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Nr. 257 Drittes Blatt

Mittwoch, 2. November 1927

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberljeflen)

Aus dem Reiche her Krau.

die ftrau für den Richterberus befähigt?

3mi

Dr. Harte Hanf,Bcchn.

D.« QkrfäffttiÄ »ar al« «rite 3wu in Dmrt4Ianö »um 3n»ah*bt ruf zu» gelaßen morben.

#rit durch da» Reich-flefetz vom 11. 3uli 1922 ist den grauen die iurifüHb« uauioahn in vollem Umfang eröffnet worden. Cie »erden Ic.tbrm ebenso wie Mr Männer zu allen turistischen 'Prüfungen znr juristischen 21uibilbuna und ,th or.nfch" zu alten Äemtern und Berufen der Rechtspflege zugelaflen. Bl» dahin konnten 6k 3raum »war feil den» Jahre 1938 an den ver- 'chiedenen deutschen UmDerfltaten da» jurlflt Mw Doktor«»amen ankgen; sie wurden in Preuhen aber erst seit den» Erlah vom Mai 1919. in Bayern und Baden schon mehrere Jahr« früher, «um ersten Staats«,am en zugelassen, ohne jedoch damit bal Recht ,u erlangen, zum Trefererchar ernannt und in den Vorderestungsblenst über* nonn.xn zu werden

Seitdem die geschlichen Schranken über d.e Zulassung äu den juristischen Staatsprüfungen gefallen sind^ baden der '» eine gröbere An­zahl Krauen btt erste juristische ötaatvprüfuna abgelegt. Sine natuegerndb noch gering« Anzahl, in ganz Deutschland etwa fchätzungswc s« 20 bis 25. Haden auch da» zweite Staat»«,amen Er- folg bestanden. Bon ihnen sind dk meisten in den Anwaltsberuf üdergetreten. während einige al» Richter unb Regiettings^llfellorxn fan Ver­waltungsdienst klnnmrssarifch beschäftigt werden. Bisher ist noch keine Krau als Richter fest an- gestellt worden. Dies ist aber nur natürlich weil die Krauen erst seit wenigen Jahren die «weite Prüfung oblegen konnten und auch der Mann nach Ablegung bes zweiten ®»omen» mehrere Dienstjahre jurüdgekgt haben must, bis seine Er- neimung erfolgt. Kür die Stauen ist Die Lage in'ofem eine ungüuftlgere, als ibnen viel« rnänn- h4)c 2lsse<soren. die noch nach ihnen das C tarnen ableglen. im DAnstaltrr Vorgehen, weil sie wegen ihrer Äriegsteilnehmerichaft vordatiert werden. Jrotbcin ift z,» hoffen, das, die 3uft ^Verwaltung in abschbarcr Zeit auch eine Derimtsasfessorin fest nnficllen wird Aach den bisherigen Beod- Ortungen wird man besonder» von Preichen sagen können, baft die Justizverwaltungen durch­aus bestrebt sind, die Frauen in der glryfcen Weise zu behandeln und zu beschäftigen, wie die männlichen Referendare und Allelforen.

Dk weiblichen Anwälte, die es jetzt u. a. in Berlin München Mannheim Elberfeld. Dresden gibt haben anscheinend, soweit sich darüber schon Kfit etwa» lagen lüstt. ein durchaus befriedigendes i,'it»fJh ge'unden toenngkid) sie von den Srauenornanifationcn keineswegs die Unter­stützung gesunden haben, dk man hätte erwarten können, unb wenngleich gerade dadurch viel« Stauen, die gern einen weiblichen Anwalt auf- 'uchen würden, von bickr Möglichkeit noch nichts wissen Meine früheve Tätigkeit in Rechtsaus­kunftsstellen unb meine sonstige praktische Arbeit, haben mir wiederholt gezeigt, baft es zahlreiche Fälle gibt, in denen das Bedürfnis nach einem weiblichen Anwalt genau so vorhanden ist. wie nach einem weiblichen Arzt, um so mehr, als die Berichte heute au-lchiieftlich mit Männern be- 'ent find, soweit nicht etwa Frauen als Laien­beisitzer mitwirken.

Denjenigen firauen. denen eS besser liegt, Recht zu sprechen, als den einseitigen Partei- standpunkt eines Mandanten gu vertreten, muh muh aber auch Gelegenheit gegeben werben, ihr« Kräfte als Richter zu entfalten. Ck »er­ben durch da» In der Stau meistens stärker als im Mann vorhanden« Einfühlungsvermögen unb soziale Verständnis in»bt|onbetc al» Dor- rnund'chafts- und Jugendrichter, al» Beisitzer in E h riche i b u ngSkammcrn. und in Ctraflachen als Staatsanwalt und Richter, ein gerade für die Frau besonders geeignetes Tätigkeitsfeld finden. Gs uxirc aber aixh zu wun'chen. bah bei allen Behörden, insbesondere in den Justizverwaltun­gen der Länder. Im ReichsjustizMinisterium, Im Stra'volizu i«amt uf» . Frauen tätig wären, da­mit bei allen die Frauen betret enden Angelegen­heiten der ötanbpunh der Frau wirksam zum Ausbruck gebracht werden könnte. G» wäre in. G. ein« Aufgabe der Frauenorganisationen, darauf hinzuwirken, dast bei allen hierfür in Betracht

Kinderlügen.

Don Dr. med. Gart P ot otz ky. Berlin.

Die folgenden, bemerkenswerten Dar­legungen de» Leiters der Poliklinik für ncrvdfc unb schwer erziehbare Rinder im Äaiferin-Augufte-Vikteria-Haus. Berlin- r 6ba Hotten bürg, sind der im Verlage von

Elwin Staude. ÄomnL-Gkf. Osterwieck (Harzi erfcheun-nden, ausgezeichnet aelei- tetvn Zeitschrift ,Mutltr unb Älntf entnommen.

.Das Kind lügt f Weinend bi rat dk WuNer das Gesicht in dis Hände, wütend schaut brr Vater auf den kleinen Sünder, man fordert Er­klärungen von dem Lehrer. Geistlichen ober Arzt, Me man de» -ungeratenen' Kindes wegen zur Hilf« heranzieht. .Warum lügt das -Kind. eS hak doch alles Gute bei uns", wird man immer wieder gefragt Dick Fragen sind nicht auf den ersten Blick zu beantworten, dazu muh man das Kind kennen, seine Fähigkeiten unb fein Gefühls­leben. sein Willens- und Hemmun g»txrmögm, ebenso die Art der Eltern unb der Umwelt. Endlich ist man auch auf die Berichte bet Eltern und Lehrer angewiesen, tun. eine genaue unb liebevolle Durchsvrschung jedes ctnylnen Falles gehört dazu, um den Uriiühen des Lugens auf den ®runb zu fommen »mb damit auch die Wege uir Besserung zu weisen. Das Lügen kann ja so harmlos fein, fann aber auch in einem anderen Falle Abgründe aufberfen, di« tief in ein krankhaftes Verstandes- oder GemütSleben hineinführen. Wie barrnlos ist e». wenn ein Kind, das gerade die ersten Laute zu lallen versucht, in feiner Rotwehr dir erste Lüg« seines Lebens spricht: .aa lagt es. wenn es zu etwas ihm Unangenehmen nicht gezwungen werden lvill unb ein Bedürfnis, das nicht vorhanden ist.

komwentcu Vcrwattungsbchöetcn Zrauenreleralt eingerichtet werden, bk mit geeignet voeg«bilde­ten Frauen zu besetz.n sind

Do» juristische Studium nxrb imnur nur von «Uhr verhültncsmähcfl kleinen Anzahl von Frauen gewählt und b, .bri.lten werben 21t j«4 eben da­von dah die Ausd».

Beginn bc» etubxum» bis zur>kflun,i des «weiten Staatsexamen» m.nb.stens P/, dis V't .fahre erfordert, unb auch bann bis zu einer An­stellung im Staatsdienst noch längere Feit ge­wartet werden muh. wird den meisten Stauen das juristische Studium zu trocken und abstrakt erscheinen. Diejenigen, die bei dem Berus im engem Sinne bleibe» Verben hierfür im all­gemeinen vermutlich eine besondere Eignung be­sitzen. D.t lange Ausbildungszeit ermöglicht es

den Justizverwaltungen, eine so genaue Kenntnis von der Perienlichkeii der Bewerberin zu er­langen dast sie nur diejenigen zum Richter in ernennen brauchen die hierfür alle erforder- Nchen Fäh.akeinn besttzen Das immer wieder er- hot^n Bedenken hast die Frau weacn ihrer angeblich ger.ngeren Objeftii'ität unb ihrer stär­keren Beeinslustdarkeit von Gefühlsnwmenten als Richter u<to. ungre qnet sei wird daher gerade gegenüber der Beru'srlchtetnn nicht erhoben wer­den können tzieft rrtn iheoreil'ch n angeblichen Ersahrungssätze dürften aber auch ihre Berech­tigung dadurch verloren haben, d-ast hie Frauen bereits seit mehreren Fahren als Schöllen und Geschworene und als Laienbeisitzerinnen tätig find und sich al» solche auch durchaus bewährt Haden.

Oie neue Gchuhmode.

Don Elsbeth Unverricht.

Man kommt immer mehr au der Erkenntnis baft die letzte Entscheidung über den modischen Ee'amteinbruck durch den Schuh bedingt ist, » wählt ihn mit weit gröberer Sorgfalt als bis­her ja, es gibt sogar Leute, die ihm «ine gröbere Bedeutung quertennen als dem Anzug klbst. Reuerbing* macht sich die Tendenz gel­tend. nicht mehr jede Schwankung der Mode auch im Schuh zum Ausdruck zu bringen, sondern ihn mehr poin Dellchtspunli der neutralen, gedie­genen Eleganz aus zu wählen. Man sieht augenblicklich für den modernen Schuh zwei For­men, die sich ziemlich der gleichen Beliebtheit erfreuen, die schmale, spitze, und die runde, breite, und auch der Absatz, der eine so ausserordent­lich wichtige Rolle spielt, hat für'den gleichen Schuhtyp Awei Ausführungen, die hohe ge­schwellte unö die mittelhohe ungeschweifte Wäh­rend die internationale Eleganz schon seit lan­gem ausschllestitch den ungeschweiften mit­telhohen o Ia a b f a h trägt, hält man bei un» für das Rachmittags- und Abendkleid immer noch an dem Louis-feize-Absatz fest.

Rur über den Bormittagsschuh ist man sich vollkommen einig, hier ist die Form stets sportlich breit und rund, der Anatomie de» Fuße» angepaht. Selbstverständlich kommen auch nur widerstandsfähige Lederarten in Betracht. Bozcaif. Ehevrcau, und Äalb in Schwarz, Tief braun oder Dunkelblau Man frägt diesen Trotteurfchuh. der zuweilen eine 5k repps ohle hat, entweder al» Halbschnür- schuh, als hocbgeschnittenen Pumps, oder als Spangenschuh, dessen neueste Form die Binde- Ipange ist Der gerade Absatz soll nicht höhcr al» 4 Zentimeter Tein, der Schuh selbst must, ein Mahstab für seine Vornehmheit, vorn möglichst slach aufliegen. Die Verarbeitung von zweierlei Leder ist für diesen Typ nicht modern, dagegen bringt man häufig Perforationen an, oder einen perforierten, schmalen Streifen aus demselben Leder, der den Schuh einsaht und gleichzeitig die Spange bildet.

Der Rachmittaasschuh. mehr als der de» Vormittags zur Kleidung abgestimmt, soll in erster Lime der Rote desanaexogenen" Anzug» gerecht werden. Hier macht sich Die Vor­liebe für die lange, schmale, distinguierte Form bemerkbar, die zweifellos viel für sich hat. aber doch nicht ganz den körper-physiolo­gischen Bedingungen de» Fuhes entspricht ein Argument, das die Anhängerinnen der breiten, runden Form mit Berechtigung ins Feld führen, da diese letzte Form, die auch den mittelhohen ungeschweiften Absatz hat. der nicht höher alS 5 Zentimeter ist. in derselben Weise den An­sprüchen der Eleganz genügt, wie das lange, schmale Modell, durste er sich bald der gröberen Beliebtheit erfreuen. Der mastig ausgeTchnitten« Pump», sowie der Spangenschuh und. für das größere Äleifc die Sandale, find die meistgesehen- ften Formen, aus schwarzem Wildleder oder schwarzer Schlangenhaut. 3n schlicht-vor­nehmer Ausführung zeigt dieser 64)ub als Ver­zierung eine kleine Strastagraffe oder einen leuchtenden Knopf. Weller gibt cs reizende Mo­delle in farbigem Reptilleder, die zuweilen als öarniiur eine schmale, andersfarbige Lackblende aufweisen, die da» Blatt teilt. 3m allgemeinen nimmt man jedoch von der Zweifarbigkeu unb der Zweiteilung Abstand, und legt da» Haupt­gewicht auf einheitliche, gediegene A n S-

i u h r u n g Beliebt ist auch der Schuh aus dem Stofs der Toilette, der bann mU einer aparten, künstlerisch gearbeiteten Silberfchnalk geschmückt ift. yür elegant gilt es bei den, Rachmittags­anzug den Schuh ubertinftimmenb mit der Hand­tasche zu wählen, die ihrerseits wieder in lieber* einstimmung mit der Toilette stehen soll.

Der Ab end sch uh ift. je nach der Droste der Toilette, mehr oder weniger festlich Die lief ausgeschnittene Sandalenform mit der schmalen KnöchelsPange ift bk meittgefehene und mon­dänste Form. Daneben trägt man, besonder» für Diner* und Theater tiefausgeschniitene Pump», die jetzi fast immer irgendeinen leuchtenden Farblleck in Gestalt einer Agraffe, einer Emaille» schnalle oder einer Stahistickerei aufweisen. Dieser Schuh ist vorwiegend aus dünnem, schwarzem Wildleder schwarzer Seide oder Samt und wird zu schwarzen oder dunklen Toi» ktten getragen. Das große Abendkleid aus Gold­oder ©tlberlamd erfordert den Gold- ober Silber­schuh, auch den au» Brokat, der die Töne der Toilette aufweist. Da gibt es unzählige, reizende Modelle, die, über und über mit glipeenden Steinen und Perlen besät, wie Feenschuhe aus dem Märchen anmuten.

praktisches Einkäufen.

Von Äflt&e Tonndorf, Berlln.

Wenn man Hausfrauen über die 3. niet Lung ihrer Arbeit sprechen Höri, kann man genau erkennen, tvelche Arbeit die liebste ist. Die be­geisterte Köchin wird den Xüchenzettel für den Kernpunkt des ®amen halten, der überzeugte Schrubbelgeist die gcvste Wäsche und bis Drost- re in,-machen, die gute Rednerin das Haushalt- buch. - Sines aber ist für alle ein gleich un­bequemer Faktor das täglich sich er­neuernde Siribolen. Die <kwas tiefer denkende Hausfrau weist genau, vast der Einkauf eine sehr wichtige Sache ist, dast ein Stück Wiri- schastspv''!ik durch den Inhalt der Markttasche verkörpert wird. Ihr ift es ke ne Lösung, dast Ile den Rindern ein.m Zettel In die Hand drückt unb bann nimmt, was sie ihr bringen. 3a aber leibst Sinhvlen kostet Zeit - es liegt Io nahe, lich die fl iken jungen Beine zu nuhe zu n»achen, lieber hat man ein paar Sewissens- biffel Am wen i ast en gut ist es wohl, ohne der männlichen 4üd)t.frfeii zu nahe treten zu iro.len, der Gebrauch. Io schwierige Dinge wie 5let1d) vom >Lhehern' Morgen zu lassen. Als beste Lölung der Sinholefrage wurde fast durch­weg be^-.chnet, dast man sich am Monatsanfang Äatlöffeln. Mucker, Mehl, Reis unb sonstige Koicmtallvaren In erfahrungsgemäst benbt gter größerer Menge ins Haus schicken lästt. Bei wöchentlicher Seldeinnahm« geht das natürlich auch wöchentlich, aber eben möglichst immer in» voraus auf eine Woche mindesten». Milch und Brötchen werden heute auch wieder geschickt. Bleiben noch die Irischwaren Fleisch. Demüfe und Obst, die man gern vorn Markt beziebt, al'o ist ein zweimaliger Marktgang in die Zeit­berechnung aufzunehmen. Marktgänge können auch durch das Treffen von Bekannten leicht zu Zeiträubem werden, wenn der Debanfc an .das Wichtigste" n cht ftarfrr ist. als das .schein- bar Arrgenehme", tt*c» man durch Abhetzen teuer bezahlt. Einmal wöchentlich wird es nöttg, sein

voriäuscht Die erste Lüge des Lebens' Bald folgen airfere, kompliziertei-e. abwechllungSreichere mit der lortldbreitenben Begriff»biIbtmq 3etzt zeigen btt Lügen nicht mehr ganz prinrittve For­men. Das Spielkirrd behauptet, keinen Ball zu Haden, unb doch hat es ihn, das erfebnie Spiel­zeug, einem Spielgenossen weggenommen. 34> sehe noch das zweiiäbrige Äinb vor mir. das. im Bett stehend, von dem naben Tisch die Puderbüchse herabnimmt unb das .grvhe De- Ichäsf. das hm im Bett .passieri wari'. mit Puder bedeckte um die Zeichen seiner .Schmach" zu verwischen. Unb das gleiche Kind behauptete etwa im gleichen Alter, als es sich un Bett c ngenästt hatte, .es hätte nur so geschwitzt^. Hier erscheint schon die Furcht vor Strafe als bte Triebfeder, das Hauptmotiv der kindlichen Lüge' Dries Motiv steigert sich in enormer Weise, wenn die Schule ihre Antvrderunaen an da» Äinb stellt. Tausendfach find hier btt Ur­sachen und Auswirkungen der Äinderlü^e. Furcht vor Strafe feiten» der Lehrer unb leiteni der Cltem eine Lüge gebiert die andere. Oft werden die ÄInder zum Lügen durch die Eltern unterstützt, die in ihrer Sorge unb Liebe ben Äinbem unrichtige Amschuldigungszel!«.' schrei­ben. in dem Glauben, dem Äinde zu helfen. Wenn bte Eltern toüfjten, welchen Schaben fi« gerade durch ein berarf.ge» Verhallen dem Äinde zufügen, indem sie e» geradezu im Lügen unter­stützen. würden fie Mrie fal'chverstandene Liebe nicht in birier Welle jum Ausdruck bringen. Zw Schulalter tritt auch eine andere älrsachc uim Lügen zutage: die Prohlsucht. Da» Schulkind renommiert zu gern vor 'einen Mitschülern da spielen heute die Auto» und andere Herrllckr- keiten eine grohe Rolle. Ban^e Märchenerzäh- hingen über das, was die Eltern urtb Ver­wandten besitzen sollen, werden den ftrnmenben Mitschülern mit ernstester Miene aulgetischt. Unb

die Phantasie spielt weiter Dlückt einmal eine Lüge, dann kommen Erzählungen, die immer phantastischer werden - von der Zwecklüge trennt ich jene Lüge tue. ohne einen bestimmten <sweck zu verfolgen vielleicht nur aus Luft am Lügen oder überhaupt anscheinend ohne jedes Motiv zutage tritt. Wer kennt nicht die Lugen- geschichtt in Gottfried Kellers .Der grüne Hein­rich . in der die Entwicklung einer ganzen 2ügen­ierte eines liebenjährigen Knaben - die'em, wohl Svttlried Keller fdbft, später unerklärlich gelch.lbert wird. Da sprudelt alles dreist heraus n <:nan Redrickwall, mit genauen Angaben über Ort und Zeit, Kameraden werden schwerer Taten brichulbigt, an denen lie nie beteiligt waren, ihre Bestrafung wirb fast als selbstver- stLndlich betracht^. Unb auch in den 3ugmb- c rinne rangen anderer grober Männer werden wir oft auf Beschreibungen von Lügen stoben, die später bem Bereiften nur ein nachdenkliches Kopfschütteln abnn^en. Oft werben mir Schul­kinder zugeführi. die, ganz unabhängig vonein­ander. aus phantastischem Sensationsgetühl her­aus die gkeiche merkwürdige Erzählung auftifchen. Der Barer ode. die Mutter, bisweilen auch beide, leien plötzlich ariwrher^ an birier ober jener Äranfftcit. Die Ärmf^el: wirb genau be» ' ivr eben, ebenso das Sterben mit alkn 2IuÄ- Ichmückungtt'. weinend Iaht lich bas . arme"' Kind rem den mitleidigen Bekannten trösten. Hier ist woh. der Wun'ch bemitleidet zu werden, die Triebfeder zum Lügen getreten.

Bei fortgesetztem, zwangschttig erscheinenden Lügen, das keiner Znrechttve-.fung her Erzieher zugänglich ist. muh der Arz: herangezogen wer­ben. Dieser hat zu entlcherden, ob da» Lügen gcwisfermahen ein Erziehungsfehler ist und dann auL durch richtige tzrziriniTig wieder bdeittgt werden kann, oder ob es auf einer krankhaften Veranlagung beruht, 3m letzteren Fall können

Material für HaitckpAtz and Räheeri w ergänz««. So wäre ben- 5c* An beim «ufamrv. eitgebrAng t au nnrna: monatlich grobe Bestellung brr mal wöchent! <d Snttcixivr bahn rinmal Re ni.tu.igs- unb Rihmateria. Damit kann man a»»skomm«n, unter zwei Bebtngungen ! Küchrnzettel für Mittag muh allerm.ndestens fitr d e halbe, brifer für die iw ä?och« ula vmengcltellt werden, abends gibt es Reite- oder Ergauzungsger»chie. bem Bedari oder Vorrat angepaht. 2. die Aul- beTvahrungsmögllchkeite.» mu'tm, auch auf klein­stem Raum, genau Io wicht.a genommen, unb. den Erfahrungen entftrechen' immer tpirikt perbrifm werken in bezug auf Licht. Vut und Temperatur wie rin Znnmer Ohne Aufvewah- run<p»mög!ichkeiden hat |a friu Bvransdlspo- ntcra» Sinn

Als Zeit des 3: iibo.cn* ,nt Arbritlplan war meist die des Rachm>Uag» p«,iergongs an» genommen ober auch Ne Stunde bet Mittags­au» ahri mit bem Kle.nklnd Hur bet Markt» gang muh früh ftattfinben

Eine kleine Tafel In her Küche, auf bee man alles Fehlende gleia» notiert, gestattet rin fswel- die Hausfrau Me schnalle« Ä.nberbdnt für Mc '.es Ordnen des Sinboiebek^triS und mr» kann durch Kennmarke bezeichneten Waren, für Ne Abhv!».ng der von ihr selbst a»lsgesachten oder im Rot fall für das Holen frischer TMtoart am Rachmittag in Bewegung setzen.

Küche im Herbst.

Saure Äartosseln mit Hammel- lunge. 6 'Personen Sine frische Harnmellunge wirb in Stü^e geschnitten ui»b in 1 Liter Wasser mit Salz unb gemischtem Dew»irz weich gekocht. Dann nimmt man die Vungcnftilcff au» der Brüh«, stellt fie verdenkt beiseite und kocht nun in ber Bräde 2 Teller rohe, vorher abgebrühte Kartosselscheibei» In ihr gar, um ?mh4ic6 Lunge und Äariofleln mltelnanber zu mllchen. 100 (Tramm Lpe^k werden würflig gllchnit:cn aus­gebraten, und in ihm <>0 Dram in Rlehl gebräunt und gar gekocht, mit 2 Löffeln Ellig. 3 Löffeln Schrup vermischt unb mi1 etwas |duem Pfesftt und */t Teelöffel Maaai» Wür-e vollendet. Äar- tofleln unb Lunge erhitzt man In der Softe und ttfcht fie sogleich auf. L H

Befchmvrte Rebhühner Bier junge Rebhühi»er werben gerupft, g.-fmat, auigenom- men und in kaltem Wafler gewaschen, geirmknet, gesalzen und mit Sperflcheiben umwiekel. oder mit feinen Spellläden gefpickt. Acht Eftlölfel Butt c werden zerlaflen, Nc Rebhühner hin.-ing legt und unter öfterem L! in drehen unb Briullen mit brauner Butter gebraten unb unter Zugieften von Walser unb/« Liter fdurer Cabne ' * bis eine Stunbe geschmort Die Sofie wird mit Äartossel- rnehl, daS in Wasser oder Sahne »-rrühri wurde, verbickt und abgelchrnellt. Die Rebhühner werden mit etwas Lohe fllaiirr!. Die übrige Lofts wird mit den Rebhühnern zu Tllch gegeben Zur Glasur nimmt man 2 2*/» Blätter Gklatine, In warmer Sohe aus gelöst.

Gurken in Dills oh e. ÄochdacZer eine Otuixbe. 6 Personen Mittelarohe (Dürfen werden gefebält, entkernt unb in nicht zu grofte Stücke geschnitten. 3n 125 Gramm brauner Butter bänrpfl man 60 Gramm Mehl braun, füllt soviel dünne Fleischbrühe oder Walser dazu, dah man eine runde, seimige Softe erhält, würzt diese m:t Salz. Pfeffer, etwa- Zucker sowie einigen ent­fernten Zitronenscheiben, legt die Gurken hin? c» und schmort lie langsam darin gar. 3n brr letzten Bierieistu»»de jjlbt man einen Eftlölsel voll f.in- gewiegten, grünen Dill in die Softe, zieht den Tops zurück, schmellt mit etwas Maggi-Wurz, ab unb läfji die Gurken In der Sohe noch einige Minuten ziehen, aber nicht mehr kochen Zum An­richten entfernt man Me Zitronenscheiben unb streut einige Kapern über die Gurken M. v. B.

Fischragout in Tornatenlunke. Die Tomaten werben mit reichlich Suppengrün, wenig Waller, Salz unb einem Stückchen Butter an» gesetzt, und nachdem alles weich ist. durch ein seine« Sieb gestrichen, mit etwa« Papnka gewürzt unb einer Prise Zucker Zu 1 Psund Tomotm kaim man 2'/» bis 3 Pfund Fllch verwenden, Schellfifch ober Kabeljau. Titan kocht den Fllch mit etwas Zwiebel unb Sffig ab. mtchdem er roh schon eine Stunde zurechtgemacht unb eing saUm geftanben hat. damit da» Fleisch recht aut Wat­teri. Rach dem Abaieften häutet man Me Fi'che, nimmt fie In ,i ögllchst graften Stücken von den Gräten und läht fie erkalten. Während Me« gr»

3ntelligen;störungen ober sittliche Defekte oder angeborene Hemmung»ftörungen ben Grund ab­geben. hier bat der Arzt im einzelnen Fall zu raten, wo- zu geschehen hat. 3n vielen Füllen kann geholfen ober jedenfalls durch entsprechende Borbeugungsmohregeln viel Schaken verhütet werten. Handelt es sich um Erziehungssebler beim gesunken Kinde, dann lind tir Eltern zu belehnen, in welcher Weile fie ihrem Kinde zu begegnen haben Da» Kind muh Vertrauen ;u ken Eltern, gewinnen, bauernd« Andrvhura w.t Strafen fchüchtcrl da« Kind nur ein. Dann nimmt es. e ngefchüchteri und herängftigt, geradezu seine ZuflMHt «u ken Lügen, llnb dan.» noch eins. Mögen sich Me Eltern in Gegenwart der Kinder vor den c.genen 1 ^genannten .Rotlügen" hüten. Do» Äinb verfügt noch nicht über genügend Äritif, um Me Tlotlügen ber Envochfenen von leinen eigenen Lügen zu unterscheiden .Und was die Eltern nürien ba» dürfen wir doch lelbst" Al''» Boriicht unb immer daran denken, bah bie Kinder auf jede» Wort fei Erwachsenen lauschen unb stets bereit finb. tn? Ansichten bet Eltern aus die eigenen Verhältnilfe zu über­tragen. -

Soviel über die Kinderlüge Mögen die Eltern und auch sonst mit ber ®rvetning von Kindern Vertraute aus diesen 0Iu6t..n-UTV).-n eriehen. baf| zwar manche derartigen Fälle trübe AuSliHtcn eröffnen, bah aber in ber weitaus grShten 3<M her Fälle bie Reiaong zum Lügen rin« kindlich« Entwicklungsstufe bcrftellt. kir «u jMa^bewr ;W restlos überwunden cerfcn wird. Laht da» Kind in feiner schönsten Zeit durch das PH«tta<ielanS reiten und fallt ihm erst dann in Me Zügel, wenn die (Abirrungen der PHrrrtafte einen ge- wcchnbc tsmädigen Charakter aTmehmen! Dann aber heiht <4 rcllch und energifch z-uzugreifen unb ta5 Äinb wieder auf den richtigen Weg $u bringen!