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diontdg, 4- April 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen)

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ausgelegt.

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beiden Solostimmen an.

bet, neben bet Aufführungen ein besondere»

hervorzutreten, so bedeutet da» Plu».

bet beschränkten Literatur für war eS durchaus angebracht. baS

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wahren Verhältnissen entsprechend AururfyitneUen.

Angesichts Frauenstimmen Programm durch besondere ©oben zu erweitern, Dera de in den Streichorchesterwerken beS 17. unb

Dari ei er. recht »u machen Die allere, eisten dieser Vorwürfe waren unbegründet, manche Entichci- düngen haben allerdings Kopftchütteln erreg!. Aber au - da- Rc.cheicl.cht Hal sich f.el'ach ge­rn outen. und beule ist icde. fall- von Weltfremd- heil, b e den deutsche Richtern so oft vrcgc- Lorten trorbtr. ist. bei unfeitm^-'i>n Der rcht feine ?>be iebr Aach Mt Stllenigleitungen der ersten Zeit sind überwunder Mi Dräuten t* 'len wir bcuic noch an die Eeeschlangencrkenninissr rriief. die in einem Sähe tn her aus bar Eranzö- 114X7- Rocht-Iprache entnommenen Erwägung«- form Tatbestand und Ent'cheidungsgründr er­ledigten. io bafi der Leier nur mit vielfachem Atemholen a.i da» Ende gelangte, wo er den Rechtstpruch fand. Heute - da» Reichsgericht auch hinsichtlich der Sprache feiner Urteile vor­bildlich.

Deichen Einfluß daS Reichsgericht auf btt Recht-ennviÄung zu nehmen n der Lage ist, bat neuerüd) baS berühmte Urteil des 5. Zivil­senats vom 28 RoVember 1923 erwiesen. Auf dieser auS dem VllligkeilSparLgraphen 242 BGB. abgeleiteter. Erkenntnis fuht hie gesamte Auf- toertunodgefehgebung. Ohne diele» Urteil würde unter Vernichtung deS Mittelstände» unb der wirtschaftlichen Lage bet Rentner unb derBe­amten keine Auf wertunaSges uy g edun g zustande gelDinmcn sein. Denn now tun vorder hatte die Reichsregierung ihren absolut ablehnenden Stand­punkt erklärt.

An die Spitze de» Reichsgericht» find stet» wissenschaftlich und charakterlich erprobte Per­sönlichkeiten berufen worben. Al» erster Präsi- bent amtierte von der Errichtung am 1 Oktober 1879 bi» zum 1. Februar 1391 Eduard v Sim - s o n. der Präsident der Rationalversammlung von 1848 und der erste Präsident sowohl be» Reichs­tag» be» Norddeutschen Bunde» wie de» Deut­schen Reich». An seine Stelle trat Dr. vOehl- sch 1 äger. der sein Amt biS zum l.Roveinber 1904 führte Er wurde abgelöst von Dr. Gut- brob. der aber nur 1'° 3abre bi» zum 17. April 1905 ba« Amt verwalten konnte. 3hm folgte Freiherr von Seckendorf, der da» Prä­sidium mehr al» 14 Jahre. bi» zum 31. Dezember 1919. innehatte Dann übernahm Rudolf Del­brück da» hohe Amt. Er wurde im Juli 1922 von dem gegenwärtigen Präsidenten Dr. Si­mon» abgelöst.

Geistliche Musikaufführung des Lyzeums.

Die Stellung der Schulmusik Hal in den letzten Jahren recht bedeutsame Förderungen er­fahren. wenngleich fie noch nicht den Stand­punkt wieder erreicht hat, den sie vor einigen Jahrhunderten in der Erziehung einnahm. In ihrer Auswirkung bedeutet sie für einen groben Teil der durch die Schule Dehenden die einzige Gelegenheit unb Möglichkeit, zur Musik al» Kulturfakrvr Fühlung zu nehmen.

Eine verantwortungsvolle Aufgabe für den

Dremmen»« zusammen find, wird sich e-.nc sgrnell« Entscheidung n cht fo leicht ermöglichen iiPeit

Die Deschichtc de» Reichsgericht» ist gleich­zeitig eine Geschichte der Deutschen RechtS - cntwicklung tm letzten halben Jahrhundert. Seine Rechtsansprüche sind tn den beiden amt­lichen Sammlungen der Reichsgencht-ent- scheidungen in Zivil- unb Strafsachen ge­sammelt. Sie sind eine unentbehrliche Fund­grube für den Praktiker wie für den RechtS- gelehrten, für den Studenten wie für den Refe­rendar. Die Mitglieder de» Reichsgericht» haben sich säst durchgängig auch an der wissenschaftlichen Durchdringung unb Weiterbildung be» deutschen Rechts beteiligt. Die gan^e deutsche Tüchtigkeit. Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit spiegelt sich in ihren Werken wieder. Dah die Senat»Präsi­denten unb ReichSgerichtsräte sich überhaupt in solchem Umfange literarisch betätigen können, ist bei der ständigen amtlichen Ueberlastung de» Reichsgericht» erstaunlich. Vielfach sind Versuche gemacht worden, diese 'Belüftung zu vermindern unb dadurch eine schnellere Entscheidung der RevisionSfachen zu ermöglichen. Man hat sogar eine Zeitlang bte Ehesachen der Zuständigkeit de» Reichsgericht» entzogen, da» war unbedingt ein gesetzgeberischer Mißgriff, der auch sehr bald tnicber beseitigt worden ist. Auch heule noch be­steht diese Belastung, sie führt zu dem häufig beklagten .horror plcni, der Scheu vor einer Ge­samt ent schei düng der Zivil- ober der Strafsenate ober de» gesamten Reichsgericht». Solche Ent­scheidungen wären aber vielfach notwendig ge­wesen. weil auch zwischen den einzelnen Senaten der Reichsgerichte reichliche Differenzen bestehen, ein für ba» rechtsucl>ende Publikum höchst un­erfreulicher Zustand. SS ist aber verständlich, bah die Mitglieder des RetchSgerichtS solche General- versamnllungen etwas fürchten, denn wenn soviel

beginnenden 18. Jahrhundert» sind bedeutende Schätze geborgen, die e» verdienten, viel mehr der Oesfenllichkeit bekannt zu werden. Welcher Wir- fung ein Werk wie die Tvauersymphonie von Pietro Locatelli fähig ist. bewies die Aufsüh- >rung de» Lamento. Richt nur durch Strenge de» ZeitstlleS. sondern auch durch ba» im Werk niedergelegte persönliche Bekenntnis des Kompo­nisten (er hatte eS auf den Tod seiner Frau geschrieben) wurde der Eindruck verstärkt. Die Aufführung selbst erschöpfte das Werk restlos. Die themattlche Arbeit wurde plastisch herau»- geftellt. die Echo Wirkungen und dynamichen Gegensätze liehen ba» Werk klar erfassen Da» Eigenleben ber melodischen Linie zeugte von sachlich hingegebener Interpretation des Lei-

Estland vor leine eigenen Slaatsangedöri- gen deutfch-'v.fcher Rationalität für den tXmh- raub zu enttchäd gen?'.

Wieichcr 'ich Estland dabei fühlt, geht au» der Tatsache hervor, dah der In ter ganzen zivi­lisierten Well mit höchster De'rem düng auf»

k > rche in Reva zur ale chen Zett erfolgte, aii f.ch Eiltand um tu Roller:'! >kIbe in Genf bemühte 3r erweckt fas den Anschein, al* ob Estland die Probe auf» Stempel machen wollte, w.ewett daS 3nterefk de» De^ulche i Reiche» am Schickfal feiner ReichSangedön »pm tn Est»

50 Jahre Reichsgericht.

Bon

Aeh. Justiz rat Prof. Dr D Eduard H e i l f r o n.

nbe März 1877 nahm der Re.chstag da» enter dem 11 April 1877 veröffentlichte Gesetz *n. da» dem Reichsgericht feinen 6:3 m Leipzig anwieo In Äraft getreten ist b-.efe» Sese» mit dem I Oltoöer 1679. an welchem Zage die ba» Herfahrten ordnenden Reichs- »stvzgesetze ihre Wirksamkeit erlangte" Der tztz. Geburtstag be» Rc chsgericht» wird also erst ~n diesem Tage gefeiert werden könne aoer c6 ^hnl bereit* geUgcr.tiid) der 50 Jahresruckkehr Je» Erzeng u ng Satt es d.ese» für dte deuvche Rechtsentu i.'lnng so wichtigen Ste.gnifseS zu Lenken Das ®efef' über den Sitz de» Reich-.

richt» bat zw.-: kurze Paragraphen Vie ober ion grober poittifchir P-ebcutung find Der erste estimmi. dah in banieniger. Bundesstaat in lesfen Gebiet da» Reichsgericht fernen S.ki hat. fein oberstes Lande»gericht err chtet werden bad D eser Satz richtete sich gegen 2a» damalige Königreich Sachsen Rach tz o le» E.nführungsgesehe» zum Gerichtsverfassuv.g»- «setz 'ollte ein Sundesstaat, ber mehrere Dberlandesg reichte errichtete, die Ber- Handlung und Enischeidang der yir 3uftuiu"'ig- tkit be» Reichsgerichts gehörenden Revts vnen in Cürgetlidbtn Rechtsstr.ittgkeiten einem Ober­sten LandeSgencht zuweisen bürten aufict für ttle RechtSgebletr. auf denen schon da» Reichs- -derhandelsgencht zuständig gewesen war ober »it die durch besondere R.ich»gefetze die Zu- ßändigkrit de* R>ich»gericht» begründet wurde. Man war bei den Derhandlungen über die TZersahrensr sonn, die erste große Durchführung stes einheiisstaatlichen Gedankens auf dem De- friete der Rechtspflege, zu fortwährenden Äom- Utomissen genötigt gewesen Bl » marck hatte i Anwendung be» von ihm geprägten Wortes, kah Politik die Kunst de» im Augenblick Mbg- s chen ist. Satze tn gegenüber die Errichtung rne# Obersten Landgerichts zuaeftanden. Run trollt» auch Sachsen sich Mele» Reservat sichern und zu Metern Zwecke zwei Oberlande»- grrid)t< in Dre»den unb in Leipzig, unb ein Durfte» Landeögvincht in Dresden, errichten Um h.e» zu verhindern, würbe in ber gebuchten Be­stimmung des Gesetzes vom 11. April 1877 die Orrichtung eines Obersten Lande»gerict)t- für benjeniflen Staat ausgeschlossen, in wes- chem da» Reichsgericht seinen Sitz erhalten sdllle. und im § 2 bestimmte man dann Leip­zig al» Ort de» Reichsgerichts

Für die Derlegung be» Reich»gerichts an emtn anbeten Ort al» BerNn war aber noch

tenben.

Mit Rach hatte da» beulfche Skemenl tn ber Entwicklung be» Instrumentalkonzertes eine besondere Präg-, ng erfahren. An Stelle der in den langsamen Sätzen der italienischen Konzerte üb­lichen Äantilene gibt tn feinem Dvppe"-----

Dach eine in tiefster Verinnerlichung fliehende Fuge, deren Themenlräger die beiden Soloviolinen find. Fräulein Alice Graes war schon vor einiger Zeit mit recht beachtbarem Können hervorgetreten Auch hier gab sie wie­derum eine Bestätigung ihrer geigerischen Fähig­keiten. AI» Geigerin vor».ögllchster Schule erw.e» sich Frau Dr. Spohr. Siner derartigen Bogen- führung wirb man nicht häutig begegnen. Ihr .silbern leuchtender, mobulationsfähiger Ton lieh * im Verein mit Fräulein Graes ba» Largo zu einem holden Zwiegefang werden, in allen Graden ber Steigerung bl» zum nerfTingenben Pianittimo. Die Orchesterbegleitung sbefonberS bie Orgel- war im Anfang be» Satzes etwas zu ft art. pahtc sich aber im weiteren Verlause ben

Im Ave verum von Mozart fehlte ben vier Solostimmen eine letzte AuSaegltchenhelt. In­wieweit bie Beschleunigung be» Tempo» mit Rücksicht auf bie immerhin sebr schwierige Atom- sührung erfolgte, entzieht sich ber Äenntnl» be» Reserenten.

Der zweite Teil be» Programm» brachte bie Passion»kanlate von Karl Hirsch (op. 192) für Frauenchor. Soli, Streichorchester unb Orgel. In einzelnen Vilbern gibt der Komponist dem Lei­densweg eine musikalische Untermalung; durch die Verwendung alter Kirchengesänge und geist­licher Volkslieder wirb der Sttmmung-gehalt ver­stärkt Das Werk selbst ist nicht au» einem Ringen um Probleme geschallen worben, son­dern stellt mehr die Arbeit eine» Routinier» dar, ber zwar jeder Stimmung gewachsen ist, aber nicht immer Originelle» gibt Stellenweise gelingt ihm die dramatisch« Steigerung au» der Szene herau» recht treffend, auch da» Verweben von obligaten Instrumenten vermag den musikalischen 21u»drud zu steigern.

Der Thor saht teil» bie Stimmung der Szene in einer Betrachtung zusammen, teil» greift er handelnd ein. Ihm sind mit den Th oralen bzw. geistlichen Weisen recht wirkungsvolle Ausgaben gestellt, unb in ber Art. wie et feinen Part durchführie. war bie überau» sorgfältige Arbeit be» Dirigenten bei ber Vorbereitung zu erkennen. Sehr stimmung-voll gelang ber SingangSchor zu ber Gethsemanefzene- .Da Jesu» In ben Garten ging. " Hier sowohl wie tn der Reihe bet Thvtäle zeigte sich eine überraschende Feinheit be» Ausdrucks und Abrundung des Klange». Steigerungssähige Kraft erwiesen die brama- rischen Stellen, die Textaussprache war sehr sorg­fältig bcfcanbdL

Für bie Durchführung ber zahlreichen Solo­partien traten Frau Dr. Müller-Banaett «Sopran-. Frau Jrmg. Heermann (Alt), Lic. I. 5 Saun (Tenor, al» Erzähler. Karl Rühl f Bariton) al» Ehtistu», CtuMcnrat Krau» fBah) al» Kaipha» mit bestem Ge­lingen ein.

Den Orgelpari hatte §>einz Simon N etzen) übernommen und führte ihn mit geschickter An­passung durch; stellenweise hättm bie Realster zarter gewählt werben können. Die wechselnben Stimmungen be» Werke» arbeitete bet Dirigent Leopold Geller charaktetistllch heraus unb bet Erfolg ber Ausführung war ein Spiegel der von ihm geleisteten Arbeit.in

Um nicht mit Aufzählungen und Wiederholungen zu ermüden hier kann, wie stets, nur jedem emp­fohlen werden, sich selbst mit den ausgestellten Bil­dern zu beschäftigen greifen wir einige, uns be- sonders interessant scheinende Stücke heraus.

Für den Niederländer-Nachklang, van dem wir sprachen, sind etwa die große Barengruppe (Sorbet- manb) unb bie Hitschhatz im Hinteren Kabinett bei- spielhaft aufzufichren, von benen insonderheit bas letztgenannte bie energischen, kämpferischen Bewe­gungsimpulse einer solchen Episobe mit einer ganz bekoratio sich gebenden malerischen Haltung nicht übel vereinigt. Durch auffallend Helle Qefamttöne, lebhafte Linienführung unb übrigens ganz flächige Malweise oerbinben sich sechs In eine Linie gehängte, mittlere Formate im zweiten Kabinett. (Uns intcreffiercn begreiflichetweij« vor allem Stücke, bie vielleicht ben vom rein Stofflichen zuerst ange­zogenen Jäger unb lierfreunb, ber an ber Aus- nellung viel Freube erleben wirb, weniger beschäl- tigen werben.) An der gegenüberliegenden Wanb finden sich ferne* zwei beachtliche Gruppen, die beide durch ihren koloristischen Geschmack bas Auge fesseln: wiederum eine heftig bewegte Hirschjagb unb eine Pferbeszene (TOuttcrftute mit Fohlen und Dolf), die wie bie Illustration &u einer bekannten Erzäh­lung aus ..Reineke Fuchs^ anmuteL Don ben kleine­ren Stücken notieren wir um ihres loderen helleren Tons unb ber rhythmischen Figuren willen zwei Rehgruppen am (Eingang links. Au herbem eine gröforre Anzahl mehr als Stilleben behandelter Ein- zdfiguren.

Unter ben rein lanbschaftlichen Motiven ergänzen sich farbig unb kompositionell je zwei Arbeiten tm Hinteren unb mittleren Raum.

Auf einem Sellentisch sind, als ein« wirkunasvolli Ergänzung ber Hauptkollektivn, eine Reihe beacht­licher Radierungen. Bleistift- unb Aguarellblütter

Aus dem Finanzausschutz des Hesiischen Landlaqs.

D a r in st a d t. 2 April. Der Fmanzaus'chust des Hessischen Landtag setzte s?ine Beratungen bei Kapitel 42 (Landes-Heil- und Pslege- an st al len) (ort. Ss lag ein Antrag Wdmann und Gen vor über eine Unsallversichcrung des Personals und ein Antrag Roth-Angerineicr der für das nichtbeamtete Pcr<vnal die Sinsührung einer Ruhelohiiordnung mit Hinterbliebenenfür- sorgc will. Beide Anträge wurden durch eine Regierungsantwort für erledigt evllärt Ein An­trag Heinstad: ersucht die Re^.erunp eine ReichS- oerordnung über die Arbeitszeit In R r a n kenhausern vom 13. Februar 1924 un uerzu gl ich einzuführen. Der Antrag wurde mil 7 gegen G Stimmen abgelehnt Ein Antrag (Balm auf Ein- jührung eines ständigen parlamentarischen Unter- iuchungsausfchuss«* zur Nachprüfung brr (Einlieferungen der in Irrenanstalten imtrijubiin- genbrn Geisteskranken wurde ebenfalls abgelehnt. Ein Antrag Rath, dasi "Wärter nach 10|ahrigrr Dienstzeit in ein Beamtenoerhällnis ubetgesuhrt werden sollen, wurde auch abgelehnl. Angenommen wurde dagegen ein Antrag Glaser, in dem die Regierung ersucht wird, darauf hinzuwirken, dasi die wirtschaftliche De trieb Sfüh- r u n g der Alzeyer Anstalt den anderen Anstalten zur Richtschnur dient. Kapitel 42 wird darauf angenommen. Zu Kapitel 34 (2 rbci t s- haus Dieburg), ba» bereit» erledigt ist, wurde noch nachträglich ein Antrag Widmann, wonach auf den Stopf eine» Sträfling» em Ar­beitslohn von 1.50 Mk. für den Tag bei Arbeiten außerhalb der Anstalt scsizusetzen. abgelehnt und dafür ein Antrag angenommen, die höchstmögliche Summe au« dem Arbeitsverdienst herauSzuholen. Zu Kapitel 43 (Alicest ift in Darmstadt. An­stalt für Geistesschwache) lag ein Antraa Roth vor. der eine Scheidung im Unterricht der Geistesschwachen un d Dlödsinnigen von den Schwachbegabten bezwedl. Der Antrag würbe ber Regierung als Material übenuitfen. Angenommen würbe ein Antrag Stord, ber bie Regierung ersucht, die Zöglinge des Alimstiftes nach Begabung unb Leistung zu differenzieren unb bie bildungsfähigen besonders zu unterrichten. Das Kapitel selbst wurde angenommen. Zu Kapitel 44 (Volksgesund­heit s p f l e g e) lag ein Antrag Widmann unb Gen. vor, bk Titel 2, 4 unb Ü wie tn vorjähriger Höhe in ben Elaatsooranschlaa «inzustellen. Es Han- beit sich um Zuschüsse an da» Eleonorenheim in Darinstabt, an die Säuglingsheime in (Biegen unb Mainz, bie Anstalt für Epilep- tische in Darmstadt und um die Dlindensürlorge, die um 10 Prozent gekürzt In daS diesjährige Dudgel eingestellt fino. Der Antrag wurde an­genommen. Ein Antrag Roth-Angermeier in Titel 1 (Tuberkulosebekämpfung) an­statt 27 000 Mk. 100 000 Mk. und in Titel Z (Heilstätten) statt 20 000 0111 40 000 OHL einzustellen, wurde abgel^nl. daS Kapitel selbst wurde angenommen. Zu Kapitel 45 (Jugend-

lanö oder gar an der 3idten,* eines Ivt'cu«!abigen baltischen Dcui'chtum* ging D.c mil deutscher Mitwirkung rrlolgle glaiie Erledigung der est­nische' Dollerbundsanleihe lönnK tt zu der Annahme berechtigen dasi dies Interesse ein sehr geringe* sei 04 ist Ausgabe der vcrant- lungSbewusitcn deutschen Oes- lichkelt. diese Annahme al« nicht den

Vie demjche Politik in (Eflianö.

Don unterem Sch.-Bc richterstalier

RevaL End« März 1927.

Aus der eben abaehalteneii Völkerbund» - taguna ist u a. fast unbemerkt vv.i der prosten Oeffentlichke-.i eine Dölderbundsanleipe für Est­land zu 'ehr günstigen Bedingungen bewilligt worden Der estUndifche Vertreter. General Sai­ds r. c r. hob .ach femer Rückkehr i". kinem Bericht Ioi'c:xd beroor. dast .der Vorsitzende ün Dölkerl'undSrale Minister Stresernann. in keiner Weise gegen Estland aus- getrcten sei. «ondern es gleich den übrigen Ratsmitgliedern tn sämtlichen Fragen uniedtünt hätte Diese Tatsache ist insofern von Jnlerr' für die !che OZ'crntlichkeit. alS man in offi­ziellen estnischen Kreisen nicht ohne Grund' sehr besorgt gewefen ist vor einem deutschen Einspruch gegen diele Anleib? Vei den Dor- ncrhanMungcn im Finanzkomitee des Vlüker- bunk'e- batte der deutsche Vertreter eine erneute Revisir-n der Anleiher^rhandlungen verlangt mit der Begründung, dast die Entschädigungsfrage -.n Estland (für die Güterenteignung) biS letzt noch nicht geregelt sei, dah le gar die geringe. laut Gesetz zu zahlende Entschädigung dank dem Volks- abstirnmungSplane der Sozialisten fraglich ge­worden fei, und dast die Frage der Entschädigung ausländischer Staatsangehöriger es kommen hier fast nur Reichsdeutsche aus unge- sähr 30 Gütern in Frage, da natürlich die An­gehörigen anderer Staaten voll eniidxibiqt sind! für ihre enteigneten Güter gleichfalls noch ungeregelt ist

Mit Recht wurde von deulschcr Seite daraus hingewiesen, dast ein Staat mit derart un­geregelten Eigentum »begriffen lein» Garantie für die Gewährung einer Völker- bundsanleihe bieten Enno. Demgegenüber stellte sich die estnische Regierung nun einfach auf den Standpunkt, .dasi bte Fragen der Gewährung einer Ausienanleihe an Estland und der Ent­schädigung für die enteigneten Ausländergüter in keinem Falle verbunden werden könne k" Mit diesem sehr einsachen Standpunkt, her tn seiner kategorischen Form wohl einem etwas bedeuten­deren' Staate als dem kleinen Estland mit seiner Einwohnerzahl von der D r ö st e Eharlokten - bürg« angemessener gewesen wäre, erflärlai sich die meisten Mitglieder deS Fnianzkvmitee» einverstanden, zumal die am meisten interessierten Vertreter Deutschlands schwiegen und ihren ursprünglichen Einspruch nicht mehr aufrecht er­hielten.

General Saldoner betonte ausdrücklich, dah er keinerlei politischc Kompensatio­nen für die estnische Anleihe auch nur ange­deutet hätte. Unter diesen Umständen mutz daS Verhalten der deutschen Vertreter in dieser gan­zen Angelegenheit bei der deutschen Oessentlich- feit auf stärkste» Befremden stohen. Dieser offenbare Verzicht auf unbestreitbare deutsche Rechtsansprüche, die noch dazu seit Jahren von dem Revaler deutschen Vertreter hvchosslziell verfochten werden, schon einem so kleinen Staate bei Estland gegenüber bei einer so günstigen Ge­legenheit durchaus eben oder sich wenigsten» ent­sprechend kompensieren xu lassen, ist nicht nur geeignet, die deutsche Auhenpolitik im Inland tote tm Ausland in Mltzkredit zu bringen, son­dern kann noch ganz andere Folgen nach sich ziehen. Da» Wohl und Wehe des ohnehin schon schwachen bodenständigen baltischen Deutschtums in Estland hängt hier saft noch mehr als in den anderen Staaten mit einer deutschen Minderheit von dem Ansehen und der Zielsicherheit der reichSdeutschen Politik ab. Durch die sogenannte Agrarreform ist In Estland dem baltischen Deutschtum brutal und bewuht daS materielle Rückgrat gebrochen worden. Wenn mm nicht ein­mal die in reichSdeulschen Händen befindlichen enteigneten Güter entschädigt zu werden brauchen, wieviel weniger Rotwendigkeit liegt dann für

wirkenden Schulmuiller. de"en Tättgkett nicht immer die gebührende Würdigung findet. Denn in der Hauptsache wird sich seine Arbett aus die Weckung und Ausbildung formaler Kräfte er ft reden, die für daS Erleben und die Aus­übung der Musik von grundlegender Bedeutung sind. Wenn dann ein Schulchor Gelegenheit fin­lautenden Arbeit mit öfserttlichen

eme andere politische Erwägung mabgtbend: Ochste« preuhischeS Gericht war biS zum I.Of- rtbex 1879 daS geheime Obertribunal tu Berlin. Seine richterliche Unabhängigkeit von Einsiüssen der Verwaltungsbehörden de» Reich« und PreuhenS war jedoch vielsach bezweifelt Horben, vor allem in Verfolg der Politischen Prozesse gegen Hofften und Walbed. Man tjiaubte nun. durch eine Verlegung in» Reich diese Etnllüsse au-schalten zu können, und indem rran Seipzig al» Tagung»ort nahm, schlug man rjufagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Sachsen trurbc dadurch, wie erwähnt, gehindert, seinen ttartikulariftischen Relgungen aus dem Gebiete der Recht-Pflege zu folgen. Bei der Schlutzabstim- rrung ereignete sich übrigen» ein viel beachteter Vorfall. *n elsässischer Abgeordneter hielt e» her angemessen, mit .Nonl zu stimmen, woraus der damalige Reich»tag»präsident, Herr von ^ordenbed. dem Herrn klar machte, dast im Deutschen Reichstag deutsch gesprochen werden rrüsie.

Da» Reichsgericht trat an die Stelle de» Reichsoberhandelsgericht». das schon 1S69 errichtet worden war. Ss bat sich seit seiner Begründung al» Hort der deutschen Recht»- rnoelt und schöpferischer Fortbildner deS deut- ' den Recht« erwiesen. Viele Angriffe sind troh- Pem gegen da« höchste Gericht geschleudert wvc- Ftn. Dem Richter ist ja ohnehin versagt, es allen

Gberhessischer llunstverein.

Dl« n«ue Ausstellung am Lrandplatz ist diesmal rur einem Künstler gcroibmet, dem in Weimar an- jiffiflen Maier Heinrich L i n z e n. Seine Arbeiten ttid siofsftch gan,z einhelttich zusanunenzufasien; er bevorzugt, cvenigstens mit der hier gezeigten Kol- ikftion. das Tierstück unb bie Jagbiz.-ne; baneben inben sich vereinzelt Lanbschajtsdilder ohne olaf- fhgZ Da» Tiermolio kehtt in ber ganz überwiegen- Ben Anzahl ber ausgestellten Silber wieber unb wirb ai vielen Variationen dehanbeit. in ben oerschie- Benften. biejem Künstler zu ®ebok stehenben Tech- trt(«n unb Ausbrudssormen Dflbilb. Aquarell, yabkrung, Zeichnung abg«wandelt.

Wa» den künstlerischen Gesamteinbrud betrisii. »er von ber Ausstellung Linzen» ausgeht, so Ist zu ligen, batz feine Malerei in ben meisten unb besten Etüden von einer starken unb eigentlich aurschiletz- Idxn Stoistichkeft beftimmt wirb. (Eine ernsthafte, hft leidenfchiftliche Hingabe an bas Objekt, an bie -reifbare Desendett be» ui Malenben gibt Jemen Silbern ihren befonberen Eharakter. Hier hanbelt es Ich um eme sehr sachliche Malerei, ber ber ..Gegen- fcanb' (Im tveitesten Smne) thematisch wichtig ist: Ser Begriff ,.Sa-hlichkc:f. ber sich, wie uns scheint. ..-ngeficht» biefer Silber aufbrängt soll übrigen», roas oir ausörüdlid) betonen wollen, burchau» keinen Inflang etwa an bie neuesten Formen ber Gegen- oartsmaierei enthalten; zu einer (Etnorbnung m bie Dorläufig) letzte Richtung besteht kein Lnlah; ber- ileichen liegt uns fern, ueberhaupt kann unb will ,'inzcn» Malstil kaum irgenbwo ft gelegt unb an- egliebe« werden. Vielleicht ist dies bas Beste, was on feiner Gestaltung»form zu sagen ist: bah sie n ihren aiüdlichsien Erzeugmsien wenigstens per- önliche Handschrift und ein« nicht zu verallgemei- embe (Eigenart aufweist Dies schließt wieberum bie lnsicht nicht aus. bah auch biese Kunst nicht ..vorn -simmei gefallen' ist. Das gibt es wohl überhaupt icht und oielleich! liegt einer ber wichtigsten Auf- Echwsi« zum Verständnis gerade ber gegenmärtigllen iilbnerei in ber Erkenntnis ber zahllosen, oft nur mit feinstem Tastsinn zu erspürenden Beziehungen, Ke Allerneuestes mit sehr Altern geheimnisvoll oer- Stüpfcn.

yn unserem Falle wirb man sich früher ausge- hsrochenen Urteilen ohne Bedenken anfchliehen Kirf en: bah nämlich gewisse Silber einiger namhafter Stieberlänber auf die Gestaltungswei'e Linzens nicht ebne Einfluh geblieben find. So etwa Gruppen oon Ingbers unb, wie uns scheinen will, auch von Rubens.