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droht. Der Finan-minister beabsichtigt, dieser Waffenfabrik eine Anleihe von 30 Millionen Q>en zu gewähren, weil die Fabrik ohne diese! Unterstützung wahrscheinlich geschlossen wer­den müßte, wodurch eine große japanische Bank in Mitleidenschaft gezogen und auch sonst eine schwere Finanzkrise verursacht wer­den würde. Demgegenüber verurteilen die -Zei­tungen eine derartige Verwendung der Staats­mittel. Die schon schwierige Lage wird täglich ernster.

Der deutsch-polnische Wirtschaftskrieg.

Die Polnische Industrie ergreift die Initiative zu Verhandlungen. Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 2. 3uIL Die polnische Industrie hat allmählich eingesehen, daß es für sie vorteilhafter ist. sich mit der deutschen Wirtschaft auf di­rektem Wege zu verständigen, statt darauf zu warten, bis sich die Herrschaften in Warschau bequemen, nun von sich aus mich endlich einmal etwas zur Beilegung des Wirtschaftskrieges mit Deutschland zu- unternehmen. Führende polnische Wirtschaftler haben sich dabei in den letzten Tagen mit deutschen in Verbindung gesetzt, so daß wahrsckeinlich in nächster Zeit mit einem leb­haften Gedankenaustausch zwischen den beiden Gruppen zu rechnen sein wird. Seltsamerweise hat die Warschauer Regierung nicht nur nichts unter­nommen, um diese Verständigungsbemühungen zu hintertreiben, ste hat sie sogar stillschweigend ge­billigt. Mit anderen Worten, sie hat offen zu verstehen gegeben, daß sie sich für unfähig hält, ihrerseits auf diplomatischem Wege einen Ausgleich mit Deutschland herbeizuführen, es also lieber den Wirtschaftlern überläßt, sich aus der Affäre herauszuziehen, in die sie sie Dank ihrer Querköpfigkeit hin eingebracht hat. Wir glauben, daß die Wirtschaftsverhandlungen binnen kurzem positive Erfolge aufweisen werden, da die polnischen Industriellen tvesentlich vernünftiger sind, als die amtlichen Stellen in Warschau.

Byrds Ozeanftug.

P aris, 2. Juli. (WTB. Funkspruch.) Byrd und seine 'Begleiter reisen heute von Caen (Aorurandie) ab und treffen heute mittag in Paris ein. Byrd soll beabftchttgen, mehrere Wochen in Frankreich zu verbringen. Der vom Marineministenum mit der Leitung der Dr,- gungsarbeiten derAmerica" betraute Flieger­major ist der Ansicht, daß das Flugzeug leicht wieder instandgesetzt und fahrbereit ge­macht werden kann, während Byrd selbst einem Vertreter desPetit Parisien" erklärte, er könne keine weiteren Dispositionen treffen, erst müsse festaeftellt werden, ob sein Apparat wieder in- ftanvgesetzt werden tonne?

ImMarin" äußert sich Byrd über seinen Flug u.a.: Richts, was er auf seinem Nordpol- flug und auf seinen sonstigen Unternehmungen erlitten habe, komme annähernd dem gleich was die Flieger während des Umherirrens über Frankreich ohne Richtung In voller Verzweiflung durchgemacht hätten. Als sie niedergingen, hätten sie nur n v ch s ü r 5 0 Kilometer Betriebsstoff gehabt. Don den 40 Stunden, die sie in der Lust verbrachten, hätten ste 19 Stunden überhaupt weder Himmel noch Wasser sehen tannen. Der Kompaß war zerbrochen, starker Regen fiel. Dichter Rebel und schwarze Rächt hinderten, auch nur das geringste auf der Erde festzustellen. Byrd erklärte weiter: Ich halte es für möglich, datzichbisganzindieRähevonParis geflogen bin, doch kann ich es nicht mit Bestimmt­heit sagen. Unterdes ging mein Benzinvorrat zu Ende. Unser Flugzeug sank allmählich tiefer und tiefer. Wir mußren unter allen Umständen nach" einem Landungsplatz suchen. Da entdeckte ich das Leuchtfeuer des Turmes von Ber-sur-Mer. Sofort war mein Entschluß gefaßt, unter allen Umständen die Lanimng zu wagen. Wir berührten das Wasser, der Anprall war schwer. Das Untergestell und die Räder brachen, der Apparat stellte sich auf die Spitze, doch bewahrten wir unsere Kaltblütigkeit und verständigten uns mit Blicken. Dann füllte sich die Kabine mit Wasser. Glück­licherweise gelang es uns, unser kleines Boot aus Gummi frei zu machen, und wir erreichten mit seiner Hilfe die Küste, nachdem wir etwa 200 Meter rudern mutzten. Ich wußte natürlich nicht, wo wir uns befanden. Wir klopften ver­geblich an einige Fenster, es wurde uns aber nicht geöffnet. Dann begegneten wir einem Fischer, der uns in sein Haus brachte, wo sich meine Begleiter sofort zum Schlafe niederlegten. Ich war bis acht Uhr morgens beschäftigt, in mein Flugtagebuch Einzeichnungen zu machen, während Leutnant Roville und einige Fischer das Flugzeug zu retten versuchten. Um 8 Uhr mor­gens gelang es uns endlich, das Flugzeug ans Trockene zu ziehen. So liegt es denn jetzt am Strande, halb von Sand und Schlamm bedeckt.''

Der Luftverkehr über den Ozean.

Eine Unterredung mit Reichsminister Dr, Koch.

Berlin, 1. Juli. (Wolff.) Reichsverkehrs­minister Dr. h. c. Koch, als der für Lufffahrt zuständige Minister, erklärte einem Vertreter des Wolffschen Telegraphen-Dureaus zu der Frage eines deutschen Gegenbesuches mit dem Flugzeug in Amerika, die im Zusam­menhang mit dem Abschiedsgrutz der Amerika­flieger momentan stark in den Vordergrund des Interesses gerückt ist, folgendes:

Die deutsche Regierung interessiert sich selbst­verständlich für jedes ernst haft vorbe­reitete Unternehmen, das ein deutscher Flieger mit deutschem Flugzeug und deutschem Motor unternimmt. Der Flug von Deutsch­land nach Amerika ist wegen des vorherrschenden Gegenwindes schwieriger, als der in um­gekehrter Richtung. Aber es ist das Kenn­zeichen des Verkehrs im Gegensatz zum Re­kord, daß es sich von äußeren Einflüs­sen möglichst unabhängig zu machen bestrebt ist, während der rekordbrechende Sport- füeger das Recht hat, möglichst günstige Wetter­verhältnisse auszusuchen. So ist denn der Flug in der Richtung AmerikaEuropa auf der nörd­lichen Halbkugel bereits mehrfach gelungen, zum erstenmal dem Engländer Alcock, acht Jahre vor Lindbergh und Chamberlin, während die entgegengesetzte Ueberquerung des Ozeans bis­

her noch keinem Flieger gelungen ist. Da es nicht unsere Aufgabe ist, sportliche Leistungen anderer nachzuahmen, sondern dem L u f t v e r - kehrsgedank en Schritt für Schritt weiter zu folgen, scheint mir grundsätzlich nicht das ein­motorige Flugzeug, sondern zumindestens ein mehrmotoriges Flugzeug oder ein ein­motoriges Schwimmflugzeug am geeignet­sten zu sein, und zwar in jedem Falle m i t Funkausrüstung für den Flug versehen. Das beste wäre vielleicht ein Grohwasser- f l u g z e u g , weil nach den bisherigen Erfah­rungen oberhalb eines gewissen Gesamtgewichtes die Flugboote höhere Seetüchtigkeit als die Schwimmerftugzeuge zu haben scheinen. Auch für die Wahl der F l u g st r e d e muh der Ver­kehrsgedanke maßgebend sein. Wie es einer­seits falsch ist, Luftlinien durch allzuhäufige. zeit­raubende Zwischenlandungen zu unterbrechen, ist es andererseits ebenso unwirtschaftlich, auf Kosten der Ruhlast Betriebs st off für über­lange Strecken mitzunehmen. Dem Grund­gedanken eines normalen Lleberseeluftverkehrs entspreche es weit mehr, die reinen Llebersee- strecken durch Zwischenlandungen mit nördlichem oder südlichem Kurs zu unterbrechen.

Auf die Frage, ob und wie das Reich einen deutschen Ozeanflug fördern werde, erwiderte der Reichsverkehrsminister, daß das Reich durch Industrieausträge fortschritt­liche Baumuster fordere. Es sei daher in erster Linie Sache der I n d u st r i e, sich im Rahmen der Anforderungen den Tagesaufgaben anzupassen. Datz im übrigen alle deutschen Lust- fahrkreise und insbesondere auch die Regierungs­stellen dem Ozeanflieger seine Aufgabe erleich­tern und zweckmäßig fördern werden, das haben wohl unsere Bemühungen bei der Ankunft Cham- berlins zur Genüge gezeigt. Ich nehme natür­lich an, datz jeder deutsche Flieger, der seine Kraft in ein solches Werk sehen will, dabei mit dergebvtenenLleberlegung undVvr- bereitung vorgeht.

Hessen und die Vesosdungsreform

Eine Entschließung des Finanzausschusses.

Don unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 1. Juli. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags genehmigte in der Frei­tagssitzung zunächst die Regierungsvorlage über den notleidenden Erzbergbau in Ober- Hessen, dann wurde eine Eingabe der Be­wohner in der Gemarkung Osthofen über die älnwetterkatastrvphe (Hagelschlag) be­raten, desgleichen ein Antrag des Abgeordneten Freiherrn von Heyl über dieselben Llnwetter- schäden. Die Eingabe wurde der. Regierung zur Berücksichtigung empfohlen und der Antrag des Abgeordneten Fveiherm von Heyl dadurch für erledigt erklärt. Es folgte eine Eingabe der staatlich geprüften Turn- und Musikleh­rer an den höheren Lehranstalten Hessens wegen Einstufung in die Besoldungsordnung. Die Eingabe wurde der Regierung zur tunlichsten Berücksichtigung überwiesen.

Die Regierung machte Mitteilung Über die Beschäftigung vonBeamtenimRuhe- stand in den einzelnen Ministerien. Der Aus­schuß prüfte die Fälle und da, wo er die äleber- zeugung gewann, daß eine Weiterbeschäftigung notwendig sei, erklärte er sich mit dem Vor­gehen der Regierung einverstanden: in manchen Fällen wurde die Weiterbeschäftigung nicht für erforderlich gehalten.

Zum ScKuh wurde noch ein Antrag Dingel- deh and Genossen über die neue Besol- dungsordnung beraten. Der Antrag wünscht, daß die hessische Regierung im Reichs­rat dahin wirkt, daß die Reform der Deamten- besoldung bereits am 1. Oktober 1927 durchgeführt werden kann. Die Zahlungen sollen aber vom 1. Juli ab erfolgen. Der Finanzminister hatte in der letzten Sitzung die Mehrkosten der Durchführung einer Besoldungs­reform für Hessen auf 9 Millionen Mark be­rechnet. Es kam eine Enffchliehung zustande, die einstimmig angenommen wurde und nach­stehenden Wortlaut hat:

Der Finanzausschuß des Hessischen Land­tags richtet an die hessische Regierung das dringende Ersuchen, die Reichsregierung auf die verhängnisvollen Folgen hinzuweisen, die unbedingt eintreten müssen, wenn das Reich eine allgemeine Erhöhung der Beamtenbesoldun­gen beschließt, ohne den Ländern und Gemeinden dieMittel zu überweisen, die erforderlich sind, um die für die Reichs­beamten beschlossene Besoldungserhöhung auch für die Beamten der Länder und Gemeinden durchzuführen.

Insbesondere ist Hessen, dessen durch die Besetzung verursachte, besonders ungünstige Fi­nanzlage allgemein bekannt ist, und dessen Lan­des- und Gemeindesteuern bereits in unerträg­licher Weise angespannt sind, in keiner Weise inHder Lage, die Mittel für eine Besoldungsreform aus eigener Kraft aufzubrin­gen. Das Land und die Gemeinden hätten, wenn das Reich seine Hilfe verweigert, nur die Wahl: entweder ihren Beamten die sehn- lichst erwartete Verbesserung ihrer Lage zu ver­sagen oder eine Finanzpolitik zu dulden, die zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß geben mühte."

Die sozialdemokratische Partei gab hierzu noch eine Erklärung zu Protokoll, andere Ent- schlietzungen wurden mit Rücksicht auf den ge­meinsamen Beschluß zurückgezogen: damit wurde dann der Antrag Dingeldey für erledigt er­klärt.

Die Beamtenbesoidung.

Ans demHaushaltsansschntz des Reichstags

Berlin, 1. Juli. (V. D. Z.) Der Haushaltsaus­schuß des Reichstags beriet die Anträge betreffend Neuregelung der Beamtenbesoldung weiter.

Abg. Schmidt-Stettin (Dn.) schlägt vor, das Reichspostministerium zu ersuchen, mehr als bisher Wartegeldempfänger einzustellen. Dieser Vorschlag wurde angenommen.

Abg. H a r in o n y (Dn.) bedauert die Stra - ßenkundgebungen, die in Berlin von Beam- tensührern veranstaltet worden seien. Nach seiner Meinung schädigten die Beamten ihre gute Sache damit, wenn sie sich parteipolitisch aufreizen ließen.

Abg. Kling (W. 93g.) erklärt gleichfalls, auf das Volk Haien die Demonstrationen übet gewirkt.

Abg. Bender (Soz.) erwidert, Herr Harmony stehe stets im Gegensatz zu den Organisationen, denen er angehöre. Der Deutsche Beamtenbund habe sich in seinem Organ auch für die Straßenkundgebungen eingesetzt.

Abg. Groß (Zentr.) erklärt, die Kundgebung sei eine politisch-agitatorische Au s n u t = zung einer Gelegenheit gewesen, die nicht sobald wiederkehre. Sie sei mit der Marseillaise und einem Hoch auf die Internationale und nicht auf die Republik eröffnet worden.

Abg. S t e i n k o p f (Soz.) verteidigt die Beam­tenkundgebung. Sie sei nicht politisch gewesen. Das Hoch auf die Republik habe er persönlich ausgebracht. Der Vorredner verübe Verrat an der Beamtenschaft.

Abg. Groß (Zentr.) verwahrt sich entschieden gegen diesen Vorwurf des Vorredners.

In der Abstimmung wurde eirt sozialdemokrati­scher Antrag, der für die unteren Besoldungsgrup­pen eine Vorauszahlung von 20 Mk. monatlich für die neue Besoldungsordnung rückwirkend ab 1. April d. I. verlangt, mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt wurde ein kom­munistischer Antrag, der die Einberufung des Reichstags zur Beratung der Besoldungsordnung ablehnt. Angenommen wurde dagegen ein Kom- promißantrag der Regierungsparteien, der den Wiederzusammentritt des Haushalt s- ausschusfes des Reichstags zur Beratung der Besoldungsordnung im September vorsieht.

Vor den Abstimmungen hatte Reichsfinanz- mi nist er Dr. Köhler u.a. erklärt: Ich lege Wert auf die Feststellung, daß die Vorlage über die Erhöhung der Bezüge der Beamten usw. i m August dem Reichstag vorgelegt wer­den wird. Ich will mit den Ländern vorher verhandeln, weil die Länder Gelegenheit haben müssen, sich zum Aufbau des Tarifs ufw. zu äußern. Inzwischen habe ich die Weisung gegeben, daß der Betrag der Unterstützungsmittel für Reichsbeamte um 3 Millionen Mark erhöht wird und dabei den Wunsch ausgesprochen, daß ins­besondere den unteren Gruppen da, wo die Not groß ist, entgegengekommen und besondere Not­fälle gemildert werden, Hiese Mittel sollen in den nächsten Monaten weiter erhöht werden. Wenn der Kompromißantrag angenommen wird, so haben sie auch eine Bindung, daß unter allen Umständen der Haushaltsausschuß in der Lage sein wird, rechtzeitig Einfluß auf die Gestaltung der Abschlagszahlungen zu nehmen. Nächste Sitzung am Montag.

Jur BesoLdungsdebatte im Reichstag.

3m Reichstagsbericht vom 24. Juni ist richtig­zustellen, daß nach demReichsanzeiger" der Zentrumsabgevrdnete E r s i n g erklärte: Das Reich stehe dabei »weit ungünstiger da als die Länder und Gemeinden. Es sei auch be­kannt, daß di« Beamten des Reichs ungün­stiger eingestuft seien, als die der Län­der und Gemeinden. Eie Eingruppie­rung der Beamten sei in den Ländern und Gemeinden weit großzügiger als im Reiche. Diele Städte hätten nicht einen ein­zigen Beamten in den niedrigsten drei Besol­dungsgruppen.

Annahme der Ausumlungs- vorlage im Reichstag.

Berlin, 1. Juli, 14 Tlhr. 3m Reichstag wird die zweite Lesung der Aufwertungsvorlage fortgesetzt. Abg. Creuhburg (Komm.) beklagt sich darüber, daß der Kappist Keudell als Reichsinnenminister einen Druck auf die Länder ausübe, die Ansprüche der Fürsten vestlos zu befriedigen, während die Regierung den Opfern der Inflation nicht helfen wolle. Den schlimmsten Verrat hätten die heutigen Regierungsparteien an den 3nflattonsopfern verübt. Keines ihrer Wahlversprechen hätten sie erfüllt. Jetzt fügten sie sogar noch den offenen Hohn hinzu: Ganze 8 bis 9 Mark monatlich für den einzelnen Änter- stühten. (Hört! Hört! bei den Kommunisten.)

Abg. Frhr. v. Richthofen (Dem.) bean­tragt Beseitigung der einseitig nur zugunsten der Schuldner wirkenden Härteklausel, weil er glaubt, daß 25 Proz. Aufwertung von jedem getragen werden könne. Er erklärt, seine Partei werde den Vorlagen z u st i m m e n , da die Aus- schußberatungen doch nicht ganz ergebnislos ge­blieben seien. Ferner beantragte der Redner, den Anleihealtbesihern solle sofort ein verzinsliches Papier in Höhe von 121/2 Proz. des Goldwertes ihres Anleihebesitzes ausgehändigt werden, 'da­mit sie ihre Aufwertungsansprüche mobili­sieren können.

Abg. Best (Aufwertungspartei) betont, daß feine zahlreichen Anträge gerechte Fest­setzung des Goldmarkwertes, gerechter Aufwer- tungssah, individuelle Aufwertung, wie sie die dritte Steuernotverordnung vorgesehen hätten usw. nicht aus agitatorischen Gründen, son­dern um der Gerechtigkeit willen ge­stellt worden seien. Das alte Recht, auf Grund dessen das Reichsgericht gerechtere Aufwer­tungssprüche gefüllt habe, müsse wiederhergestellt und die Juligesetzgebung beseitigt werden.

Abg. S e i f f e r (Aufwertungspartei) gibt der Enttäuschung und der Erbitterung der ent­rüsteten Sparer Ausdruck. Besonders enttäuscht seien ste über die Haltr^ig der Deutschna­tionalen. Es sei immer dasselbe Lied: erst Versprechungen und dann nichts halten. Die Wirtschaft könne eine individuelle Aufwertung durchaus tragen.

In der Einzelberatung beantragt Abg. Best (Aufwertungspartei), daß die Verzinsung einer aufzuwerienden, bereits gelöschten Hypo­thek spätestens am 1. Januar 1925, statt 1. April 1926 beginne.

Ein Antrag Keil (S.), Restkaufgeldforde­rungen, die im Jahre 1920 entstanden sind, ebenso wie die von 1921 bis zu 400 Prozent des Goldmarkbetrages aufzuwerten, wird in na­mentlicher Abstimmung mit 205 gegen 163 Stimmen bei Enthaltungen abgelehnt.

Rach Ablehnung aller weiteren Anträge wird die Vorlage in der Ausschuhsafsung in zweiter und dritter Beratung angenommen sowie einige Entschließungen, in denen Maß­nahmen zur Milderung von Härten gefordert werden. Eine sozialdemokratische Entschließung, in der die Zulassung des früher von der Re­gierung abgelehnten Volksentscheids über die Aufwertungsfrage gefordert wird, wird ab­gelehnt.

Samstag: Der kommunistische Amnestieantrag und kleinere Vorlagen.

Die Handwerksnovette.

Berlin, 1. Juli. (Wolff.) Das Reichs­kabinett stimmte in seiner Sitzung vom 30. Juni 1927 den ihm vom Reichswirtschaftsminister und Reichsjustizminister vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung und

des Handelsgesetzbuches (Handwerksnovelle) ga. Die Rovelle sieht vor allem die Ginführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts zu den Handwerkskammern und die Er­richtung einer Handwerksrolle vor, in die alle selbständigen Handwerksbetriebe einzutragen sind: die Handwerksrolle wird die Grundlage für die Wahlen zur Handwerkskammer bilden und die Möglichkeit statistischer Ermitt­lungen über das Handwerk schaffen. Die Ro­velle bringt ferner eine Aenderung des Handels­gesetzbuches dahin, daß künftig großen Hand­werksbetrieben die Eintragung in das Handels­register ermöglicht und damit diesen das Firmen- und Prokurarecht gewährt wird.

DsuLscher Generaksbesuch in Amerika.

Wa shing ton. 1.Juli. (WB.) Der Komman­deur der 7. Infanterie-Brigade in München, Gene­ralleutnant Ritter von R u i t h ist in Washing­ton eingetroffen zum Studium der Einrichtungen des amerikanischen Heeres. Associated Preß be­zeichnet den gestrigen Tag, an dem der Chef des amerikanischen Generalstabs, Generalmajor Sum­me r a l l, den deutschen Generalleutnant Ritter von Ruith und den französischen Genera! Pas - s a g a gleichzeitig empfing, als einen erfreulichen Beweis dafür, daß das Kriegsbeil endgül­tig begraben ist. General von Ruith wird dp Kadettenschule und verschiedene Militärposten im Süden und Westen der Vereinigten Staaten be­suchen.

Die Besichtigung

der zerstörten Unterstände.

Berlin, 2. 3ulL (prio.-Iet) Aus die von General v. Pawelsz an die Regierungen der Weslmächte ergangene Einladung, Vertreter für die Besichtigung der zerstörten Unterstände zu ernennen, ist nunmehr die Mitteilung erfolgt, datz der belgische und der französische militä­rische Sachverständige bei der diplomatischen Ver­tretung dieser Länder in Berlin allein an der Besichtigung teilnehmen werden, die für Anfang nach ft er Woche in Aussicht genommen ist.

Aus Mer Welt.

Auf der Eisenbahn schwer verunglückt.

Aus der Eisenbahnstrecke zwischen fiorn- westyeim und Ludwigsburg sind bei der Begegnung zweier Züge zwei ausdem Fenster sehende Soldaten des Infanterie-Regiments Rr. 15 in Kassel schwer verletzt worden. Der eine Soldat erlitt einen hoppelten Schädelbruch und ist inzwischen gestorben, der andere ist an der Hand schwer verletzt. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht aufgeklärt. Es ist wahr­scheinlich durch die weit offene Tür des Gepäck­wagens eines in entgegengesetzter Richtung fahren­den Zuges oder durch einen weit aus dem Fenster herausragenden Gegenstand. herbeigeführt worden.

Grotzfeuer in inem A chener Hotel.

Aachen, 2. Juli. (WTB. Funkspruch.) heute nacht brach im Hotel Barbarossa in der Süd­straße Grobfeuer aus. (Ein junger wann ist im Rauche e r ft i cf t. Ein junges Mädchen verun­glückte tödlich beim Sprung aus dem Fenster.

Bluttat im Krankenhaus.

Im Krankenhaus Singen drang der 40jährige Speditionsarbeiter Gecster, der nach der Kreispflegeanstalt entlassen werden sollte, nachdem er sich zuvor einen Revolver verschafft hatte, in den Aufenthaltsraum der Schwestern ein, schloß ihn ab, und feuerte mit dem Rufe:Jetzt müßt ihr alle sterben!" auf die Schwestern. Die Oberschwester wurde durch einen Hexzschuh auf der Stelle getötet. Der auf die Hilferufe der Schwestern herbeieilende Polizei- beamte Geiger wurde durch einen Lungenschuh schwer verletzt. Alsdann richtete der Mörder die Waffe auf sich selbst und brachte sich eine leichte Verletzung bei. Ein inzwischen eingetrofse- ner zweiter Polizeibeamter nahm ihn fest. Er wurde ins Krankenhaus nach Radolfzell ein» geliefert.

Skelettsunde am Lehrter Bahnhof in Berlin.

Bei Ausschachtungsarbeiten im Landes­ausstellungspark am Lehrter Bahichos wurden in der Rächt zum Freitag eine Reihe menschlicher Knochen gefunden, und zwar anfangs 7 Schädel und weitere Knochen menschlicher ®e< rippe. Später bei neuen Rachgrabungen noch 9 Schädel, so daß es sich im ganzen um 1 6 Per­son en handelt, deren Knochen regellos über« und durcheinander lagen, aber noch ziemlich gut erhalten waren. Man nahm anfangs an, daß es sich bei den Leichen um Menschen handelt, die bei den Spartakistenkämpfen ums Leben gekommen sind, denn damals hatten sich gerade hier im Stadtbahnbogen die Spartakisten verbarridadiert. Die Mordkommission unb die .Sachverständigen sind jedoch zu der Deberzew gung gekommen, daß die Skelette schon lange vor der Revolutionszeit an der Fund­stelle gelegen haben. Der bekannte Berliner Ge­richtsarzt Professor Strauß erklärte in seinem Gutachten, daß die Skelette nicht weniger als 50 Jahre, es könnten jedoch auch schon 200 Jahre gewesen fein, unter der Erde gelegen haben.

Der rNetallarbeiterkonslikt in Köln.

Die Sariflcmmiffion der Kölner Metall­arbeiter hat am Donnerstagabend den Schieds­spruch abgelehnt. lieber die Absichten der Arbeitgeberverbände ist bis zur Stunde noch nichts bekannt. Der Teilstreik wird weitergeführt.

Aerbindlichkeilserklärung des Schiedsspruchs im oberschlesischen Bergbau.

Gleiwitz, 2. Juli. (WTB. Funkspruch.) Das Neichsarbeitsminifterium hat den Lohnschiedsspruch für den oberfchlefifchen Steinkohlen- und Erzberg­bau, der eine Lohnerhöbung von 5 Prozent unter Tage und 4 Prozent üoer Tage festfetzt, für ver­bindlich erklärt.

Line Eisenbahnfachschule in Oberlahnstein.

Am 1. Oktober 1927 wird in Oberlahnstein, dem Hauptgüterbahnhof am Mittelrhein, eine Eisenbahn' fachschule errichtet, lieber 4000 Elfenbahner wohnev in den beiden Lahnstein, für deren Söhne und di« noch in der Entwicklung begriffenen Eisenbahn« bediensteten die Errichtung der neuen Schule sehr be­grüßt wird.

Wettervoraussage.

Veränderlich, wolkig auch aufklarend, mäßig warm, zeitweise Regen.

WitterungsAussichten für Montag:

Nock wechselnd wolkig mit Aufheiterung uni strichweise geringe Niederschläge wahrscheinlich.