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Aus der provinzialhauptstaöt.

Gießen, den 2. 3uli 192?.

(Bet)* aus, mein Herz ..

O ihr Sonnnernivrgen, von euch will ich lernen das rechte Geben.

3m schönen Lichte der Freude kommt ihr daher und mit der leisen Art der schenkenden Liebe.

So will ich'geben wie ihr: lieb­leise mit dem Leuchten der Freude! Geh aus, mein Herz, und suche Freud'!" Dieses Svnnnerliedes schlichtes, liebes Tönen schwingt um uns wie ein Grützen der Jugend. Die reine, volle Einfalt des deutschen Gemütes spricht aus dem Liede. plnd wie viele gibt es, die es als veraltet, überholt, sentimental abtun. Sie finden nicht mehr den Weg zu ihm. Sie haben nur ein mitleidiges Lächeln über die Men­schen, die noch ein inneres Verhältnis zu deni Liede haben. Unö wie glücklich kann man sein, wenn es unser Herz noch auszusprechen ver­mag. Es ist doch ein Zeichen, dah uns der Llngeist der Zeit noch nicht besitzt, dah wir noch nicht Sklaven seiner Süchte sind, all seiner unter- menschlichen Erscheinungen! 3a, wenn wir zu dem Liede, und fei es auch nur in seinen be­kanntesten Strophen, in innerlicher Beziehung stehen, dann ist es ein Beweis dafür, dah wir noch den heiligen Quellen nahe sind, dah in uns noch das Gemüt etwas zu sagen hat!

Geh aus, mein Herz!" Warum spricht der Dichter nicht zu seinem Verstände?Geh aus Verstand, und suche Freud'I" Versucht's doch einmal, ihr Verstandesmenschen! Ach, nein, was wir, die Menschen des Herzens, empfinden, wenn die Sommerwelt ihren Glanz und ihrs Wunder um uns breitet, das vermögt ihr nie zu fühlen! Was wiht ihr von der Seligkeit deS ergriffenen Herzens! Von seiner Wunder­samen, tiefen Aufgeschlossenheit, von der herr­lichen Lebens-Erfülltheit, von dem Strömen in­wendiger Quellen, von dem jubelnden Aufbruch der letzten Tiefen der Seele! Könnt ihr so wie wir. die wir doch im Alltag oft so nüchtern' sein müssen, die da wissen, im Leben mit beiden Fühen auf der Erde zu stehen, die wir auch zum großen Teile schon zu den sogenannten Alten" gerechnet werden, könnt ihr so wie wir der hinter den Wäldern emporsteigenden Sommermorgensonne so selig die Arme entgegen­breiten, könnt ihr so wie wir euch dem Rhyth­mus der Ratur beseligt einschwirmen wie in einen reinen, kraftspenden Strom! Mihlt ihr so die Derjüngungsmacht einer echten Wanderschaft wie wir! Könnt ihr mit uns sprechen voll Er­griffenheit und freudiger Kraft;

Cs kommt mit reinem Prangen daS liebe Licht herfiir; nun tut sich voll Verlangen auf meines Herzens Tür!

Und Welle flieht auf Welle bis in den tiefen Grund, und all mein Sinn wird Helle, und fröhllch singt mein Mund! Run will ich emsig schaffen mit Lust, was ich vermag. 3ch trag mein Gott-Gewaffen und grüß' dich, schöner Tag!

Solche Freuden des Herzens, solche Kraft und Gesundheit des inwendigen Manschen führt von selbst zur Liebe!

Sommerwelt und Freude und Liebel Das ist der Dreillang, der das wahre Leben schenkt!

Städtische ^SUftungsn für unsere Landesurnversität.

Bei der gestrigen 3ahresfeier unserer Ludo- viciana konnte Ee. Magnifizenz der Rektor, Prof. Dr. Z w i d, bei der Verlesung der 3ahres- Chronik u. a. auch von zahlreichen Stiftungen berichten, die der Universität im verflossenen 3ahre zutestl geworden sind. Mit besonderem 3nterefse vtrnahm man dabei, dah die Stadt­verordneten - Versammlung von Gießen auf Antrag des Oberbürgermeisters Keller auch im 3ahre 1926/27 wieder Be­deutendes für die Universität ge­leistet hat. Für die 3nnen-Einrichtu.ng des Physiologischen 3nstitutes wurden 10 000 Mk. in bar, für den Erweiterungsbau der Universitäts-Kinderklinik 50000 Mk. in bar von den Stadtverordneten bewilligt. Fer­ner stellte die Stadt kostenlos Gelände im Werte von 105 000 Mk. für eine in Verbin­dung mit der Universität zu errichtende H e i l - stätte für Kranke mit Tuberkulose der oberen Luftwege zur Verfügung, und schließlich wurde erst vor wenigen Tagen für die Errichtung eines Studentenheimes am Leihgesterner Weg Gelände im Werte von 50 000 Mark kostenlos von der Stadt bereitgestellt. Se. Magnifizenz der Rektor dankte der Stadtverord- netenverfammlung und dem Oberbürgermeister im Ramen der Landesuniversität herzlich für diese Stiftungen und hob dabei hervor, dah die

Stadtverwaltung diese Leistungen für die Uni­versität gerne beantragt und die Stadtverord­netenversammlung sie ebenso gern beschlossen habe, jedoch werde auch von den anderen beru­fenen Stellen erwartet, dah sie nach bester Mög­lichkeit alles tun zur Förderung unserer Landes­universität. Diesem Wunsche der städtischen Be­hörden möchten auch wir uns im Sinne der gan­zen Einwohnerschaft voll und ganz anschließen, wobei wir heroorheben wollen, dah die von den städtischen Körperschaften gefaßten Stiftungs­beschlüsse in Uebereinstimmung stehen, mit den auf Förderung der Universität gerichteten Wünschen der Bürgerschaft.

Giotzene: <ochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170 bis 180 Pfennig, Matte 30 bis 35. Käse (10 Sfiick) 60 bis 140, Wirsing 25. Weih- kraut 25, gelbe Rüben 10 bis 20, Römischkohl 20, Bohnen 50, Spargel 70 bis HO, Erbsen 35 bis 40, Mischgemüse 20, Tomaten 60. Zwiebeln 25, Rha­barber 15 bis 20, Kartoffeln 8, Kirschen 55 bis 70, Heidelbeeren 60. Stachelbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 30 bis 35, Erdbeeren 70 bis 80, Honig 50, junge Hahnen 100 bis 120, Suppen­hühner 100 bis 120 das Pfund: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 20 bis 100, Salat 5 bis 10, Salat- gurken 40 bis 70, Oberkohlrabi 5 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 15 bis 25 das Stück; Ra­dieschen 10 bis 15 Pfennig das Bund.

Bopnotizen.

Tageskalender für Samstag. Fuhball-Wettspiel WienGießen: 6\/3 Uhr, Waldsportplah des V. f. B. Allgem. Dcuischer Beamtenbund: 81/2 Uhr, Saalbau Sauer, Oesfent- liche Kundgebung. Erste Reichskurzschriftgesell­schaftGabelsberger" und Damenabtl.: 8Vz Uhr, Vereinslokal, Vereinsabend. Geflügel- und Vogelzuchtverein: 8x/a Uhr. Pfälzer Hof, Dor:rag. Kavallerie-Verein: 8V2 Uhr, Vereinslokal, Hauptversammlung. Altersvereinigung 1870 bis 1920: 9 Uhr, Aquarium, Hauptversamm­lung. Palastlichtspiele: 5 und 81/? Uhr, Film- vortrag überAmerika". Lichtspielhaus Bahn- hofstrahe:Der Soldat her Marie". Astoria- Lichtspiele:Die 3ndianerschlacht von Santa Fs".

Tageskalender für Sonntag. Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See: 7 Uhy Stadttheater, Kolonialabend. Gießener Rudergesellschaft: 21/« Uhr, 3ubiläums- Regatta. Hess. Missionskonferenz: 8 Uhr, Stadtfirche, Missionsvortrag. Deutsche demo­kratische Partei, Kreisvcrein Gießen: 10 Uhr vorm.. Aquarium, Hauptversammlung. Biencn- erberein: 3 Uhr, bei Kraft (Gießen) Ver- i< .i-ilung. Lichtspieltheater wie Samstag.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag, 5.3uli, abends 8 Uhr, geht der lustige SchwankO diese Bubiköpfe" von Curt Kraatz und Max Real in Szene. Es ist dies das nachgelassene Werk I des bekannten Lustspieldichters Kraatz. Erst vor I einigen Tagen hat das Stück im Kurtheater i Bad-Rauheim einen großen Heiterkeitserfolg ge- l habt. Auch in Gießen, wo es im vergangenen Sommer bereits gegeben wurde, hat es damals stürmifHen Beifall gefunden. Die Vorstellung ist um 10.15 Uhr beendet.

Berliner Erk-Jugendchor. Man schreibt uns: Wie beteits mitgeteilt, wird der Berliner Erk-3ugendchor am Samstag. 9.3uli, in der Reuen Aula ein Gesangskonzert veran­stalten. Diesem Chor, der sich aus 110 Knaben und Mädchen zusammensetzt, geht ein sehr guter Rus voraus. Er wird Lieder von Palmer. Zer- lett, Schubert, Berger usw. zu Gehör bringen. Der niedrige Eintrittspreis von 0,75 und 0,50 Mk. soll kein Maßstab sein für die Güte des Chores, sondern sott recht vielen Gesangesfreunden einen Kunstgenuß ermöglichen, wie er nur von Kinder- ftimmen geboten wird. (Siehe Anzeige.)

Zur Aufwertung der Stadlan­leihen. Auf eine Anfrage des Stadtverordneten Dr. Krausmüller über den Stand der Auf­wertung der Stadtanleihen erwiderte Oberbürgei- meister Keller in der jüngsten Stadtverord- netensihung etwa folgendes: Der hessische Städte­tag hat vor längerer Zeit bereits beschlossen, den Treuhänder zu ersuchen, eine einheitliche Auf­wertung für die hessischen Städte zu beantragen. Da Entscheidungen über etwaige Anträge des Treuhänders bisher nicht bekannt geworden sind, hatten mehrere hessische Stadtverwaltungen, dar­unter auch die Stadt Gießen, darum nachge­sucht, daß die Angelegenheit eine beschleunigte Erledigung findet.

** Der neue (zweite) Sprengwagen der Stadt traf am Donnerstagmittag hier ein und wurde alsbald von Stadtbaudirektor Brau­bach einer ersten Probe als Spreng-. Spül- und Feuerlöschgerät unterzogen. Ein fünfstün­diger ununterbrochener Lauf der Maschine im Stand höchster Belastung soll als Haupt­probe in den nächsten Tagen in der Nähe der Lahnbrücke noch erfolgen. Diese Dauerbelastung wird die stärkste Beanspruchung sämtlicher Ma­schinenteile sein. Beide städtische Sprengwagen sind Erzeugnisse der Vogtländischen Maschinen-

Fabrik in Plauen. Man darf Wohl hoffen, daß nach der Inbetriebnahme dieses weiteren Spreng­wagens die Klagen über mangelnde Staubbe­kämpfung dann ein Ende finden.

** Ein großes Müllauto wurde gestern nachmittag in Gegenwart des Beigeordneten Dr. Hamm und des Stadtbaudirektors Brau­bach von den Mitgliedern des städtischen Bau­ausschusses auf Oswaldsgarten eingehend be­sichtigt. Es handelte sich dabei um einen autrw mobilen Müllwagen, dessen Ausbau von der Firma Keller & Knappich in Augsburg stammt, während das Chassie (5 Tonnen) von der Ma­schinenfabrik Augsburg-Nürnberg, deren hiesige Zweigniederlassung das Gefährt vorführte, ge­baut wurde. Der Wagenaufbau besteht aus einem Zylinder, in dessen Innern sich eine drehbare Vorrichtung befindet, die den hinten eingeschütte- ten Müll nach vorne treibt und ihn dort zu­sammenpreßt, so dah an den Einschüttöffnung^n immer wieder nachgefüllt werden kann. Die Ent­leerung des Wagens auf dem Müllplatz erfolgt dadurch, daß die drehbareSchnecke" im 3nnem des Zylinders dann in umgekehrter Richtung läuft und den Müll herausarbeitet; der Antrieb derSchnecke" erfolgt durch den Motor des Wagens. Bei diesem Wagen sah man ein Ge­fährt von 10 Kubikmeter 3nhalt, dessen Ein­schüttöffnungen zu Dorführungszwecken geöffnet waren, während die eigentliche Konstruktion staub­freie Mnschüttvorrichtung mit dazu passenden Ge­fäßen hat. Es handelte sich gestern zunächst nur um die Kenntnisnahme des SystemsKuka".

** Ein Bild aus der guten alten Zeit bot sich gestern in den Straßen unseren Stadt. Herr Karl Huhn feierte sein 25jähriges Jubiläum als Pvsthalter und ließ aus diesem Anlaß seine Postillone in ihren historischen Uni­formen und Kopfbedeckungen hoch oben auf dem Dock der Postwagen durch die Stadt fahren. 3n der heutigen, so profanen Zeit sah man gerne wieder einmal diese alten Trachten, die an vergangene farbenprächtigere Tage erinnerten.

* Versagte Kaufgen ehmigung. 3m April 1921 wurde das hiesige Hotel Lenz durch notariellen Kaufakt an einen Kaufmann aus Straßburg i. E. veräußert, der bei dieser Gelegenheit verschwieg, daß er die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitze. Ausländer be­dürfen zum Erwerb von Grundeigentum in Hessen der staatlichen Genehmigung. Nachdem wegen dieses Kaufes schon am Landgericht Gießen ein Prozeß anhängig geworden war und sich auch der Landtag bzw. dessen zuständiger Ausschuß eingehend mit der Sachs befaßt hatte, hat nun­mehr das Staatsministerium dem Erwerber die von ihm nachaesuchte Genehmigung versagt. Damit hat eine Angelegenheit ihr Ende gefilnden, die in den beteiligten Kreisen viel Staub auf- gewirbelt hat. Das Hotel Lenz bleibt somit der Familie Lenz erhalten.

** Aus dem G ießener Standes­amt s r e g i ft e r. Es verstorben in der Zeit vom 16. bis 30. 3uni: 16. Kart Fleischer, Fabrik­arbeiter. 59 Jahre alt. Am Aiegelpfad 98. 19. Franziska Stein, geb. Strauß, Witwe, 87 Jahre alt, Ludwigstrahe 37. 19. Ingebvrg Triller, 10 Monate alt, Marburger Straße 22. 21. Karoline Einbrodt, geb. Böhme, Witwe, 80 Jahre alt, Reuenweg 33. 21. Ferdinand Nikolaus Bouffier, Rentner, 80 3ahve alt, Mühlstrahe 32. 22. Helene Häuser, geb. Schneider, Witwe. 71 Jahre alt, Ludwigstrahe 8. 23. Sophie Henriette Deibel, geb. Henkel, 59 Jahre alt, Neuenweg 50. 23. Theodor Vogt. Kaufmann, 56 Jahre alt, Marktplatz 17. 24. Katharina Keiner, geb. Gombert, 70 Jahre alt, Hammstraße 12. 24. Johanna Mahr. Ver­käuferin. 19 3ahre alt, Löwengasse 22. 29. Konrad Vogt, Rentner, 81 Jahre alt. Bleichstratze 8. 30. Friedwald Salomon, 3 Wochen alt. S>ein­straße 23.

" Oeffentliche Dücherhalle. 3m Juni wurden 101? Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 553, Zeit­schriften 109, Iugendschriften 59, Literatur­geschichte 7, Gedichte und Dramen 15, Länder- und Völkerkunde 45, Kulturgeschichte 16, Ge­schichte und Biographien 92, Kunstgeschichte 20, Naturwissenschaft und Technologie 44, Heer- und Seewesen 10, Haus- und Landwirtschaft 4, Reli­gion und Philosophie 18, Staatswissenschaft 11, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 8 Bände. Nach auswärts kamen 5 Bände.

** E i n Verkehrsunfair ereignete sich gestern abend gegen V28 Uhr im Seltersweg vor dem GasthausHindenburg". Dort wollte der Lenker eines hochbeladenen Postwagens mit der abendlichen Paketpost vom Stadtpostamt einem vor dem GasthausHindenburg" haltenden Auto ausweichen und kam dabei mit dem linken Hinterrad in das Gleis der Straßenbahn. Das Rad Hemmte sich hierbei in dem Gleis fest und brach auseinander. Der Wagen neigte sich in­folgedessen erheblich zur Seite, fiel aber zum Glück nicht um. Die Straßenbahn mußte, da der Postwagen das Gleis sperrte, für einige Zeit Llinsteige-Pendelverkehr im Seltersweg einrichten, bis die perbeigerufene Feuerwache den Post­wagen gehoben und ihm ein neues Rad gegeben hatte. Erfreulicherweise sind die Begleiter des Postwagens und auch dessen Pferde ohne Scha­

den davongekvmmen. Der Unfall ist auf höhere Gewalt zurückzuführen, man kann eben für der­artige Zufälligkeiten des Verkehrs niemand ver­antwortlich machen. Natürlich hatte das Vor­kommnis einen riesigen Menschenauslauf zur Folge.

** Oberhefsischer Kun st verein. Die derzeitige Ausstellung heimatlichen Charakters, die letzte in diesem Sommer, erfreut such regen Desu^. Ausgenommen wurden noch Porträte des Malers Karl Geist.

** Die Hessische Mi ssionskonf e- r e n z wird morgen und am Montag ihre dies­jährige Hauptversammlung in unserer Stadt ab­halten. Dem Zweck der Veranstaltung entspre­chend sind fachmännische Vorträge über Reli­gionsfragen vorgesehen, worüber wir in unserer Donnerstag-Ausgabe bereits nähere Mitteilungen! machten. Die Vortragszeiten sind aus der An­zeige am Mittwoch und aus dem Lageskalen- der ersichtlich.. Sämtliche Veranstaltungen sind öffentlich.

** Der Alice-Frauen-Berein vom Roten Kreuz begeht am 10. Juli sein diesjäh« riges Fest für Kinder und Erwachsene, das in erster Linie für die Kinder ein Märchenfest sein wird. Die tanzlustige Jugend soll bei den Klängen der Kapelle Topp natürlich auch nicht zu kurz kommen. Der Verein wird bei der Vorbereitung des Festes in weitgehender Weise von den grauenvereinen und den Damen der Kindergärten unterstützt. Genuß« reiche Stunden sind bestimmt zu erwarten. Der Reinerlös der Veranstaltung soll nicht nur der ört­lichen privaten Wohlfahrtspflege eine Beihilfe fein, sondern auch die Bescherung unserer Kriegerkinder gewährleisten. Man beachte die heutige Anzeige.

**"" Geltendmachung von 2111 b e fi rechten im Anleiheablösungsver­fahren. Nach einer Erklärung, die der Ver­treter des Reichsfinanzministeriums gelegentlich der Aufwertungsberatungen im Rechtsausschutz des Reichstags abgegeben hat, wird den Altbesitzgläu- bigern von Markanleihen des Reichs nach bis spä­testens 31. August die nachträgliche Beantra­gung von Auslosungsrechten gestattet, wenn der Anleihegläubiger nachweist, datz er ohne sein Ver­schulden die rechtzeitige Anmeldung unterlassen hat. Anträge auf Bewilligung der Nachfrist sind an den Neichskommissar für Ablösung der Reichsanleihen alten Besitzes, Berlin, Alte Iakobstraße 117/1.20, zu richten. t

" Der Obst- und (Sartenbauüerein hielt am Mittwochabend im Safe Leib seine Haupt­versammlung ob. Dazu hatten sich außer einer ansehnlichen Anzahl Mitglieder auch zahlreiche Freunde des Obst- und Gartenbaues eingefunben. Aus dem vom Vorsitzenden, Lehrer Becker, erstatteten Jahresbericht ging hervor, daß der Verein, der sich die FörderungbeS Obst- und Ge- müsebaues mit Einschluß der Blumenpslege in un­serer Stadt zur Aufgabe gemacht hat, auch im ab gelaufenen Jahr sein ZiÄ fest im Auge behal­ten hat. Zwei Ausstellungen zeigten dem. Außen­stehenden das Ergebnis rastloser Arbeit der Ver­einsmitglieder. 3m laufenden 3ahre sind es hauptsächlich zwei größere Probleme, die der be­sonderen Behandlung harren: das systematische plmpfropfen älterer Obstbäume zum Zwecke der erfolgreichen Bekämpfung ausländischer Konkur­renz auf dem heimischen Obstmarkt und die Schäd­lingsbekämpfung an den Bäumen durch intensivere! Spritztättgkeit. Zur Verbesserung der zum Teil durch den vermehrten Gebrauch von künstlichem Dünger spröde und krustig gewordenen Gartest­bodens und zu seiner Vermehrung mit humusbil- denden Stoffen sott Torfmull zur Verwendung kommen. Der Bezug wird im großen durch den Verein geschehen. Der Kassenbericht zeigte daS erfreuliche Bild eines sich stetig entwickelnden Vereinslebens. Nach der Wiederwahl von drei ausscheidenden Vorstandsmitglledern war der ge­schäftliche Teil beendet. Ein Vortrag vom Garten- infpettor R eh n el t behandelte anschtteßend die Pflege der Obstbäume in ihrem Kampfe gegen tie­rische und pflanzliche Schmarotzer und gab prak­tische Winke zur erfolgreichen Bekämpfung dieser Schädlinge. Die Ausführungen verfehlten ihre Wirkung auf die zahlreiche Zuhörerschaft nicht, was sich in der lebhaften Aussprache bemerfbar machte.

e* Zum Turnier des Reit- und Fahrklubs Gießen sei in Richtigstellung einer Mitteilung in dem Bericht über den Wettbewerb ländlicher Reitervereine" noch nachgetragen, daß der 1. Preis bei diesem Wett­bewerb von dem Reit- und Fahrverein Großen-Linden errungen wurde, nicht von dem Verein Großen-Buseck, wie uns irrtümlich berichtet worden war.

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