Montag, Z. Oktober 1927
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 251 Drittes Blatt
Turnen, Sport und Spiel.
LlmLrfolgundLiebe.
Roman von Robert Misch.
Copyright by Corl Dunker. Berlin SW 62.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wenn Fräulein Isa," ein verliebter Blick traf sie — „Konzertsängerin werden will, würde ich zur Selben raten. Als Stimmbildnerin ist sie vielleicht vorzuziehcn. Aber der Lukrin kann auch sehr viel — und was das Dramatische betrifft, wenn man zur Bühne will, da ist er natürlich Nummer la. Mit seiner Stimme ist nicht mehr viel los; ober wenn er die Schmiedeliedcr singt oder das Venuslied aus dem Tannhäuser — nur Albert Niemann, den ich ja nicht mehr gehört habe, hat ihn vielleicht übertroffen. Und übrigens wird man Sie gar nicht fragen. Wie ich Lukrin kenne, der läßt Cie gar nicht mehr aus den Klauen. Da — die zanken sich schon um Sie .. ."
Er öffnete eine der gepolsterten Doppeltüren und lauschte hinaus.
„No ja, die Selben jammert wieder."
Man hörte von drinnen einige laute Stimmen durcheinander reden: ohne jedoch die Worte zu verstehen. Herr Halban schloß schnell wieder die Tür unb rieb sich lachend die schmalen, langen Pianisten- Hände.
„Die hübschesten Stimmen unb vor allem die hübschesten Mädchen nimmt er ihr fort."
„Und was für ein Interesse —?"
„Mein Gott — feder will doch in seiner Klosse die Besten haben — und bei den Aufführungen und in den Reklamen heißt es bann: „ausgebildet von Herrn Berengar Lukrin". Er hat doch die Wipper- Wipperstein ausgebildet und die Marini, die eigentlich Meier heißt. Die Marini hat er doch vor kurzem nach München gebracht. Na ja — er mußte sich doch revanchieren."
Er lachte häßlich, in seinen Augen zuckten kleine Flämmchen.
Isa begriff plötzlich: aber sie lächelte den Jung- ling unschuldig an, als verstünde sie ihn nicht.
Mama Mengers ungeduldig, voll Begier, solchen Kunst- und Theaterklatsch, der ihr vergangene Tage zurückzauberte, in sich einzusaugen:
„Uns können Sie ruhig alles jagen, Herr Kapellmeister — meine Tochter ist verschwiegen."
„MarKa, laß doch das!"
Isa wußte genau, daß ihr wenige Tage nach ihrem Eintritt alle persönlichen und sonstigen Der- hältnisie des Instttuts aufs genaueste bekannt sein würden. Der junge Pianist schien ihre Gedanken zu erraten und äußerte ruhig:
„No, in so 'ner Kunstbude wird natürlich viel geschwatzt. Das werden Sie schon alles erfahren. Daß Lukrin ein großer Damenfreund ist, weiß übrigens alle Welt.'"
In diesem Augenblick öffnete sich die doppelte Pforte und der Sänger streckte freundlich lächelnd Isa die Hand entgegen.
„Kommen Sie nur herein, mein liebes Kind — cs ist alles in Ordnung. Sie werden meine Schülerin. Dramatischen Unterricht erhalten Sie vom Hof- schauspieler Börklitz. Ich gratuliere Ihnen und mir zu solcher Schülerin."
Auch der Direktor, der jetzt auf die Schwelle trat, drückte ihr mit freundlichen Worten die Hand und verwies sie ins Sekretariat, wo sie den ihr vorgezeichneten Studiengang und olles übrige erfahren würde.
Draußen Aog Mama Mengers ihre Tochter gerührt in die Arme.
„Meine liebe Iso, der erste Schritt nach eben ist geschehen, und der liebe Gott--"
„Aber Mama, das ist doch alles selbstverständlich — Darüber braucht man sich doch nicht so auf- zu regen, und den lieben Gott zu bemühen."
Aber ein gewisses Hochgefühl empfand sie doch, wenn sie daran dachte, daß sie die Kommerzienrätin batte zur Kammerjungfer degradieren, der Kommerzienrat in die Tippkarriere hatte stoßen wollen, bei der cs keinen Ausstieg gab, höchstens der Ausweg einer kleinbürgerlichen Heirat dos Ende war. An die amerikanischen Geschichten, in denen das Tipp- fräulein den steinreichen Chef heiratete, glaubte sie nicht.
Wohl aber war die Opernbühne das Podium, auf dem sie auch die Reichen und Vornehmen dicker Welt sehen konnten, von dem schon manche, die nicht einmal so schön waren wie sie, in das Palais eines Geld- oder wirklichen Magnaten triumphierend ein- gezogen war. Und diese. Bühne, deren Glon; und Freuden mit ihren bunten Farben verlockend winkte,
Sinbenburgfeierftunbe der Deutschen Turnerschast.
Berlin, 2. Oft. (XU.) Der H aupt au«- schuß der Deutschen T urnerschaf r. der am 2. Oktober hier tagte, hielt vor Eintritt in die Beratungen eine Feierstunde ab. in der der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft. Dt- rellor Dr. Verger, die Bedeutung des Reichs- prüf identen von Hindenburg würdigte., Es wurde ein Glückwunschschreiben an den Reichspräsidenten gerichtet, in dem betont wird, daß -12400 Vereine der Deutschen Turnerschaft innerhalb tote außerhalb der AeichZgrenzen mit Eifer her Anregung gefolgt sind, zur <v.cr des Geburtstages Hindenburgspiele zu veranstalten. .Ueberall denkt man daran und prägt es der Jugend ein, was das deutsch: Volk in schwerer Kriegszeit seinem Deneralfel^marschall verdankt hat und toaö es fetzt seinem Reichspräsidenten verdankt, der in schwerster Sturmzeit ohne Jucken das Steuer des Staatsschifses ergriff, um es vor drohendem Untergang zu bewahren."
Turngau Hessen der D. T.
Der Arbeitsplan des Turngaues Hessen der D. T liegt jetzt vor und ist bereit» den Mitgliedern des Gau- und TurnausschusieS, den Bezirks- und Dereinsturntoarten, sowie den Vorständen der Vereine zugegangen. 3n ihm ist eine systematische Stoss- und Uebungsverteilung enthalten. Der Plan sieht neben zwei Dau- vvrturnerstunden noch vier Bezirks» vvrturnerstunden vor, für welche je eine genaue Turnstoffverteilung, durchgearbeitet als Grundlage einer einheitlichen Arbeitsweise, vorliegt. Für das Frauenturnen find drei Uebungsstunden vorgesehen, die jedoch nach Lage der Dinge eine Vermehrung erfahren dürfen. Dem Turnerschwimmen sind ebenfalls drei cUebungstage Vorbehalten. Auch dem Volks- turnen unb Spielen ist durch Ginschaltung von Uebungsgolegenheiten Rechnung getragen. Erstmalig werden auch die Schülerturn- warte und Vorturner au einer besonderen Tagung zusammengerufen: dieS ist als wesentlicher Fortschritt zu begrüßen, da seither dieses wichtige Uebungsgebiet mit dem übrigen Turnst oss durchgenornrnen wurde. Auch die geübteren Turner des GaueS werden sich mehr als früher zu Uebungszusammenkünsten treffen, dies hauptsächlich im Hinblick auf daS große Turnfest der D. T. in Köln.
An turnerischen Veranstaltungen sind vorgesehen: 1. Winter-Deräte-Wettkämpfe in den Bezirken: 2. volkstümliche Bezirksturn- seste: 3. Gau turnfest (Butzbach), damit verbunden Gauvolksturnen und Spielen: 4. Dauwettschwim- men; 5. Deutsches Turnfest (Köln): 6. Daufrauen- toetturnen. 7. Jugendtreffen der Turnerjugend. Selbstverständlich kcmn genaue Zeitangabe und bestimmte Durchführung erst durch Beschluß des GauturntageS erfolgen.
Sehr begrüßt werden Wohl die im Arbeitsplan enthaltenen Freiübungsgruppen in neuer Form.
Mit diesem Arbeitsplan tritt nun die stille Arbeit auf dem Turnbvden wieder in Erscheinung.
Neuer Rekord im Weilsprung.
Der Sportverein Preußen Stettin brachte am Sonntag die sieben Wettbewerbe für die deutschen Vcrcinsmciftcrschaften zum Austrag, die ihm in der Gesamtwertung 473 Punkte einbrachten. Der jugendliche Stettiner Meier sprang 7,37 Meter. Preußen Stettin liegt an zweiter Stelle hinter Braunschweig mit 4SO und vor Viktoria Hamburg mit 472 Punkten. Zwei neue D. T.-Höchstleistungen 3m DreSlauer Stadion brachte das Stadtamt für Leibesübungen am Sonntag vor etwa 4—5000 Zuschauern Hindenburgspiele zur Durchführung, an denen Turner und Sportler teilnahmen und die hervorragende Ergebnisse, darunter neue Höchstleistungen, brachten. 'Die Mehrzahl der Siege fiel an die Turner, in der Gesamtpunkt
wertung schnitten allerdings die Sportler durch ihre bessere Placierung günstiger ab.
Zwei neue Höchstleistungen der Deutschen Tumerschaft gab es in der 4 < l00-Meter-Staffel durch den T.V .Vorwärts"-BreSlau mit der Zeit 43.2 Sek., und im Speerwerfen beidarm-g durch Stoschek (.Vorwärts"-Breslau) mit 99.03 Meter
Deutsche Leichtathletikerfolge in Paris.
Bei internationalen leichtathletischen Wettbewerben in Paris ging am Samstag auch eine deutsche Mannschaft an den Start und errang mit dort» im 10'»-Meter-Lauf einen schönen Sieg. Engelhardt mutzte sich im 800-Meter-Laus hinter Martin mit dem zweiten Platz begnügen. Merkel sicherte sich gerade noch mit einem Halden Meter Vciriprung den dritten Platz vor Smith. (Em 250. Meter-Laufen gewann der Holländer Dan den Berghe vor Cerbonnei) unb Sylvestre. Reumann lies weiter zurück als Vierter. Eine recht beachtliche Leistung zeigte der Schwede ?lbolf»fom im Hocksprung mit 1,90 Meter.
Die internationalen leichtathletischen Wettkämpfe in Paris wurden am Sonntag fortgesetzt. 3m Mittelpunkt deS Sonntags stand der 100- Meterlauf, in dem der Darmstädter Engelhardt erneut auf PelherS großen Gegner Sera Martin traf. Das Rennen gestaltete sich äußerst interessant. Dis 600 Meter führte Engelhardt, ließ dann Martin passieren und griff ihn bei 750 Meter an. Zn einem langen Kamps gelang es ihm zwar. Martin hinter sich zu lassen, aber er hatte dabei feine Kräfte derart verausgabt. daß er dem Endspurt des großen Franzosen nichts mehr entgegenzufetzen halte und sogar noch den weniger guten Keller-Paris vorbei- ziehen lassen mußte. R eu m ann-Mannheim bestritt ein 400-Meter-Laufen, daS er siegreich vor dem Holländer van den Berghe beendete.
Dänemark
schlägt Deutschland 3:1.
Auch der dritte deutsch-dänische Fußball- Länderkampf. der am gestrigen Sonntag in Kopenhagen vor 20 000 Zuschauern zum Aus- Irag gelangte, endete mit einem Siege der Dänen. Die deutsche Mannschaft zeigte im Felde ein sehr gutes unö schnelles Spiel, aber vor den Toren fehlte den Stürmern der Schuß. Die dänische Glf entsprach nicht ganz den heimischen Erwartungen. und so dominierte in der ersten Spielhälfte durchweg die deutsche Mannschaft. DaS erste Tor wurde von dem dänischen Halbrechten Rohde nach 23 Minuten Spielzeit erzielt. Kurz vor der Pause sckwß der Linksaußen Kießling für die Deutschen den Ausgleich. Der flache Schuh war für den dänischen Torwächter, der den Ball zwar berührte, kaum haltbar. Zn der zweiten Spielhälfte kamen die Dänen auf. Schon in der zweiten Minute nach Wiederbeginn erzielte Rohde den Führungstreffer für Dänemark, dem der Rechtsaußen Hansen in der 24. Minute daS dritte Tor anreihte. Der Kampf wurde von beiden Seiten äußerst hart durchgeführt. Der norwegische Schiedsrichter, S m e d v i k, traf feine Entscheidungen nicht immer mit der genügenden Schnelligkeit.
Fuhballverbandsspiele im Maingebiet.
Die Verbandsspiele der Gruppe Main standen gestern ganz im Zeichen des Großkampfes Eintracht gegen Fußballsportverein. Vor mehr als 25 000 Zuschauern, die mit größter Spannung dem Kampfe folgten, erwiesen sich beide Mannschaften als gleich, wertig und teilten sich mit 1:1 Toren in die Punkte. Rot-Weiß Frankfurt schlug Union Niederrad glatt unb sicher mit 3:1. Ebenso gewann Hanau 93 gegen Spieloereinigung 03 Fechenheim erwartungsgemäß mit 2:1- Toren und Sport 1860 Hanau bezwang D. f. R. Offenbach 3:2. Germania 1894 Frankfurt holte sich ihre ersten Punkte mit einem sehr hohen Siege von 5:1 Toren über Viktoria 94 Hanau.
Ueberraichcnberweije ließen sich dagegen die Offen- bacher Nickers auf eigenem Platze von Viktoria Afckasfendurg 1:2 schlagen.
In der Gruppe Hessen behauptete Wormotia Worms durch einen glatten 5:1-Sieg über i)ie Sport- gemeinde Höchst weiterhin ihre Spitzenstellung. In Höchst 1847 ist vor allem ihr hartnäckigster Neben- buhler eben durch diese Niederlage merklich ab- sie'allen. Aber auch die anderen Spitzenoereine kamen durch ungünstige Resultate etwa» mehr von dem Tabellenführer ab. So spielte Fußballsportverein 05 Mainz geaet Alemannia Worms 2:2 und Arheilgen gegen D. f. L. Neu-Isenburg 0:0, so daß es in beiden Fällen zur Punktteilung kam. Der Tabellenletzte, Germania Wiesbaden, verfertigte die Heber- raichung des Tages, inbem er Sp. V. Darmftabt 2:1 schlug. Da» Spiel Hassta Dingen gegen Sp. D. Wicsbaben fiel wegen ungünstiger PlagverhälMiste aus.
Aus dem Arbeiler-Turn- und Sporlbund.
Gießen I schlägt Dackenheim I 2:1 (2:0).
Die schon in der Vorschau gesagt, hatte Gießen absolut keine Veranlassung, bas Spiel mit Bockenheim schon im voraus verloren zu geben. Der Kenner der Mannschaft muhte ihr unbedingt einen Sieg zutrauen, und so ist's fchließlich auch gekommen. Gießen in feiner heutigen Zusammenstellung kann ohne weiteres zu den besten Kreis- klassemannschaften gezahlt werden, da- Spiel am Sonntag unterstrich diese Tatsache in besonders eindrucÜvoller Weise. Daß daS Resultat ein knappes werden würde, war vorauszusehen. Dießen trat zum erstenmal wieder mit seinem bewahrten Mittelläufer an, dem bai Hauptverbienst an dem errungenen Sieg zusällr. beim seine vorzügliche Dallverteilung trieb den Sturm immer wieder nach vorn. Mit Ausnahme des Mittelstürmers und des Rechtsaußen zeigte Gießen- Mannschaft ein glanzvolles Spiel. Auch die Gäste zeigten recht gute Leistungen, nur begingen sie den Fehler, daß, als sie die Abwehr der Dteßener Hintermannschaft kennen gelernt haben muhten, ihr Angrisssshstem nicht änderten. Auherordent- liches Glück hatte DockenheimS Tormann, dem er es auch verdankte, dah er in der ersten Halbzeit nicht mehr als zweimal den Ball aus dem Retz holen muhte. Giehen spielte mit dem Wind, beide Mannschaften sanden sich zunächst nur langsam zusammen, und sofort schuf Giehens flache Kombination recht gefährliche Momente für den Gegner. Zn der 20. Minute gab der Mittelläufer eine präzise Vorlage. Halbrechts raste mit dem Ball aufs Tor, die unfair« Behinderung dieses Spielers brachte Giehen durch einen verwandelten Elfmeter den ersten Erfolg. Das Tor Bockenheim- war in der Folge recht oft in Gefahr, während auf der anderen Seite Giehens Hintermannschaft alle Angriffe zuschanden machte. 10 Minuten vor Schluh war es abermals der Halbrechte, der eine Torchance herausarbeitete, am Torschuß gehindert, den Ball nach Halblinks gab, der scharf einschoh. 2:0 für Gießen. Rach dem Wechsel nahm Dießen das Spiel scheinbar etwas leicht, sie hatten den Sieg schon sicher In der Tasche. Bockenheim drängte nunmehr stark, unb erst, als die QUarm- schaft durch einen verwandelten Strafstoß bai Resultat auf 2:1 stellte, wurde Dießens Sturm wieder lebendiger und lieferte dem Degner bis zum Schluß ein ebenbürtiges Spiel. An dem Resultat wurde nichts mehr geändert.
wieseck I — Naunheim I 2:3 (0:1).
Das Spiel dieser beiden Mannschaften begegnete einem sehr starken Interesse, ber Besuch war nicht nur von Wieseck, sonbern auch von Naunheim recht gut. Wenn Naunheim von biesem Mal den knappen Sieg mit nach Hause nehmen konnte, so verdankt die Mannschaft dies in erster Linie ihrem außerordentlich befähigten Tormann, ber nur durch seine blendenden Leistungen feiner Mannschaft die Punkte rettete. Damit sollen nicht etwa die Fähigkeiten Naunheims herabgewürbigt, sonbern mir gejagt werben, baß Wieseck in allen seinen Mann- ichaftsteilen ein ganz hervorragendes Spiel zeigte: Das Spiel als ganzes ftanb wie bie vorhergegange
nen Spiele ber Iugenb- unb 2. Mannschaften hoch über einem Punktspiel unb war in semein gesamten Verlauf außerordentlich spannend. Mit rasendem Tempo würbe et begonnen. Wieseck brängte nach de» Gegner» Tor unb erzwang m der 3. Minute «ine Ecke. Naunheim, da» ba» Spiel sehr ernst nahm, griff ohne Unterbrechung an. erhielt zwar auch eine Ecke, aber keine (Erfolge. Wiesecks xornwnn, von einer alten Verletzung noch sichtlich behindert, hielt Zunächst noch alles. Wieseck» r-mger Sturm zeigte n feinen Angriffen prachtvolle Leistungen unb hatte währenb der nächsten halben Stunde ein geringe» Plus aufzuweifen, aber der Tormann Raunheim» hielt bie unglaublichsten Balle. Fünf Minuten vor Schluß ber ersten Halbzeit lenkte ber Tormann Wieseck» einen langen Schuh ungeschickt zur Ecke ob. die von Naunheim zum ersten Tor verwandelt würbe. Nach bem Seitenwechsel mar Munheim 20 Minuten lang im vorteil. Angriff aus Angriff erfolgte auf bos Tor Wieseck», bie Verteidigung rettete stet» im letzten Moment. Nack 12 Minuten Spielzeit ein scharfer hoher Sali, Wieseck» Tormann schlug zu schwach ab. ein nachiegender Nauheimer Stürmer schoß ein. Naunheim führte 2:0. Wieseck, scheinbar dem mörderischen Tempo nicht ganz gemachten, hatte nachgelassen und kam erst allmählich wieder auf feine alte Spielhöhe, mit dem Erfolg, daß Naunyefm immer mehr 30rüefgebrängt wurde. Der Erfolg sollte nicht ausbleioen, in der 21. Minute schoß Halbrechts Wiesecks das erste Tor, zwei Minuten später konnte der Linksaußen einen wundervollen Durchbruch de» Halblinken ernt Ausgleichstor verwandeln. Die folgende Viertelstunde zeigte einen ritterlichen Kampf beider Parteien um bie Führung, 10 Minuten vor Schluß mar Naunheim ber Glücklichere unb erzielte sein britteo Tor, allerdings au» einer übersehenen Abseitsstelluna heraus. Ein mißliches Geschick versagte Wieseck den abermaligen Ausgleich, den die Mannschaft nach Ihren Stiftungen verdient hatte. Da» Eckenverhältnis betrug 5:6 für Naunheim.
Giehen Id — Lollar 1 3:5 (2:4).
Cs scheint bei der Glchener Ib-Mannschaft Tradition zu werden, daß ihre Spiele stets die tor- reichsten werden. So auch am Sonntag. Allerdings konnte Giehen seinen überraschenden Sieg über Wieseck vom Varsonntag nicht wieberholcn, den Willen, auch diesmal zu siegen, machten bie aufmerksam geworbenen Lvllarer zuschanden. Wie immer, zeigte bte Lollarer Mannschaft einen gesunben Torschuß unb konnte baburch bte In Ihrem recht ichwachen Tormann liegenbe Unzulänglichkeit gut ausgleichen. Wie bet fast seinen sämtlichen Spielen eröffnete Gießen ben Torreigen, als ber Mittelstürmer eine Ecke verwanbeln konnte. Zwei Minuten später glich Lollars Halbrechter aus, kurz herauf stellte brr Mittelstürmer Lollar» bas Resultat auf 2:1; bas britte Tor für Lollar resultierte aus einem verwandelten (Elfmeter wegen unfairer Behinderung, unb balb barauf stellte ber Halbrechte Lollars basHalb- zeltergebnis, 4:1, her Kurz nach bem Wechsel konnte Giegen einen unverhofften zweiten Erfolg erzielen, woburch ba» abflaucnbc Spiel wieher an Interesse gewann, In beren Verlauf belbc Parteien noch ]• ein weiteres Tor entelten. Gießen kann mit biesem Resultat sehr zufrieden fein.
Die unteren Mannschaften.
Daß Leun auf eigenem Platz ein recht schwerer Gegner ist, mutzten die Großen* Lindener zu ihrem Leidwesen erfahren, tnbem sie 4:1 verloren.
Zn Burkhardsfelden macht sich der Mangel eines geeigneten Sportplatzes immer unangenehmer bemerkbar. 3m Spiel gegen Daubringen zeigte der Tormann der Einheimischen recht gute Leistungen, und verhinderte eine höhere Riederlage. Daubringen trat mit nur 10 Mann an, unb konnte trotzdem 2:0 gewinnen.
Wetzlar II gewann gegen Alsfeld II verdientermaßen 3:0.
Wieseck II und Raunheim II lieferten sich ein gleichwertiges Spiel, da- auch im Endresultat seinen Ausdruck fand: 3:3.
Zn einem ausgeglichenen Spiel standen sich Heuchelheim II und G roßen-Linben II
sich durch ihre Kunst unb Schönheit zu erobern, bazu war sie fest entschlossen.
Berlin schwamm im Sonnenlicht unb Icnzlichen Lüften; Berengar Lukrin blickte ungehulbig zum Fenster hinaus, bas weit offen ftanb unb ben Blick auf bas erste, zarte Grün eines großen Gartenhofes freigab. Der Sänger ließ bie letzten Töne bes anmutigen Duetts aus ben „Lustigen Weibern" ver- flattern unb schloß mit einem plötzlichen Ruck ben Deckel bes Bechfteins.
..Genug für heute, Fräulein Mengers!" — Er blickte nach her Uhr — „Eine öiertelftunbe zu früh! Aber ich kann nicht mehr. Mit was für Material man sich quälen muß! Sie sinh ber Lichtblick; unb ich möchte über Ihre Zukunft mit Ihnen reben. Begleiten Sie mich bei dem herrlichen Wetter ein bißchen in ben Ziergarten! Da wirb mir wohl. Diese Kunstbube macht mich ganz krank."
„Sie würben sie aber hoch wohl kaum entbehren können, Herr Kammersänger", lächelte Isa.
„Eie irren. Die Kunst .. bah! Im Orunbe ein bloßes Gaukelspiel für große Kinber, bunte Steine, mit benen wir uns bte Zeit vertreiben. Im Frühjahr packt mich immer eine fo unenbllche Sehnsucht nach ber Natur, nach ben Bergen, ins Weite hinaus — nur fort! Zumal, wenn ich es mit einer gleichgestimmten Seele genießen kann."
„Nun, diese Sehnsucht werben Sie ja balb stillen können. Sobalb die Probeaufführungen vorüber sind, packen Sie auf und gehen mit Frau unb Kinb nach Tirol ober her Schweiz. Unfereiner hat's nicht fo gut."
Lukrin warf einen unsicheren Blick auf feine Begleiterin erroiberte aber nichts. Wußte sie es ober wußte sie wirklich nichts? Aber bas war doch kaum anzunehmen. Was für eine kluge, ja raffinierte kleine Person sie war! Unb jetzt, wo er end- sich wieher frei war — berauschenhe Perspektive!
„Wieso Haben S i e 's nicht so gut, Fräulein Mengers?"
„Lachen Sie mich aus, Herr Kammersänger, ich bin bisher noch nicht über bie nächste Umgebung von Berlin Hinausgekommen, kenne noch nicht einmal bie Ostsee."
„3ft ha» möglich?" — (Er blickte sie ehrlich überrascht an.
„Nun ja, sie wissen hoch, haß ich von kleinen Leuten, aus ganz bescheihenen verhältnlsten flamme."
„Aber Sie haben hoch bie Protektion bes Kommerzienrats Nettebohm."
„Gewiß — mein Vater ist bei ihm ongefteUt, unb er bezahlt meine Stubien; aber in bie Sommerfrische hat er mich bisher noch nicht geschickt. Doch hat mich biesmal Fräulein von Wiggershelm nacn ihrem elterlichen Gut in Pommern eingelaben; unb ba werbe ich benn wohl auch enbllch bie See kennenlernen?
„Mein Gott, bie Wiggersheim, bie so unmusikalisch ist ... Material nicht mal übel, für ben Konzertsaal jebenfalls ausreichenb. Da sollen Sie ihr wohl Gesangunterricht geben?“
„Wir wollen zusammen ftubieren."
„Arme Kleine — man wirb Sie ausnützen!"
„Nicht hoch — ich kann viel habet lernen. — Unb bann bas schone, große Gut! — Reitunterricht soll ich auch kriegen. (Ein armes Mähchen wie ich, muß eben froh sein, wenn es überhaupt In eine fo vornehme unb reiche Familie hineinkommt."
„Bah — warten Sie nur noch ein bis zwei Jahre, bann wirb man sich um Sie reißen Wenn Sie erst als Stern erster Größe —“
„Sie scherzen, Herr Kammersänger. Ick weiß ganz genau, baß meine Stimme nur klein ist?
„Wirb wachsen — ist schon gewachsen. Sie finb eine meiner besten Schülerinnen, bie beste vielleicht — ja! Die Stimme ist zart, aber süß — unb Ihr musikalischer Sinn, Ihr Vortrag ... Unb Ihr Aeuheres — bitte, bas gehört bazu — besonders für Ihr zukünftiges Fach als Soubrette. — Herr Börk- (in sagt mir, baß Sie auch entschiebene bramatische Begabung hätten. Nun, bas wirb sich ja alles balb bei ben oevorstehenben Vorstellungen zeigen."
„Wollen Sie mich benn schon In biesem Jahre Herausstellen?"
„Natürlich — worauf benn warten'?! Sie sollen die Frau Flukh singen, vielleicht auch die „Regt- ment-tochter" ober bie Nebda tn ben Dajazzi — Schlußakt! Wir werden sehen."
(Fortsetzung folgt)


