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leisten, sondern habe erklärt, angesichts der man­gelnden Gewißheit über die wirtschaftliche Entwicklung im alla-nneinen lehne er es ab, ir­gendwelche Prophezeiungen bezüg­lich der Zukunst einer derartig riesigen Finanz­operation zu machen.

Amerika und die Pariser Verträge.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 2.Aug. In Amerika haben seit den Friedensschlüssen die Stimmungen einander abgelost. Zunächst eine große Begeisterung für die Rolle des Friedensstifters, dann eine bittere Enttäuschung über die äleberrumpe- lung Wilsons durch seine drei europäischen Mit­arbeiter, dann eine lange Welle der bewußten Selbstisolierung, schließlich eine neue Reigung zur Mithilfe am finanziellen Wiederaufbau Europas. Die jüngste Phase in dieser Entwicklung, die zum großen Teil frei­lich durch die immer sichtbarer werdenden eige­nen wirtschaftlichen Rotwendigkeiten der Ber­einigten Staaten bedingt wird, die nicht wissen, wie sie ihren Goldfluh fruktifizieren und ihren Farmern genügenden Absatz verschaffen sollen, greift da wieder ein, wo 1919 abgebrochen wurde: in der politischen Mitarbeit an der Regelung europäischer Fragen.

Es zeigen sich manche Symptome für diese Reuorientierung, wenn sie auch erst in Ansätzen erkennbar ist. Schon die Tatsache, daß die S e e- abrüstungskonferenz mit Einwilligung Washingtons nach Gens verlegt wurde,_ spricht dafür. Weitere Kennzeichen sind Deröffentli- chungen der jüngsten Zeit, die von maßgebender amerikanischer Seite stammen, ganz abgesehen von dem besonders starken wissenschaftlichen In­teresse Amerikas an der Klärung der Kriegs- s ch u l d f r a g e. Unter den erwähnten Veröffent­lichungen ragt das Buch Frank H. Simonds, eines der ersten amerikanischen Journalisten, über die Tagikomödie von Versailles hervor: ihm stellt sich zur Seite ein Vorschlag des amerikanischen Botschafters in London, Houghton, im jüng­sten Heft derEuropäischen Gespräche", der die Entscheiidung über Krieg und Frieden vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes untersucht und abseits von den Kabinetten und Regierungen künftighin in die Hand der Völker s e l b st gelegt sehen will.

Das Buch Simonds ist eine historische Studie großen Stils. Es beginnt mit dem Gegensatz zwischen Wiener Kongreß und Pariser Friedens­verträgen von 1815 «einerseits und der Frie­denskonferenz von Versailles von 1919 an­dererseits. «Ls stellt tmit einem verhängnisvollen Erfolg für das «geschichtliche Urteil über Wilson, Lloyd George und 'Elenrenceau die Arbeit der Gastlereagh, Metternich und Taillerand in Gegensatz und vergleicht die Unwissenheit der einen mit der hohen Bildung der anderen. Es schont den eigenen Präsidenten, Wilson, ohne indes die Schwierigkeiten zu übersehen, die durch seine andersartige «Stellung gegenüber den euro­päischen Ministerpräsidenten hervorgerufen wor­ben waren, und es findet als einen Angel- punst für Wilsons Versagen, die Unange­messenheil der französischen For­derungen nach einer Sicherheitsgaran­tie durch die Vereinigten «Staaten. Bei Lloyd George sieht er den Einfluß Rorthcliffs alS ein Verhängnis an unb Clg menceau tut er ziemlich schroff ab. Die Hauptursachs für daS Scheitern der Pariser Friedensverträge erblickt er freilich in den phantastischen Forderungen an die Bes legten und er scheut sich nicht, von einem feigen Versuch zu sprechen, den Besiegten zum Geständnis einer Blutschuld zu bringen und ihn als Paria zu isolieren. Zum «Schluß weist er nach, wie die Mitspieler der Tragikomödie von Versailles jeder einzelne seinen Preis zahlen mußte. Er warnt Amerika davor, eine wirtschaftliche Einheits- front in Europa gegen sich selbst unbeachtet zu lassen, die im Entstehen sei, die Streichung der interalliierten «Schulden hält er in der ge­gebenen Lage für die beste Politik.

Der Anschluß.

Auslassungen

des Reichstagspräsidenten Löbe.

Berlin, 1. August. (WD.) 3n der Zeit­schriftOesterreich-Deutschland. Heim ins Reichl" verbreitet sich Reichstagspräsident Löbe unter der HeberschriftDas Ziel ists, nicht der W e g" über den Anschlußgedanken u. a. wie folgt: Weder hüben und drüben farm und darf der An­schluß an irgendeine innerpolitische Vor­bedingung geknüpft werden. Gewiß, wir sind in vielen Dingen auseinander gewachsen durch die Trennung, die der Entwicklung verschiedene Dah­nen wies, aber wir werden zusammenwach­sen, wenn ein einheitliches staatliches Gebilde uns umschließt mehr noch: wir werden uns be­fruchten und als Gesamtheit uns auch politisch reicher gestalten. Auf welchem Wege der An­schluß eines Tages zur Tat wird, darüber mag jeder seinen eigenen Gedanken und Hoffnungen nachhängen. Vielleicht behält am Ende keiner recht, denn viele Eventualitäten sind möglich und manche treten ein, an die zuvor keiner gedacht hat. Aber bereit zu sein, ihn jeden Tag zu voll­ziehen, keinen Weg auszuschlagen, der zum Ziele führen kann, alles zu tun, was den Tag der Er­füllung vorbereitet, die Grenzmauern zu unter» wüh^n solange sie nicht gestürzt werden können, dre Einheit des deutschen Volkes trotz seiner ge­waltsam aufrecht erhaltenen Zweiteilung zu be­tonen und zu betätigen das ist die Aufgabe der Anschlußfreunde, in welchem politischen Lager sie auch sonst immer stehen mögen.

Italiens Außenpolitik.

Mussolini zu den Wiener Vorgängen

Rom 1. Aug. (WTB.) Im Ministerrat führte Mussolini aus: Die Beilegung des jugosla- ivisch-aibamschen Zwischenfalles durch Vermittlung der vier Großmächte Westeuropas hat gezeigt, daß, sobald diese Mächte in bezug auf eine bestimmte Frage einen gemeinsamen Standpunkt einnehmen der europäische Friede durch nichts erschüttert wer­den kann. Die Wiener Vorgänge haben von neuem die Frage der Lebensfähigkeit Oesterreichs als unabhängiger Staat zur Diskussion gebrach«. Man hat dabei die alten Thesen zugunsten der Schaffung einer Sonaufonföberatiop bzw. für den Anschluß an Deutschland ausge- graben. Es tft augenfällig, daß feine dieser Thesen mit den Friedensverträgen vereinbar ist, I

und vor allem ist es klar, daß der Anschluß Oesterreichs an Deutschland die durch den Versailler Vertrag und den Vertrag von St. Germain ge­schaffene politisä)e Karte Europas von Grund auf ändern würde. Italien ändert seine Haltung nicht. Die Gerüchte, die anläßlich der Wiener Vor­gänge über die Haltung Italiens aufkamen, waren widersinnig und tendenziös. Die faszistische Regie­rung hat niemals daran gedacht, in die innere An­gelegenheit Oesterreichs einzugreifen, und der ttalie- nische Gesandte in Wien hat keinerlei Schritte in diesem Zusammenhang unternommen. Auch ist feine Truppenzusammenziehung an der österreichischen Grenze erfolgt. Im weiteren Verlauf seiner Darlegungen unterstrich Mussolini die politische und moralische Bedeutung des unlängst erfolgten Besuchs der nemenizischen Abordnung und des bevorstehenden Besuchs des Königs von Aegyp­ten in Rom, welch letzterer zur Stärkung der zahl­reichen geistigen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Aegypten bestimmt sei.

Zwischenfälle

an Der italienischen Grenze.

Genf, 2. August. (TU.) Von verschiedenen Punkten der schweizerischen Südgrenze werden Zwischenfälle mit Italienischen Grenz, behörden gemeldet. So berichtet ein deutscher Tourist, er fei, trotzdem er sich noch auf schweizeri­schem Boden befunden habe, von einem italienischen Grenzwächter unter Drohungen daran gehindert worden, photographische Aufnahmen au machen. Von schweizerischer Seite ist eine amtliche Un­tersuchung einyeleitet worden. Fast alle Pässe zwischen dem kleinen St. Bernhard und dem Simplon sind für den Verkehr gesperrt.

Eine serbische Stimme für den Anschluß.

Wien, 1. Aug. (TU.) Wie dieReue Freie Presse" aus Belgrad meldet, hielt Jovan Iovano - wik, der 1912 serbischer Außenminister war, in Uesküb eine Rede, in der er erklärte, die südslawische Regierung müsse öffentlich dafür eintreten, daß der Anschluß Oesterreichs an Deutschland durchge- ü h r t werde. Auf diesem Prinzip habe sich Süd- lawien geeinigt, und dieses Prinzip müsse auch ü r Deutschland und Oesterreich ange­wendet werden.

viewiener Gemeindefchutzwache

Eme Anfrage der Botschafterkonferenz.

Wien, 1. Aug. (WTB.) Die Blätter be- richten über einen Schritt derGrvhmächte gegen die Aufstellung der Gemeindeschuhwache. DieReue Freie Presse" erfährt dazu folgendes: Tatsache ist, daß die Interalliierte Mili- tärkontrollkvmmissivn sich an das Bundeskanzleramt mit einer Anfrage über diese Wache gewendet hat und besonders die Frage beantwortet zu wissen wünscht, ob es sich bei der Aufstellung der Gemeindefchutzwache um eine vorübergehende oder eine dauernde Institution handelt. Bundeskanzler Dr. Seipel wird morgen hierüber eine Aussprache mit dem Bürgermeister von Wien, Seih, haben, und von dieser Aussprache bzw. von der Antwort, die der Bundeskanzler der MilitärkontrollkommisfiDn geben wird, wird es abhängen, ob und welche Schritte auf Grund des 8 128 des Friedensver­trages von «5t Germain seitens der Kommission bzw. ihrer vorgesetzten Pariser Instanzen unter­nommen werden.

polens Entbeutschungspolitik.

Neue Enteignungen kirchlichen Besitzes.

Danzig, 1. Aug. (TU.) Rach der Ent­eignung des evangelischen Knabenalumnats in Posen, des evangelischen Waisenhauses in Mar­schallen, zahlreicher Diakonissenstationen sowie vieler anderer Wohlfahrtsanstalten hat nunmehr das Posener Liquidationskomitee auch die Li­quidation des Bandsburger Diako­nissenhauses beschlossen. Die Liquidation ist schon deshalb ungesetzlich, weil von acht Mitgliedern des Vorstandes sechs die pol­nische Staatsangehörigkeit besitzen. Außerdem unterliegen nur private Güter der Liquidation, während kirchliche Anstalten unter dem besonderen Schutz der polnischen Ver­fassung stehen. Das Dandsburger Diakonissen­haus ist eine kirchliche Gemeinde mit öffentlich-rechtlichem Charakter, der jede Liquidation unmöglich macht. Das Vands- burger Diakonissenhaus ist ein Mutterhaus mit 271 Schwestern, die eine erfolgreiche und segens­reiche Tätigkeit im evangelischen Gemeinwesen, an Kindern, in der Jugendarbeit und an Alters­heimen ausüben. Die überaus loyale Haltung des Diakonissenhauses gegenüber dem polnischen Staate ist bekannt. Das hat aber den chauvi­nistischen Dziennik Bhdgoski nicht ge­hindert, in hetzerischer Weise die Bandsburger Anstalten als Stütze des Germanismus und Hixh- burg des Protestantismus zu bezeichnen und deren Liquidation zu fordern. Die unierte evan­gelische Kirche in Polen kann natürlich nicht zu- sehen, wie ihr eine Anstalt nach der an­deren genommen wird. Deshalb ist gegen die Liquidation nicht nur Einspruch bÄm Liquidationsrat in Posen, sondern auch beim Ober st en Verwaltungsgericht in Posen erhoben worden.

Carols Ansprüche.

Die Rücknahme des Thronverzichts.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 2. Aug. Die Erklärung des Prinzen C a r o l in der Pariser Presse hat, wie zu erwarten war, größtes Aufsehen in den Pariser politischen Kreiien hervorgerufen. Daß die französische Presse sich fast einhellig gegen Carol ausspricht^ist nicht zu verwundern, denn der Gegenspieler Carols ist Bratianu, in dessen Person man in Paris die sicherste Garantie für das rumänisch-französische Freundschaftsverhältnis sieht. Wie weit die Erklä­rung Carols praktische Bedeutung hat, ist vorläufig noch nicht abzusehen. Gegenwärtig handelt es sich nur um eine rein platonische Aeußerung, denn Bratianu hält in Rumänien das Heft fest in Händen. Andererseits ist aber die Erklärung Carols ein Beweis dafür, daß er mit einer genügend star­ten Opposition gegen Bratianu rechnet, um seine Pläne der Rückgewinnung der verlorengegan- genen Rechte zu verwirklichen. Jedenfalls wird die Opposition den Ruf Carols als ein Signal hin- nehmen, sich zur Beseitigung der Herrsck-aft Königin Marias und Bratianus um Carol zuv scharen. Wann die Pläne Carols zur Tat reifen werden, und ob

dieser dann Erfolg haben wird, ist eine Frage der Zukunft. Leicht wird ihm der Erfolg nicht gemacht werden. Vom deutschen Standpunkt aus, der in dieser Frage durch keinerlei Interessen bestimmt ist, kann nur gehofft werden, daß Rumänien, mit dem die Wirtschaftsbeziehungen allmählich wieder in Gang kommen wollen, vor schweren inneren Er­schütterungen bewahrt bleibt.

Die Neuregelung der chinesischen Zölle.

Schanghai, 1. Aug. (Agentur Indo Pacific.) Die Ranking-Regierung hat am 30. Juli eine Proklamation veröffentlicht, die die Sikin-Zölle aufhebt. Alle chinesischen. Steuern werden innerhalb der Freihafen sowie in dem Umkreis von 20 Lis außerhalb dieser Häfen aufgehoben. Alle Transit abgaben werden aufgehoben, ebenso die Abgaben für Yen Verkehr zwischen den ckstnesischen Hafenstädten untereinander. Zum Ausgleich fordert die natio­nalistische Regierung vollkommene Z v l l a u t o- nvmie in China und will provisorisch vom 1. September ab über die bprozentige gegen­wärtige Steuer hinaus erheben: 1. eine 7,5pro- zentige Abgabe für gewöhnliche Waren, 2. eine löprvzentige Zusahabgabe für Luxuswaren, und 3. eine weitere 57,5prozentige Abgabe für Alko­hol und Getränke.

Aus aller Welt.

Vorbereitungen für den deutschen Ozeanflug.

Roch in diesem Monat werden aller Vor­aussicht nach die verschiedenen deutschen Ozean- venehrsprojekte zur Wirklichkeit werden. Der «Start über den Atlantik durch deutsche Flieger in einem deutschen Flugzeug soll im August vor sich gehen. Fieberhafte Vorbereitungen zu dem Verkehrsflug werden zur Zeit von allen Beteiligten getroffen. Bei Junkers herrscht Hochbetrieb. K ö n n e ck e prüft zur Zeit feine Funkstation aus, mit der er auch vom Ozean aus telephonieren kann. Die von Tele- funken fertiggestellte Sende- und Empfangs­station, die eine Leistung von 70 Watt besitzt, wurde an die Caspar-Werke in Travemünde, die bekanntlich das Flugzeug erbauen, geschickt. Es handelt sich um eine der üblichen Flug- zeugstativnen, die jedoch für den speziellen Ozeans lug Abänderungen erfahren hat. 2lls Stromquelle dient ein kleiner leichter Doppelgenerator, der von einem Propeller an­getrieben wird. Der Sender ist ein Röhren­sender mit einem Wellenbereich von 3001300 Metern, seine Hauptteile sind der Steuersender, der Leistungsverstärker und der Modulator. Durch den Modulator ist außer der Telephonie auch tönendes Senden möglich. Die Bedienung des Senders ist außerordentlich einfach. Die Reich­weiten der Station betragen etwa 600 Kilometer. Könnecke wird sich über den Ozean vermutlich mit Hen in Reichweite befindlichen «Schiffen telephonisch verständigen, da Telephonieren wesentlich einfacher und praktischer als Morsen ist. Reben diesen Vorbereitungen des Piloten Könnecke hat jetzt auch die Stadt Kottbus den Plan gefaßt, einen O&eanftug zu versuchen und diesbezügliche Verhandlungen mit den Iunkerswerken bereits eingeleitet. Kottbus beabsichtigt mit dem Fluge einen Gegenbesuch an Chamberlin. Die Durchführung dieses Projettes, zu dem allerdings noch die Beschlußfassung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung notwendig ist, ist noch in diesem Sommer beabsichtigt.

Schwere Unfälle auf Rummelplätzen.

Auf einem Rummelplatz in R e u k ö l l n stürzte aus der Schaukel eines im Bettieb be- findlichen fliegenden Karussels infolge Zer­reißens einer Hängekette ein Arbeiter auf den Erdboden, wurde aber nur leicht verletzt. Durch die eiserne Kette, die durch die Luft ge­schleudert wurde, wurden sechs Zuschauer ver­letzt. Auf einem Rummelplatz in Weimar wurde ein junger Mann von dem Sitzeines Kettenkarufsels her abgesch le udert. Er ftel auf ein Kind, dem die Wirbelsäule gebrochen wurde. Es starb kurze Zeit darauf im Krankenhaus. Der junge Mann erlitt nur eine leichte Gehirnerschütterung.

Schweres Segelbootunglück an der englischen Küste.

In den englischen «Seebädern haben sich am «Sonntag, der durch besonders schönes Wetter aus­gezeichnet war, zahlreiche Unfälle ereignet Der schwerste Unfall ereignete sich bei Borne­mo u t h. Dort hatten die vier Kinde r eines englischen Majors eine «Segelbootfahrt unternom­men. Infolge widrigen Windes kenterte das Boot. Ein vorüber fahrendes Boot bemerkte auf dem gekenterten Boot ein Mädchen, das sich mit letzter Kraft festklammerte. Das Mädchen wurde gerettet. Es erllärte, nach dem Kentern das Bootes hätte man beschlossen, daß die älteste Schwester ans Land schwimmen sollte, um Rettung zu holen. Anscheinend haben die Kräfte das Mädchen verlassen und es ist ertrunken. In der Zwischenzeit erlitt auch der elfjährige Bruder einen Schwächeanfall, ging unter und ertrank. Bei dem Versuch des ältesten Bruders, eines Deekadetten, den elfjährigen Kna­ben zu retten, ertrank auch er.

Schweres Bootsunglück auf der Unterelbe.

Auf der Elbe bei Brunsbüttelkoog, unmittelbar vor der Kanaleinfahrt wurde ein mit drei Herren und zwei Damen besetztes Segelboot von einer Ge­witterbö erfaßt. Das Boot kenterte. Vier In­sassen wurden gerettet, eine Dame ertrank. Die Letche wurde geborgen.

Reue schwere Autounfälle im Gebirge.

Ein von Au nach Berchtesgaden fahrendes Lastautomobil stürzte kurz vor Berchtesgaden an der Abzweigung der Straße zum Bergwerk in die 21 ch. Der Eigentümer des Wagens, Sägewerks- besitzer Schörghofer aus Au, fein Chauffeur und der Landwirtssohn Moldau fanden hierbei den Tod durch E r t r i y k e n. Die Bergungsarbeiten gestal­teten sich sehr schwierig. In der großen Kurve am Zirlerberg bei Innsbruck geriet ein von München kommendes Auw, das mit drei Herren und vier Damen besetzt war, infolge Versagens der Bremse ins Schleudern, fuhr gegen einen Fel - f e n und stürzte um. Die Gattin des Autolenkers, Frau Gertrud Frohmann aus München, wurde getötet; die übrigen sechs Personen wurden ver­letzt. Das Auto wurde fast vollkommen gertümmert.

Tod in den Bergen.

Am 28. Juli unternahmen die Kurgäste in Gasbsin, Fabrikbesitzer Otto Mertens aus Lüneburg, seine Tochter Dr. Ilse Mertens

I aus Göttingen und Frau T r ü n g e r aus S3üne* bürg mit mangelhafter Ausrüstung und ohne Führer eine Tour auf den Zitterauer Tisch (2462 Meter). Rachmitiags trat dann starker Rebel ein, der jede Orien- tterung verhinderte. Die beiden Frauen Eonnten den vorausgehenden Mertens nicht mehr finden und mußten bei ftarfan Regen die Rächt in einem Latschengraben verbringen. Am folgenden Tage war wieder klares Wetter unb Frau Trünger holte aus dem Tal eine Hilfsexpeditton, die das ganz erschöpfte Fräw- lein Mertens barg. Der Fabrikbesitzer wurde erst am späten Abend am Fuße einer Felswand tot au f gefunden. Die Ber­gung der Leiche gestaltete sich äußerst schwierig.

Ausflügler unter den Rädern eines Zuges.

Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Bahnhof von Wilanow, einem Warschauer B o r o r t. In dem Augenblick, als der Zug in die Station einlief, begann die dichtgedrängte Aus- flüglermenge zu schieben, wobei zwei Mädchen im Alter von zwanzig Jahren unter b i e Räder de s Zuges gerieten. Obr ft der Zug sofort zum Halten gebracht wurde, konnte eines der Mädchen nur noch als Leiche geborgen werden, während das andere schwer verletzt ins Krankenhaus überführt wurde.

Ein französischer Gendarm vom Zuge erfaßt und getötet.

Im Bahnhof Frankenthal wurde ein französischer Gendarm, der, anstatt die Bahnsteig­unterführung zu benutzen, unmittelbar hinter dem abfahrenden Schnellzug 104dasGeleisüber> schreiten wollte, von dem einfahrenden Per­sonenzug 521 überfahren und auf der Stelle ge­tötet.

Grubenunglück bei Glasgow.

In einem Bergwerk in der Rähe von Glas­gow wurden zehn Bergleute infolge einer Grubencxplosivn von der Außenwelt abge­schlossen. Man glaubt jedoch, daß alle zehn noch am Leben sind.

Der Besuoausbruch.

Die neue Tätigkeit des Vesuvs hat noch nicht aufgehört. Große Lavamassen wälzen sich weiter in westlicher Richtung ins Tal und bedrohen die Zahnradbahn. Glühende Asche ist bis in die Nähe des Observatoriums gefallen. Mehrere am Fuß des Vesuvs liegende Dörfer wurden geräumt.

Den Oerefund durchschwommen.

Der 17jährigen Edith Ienssen aus Kolding gelang es, als erste den Oeresund zu durch­schwimmen. «Sie startete früh 6.30 Uhr von Barse- bäck zwischen Landskrona und Malmö und traf abends 7.20 Uhr m Klampenborg bei Kopen­hagen ein.

Ein Schlageter-Denkmal in Elberfeld.

Auf den südlichen Höhen der Stadt wurde ein Schlageter-Denkmal enthüllt. Auf einem großen Steinblock ist eine Vronceplakette angebracht, die die letzten Worte Schlageters enthält:Es lebe Deutschland!" und die außerdem mit einem der Sonne entgegenfliegenden Adler als Symbol des Wiederaufstiegs Deutschlands geschmückt ist.

Reun Tage nach der Hochzeit vom Gatten ermordet.

Der Mordkommission des Berliner Polizei­präsidiums ist es im Verein mit der Innsbrucker Kriminalpolizei gelungen, ein schweres Ver­brechen aufzuklären. Am 9. Januar d. I. lernte die 18jährige Tochter Ottilie des Kaufmanns S t ö h r aus Innsbruck auf einer Eisenbahnfahrt den 25 Jahre alten angeblichen Arzt Dr. Eduard Ragele kennen. Das Pacir verlobte sich am 25. Januar und heiratete bann am 10. Mai. Am Hochzeitstage wurde die M i t g i f t der Frcm in Höhe von 61000 tschechischen Kronen und 18 000 Schweizer Franken dem Ragele über­schrieben. Die Hochzeitsreise ging zunächst nach Marienbad. Dort erkrankte die junge Frau plötzlich und starb am 19. Mai, also neun Tage nach der Hochzeit. Den Totenschein stellte Ragele als angeblicher Arzt s e l b st aus. und zwar war Herzschwäche als Todesursache an­gegeben. Die Behörden nahmen keinen Anstand und ließen die Beerdigung zu. Erst nachträglich kamen den Eltern Bedenken. Sie wandten sich an die Innsbrucker Kriminalpolizei, die sich mit dem Berliner Pollzeipräsidium in Verbindung setzte. Beide Behörden konnten bald seststellen, daß Ragele nicht Arzt ist und auch den Doktor- titel unberechtigterweise führt. Die Untersuchung der Leiche ergab, daß der Tod durch Algo- pansprihen verursacht worden war. An­fänglich leugnete der lleberführte, mußte aber die Tat schließlich einräumen. Eine Haussuchung in der Wohnung des Verbrechers förderte eine umfangreiche Korrespondenz zutage, die Ragele mit einem Berliner Heiratsvermitt­lung sbu r eau und mit heiratslustigen Mäd­chen und Witwen geführt hat. Aus verschiedenen Briefen geht hervor, daß Ragele schon wie­der Verbindungen anknüpfte, um sich wahr­scheinlich durch ein neues Verbrechen in den Besitz einer Mttgift zu sehen.

Reue Unterschlagungen beim Berliner Bezirksamt Kreuzberg.

Umfangreichen Unterschlagungen ist man in diesen Tagen erneut bei dem Bezirksamt Kreuz­berg auf die Spur gekommen. Der dort beschäf­tigte Kommissionsvorsteher Hähne! und sein Kol­lege Hensell haben durch fortgesetzte Betrüge reien den Berliner Magistrat nach den bis­herigen Feststellungen um 10 0 00 Mark ge* schädigt. Gegenwärtig beschäftigt sich bi» «Staatsanwaltschaft mit der weiteren Untersuchung der Betrügereien. Es ist damit zu rechnen, daß die Summe der veruntreuten Beträge sich noch wesentlich erhöht. Zu wiederholten Malen wurde über Veruntreuungen ehrenamtlich be­schäftigter Beamten berichtet. Vor allem waren es Kommissionsvorsteher von Wohlfahrtsämtern, die in mehreren Fällen durch vvrgetäuschte Raub« Überfälle die begangenen Unterschlagungen amt­licher Gelder vertuschen wollten. Richt wqftger als zwölf Fälle beschäftigen gegenwärtig die Staatsanwaltschaft.

Wettervoraussage.

Zunächst wechselnd wolkig, dann Bewölkungs­abnahme, keine wesentliche Aenderung der Tempe­raturen, nur ganz vereinzelt leichte Schauerrcgen.

Gestrige Tagestemperaturen: 26,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 19,5 Grad Celsius. Nie­derschläge: 0,1 Millimeter. Gestrige Sonnenschein­dauer: 3,45 Stunden.

Witterungsaussichten für Donnerstag: Vielfach aufheiternd: Temperaturen ansteigend und meist trocken.

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