzellenz.

Der Dichter Otto v. L e i t g eb veröffentlicht im Augustheft von Velhagen & Klasings Monatsheften fesselnde Erinnerungen an Menzel. Er hat ihn wenige Jahre vor Men­zels Tod besucht. Auch ihm fiel es schwer, an die kleine Exzellenz heranzukommen, doch es gelang. Menzel sand Gefallen an Leitgeb und schenkte ihm zum Abschied sogar eine Zeichnung, eine Frau in Hut uttd Witwenschleier. Das war wie ein hoher Orden, denn Menzel schenkte grundsätzlich nichts weg und hat, soviel bekannt, außer bei Leitgeb nur bei dem großen holländischen Maler Jozef Israels eine Ausnahme gemacht. Leider ist die kostbare Skizze während des Krieges in Görz vernichtet oder gestohlen worden. Leitgeb war mit Menzel bei Frerichs zusammen, seiner Stammkneipe in der Potsdamer Straße. Menzel war sehr seßhaft, es war zwei Hhr morgens vorbei, als man endlich aufbrach.Eine Ver­legenheit entstand mir," erzählt Leitgeb,als wir ins Freie kamen. Es war nämlich so viel Schnee gefallen, daß man buchstäblich darin watete, und es schneite noch so dicht, daß man nur blinzelnd nufschauen konnte. Hnmenschlich, jta unmöglich schien es mir darum, Menzel allein nach Hause gehen zu lassen, und ich bot ihm deshalb meine Begleitung an. Das lehnte er jedoch mit energi­sche? Verneinung ab. und als ich in ihn dringen ju müssen glaubte, kam ich schön an! Da standen wir vor Frerichs auf dem Bürgersteig bis an die Maden im Schnee und eiferten. Menzel wurde laut, als ob wir zankten. Endlich rief er:Hnsinnl Mas fällt Ihnen denn ein! Ich werde doch noch allein nach Hause finden!" Reichte mir die Hand, machte schnell kehrt, und stapfte trotzig und so rasch es ging davon."