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Deutscher Ind strretag in Frankfurt a. M.

Franks^ t a. M., 1. Sept. (Wolff.) Präsidium uni) Vorstand des Reichsoerbon des der Deut» jchen Industrie traten heute nachmittag in Franis-irt a. M. im Bürgersaol des Rathauses un­ter dem Vorsitz des Geh. Reg.-Rates Professor Dr. C. Duisoerg -u einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Rach der Erledigung in­terner Angelegenheiten des Reichsoerbandes be­richtete Direktor Hans Kraemer, M. d. RWR., über die Zolls enkungsaktion der R e i ch s - regierung. Er stellte fest, daß die Industrie sich die Mitarbeit an den Beratungen über diese Frage nicht versagen werde.

Dann sprach Abg. Frowein ((Elb er feto), M. d. RWR., überDie Lohnpolitik der letz­ten Wochen und ihr Zusammenhang mit der Preis- und Z ol l p o l i t i k. Es sei erstaunlich, daß in weiten Kreisen und selbst bei Vertretern der natio- nalökcmomisä-en Wissenschaft noch immer die An­sicht husche, daß in jedem Fall und auf die Dauer eine einfache «Steigerung des Lohnes zu einer Er­höhung der Kaufkraft führen könne. Un uc r ein- 6ar fei eine Politik, die eine ftändige (Er­höhung der Löhne zur Folge höbe, mit einer Politik, die unter allen Umständen eine Preis- erhöhung vermeiden wolle, wobei er an sich die Politik, die Preise niedrig zu halten, durch­aus für richtig halte. Redner hält das Schlich­tungsverfahren und die Verbindlich­keit s e r k l ä r un g e n , wie fie sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt haben, für wirtfchastsschäd- lich und letzten Endes auch für die A^itersa>aft ab­träglich. Auch in den Kreisen der Arbeiterschaft stehe man den Verbindlichkeitserklärungen nicht rest­los' zustimmend gegenüber. Dem Schlichter werde eine untragbare Verantwortung aufgebürdet. Ar­beitgeber und Arbeitnehmer müßten dahin streben, Lohnkämme untereinander auszufechten, eine For­derung, die auch von vielen alten Gewerkschaften geteilt werde.

2ln die Ausführungen Froweins schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich u. a. Dr. Fischer, Geheimrat Bücher, Müller - Oerlinghausen, Clemens Lammers, Dr. Sil - verberg, Kommerzienrat Pferdekämper, Generaldirektor Meuter, Geheimrat Kastl, Direktor Rousselle und Dr. Braun betei­ligten.

Geheimrat K a st l berichtete dann über das Schlußentschädigungsgesetz für Kriegsbeschädigte. Die Versammlung trat der Kritik des Redners an dem vorliegenden Gesetzentwurf bei. 3m Vordergrund stehen die Forderungen einer anderen Finanzierung der Entschädigungsaktion, einer Erweiterung des Kreises der Berechtigten und einer wirksamen Besserstellung der am Wiederaufbau beteiligten Wirtschaftskreise.

lieberBeziehungen des Reichsverbandes xu aus­ländischen zentralen Jndustrieoryanisationen sprach der Geschäftsführer des Reichsverdandes, Dr. cherle, insbesondere über die bevorstehenden Be­sprechungen mit den Jndustrieverbänden der Tsche­choslowakei und Polens.

Am Abend veranstaltete der Magistrat der , Stadt im Kaisersaal des Römers eine Begrü­ßungsfeier. Oberbürgermeister Dr. Land- mann wies in seiner Begrüßungsansprache auf die historische Bedeutung der «Stätte hin; es sei die Stätte, an der sich oft das Schicksal des deutschen Volkes entschieden habe. Seien doch in diesem Saale die deutschen Kaiser gewählt worden. Aber trotz dieser alten Tradition sei Frankfurt nicht in dem alten Geiste stecken geblieben, sondern rüstig mit der neuen Zeit vorwärtsgeschritten. Die Stadt Frank­furt habe eine opferwillige und arbeitsfreudige Bürgerschaft. Die Museen und sonstigen Sehens- Würdigkeiten seien von seinen eigenen Bürgern ge­stiftet worden. Die letzte «Stiftung sei die Universität Frankfurt, ein Geschenk seiner Bürger. Mit dem Wunsche, daß dieser opferwillige und arbeitsfreudige 'Geist überall im deutschen Volke herrschen möge, hieß Oberbürgermeister Dr. Landmann die Ver­sammlung willkommen.

Hieraus ergriff Geheimrat Dr. G. Dulsberg im Namen des Vorstandes und der Ehrengäste das Wort, um seinen Dank für den herzlichen (Empfang zum Ausdruck zu bringen. (Er betonte, daß auch er und die anderen anwesenden Herren ebensolche ar­beitsfreudigen Bürger seien, wie die Frankfurter.

Rücktritt des Gesandten Köster.

Berlin, 1. Sept. (Wolff.) Zu der Meldung einer Mittagszeitung über den bevorstehenden Rück­tritt des Gesandten K ö ft e r wird den Blättern mit geteilt, daß Köster aus dem Dienst scheide und in den e i n st iv e i l i g e n Ruhe st and treten wird. Falls er später wieder in den Dienst zurückzutreten wünsche, würde dem nichts entgegenstehen. Die Gc schäfte führt zur Zeit Graf B a s s e w i tz.

Um die Reichsflagqe

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers*

Berlin, 2. Sept. Reuerdings tauchen Rach- richten auf, die besagen, der Reichspräsi­dent hätte den Wunsch geäußert, daß man, um den Flaggenstreit zu beenden, eine Ginheits- flagge cinsühren solle. Diese Rachricht ent* spricht in keiner Weife den Tatsachen. Die Flaggenfrage ist zunächst ausgesetzt, bis das Kabinett wieder beisammen ist. And auch dann erst dürfte die Initiative zunächst vom Reichstage ausgehen. Es läßt sich in keiner Weise sagen, nach welcher Richtung hin diese Frage gelöst werden soll. Irgendwelche Vor­schläge find noch nicht gemacht. Man muß also abtearfci*, nach welcher Richtung hin dieser un­selige Streit behoben werden soll.

Berlin, 1. Sept. (WTB.) Wie eine hie­sige Korrespondenz meldet, beabsichtigt der Ver­band Berliner Hoteliers in Kürze die Initiative zu ergreifen, um gemeinsam mit dein Reichsverband Deutscher Hotels eine für das ganze Reich verbindliche einheit­liche Stellungnahme der deutschen Hote­ls ers zur Flaggcnsrage herbeizuführen. Zu die­sem Vorgehen Hal man sich, wie die Korrespon­denz weiter berichtet, vor altem entschlossen, um bei der Feier des 8 0. Geburtstages des Reichspräsidenten keinen Miß ton entstehen zu lassen. Die Verhandlungen dürften in der kommenden Woche beginnen.

gu ammenstöhe in Potsdam.

Berlin, 1. Sept. (WB.) DosP otSdamer Reichsbanner veranstaltete heute abend auf C em A 1 -'n Markt eine Kundgebung gegen den Potsdamer O b e r b ü r g e r m c i ft c r, der anläßlich eines Empfanges amerikanischer Pressevertreter die Preußenfahne, nicht

Vie linwettertatafirsphe in Wgalizien.

Prag, 1. Sept. (WTB.) Das tschechoslowa­kische Pressebureau meldet: Nach den hier einge« gangenen ergänzenden Berichten über Ln Umfang der Uebcrschwemmungen in O st g a l i a i e n und Im Karpathengebiet läßt sich die Bilanz der furchtbaren Katastrophe nunmehr überblicken. In der Wojwodschast Stanislau wurden 13 Gemeinden und mehrere Städte überschwemmt. Im Gebiete Kossow verursachte die Ueberschwemmung die größ­ten Verwüstungen. In dem Kurort Kuty wurden 60» Wohnhäusern nterWasser gesetzt und mehrere fortgeschwemmt, wobei zahlreiche Per­sonen ums Leben tarnen.

Die Zahl der Todesopfer im Bezirk Kossow allein belauft sich auf etwa 100. Die Zahl der Todesopfer aus dem Gebiete der Wojwodschast Stanislaus wird bis jetzt auf über 200 Personen geschäht.

Die (Ernte ist vollständig vernichtet worden. Zahlreiche N aphthaschächte hn Boryflamer Re­vier stehen unter Wasser. Jrn Gebiete der Lemberger Wojwodschast sind sieben Gemeinden von der Ueberschwemmung hcimgesucht worden. Der Materialschaden beläuft sich auf mehrere Mil­lionen Zloty. Die Ueberschwemmungskataslrophe war an mehreren Orten von einem orkanarti- g e n S t u r m begleitet. Die polnifd * Regierung hat als erste Hilfe für die Opfer der Ucv.rschwemmungs- katastrophe den Betrag von j Million Zloty bestimmt. Das Ministerium für Heereswesen hat die Militärkommandanten in den Ueberschwemi.iungs- gebleten beauftragt, das gesamte Militär zur Ret­tungsaktion zu mobilisieren.

Warschau, 1.(Sept. (WTB.) Die Rach­richten aus ten ostgalizischen Ueberfchwemmungs-

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gebieten gestatten nur einen teilweisen 11 e b e r b I i d über den llm,ang der an gerichtetem Verwüstungen. Sehr bedeutend scheint der Schaden im Petroleumgebiet zu fein, wo eine Reihe von Raphthagruben über­schwemmt worden ist. 3n der Umgebung von Doryslaw sind einige Zehntausend Menschen obdachlos. Wie aus Meldungen aus dem übrigen Ostgalizien hervorgeht, wurde in vielen Gegenden, wo die Feldfrüchte noch nicht eingebracht worden sind, die Ernte vernie­tet. In Lemberg rechnet man nach den bis­herigen Seitiiellungen m«it 3 9 Toten, doch fürchtet man, daß die Zahl der Opfer in Wirk­lichkeit viel größer ist.

Auf Grund der Berichte aus der Wojwodschast Stanislau ergibt sich, daß in dieser Wojwod­schast in zwölf Kreisen 168 Gemeinden ganz und 4 9 Gemeinden teilweise über« schwe mmt sind. Besonders groß ist der Schaden in den Kreisen Dolina, Stryj und Peczyn. Auch im Kreise Kossow ist der Schaden besonders groß; 12 Gemeinden sind hier am schwersten betroffen. Bis jetzt sind zwölf Todesfälle gemeldet.

Das Wasser in den Flüssen Dnjeter, Prukh und Lzercmos; steigt weiter.

In der Wojwodschast Lemberg sind in zehn Kreisen 132 Gemeinden sämtlich oder teilweise überschwemmt, in der Wojwod- schaft Krakau nur acht Gemeinden, im Kreise Pilsen ebenfalls acht. Die materiellen Schäden können bis jetzt noch nicht annähernd geschätzt wer­den. Heute fand ein Ministerrat statt, der ein inter­ministerielles Hilfskomitee einsetzte, das die Leitung der Hilfsaktion übernehmen soll.

aber die Reichsf arben hatte hissen lassen. Die Kundgebung verlief ziemlich stürmisch, da auf die Hochruse deS Reichsbanners politische Gegner mit einer Gegendemonstration antwor­teten. An mehreren Stellen kam es während der Kundgebung zu kleineren Reibereien, so daß die Polizei die Ränder des Marktplatzes säubern mußte und die Menge in die Seitenstraßen ab­drängte. Beim Abmarsch des Reichsbanners kam es zu verschiedenen heftigen Zusammen- st ö ß e n zwischen Reichsbannerleuten und poli­tischen Gegnern. Eine Berliner Ortsgruppe des Reichsbanners geriet in eine Schlägerei. Die Polizei schritt in mehreren Fällen ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor.

DLe Deamlenbejoldurigsrefornr.

Berlin, 2. Sept. (Priv.-Tel. des WB.) Nachdem die Finanz Minister der Län­der vom 23. bis 30. August in Dresden über die Besoldungsresorm beraten haben, soll, wie derTag" meldet, am 8. September eine Besprechung der Vertreter der Beamten- verbände mit dem Reichsfinanzminister statt­finden. Die Einzelheiten der Vorlage will dann Dr. Köhler in einer Rede auf der Beamten- tagung in Magdeburg am 11. September mit­teilen. 2m Reichsfinanzministerium wird über das Ausmaß der Gehaltserhöhungen streng­stes Stillschweigen bewahrt.

Lohnbewegung in sämtlichen Reichsbetrieben.

Berlin, 1. Sept. (Priv.-Tel. des WD.) Für die Arbeiter der Reichs post wurde im April d. I. eine tarifliche Regelung getroffen, die bis 31. März 1928 Geltungskraft besitzt. In­folge der verteuerten Lebenshaltungskosten des letzten halben Jahres ist, demB. T." zufolge, jedoch die P o st g e w e r k s ch a f t schon jetzt an das Reichspostmmisterium herangrtreten, im Rahmen der tariflichen Vereinbarung eine Lohnerhöhung zu gewähren. Die Reichs- a rbeiter haben einen gleichen Antrag an das Finanzministerium gestellt. Da auch die Eisenbahner eine zwifchentarifliche Regelung ver­langen, ist also eine Lohnbewegung in sämtlichen Reichsbetrieben einge- leitet worden.

Um die Todesstrafe.

Berlin, 1. «Sept. (Wolff.) Zu den bevor- stehenden Beratungen über den neu en Straf- gesetzentwurf richtete, wie dieD. Z." mit* teilt, eine Reihe namhafter Juristen eine Ein­gabe an den Reichstag, in der die Ab­schaffung der Todesstrafe angeregt und begründet wird. Die Beibehaltung der Todesstrafe, heißt es, widerspreche schroff dem Geiste des Gesetzwerkes und ge­fährde auf das schwerste das Zustandekommen der mit Oesterreich vorbereiteten Rechtsgemein­schaft beider Druderländer. Als weitere Begrün­dung wird angeführt, daß die Todesstrafe ihren Zweck der Abschreckung niemals erfüllte, daß sich das allgemeine Rechtsgefühl immer entschiedener von ihr abwende, daß ferner die Gesellschaft zu ihrem «Schutze dieses Strafmittel keineswegs be­dürfe und endlich, daß die beste Rechtspflege Iustizirrtümer nicht auszuschließen vermöge.

Unter der Eingabe stehen u. a. folgende Unter­schriften: Prof. James Goldschmidt, Berlin; Liep- mann, Hamburg; Albr. Mendelssohn-Bartholdy; Mittenmeier, Gießen; Eberhard Schmidt, Kiel; Stier-Somlo, Köln; ferner der Präsident deS Strafvollzugsamts Finkelnburg, Berlin; Se­natspräsident Freymuth, Berlin.

WSR. Darmstadt, 1. Sept. DieAbge- ordneten Kaul und Gen. (Soz.) haben im Hessischen Landtag folgenden Antrag ein­gebracht:Die kürzlich in Boston erfolgte Hin­richtung der Italiener Sacco und Vanzetti hat die Frage der Todesstrafe wiederum in das Licht des Weltgewissens und des Verant­wortungsbewußtseins aller Kulturvölker der Erde gerückt. Im Deutschen Reiche steht die Bera­tung eines neuen Strafgesetzbuches be­vor, in dem die Todesstrafe beibehalten worden ist. Wir beantragen daher, die hessische Regierung aufzusordern: 1. Im Reichsrat gegen die Wiederaufnahme der Todesstrafe in das neue Strafgesetzbuch zu stimmen; 2. bis das erfolgt ist, oder falls die Todesstrafe aufrecht­erhalten bleiben sollte, grundsätzlich und in jedem einzelnen Falle die zur Vollstreckung erforder­liche Zustimmung der von hessischen Gerichten erkannten Todesstrafen zu versagen."

Die Wiener Juli-Unruhen.

Wien, 1. Sept. (WB.) Am 3. September beginnen vor zwei Schösfensenaten die ersten Verhandlungen gegen die sogenannten

Iuli-Derh a f t e t e n. Von den 205 Demon­stranten, die wegen der Iuliunruhen dem Lan­desgericht eingeliefert worden sind, befinden sich noch 65 in älntersuchungshaft.

Frankreichs Militär darf verhaften.

Paris, 1. Sept. (WB.) In der letzten Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß Mili­tärpersonen, besonders solche höherer Char­gen, öffentlich insultiert worden sind. Kriegsminister P a i n l e v e hat nunmehr Offi­ziere, Unteroffiziere und Manschafien angewiesen, derartige Personen sofort fest nehmen zu lassen oder nötigenfalls selbst zur Verhaf­tung zu schreiten.

Die spanische Nationawersamml üng.

Madrid, 1. Sept. (WTB.) Die Blätter ver­öffentlichen Einzelheiten über die Nationalver­sammlung. Diese wird einen beratenden und informatorischen Charakter haben, ohne daß ihr jedoch die Möglichkeit einer Initiative ge­nommen wird. Die Versammlung wird sich haupt­sächlich mit Vorarbeiten zu einer neuen Ver- sassung und anderen politischen Refor­men, sowie mit dem allgemeinen Staatshaushalt zu befassen haben. Zwanzig Kommissionen werden Bericht erstatten über innerpolitische und wirtschaft­liche Fragen. Die Versammlung, deren Mitglieder durch eine königliche Verordnung, d. h. direkt von der Regierung ernannt werden, wird bestehen aus einem Präsidenten, zwei Vizepräsiden­ten, vier Sekretären und 360 Mitgliedern, darunter Vertreter der Universitäten, der Armee, der Geist­lichkeit, der Handelskammern, der Berwaltungs- kreise und der Union Patriotica. Eine Reihe von Sitzen wird reserviert für Persönlichkeiten, die die Regierung für besonders geeignet hält, um in der Nationalversammlung tätig zu sein, und für mini­sterielle Sachverständige.

Paris, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung desMalin" aus San Sebastian wird der Entwurf des Dekrets zur (Einberufung der Nationalversammlung dem König am 5. Sept:, ber vorgelegt werden. Die Eröff­nungssitzung werde am 10. Oktober statt­finden.

Chile und der Kommunismus.

Paris, 1. Septbr. (Wolff.) Die Blätter geben folgende Depesche aus Reu York wieder: Aus Santiago de Chile wird berichtet, der Prä­sident der Republik, Ibanez, habe im Lause eines Interviews erklärt, Chile habe das Pro­blem des Kommunismus dadurch gelöst, daß es alle Kommunisten nach der Robinsvn- Crusoe-Insel geschickt habe, wo sie zögerten, ihre Theorie in die Praxis umzusetzen. Vor sechs Monaten habe man eine Gruppe von Kommu­nisten auS Juan Fernande dorthin geschickt und fie mit allem versehen, was sie zur Ausführung und Verwirklichung ihrer Ideen brauchten. Jetzt seien kaum sechs Monate verstrichen, und die Leute hätten gebeten, sienachdem Fe st lande zurückzutransportieren. Dieser Rück­transport werde am 18. September, dem Tage des Rationalfestes, erfolgen. Die Erfahrung von sechs Monaten hätte genügt, um diese Leute zu überzeugen, daß es doch besser wäre, unter einer organisierten Verwaltung zu leben.

2lus <xner Welt.

Die große deutsche Funkauöstclluug.

Die diesjährige große deutsche Funkausstel­lung, die heute in Berlin eröffnet wird, ist um* fangreicher als alle vorhergeyen.: en. Auf 6000 Quadratmeter Raum zeigen 3CKX) Aussteller ihre Erzeugnisse, die Zeugnis ablegen für eine wert­volle konstruktive Durchbildung und Fortent­wicklung des Funkgerätes. Von besonnterem Inter­esse sind die Ausstellungsräume der Reichspost, die die Funkübertragung praktisch vorführen. Die Ausstellungsleitung hatte Versuche arrangiert, bei denen die Verbindung mit einem Flugzeug der Deutschen Lufthansa hergestellt wurde, das in der Rühe deS Hauses der Funkindustrie kreuzte. Die 'Verständigung war ausgezeichnet.

Huldigungsflug zum Rcichspräsidenlen.

Zehn Flugzeuge der Derkehrsfliegerschule München, beseht mit deren Schülern, waren am gestrigen Donnerstagvormittag in Schleißhe.m zu einem Flug nach Dietramszell gestartet. Heber dem Schloß in Dietramszell, wo der Reichspräsident Wohnung genommen hat, warfen sie für ihn eine Huldigungsadresse ab und kehr­ten hierauf in geschlossenem Zuge wieder nach Schleißheim zurück.

Vergwerksunglück im westfälischen Revier.

Auf dem Schacht Grimberg in Kamen gingen gestern mittag auf der dritten Sohle Gesteinsmassen nieder. Dabei wurden vier Arbeiter verschüttet. (Einer von ihnen erlitt leichte Verletzungen; die an­deren drei wurden schwer verletzt, so daß sie in das Dortmunder Brüderkrankenhaus gebracht wer­den mußten.

Der Grohbetrüger üauffmann.

Vor einigen Taaen wurde aus Berlin über die merkwürdigen Zustände berichtet, die eine Un­tersuchung der Geschäftsräume der Schokoladen- fabrilunten Stauf f mann zutage gefördert habe. Inzwischen ist gegen Kauffrnann, der bereits festge- nommen wurde, ein Haftbefehl wegen Konkursoer. brechen und 2ütenbefeitigung ergangen, da Kaufs- mann die Akten von Zivilpersonen, an denen er interessiert war, beseitigt hat. Außerdem. Hot Kaufs- mann, als er wegen einer Mietschuld verklagt wor­den war, einen Gerichtsbeschluß gefälscht, nachdem das Verfahren eingestellt sein sollte. Weitere Ver­fehlungen ähnlicher Art sind festgestellt. Die Haus­suchung bei Kauffrnann hat übrigens olle möglichen gerichtlichen und sonstigen amtlichen Formulare zu­tage gefördert. Nach dem großen Brande in den Fabrikräumen Stauffmanns weigerte sich die Ver­sicherungsgesellschaft, die verlangte Entschädigung zu zahlen, weil die Entstehungsursache des Brandes verdächtig war. Es kam zu einem Zioilprozeß der Versicherungsgesellschaft gegen Kauffrnann. (Ein Teil der auf diesen Prozeß bezüglichen Akten ist verschwunden. Man vermutet, daß Kauffrnann diese und andere Prozeßakten beiseite gebracht hat.

38 Wehlkulscher festgenommen.

In Berlin wurden geftem ziemlich gleich­zeitig 38 Mehllutschcr festgenommen, weil sie aus den ihnen zum Abfahren übergebenen Säcken gewohnheitsgemäh mehrere Pfund Mehl Heraus­nahmen. Einer der Haupthehler, an den die gestohlene Ware verkauft wurde, ein Kaufmann, der zwei Geschäfte in Berlin betrieb, erlitt auf die Rachricht von der Verhaftung hin einen Schlaganfall.

3n eine ftinberfdjar mit dem Auto hineingefahren.

In Schwiebus fuhr gestern abend ein unbesetz­tes Auto aus Schlesien in eine Kinderschar. Zwei Kinder gerieten unter das Auto. Als das Publikum den Fahrer aus dem Wagen herauszog, um ihn der Polizei zu übergeben, überfuhr das führerlose Auto von neuem eine Anzahl Kinder. Dabei wurden vierzehn Kinder verletzt. Vier der Verletzten schwe­ben in Lebensgefahr.

Dreißig Personen an Fleischvergiftung erkrankt.

In Brieg in Schlesien erkrankten etwa dreißig Personen unter schweren Vergifiungserscheinungen nach dem Genuß von Fleisch- und Wurstwaren, die eine oberschlesifche Hausiererin verkauft hatte. Reun Personen wurden in bedenklichem Zu­stande in das Krankenhaus gebracht.

Grubenunglück bei Lharleroi.

In einer Kohlengrube der Zeche Fontaine le Väque bei Eharleroi wurden gestern infolge einer Explosion 4 Arbeiter unter den abstürzenden Kohlenmassen begraben. Einer der Verunglückten konnte gerettet werden, während die drei übrigen als Leichen geborgen wurden.

Folgenschwerer Autozusammenstoh.

Gestern früh stieß in dar Rähe von Brünnl auf einer Brücke ein Autobus mit einem Qa-fb- auto zusammen. Das Lastauto stürzte etwa drei Meter tief in einen Bach Von den 19 Reisendont erlitten sieben Personen schwere Verletzungen. Die übrigen 12 Reisenden wurden leicht verletzt.

Sechs Telefonarbeiter durch Starkstrom getötet

Aus Timblin (Pennsylvanien) wind gemeldet: Sechs Telefonarbeiter wurden durch Berührung einer Hochspannungsleitiung auf der Stelle getötet

Die Wetterlage.

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^Lttcruorauosage.

Im Bereich der Hoch: ruckwett erläge war in Mitteleuropa seit letzten Sonntag aufheiterndes, sommerliches Wetter vorherrschend. Ganz Deutsch­land ist seit letzten Sonntag frei von Rieder­schlägen. Die Temperaturen erreichten in den gestrigen Mittagsstunden stellenweise Werte von über 30 Grad Celsius. Das skandinavische Hochdruckgebiet verlagert sich ostwärts weiter. Roch im Bereich hohen Druckes bleibt das som­merliche Wetter mit vereinzelter Gewitterneigung fortbestehen.

Meist heiter, warm und trocken, lokale Ge­witterneigung.

Witterungsaussichten für Sonntag: Fort­dauer des herrschenden Wittecungscharalters.

Lufttemperaturen: 1. September, vormittags 25 Grad Celsius, nachmittags 17,3 Grad Celsius, 2. September, vormittags 11,8 Grad Celsius Erd- lcmperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: 1. September 23,6 Grad Celsius, 2. September 15,7 Grad Celsius. Maximum: 25,1 Grad Celsius, Minimum 10 Grad * Celsius. Sonnenscheindauer 9% Stunden.