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Kr. 178 Erster Matt

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Gießener FamilienblStter Heimat im BUd

Die Scholle.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen

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Jahrgang Dienstag, 2. August 1927

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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Nioin »W°. vrvS und Verlag: vrShl'sche Univer«tüt5-V»ch- und Steindrnckere, «. Lange «n Sietzen. Schristlittmg UN» Seschästsft-lle: zchulftratzs 1.

Englands Kampf um die Weltherrschaft

und Klauenseuche

Frankreichs Mandat in Syrien

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nläßlich des Troß: ichastlichen Lande s- 1927.

genossen? Frankreich benutzt die Gelegenheit, die englischen Absichten aus Schritt und Tritt zu durchkreuzen. Auch Poincarß betreibt Er­presserpolitik. Die Erinnerung an alte Waffen­brüderschaft, die man vor einigen Tagen bei der Einweihung des Menin-Toves in Ppern mit großen Worten erneuert hat, kann über den tiefen innerlichen Gegensatz der beiden Länder nicht hinforttäuschen. Mussolini erscheint den Engländern ein zu unsicherer Kantonist. So bleibt txm der englischen Außenpolitik der altbewährte Grundsatz, man solle Bestehendes nicht anrühren, ehe die Rotwendigkeit es rricht dringend erfordert. Man muß so tun. als wäre alles in bester Ordnung mit dem Verhältnis zu Frankreich. John Bull wird sich eine zweite Friedensschalmei

sich nach London begeben hat, um an der Beerdi- gung seines Bruders teilzunehyien, mußte die Sit­zung auf Donnerstag verschoben werden. In der Laae scheint sich nichts geändert zu haben. Die aus Washington erhaltenen Instruktionen be-

Die Aeutzerungen Dr. Reinholds über den Dawesplan.

Veuhork, 1. August. (WB.) Die Associated Preß veröffentlicht eine Berichtigung zu dem von ihr gestern mitgeteilten Interview mit dem früheren deutschen Reichsfinanzminister Dr. 2tein* hold, da Reinhold teilweise falsch zitiert wurde. Dr. Reinhold habe nicht seinen Zweifel anSgedrückt, daß Deutschland im Stande sein werde, die Zahlungen nach dem Dawesplan zck

DasProtokoll" des Gemeinderats wird von den Berliner Blättern sehr kurz abgetan. Die D. A. Z." schreibt:Dieses Protokoll ist ein Schlagin die Lust. Der Bürgermeister hat in seinem Bericht vom 25. September 1914 selbst zugestanden, daß Verstümmelungen deutscher Soldaten in Orchies erfolgt sind, und die an­deren französischen und deutschen Zeugenaus­sagen, die in den veröffentlichten deutschen Doku­menten enthalten sind, kennzeichnen das obige Protokoll hinreichend als das, was es ist, als Unwahrheit!"

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Zenden für die Ändwirte Öranffurt q, W

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im! Oppenheim. I e r b e r g.

mit ^b'ldeten Ausschuß

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dem Kampfes um die Weltherrschaft, welche die Vereinigten Staaten den Engländern unter der Hand oder, wenn man will, am Pokertisch zu entreißen drohen.

Dor dem Abbruch in Genf.

Die Vorbereitung der Schlußsitzung.

Genf, 1. August. (Schweizerische Depeschenagen­tur.) Die Vollsitzung der Mnnekonferenz ist nun end­gültig auf Donnerstagnachmittag 3 Uhr angesetzt worden. Zunächst sollte die Sitzung auf Mittwoch anberaumt werden, aber da Admiral Iellicoe

flüssigung von Kohl« nach deutschem Muster in die Weg« zu leiten, nutzt für den Augenblick noch nichts. Was hier irtteressiert, ist lediglich die Tatsache, daß Äe russische Akttvn der eng­lischen Regierung an den Quertreibereien der amerikanischen Oelindustrie zu scheitern droht.

Das sind trübe Aussichten. Der Präsident der Standard Oil Company in Neujersey ist soeben in London angekommen. Er wird einem Trommelfeuer von guten Ratschlägen ausgesetzt werden. Der Prä­sident der Royal Dutch erklärte, daß der Verkauf russischen Oels den Interessen der Menschheit und der Handelsehrlichkeit widerspräche. Auch die Interessen der russischen Bauern hat er entdeckt, denen man das so dringend notwendige Petroleum raubte.

Was ist der Sinn dieser Ereignisse? England be­findet sich in einer außenpolitischen Krisis er ft er Ordnung. Schon lange, ehe der russische Konflikt zum offenen Ausbruch kam, war man sich in London nicht im Zweifel darüber, daß die Ver­einigten Staaten der eigentliche Gegner Eng­lands in China waren. Nun ist dieser Konflikt auch auf der anderen Seite des asiatischen Kontinents zum Ausbruch gekommen. Die Dollardiplomaten kennen keine Rücksicht. Englands asiatische Herrschaft und die Herrschaft zur See stehen auf dem Spiel.

Ratürlich wird es zu sehr wesentlichen Er­eignissen deswegen zur Zeit nicht kommen. Es ist ein Wetterleuchten am Horizont, vielleicht schon das Grollen entfernten Donners.

Was aber besitzt England an Bundes-

Bühn« zu verzeichnen. Unter General Weygandt sank Frankreichs Prestige vollends auf den Gefrier- punkt, und fehle Abrufung stand im Zeichen der Aufstandsbewegung, die General Sarrail und de Iouoenel nur unter größten Opfern meistern konnten. Alle Vorgänger Ponsots haben den großen Fehler begangen, dem syrischen Problem ausschließ- lich von der politischen Seite beikommen zu wollen, wo sie sich nur von wirtschaftlichen Interessen hätten leiten lasten dürfen. Statt die unter Mandat stehenden Bevölkerrrngen zur Mit­arbeit am Gemeinwohl und Gedeihen des Landes zusmnmenzufchließen, zerklüfteten sie bas Volk, das sich um gegenseitig befehdende Führer scharte. Ob es Ponsot gelingen wird, die von den früheren offi­ziellen Sendboten Frankreichs begangenen Fehler wieder gutzumachen, läßt sich jetzt noch nicht vor- aussehen. Jedenfalls gilt er im Quai d'Orsay als geschickter Diplomat und gewissenhafter Arbeiter, allerdings fiel die Wahl besonders auch deshalb auf ihn, weil nach dem launischen Rücktritt Henry de Iouoenels keiner der großen Generäle oder Poli­tiker, die als Oderkommiffare in Betracht gekommen wären, das syrische Abenteuer auf sich nehmen wollte. Soll die Proklamation aber nicht nur wie bisher ein papierenes Versprechen und ein leerer Wechsel auf die Zukunft sein, bann wird der jetzige Oberkommissar mit manchem Brauche seiner Vor­gänger, insbesondere militärischer Provenienz, bre­chen müssen. Frankreich selbst hat alles Interesse daran, den schlechten Eindruck vergessen zu machen, den seine syrische Mandatsführung bisher aus­gelöst hat.

Orchies leugnet.

Ein Protokoll des Gemeinderats zu den deutschen Tokumrntcn.

Paris, 1. Aug. (WTB.) Die offizielle Agen­tur H a d a s veröffentlicht einen Bericht aus Orchies, worin es heißt: Angesichts der von der großen deutschen Presse verbreiteten tendenziösen Berichte über die Umstände, unter denen 1914 die Zer­störung von Orchies erfolgte, hat der G e - meinderat der Stadt in der letzten Sitzung ein­stimmig ein Protokoll gebilligt, in dem die von Havas veroi^cntlichte Darstellung des Bür­germeisters vom 25. September 1914 voll b e - siätigt wird. Dieses Protokoll protestiert unter Bezugnahme auf bas letzte Kommunique bcs Wolffburaus über die Vorgänge in Orchies 1914 lebhaft gegen die Angaben, die zur Erklärung der Niederbrennung der Stabt Orchies gemacht werben. Die Versammlung, der mehrere Zeugen der Vor­gänge angehören, stellt fest, daß der deutsci-e Be­fehlshaber erst, nachdem es sicher war, daß Orchies von regulären französischen Trup­pen verteidigt wurde, am 27. September eine Proklamation anschlagen ließ, worin es heißt, daß Leichen deutscher Soldaten oerstüm- >n e 11 worden seien, eine Behauptung, die durch alle Zeugnisse und durch die von deutscher Seite während der Okkupation vorgenommenen Exhumie­rungen entschieden widerlegt ist.

Die Konkurrenz Amerikas.

Von unserem W. v. K.-Mitarbeiter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

London, 31. Juli 1927.

Zwischen Großbritannien und den Vereinig­ten Staaten ist ein recht lächerlicher Zustand eingerissen," bemerkt derDaily Expreß".Es ist blödsinnig, wenn man mit einem Amerikaner aus ^ben Mittelstaaten zusammen kommt und seine erste -Frage ist:Wie steht es um die Kreuzer?" llnö dabei," meint derDaily Expreß" brtter- böse,hat dieser Vankee wohl noch nie in seinem Leben einen Kreuzer gesehen."

Dies Heine Stimmungsbild ist ein Ausschnitt aus einem der schwersten Probleme von den vielen schweren Problemen, denen sich das eng­lische Kabinett über Rächt gegenübergestellt sieht. Die Kreuzerfrage? Was stellt sie vor? Auf kr Washingtoner Konferenz ist ein Kräfte­verhältnis der Haupttriegsflotten England, Ame­rika. Japan von 5:5:3 für die Grohkampsschiffe setgelegt worden. Aus Ersparnisgründen und In» der Erkenntnis heraus, daß man dem sieg­el chwellten Onkel Jonathan eine erhebliche Kon­ti fion machen mühte, hat die englische Admi- aC.tät diesem Verhältnis damals zugestimmt. Inzwischen hat nun der amerikanische Präsi- ent Coolidge den Antrag gestellt, man solle lese Proportion auch auf die übrigen kcbiffsklassen anwenden, d. h. auch das Mäsieverhältnis in leichten und schweren Kreu- i.'tr, Unterseebooten und Zerstörern sollte der Vashingtoner Formel angegliedert werden. Coo- l.dges Stichwort warAbrüstung". Als aber bie Engländer den Schaden besahen, da mußten ! entdecken, daß dies SttchwortAbrüstung" : Wahrheit eines bedeutet, nämlich den Ver- Mu st der Seeherrschaft.

Die (Bereinigten Staaten von Amerika liegen xisichert und kompakt jenseits der Atlantik, er» irjßcn alles, was sie brauchen, im eigenen Lande mb benötigen zum Schuhe ihres verhältnismäßig l-'cheidenen Außenhandels, vor allen Dingen ckr zur Sicherung der ©«treibe» ^tlrafufjr überhaupt leine Kreuzer. Was sie Lauchen, erzeugen sie selbst. England aber, das iceiDoHerte kleine Jnselreich an der Rordsee, ii zur Ernährung seiner Bevölkerung auf die 'k Herrs chung der Schiffahrtswege «H der Heimat angewiesen. Stimmt man nun amerilanischen Formel zu, bann kommt Ame- /ria in den Besitz einer Kreuzerflotte, die des-

(Eine Rede Lloyd Georges.

London, 1. Aug. (XU.) Auf der liberalen Sommerschule in Cambridge hielt Lloyd Ge­orge eine längere Rede, m der er sich mit der Entwicklung der Liberalen Partei und verschie­dener Tagesprobleme befaßte. Für die liberale Partei laute heute die Frage, ob sie sofort ein desinttives Programm aufstellen wolle, oder auf die unvermeidliche Reaktion, auf eine un­mögliche Regierung warten wolle. Man könnte vielleicht aus der allgemeinen Unzu­friedenheit Kapital schlagen und ans Ruder kommen, ohne sich auf ein bestimmtes Progra.nm sestzulegen. Aber das sei weder klug noch ehrenwert. Die Liberalen hät­ten nicht die geringsten Aussichten, die nächsten Wahlen zu gewinnen, wenn sie nicht die Rkehr- heit der Bevöllerung davon überzeugen könnten, daß die Partei unbedingt eine ehrliche und teste Politik verfolge.

Lloyd George beschästtgte sich dann mit der Genfer Seeabrüstungskonferenz. Er er- llärte, daß es die größte Katastrophe für die Welt bedeuten würde, wenn der Fehlschlag der Genfer Konferenz zu einem Schifssbauwett- bewerb zwischen den beiden größten Rationen der Welt führen würde. Im Augenblick lasse sich noch kaum übersehen, was geschehen würde, wenn es nicht gelänge, sich mit den Vereinigten Staaten über ein Schiffsbauprogramm zu eini­gen. Er hoffe jedoch aufrichttg, daß es nicht zu einer Rivalität kommen werde, die zu einer Entfremdung der beiden großen Rationen führen würde. Von Amerika und England hänge der Friede in der Welt ab. Die Rußland ge­genüber verfolgte Politik hält er für vollkommen verfehlt. Man habe sich das ganze Problem niemals recht überlegt.

Das Interesse Australiens.

London, 1. August. (Tel.) Der australische Premierminister Druee erklärte in einer Rede in Maryborough, für Australien fei es von großer Bedeutung, daß Großbritannien feinem Abrü- stungsplan zustimme, der die ^Überlegenheit der britischen Marine in den Meeren gefährden würde. Falls Großbritannien seine Vorherrschaft zur See nicht behaupte, sei Australien in einer verzweifelten Lage. Die britischen Delegierten in Gens müßten alles daran setzen, um ben wirk­samen Schuh der Verbindungslinien zwischen den britischen Reichstellen zu sichern.

Besprechungen in Washington.

Washington, 1. Aug. (WB.) Der britische Botschafter Sir Esme Howard ist plötzlich von seinem Londoner Aufenthalt hierher z u r ü ck ge­kehrt. Er hatte mit Staatssekretär Ke 11 o g eine private Unterredung. Die hiesigen amtlichen Kreise lehnen es ab, sich über die Bedeutung des Besuches hinsichtlich der Genfer Konferenz zu äußern. Im Staatsdepartement wird erklärt, daß Howard a u f eigenen Antrieb und nicht auf Ersuchen Kel- logs nach Washington zurückkehrte. Im übrigen sei kein neuer Vorschlag der Vereinigten Staa­ten für die Genfer Marinekonferenz in Aussicht ge­nommen.

o!c Fäll« müssen bie Japaner bauen, um oi| iiied Kräfteverhältnis zu kommen.

Man braucht kein Freund Englands zu sein wl> wirb trotzdem verstehen, baß die Lage der otrJ i'chen Regierung eine außerordentlich Pein- Dfiiie ist. Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gealen. Wir müssen es uns auch versagen,, geile auf alle Zusammenhänge und Probleme Litzugehen, weil politische Rechnungen mit '^tlenstrategischem Einschläge ungefähr so leicht : octD culidj sind wie sechs harte Eier und drei Stüpfe.

Inüfanter ist eine andere Feststellung. Es hat IIüt nämlich auf dem Rücken des russisch- ekiplifchen Konflikts eine ebenfalls ameri-- flaricje Entzündung gebildet und zwar diese: Zweck lei Abbruchs der Handelsbeziehungen mit Rußland im: lie Schädigung des Kredits der Sowjet-Machi- brakr. Es war ein Griff nach dem rufsi- | |i^e n Portemonnaie. Man hoffte, auf diesem eine Stärkung der russischen Verständigungs- lÄütschaft zu erzielen. Wenn man einem Bettler IW Lageslosung wegnimmt, ijt er bereit, noch viel inrterfiDer zu betteln. Durch diese englische Rechnung CDtr haben die Amerikaner einen Strich ge- irmfli-t oder wollen es jedenfalls tun. Kurz gesagt: (;.3 in rb behauptet, die Standard Oil Company of ii stv Jersey habe mit der russischen Regierung cnaim Vertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag betraue kitt Sandard Oil Company mit dem Verkauf meh­re: rr hunderttausend Tonnen russischen Oels, und jnÄir im nahen Osten. Etwas wehleidig bemerkten diA englischen Zeitgenossen, daß gesetzt den Fall, bs' tSzrtrag käme zustande, niemand iji der Welt die W i verhindern könne, ihr Del loszuwerden. Man qjopl ert an die beiden Rockefeller senior und junior, inii'lallen einschreiten; die Standard Oil Company «tzoeigk; aber die Russen behaupten steif und i!W,Der Vertrag wäre nicht nur beabsichtigt, sondern x«O>r schon unterzeichnet.

I^ man in England empört ist, versteht VM Das russische Oel wäre seinen rechtmäßigen ^Ni}(rn gestohlen, heißt es, und wer es tosktift, macht sich der Hehlerei schuldig. Das drahtlich. Die unter englischer Herrschaft ste- WSte Petroleum-Industrie hat inzwischen schon 'visiil gemacht. Das ist die Anglo-Persian und tfce Loyal Dutch plus Shell-Gruppe, bei der M 3 -ozent in englischer Hand sind. Es droht DMv Erneuerung des Oelkrieges. Daß n»xr in England beabsichtigt, auch die Der-

aae scheint sich nichts geändert zu haben. Washington erhaltenen Instruktionen be­stätigen, oder, wie es heißt, verstärken sogar den Standpunkt der amerikanischen Delegation. Die britische Delegation verharrt ihrerseits auf der von ihr eingenommenen Stellung. Die Versuche der ja­panischen Delegation, zu einem Kompromiß zu gelangen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Don japanischer Seite sind übrigens keine neuen Vorschläge eingebracht worden. Die heute abgehalte, nen Besprechungen zwischen den Leitern der Dele­gation, über die schon einige Einzelheiten bekannt werden, haben in keinem Punkte zu irgend einem Abkommen geführt. Bereits letzten Donnerstag hatte sich die britische Delegation gegen die von den amerikanischen Vertretern am Sonntag veröffent­lichte Sicherungsklausel ausgesprochen.

Zwischen der britischen und der amerikanischen Delegation besteht noch immer eine Differenz in der Frage der Kreuzer zweiter Ordnung, ob 4500 oder 8500 Tonnen, und der Bewaffnung, ob Sechs- oder Achtzollkanonen. Wenn nicht plötzlich etwas Uner­wartetes eintritt, so hat man unter diesen Umstän­den den bestimmten Eindruck, daß die Vollsitzung am Donnerstag die letzte fein wird, und daß man in diesem Augenblick Erklärungen über die Gründe vorbereitet, aus denen sich die drei Nattonen, die an der Konferenz teilnehmen, in aller Freundschaft trennen werden, ohne zu einem Ergebnis ge­kommen zu fein, aber mit dem Vorbehalte, auf die Frage der Marineabrüstung zurückzukommen.

Don unserem ständigen Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Paris, 31. Juli 1927.

Gin Manifest des französischen Oberkvmmis- sars Ponsvt hat wieder einmal die Aufmerk­samkeit auf Frankreichs Shrienmandat gelenkt, nachdem man im allgemennn nur allzurasch die Debatten in Vollerbundsrat und Mandats­kommission vergessen hat, die Frankreichs Man- batsführung nicht gerade im besten Lichte er­scheinen ließen. Die nicht nur an die Bevölke­rungen im Mandatsgchiet, sondern vielleicht noch mehr an die Weltöffentlichkeit gerichtete Dehruter Kundgebung erinnert lebhaft an das Kommunique, das über Ponsots Ver­hör vor der auswärtigen Senatskommission an­läßlich seines letzten Pariser Befuchs ausgegeben wurde. Damals war bereits gesagt worden, die Regierung wolle den Wünschen der Bevölke­rung im Sinne des Völlerbundsmandats gerecht werden, die Interessen versöhnen und der Einigung Vorschub leisten. Diese Eini­gung bildete von je einen Hauptpunkt des fran­zösischen Beglückungsprogramms für Syrien, die die rasch wechselnden Oberrommissare zu ver­wirklichen sich mühten. So hielt es General Eouraud für notwendig, im Juni 1922 Aleppo und Damaskus sehr gegen ihren Willen zu­sammenzuschweißen, was als einziges Ergebnis das Wiederaufleben des Hasses zur Folge hatte, der die beiden Städte von je entzweite, ©tän» dige Wahlkampagnen zerrissen dne geleimten Gebiete noch mehr, so daß schließlich die un­natürliche Verbindung wieder aufgelöst werden mußte, und die syrischen Staaten, den von Aleppo losgetrennten Sandschak von Alexan- drette inbegriffen, wieder ihr Eigenleben auf* nahmen konnten.

Eine der brenneirdsten F.agen syrischer Poli­tik war stets die des G r o ß l i b a n o n, die ihrer­seits wieder eng mit der Frage der Einheit ver­knüpft ist. Man hört selten in der französischen Presse von ihr sprechen, wenn sie auch jeden politisch Denkenden beschäftigt und quält. Als im Jahre 1920 der Libanon sich weigerte, in dem syrischen Staat« aufzugehen, suchte Frank­reich ihn als selbständiges Gebilde zu stützen und gliederte ihm mehrere Territorien an, ohne allerdings o heiliges Selbstbestimmungs­recht der Völker! deren Bewohner befragt zu haben. Die annettierten Bevölkerungen haben immer gegen diese Vergewaltigung protestiert und ihre Klagen wurden besonders in der letzten Zeit derart vernehmlich, daß Frankreich endlich eine Lösung finden muß, will es nicht erneut vor den Genfer Kadi zitiert werden. Im ver­gangenen Jahre wurde der Großlibanon zudem zur Republik Libanon ausgerufen. Zu dem schon früher vorhandenen' Kassationshof und Staatsrat erhielt die junge Zwergrepublik von 650 000 Einwohnern einen Staatspräsidenten, einen Ministerpräsidenten nebst sieben Ministern, die einer Ersten und Zweiten Kammer verant­wortlich sind. Es liegt auf der Hand, daß die Lösung des Problems dadurch nicht leichter, aber dringlicher wurde.

Zwar kann nicht geleugnet werden, daß gegen­über den Vorjahren das syrische Dierstaatenreich sich einer scheinbaren Ruhe erfreut. Frankreich ist des Bandernvesens und der aufständischen Bewegung zum größten Teile Herr geworden, konnte aber das Mißtrauen und die Feindseligkeit nicht besiegen, die noch immer die große Mehrheit der syrischen Bevölkerung beseelen und einer herzlichen und rück­haltlosen Zusammenarbeit im Wege stehen. Gene­ral Gouraud, der die unfähige Ziviloerwaltung durch seine Militärpolitik zu stützen suckste, hatte einen herzlich schlechten Abgang von der Beyruler

benburgfpenbe für

D Ktzegshinkrblie- lusgaben zur Wer- d fchriftlich« Wer- U. Dezember 1927.

tg-tn, weil sie nichts Lebenswichtiges zu schützen In, konzentriert gegenüber der in der ganzen Dellt verstreuten englischen Kreuzermacht Per» frnüet werden kann.

Aber der Vorschlag Coolidges hat noch einen hieren Sinn. Coolidge sagt, er will abrüsten, k: vill keine neuen Kreuzer bauen. Die Frage fühl also so, daß die Engtänder den größten Teil ifre r Kreuzerflotte opfern müßten, um die | C i«rifaner der Rotwendigkeit zu entheben, " izrecks Abrüstung neue Schiffe zu bauen. Auf