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Montag. 4- April 1921

177. Jahrgang

Nr. 79 Erste; Blatt

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

thu« HT!t Oftlej: BrCbl'icbe Unioerfitits-Bidf- anö Steinörnderei 8. £ange tu Sieden. S<f>rrftlettnng uni» StlchäftrNelle: SchiilNrale 1.

Erscheint «äglid», aefofT Sonntage enb ^«tcTtnqi

BeUagei: ®(rf$<afT ^cm'Iitnbiattrr Hermat im Bild

Die Sd)ofle.

UloMls-Cejiicipreli: 2 Reichsmark unb 20 -teichspfennig für Träger- lohn, auch bet 9lid)trr« scheinen «injelnerTl ummern infolge höherer (örroalL ,jern|pred)an|d)||e:

51, 54 unb 112.

Anschrift für Drahtnach­richten Lozeiyer Otetzen. polschecktonto:

j$tewffnrt am Main UM.

L«mahnte hi Lazelae» tüt bte lagesnummtr ots tum Nochmtnag vorher.

Preis nr 1 mm höhe fit Atze en pon 27 mm Brette örtlich 8. autmärts 10 Retd)»ptewnig; für We- hlameantetgen von 70 n m Brette S5 Beichepsenntg, Platzvorschttft 20 mehr.

IbefrebairttuT

Dr. Jnebr. TJtlh. Gange. Drrantroe'Nltch tür Voltttli Dr. jr. Wilh. Gange; ftlr Jreutiletrn Dr tz Tchynot; ftlr be.t übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- jetgentet! Äurt ßtUmann, Amtlich in Ätehen.

Der erste deutsche Bismarcktag

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Sie AmW des NoWWleliks im WAU

im einfachen Kunstbau die er.

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die

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DiSmarckfchen Ginne. Dir sehen, wie

ein neues Geschlecht auflommt, wohl nicht be- hütet. wie einst vor dein Kriege, heute ist daS Leben schwerer, und doch, wenn eine Jugend aus­wächst ohne Dermögen. und werrn sie arbeiten

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Sri

Reichsauhenminister Dr. Stresemann

bei war. dann

und unwandelbarer Ber-

die Frage, in welchem Geiste D i S m a r d wirken würde in einem Deutschland der Ge­genwart. 3n kurzen Zügen führte er die staatsmännische Gröste und Eigenart BiSmarcks rot Augen und bemerkte, er glaube. Bismarck würde nicht träumend resignieren in dem Erinnern an einstige Gröste. er würde auf­rufen zur Tat, um wieder auszubaucn. so­weit es möglich ist. Die Tat. die in die Zukunft schaue, wolle ein Symbol, und diese- Symbol solle BiSmarck 'ein. Dach Anführung deS Wortes BismorckS:20 Jahre nach meinem Tode möchte ich einmal auserstehen und sehen, was aus Deutschland geworden ist!" fuhr Dr. Stresemann fort: AIS diese 20 3a&re verflossen waren, war daS Reich vernichtet. Dun lasten Sie unS heule da- eine Kagen: Was lehrt unS diese Zeit? 3ch glaube, sie lehrt uns das eine. was DMmarck non seinem Leben tagte: ..Arbeiten und kämpfen, um vorwärts zu kommen." lieber das Trennende hinweg die Kräfte daraus zu lenken, die Trümmer «richt lie­gen zu lassen, sondern neu aufzubauen daS ist die Aufgabe dieser Gegenwart. Es geht nicht mehr zu sagen: Wie schön war es einst; es gilt für unS. bie Hände zu rühren für ein neues Deutschland. Wir waren ernst auch in der Zeit der deutschen Deltgrvste die Ruy- niester dessen, was unsere Däter schu­fen. Wir haben die Pflicht. denen es leichter zu machen, die nach unS kommen. Fragen Sie die Menschen über dem Meer. Sin großes Staunen und Bewundern geht durch die Well für daS. was an Lebenskraft in diesem Volke liegt, bem mon so viel genommen hatte Wir sehen, wie hanseatischer Geist Reues geschaffen hat. um eine deutsche Handelsflotte wieder erstehen zu lassen. Wir fdjen die Leute, die grvst dastanden, klein wieder ansangen, um nicht unterzugehen. Wenn man dieses betrachtet, dann zeigen auch diese wenigen Zähre, in denen Fieber das deutsche Volk erschütterte. waS wir schaffen können, wenn wir. frei von inner» politischen Kämpfen, einmal Hand an- legen, um wieder in die Welt zu kommen. W i e

Alt reichskanzlers als Ma.

schen Eintracht und Warnervor deut­schem Zwiespalt steht, dann wird sede« deutsche Schiss hingrüstend die deutsche Flagge lenken unb Mannschaft und Dolk werben dem fragenden Ausländer kundgeben: Dort steht, der Deutschen Reiche- Baumeister Don lebhaftem Beifall begrüstt ergriff

eine Rede hielt, in der er zum Schluß u. a. folgen- fte« auSführte Wenn wir heute aus dem tiefen .Tale unseres Dieder ganges hinaufblickcn zu den Höhen, zu denen BiSmarck uns geführt hatte, so .un toit eS auch, um uns wieder bewußt zu werden, was Deulschlaitd kann, wenn es von der politischen Erdsünoe der Germanen, der Zwie- rächt, sich löst. Uni) das sei der Dank und daS Gelöbnis des heutigen Tages: Uns nicht trennen 5U lassen durch Stamme. Bekenntnisse, Klassen und Parteien, sondern zusammenzuhalten in der einmütigen Liebe, in dem einmütigen opserwillen für das Daterlanb. 3eder von uns muh zu feinem bescheidenen Teil zu erleben fuchcn. waS jener GcniuS in sich vereinte: Kraft und Wille Mahhaltung und Treue bis anS Ende. Wenn auf der Slisenhvhe bet Dingen das D a t i o n a l d e n kma l für DiS m a rck thronen wird gebaut wird es doch, wenn viel­leicht auch erst von unfern Kindern unb Enkeln, wenn dort, dem Diederwalddenkmal gegenüber.

" stakt des

Hannover. 1 April. lWTB.s Der vom Verein zur Errichtung eines Di-marck-Rattonal- Denkmals veranstaltete erste deutsche Bismara- tag. verbunden mit Bismarck- Geburt-:agSfeier, wurde Sa ms!agabend durch eine Dorf eier mit Kommers tn der Ausstellungshalle eröffnet Teil­nehmer aus vielen Gauen Deutschlands hatten !ich eingefunden. Der zweite Vorsitzende des Der- cmi. S,zetten, Wallraf. M. d. R. begrühte >i a. besonders die 3ugenb, die das toieherbrinnen und vollenden soll, was die Alten einst befefien haben, ein einiges unb tüchiges Reich. Die eigentliche frier fant) am Sonntaanachrntttag im Kuppelfaal der Stadt Halle, wo nach Degrüstungs- worten des Duisburger OberbürgermetsterS Dr. Jarres der ehemalige

Staatssekretär Wallraf

das Wort. 5>r Stresemann überbrachte Grühe der Reichsregierung und er­klärte. dast die Reichsregierung durch chre Der- tretung auf der ersten Tagung der Vereinigung ,ur Schaftu«^ eines DiSmarckdenkmals am Rhein zum Ausdruck bringen wolle, bah sie voll und ganz hinter dieser 3dee steht. SS würden noch Zeiten vergehen, ehe dieses Denkmal herniederschaut auf die Fluten des RheinS. denn auch der steinerne DiSmarck solle nur auf ein befreites Rheinland her- niederschauen. Der Minister gab dann eine Gha- rakteristik Bismarck- als Staatsmann und stellte

tollte, bis heute verschleppt wovden fei. hätten die Arbeiter keine Hoffnung mehr. Die Gewerk- 'chaften verlangten deshalb Beseitigung der Mög­lichkeit. den Arbeitstag um zwei Stunden zu ver­längern. Wenn eS nicht ander- werde, würden fich die deutschen Arbeiter den Achtstundentag mit der geballten Faust holen. kDeifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Stegerwald lZ.) erklärt, bte Lppo- :ion der Renten und der Linken gegut jedeS 'ozial.'.optische Gesetz <er nickts ncues D e große 'vzialpolititche Gesetzgebung der stder 3ahre hab« man ja auch gegen die Dozicildemolrati' durch­setzen müssen iLebhaftcr Dderspruch bei den So­zialdemokraten DaS Zentrum er-trrbe in der MietSpolink w.e in der Arbeitszeitfrage eine vernünftige organische Weiterent­wicklung. Plötzlich könne man den AchtffundeT»-

Dah der Reichstag, wenn es darauf an« kommt, gewaltigen Arbeitseifer zu entwickeln vermag, haben die letzten Tage von neuem be» wiesen. Dach einer zehnstündigen Sitzung am Freitag begann er am Samstag morgens 10 Uhr mit der Fortsetzung der Beratung deS Finanz­ausgleichs. Die Arbeit wurde so gefördert, dah im Laufe des DachmittagS bereits der ge­samte Finanzausgleich in zweiter und dritter Lesung angenommen werden konnte, ebenso das Diersteuergefeh. diese- sogar ohne Aussprache. Der frnanzauSgleich wurde mit den Sttmmen der Regierungsparteien und des Bay­rischen Bauernbundes verabschiedet. Dabei war die Beteiligung der Abgeordneten an den Be­ratungen eher noch schlechter als am Tage vorher, obwohl es immerhin zweifelhaft ist. ob die An­nahme deS Biersteuergeseyes verfassungSmästig rechtlich erfolgt ist. da nach dem Gesetz von 1919. daS durch diesen Beschluh verändert wird, eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sein soll. Steilid) sind sich hierüber die Juristen nicht ganz einig und eS entspann sich eine recht lebhafte Aussprache über dielen Punkt. Preichen hatte bekanntlich angekündigt, dast eS den Staatsgerichtshof wegen einer Entschei­dung über diese Frage annxfen werde. 3mmer- hin versichern kundige 3uriften. dast der Staats- gerichlShos gegen Preusten entscheiden werde, da jene Besttmmungen im Gesetz ausdrücklich zum Schutz der süddeutschen Staaten gegen eine wei­tere Verminderung ihrer Einnahmen auS der Biersteuer angenommen worden seien, dast da­durch aber eine Erhöhung ihrer Einnahmen auS der Dicrsteuer selbstverständlich nicht verhindert toerben könne. Doch dem mag fein, wie eS wolle, der Staatsgerichtshof wird daS letzte Wort in dieser Angelegenheit zu sprechen haben.

Der interessanteste Tett der Verhandlungen in der Aussprache über den Finanzausgleich spielte sich am Freitag und am SamStag teils in der Leffentlichkeit, teils hinter den Kulissen ab. Schon cm Freitag hatte sich ein scheinbarer Zwiespalt zwischen dem preuhischen und dem Reichstagszentrum betau»- gestellt, dadurch, dast der preuhische Minister­präsident Braun im Damen deS preuhischen Kabinetts Einspruch gegen den Finanzaus­gleich und gegen die Biersteuer erhob Er hatte ausdrücklich klont, dast das gesamte Kabinett, mit Einschluh der dem Zentrum angehörenden Minister. d:e von ihm abgegebene Erklärung gebilligt habe. Darüber hatte der Zentrum-- führet im Reichstag, der Abg v. Gusrard. 'em Erstaunen ausgesprochen, dieser Redekampf wurde am Samstag fortgesetzt. Inzwischen waren aber auf Veranlassung des Reichskanzlers die Vorstände der beiden .Zentrum-staktivnen mit den preust. Zentrumsministem zur Beratung zusammengetreten u. obwohl vertraulich verhan­delt wurde, konnte die ..Germania" am Samstag­morgen bereits das Ergebnis insofern mitteilen, als nun feststand. dast der preustilche Minister­präsident zur Abgabe seiner Erklärung nicht beteiligt war. soweit die Zenttumsminister in Frage kommen. Dem Befremden des Zentrums über das Verhalten des Herrn Braun gab nun der Abgeordnete v. Ducrard am Samstag in der ReichstagSsiyung seht scharfen Ausdruck. Der ZenttumSführet sah fich veranlaht. noch einmal zu betonen, dast er all? Veranlassung habe zu der Annahme, der Beschluh deS preuhischen Kabi­netts fei jedenfalls nicht einstimmig erfolgt Anscheinend tut sich auch im Preuhischen Landtag.

beit.)

Abg. Drahmann sSoz.) erflärt. nachdem die Vorlage, die zur Linderung der Arbeitslosig­keit in den schlimmsten Wintermonaten beitrogen

muh. nur um daS nackte Leben zu triften, so ist das eine harre, aber gute Schule für jeden Men­schen. Denen, die un- kränkten, werden wir zu- rufen. dast wir den geistigen Kamps mit ihnen aus nehmen und wir haben ihn schon geführt, nicht ohne Erfolg zu haben. Heber diesem Kampf stehen die Worte .Sieg oder llnsieg steht in Gotte- Hand; der Ehre sind wir selber Herr und König!" Das ist die Grundlage der moralischen Stelluna Deutschland- in der Welt. Wir glauben, dast wir ein Dolk der Zukunft sind. Lassen Sie unS arbeiten im Sinne BiSmarckS. Wenn es einen Sinn der Weltgeschichte gibt, dann wird auch eine Antwort auf den Rus kommen: Herr, mach uns frei!

Dachdem der braufenbe Beifall nach der Rede Dr. Stresemann- verklungen war. sang die Zestversammlung gemeinsam da- Diederländische Dankgebet.

Der Reichspräsident zum Bismarckta^e.

Berlin. 2. April. (WTD1 De/ Reichs- r. ä f i b e n t hat an den Staatssekretär Ludwig Wallraf M. b. R., den Vorsitzenden bei heute in Hannover abgehaltenen ersten deutschen Bis- manftagee folgendes Scheiben gerichtet:

..Sehr geehrte Exzellenz! Für bie freundliche Einladung zur Teilnahme am ersten deutschen Dis- Marktlage in Hannover sage ich Ühnen vielen Herz- lichen Dank. Ich bebaure sehr, bah es mir anderer Verfügungen halber nicht möglich ist, Ihrer Auf­forderung zu folgen und am 2. April zu dieser Gedächtnisfeier nach Hannover zu komtnen, aber ich bitte Sie. davon überzeugt zu fein, bah ich

ehrung für den ersten Kanzler in die­sen Tagen in meinen Gedanken bei Ihnen weile unb bah ich in her Qri« ne«

feit Bismarcks unb fein Werf ben ersten deutschen Disrnarcktag mit meinen besten Wünschen begleite. Mit Genugtuung habe ich bavon Kenntnis ge­nommen. bah diese Gedächmisseier von Ihnen unb ben Vertretern der verschiedenen po­litischen Richtungen und Weltanschau- ungen veranschaulicht wirb. Ich freue mich dessen ganz besonders unb mvchte barin ein gute« Vorzeichen darin sehen, bah sich in dem Geiste Bismarcks unb bamit zugleich in bem einheit­lichen Willen, sein hi st arisches Erbe zu erhalten, alle zusammenfinden mögen. Mit freundlichen Grüßen, bie ich zugleich bitte, an bie Teilnehmer ber Tagung zu vermitteln, bin ich Ihr ergebener gez. o. Hindenburg."

In her Bismarckfeicr wurde unter stürmischem Beifall der Dersammlung folgendes A n t roo r t telegramm an ben Reichspräsidenten o. Hindenburg abgesandt:

..Mit tief gefühltem Dank für Ihre wertvolle Anteilnahme, welche Ew. Exzellenz un» ,511m Aus- druck zu bringen die Güte hatten bittet ber erste deutsche Bismarcktag in erhebender Festoersamm- lung, seine ehrerbietige Begrühung entgegennehmen zu wollen. Im Geiste Bismarcks unb Hin­denburgs geloben wir. über alles Trennende hinweg in wahrer Einheit unseres Vol­kes zu arbeiten. Auf bem Boden dieser Einheit so!! da» Volksehrenmal am Rhein erstehen. Wir hoffen bei diesem Werf weiter auf die Förderung der Reichsregierung und auf ben von ber Siebe unb Derehruna des deutschen Volkes getragenen Reichspräsidenten."

bisher Man solle sich doch ror Augen halten, dast Preusten das Land Je:, das durch den un­glücklichen Ausgang des Äliege# grv c Ged'.ete unb kolossales Staat-Vermögen verloren habe, hast es also ntcht rub.g zuieben fonn- wenn anderen Rerchstecken besondere Relen^itrechde cmgeräuint würden. (Lebhafte Zustimmung links.)

Abg. v Duerard (Z.) crllärt. man habe es bei dem Drenzsonds nicht mit der RcichSrat- Vorlage zu tun gehabt, sondern mit ber Re­gierungsvorlage. die nur 15 Millionen enthalten habe. Diese Summe hät:en die RcgicrungSparlcien auf 25 Millionen erhöht. Man könne also nicht davon sprechen, dast bie Regierungsparteien den gefährdeten Gebielen etwas gestrichen hätten. (Hört! rechts > Austerdem macht der Redner darauf aufmerksam, dast im letzten Dachtragsetat 51 Mil­lionen ausschliestlich für die gefährdeten preustt- Ichen Gebiete bewilligt worden seien. (Erneutes Hört! Hört! rechts und im Zentrum.) Die be­rechtigten Wünsche Bayerns habe man damals zurückgestellt. (Zustimmung bei der Mehrheit.) 3m übrigen wiirden Mt Verluste Preussen- durchaus anerkannt.

Abg. Dr. Hertz (S.) ist der Auffassung, dast man sich an den Wortlaut deS Bier'ieuer- geseyes halten müfte, der für eine Aend -rung dieses Gesetzes die Annahme mit einer Zweidrittelmehrheit Nar vorschimbt

Staatssekretär Po Pitz erklärt, nach Auf­fassung der Reichsregierung genüge eine ein­fache Mehrheit. Der Redner beruft sich auf juristische Autoritäten tote die Professoren An­schütz und Kahl.

Preustischer Minifteroräfident Braun erflärt, 1925 hab« man die 17,2 Millionen für Bayern feftgelegt bei einer im Verhältnis zu heute glänzenden Finanzlage des Reiches. Wenn man diese Summe jetzt auf 45 Millionen erhöhe, müh­ten die anderen Länder darin eine Benachteiligung erblicken. Im übrigen möae ber Staatvge- richtshof bk Frage entscheiden, aber der Ge­setzestext sei ganz klar.

Staatssefretär Popitz zitiert die Aeusterung des Pros. A n s ch ü tz über die Aenderung des Bierstvueogesetzes von 1919, bie nach Ansicht von Anschütz mit einfacher Mebrbeit rechtsgul- tig zustande gefommen sei, weil fie nutbcfla- ratioer" Art gewesen fei. Die TOIrffamfcit de» Rechts müsse geprüft werden.

Unter Ablehnung sämtlicher Aenderungsan- träge werben ^inanzausgleichsgesch unb Er­höhung der süddeutschen Viersteueranteile in zweiter unb dritter Lesung mit den Stimmen der Rcglcungsparteien unb bes Bayerischen Bauernbundes angenommen. Die Schluhad- stimmung über Me Sierfteuemooelle ist na- mentlld). Sie ergibt die Annahme de» Gesetze» mit 195 gegen 148 Stimmen bei zwei Enthal- hingen.

Vizepräsident Esser stellt fest, dast zwei Drit­tel ber Abgeordneten anwesenb waren, bah aber bas Gesetz nur mit einfacher Mehrheit angenommen Ist. Auch ber Haushalt ber all­gemeinen Finanzoerwaltung wirb in zweiter Le­sung in ber Ausschuhfassung angenommen. Die Einnahm en aus berEinfommensteuer werben baburch von 2,4 auf 2,62 Millionen, bie au» der Körperschaftssteuer von .350 auf 450 Millionen erhöht. Zur Deckung herangezogen axrben auch 190 Millionen Betriebsmittelsonds unb 200 Mil­lionen Ueberschüsse aus 1926. Die Ueberwei - lungsgarantie für bie Länder wirb von 2.4 auf 2,6 Milliorben. bie Biersteuerentschäbiyiing von 22,7 auf 70,7 Millionen erhöht. Gestrichen wirb ber Betriebsmittelsonbs der Branntweinmono- polverwaltung mit 2.5 Millionen.

Es folgt die erste Lesung des Arbeitszeit- n 01 g e f e tz e v.

D e i ch S a r b e 11 S m i n i st c r BraunS: Dem Arbcits'chutzgesetz greife diese- Gesetz nicht vor. Eine starre Regelung verttage die dputsche Wirtschaft noch nicht. Die Vorlage beschränke fich ?)arauf. die Schwierigkeiten, tde die Dot- Dcrorbnimg von 1923 mit sich brachte, zu be­seitigen. Dem lleberftundenwelen sollte dadurch gestcuert werdem Ueberschceitung der Arbeits- zeichöchstgrenze von 10 Stunden werde von der Genehmigung der Aufsichtsbehörde abhängig ge­macht. Die Straffreiheit für freiwillige lieber- stunden werbe aufgehoben. Für genehmigte lieberstunden würden Zuschläge von 25 Prozent eingeführt, von denen nur besondere Detneb« befreit werden fönntat fBeifall bei der Mehr-

Irotz aller gegenteiligen Versicherungen der So­zialdemokraten. eine Kluft auf zwischen ben beiden gröstten Parteien der Weimarer Koalition. Diese Entwicklung ber Dinge fand im Reichstag sowohl wie im Landtag grobe Beachtung und wurde überall eifrig erörtert. Ob sich schon bald, tote man in manchen Kreisen vielleicht etwas vor- eifig erwartet, bestimmte politische Folgerungen daraus ergeben werden, lästt sich zur Zeit noch nicht sagen. Man darf aber über solche bedeutsame Zeichen der Zeit nicht ohne weiteres hinweg­gehen.

Sitzungsbericht.

Berlin, 2. April. (DDZ.) Die zweite Le­sung des Finanzausgleich- wird beim Abschtritt .HauSzinSsteuer" fortgesetzt.

Abg. Biedermann (Soz.) schildert die ungeheure Wohnungsnot und beantragt, ben Ländern zu verbieten, dast sie mehr alS 20 Pro­zent ber Friedensmiete für ihren allgemeinen Finanzbebarf oertoenben. Erhöht sich die Mrete über die Friedensmiete, so muh der Mehrbetrag au-schliestftch zum Wohnungsbau verwendet werden.

Abg. Schneider - Berlin (Dem.) beantragt, wenigstens auf besonders schwer unter der Haus- zinssteuer leidende Gewerbe Rücksicht zu nehmen unb die Saisonbetriebe, insbesondere die Hotels unb Pensionen in Badeorten nur für die Kür­zest zu biefer Steuer heranzuziehen

Abg Dr. 3 ö riff en (Wirlsch. Dg.) legt zwei Entschliehungsanträge vor. die d.e Aus­hebung der Hauszinssteuer, soweit fie fis­kalischen Zwecken dient und Verwendung der Steuer für Mietbeihilfen an leistungs­schwache Mieter, für Reparaturen und Woh» nung-neubauten verlangen, wobei private Bau­herren ebenso betTÜckfichtigt werden sollen, wie die gemeinnützigen Baugenossenschaften Die Hauswirte sollen für chre Privatwohnungen von der Steuer befreit werden

Abg ©eifert (Aufw.-Pt.) beantragt. 20 Prozent der Friedensmiete als HauSzinSsteuer zu erheben, die restlos dem Wohnungsbau zu­gute kommen soll.

Darauf werden sämtliche Anttäge zur HauS­zinSsteuer abgelehnt. ES bleibt bei der bisheri­gen Regelung. Zur

Erhöhung der süddeutschen Bier Heueren teile erklärt preust.scher Ministerpräsident Braun, fein Wtderspruch richte sich nicht gegen den F.nanzausgleich. sondern nur gegen d e Be­vorzugung der süddeutschen Länder. Wenn jetzt 40 Millionen im voraus den süddeutschen Län­dern zugeführt würden, dann blieben diese nicht mehr für die anderen Reichstelle verfügbar. Es handle sich auch um eine Benachteiligung der übriger. Reichstelle. Der Reichsrat habe die Hllfe ber Grenzgebiete auf 30 Millionen er­höht. Davon feten. auf Vereinbarung bet Re­gierungsparteien fünf Millionen gestrichen wor­ben. Tatsächlich hätten allo bte Reg erungS- Parteien an ben berechtigten Forderungen Strei­chungen vorgenommen. Denn Preusten 'ür d.c 3:,j M.lltaroen VermögenSschäden. die es durch die' Erfüllung des FrtedenSverttcges erlitten habe, und bie daS Reich bisher nur mit 65 23:1- ;tonen ersetzt habe iHörl! Hört! linkS), nur 40 Millionen jährlich abgezahlt bekomme, die jetzt den süddeutschen Staaten zugefchan.^ wer­den sollten, dann würde es in der Lage sein, auch für die besetzten Gebiete mehr zu leistrn alS

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