unb ihrer Nebenflüsse" seinen Versuch, italienische Vvllssiedelungen auf südtiroser Boden anzulegen). Dies alles geschah erst jüngst im Zeichen einer neuen Methode der Assimilation auf „stillerer Weife", zu der man sich seit den großen Deden Stresemanns und Mussolinis zu Jahresanfang, um die guten Beziehungen zwischen Italien und dem Reich nicht zu stören, also aus taktischen Gründen, entschlossen hatte! Es kann keine Verständigung geben, solange nicht zumindest dos Kulturrecht Dcutschsüdtirols voll gewertet wird. Bis dahin kann das Solidaritätsgefühl aller Deutschen (heute ein politisches Jmponderoblle erster Ordnung) eine Freundschaft zwischen den Staaten nicht aufkeimen lassen!
Damit aber nicht genug. Mussolini setzte kürzlich im. Gespräch mit einem reichsdeutschen Pressevertreter das „Recht der Majorität" vor das Recht der Minderheit. Ganz abgesehen davon, daß die Deutschsüdtiroler inner» halb Deutschsüdtirols keine Minderheit, sondern in erdrückender Mehrheit sind, ist schon aus Grundsatz einem solchen politischen Zynismus, der dazu cnstiftet. Europa zu einer Folterkammer für jedwede Minderheit zu machen, zu widersprechen. Denn diese Leugnung der Rechte von volksfremdcn Staatsangehörigen ist geeignet, das Werk der Reuordnung Europas. von dem soviel gesprochen wird, das Anlaß zu so vielen Büchern, Zeitschriften. Vereinen und Tagungen geworden ist, noch über Gebühr zu erschweren, ja. ganz unmöglich zu machen. Es besteht kein Zweisel daran, daß dir bisherigen Verbuche, eine zugkräftigr und praktische Formel für den Ausgleich der Spannungen zwischen den europäischen Völkern und Staaten zu finden, ergebnislos verlaufen sind. Der mit so viel Reklame zusammengerufene europäische Kongreß in Wien brachte so gut wie nichts. Gren^- und Auslanddeutsche, ja, alle Vertreter europäischer Mmderl-eften rüsten heim mV e nem unverhohlenen Gefühl der Enttäuschung über das Versagen des Kongresses q genüber d n Fragen de» Vclkstums, über die al zu pragmatisch-opportunistische Einstellung desselben gegenüber den ehemaligen Si'gerstaaten. welche von vornherein darauf verzichtete, durchgreifende, lösungsver- heißende Grundsätze auszustellen. Scheinbar fanden alle praktischen Vorschläge dieser Kreise ihr Grab in der „älebarweisung" an die ..zuständige Kommission". Vielleicht werden künftige Jahre bessere Vorschläge und gangbarere Wege bringen. Jedenfalls ist die Stellung zum Volkstum ein untrüglicher P r ü f st c i n. Wer die Volks- Persönlichkeit nicht anerkennen will, wer nicht über sich bringt, „in Völkern zu denken", wird auch nicht imstande sein, die Staatenfragen zur Lösung zu bringen und Europas wirtschaftliche Zerrüttung zu beseitigen. Gerade diese aber wird in steig :ndem Maße zur Vernunft zwing'n. Die Aenderung der Pariser Vorortverträge läßt sich nicht länger herausschieben.
Hessens Tote im Zahre 1926.
Januar: 2.: Graf Raimund zu Erbach-Für» st en au in Michelstadt. — 3.: Ob:rstudi:ndircttor Jak^b Sieben in Wimpfen. — 4.: Lehrer i.R. Wilhelm Diehl in Blnchenbach: Finanzrati.R. Georg Lang zu Darmstadt. — 5.: Dr. phil. Dr.-Jng. h. c. Karl Goldschmidt in Seeheim. — 11.: Oberst a.D. Hermann von Neid- Hardt in Darmstadt; General der Infanterie a,D. Georg Noell aus Darmstadt, gestorben zu Varenholz i. Lippe. — 12.: Generalleutnant D. August Keim in Jugenheim <l d.D., geb. zu Marienschloh. — 15.: Sanitätsrat Dr. Jo- khann Baptist Metternich in Mainz. — 18.: Oberamtsrichter i. R. Geh. Justizrat Eduard '*W e i d i g in Darmstadt, geb. in Gießen. — 19.: Direktor i. R. Dr. Osbar Kah ner in Darmstadt. — 20.: Rechtsanwalt und Notar i. R. Ferdinand Gallus in Darmstadt. — 21.: Kunstmaler Friedrich Lerßler in Darmstadt; Oberstleutnant a. D. Robert Riedel in Frankfurt, geb. in Gießen. — 24.: Lehrer Konrad- Kl o o s in Allertshausen (Kr. Gießen). — 29. < Gewerbelehrer Rudolf Molkoborsky in Dad- Nauhcim; Studienrat L R. Professor August Stromann in Friedberg. — 31.: Lehrer uR. Johannes Schweitzer in Odenhaufen.
Februar: 1.: Sanitätsrat Dr. Otto Chclius in Guntersblum. — 7.: Kommerzienrat Rudolf Langenbach in Worms. — 13. Regierungsrat Hugo Boßelmann in Darmstadt, — 15. :Amts-
Christian Rauch.
Zu seinem 150. Geburtstage.
Von Dr. Paul Landau.
Als Christian Rauch nach langen Mühen und Kämpfen das Denkmal Friedrichs des Großen ■Unter den Linden endlich vollendet hatte, und das Werk stolz im Sonnenlichte stand, wurde zu seinen Ehren eine Denkmünze geschlagen, aus der sich die Helden, die seine Werke verherrlichen, in feierlichem Aufzug von dem „Herold preußischen Ruhmes" neigten. Dieser Titel wird Rauch bleiben. Eng verknüpft ist sein Name mit der großen Zeit der Befreiungskriege; die Helden dieser Epoche begeisterten Aufschwungs leben unter uns in der verklärten Auffassung, in der sie der Meister geschaffen hat. Wer von Schinkels König-wache aus die beiden Marmorgestalten an den Seiten betrachtet, den nachsinnend vertieften Scharnhorst, einen „nach Ruhm dürstenden Themistolles", und den mannhaft zusammengerafften Bütow, wer den Blick hinüberschweifen läßt zu dem reckenhaft trotzigen, stolz aufgerichteten Blücher, den die edlen Gestalten Vorks und Gneisenaus flankieren, wer endlich noch das Auge nach dem aus der breiten Masse des Sockels sich frei emporhebenden Bilde des großen Fried- rich richtet, der fühlt, wie eng die Kunst Rauchs mit seinem Volke und seiner Geschichte verbunden ist, fühlt, daß dieser historisch denkwürdigen Stätte sein Geist den Stempel geprägt hat.
Richt so fest und unerschüttert ist die Stellung Rauchs in der Kunstgeschichte. Die vielfache Wandlung des Geschmacks ist an seinen Werken nicht spurlos vorübergegangen. Bei seinem Tode galt dieser Bildner der Könige als „König unter den Bildnern", als Begründer einer neuen großen Blütezeit der Plastik, als ein Erneuerer der Antike, der wie der klassische Goethe die Griechenseele mit moderner Amnut vermählt habe. Friedrich Eggers widmete dem Meister eine monumentale Biographie, die keine andern Götter neben dem Helden des Buches zulassen mochte und jede Entfernung von Rauchs Kunstideal als Verirrung brandmarkte. Aber allmählich begann man im kühleren Ton von
gerichtsdircktor Dr. Franz Specht in Mainz. — 18.: Landgerichtsrat Dr. Otto Friedrich Hartmann in Mairu; Lehrer t R. W lhelm Lentz in Darmstadt, geb. in Aulend.ebach bei Büdingen. — 19.: Pfarrer L R. Johannes Schütz in Eberstadt, früher Pfarrer in Osthofen. — 20. Universitätsprofessor L R. Geh. Regierungsral Dr. Georg Friedrich Knapp in Darmstadt, g:b. in Gießen. — 22.: Pfarrer Adolf Loos in Butzbach. — 25.: Chemiker Dr. August Klein in Darmstadt. — 26.: Ministerialrat t R. Wilhelm Engelbert Müller in D'rmstadt.
März: 2.: Pfarrer Georg Jakob Brückner in Ebersh im. — 5. Lehrer Heinrich Löw in Eifa (Kr. Alsfeld). — 7.: Lehrer i. R. Ludwig Bastian in Elsheim. — 11.: Oberstleutnant a. D. Friedrich Wilhelm D u l l r i d> in Traisa. — 12.. Studienrat Karl Rothermel in Darmstadt. — 14.: Pfarrer i. R. Johannes Greif. — 16.: Rck.or Heinrich Knauß in G eßen; Lehrer i.R. Heinr. Koch in Goddelau. — 21.: Gewerbeschulrat L R. Johann Meyer in Darmstadt. — 22.: Rektor Franz Senz in Darmstadt. — 23.: Professor Gcorg Grünewald in Darmstadt; Ober- und Geheimer Postrat Heinrich Thomas in Darmstadt. — 25.: Kcmunerherr Major a. D. Karl Freiherr von Starck in Darmstadt, geb. in G eßen. — 26.: Lehrer i. R. Emll Kayser in Obermockstadt. — 27.: Apotheker Eberhard Kramer in Gießen. — 30.: Sa: iiätsvat Dr. Httiricki Platz in Gießen.
April: 2.; Schulrat i. R. Johannes Bauder In Bensheim.— 10.: Fürst!. Baurat Kar. Schön in Lich. -- 19.: Pfarrer Lurwig Hein in Reinheim. — 20.: Geh. Oberfinanzrat i. QL Dr. Franz Knell in Darmstadt; Lehrer Georg Wihner in Ulfa. — 22.: Geh. Baurat Georg P ö h l» mann in Darmstadt. — 25.; Lehrer Paul Dienemann in Gießen.
Mai: 1.: Rabbiner i. R. Professor Dr. Sigmund Saalfeld in Main;. — 2.: Lehrer i. Qi. Johann Peter Arras in Nauheim. — 4.: Bach- d-ruckereibcsiher Karl Adam Damm. Ehrenbürger von Friedberg, in Friedberg. — 5. Oberstleutnant Karl Hoos in Gießen. — 9.: Oberlehrer Prof. Karl Kost in Darmstadt. — 12.: Rabbiner Dr. David Selber in Darmstadt. — 16.: Pfarrer Karl August Hellwig in Reiskirchen. — 22.: Geistl. Rat Philipp Ambos in Marienborn. — 23.: Tierarzt Dr. med. vet. Adam Riedel in Mainz. -- 27.: Kreisveterinärarzt L QL Dr. Rudolf Dünge rich in Bensheim. — 28. Domkapitrckar Geistl. Rat Prof. Dr. Josef Blasius Becker in Mainz; General der Infanterie Karl. Frh. von Gall in Darmstadt. — 31.: Lehrer Heinrich Metzger in Egelsbach.
Juni: 3.: Regierunasrat Gustav Bechtel in Darmstadt, geb. in Biebesheim. — 10, Oberstudiendirektor Dr. Karl Decker in Darmstadt; Geh. Kirchenrat D. Georg Schlosser in Frankfurt, früher in Gesten; Kustos am Landesmuseum Dr. phil. Albrecht Schwan In Darmstadt. — 14.: Amtsrichter i.R. Karl Herpel in Darmstadt. — 18.: Chemiker Dr. Wlllh Flimm in Darmstadt. — 19.. Oberpostmeister Karl Bauer in Lauterbach, geb. in Dreßen; Generalleutnant z. D. Georg von Wachter in Auerbach a. d. D. — 21.: Studien rat Karl Naumann in Heppenheim a. d. B., geb. rn Gießen. — 25.: Gewerbelehrer Fritz Schreiber in Darmstadt. — 26.: Geh. Regierungsrat i. QL August Noack in Darmstadt. — 28.: Oberst a. D. Viktor Schliephake. erster Präsident der „Hassia" in Darmstadt. — 30.: Geh. Sanitätsrat Dr. med. Wilhelm Vogel aus Laubach bei Gießen.
Juli: 1.: Oberregierungsrat Georg Knab in Zwingenberg a. d. B. — 4.: Dr. med. Sigfried Löb in Darmstadt. — 17.: Pfarrer i. R. Franz Jacobowski in Darmstadt. — 19.: Pfarrer i. R. Wilhelm Römheld in Darmstadt. — 26.: Konsul Paul G. L o r e n t aus Darmstadt in Beatenberg. — 30.: Ernst Niemann, Stadtverordneter in Darmstadt.
August: 5.: Dr. med. Georg Kipper in Gießen. — 13.: Universitätsprofessor Gustav Traut- m a n n in Gießen. — 14.: Lehrer i.R.E.Ruk- kelshausen in Nonnenroth — 24.: Bergrat Dr.-Jng. c. h. Alfred ©rochier in Gießen. — 30.: Chemiker i. R. Dr. Ludwig Conrad; Rektor i. R. Christian Roth in Lich. — 30.: Staatsrat Wilhelm Schwarz in Darmstadt. — 31.: Vermessungsrat Hermann Faul in Eberstadt.
September: 6.: Landgerichtsdirektor i. R. Karl Lebrecht in Mainz. — 6.: Bürgermeister a. D.
1 dem Schöpfer des Friedrichsdenkmals zu reden. I Seine zwiespältig schwankende Stellung zwischen ' Antike und Realismus erschien nun nicht mehr als eine glänzend gelungene Lösung dieser schwierigen Formprobleme, nicht mehr als harmonische Verschmelzung der beiden Stile, sondern als ein bedauerlicher Kompromiß, bei dem die künstlerische Wirkung nicht selten einer falschen Pose, einer unruhigen Durchbrechung reiner Linien weichen mußte. Zwischen Klassizismus und Historismus schwankt er in einer künstlerisch armen Zeit, und was ihm glückt, verdankt er hauptsächlich seiner Persönlichkeit.
Was für eine kraftvoll eigenartige Gestalt ist dieser Mann, der im elendesten Lakaiendienst die Hoheit seines Künstlertumes bewahrte und sich durch tüchtig schlichtes Streben, durch unwandelbare Treue zu der Menschheit Gipfel emporrang. Wie seine Kunst. so war auch fein Wesen von mannigfachen Antrieben geleitet; quälende Zweifel überkamen ihn häufig, Stimmungen der Antraft, der Verlassenheit, denen er mit echt preußischem Pflichtgefühl, mit einer Kaniischen Strenge des Moralgesetzes begegnete. In dem derben rauhen Manne, der die hand- werlliche Tüchtigkeit hochstellte und selbst rastlos im Atelier an seinen Werken arbeitete, lebt etwas vom Gelehrten, der sich nach wissenschaftlichen Studien sehnt, und vom Diplomaten, der nichts ülnmögliches begehrt und geduldig sich mit den Beschränkungen und Hemmungen der Wirllichkeit abfindet. So entfaltete sich schon in seinem Auftreten hinter einer rauhen Außenseite eine weiche schwärmerische Seele, eine glatte Anschmiegsamkeit. Wohl lag in ihm ein starker Sinn für das Charakteristische der Bewegung, für Bewältigung der Wirllichkeit, der während seiner kurzen Lehrzeit bei Schadow befestigt und gepflegt wurde, aber tief in seinem Innern glühte eine ideale Flamme, eine innere Begeisterung für reine Griechenfchönheit, die den Kammerdiener der Königin Luise nicht minder sehnsüchtig nach Italien verlangen ließ, als dereinst den armen Schulmeister Winckebnann. In Rom hat Rauchs Künstlergeist sich erst entwickelt. Bei Wilhelm von Humboldt wurde er Zeichen- ltn^ empfing die schönsten Anregungen in dessen von einer reichen Geistigkeit erfülltem Haufe. Die klassische Bildung der Zeit, die sich
Friedrich ch e y m a n n aus Bingen in Wiesbaden. — 14.: Oberstleutnant a. D. Wilhelm Lang in Darmstadt. — 23.: Oberstleutnant a. D. Ludwig Freiherr v. chei mrod aus Oberhessen in Saarbrücken. — 30.: Dr. Julius S t a h l, Pros. a. D. am Realgymnasium in Gießen.
Oktober: 2.: Dr. Heinrich Brentano, kath. Pfarrer in Ockstadt. — 2.: Bürgermeister i. R. Fendt in Büdingen. — 9.: Studienrat Prof. Dr. Eduard Dolp In Friedberg. — 10.: Hofrat Otto Stockhausen in Darmstadt. — 14.: Generalmajor Wilhelm Freiherr o."° Uslar-Gleichen aus Darmstadt in Bonn. — 22.: Georg Merck aus Darmstadt in Orange (23er. Staaten). — 25.: chaupt- mann a. D. Karl W a 1 d e ck e r aus Darmstadt in Breslau. — 29.: Oberso.stmcister Wilhelm Hoff- mann in Ober-Ramstabl bei Darmstadt. — 30.: Ober-Postrat Jakob Völker aus Darmstadt in Saarbrücken. — 30.: Oberst a. D. Karl v. Baur in Darmstadt.
November: 2.: Realschuldirektor Prof. Karl Zimmer in Bad-Nauheim; Altbürgermeister Wilhelm Schmitt in Osthofen. — 3.: Ministerial- direktor i. N. Franz chö 1 zingcr in Darmstadt. — 4.: Kommerzienrat Karl Ihrig, ehem. Direttor der Landw. Genossenschaftsbank in Darmstadt. — 9.: Geh. Schulrat Dr. Karl Kary in Friedberg; Pfarrer i. R. Michael Schäfer in Erzhausen. — 11.: Lehrer Peter Bros in Worms. — 12.: Forstmeister i. R. Otto Koch in Darmstadt; Bankdireklor chermann Ott in Worms. — 15.: Bankdirektor Dr. Wilhelm Külzer, Mitleiter der Zweigniederlassung Gießen der Darmstädter und Nationalbank in Frankfurt; Studienrat an der Viktoriaschule In Darmstadt Dr. phil. chermann G ö tz in Worms. — 23.: Fabrikant Friedrich Leonhard Bender in Gießen. — 24.: Prof. Dr. Walter Brehmer in Gießen. — 25.: Studienrat Professor Dr. Fritz Becker in Worms.
Dezember: 8.: Generalmajor a. D. Friedrich v. Wachter in Darmstadt. — 9.: Geh. Forstrat i. R. Alfred Preuschen in Groß-Umstadt. — 10.: Rechtsanwalt Eduard Staede 1 in Darmstadt. — 13.: Dr. Friedr. A. W y n e k e n, Mitinhaber der Lehrmittelanstalt Dr. Wyneken & Co. in Gießen. — 15.: Prälat Adam Schreiber in Worms. — 16.: Turnlehrer i. R. cheinrich Vö 1 sing in Darmstadt; Gutsbesitzer Gustav Mogk in Grundschwal- heim, Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskam- mer. — 17.: Pfarrer Joh. Georg Landvogt in Oppenheim. — 22.: Lehrer cheinrich cherbst in Darmstadt.
Protestverfammlung des HessifchenBeamtenbundes
• Darmstadt, 2. Januar 1927.
Der Hessische Beamtenbund veranstaltete heute vormittag im großen Saale des „Perkeo" eine Protestverfammlung gegen die Nichtbewilligung der Winterbei- hilfe für die Gehaltsgruppen 7—9 der hessischen Beamtenschaft durch den Hessischen Landtag. Die Versammlung war bereits lange vor Beginn überfüllt, so daß in dem nahegelegenen Feierabendsaal eine Parallelversamm- fu n g abgehalten wurde. Von den Landtagsabgeordneten waren anwesend die Abg.: Galm, Heinsiadt, Kaul, Dr. Keller, Kl'ndt, Leuschner, Reiber. Storck und Frau Balser.
Der Vorsitzende des hessischen Beatnlenbundes Rektor Dr. Glaß
eröffnete die Versammlung mit einem Hinweis auf den gewaltigen Zudrang und teilte mit, daß noch eine Parallelversammlung stattfinden müsse. Der Redner erklärte dann: Wir haben nicht gern die heutige Versammlung einberufen, waren aber durch die Verhältnis,e dazu gezwungen. Die Frage der Ausgleichszulage war von der hessischen Regierung und dem Landtag nicht richtig behandelt worden, aber es ist zu hoffen, daß in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Darum haben wir an die Ministerien, die Fraktionen des Landtags und die Beamten und Lehrer Einladungen zu dieser Versammlung ergehen lassen. Der Redner begrüßte hierauf die anwesenden Landtagsabgeordneten, verlas dann Schreiben der Abg. Dr. Werner und Ruß. die den Forderungen nach Gewährung einer Beihilfe, entsprechend den Reichssähen, zustirn- men, sowie ein Telegramm der süddeutschen Ar- beitsgemeinschast des Deutschen Deamtenbundes, die die Gehaltsgruppen 1—6 umfaßt. Ferner teilte
der Vorsitzende ein längeres Schreiben des F i - nanzministers mit, in dem dieser bittet, aus dem Nichtbesuch der Versammlung keine falschen Schlüsse zu ziehen. Man solle sich in die Lage des Finanzminifters versetzen, der für die Deauna der Ausgaben sorgen müsse. Der Minister legt in dem Schreiben die schwierige Lage der hessischen Finanzen dar. die er im wesentlichen auf die Besetzung eines Te.ls des Landes $urüd« führt; er wendet sich schließlich gegen die Sanierung der hessischen Finanzen auf Kosten der Beamten. 3n ernsten und wichtigen Fragen werde er stets auf feiten der Beamten stehen.
Rektor Dr. Glaß bemerkte dann u. <l dazu, in manchem stimme die hefsische Beamtenschaft mit den Darlegungen des Finanzministers überein; sie fühle sich mit verantwortlich für die hessischen Finanzen. Sie wende sich aber gegen die Beamtenfeindschaft In der Bevölkerung und lehne die Angriffe auf den Finanzminister ab. Wesentlich weiche jedoch die Auffassung der Beamtenschaft von der des Finanzministers über die Beihilfe ab, denn sie sehe in ihr eine wichtige Angelegenheit. Wenn die h e s s i stst) e- Regie r u n g den Vorschlag gemacht hätte, die Gehaltsgruppen 1 bis 12 mit der Beihilfe zu bedenken, so hätte der Landtag zweifellos z u g e ft i m m t (Lebhafter Beifall). Zum Beweise dafür verweist der Redner auf die Behandlung entsprechender Vorlagen in den anderen Parlamenten (Preußen und Bayern). Wenn die Oliittel vom Reiche angefordert würden, so hätte die Beamtenschaft nichts dagegen, doch dürfe man die Gewährung der Beihilfe nicht davon abhängig machen. Die Gründe der helft chen Regierung für ihre Vorlage seien sehr wenig stich- haliig (Zustimmung). Die hessischen Beamten seien jetzt an die letzte Stelle der Deamtenschast in Deutschland gerückt; Mecklenburg sei Hessen noch um einige Pferdelängen voraus, da man dort den Gruppen 7 bis 12 eine Familienzulage gewährt habe, während der Hessische Landtag einen entsprechenden Antrag sogar ablehnte. Der Hessische Landtag habe den Beamten eine Enttäuschung bereitet; er habe zwar die Initiative in dieser Frage übernommen, da die Regierung versagt habe, doch hatte man erwartet, daß der Landtag den Wünschen der Beamtenschaft entsprochen hätte. Der Redner legte dann dar. daß die Ausdrücke Winterbeihilfe und Notstandsbeihilfe unzutreffend wären, denn die 'Beihilfe fei als ein Teil des Gehaltes anzufehen, als ein Ausgleich für eine längst versprochene Gehaltserhöhung. Weiter wandte sich der Redner gegen d.ie Verquickung der Beihilfe mit den Zuwendunaen an andere Berufe, z. D. an Arbeiter und Erwerbslose, und bemerkte u. a.. dadurch werde der Anschein erweckt, als würden die bewilligten Summen nur für die Beamten bereitgestellt. QHit der Beihilfe könne man selbstverständlich die Notlage der unteren Beamten nicht beseitigen; bei der Gruppe 6 höre die Not der Beamten nicht auf, denn ’geraoe in den mittleren Deam enfchichten sei die Verschuldung sehr groß, was durch die zahlreichen Darlehens- gesuche bei der Beamtenbank bewiesen werde. Mit der Redensart, ein Beamter der Gruppe 12 brauche keine Beihilfe, sei den Beamten der Gruppe 7 nicht geholfen. Im Reichstage hätten sämtliche Fraktionen für die Beihilfen bis Gruppe 12 gestimmt. In Hessen würden sich viele Gemeinden an die Landesregelung halten, manche Gemeinden weigerten sich sogar, die Beihilfe den Gruppen 1 bis 6 zu gewähren. In manchen Häusern wohnten Reichs- und Landesbeamte; der eine erhalte die Ausgleichszulage, der andere nicht. In einigen Schulen Darmstadts würden Lehrer, je nachdem, ob sie Landes- oder städtische Beamten sind, behandelt. Der preußische Finanzminister habe erklärt, was auch der hessische hätte tun können, daß das Land von sich aus nicht die Mittel für die Beihilfe aufbringen könne, aber auß >'aftspolitischen Gründen feien fle zu beteiniger. >n Bayern liege die Sachlage ebenso, dort habe der Sozialdemokrat E n d r e ß im Landtag die Bewilligung der Q5ei- hilse beantragt. Der Gesamtvorstand des Deutschen Beamtenbundes habe eine Entschließung angenommen, nach der Gehaltsregulierungen und Beihilfen für die Reichsbeamten auch für die Beamten der Länder, der Dahn usw. sichergestellt werden müßten; der Hessische Beamtenbund trete dieser Auffassung bei. Der Redner wandte sich unter lebhafter Zustimmung der Versammlung dagegen, daß parteipolitische Zwistigkeiten auf dem Rücken der Beamtenschaft ausgetragen Wer
in Humboldt ihren reifsten Repräsentanten geschaffen hatte, kam fcem bildungsdurstigen Lehrling der Künste, der noch mit 30 Jahren unverdrossen lernte, zugute. Noch größeren Eindruck aber hinterließ bei ihm der Anblick eines Wirklich naiv in reiner Schönheit schaffenden Künstlers wie Thorwaldsen; der Däne öffnete ihm die Augen für die Harmonien des Lebens. Q)iele Jahre später bat Rauch, als er die Nachricht vom Tode des Freundes erhielt, „in tausend Erinnerungen versinkend", in sein Tagebuch geschrieben: „Thorwaldsen lernte ich in Rom kennen, und wohnte de.nn vierzehn Jahre mit ihm unter einem Dache in der via Sibtina, Seine Nähe, feine Tätigkeit, feine Lehre bildeten den Grund zu meiner weiteren Ausbildung, wodurch ich ihm mein Lebensglück verdanke". Sein ganzes Leben lang find ihm die Jahre feines römischen Aufenthaltes als die schönste Zeit erschienen, und er gedachte mit Sehnsucht der blühenden südlichen Körper, da er in märkischer Enge sich mit -Uniformen und Stiefeln Herumplagen mußte; fein ganzes Leben lang ist ihm die Antike das höchste Muster gewesen. Von Nazacenertum und Romantik mochte er nicht viel wissen und hat außer der reizenden kleinen Märchenfigur der auf dem Hirsch reitenden „Jungfer Lorenz von Tanger- nründe" nichts geschaffen, was dem Stoffkreis der Qi: .ntit angehört. Jede Nichtachtung der Antike aber kränkte ihn wie eine ihm persönlich angetane Beleidigung.
Die Kunst Rauchs hat sich nie ganz entfalten können; sie war fast immer durch die Wünsche und Befehle der Auftraggeber beengt. Nur selten war seinem Talente die freie Bahn gelassen, wie in seinen prachtvollen,Dittorien, seiner linienschönen Danaide; und dann wandte er sich gern antikisierenden Formen zu, die er mit einem großen Adel des Empfindens, einem lebendigen Schwung der Komposition belebte. Die Heft drängte zum Realismus hin, und diesem Drängen antworteten in Rauch verwandte Regungen, die er nicht ohne Widerstreben, aber doch mit aller Kraft in sich entwickelte. Schon fein erstes großes Werf, das ihn berühmt machte, das Grabmal der Königin Luise, in dem antike Vorbilder deutlich anttingen, erhielt fein Gepräge durch die Porträtähnlichkeit, die der König verlangte, linier Friedrich Wilhelms 111. Aufficht ist dies herr
liche Werk geschaffen, in dem sich wirklich eine ideale Verklärung mit irdischer Holdseligkeit vereint. -Und auch weiterhin lenkte der preußische König seinen Bildhauer auf den Pfad der Realität, indem ec durch eine Kabinettsordre als die Kleidung der Statuen Uniform und zeitgenössische Tracht bestimmte. Rauch hat viel über diese Bevormundung des Künstlers, über die ewigen „Pantalons und Knöpfe" gestöhnt und „nach etwas nackten Beinen und Schultern" geseufzt. Nach der Arbeit am Denkmal Friedrichs des Großen noch Nagt er: „Ich bin geistig fertig, ermüdet an Leib und Seele, Perücke, Kleid und Stiesel ohne Ülnterbrechuna seit neun Jahren durchgemacht zu haben." Er half sich in diesen Nöten mit dem preußischen Reitermantel, den schon Schadow in die Plastik eingeführt hatte, und den er zunächst ganz als antike Toga behandelte. Er drapiert den Mantel in reichem Rhythmus um die Gestalt und sucht das Nein- liebe Geknftter der Falten an den Beinkleidern, das Beiwerk an Tressen und Knöpfen zu verbergen. Aber allmählich lebt er sich doch in die Tracht feiner Zeit ein; sie wird ihm an feinen Porträtfiguren sogar bisweilen Aum notwendigen Zubehör der Persönlichkeit, und er schafft hier wirklich vollendete Werke. Auch sein Friedrich der Große ist zugleich historisch und volkstümlich erfaßt. In diesem Denkmal, Rauchs berühmtester Schöpfung, ist überhaupt die historische Auffassung, in die sich der Realist und Gelehrte Rauch allmählich eingeführt hatte, voll zum Ausdruck gekommen. Er folgte dem Zug der Zett, der sich von der Romantik fort einer realistischen Erfassung des 'Vergangenen zuwandte, und fo bat er das erste Denkmal des künstlerischen Historismus geschaffen, ist der Vorgänger Menzels geworden, der an dem gleichen Stoff später seine so viel größere Kraft versuchte. Man mag gegen die Raumwirkung des Denkmals, das in seiner Silhouette so unruhig wirkt, manche ästhetische Bedenken erheben, echte Treue des Details und feinfühligen Formensinn Im einzelnen wird man ihm nicht absprechen können. Unb das ist überhaupt das Beste in Rauchs Werk, das er mit einem sicheren Geschmack und einer ehrlichen ausdrucksvollen Schlichtheit in einer Zeit wirkte, die der plastischen Kunst so fern wie möglich stand.


