verbunden sein müsse: Der auS dem Wasser von 374 Grad unter dem kritischen Druck gebildete Dampf nimmt nicht mehr Raum ein ata ras Wasser von 374 Grad, ja, er sieht auch gar nicht anders aus als Wasser mit Schlieren. Das mag zunächst merkwürdig erscheinen, denn die meisten Leute denken sich unter Dampf so etwas ivie Rebel: So sieht aber nur der mit Luft gemischte, schon abgekühlte Auspuffdampf aus. der schon beginnt, kleine Wasserbläschen zu bilden und sich üiederzuschlagen. Der Dampf in einem Dampfkessel ist unsichtbar und durchsichtig, und wenn man das weih, so kann man «ich schon eher vorstellen, daß so stark zu- sammengedriickter Dampf das Aussehen des Wassers hat.
Diese Art der Dampferzeugung hat nun einen großen Vorzug vor der bisherigen Art: Wenn man nämlich Wasser in einem Gefäß, z. V. in einem Dampfkessel, kockt, so bilden sich im Innern des Gesäßes, da, wo es außen vom Feuer beleckt wird, Dampfblasen zwischen dem Wasser und der Gefäßwand: diese Dampfblasen lind deshalb vom Hebel, weil Dampf ein sehr sehr schlechter Wärmeleiter ist, der das Heber- treten der Wärme aus der erhitzten Gefäßwand in das Wasser erschwert, so daß sich die Gefäßwand überhitzen kann, namentlich a>enn sie noch stark mit Kesselstein behaftet ist. Das kann natürlich zu einem Zerknall des Kessels führen. Wenn aber nach dem Densonverfahren gar kein Sieden des Wassers eintritt, so tritt auch feine Dampfblasenbildunh ein, und der Wärmeübergang von der Gefäßwand in das Wasser, das diese Wand dauernd innig berührt, ist vorzüglich. Die Folge ist, daß man durch eine sehr t leine Heizfläche diel Wärme in das Wasser überleiten kann.
Run hat man also Dampf von 374 Grad und 224,2 Atmosphären Druck. Dieser Druck ist aber zu hoch für Dampfmaschinen, die man bis jetzt nicht für viel mehr als 100 Atmosphären bauen kann, denn die uns zur Verfügung stehenden Werkstoffe setzen uns darin eine Grenze. Also entspannt man den Dampf, indem man ihn sich ausdehnen läßt. Dei der Entspannung sinkt aber die Temperatur des Dampfes, so daß sich etwa fast die Hälfte des Dampfes wieder in Wasser verwandeln würde. Hm dies zu verhüten, führt man dem Dampf vor der Entspannung weiter Wärme zu, und zwar so viel, daß sich seine Temperatur auf 400 Grad steigert: Läßt man nun den Druck von 224,2 auf 100 Atmosphären sinken, so hat der Dampf 311 Grad und ist gerade gesättigt, d. h. er scheidet noch kein Wasser ab, würde dies aber bei weiterer Entspannung oder Wärmeentziehung tun. Diesen „irodenen“ Dampf von 311 Grad erhitzt man nun abermals auf 400 Grad und läßt ihn in diesem Zustand in die Hochdruckturbine eintreten. Da er sich infolge seiner Ausdehnung in der Turbine gegen Ende wieder abkühlt und sich infolgedessen zum Teil niederschlagen würde, be- kommt er vor dem Durchströmen der letzten Stufen nochmals eine Aufladung mit Wärme auf 350 Grad.
Die ganze Kesselanlage ist überhaupt keine Kesselanlage im gewöhnlichen Sinn: Es ist einfach ein langes Rohr, das in mehreren Windungen in den Flammen einer Oelfeuerung liegt. In das eine Ende des Rohres wird von einer Pumpe mit einem Druck von 224,2 Atmosphären fortlaufend Wasser hineingedrückt, das an der Stelle, wo es 374 Grad warm und zu Dampf geworden ist, durch eine Verengung gedrosselt und so unter dem erforderlichen Druck gehalten wird: Dahinter kann sich der Dampf dann unter der oben beschriebenen weiteren Wärmezufuhr aus- dehnen.
Die erste Versuchsanlage wurde 1924 in England in Betrieb genommen. Dann erwarben die Siemens-Schuckert-Werke, die die Vorteile des Verfahrens sofort erkannt hatten, die Patente und bauten eine eigene Anlage in ihrem Kraftwerk in Siemensstadt bei Berlin, die Ende 1924 in Cßeirieb kam und seitdem etwa 2000 Stunden gearbeitet hat. Die Versuchsergebnisse waren so günstig, daß zur Zeit eine weit größere Anlage gebaut wird.
Hnd nun wird der Leser denken, ein Kessel mit so unerhört hohen Drucken müsse ungeheuer gefährlich sein: Das Gegenteil ist der Fall: Der Kessel — wenn man die Rohrschlangen so nennen todl — enthält eine so geringe, schnell durchfließende Wossermenge, daß die darin enthaltene Energie trotz des hohen Druckes und der hohen
Temperatur nut ganz gering ist. Das ist nicht etwa Theorie: Dei einem Versuch, der aber Verhältnisse schuf, wie sie im regelmäßigen Betriebe nicht vorliegen, platzte ein Rohr. Dieser Bruch hatte nur zur Folge, daß das Feuer ausgeblasen wurde, und wurde lediglich als Zischen bemerkt: Der austretende Dampf zog durch den Schornstein
ab. Aus dem Rohr wurde 1 Meter herausge- schnitten und ein neues Stück mit Thermit ein» geschweißt: und der Kessel war wieder betriebsfähig. Man könnte also eine solche Anlage sogar unbedenklich unter bewohnten Räumen aufstellen, was bekanntlich bei anderen Kesseln nicht gerade empfehlenswert ist.
PF
Hessen" in vanzig.
Bon Korvettenkapitän S t r a e h l e r.
Linienschiff „Reffen", Ende Juli 1927.
Zum ersten Male nach der Abtrennung der „Freien Stadt Danzig" vom deutschen Mutterlande waren vom 12. bis 19. Juli deutsche Kriegsschiffe, bas Linienschiff „Hessen" und bas Flottillenboot der 1. Flottille, T. 190", als (3 ä fte dort, wo die deutsche Flotte einst einen ihrer Heimathäfen hatte.
Als es an Bord bekannt wurde, daß die „Hessen" ausersehen worden wäre, in Danzig die deutsch« Flagge zu zeigen, da beschlich jeden an Bord, der die alte deutsche Hansestadt von der Zeit her kannte, so auf seiner Reede Deutschlands große, stolze Flotte lag, bevor harte Tage über Stadt und Flotte kamen, neben der Freude zugleich Wehmut. Und auch die Danziger Bevölkerung, die lange Zeit auf den Besuch deutscher Kriegsschiffe hatte warten müssen, hatte klopfenden Herzens dem Besuch der Vertreter der neuen deutschen Reichsmarine entgegengesehen.
Doch wie bas Grau bes Himmels, bas verschleiernd bei unserer Ankunft über ben Türmen unb Giebeln ber alten Weichselstabt lag, wie der feine Regen, ber ben zahllosen, uns entgegenfahren- ben Lanbsleuten anfangs die Sendboten ber deutschen Heimat unscharf und unklar erscheinen ließ, bald vor strahlendem Sonnenschein schwinden mußte, so wichen bald Wehmut und Zweifel bei unseren Gastgebern und uns der Wiedevsehensfreude und der Hoffnung auf das Glück ber Zukunft.
Begeistert mürben „Hessen" und „T. 190" empfangen. Dampfer, Motorboote und Segler mit festlichen, freudig erregten Menschen drängten sich um die Schiffe. Jubelnd rauschte Hurra um Hurra auf. Immer wieder machte sich die Liebe, bas Bekenntnis zur deutschen Heimat im Anstimmen des Deutschlandliedes Luft. Schwer sind die Worte zu inden, die gewaltige Begeisterung, die uns von allen Schichten ber Bevölkerung entgegengebrachte, von Herzen kommenbe Gastfreundschaft zu childern. Eine Triumphfahrt wurde unser Einlaufen nach Neufahrwasser, nachdem auf ber Reede bas bas Zeremoniell und ber Besuch bes Präsiden- ten bes Senats Dr. h. c. Sahm an Bord erledigt worden waren. Wohl nie ist ein deutsches Schiff im deutschen Danzig so gefeiert, so sehr aus tiefstem, gläubigstem Herzen heraus begrüßt worden.
Ganz Danzig stand während unseres Aufenthaltes im Zeichen der Freude über unseren Besuch. Wohin man kam, wohin man hörte, bildete bas Ereignis den Mittelpunkt des Tagesgespräches, überall versuchte man, seiner freudigen Anteilnahme an dem Besuch der deutschen Kriegsschiffe beredten Ausbruch zu geben. Und so wie bie beiden Schisse mit Grüßen aus ber Heimat für alle Danziger, ohne Ansehen der Partei ober Gesellschaftsklasse, gekommen waren, so bemühte sich bie gesamte Bevölkerung, ber Besatzung Freude und Abwechslung zu bieten. Veranstaltung reihte sich an Veranstaltung: nur mit Mühe konnten Offiziere und Mannschaften den Einladungen aller der vielen gerecht werden, denen es ein Herzensbedürfnis mar,'ben Vertretern ihrer geliebten beutfchen Heimat eine Freude zu bereiten, ihnen wenigstens einmal bie Hand zu brücken.
Wohl in keinem ber vielen Feste. Empfänge, Sportveranstaltungen u. a. spiegelte sich so erhaben unb unvergeßlich all bas ivieber, was Gastgeber unb Gäste beim Besuch ber beutschen Schiffe im deut- chen Danzig bewegte, wie bei bem Empfang im 21 r t u 5 f) o f. Jebem Teilnehmer an biefem Fest- abenb, ben bie Regierung ber Freien Stadt Danzig Offizieren und Mannschaften in ber altehrwürdigen Halle bes Artushofes barbot, wirb biefes Erlebnis unvergeßlich bleiben. Der Raum, in bem wir uns befanden, unb bie Zeiten, bie ber Präsibent bes Senats in feiner Rebe erstehen ließ, gaben ein Bilb gemeinsamen beutschen Erlebens unb Fühlens, das Jahrhunderte umspannt, von den Hochborbigen Danziger Koggen, bie unter ber Decke hingen, bis zur Uaanaimmg-XTrSiaaia.iJJ.J I - >'J.-HL- Jt.wi jgm
ebenfalls von bort herabhängenden Gösch bes kleinen Kreuzers „Danzig" unb in bie Gegenwart.
Unmöglich ist es, alle Veranstaltungen zu nennen, bie uns in diesen unvergeßlichen Danziger Tagen mit echt deutscher Gastfreundschaft bargeboten würben; gar zu leicht könnten einzelne unter ben zahllosen vergessen werben. Den Deutschen in Danzig kam es barauf an, ihrer Treue zur Heimat irgend- roie ,3um Ausbruck zu geben. Hiervon war jebes Fest, jebe Veranstaltung, jebe Einladung, jebe Rebe beseelt.
Zwei B o r b f e st e sollten Offizieren unb Mannschaften Gelegenheit geben, in kleinem Maße ihre Dankbarkeit für bie gastliche Aufnahme zu bezeugen. Für beutsche Kinber würbe ein befonberes Fest an Borb gegeben; benn ihnen ist bie Aufgabe ber Zukunft in bie Hände gelegt, den eigenen deutschen Geist unb bas beutsche Wesen unverzagt zu bewahren, wie es sich so eindrucksvoll bei ben Eltern in diesen beutschen Tagen zeigte. Die Kinber sollten selbst sehen, baß sie stolz auf ihr Baterlanb fein bürfen, sowie es alle die Tausende von täglichen Besuchern, die das Schiff förmlich erstürmten, als frohe Zuversicht mit sich nahmen.
Nachdem in würdiger Feier, an ber eine ungeheure Menschenmenge teilnahm, ein Kranz auf dem Grabe ber Gefallenen S. M. S. „Magdeburg" durch ben Kommandanten niebergelegt worden war, lief „Hessen" am Freitagoorrnittag auf die Reede von Zoppot aus, um auch hier ben zahlreichen Sommergästen — in ber Hauptsache aus ben abgetretenen polnischen Gebieten — bie Freube eines Kriegsschiffsbesuches zu machen. Der Technischen Hochschule, Abordnungen der Schutzpolizei, des Zolls, der Marinevereine u. a. wurde Gelegenheit gegeben, die Fahrt nach Zoppot an Bord mitzumachen. Auch in Zoppot fanden „Hessen" und „T. 190" herzlichste Ausnahme. Ein großer Empfang am Seesteg, Bolkssportfest und Tanzabende zeigten auch hier bie tiefgehende Freube, nach so langer Zeit ein deutsches Kriegsschiff als Gast auf Zoppots Reede zu sehen. In ber Morgenfrühe des 18. Juli verließ „Hessen" die Freie Stadt Danzig. In Eintracht und von deutschem Geist getragen sind die denkwürdigen und unvergeßlichen „Deutschen Tage in Danzig" verlaufen. Besonderer Dank gebührt hierbei dem deutschen Generalkonsul Freiherrn von 21) ermann. Die Zeitungen waren voll des Lobes über den Besuch der beiden deutschen Schiffe. Die bis zum letzten Tage zunehmende Begeisterung läßt uns hoffen, daß wir mit unserem Besuch der alten deutschen Hansestadt Danzig auf ihrem steinigen Wege die stützende Freundeshand ber deutschen Heimat gereicht haben.
Auf der anderen Seite haben wir neben herzlicher Dankbarkeit für die gastfreundliche Aufnahme den Eindruck mitgenommen, daß der Versailler Vertrag zwischen Danzia und Deutschland zwar Grenzen gezogen hat, daß aber in Danzig die Herzen aller deutschen Kinder, Frauen und Männer, ebenso warm für Deutschland schlagen, wie in früherer Zeit.______________ ____
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
* W ixe ffe ck, 2. Aug. Am Sonntag feierte der dem Lahn-Dünsberg-Gau angehörigeT u rn- Derein e.V. 1862 Wieseck sein Objähriges Stiftungsfest. An dem aus diesem Anlaß am Morgen veranstalteten Wettkampf der einzelnen Vereinsriegen beteiligten sich insgesamt 90 Turner, Turnerinnen, Schüler and Schülerinnen. Am Rachmittag bewegte sich xin stattlicher Festzug durch den mit Fahnen geschmückten Ort. 3m Anschluß an das von der Gesangsabteilung des Turnvereins im Vereinslokal bar gebotene Begrüßungslied hielt der l._ Vorsitzende eine Ansprache. Besonders erwähnt wurde beim Rückblick auf die Geschichte des Vereins der noch einzig überlebende Gründer Heinrich Kolb I.. dem für seine stete
Meßener Siadttheater.
Bcrnauer und Ocsterrcicher: „Der Garten Eden."
Hm es gleich mit Schonung und Kürze vorweg zu sagen: dies ist ein Schmarren aller- gröbsten Formats — aber ein Theaterstück neben- bei, das so ziemlich alles, was wir in diesem eommer auf dem Spielplan gehabt haben, mit Grazie in den Sack steckt: in bezug auf Handfertigkeit und geschickte Technik nämlich
Als der Schmarren (viele Wochen lang) in T^erlin über die Bühne in der Königgrätzer Straße geschleift wurde, da hieß es noch im Untertitel: vier Kapitel aus dem Leben eines „unanständigen" Mädchens. Was ein harmloser Publilumsfang und im übrigen ehrlich unb anspruchslos war.
Inzwischen wurde eine kleine Rangerhöhung oorgenommen, und man muß die Besprechung wieder einmal mit ber Feststellung beginnen, day es sich auch hier nicht um eine Komödie ijanbclt, wie ber Theaterzettel einem einreben mochte (wie oft wirb bas noch gesagt werben müssen!) unb baß es um so vorteilhafter für siiief unb Autoren ist, je weniger die ÄrittS "ch bemüht, bie richtige Art- unb Rangbezeich- nung dafür zu finden.
Das Ganze ist also eine Geschichte in vier Kaptteln: wenn bie Courths-Mahlec von ber 2a.che gehört haben sollte, wird man die Fori- eh ung halb als Roman zu lesen kriegen. Als Vornan vom ach so anständigen jungen Mäb- chen Tilly Hasselberger, das sich im harten Veruf einer ringeltangelfängerin ihr saures Brot verbienen muß unb trotzdem die Standarte der Tugend siegreich flattern läßt: nach dem lebe- männischon 3nbustriekapitän, bem sie von ber geschäftstüchtigen Leiterin des Gtabliffements zu- gedacht war, schmeißt sie eine Sektflasche, daß es nur so knallt.
Die Wände zittern noch, da ist sie schon von der erbosten Besitzerin entlassen, jetzt wäre es wirklich schlimm, wenn nicht so eine gute Seele von Garderobenfrau in der Lasterhöhle wirkte, bie in Wahrheit eine Oberstenwitwe mit einem Hümpel ersparten Geldes ist. Unb mit einer vornehmen Vergangenheit. Rosa heißt sie. Ma
chen sich bie beiden auf unb reifen selbander in den ©arten desVaradieses; sprich: Edenhotel an der Riviera. Wo sich die kleine Tilly alsbald in einen jungen Privatdozenten verliebt.
Der will sie wahrhaftig heiraten. 3eht kommt der ganze Schwindel raus? Bewahre: Mama Oberst „adoptiert" geschwind ihren Schützling; es wird geheiratet. Aber ach noch lebt der scheusälige Generaldirektor: ein kleiner Zufall,, daß er des jungen Gelehrten guter Freund ist. Schon ist er da, zur Hochzeit zu gratulieren. Er macht das so geschickt, daß der freche Schwindel doch noch rauskommt, fünf Minuten vor ber Trauung. Und die tugendhafte Tilly wirft der ganzen empörten Verwandtschaft ihr kostbares Brautkleid vor die Füße unb geht (infolgedessen) sehr leichtbekleidet ab, zornig über den wasch- lappigen Verlobten, der nicht zu ihr stehen will — vorüber am erstaunten Kultusminister, der Trauzeuge sein sollte. Wie das wohl ausgeht.
So geht es aus — unb ber Courths-Mahler hätte nichts Schöneres einfallen können —: die Tilly nimmt kein Engagement an, wie Harry Domela, als am andern Morgen ber Skandal in allen Zeitungen steht, und sie über Rächt „berühmt" geworden ist: sie zerreißt sogar ben stattlichen Scheck, ben die edle Familie ihres 77 dennoch geliebten — gestrigen Bräutigams Gr als Abfindung bietet. Hnd sie nimmt ben (etwas plötzlichen) Antrag des zwar ziemlich trottelhaften, jedoch steinreichen Fürsten Ebersmark an, mit bem sie hoheitsvoll unb abermals sregreich entschreitet. Die gute Rosa aber wird aus Dankbarkeit mitgenommen. So ist bas Leben!
Wenigstens in diesem Stück, durch die Brille von Bernauer und Oe st erreiche r. Aber wie das gemacht ist — großartig. Altbewährte französische Technik; Sudermann hat es nicht besser gekonnt. Jede Szene ein Treffer, jeder Sah wirksam, jeder Vorhangfall von Theaterleuten berechnet. Der erste Akt bringt ben bekannten Blick hinter bie Kulissen (des Tingeltangels) — ein nie versagendes Mittel; das Theater von hinten, Austritt, Abgang. Schmink- topf, Deeolletö unb Inspizientenaeschrei. Dazu ber Barkellner, die Dektflajche unb das Separe.
Der zweite Akt gipfelt in einer raffiniert gemachten Liebesszene im Süden, bie von ben
Klängen ber Tanzkapelle bezent begleitet wirb. 2m dritten platzt die Bombe. Die Brüsseler Spitzen rauschen nur so. Hab ber vierte haut ben „tragischen" Trumpf auf ben Tisch des Hauses: sie kriegen sich nicht. Der Ebersmari kriegt sie ... ganz, ganz zuletzt, ehe ber Vorhang fällt. —
Der Bonvivant Tannert, ber sich zu bemerkenswerter Vielseitigkeit entfaltet, inszenierte] bas Ganze. Rücksichtslos, reißerisch, effektvoll; mit Schmiß und Tempo und unter Aufbietung eines großen Betriebes. Rebenbei gab er den Verlobten so wahrscheinlich, wie fein Text es gestattete.
Es wurde überhaupt gut gespielt: in ber Bombenrolle ber Tilly erschien Alix Kräh- m e r; sie brannte ein Feuerwerk prachtvoller Temperamentsausbrüche ab: sie fanb sogar Töne des Herzens und ließ ein paar echte Lichterchen blitjen mitten im unechten Scheinwerferspiel des Paradiesgariens an ber Riviera.
Zwei entzückende Partien: die unverwüstliche Garderobenfrau Rosa, die sich in eine charmante Dame von Well verwandelte (Luise Jüngling) unb ber lapergreishafte, meckernde Fürst Ebersmark, ben Goll spielte. Sehr hübsch war auch G e f f e r s als schürzenjägerischer Generaldirektor. 3n kleineren Rollen angenehm zu sehen: M a r ck s unb Volck.
Man amüsierte sich ungemein; ber Beifall rauschte. Dr. Th.
Hochschulnachrichten.
Aks Privatbozent für Zeitungskunde ist an bc.’: S*$nifdj€n Hochschule in Aachen Dr. phil. Wilhelm Hermanns zugelafsen worben. Seine Habllitationsschrift trägt ben Titel: „P. 3. Franz Dautzenberg unb sein „Aachener Zuschauer", 1790 bls 1797. Ein Beitrag zur Zeitungskunde. Kul- turgeschichte unb Geisteshaltung des ausgehenden 18.3ahrhunderis." — Der Privatbozent für Mühlenwesen an ber Technischen Hochschule in Darm stabt. Chemiker Dr. phil. Karl Mohs ist zum 3nstitutsbirektor und Professor an bet Versuchs- unb Forschungsanstall für Getreideverarbeitung unb Futtervereblung in Berlin berufen unb mit ber Leitung des 3n- ftitutS für Müllerei betraut worden. — Das durch
Treue zum Verein ein Vereinsehrenbrief überreicht wurde. Alsdann mürben in abwechslungsreicher Folge Gesangsvorträge, turnerische Darbietungen ber Lahn-Dünsberg-Gauriege, ber Wiesecker Turnerinnen, sowie Vorführungen des hiesigen Rabfahrervereins gebracht, die alle lebhaften Beifall fanden. Die gegen Abenb borge» nommene Preisverteilung ergab folgende Sieger: Akive Turner. Fünfkampf: 1. August Becker, 2. Otto Schreiner, 3. Hch. Römer. Zöglinge, Reunkampf: 1. Otto Balser. 2. Otto W a a ne r, 3. Hans Weller. Turnerinnen Oberstufe, Zehnkampf: 1. Paula Hildebrand, 2. Anna Bernhard, 3. Minna Kreiling. Turnerinnen Hnter- st u fe, Sechskampf: 1. Emma Schreiner, 2. Emma Wagner, 3. Emma 3 u ng. Schüler, Fünfkamps: 1. Karl Schneider, 2. Karl Trautmann, 3. Gustav Mank. Schülerinnen, Fünfkampf: 1. Ottilie S chr einer. 2. Emma Lotz, 3. Ellh Pau sch
* Arnsburg, 2. Aug. Am Sonntag fand hier eine größere Frauenversammlung der evangelisch-kirchlichen Frauen- vereine von Gießen (Markusgemeinde), Münzenberg. Muschenheim, Lollar und Eberstadt mit 200 Teilnehmerinnen statt. Rach einem gemütlichen Kaffee in bem schattigen Garten ber Wirtschaft von Thörner sammelten sich die Frauen auf bem von hohen Felswänden halbumschlossenen Kohlenmeiler-Platz, wo Schwester 3r m a von ihrer Arbeit in der „Zuflucht" in Gießen anschaulich und ergreifend erzählte. Hierauf wies Dekan Guß mann auf einige wichtige Aufgaben unserer Vereine hin. Mehrere frisch gesungene Lieber gaben das dankbare Echo ber Versammlung toiber. Die ganze Schar vereinigte sich nochmals im sog. Paradies zur Abendandacht, bei der Dekan Gußmann den heilig-ernsten Christenberuf nach dem Wort des Herrn zeigte: 3hr seid bas Salz ber Erde, ihr seid das Licht ber Welt!
* Lang-Göns, 3. Aug. 3n bem gestrigen Bericht über bie Dürgermei st erwähl ist ein Druckfehler unterlaufen: gewählt ist Beigeordneter Rompf (nicht Kampf). Rachzutragen ist noch, baß Landwirt B r ü ck e l seine zuvor abgegebene Rücktrittserilärung zurückgenvmmen hat und vor der Wahl Sttmmzettel und ein von ihm unterzeichnetes Flugblatt im Ort verteilen ließ, worin er mitteilte, baß seine Erklärung im Gieß. Anz. ungültig sei, und er für bie Stichwahl fanbitiere.
is. Steinbach, 2. Aug. Hier ereignete sich dieser Tage ein bedauerlicher H ng ludd* fall. 3n dem Basallsteinbruch von Görlach wurden Sprengungen vvrgenommen, dabei flog ein Stück eines Sternes in einen Rachbarsteinbruch und traf einen bort beschäftigten Mann aus Burkhardsfelden am Kopf, daß er schwerverletzt in die Klinik gebracht werben muhte. — Am Sonntag hielt ber Turnverein Steinbach sein diesjähriges Abturnen ab. Morgens ging ein Vereins-Wetturnen ber Turner, Zöglinge und Schüler voraus. Mittags war größeres Schauturnen, wo besonders die Freiübungen einer Mädchenriege viel Anklang fan-- ben. Die Vorführungen zeugten von guter turnerischer Durchbildung.
•/' Aus dem mittleren Horloff- t a l, 2. Aug. 3nfolge der langen Regenperiöbe unb des nun plötzlich eintretenben heißen Wetters sind Roggen unb Gerste fast gleichzeitig zur Reife gelangt, so daß nun alle Hände vollauf zu tun haben, zumal auch schon der Weizen durch die anhaltende Hitze zu reifen beginnt. Dazu kommt noch, daß man infolge ber häufigen Rieberschläge auch mit dem Hacken der Kartoffeln und DickwUA noch nicht fertig geworben ist. Da nun all diese drängenden Arbeiten nicht gleichzeitig bewältigt werben können, tritt hier und da das in nassen 3ahren so gefürchtete Cinbrechen der Frucht, besonders ber Gerste, auf. Stark verzögernd wirkt außerdem der Hmstand, daß bie Verwendung von Maschinen wegen der Lagerfrucht fast vollständig ausscheibet. Dagegen ist der Schaden, ben der Hagel beim letzten Hnwetter cm- gerichtet hat, nicht bedeutend.
:/: Htphe, 2. Aug. ©eit kurzem hat unser Ort keinen Arbeitslosen mehr. In der ganzen Gegend haben zwei Faktoren auf dyr Arbeitslosigkeit stark herabmindernd gewirkt unb sie mancherorts ganz beseitigt, nämlich die außerordentliche Arbeitssteigerung im Dasallwerk zu Ober-Widdersheim, sowie bie baulichen Berau
ben Weggang des Prof, ßanbmann an ber Hniversität Basel freigeworbene Ordinariat für Rationalökonomie ist dem a. o. Professor, derzeitigen Inhaber ber Gothein-Gedächtnis-Professur an ber Hniversität Heibelberg Dr. Edgar Salin übertragen worden.
Der Professor ber Musikwissenschaft ber Hei- belberger Hniversität, Hans 3oachim Moser hat ben Ruf als Direktor ber staatlichen Akademie für Kirchen- unb Schulmusik unb als Professor bet Hniversität Berlin angenommen. Moser wirkte seit 1926 als Rachfolger Kroyers in Heibelberg. — Zum Rektor ber Hniversität Würzburg für bas Studienjahr 1927-28 ist ber Professor ber alttestamentlichen Exegese der biblisch-orientalischen Sprache Geh. Rat Regierungsrat Dr. theol. et phil. 3ohannes Hehn gewählt und vom Kultusminister bestätigt worben. 1899 erwarb Hehn in Würzburg ben theologischen Doktorgrad und 1903 in Berlin ben Dr. phil. unb habilitierte sich gleich barauf in der Würzburger theologischen Fakultät. Dort wurde er balö/Darauf Extraordinarius und 1907 Ordinarius. Geheimrat Hehn bekleidete im 3ahre 1912 13 auch das Rektoramt ber Würzburger Hochschule. - Der Direktor ber Chemischen Sabril Cassella, Dr. phil. Ludwig Benda in Main- k u r bei Frankfurt a. M., ist von ber mebizinischeu Fakultät ber Frankfurter Hniversität zum Ehrendoktor ber Medizin ernannt worden in Würdigung seiner vorzüglichen Leistungen auf dem Gebiete ber Chemie, durch welche er bie Medizin unb im besonderen bie Chemotherapie in hervor» ragendem Maße gefördert hat. — Bei der in der alten Aula der Berliner Hniversttät ab» gehaltenen Wahl des neuen Rektors wurde Geheimrat Professor Dr. Eduard Rorden von der philosophischen Fakultät gewählt. Geheimrat Rorden, ein geborener Emdeirer, steht im 60. Lebensjahr und dozi-ert seit 1906 an der Berliner Hniversität. Er hat sich besonders auf dem Gebiet der antiken Sprach- und Literatur- Wissenschaft betätigt. — Die Hniversität Genf hat Professor Hlrich von Wilamowich - Mvellendorf, Berlin, den befannten Altertumsforscher, zum Ehrendoktor ernannt. Der Staatsrat von Gens hat diesem Beschluß des Senates der Hniversität feine Zustimmung gegeben.
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