Einzelbild herunterladen

Rack dies« mit lebhaftem 'Leisall aufgenom- menenAnsproche hielt

Professor Dr. Schmoll

die Festrede, in der er u. o. fogte: Meine Aufgabe heule ist leicht unb doch auch schw«; leicht ist sie. weil kein Wort au groß und zu kühn ist. um die Verdienste des ManneS zu würdigen, der an der Spitze teS Deutschen Reiches steht: schwer ist sie, weil es dem schlichten Sinne Hindenburgs widersprechen würde, wenn man ihn laut rühmen wollte. Hindenburg, der das Veste unseres deutschen Volkstums in sich verkörpert, bet allgemein und warm geliebt und txrrtfjrt wird, war der erste im Kriege, er ist der erste im Frieden, der erste im Herzen des deutschen Volkes. Der Redner schildert« hierauf in großen Zügen den Lebensgang des Marschall- bis zu der größten Schlacht des Weltkrieges, bei Tannenberg, den Schlachten in Masuren und der dadurch erreichten Vefreiung Ostpreußens von den Russen. Weit« sagt« dann der Rebn«: Mit einem Schlage war der bis dahin unbekannt«! Raine dieses Führers nun in der ganzen Welt bekannt, mit einem Schlage war « d« Held des deutschen Volkes. Au- der Rot heraus war dieser Mann an feine Aufgabe berufen worden, den nun in unvergleichlicher Weise das Ver­trauen deS deutschen Volles trägt. Di« lange und schwere Kriegsjahre mit unzähligen Siegen stand « an unserer Spitze. Aber die wunter- baren Siege führten nicht zu dem ex- sehnten Frieden, well d« Bismarck sehlle, der nach heldenhaft durchgeführtem Kriege -um ehrenvollen Frieden führte, weil bet kraftvolle Staatsmann fehlte, der dem Maulheldentum und der Phrase daheim en«gisch entaegengetreten wäre. So kam d« furchtbare Zusammenbruch Ab« auch und «st recht im Unglück zeigte sich die Gröhe Hindenburgs. Er führte das Heer über den Rhein zurück und «rnöglichte eine im großen uni) ganzen geordnete Demobilmachung, bewahrte uns« Vaterland vor dem Ehaos und dem Elend. DaS war eine Leistung, die sich den großen Siegen Hindenburg- würdig an die Seite stellte, weil sie in ein« Zeit des allgemeinen Wankens und d« stärksten Erschütterung voll­bracht wurde. 3n diesem Zusammenbruch faßte Hindenburg wohl den größten all« feiner großen Entschlüsse: Mag alles wanken und sinken, ich bleibe auf meinem Posten. So wurde aut dem Chef deS Gen«alstabes des Feldheeres ^Ober­befehlshaber d« Deutschen Republik. Wie schwer mag tem Soldaten, der drei deutschen Kaisern und Königen gedient hat. dies« Entschluß ge­worden sein. Damals wuchs dieser Mann zu einer übermenschlichen Gröhe hinaus, « wurde zum Sinnbild oer Pflicht und d« Liebe zum Volk. Rach der Unterzeichnung des D«saill« Diktats legte er den Oberbefehl nieder und zog sich ins Privatleben zurück, eine unsterbliche Größe der Weltgeschichte. Rur knapp sechs Jahre dauerte die Ruhe. Als das deutsche Volk zum erstenmal selbst seinen Führ« wählen durfte, nicht die Partei, da berief es seinen besten Mann an die Spitze des Reiches: Generalfeld- marschall von Hinixmbura, ein Beweis für die Volkstümlichkeit dieses Mannes. D« getreue Ekkehard des deutschen Dolles brachte mit seinen 78 Jahren auch noch diese- riesenhafte Opf«. Er wurde wahrhaftig d« Vater des Vaterlandes. Fast 2Vi Jahve waltet Hindenburg nun seines hohen Amtes. Manche Schranken sind in dies« Zeit schon gefallen, manch« Zank und Streit ist begraben. Hindenburg versteht auch eine Kunst, er versteht zu schweigen. Das heißt nicht etwa untätig zu sein, sondern « versteht schweigend zu handeln. Al- « jetzt bei der Weihe des Tannenb«g-DenkmalS dieses Schweigen brach und fei«lich vor der ganzen Welt behmtete, daß wir Dein in den Krieg gezogen sind und mit reinen Händen das S^.wert geführt haben, da sprach er das aus, was alle Menschen, die noch deutsch denken unb fühlen. Wir alten Soldaten wollen ihm für diese Worte ganz besonders dankbar fein. Das Bei­spiel deS großen Reichspräsidenten lehrt uns in seiner vorbildlichen Pflichterfüllung, daß über der Staatsform der Staat selber steht. Wir begrüßen es als ein Derdienst des Reichspräsidenten von Hindenburg, daß nicht nur in diesen 2*/t Jahren das Ansehen Deutschlands in der Welt gewaltig zugenommen hat, fonbern daß auch viele Deutsche.

Herbstmelancholie.

Don Anton Schnack.

Jetzt ist es Zeit, an den Gärten vorbeizu- 0reifen, jetzt, da bet Herbst mit seiner Derwildc- rung in sie herein gebrochen ist und alle Gärten mit der unwiderstehlichen Derzaub«ung sein« Trauer und feiner Todesnähe, mit grausam« und einsam« Stille und mit schmerzlichen und schwermütigen Gerüchen ungefüllt hat. Jetzt in diesen verchl eierten unö leblosen Tagen denke ich an viele Gärten der Jugend.

Sichst du ihn stehen, den Knaben Johannes mit glühenden und zugleich verdunkelten Augen, verdunkelt von einem unbekannten und schwärme­rischen (Srgriffmfein, wie er im windlosen Kasta- niengeböL$e stehl, die Hände voll g'.änzend« und feuchter Früchte, die eben auS d« Schale ge­sprungen sind und üb« das Gras, da- t<ßon lange keine Mäh« mehr faß. hinkollert en. Siehst du ihn stehen am moorigen Rande des kleinen Weih«-, der bew gungslo- einen grünlich fahlen Spiegel in das graue Rachmittags'.icht des sterbenden TageS hebt. D« Knabe starrt hinunt« in den sumpfigen unö sickernden Boden des ®c- wässers, in dem die Frösche zum letzten Male ihre Schwimmsüße bewegen, um In die schlam- n.ige Tiefe vor dem einbrechmden Wint« fick zu vergraben. Dies« Knabe bin ich, erregt, blaß und ersckfit «t, denn immer stand mir der Tod näh« alS da- Leben, immer hat mich die Der- fchwiegenheit und Leblosigkeit des Herbstes tief« ergriffen al« die feurige unö gewalt.ge Fanfare des Frühlings unö des Sommers.

Roch jetzt, da ich im All« stehe, suche ich die Gärten, und die Ränder der Wald« des Herbstes mit ein« unwid«ftehlichen Leidenschaft und Liebe, wie man seltsame S Löte, eine Geliebte ob« das Meer auffudji. Was will ich da? Ach die 2Tbcn- teuer sind gering mi ihrem äußeren Gesicht, aber er.chüt emö iin Geheimnis des inneren LebenS unb verschlossen« Qi ei gütigen.

Im seinen Qte et des Rackmittags, fast schon mehr dünner Regen als Reb.-lschlei«. sehe ich kne 0>enus''.atue vor en blät «den und trostlosen Bäumen. In den naaten Schultern der an^bete- ten'tin krümmt sich ein Frö' ein. Langsam und st.merzlich verfällt bas Lächeln d« Liebe au« schwulen Frühlings- und Sommernächten in den Mienen ihr« Schönheit. Aus iyre Brust hat sich

die früher verbittert und angewidert von den neuen Verhältnissen sich zurückhielten, sich wieder dem Staate und Volk zur Verfügung stellen, unö zwar darum, well ein Mann an der Spitze steht, öer «S uns 80 Jahre vorgelebt hat: nicht- für uns, aber alle« für da- Doll! Ein Wann, der nicht- von Rechten wissen wlll, sondern sich mit einfacher Erfüllung fein« Pflicht befcheidet, bet Opfer über Opf« bringt und der Entsagung übt über Entsagung, an den kein Parteigetriebe und kein Parteigezänk, vor allem aber nichts Gemeines heranreicht. Da- ist ein Segen von Gott, dessen wir uns aus tiefster Seele freuen dürfen, nicht nur in festlichen Stunden, sondern auch bann, wenn diese verrauscht sind unö wir Wied« vom Alltag umfangen werden. Möchte Hindenburgs Glaube an Gott, feine grenzenlose, opferbereite Liebe zum Daterland und sein Vertrauen auf eine bessere deutsche Zukunft uns alle «fassen und erfüllen. Ihn, den verchnmgswürdigen 'Ket­tet bet Vaterlandes wollen Wit ich bitte die Versammlung sich von den Plätzen zu erheben mit folgenden Worten eines deutschen Dichter­in tiefer Dankbarkeit grüßen:

Et leuchtet über Trug unö Tücke, Ihn beugen nicht die achtzig Iaht, Den Herrlichen, der groß im Glücke Und größer noch im Unglück war. Dem Höchsten Dank, der ihn erhalten Zu des zertretenen Volkes Heil;

Herr Gott, laß ihn noch lange walten, Und Segen, Segen sei sein Teil."

Nachdem der überaus starke Beifall der Fest- Derjarnmlung verrauscht war, sprach

General (Bros namens des D. 0. B.:

Dem Fellmrarschall-Reichspräsidenten wollen wir heute unsere herzlichsten Glückwünsche darbringen. Möge das deutsche Volk in seinem Feldmarschall allezeit einen seiner besten und größten Söhne ehren. Mögen di« Deutschen, insbesondere unsere deutsche Jugend, in ihm nicht nur den siegreichen Feldherrn und späteren Reichspräsidenten, sondern dos leuch­tende Vorbild menschlicher, militärischer und bürger­licher Treue sehen. Treu dem Vaterland« bienen bis zum letzten Atemzug, das ist feine Losung, Gott schenke unserem Feldmärschall-Reichspräsidenten noch ein langes, gesundes Leben, zum Heil und Segen des geliebten deutschen Vaterlandes. Das deutsche Vaterland, es lebe hoch.

Begeistert stimmt« die Versammlung in die Hoch­ruse ein unö sang anschließend den elften Vers der Nationalhymne. Im weiteren Verlause des Abends wurde der FilmDer achte Reichssrontsoldatentag in Berlin" vorgesührt, anschließend fand noch Kon­zert der Kapelle Topp statt, die sich um den Abend sehr verdient machte. Man wird an diese würdige Feierstunde immer gern zurückdenken.

Aus der Nrovlnzialhaitplstadt.

Gießen, den 3. Oktober 1927.

Das Schulflugzeug!.

Unweigerlich mußte es einmal so kommen: genau so, wie es bisher zur Velehrung und praftischen Einübung feiner Schul« einen Elek­trisier apparat, ein Mikroskop, ein Teleskop usw. besaß, verfügt das moderne Gymnasium jetzt auch übet ein Schulflugzeug zu denselben Zwecken. Den Anfang hat ein Knaben-Evllege in Sidney ^Australien) gemacht, dem ein draußen im praktischen Leben Millionär gewordener ehe­maliger Zögling zu Uirterrichtszwecken ein voll­ständiges, nagelneues Flugzeug mit dem dazu­gehörigen Fluglehrer und einem stabilen Hangard geschenkt hat. Seinem Wunsche gemäß werden die Schul« d« oberen Klassen in einem «sten Lehrgang mit allen Fragen und Problemen der Flugtechnik theoretisch v«traut gemacht und er­halten dann in einem zweiten Lehrgang prak­tische QluSbildung in bet Bedienung unb Führung b« Maschine, ba, w:e der Stis c in seiner Schenkungsurkunde bemerkt, jeder einiger a',en mit Glücksgütern gesegnete Staatsbürger in 25 bi- 30 Jahren mit seinem Aeroplan ebenso ver­wachsen sein wird, wie heut« mit dem Automobil oder dem Motorrad.

Das Beispiel wird Schule machen, zumal bei jenen Dottern, besonders der angelsächsischen Qtaffe, die den Wetteifer auch um Kultursort- schritte zu einer Art Sport «hoben haben. Bc- neibenLwerte Jugend dieser neuen Generation!

ein Wettes Ahornblatt geklebt. Liebe? Liebe? Was will sie h er im kühlen Hauch des St«bens und b« Verlassenheit? Hin'.er ben Büschen schä­kert kein Paar mehr in leichtem Kleib unb mit leichten Worten. Die QMäli« sink) von ben Ge­sträuchen gefallen unb mit ben Winden ins Un­bekannte verweht. Die Liebe hat fdnen Dust unb keine Spur mehr hint«lassen, sie mußte sich nun. ba b« Herbst heroingebrochen ist unb mit ihm Kälte, Rässe unb Schaub«, in die Gemach« au8 Seide, Wärme unb Samt unb in die Dars und in die v« st oh len en Ecken bet roten Lampenschirme flüchten.

Lebe wohl, schöne PH llis deS Sommers l

Qkrfcßültete Wünsche tauchen in meinem Herzen und in meinem Blut« auf: die Lust nach dem Wein«. 3mm« denke ich an alten roten Wein, wenn ich das Gelände des Herd,les durch­streife. Komme mit mir unbekannt, aller Mann, den ich auf ein« Steinbank sitzen sehe, komm', wir wollen uns hint« einen Tisch bi einem ver- dunkclten Simmet sehen, vor uns eine Flasche und zwei hohe Glas«! Es tut gut, in die schil­lernde schwermütige « bet Wem s zu ftanvn, unverwandt, nur zuweilen trinkend, aber sprich kein 'Dort mit mir, schweige und trinke, damit sich das Schmerzliche löst im tiefsten Grund uns«es Herzens. Denn wir alle haben unsere Schmerzen und Geheimnisse, und jed« von uns leidet an etwas. Ich leide an der Schwermut mein« Jugend und du an bet Last beines un- nachsichtlichen Atters.

Ick bin froh, bah ich mir Pfeff«minzkraut unb Thtzmian gesammelt habe, als noch die Sep- temberbienen um die Hügel flogen. 3mm« wieder muß ich von meinen schweif.mben Irrgänger, zurück in mein Hau-, um meine T ruhen zu öffnen, in denen ich bi« getrockneten ke 'baren Kräuter liegen habe. Ach. es ist ein guter Duft. Wald'.äl« unb Walbwegcinsamkeit liegen barn. Es ist Duft, b« beruhigt unb begütigt Es ist bet ben bie Großmut:« unb bie Dichter lieben. Er gibt Berte ein, bie gut sind unb weife, ab« ich se-reu»e sie niemals n cter. 3ch lass? ft- in ter Vergessenheit unb im Schweigen mr ne- Herzen-.

Auch bin ich froh, baß ich eine graue unb «rreße Katz« in bi cf« Zeit bet Dtlar.nh i: unb Treuer habe. Kaum« ich zurück von meinen un» rostigen unb wetten Streitereien, fo wnß ich,

Wir, di« wir noch au- dem Ende des vorigen 3ahrhundertS stammen, erinnern uns wohl noch, wie wir. manche von uns «st im vorgeschrittenen Wannesalt«, mit einer aus Ehrfurcht unb Zagen gemischten innerlichen Scheu zum erstenmal «in Auto bestiegen haben. Da- neue Geschlecht ab« wird, moderne Jkariden, hoch in den Lüsten übet die alte Srde e.nhersteuem und sieghaft auf alles das h«absehen. waS uns noch fabelhaft« Fortschritt und ungeahntes Wund« gewesen ist.

3n zehn Jahren etwa w«den Die Schulen ihre großen Ausflüge nicht mehr auf der Erd« unternehmen. In unser« Jugend noch wan­derten wir, am grünen Band die Q5otanifiet- trommel übet der Schulter, einen ganz beschei­denen Zehrpfennig aus den Händen der mah­nenden Mutt« in der Tasche, mit dem Lehr« durch Wald unb Bruch, durch Feld unb Wiesen­hänge; als wir etwas ält« waren, fuhr man schon mit der Eisenbahn im QBagen 4. Klasse ein Endchen aus d« Daterstadt hinaus und trug schon Wanderstock und Rucksack; heute begegnen uns in den Tälern od« aus den Höhen uns«er Waldstraßen hin und Wied« Primaner und 6e- kundan« unter Führung ihres Studienrat- laut singend im bahineilenden Last- ober AuSfluas- auto. Morgen ab« wird bet Primaner feUbft schon die Propeller bet Ausslugs-Großflugzeugs andrehen, unb der Schulausslug wird dann erst der richtige AuS f l u g fein.

Es liegt auf der Hand. unf«e Jugend wird auf diese Art schnellere unö umsassenöere Kenntnisse von d« geographischen und topo­graphischen Gestalt ihres Landes, von den Lehren der Atmosphäre unb b« Witterung unö yon ben bedeutenden technischen Problemen gewin­nen. Sie wird gegen bedeutsame Forderungen deS modernen LebenskampseS besser gewappnet sein, als wir es waren. Aus Kosten anderer Dinge und QBerte, bie uns vertraut gewesen sind: innige Raturbetrachtung, Gelänbekunte des Auges, Kenntnis des Jnsektenlebens, bat stille Vollgefühl in der Ratur.--Unb von hier aus

betrachtet, bekommt die Gewinn- unb Derlust- rechnung dieses neuesten Fortschrittes in t« Er­ziehung ein ganz anderes Gesicht.

Der Protest

gegen das Neichsschulgesetz.

Die gemernfame Kundgebung, die wie am Samstag schon kurz berichtet von der Stadt­verwaltung und der Stadtverordnetenversamm­lung gegen den Entwurf bet neuen Reichsschul­gelcyes mit großer Stimmenmehrheit angenom­men wurde, hat folgenden Wortlaut:

,,D« Entwurf eines Reichsschulgesetzg- zer­stört den bewährten Aufbau des hessischen Volts« schulwes«s, unt«gräbt bie Schulhoheit des Staa­tes, sührt zu unabsehbaren Schuttämpfen unö v«ursacht neue finanzielle Lasten. Die 6taöt- i>«or'cnctcnDxrfammlung richtet daher an oie hessische Regierung das dringende Ersuchen, be.n Entwurf eines Rrichsschulge'etzes mit Rach druck entgcgenzutreten."

Bornstizen.

Tageskalender f ü r Montag. Palast Lichtspiele:Die geschiedene Frau". Asto- ria-Lichtspiete:Um Recht und Liebe".

** Krisen Unterstützung f ü r Arbeits­lose. Der Reichsarbeitsminister hat die Krisen- Unterstützung auch für die Zeit nach dem 30. Sep­tember 1927 bis zum 31. März 1928 für die Be­rufe zugelasfen, für die sie bisher zugänglich war, d. h. für die Gärtnerei, Metallverarbeitung, Leder­industrie, das Holz, und Schnitzereigewerbe, Beklei­dungsgewerbe und sämtliche Angestelltenberufe. Die Bestimmungen find dabei in einer Reihe von Punkten geändert worden. Für Arbeitnehmer, die sich am 30. September bereits in der Krisenfür- sarge befinden, ober die am 30. September bereits Erwerbsloscnunterstützung beziehen und später in die Krisenfürsorge übergchen, gelten aber die bis­herigen Bestimmungen über Höhe der Unterstützung und Prüfung der Bedürftigkeit weiter.

** Di« Gießener Herbstmesse erfuhr gestern bei günstigem Wetter und sehr starkem Be­such einen verheißungsvollen Auftakt. Soweit man beobachten konnte, erfreuten sich sämtliche Dar­bietungen der Schausteller regen Besuchs. Auch öer Besuch vom Lande war gestern recht stark. Wenn

daß, wenn ich die Türe öffne, etwas Warmes unö Sanftes an meine Fuße sich drängt. Ich höre die Stimme meines Katers, die für mich nichts Tierisches unö Fremdes hat, sondern es scheint mir tote ein Rus unö wie e.n Laut au- unbeschwerten Jugendtagen, wo meine Mutt« noch lebt« unö an Öen Herbstaben Öen Märchen «zählte, wähvenö die Katze mit den Woll­knäueln in der warmen Stube spielte. Grün unö ernst glühen mich öie Augen des Ti«es an. Run weiß ich, baß ich wieter zu Hause bin unt« meinen Büchern, ©loben und Atlanten, in d« Wilöheit unö Bezauberung meiner Blumen- unö Kräutergerüche unö in d« Seltsamkeit mein« Kakteen, die mir wie lebendige Gnomen und Kobolde «feßeintn.

lieb« meinem Herde hängen Schnüre von Steinpilzen und Wie enchampignons. Ich prüfe sie mit den Fing«n. ich kann die P lze von den Schnüren nehmen, sie sind gut und trocken Es lag schon Red auf den Wiesen und tiefe Stille in Öen Wäl c: . als ich viele Rachmittage umhergmg. um sie aus dem gelben Laub d« 'Wälder unb aus dem kurzen unö geschorenen Gras ö« S.ptemb«wie'en zu brechen. Run habe ich meine Ernte für öie Tag« öes Regens unö öer kalten Lust. Dezaubernö ist ihr wilö« Pilz- geruch, herrlich unö verführerisch ihr Geschmack.

Don den Büchern blicke ich manchmal aus. viele Stunden habe ich so grübelnd und v«bohrl gesessen. Ich weih, daß draußen in der tiefen Rächt alles in Rebel und Verwesung liegt. Allo Gärten sind geplündert. Alle Wiesen sind tot. In ben Gräben steht bat Wasser viel« Regennachmittage. Die Lurche unb Molche schla- sen tief unb hart in ben Gängen der Erbe. Licht« finb nicht mehr ba. Sterne sinb keine auf getan. Schleifende, nasse Wolken verbergen den Mond. Riemand lebt mehr al- ich Wind unb Regen ft reifen unbarmherzig um meine Fenster.

Unb es gehört zu mein« Berlafsenhell unb tiefen Trau«, baß ich an Lilie, bie Gelebte, unb Dlanchefkur. die Freundin, denken muß Auch sie finb mir Im Herbst verloren gegangen unb fo habe ich auch noch ben H-tbst beS Herzen- unö der Liebe erlebt. Roch zittert unö glüht in mir ein Hauch ihr« Wärme, nock sHeint es mir. als ob ich die Herrlichkeit ihr« Leb- fofungen auf mein« Haut unb an meinen Hän-

bie günstig« Witterung cuchätt. dürften bie Schau- stell« wohl auf ihre Rechnung kommen.

Da- Segelflugzeug bet 3u- gendgrupp« deS G iehener Luft« fahrtvereinS wurde am Samstagnachanittaa und gestern von einem erfahrenen Rhön-Segei- flieg« «ftmalig geflogen. Die Hebungen fanden in ö« Rähe d« 05«gschenke in Richtung nach den Gailfchen Tonwerken statt. ODee wir hören, ist man mit dem Ergebnis der bisherigen Probe- flöge recht aufnebot

Große Geflügelschau In Dießen. Am 26. unö 27. Rovember findet in der hiesigen Dottshalle bi« 15. Land«sschau hessischer (Beflügel- zuchtvereine unö im Hinblick auf da- 30jährige Bestehen des Geflügel- unb Bogelzuchtverein- Gießen unb Hmgegenb eine allgemein« Geflügel- ausstcllung statt. DaS Protektorat über bie Ver­anstaltung hat Provinzialdireftor Graef üb«- nommen. Di« Vorbereitungen finb schon seit längerer Zeit rege im Gange, namhaft« Preis­richter finb fest verpflichtet, viele Spezialverein« hab«n ihre Mitwirkung zugesagt. Voraussichtlich werden über 3000 Tiere zur Ausstellung kommen. Terminschluh für die Anmeldungen ist am 8. Rov

E t n Achtzigjähriger. Am Samstaa konnte Herr Johannes Nickel. Großer St«nw«g IS wohnhaft, feinen 80. Geburtstao begehen. Herr Nickel war her Begründer öer Bafaltwerke in Ober- Widdersheim und Dreihaufen. Kur» vor bem Kriege trat er von fein« rastlosen Geschäftstätigkeit zurück und übergab das Geschäft seinen beiben Söhnen. Der alte Herr erfreute sich feines Lebensabends tn verhältnismäßig großer Rüstigkeit und Gesundheit.

* Das Fest der Goldenen Hochteit begingen gestern in geistiger und körpenicher Frische der Rentner Julius Schultze unb Frau Johanna, geb. Grüneberg. Wiesenstr. 1, wohnhaft.

Arbeitsjubiläum. Am Samstag tonnte d« in der hiesigen Reichsbahnbetriebs- werkstätte beschäftigt« Vorschloss« W. Knapp auS Heuchelheim fein 25jährige- Arbeitsjubi- läum begoßen. D« Dienststellenleit«. Reichs- baßnamhnann v. ö. Heydt, sprach dem 3ubUar di« Glückwünsche öer Verwaltung aus, während die Mitarbeit« ihm durch ein JubilLumsaeschenk und Schmückung seines Arbeitsplatzes ihre Ehrung darbrachten.

Der Hessische Handwerks- unb Dewerbeverbanb hält sein« diesjährig« große Tagung am 15. unb IS. Oktober in Vao- Rauheirn ab. Während für SamStag eine Sitzung des Landesausfchufscs einberuscn worden ist, fin­det Sonntag, den 16., vormittags 10 Uhr, bie c,f nt ich? Hauptver a nmlung im Großen Vühiren- faal des Kurhauies statt. Vekannte Hanbwerker- füßrer, wie Dorsitzcilder der Handwerkskammer R o ß I, Darmstadt; Shrcnmeist« Schmuck, Worms; LandtagSabgeordneter Lauten- b a ck e r, Dieburg, u. a. werden sprechen.

" Weltspartag 1 9 27. Die derttschen Sparkassen w«den auch in diesem Jahre den 31. Oktober, den Termur deS QDoltspartages. dazu benutzen, um in d« Q?ffentllchk«t intensiv für daS Sparen zu werben. 'Bekanntlich hat b« erste internationale Sparkassenkongreß, d« im Oktober 1924 In Mailand abgehalten wurde, eine alljähr­lich Ivioderkehrende gemeinsame W«b?akt:on für den Spargedanren beschlossen unb den 31. Oktob« als Tag festgelegt. Auch die Krebitgenoksenfchaf- ten in Deutschland beteiligen sich an dieser Aktion, die bish« einen guten Erfolg aufzuweifen hatte.

* Auftrieb auf dem heutigen Frank surter Schlachtvtehmarkt: Ockfen. 90

Dullen. 604 Kühe, 401 Färfen, 525 Kälber, 98 Schafe und 5956 Schweine.

Berliner Börse.

Berlin. 3.Okt. (WTB. Funkspruchy Da das Geschäft noch sehr still und das Publikum besonders heute zum Wochcnveginn mit Orders noch nicht ver­treten ist, kann man eine Tendenz im heutigen Frühoerkehr schwer erkennen. Man schätzt die Essek- icnkurse gut behauptet, glaubt aber, daß die freund­liche Stimmung, die in den lcpten Tagen für Spe­zialwerte hervorgetreten war. ,etzt auch auf die bis­her vernachlässigten Märkte übergehen wird. Farben härt man mit 303 bis 304. Am Devisenmarkt ist Paris 124,02, Mailand 89,15, Madrid 27,85 und das Pfund 4,8665 genannt.

Öen spüre. Ab« wie wirb et werden, wenn öie Tage immer finster« unö trostlo'er werden, wie toirö et werden, wenn ter Wint« mit sein« langen Schncenacht fiter mein Hau- ffttlt?!...

Traurig und mit einem Weinen in den Augen lösche ich mein Licht unb tappe in- Dunkel.

Dasaussterbende" Pferd.

3mm« toteber wirb bavon geredet, daß ter Motor bat Pferd verdränge. In ben großen Qtäbten namentlich glauben viele,fo gut wie gar feine" Pferde mehr zu sehen. Dabei hebt sich die Zahl ter Pserd« in Berlin B. dauernd, unö in ganz Deutschland haben wir heute trotz allen Verlusten unö Einbußen mehr als 1913. Wie Gustav Rau, ter hervorragende Fachmann, in einem von Wilhelm W e st e r o p farbig illu­strierten Aufsatz bet Oktoberhefte- von Bel­tz a g e n & Klastng - Monat-Heften a u-- einantersetzt, gibt es wohl Betriebszweige, bie in einzelnen Gliedern vorn Pferde abtoantem. Die Verwendung bei PferbeS fintet aber «hierfür reichlicken Ersatz burch Betriebe, bie, au- kleinen Qkr6äHnifl«n heraus stark anwachsenö. für ba» Pferd reif werben. In vielen Fällen ergänzen Auto unö Pferö sich sogar. In den großen Be­trieben. die Motoren anschassten. mußten auch die Pferde vermehrt werden, well die ganze landwirtschaftliche Arbeit in allen Betriebszwei­gen an Ausdehnung gewinnt unb vor allem schneller geleistet werden muß. Das Pserb tritt hi« als Binbeglieb zwischen ter Arbeit ter Maschinen aus. In ben kleinen landwirtschaft­lichen Betrieben wirb ber Motor niemals Fuß fassen können, weil er zu teuer unb zu einseitig ist. Hier wirb für immer das Pfecb ber beste Motor bleiben, vor allem das schwere warm­blütig« (halbblütige) P'erd, betten Hauptwert in feiner Vielseitigkeit liegt. In Amerika, tem Canbe der Moioren. nahm bie große Vewegung Zurück -um Pferbe", bie jetzt auch Europa ergriffen hat ihren Ausgang. Man fanb bort bald, daß Lastauto und ..öifemeö Pserb" für ben betrieb in den Großstädten teuerer als Pferbe- ' altung find, weil das oftmalige Aiü alten bie

(chinen schnell abnuyt unb well Lastauto unb ! 7neS Plerd" durch ben Riefenver'ehr ter I' Grof/rädte behindert, au!) nicht schneller vor­wär.s kommen als Pserbcgespanne. daher ihre größere Schnelligkeit nicht au-nfitzen können.