Nr. 258 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderheffen)
Donnerstag 3. November |92Z
Horst- und Feldgericht Gießen.
(hn bidincr Äl« nhi brtrxrtibehMr har lrvch 3ertDarming bimb einen «■»
her etat* Gießen gehörigen Pachea^er Ioq/äuI- ■rrboöcn offne 'Bctedyiguna birryi abgefahren inib anbettoeit rwrtDtnZxi 3r hat beöfcaib nnen Straf befehl von brci Mark erhallen. €*in Etsiprüch mürbe toftenlällia »urüdflctotdcn. Na bai 'Bortrnnfltn bet »Hdwlbtgim belang.»« und durch tne trugen autogen auch toibcrlcg: ift.
Stint Schüler d»w deren geseyluhe Vertreter babw Ditte JILir) auf der Sisbahnwiefe an der nWiletiraffe frihball gdbidt. uni sich die Zeit <u txrfrnben Sie wurden non <mrm Feldsthuyen »ur Anzeige «bracht und«hielten eine Geld- 't r a f e v on I e L D k. Sin Sd>aNenseriah wurde licht auSgriprochen da tnr Drei« nachweislich nicht belchädrat worden ift. Es wurde In der Der- banbhmg fcVgrlMll. baff die Jungen vor der ttrHamma der Qfctyige nicht gruximl worden Und, eine Warnungstafel nicht angebracht unb da-, es in Gießen getcr-b- h.-it»maf)igr Uebung ift, baff Weesen tni »um 1. April sedes Jahres beirrten werden dürfen. Der von den Eltern gegen die au*fdprod>onm Strafen eingelegte • l n - lpruch hat, Orfolg. Das Geruh« erkannte aus tasächlichen und rechtlichen Gründen auf Freis prechung von Strafe und Äoftm. Damit wvltte es jedoch keinen Irrcibnef autttflcn. durch den etwa dce Wiesen »u Spielplätzen erklärt warben- insbesondere darf aus ein^lnen Dor- gch^en kein Recht hergeleitet werden, das zu «inrr miffdräuchftchcn ÄÖxuhung der Wirf en fuhren tonn le. Dorauslichtlich werden die -ustänZigen Stellen prüfen, ob das ergangene Urteil im Wege Nr Revision angefochten werden soll.
Ein Landwirt aus D Ist Oigcntümer einer Wiese in der Gemarkung A-B. in der die cm-
<m Wiesoritnde in einer br'nmmtcn Reihen - lotoe »um Heumachen frrigcgctx-i. zu werden pflegen Der Landwirt ha, sich an diese Ortmung dicht gehalten ist aber auch in einem vermeintlichen Recht über die nicht adgeemlete Wiese .inet Rachbarn gefahren und hat diese hierdurch >>efchSdigt. In der Verhandlung wurde insofern fein Verschulden nachgewiesen, als er einen Fahrweg hätte benutzen tonnen, der an ferner Wieke vorbeiführt Gr behauptet zu seiner Onl- fchuldigung, h.ih sich die Wege der Gemarkung A-B in lehr schlimmem Zustande befänden. Es bleibt bei der im Strafbefehl erkannten Strafe von drei Dark.
Der Schäfer von W.-St. ist mit seiner Herde in der Gemarkung Schiffen berg über einen Weg gesogen, um aus eine gepachtete Leist zu gelangen, wobei tne Schafe den Gras wuchs am Wege ab- weideten. Sowohl der Schäfer, als auch der Schäfereivorstand behaupten. das, der Schäferei feit Jahrzehnten das Werderecht an den Wegrainen zu st ehe. Da dieser zivilrechtliche restliche Anspruch in diesem Derfähren nicht nachgeprüft werben kann, wird das Versah reu nach dem Anträge des Amtsanwalt» ausgesetzt und der Schä- sereiaeieUlchaft eine Frist von sechs Wochen zur Erhebung der Zivilklage gegen den zuständigen Forstfiskus gesetzt.
Die Hagelschäden im Zahre 1927.
Ein Menetekel für die Landwirtschaft.
Wenngleich zur Zeit übet die Hagel'chaden im laufenden Jahr« noch keine genauen ziffernmäßigen Angaben gemacht werden können, so lassen btf bet den einzelnen Hag- lverft cherungs- Desellfchaften angemeldeten und größtenteils schon geprüften Schadens alle keinen Ztvc-iei darüber auskommen, daß
das 3ahr 1427 als Katastrophen fahr erster Klaffe angesprochen werden muß. Vergleicht man die Jatzreoergebn.Ne der Hogelverf.cherungs-Gesell- schaften für den Zeitraum 190f- bis 1826 so kennzeichnen sich die Jahre 1906. 1907 1908. 1910 Und 1928 als ßageireich. namentl ch 1906 und 1910. wo an die ®efeUld>ahen hohe Anforderungen gestellt worden sind. Alle diese Jahre werden aber bezüglich der Hagelschäden von dem Jahre 1927 wett übertroffen. Svtoeu die Gegen- fetr gkctrs-Gesellschäften die ganz überwiegend das Ho gelb «siche ru n gsg ef chü ft Übernommen haben. in Betracht kommen, wird damU zu rechnen sein, daß dts Rachsthüsie auf die Dorprännen hn allgemeinen gegen das Vorjahr verdoppelt werben müssen. Unzweifelhaft werden auch d.e Aktiengesellschaften gezwungen fein, wollen sie nicht ihre Sristenz gefährden, chre Prämien beträchtlich zg. erhöhen.
L» ist leicht vorauszusehcn, daß der ohnehin notleidenden Landwirtschaft die hohen Beitragsleistun- gen für die Hagelversicherung manche Verlegenheiten bereiten werden, um so mehr, weil die Witterung»- Verhältnisse der letzten Reit leider besürchten lasten, daß die auf die btet-iabrige Ernte gesetzten Hoffnungen zu einem recht erheblichen Teile nicht erfüllt werden. Er könnte sich aber als verhängnisvoll berai. itellcn, wenn die Landwirte sich durch die hohen Bei trogslei [hingen dazu bestimmen ließen, von der Hagelversicherung 21bftanb zu nehmen; denn kein Mnbaugebiei ist gegen die Verheerungen durch Hagelschläge geschützt.
Wir durchleben eine Periode von ®lerneuter»
Katastrophen, welche bk meteorologische Wissen- schalt auf bte gesteigerte Sonnens te-kern2ngfnt *urüdfübrt. Da Olde ihren Höhepunft noch nicht erreich hat. so glauben die Rketeorvlsgen. damit rechnen zu müssen.
daß auch Im nächsten Jabre dir Natur- Katastrophen wieder einen OedenNIchen Umfang an nehmen werden.
gleich wie ihre vorjährige Prophezeiung etn- getrrften ist. wonach wir In diesem Zähre einen Sommer der .Katastrophen erleben würden. Erinnert sei an die Hochmaftersiut des Mississippi, die Grbbebenkatastrvphen in 3<uxni. China. Palästina und Turf eft an, die verheerenden Wirkungen der Hochwasterslut im Ec-gebirae. die 11 ebenhtrc rr.munger weiter deutscher Landstriche und die überaus zahlreichen Gewitter in Ver- bintnmg mit Hagelschäden Tie durch Hochwälder auf deutschem Boden angerichteten Schäden während der Jahre 1926 und 1927 schönt man auf mehr als eine halbe Milliarde Mark, dazu kommen die Hagelschäden, die
mit 150 Millionen Mark schwerlich überschätzt
sein dürsten. Diese verteilen sich keineswegs gleichmäßig über die Länder, sind vielmehr tn ihren Auswirkungen ebenso unberechenbar tote die Gewitter. Der meteorologischen Witter/haft bleibt es Vorbehalten, nach^uftr'chen. welche Ro- turftäfle um uns wirksam sind und welchen Gesetzen sie gehorchen. Die deutsche Landwirtschaft sollte im wohlverstandenen SeDstinteresfe diesen Forschungen chre volle ^Aufmerksamkeit ^utoen- den und mit vereinten Kräften bemüht fern, die durch Unwetter verursachten Schäden für den Betroffenen möglichst erträglich zu gestalten. Gerade Katastropheniohre. wie wir sie jetzt durchleben, mahnen zum festen Zusammenschluß, auch wenn si« vom einzelnen Landwirt vielfach erhöhte Opfer verlangen
Kunst und Wissenschaft.
Fcllr Holländer 60 Jahre all.
Feliz Holländer, einer der produktivst« Erzähler seit 1900. begeht in diesen Täaen seinen 6 0. Geburtstag. Der 3ubilar. der auch heute noch in den vordersten Reihen der literarischen Welt steht, kam aus der 3our- naNstik und brachte das Zeug für Realistik und Sensationen mit. das ihm dann in fernen vielen Romanen und Rovellen einen so großen Erfolg gebracht hat. An vorderster Stelle seiner literarischen Erzeugnisse steht auch heute noch sein großer Entwicklungsroman „Der Weg des Thomas Irucf". in dem er das ganze gesellschaftliche und soziale Geschehen des vergangenen Jahrzehntes mit hervorragendem öd)ilberungtfocrmfr- gen festhält. War Feli, Holländer als Romancier einer der produktivsten seiner Zeitgenossen, so hat er aber als Dramatiker nur einmal von
sich reden gemacht. Dieses eine dramatische Werk .. Ackermann" bildete dafür aber auch einen au(ier- vrdentlichen Bühnenerfolg für den Autor. Heben seiner schriftstellerischen Produktion hat der Jubilar aber auch eifrig auf dem Gebiete des Theaterwesens sich betätigt. Lange Zeit ist er eine der Hauptstützen Mar Reinhardts am Deutschen Theater gewesen und hat hier mit Geschick und Erfolg als Dramaturg und Regisseur viele Jahre getoürft. Gegenwärtig schafft Holländer auch wieder für das Theater, indem er als Kritiker aktiv am Theaterleben mitwirkt.
Dom Hessischen Landestheater.
Generalintetidant Earl Ebert wurde von der Stadt Frankfurt a. M. aufgefordert, im Rahmen der Festausführungen. mit denen das 25jährige Bestehen des Schauspielhauses gefeiert wird, den Robert Guiskard in der fragmentarischen Tragödie Heinrich von Kleists zu spielen.
Wirtschaft.
3nr SirlMilt- und Scldmatttla-t.
3n ihrem Oftober-Wirt schultsbmicht äußert sich d>e dresdner Bank über die Wirt- kchas : slage u. a. dahtn daß die für die 'Beurteilung der Win'chaftsl.gr maßgebenden Ziftem keine grundsätzlichen Berände- ru n gen in Son>unlturbild erieniw lassen. Der Geschäftsgang ist m ^rändert günstig. Der Bebars an Propuktiv-. tote an fttmfum- Gütem ist nach tme vor groß, in der Mehrzahl der Industriezweige wird voll gearbeitet, der Güterumschlag ün Jnlanbtxtlebr zeigt eine weitere über das saisonbedingte 'iatz Hüiausgrhende Ausk-ehnuna. Auch die g. nltige äntwiZlung am Qkbeueniarfi hat ungehalten «ihe '"dust rieften Kopitolinvest'.Ionen sind, w e die in der letzten Zell bekanntgewoedeneii Xapiialerhfrh.ingen bedeutender Oüontan-Ge'eftschaiten und die i.nmer erneut auftretenden Xati ; ilifurung*- und Kvn- zentrationsptäne in verchieix-n.-n Zndustne- Mocigen zeigen, noch (einrttoe^ beendet. Jiurnnl man hinzu, daß ftch eine Besierung der Wirtschaftplage auch in anderen europäischen Ländern anzubahnen scheint, imter denen die bstrrreichifch- niiganschen AachsolgeslaaHen. die zum Teil unter einer langanhaltenden Depression zu leiden hau«, beroonuthrben sind, so erscheinen die natürlichen Grundlageii der k^ulfchen Äoniunhur auch i*on der wellwirtschüftllchen Seite eher gebessert. 3ebenfalle wigt die enttoiulung des Äuß en - handel s un Monat September mit der bemerkenswerten Derminh. rung des Passivsaldns und einer Rekordaussuhr gerade an Fertigwaren. daß die deutsche DiNfchast auch bei den: gegenwärtigen Preisstand tn der Lage wäre, ihr Absatzfeld im Ausland zu erweitern Die hier N** öfteren • . ., 1 ■.1 • die Binnen konjunktur infolge k«er durch fie gegebenen Btoglichk. il einer Herabsetzung der auf Die PrvchuktZnheit entfallenben General- imfnüenqnrte einet leichteren Umstellung auf dem Weltmarkt führen kann, wird dennutch durch die bisher.ge Entwicsiunq bestätigt i>6 ist bedauerlich. daß diese günstigen Rldigllchkeiten, die
j der d.ui'chan WIn'ch-ift bestehen, nurrmehr durch die in der letzten Zeit auftretenden Gegenbewegungen von der Konsumseite her in Frage gestellt werden sollen. Die Gefahren, die inm der Lohnbewegung her der Preisgestaltung drohen, fiiid neuerdings noch deutlicher tn Grscheftnmg getreten. Denn nicht genügend Selbstdisziplin gezeigt wird, um die preis- und prvduktn>nspolftisch»i, Aufgaben der Gegenwart zu lösen, so kann hieraus, aber nicht durch Verschulden der Wirtschaft, eine Einengung de» ÄoniunfturauffdXPungtv erfolgen, zu der bet einem normalen Verlauf keine Vevrnlafftmg vorliegen würde.
Auf dem Geldnlarkte trat zum September-Ultimo eine scharfe Anspannung ein. Emen merklichen Einfluß auf die Geldmarktlage ho« die Diskonterhöhung auf 7 Proz. ebensowenig. wie auf die allgemeine Wirtschaftskmi- jutiltur vorläufig zur .Folgt gehabt. Andeisefts ist der Bedarf von feiten der Industrie und des Hattdels, insbesondere des GeireidehandelS, un-
Kameraden.
Roman von Felitl M o e s ch l i n.
Copyright by Corl Duncker, Berlin W 62.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„UfUM? Run. eine mrtjt uninterestante Tatsache, um ba» roeniger W,chnge voroue 311 nehmen, vtei- richt nnisen eie auch schon davon. Die (BUihiampen- fabritomen Mben sich iu entern internationalen Syndikat zusammengetan.'
..Da» ist mir entgangen. Aus wie lang»? Wa« für Länder?'
„Huf zehn Jahre. Dnitschtand, Frankreich. Eng- land. Hmenfa *
,.co. so 34 wünschte, ich wäre in der Glüh- l.nnpen'abnhotion beteiligt statt in der deutschen il cMinouftrir.* 1 * * * * *
Mj)err Direktor, Sie werden mir gestalten, daß ich Ihnen auch m dieser Angelegenheit ...**
„Warten Sie bi» heute nachmittag, liebtr Gold- mann, ich Iwbe um tl» llhr eine Besprechung die viele» ändern kann."
,,E» frr.it mich. Leider teile ich Ihre Hoffnungen nicht, tun <0 weniger, da ich die Natur Ihrer Be- «prechung zu kennen glaube.*
..f& ffen Sie denn alle»?'
„3tid>t alle», Herr Direktor. Ich kann Ihnen bloß versichern. Xifo ich über da», war die Geschäfte unserer isirma betriftt. hn allgemeinen gut orientiert dm. Da» glaube ich beknipten ju dürfen, ohne mich einer Pmyierei schuldig zu machen.'
„Zugegeben Ihre Bejchetdenheu ist rührend. Da» gibt f» denn sonst noch Neue»?*
JE» gibt oor allein zwei Fragen, die ich mit Ihnen bqpredxn muß Die eine Fragt ist mehr all- gemeiner, die andere mehr iptzieller Statur. Da Sie aber. Herr Direktor, Hdierltd) der Meinung find, daß ein (Bei(bä;t»mann an gewissen allgemeinen Fragen nicht gleichgiilng oorubergehen dürft, so weiß ich zum oonou». daß Sie dieser mehr allgemti- nm Frage da» gleiche 3n?trefie entgrg mb ringen wie ich. Ich habe dos Gefühl, al» ob mir beide — gerade aus dem angebeutetea bediele — bis dahin nne fall ich logen. m»r nicht gerade blind, aber doch gewifitrmaßm kurzsichtig gewesen sind. Da Sie
ober in einigen Minuten fortgehen muffen, e» ist bereit» ein viertel vor (Hf, und fünfzehn Minuten müssen Sie rechnen, auch wenn Sie rasch fahren ..
„Sie missen also in der Tat, wohin ich sahne. Sie Hexenmeisttr?'
„So möchte ich am liebsten diese beiden Fragen auf heule nachnntiog verschieben.'
„Gut. Und sonst? Bicht», dos kurz zu erwähnen wäre.'
.Doch, Herr Direktor. Ich habe hier eine ganz intereffairtr Schilderung aus der ,Leitung ausgeschnitten. Sie können fw im fluto lesen. Sie hcmbell von der überraschenden Hrilung eine» Frontsoldaten. Sieben Jahre Irrenansbatt und nun weder gesund '
. Äch, der Krieg, wer mag jetzt noch an den Krieg denken,' wehrte V)ennann Wchn ab.
„Heb eigen» soll die Miete wieder erhöht werden.' •
„Schon aneber7“
„VeÄer, Herr Direktor, von Viertausend auf viertausendiechsbundert.' Hermann Dehn wieder, holte tne beiden Zahlen und schaute habet unroiUfür» hd) auf den Zeitungsausichmit, den ihm sein Ge- schoftsfudrer in die Hand gedrückt hatte. „Lütz', rief er auf einmal, „aber da» ift ja der Georg Lutz.'
,Lo, Lutz heißt er, kennen Sie ihn?'
„Nakuricch kennt ich ihn. Wir waren ja im glei- dxn Schützengraben. Ich hotte Urlaub, al» er m die Lust flog. Nachher hone ich. e» seien alle tot. Na, das freut mich, das er lebt' Er steckte das Papier
■
Hübsch, daß gerade er bavongekommtn tft Ja, unb beute nachmittag.^ lieber (Bolbmann: Zuerst Erdöl, bann die beiden Fragen, von denen Sie gesprochen haben, oder nein, zu allererst Rußland, ub hatte Lust, wieder einmal «tnm Blick in unser Dossier zu wcrsen. Legen Sie auch Rußland bereit.*
Wie Sie wünschen. Herr Tirektor. Meiner Meinung nach ist es zwar immer noch zu früh mit 9hrf$- kmb. Man hat damals einm Fehler begangen, der da» russische Geschäft auf Jahre hinau» oertorbm bat.'
..Gut, wir werden nachmittag:- darüber reden.' Er trat auf Goldmann zu und faßte ihn an den Knöpfen. „Wissen Sie. wenn man denkt, daß man lot fein könnte. Und wenn man denkt, daß man jahrelang im Schützengraben gewesen ist..
„3d) begreife, daß e» seltsame Gefühle auslösen muß. Ich bin leider, wenn ich mich so auebrüden darf, nie im Schützengraben gewesen.'
5.
Da» Haustelephon bnimmtr leise.
Der Afsistent nahm da» Hörrohr ob. Der Psört- ner meldete sich. Eine Fmn Dr Schröder wünsche Herrn Direktor pr sprechen.
„So, do hätten wir sie alfo schon,' sagte der Professor übelgelaunt ,.D,eje Weiber, man kennt sie. 3d) habe wirklich keine Lust.' Er trornmelle mit den kurzen Fingern aus den Tifch. „Wie schön wäre es, wenn diese Fron nicht existierte. Sie wird un» vorwurie machen. Ich b^urd):. auch Jtomplifaho- nen für Lutz. So ein schöner Fall — ohne diese Frau tadellos. Ein Mufterbeispiel. Ein Demonstro- ticmsobjekt staun man denn btefe Frau nicht au», schalten?' Er schaute prüfenb zum Assistenten hinüber
..Ich glaube nicht, Herr Professor,' sagte der Lisistent rinkfichtsooll. E» bereitere ihm ein gewisse» Unbehagen, nicht Ja sagen .gr dürfen. Er wider, sprach mir ungern. 6» konnte ferner Äarrieje
1 dwben.
,^)err Doktor, sagen Sie Frau Doktor Schröder, ich sei leider nicht zu sprechen. Eine ganz dringende Angelegenheit hielte mich ob. Empfangen Sie die
Frau.'
Der Aisistenl nickte. Er unterrichtet« den Pfört.
. .r hroiesior ’tanb 'chon unter der Iure. „Ich bm im Laboratorium un zweiten Stock zu finden, fall» es nötig sein sollte,' sagte er unb gina.
Auch in der Einsamkeit des Bureau» behielt der Afsistent die korrekte, etwas militärisch pejärbte Haltung eines ergebenen Mitarbeiters, umständlich und forgfältig legte <r die Papiere des Crploranden Lutz, Georg, geboren 1885, übereinander, stieß einen koom der Familienanamnese. der sich zu weit vor- toag'e, zwei Zentimeter hinein, so dtß er die allgemeine, durch ^erjonalanamnek, Psychose. Pro- gnoie und Therapie oorgeschriebene Lime nicht mehr überschritt, und toartefr. ohrr» sich ein Zeichen von Ungeduld anmerfen zu laffen.
E» klopfte. Tos fnapp-e, kurze. <adjfid)e Herein gab der Eintrekenden die straft, eine gewisse Schwache, gelten die sie ün langer. Rorribor ner- gebens ongefampft hatte, zu überwinden.
Der Arzt begrüßte sie mit einer Verbeugung, die sich auf eine Andeutung beschrankte; „Frau Doktor Schröder'-' fragte er.
Sie nickte. (Er wies ihr einen Stuhl an und setzte sich ihr gegenüber an seinen Tisch. Mit automatischer Gebärde nahm er einen weißen 'Zogen amtlichen Formates, legte ihn jo vor sich hi», daß sein innerer Rand mit der Ti'chkante grlmi pa rallel lief, griff nach einem Bleistift prüfte bi<* Spitze, erinnerte sich dann daran, daß sein Peneh- men vielleicht nicht ganz der Situation enffor.-che, legte den Bleistift wieder hin und gab dem Papier- bogen eine Drehung, die feiner Vage ben Charakter de» Zufälligen nerlieff.
Ehe fie sich setzte, musterte sie erstaunt den Stuhl, der m durstigster Zweckmäßigkeit gerade nur ioolel Hakz aufwies. als unbebingt neltg mar, um die ihm y.igemuictc Funktion zu erfüllen, ließ dann die Blicke durchs Zimmer gleiten und wunderte sich nochmals barubei, obwohl sie diesen Baum von früher her kannte, daß hier alles ohne )>erz unb Warme getan war, mu ubermahiger Betonung de» Notwendigen. Sachlichcn und Bernünttiaen ,n Form und Farbe. 3\)nn schaute sie zum Assistenten hinüber. Ihre Blicke begegneten sich
„Mein Parne ist Dr. Wullbrand,' sagte er. „Der Herr Direktor laßt sich enfichutbcqen. (fr hat mich beauftragt. Ihnen al» sein Vertreter jede geioünschte Auiklärung zu geben. Sie über Ihr Verhallen zu belehren, und -w danach zum Parientrn zu sühnen. Da ich den Fall sehr gut kenne, ja, ohne Uebrrtrei« bung behaupten kann, ihn bis in alle Einzelheiten hinein durchstudiert zu haben*, :r legte die linke Hand unwillkürlich auf da tadellos geschichtete Papier, „so hasse ich zuversichtlich. Ihnen in jeder Weise zu Diensten stehen zu tonnen.*
Sie verspürte wieder ein Gefühl von Schwäche. (Es war ihr. als verliere sie den Woben unter den 5äffen. Diese strenge Sachlichkeit, die sie zuerst, als sie aus dem knappen Herein geklungen, irgendwie gereizt und zum *’ öerftanb gczwungen hotte, war stärker als ste. Am liebsten wäre sie aufgesprungen, und durch die Tür baoongerannt, um Georg zu suchen. Aber sie blieb auf bitiem dürftigen Stuhle iiffen und harrte den Afsistenten an. der sie mit h'ld^chlofftnen Augen ’irirrte. Wie irgenbein Objekt! dachte fie und irostefte
(Fortsetzung folgt.)
Pudd
befinden der ganzen
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