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Nr. 55 Zweiter Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhchen)

AreUag, 4. Marz 1927

*RoA bem Wan >|d>aft». rttiforgungegeltfc 1906

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UxrerlAmkf lanTpuilmrr 60. - Zu den heutigen Sätzen

Nach brm Nnchaixr- IotGung»g«leb Slanb 1927 Drttklarft v (Du'chtchntN)

Reichsmark nicht, nicht» 13,0 13,3'1 17,70 17,70

ötalAanfähe freigemach: werden."

3n einer ergehenden Aussprache, die im Frühjahr dcS vorigen Jahre- im Ausschuß fA-

bei Familienvätern eine Kinderzulage von 20 Prozent für jedes versorgung-berechtigte Kind bin^u. Bei den schwerer Beschädigten werden die DorkriegSsätz« in ihrem Rominalbetrage teils erreicht, in Füllen nachgewiesener Bedürftigkeit durch foflcnaimu Zusayrenten, insbesondere bei kinderreichen SchweririegSbeschäd.gten, auch nicht unwesentlich überschritten. Indessen ist -u br­achten. daß von den heute noch in der Ver­sorgung stehenden 735 000 Kriegsbeschädigton nur 118 000 dauernd di« halbe oder volle Zusahrente erhalten.

Angesichts dieses Umstandes dürste «S wohl verständlich sein, daß der Reichstag in seiner 222. Hitzung vom 1. Juli 1926 die folgende ®nt« schliehung einstimmig angenommen hat:

»Der Reichstag ist sich darin einig, daß die Dersvraung der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen seither nicht so Hal gehoben wer­den können. alS cS den als berechtigt anerkannten Bedürfnissen entsprochen haben würde. ®r er­sucht die AeichSregterung. bei der Aufstellung des neuen GlatS oder eines etwa erforderlichen AachtragSetalS oder bei der Verabschiedung von Gesetzentwürfen oder Anträgen, die eine wesent­liche finanzielle Auswirkung haben, in jeder Weise dahin zu wirken, daß die notwendigen Mittel für «ine Verbesserung der Versorgung durch

Die Kriegsbeschädigten- versorgung im Reichstag. Von Otto Thiel, Mitglied deS Reichstags.

Di« Finan,;not unseres Reiches hat dahin geführt, datz für die Versorgung der Kriegs- beschädigten und Kriegerhinlerblicbenen niemals die Mittel haben bereitgestellt werden können, die notwendig gewesen wären, um eine einiger­maßen ausreichende Versorgung sicherzustesien Rich weniger alS 4 248 000 Krieger sino im Felde mehr oder weniger schwer verwund« wor­den und nich weniger alS rund 735 003 Kriegs­beschädigte und 1>. Millionen Kriegerhinterblie- bene (Witwen, Waisen, öltem) unterliegen z. Z noch der KriegSopferversoraung. Auch beim besten Willen wäre anaesichS dieser riesigen Zohlen eine ausreichende Versorgung ein Ding bet Unmöglichkeit gewesen. GS muhten infolgedessen immer wieder alle Mittel konzentriert werden, umdieallerdrtngendste Rot auch nur einigermaßen zu lindern. Bei die­sem Verfahren muhten naturgemäß diejenigen Kriegsopfer am stärksten leiden, die noch mit mehr oder weniger Beschwerden in der Lage waren, sich ihren Leben-unterhalt selbst zu ver­dienen. TS war kein leichter Entschluß für den Reichstag rund 766 003 Kriegsbeschädigte, deren Erwerbsfähigkeit um 10 bis -20 v. 5). beschränkt war. und denen nach dem früheren VersorgungS- rscht jährlich 240 biS 300 Goldmark Rente zuge- stariden hätten, auS jedem Rentengeuuh völlig aus-uschliehen. TS geschah aber, um in den allerdrinqendsten Fällen helfen zu können.

Die Verhältnisse brachten eS mit siH, dah Wohlerworbene RochlSanspruchc der Äneg6be- schädiaten, über di« sie während ihrer millläri- s^en Ausbildung in der Instruktion-stunde unter­richtet worden waren, nicht gehalten wer­den formten. In welchem Umfange bei den so­genannten .Leichtbeschädigten" hie Leistungen hinter den Rominalsätzen (also ohne Berücksich­tigung der Geldentwertung) der Bezüge nach dem bet Kriegsausbruch gültigen Mannschaftsversor- gungSaesetz von 1906 zurückgeblieben sind, Dar­über ein paar Vergleiche-

der

) In diesen Gruppen sind die großen Massen Beschädigten, nämlich 413105 von 735 000.

KriegSbeschädigtenfragen mit Dem damaligen Reichsmmister Der Finanzen Dr Reinhold geführt wurde, hat er aus meine Anfrage hin sich dahin geäußert, dah ihm eine Ausbclserung der KriegSbeschädigrenoersorgung auch außerhalb des RahmenS der allgemeinen Ausbesserung der Beamten- und Pensionsbezüge als dringend notwendig erscheine und dah er sich ange­legen sein lassen werde, dafür die criDrDcrlidxm Mittel sobald alS möglich bereit zu stellen. Im Haushaltsvoranschlag für 1927 konnten aber in­folge deS Herauswachsens von Äricgettoatlen und zulageberechtigten Kindern von Kriegsbeschädigten auS dem VerforgungSrecht sowie infolge des Sterben- von Kriegereltern nicht weniger als 96 764 030 Rm. gekürzt werden. Bei dieser Sach­lage erscheint es nicht nur al- gerechtfertigt, sondern unumgängliche Pflicht, den berechtigten Klagen der Kriegsbeschädigten nunmehr zu ent­sprechen. Daß angesichts deS Umstandes, daß der PensionSetat allein für die Angehörigen der ehemaligen Wehrmacht und deren Hinterblie­benen einen Betrag von 1 282 657 400 Reichsmark erfordert, auch diesmal noch bei der gespannten Finanzlage des Reich- eine Fülle von berech­tigten Forderunaen der Kriegsbeschädigten und Äriegcrbtntcrblicbenen wird unberücksichtigt blei­ben müssen, ist leider eine traurige Gavißhell. Hier kann erst in dem Umfange Besierung ein- treten. in dem sich unsere gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse bessern und der KreiS der Der» sorgungsberechttgren Heiner wird. Was aber un­ter Den obwaltenden Umständen irgendwie mög­lich ist. da- soll geschehen.

Der Spaltpilz in den Parteien.

(Eigener Bericht desGieß. Anz.")

D e r l i n . 4. März. Je mehr Parteien ein Parlament hat. um so lockerer ist das Gefüge dieser Einzelgruppcn. DaS kann man deutlich am französischen Parlamentswesen beobach­ten. da- eine ganze Anzahl lose gefügter Grup­pen aufDeist, die ineinander übergehen, bald stärker, bald schwächer sind und eS dem einzelnen Abgeordn«en leicht machen, ohne Preisgabe einer Wellanschauung hinüber- und herüberzuwechseln, während umgekehrt bei dem englischen Parla­ment mit feinen früher ßtoei, jetzt Drei Parteien, jeder einzelne ilebertntt eine politische Sen­sation bildet. Auch bei unS hat man in Der jüngsten Vergangenheit Vereinzelle MmbUDungcn und Austritte erlebt; ein oder zwei Dolkspar- l eil er sind mi den Deutschnationalen gegangen, einige Deutschnationale zu Den Völkischen und Dize-Dcrsa: ausgetretene Demokraten haben Die Liberale Vereinigung gebildet, und auch in Der Wirtschaftspartei finden sich einzelne Clemente auS Den allen Parteien.

Aber erst feit kurzer Zell, seit sich die Ver­hältnisse zu stabilisieren beginnen und die drin­gendsten Ausgaben des Parlaments nicht mehr auf die Erhaltung des Reiches, auf die nackten Lebensfragen beschränkt sind, zeigt sich Die man­gelnde Einheit verschiedener Parteien. ES handelt sich nicht mehr um einzelne Austritte ober Liebertritte, sondern waS sich jetzt anbahnt, läßt «in vernehmliches Krochen im Debäll er­kennen. Bei den Völkischen geht daS schon eine ganze Weile: Mitglieder des nationalsozia- listischen süddeutschen Flügels und des deutsch- völlischen preußischen Flügels beschimpfen sich aegenfettig in der Ocfsentlichleit und werfen sich die Annahme von finanziellen Unterstützungen, wechselseitig durch Die Großindustrie und den Grc-^grundbesih vor. Mit Dem AuS tritt des Ratiolalsozialisten Strasser auS der Fraktion bat lie Die Fraktionsstärke eingebüht. Die sie seinerzeit durch den ilebertrüt deS Aufwer­tungsführers OberlandesgerichtSrat B e st nach Beginn Der LegislaturperioDe erwarb. Der äußere Anlaß für das Zusammenbleiben der vier heterogenen Elemente, aus denen sich die Frak­tion -usammensetzte, ist damit entfallen, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß die Zersplitterung nun auch äußerlich Durchge­führt wird.

Handelt eS sich hier aber um eine Fraktion von nur zeitweiliger und rasch vorübergehender Bedeutung, so sind die Erscheinungen ira deutschnationalen Lager alS Spaltung--

svmplom« innerhalb der zweitstärksten deutschen Partei von erheblich größerer grundsätzlicher Be­deutung. Der deutsch-konservative Flü­gel strebt sich auS seiner parlamentari'chen Din- Dung an Die Deutschnationalen zu lösen. Durch eine Kundgebung, unterzeichnet vom Grasen SevdlitzSandrecki, in der Kreuzzeitung, hat sich dieser schärfer akzentuiert. Diele Erklärung stellt ein klare- und eindeutiges Bekenntnis zur Monarchie dar. wie eS mit den Verpflich­tungen der Deulschnarionaien Partei bei ihrem Eintritt in die Regierung und mit der Ver­eidigung ihrer Minister durchaus unvereinbar ist: und es sind auch bereits die Konsequenzen auS dieser Unvereinbarkeit gezogen, insofern die Inanspruchnahme der parlamentarischen Selbständigkeit für die Konserva iven an- gekünbigt wird. ES dürfte sich dabei um etwa 20 Mitglieder Der Deutschnationalen Fraktion handeln, die bei Verwirklichung der angekündig­ten Absicht entweder schon in Der gegenwärtigen Legislaturperiode oder bei Den nächsten Dahlen 1928 sich selbständig machen wollen. Den Vor­wurf der Zweideutigkeit, den einige LinlSblätter au8 diesem Anlaß Den Deutschnationalen machen, wird man bei diesem offenen Vorgehen nicht ausrecht erhalten können.

Staatssubventionen

(Eigene Meldung deS .Gieß. Anz.".)

Berlin, 4. März. Man erinnert sich, daß vor einiger Zeit ein Kredit, der hoch in bis Dutzend Millionen ging, für die Zwecke einer Erhaltung der Essener Guß stahl- werkeKrupps verlangt und nach eingehender Prüfung bei den Reichs- und Staatsbehörden und Den zuständigen Parlamentsausschüssen ab- gelehnt wurde. Damals handelte es sich nach Oer Dem Gesuch mit gegebenen Begründung Dar­um, durch eine gründliche Rekonstruktion dieses altberühmlen. ursprünglich durch Die Auf­träge für Heer und Marine groß gewordenen und getragenen Kruppschen EpezialwerkS Die Mög- lichkeit zur Weiterbeschäftigung von 2 0000 Arbeitern zu schassen, Die andern­falls bei einem Eingehen Des offenbar in man­cher Hinsicht unmodernen oder doch unrationell gewordenen Werks teilweise der Stadt Essen zur Last gefallen oder in andere Betriebe ab- gewandert wären, also scheinbar um einen Durch­aus gemeinwirtschastlichen Zweck. Die Ablehnung erfolgte mit etwa Der DegrünDung, daß es aus angemein wirtschaftlichen Gründen untunlich er­scheine, einem einzelnen Betriebe, sei er auch noch so wichtig, mit Staatshilfe einen Um» und Ausbau zu ermöglichen. Den man Der Gesamt­

heit der beteiligten Industrie nicht gewähren könne, den diese vielmehr auSeigener Kraft vollbringen müßte. Das finanzielle Moment hat bei dieiem En:scheid nur eine nebensächliche Rolle gespielt, da die Stadt Offen zur Erhaltung de« Krupp-Derke in ihrem derzeitigen Umfang zu Sicherheitsleistungen und anderen Opfern be­reit war.

Seither sind neue Anforderungen xrn den Staatssäckel gestellt worden, die sich erheb­lich weniger gut rechtfertigen lassen, so der An­trag auf Subventionierung Der Ufa, bei der offenbar in wenig geschickter und zweck­dienlicher Weise mit großen Kapitalien geivirl- schattet und gewaltige

worden waren, und in den jüngsten Tagen ein» Antrag Der Molvga - A. - G jener großen HolzkonzessionS^Tesellschaft zur Ausbeutung russi­schen WaldbesiycS. an Der Die vielgenannte Frei­burger Firma Gebr. Himmelsbach beteiligt unD Reichskanzler a. D. Dr. Wirth Mitglied des AussichtSrat ist. Wir haben nicht Die Ab­sicht, Die Zweckmäßigkeit Der einzelnen Subventio­nen oder Kredite zu untersuchen. Die hie.- ge­fordert waren oder sind, aber vom grunDiatU J*cn Standpunkt aus muß man jede Finanzpolitik, die öffentliche Mittel für Stützung oder Er­haltung notleidender privater Betriebe aufwcndet, ablehnen. Richt etwa, weil diese Gelder für die Steuerzahler verloren gehen kannten, dagegen kann man zur Rot in nicht ganz hoffnungsloien Fällen Kautelen schaffen, sondern einfach d. ö'..lb. weil damit eine Differenzierung zwischen den subventionierten Unternehmungen einerseits und den von ReichSmiiteln unabhängigen, dasür aber ganz auf eigene Kraft angewie­senen. andererseits geschaffen wird. Wcr haben vor dem Kriege unseren Stolz darein gefetzt, dah diejenigen Unternehmungen, die in anderen 2anDcrn in stärkstem Maße Subventionsbetriebe waren, so unsere stolzen Dampserkinien. oh na eine derartige Subvention rentabel geworden unk» an Die Spitze Der Weltkonkurrenz getreten sind. Wir sollten uns hüten, durch eine Umkehr de- EhstemS den Eindruck in der Well zu erwecken, als werde an Stelle eine- Dumpings mit Waren, das uns früher meist zu Unrecht vorgeworfen wurde, neuerdings ein Dumping mit Fi­nanzzuschüssen begünstigt und wir sollten unS hüten, in die Wirtschaftskämpfe eine Schärfe hineinzutragen, die neben vielen ReibungSsiäche-.» durch das Schlagwort vom Subventionsbelrieb nottocnDig würde. Läßt sich in gern intvtrt- schafllich entscheidenden Fällen eine RotstandS- aftion nicht vermeiden, so suche man dasür wenig­stens einen Weg. Der daS unmittelbare Auftreten deS Fiskus als eines Geldgeber- mit Rücksicht auf Derlei Odium auSschaltet.

Turnen, Sport und Spiet.

Probleme der Leibesübungen.

Leibesübungen an sich, ihre Formen, Metho­den und Ziele, ihre geschichtliche Entwicklung in den einzelnen Ländern von Urzeit an. ihre Einfügung in das Dollslum, ihre medizinischen, physischen und pshchischen Grundlagen und Aus­wirkungen, sind eine Wissenschaft geworden. Die zwar erst am Anfang Der Erkenntnisse sich be­findet, Die aber vielen anderen das eine voraus hat, Daß sie mit Dem praktischen Leben in innigster Berührung steht, aus ihm immer neue Anregun­gen gewinnt. Die sie in geläuterter Form alS Erfahrungen unD Richtlinien zurückgibt.

ES ist ein großes, vielleicht daS größte Der- Dienst Der Wiedercntdeckung unseres Körpers, seiner WieDererweckung Durch Leibesübungen, daß wir von Der einseitigen Geisteskultur zurückge- führt werden zum Ausgangspunkt allen mensch­lichen Seins, zur Ratur. auS Der wir geboren sind. Dieses Zurückfinden zur Ratur äußert sich sowohl in einer neu gewonnenen Lebensform und LebenSanschauung, nach Der insbesonDere unsere Jugend Drängt, alS auch in der rein äußerlichen Weise, in welcher Leibesübungen irgendwelcher Art betrieben werden.

ES ist ein weiteres Verdienst der Leibes­übungen, insbesondere des Sports, daß sie uns

zurückgeführt haben zu der doch gar nicht so fern- liegenden Einsicht, daß Vorbeugen bester ist alS Heilen, daß wir viel besser Daran tun, unS zu schützen gcaen die schädigenden Einflüsse deS Be­rufs, der Zivilisation, indem wir unseren Körper und dadurch ihn auch unsere Rerven kräftigen und widerstandsfähig machen, als daß wir Schwächen, Krankheiten, geiftige und seelische Störungen heilen, indem wir Den ungeflegten, Den vernachlässigten Körper einer KrankenhauS- BehanDlung unterwerfen. So wie wir allo Durch Die Pflege von Leihe-Übungen wieder zurück- ftnden wollen xu einer natürlichen Lebensweise, so soll und muß unS Der Wille, unseren Körper zu entwickeln, auch hlnführen zu einem Höchst­maß von Hygiene, Die wir nicht bloß auf Gru.id von Belehrung, sondern auS innerem Bedürfnis heraus unserem äußeren Menschen angedeihen lassen: Die Auswirkung auch auf unsere ganze LebenSanschauung unD Lebensart ist Dann ein gar nicht so großer, sondern selbstverständlicher weiterer Schritt.

Licht, Luft und Sonn« sind die wichtigsten Faktoren irdischen Leben-, Ohne sie welll der Mensch Dahin, stirbt er nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch ab. Darum führen uns Turnen und Schwimmen, Laufen und Sprin­gen, Wandern und Spielen hinaus in Luft und

Jumbo".

As- dem Leben eined afrikanischen Elefanten.

Bon HanSSchomburgk.

Mll Erlaubnis deS DerfasierS. der am Sonntag hier einen Vortragsabend hält, bringen wir nachstehend ein Kapitel aus dem Buche .Dwakuhama. Fahrten und Forschungen Im unbekannten Afrika." Verlag Deutsch-Literarische- Institut, Berlin. 131

Der kleine Elefant wußte gar nicht, was geschah. Unwillkürlich lief er Der Mutter nach und entging mit knapper Rot der Gefahr, von der Allen erdrückt zu werden.

RatloS steht er nun Da. Er form nicht ver­stehen. warum sich DU Mutter so plötzlich -um Schlafen niedergelegt hat.

2engst!ich miefenD läuft er um sie herum. Liebkost sie mit Dem Rüsseichen. Schlägt sie auch sanft, um sie auf-uwecken, damit sie mit ihm weiterziehe Sein klein«- Herz pocht -um Zer­springen. Die Angst schnürt ihm Die Kehle zu. Furchtsam schmiegt er sich an den Körper Der Mutter. Totenstille herrscht ring- umher.

Rachdem Die Alle gefallen Ist. hat sich Der Weih« mit seinem Jäger vorsichtig zurückgezogen. Sr weih, daß Der Kleine ruhig bei Der Mutter bleiben wirb. Er lässt Die Träger. Die ihm noch Sblieben sind, die Lasten ablegen und befiehlt. t -stricke herauSzunehmen. Die immer zum evtl. Tierfang bereit sein sollen.

Jetzt wirst sich Der Europäer auf ihn. ilm- Qannnert feinen Hals. In ToDesangst versucht er, ihn abzuschütieln. Läuft bllndlinas in Gestrüpp unD Dornen hinein. Da packen ihn rohe Fäuste am Schwanz Arme umschlingen seine Deine. Er fällt, unter ihm liegt Der Weihe. Der Boden ist weich, denn es ist Regenzeit.

Im Augenblick haben die Reger die Beine des laut schreienden Tiere- gefeffdt

Aber in welcher Derfafluna befindet sich der Bwana (Herr)? lieber und über mit Schlamm und Exkrementen des Elefanten bedeckt. Die reich­ten Iagdüeider in 5a>en. Mll blutüberströmten Gesicht. Auf der Fahrt durch das Dornenge-

strüpp hatte er einen Riß über Die Rase be­kommen. Eine klaffende Wunde, aus der Blut floß-

Der weiße Jäger gönnt sich keine Ruhe. Die ganze Rächt sitzt er bei seinem Zögling. Redet ihm freundlich zu. in Den rief gurgelnden Tönen deS Elefanten. Streichelt und herzt ihn, wie eS Die tote Mutter getan. Bald ist Der Kleine bc- ÄLcgt vertraulich fein Rüsfelchen um Die »r des Menschen. Gr hat gemerkt, daß der Mensch ihm wohl will. Sein liebebedürftiges kleines Herz lechzt nach Zärtlichkeiten. Gegen Mitternacht wird er hungrig. Saugt noch einmal an Den erkalteten Brüsten Der toten Mutter. Dann legt er sich ermüdet nieder. Schläft ein, die Hand Des ManneS im Mund, den Rüffel ver­traulich um feine Schulter. So fühlt er fich ge­borgen. Aber wehe, wenn der Weiße fich rührt. Sofort ist er wach. Drängt sich ängstlich an den neuen Beschützer.

Am nächsten Morgen wird Der Weg zum Hauptlager an getreten. Ohne sich Weller um seine Mutter zu kümmern, folgt Der Kleine Dem Weißen. Fortwährend drängt unD stößt er ihn. Damit er schneller marschiere, alS habe er Angst vor Verfolgern.

So überträgt der Kleine seine ganze Liebe auf den Weißen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt und fängt kläglich an zu schreien, wenn er ihn nur einen Augenblick aus den Augen verliert. Er kann gar nicht verstehen, warum fein Freund immer versucht, ihm etwa- Kalte- und Hartes in den Mund zu schieben. Aergerllch stößt er e- immer wieder fort Tropfen einer Flüssigkeit, die ihm Dabei in den Mund kommen, schmecken zwar ganz gut, fast ebenso wie die Milch, die ihm Die Mutter spendete. Aber die Flasche, denn um eine solche handelt eS sich, flößt ihm Furcht unD Widerwillen ein. Gegen Mittag wird er Dürftig, so Daß er anfängt, an einem feuchten Tuche, da- man ihm vorhält, zu lutschen. Wasfer ist ja nun nicht gerade seine Leidenschaft, aber Durst ist bitter. Dieder fetzt er an und zu seinem Erstaunen rideü ihm dies­mal schöne, warme Milch in die Kehle. Hei, wie das schmeckt, toerm man hungrig und durstig ist. Gierig Drängt er nach mehr. Flasche auf Flasche leert sich in Den schier unergründlichen Schlund. Daß der feucht« Lappen einfach in |

Ermangelung eineS großen GummisaugerS um Den Flaschenhals gewickelt war, merft er nicht.

Todmüde von Der durchwachten Rächt und den Aufregungen deS Tages legt der Weiße sich auf feine leichte fafari kitanda (Reisebett). Rach wenigen Minuten ist er fest eingeschlafen. Froh, daß der Elefant sich beruhigt und friedlich neben ihm steht.

Wüste Träume quälen Den Jäger. Er steht am Abhänge eine- Berge-. Feindliche Reger werfen Jelsblöcke hinab. Er möchte fliehen, doch festgewachsen ist fein Fuß. Ein großer Stein­block rollt langsam auf ihn zu. Begräbt ihn unter sich. Laut krachend birst Die Erde. Schweiß­gebadet erwacht er. greift im Dunkel um sich. Findet sich mit Der zerbrochenen Bettstelle auf Der Erde. Halb auf ihm Der kleine Elefant, unter dessen Last Das leichte Bett zusammen- gebrrchen ist. Die Liebesbezeugungen und Das Anfchmicgebedürfnis DeS flctncn Elefanten wir­ken wirklich erdrückend. Den Rest der Rächt verbringen Die beiden friedlich auf Der Erde.

Prächtig gedieh Der Kleine unter sorgfäl­tiger Pflege. Wuchs heran zu einem richtigen Elefantenlümmel, Der nur Dumme Streiche im Kopse hatte. Sein Hauptspaß war eS. einen gedeckten Tisch abzuräumen. Saß fein Herr beim Essen, kam er ganz ruhig angeschlenkert, als ob er nicht- BoscS im Schilde führt«. Ruhig legt er fein Köpfchen mit auSgeftrecktem Rüsiä auf den Tisch, schaut treuhemig Den Weißen an. Plötzlich kommt ihm der Schelm in Die Augen. Steif wird Der Rüffel, und mll einem Schwung fegt er alles vom Tisch. Vergnügt quietschend eilt er davon, froh, feinem Herrn einen Streich gefpiell zu haben.

Alle seine Schelmenstreiche aufzuführen, würde zu well führen, aber einige feien berichtet.

Eines Tages marschierte er lustig in einen Inderladen, aus dem Die schwarze Damenkund­schaft eilends floh. Ganze Korbe mit Grdnüsien, seiner Lieblingsspeise, standen umher. Wie eine Maschine arbeitete sein Rüssel. Leer geht er zum Korb, gefüllt in den Rachen. Vergeblich Die Be­mühung Des Inders, ihn auS dem Laden xu bringen, ruhig futtert er weiter. Aber selbst em Elefant ist mal gesättigt. Da saugt er sich Den Rüllei doll weiß«- Mehl, da- in einem andern

Korbe steht, pustet es dem Inder ins Gesicht, und stolz verläßt er unter Dem 3ufrel der Zuschauer Den LaDen.

Ein andere- Mal trifft Meister Jumbo eine Suaheli hihi (Frau), ein pingeS schlankes Mäd­chen. Eie zeigt ihm im Scherz eine Flasche, auf Die er, Milch vermutend, gierig zukommt. Reckend zieht sie Die Flasche immer wtcder zurück. Da merkt er. Daß Die Flasche leer ist. Fährt prusteird auf Das Mädchen loS. Das eilig die Flucht er­greift. Schon hat Jumbo einen Zipfel ih.e^ Tuche- mit dem Rüffel erfaßt, reißt ihr das Tuch vom Leibe, und schreiend, im Evakostüm, gefolgt von dem Elefanten. Der triumphierend da- Tuch im Rüffel schwingt. läuft sie. vom Lachen der Passanten begleitet, durch Die Straßen. Wer Den SchaDen hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Besonders verdietll machte sich Jumbo al- wandernde Lllfahfäule. Gab es ein Konzert oder frische Würste, sollte eine Auktion flaltfüiDen oder ein anderes wichtiges Ereignis den Bürgern Der Stadt mitgeteilt werden, zog Jumbo Duvch Die Stadt, auf jeder Selle ein großes Plakat.

Rur selten fah er seinen Herrn. Der wieher auf Iagdreisen im Innern war. Doch wenn er zurückkam. gab es einen Freudentag für Jumbo. Rie hat er seinen ersten Freund unter Den Menschen vergessen

Eines Tages kam ein anderer Weißer, brachte ihn auf ein große- Schiff, auf Dem schon viele andere Tiere waren.

Mit einem TiertranSport von Hagen deck kam er nach Europa. Groß war aber feine Freude. alS er hier feinen alten Herrn wieder traf. Fast erdrückt hat er ihn mit feinen Liebkosungen

Blauer Himmel wölbt sich über Dem alten Rom. Im Zoologischen Garten der alten Stadt steht ein großer Elefant. Weiße Stoß^ähne leuch­ten Gutmütig blickt das Auge auj die italienU fchen Kinder, Deren erkorener Liebling er gewor­ben ist. Wenn die Sonne über Dem Tiber Oer- fünfen, einsam am Abend Der Garten, steht er träumend da, wiegt bedächtig da- fluge Haupt. Denkt zurück an Die Tage Im fernen Afrika, als er mit feiner Mutier Wälder und Steppen Durch­eilte.

Denkt er auch wohl noch mll Liebe an den Weißen der einst Wutterstelke an ihn oertrat?'