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Schwierigkeiten äußerer Aatur kommen auch solche innerpolitischer Natur, die vorläufig noch gegen einen russisch-persischen Ausgleich sprechen: Der Kapitalmangel des Landes erschwert die versprochenen (Reformen und den wirtschaftlichen Aufbau des Landes,^ da natürlich in dieser Situa'ivn keines der großen kapitalkräftigen Länder den Mut findet. Persien mit größeren, Kapitalien unter die Arme zu greifen. Wozu Dann noch kommt, daß die Perser selbst kein Einsehen in dir Mechanik der Dinge haben, und gegen Die offizielle PolitiOm Parlament aas nicht verstandenen nationalen TSTrünöcn opponieren, was wieder zu den dauernden Ministerkrisen des Landes führt.
Der (Regierung des neuen Schahs wird man daher wohl keine Vorwürfe machen können, wenn alles, was im Lande getan wird, nur u n end- l i ch langsam geschieht. Die Ausgabe, ein völlig zerrüttetes und verarmtes Land in die Höhe zu bringen, ist eben außerordentlich schwer, selbst für einen fo begabten und einsichtigen Herrscher wie (Refa Schah Pählawi.
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Zählung von 1920 jedoch 27 000 Fremde und 936 000 Chinesen. Den Hanplanteil Der Fremden stellen die Japaner mit 10 500 Köpfen, bann folgen Die Briten mit 5800. die Amerikaner mit 2800, Die Portugiesen mit 2000. Franzosen sind nur 700. Deutsche nur 500 ansässig. Die gesamte Einwohnerzahl der Stadt mit Einschluß Der Chinesenstadt wird auf nahezu 2 Millionen geschäht.
Die wirtschaftliche Bedeutung von Schanghai beruht neben feigem Charakter als Handelszentrum vor allem auf feiner 3 n b u ft r i e. Es besitzt drei große japanische, fünf britische und eine Reihe chinesischer Seidenspinnereien, wovon die japanischen ein Kapital von 4.5 M.ll.. Die britischen von 18 Will, und die chinesi'chen von 40 bi? 50 Mill. Mark dar'teilen:. Außerdem sind japanische, britische und chinesische Baumwol- s p i n n e r e i e n, Maschinenfabriken. Eisenwerke, eine Papier- und eine Seifenfabrik vorhanden.
Die Umgebung Der Stadt, die in einer frucht- baren, gut bewässert* n Schwemmlandebene liegt, ist sehr gut u. musterhaft angebaut. Etwa 70Pzt. der Anbaufläche trägt Reisfelder; ferner werden noch Dohnen sehr viel angebaut. Die Viehzucht bildet dagegen nur eine Rebenbeschäs- tigung, und auch Der Fischafng spielt hier keine
der Gewährung von Oelkonzellionen verlangte es jetzt mit einemmal auch noch den Abschluß eines Freundschaftsvertrages nach dem Muster des türkisch-persischen — stellte also ein Verlangen, das natürlich von Persien abgelehnt werd:n mußte, weil es gegen England nicht Stellung nehmen konnte. Die Verhandlungen. die so hoffnungsvoll begonnen hatten, endeten daher mit Der Abreise Limurtaschs Moskau, ohne daß es zu einer (Bereinigung gegenseitigen Verhältnisse gekommen wäre. Das ist Die internationale Lage des Landes, sich etwa seit Drei Monaten ..stabilisiert"
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wesentliche Rolle.
Die Einfuhr besteht hauptsächlich in Metallwaren. Webwaren. Kohle, Zucker, Papier, und beträgt etwa 1' . Mill. Mark. Die Ausfuhr umfaßt besonders Seide, Baumwolle, Reis. See und Bohnen. Der jährliche Gesamtumsatz beläuft sich auf 2'bis 3 Mill. Mark. lDiese Zahlen gelten ~ Den letzten zwei Jahren ist infolge Wirren und des zeitweiligen Boy-
und die aus sich heraus auch wohl vorläufig keine Aenderung erfahren Dürfte. Denn zu diesen
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Waren durch die Chineen Der kehr zurückgegangen. Seine wrlt- Bedeutung wird Schanghai auch Rückgabe der Fremdenlvnzessionen behalten, wenn auch die Zeit seiner wirtschaftlichen Höchstblüte vielleicht dahin ist.
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Frankfurter Theater.
BenIonsons „lieblose' Komödie ,D o l - pone. oder der Tanz ums Geld" in Der freien Bearbeitung Stefan Zweigs ergab einen angeregten Abend im Reuen Theater. D.ese Komödie vom Tanz ums Geld hat ein uraltes und ewig junges Thenrn. dessen SramaiJterung kjch verlohnt. Allerdings hätte Stefan Zweig Der. Urheber der 3Dce, Ben Ionson (der ein Zeitgenosse Shakespeares war) ein wenig freie? und moderner bearbeiten tonnen, um den einzelnen Tänzern in diesem wilden, gierigen und zynischen Reigen das Gesicht unserer Tage zu ver- leihen. „Rach Dolde Drängt, am Dolde hangt doch alles." Von dieser Erkenntnis gepackt, läßt der reiche Dolvone die von ihm ausersehenen Figuranten Den Tanz ums goldene Kalb antreten. Er hetzt sie in einem bösartigen Tempo durcheinairder und lenkt von der Geldtruhe aus, voll grausamer Freude seine Marionetten. 2ll»er das wpicl will, daß er selber die Herrschaft verliert und von seinem Dolde lassen muß. Man spürte Die einstige Welt (Ben Ionsons starker aus dem Spiel, als die heutige Stefan Zweigs; schade, das Werk hätte blutvoller gestaltet werden können. Die Regie Max OphülS verwandte viel Sorgfalt und künstlerische Dedacht- samkeit auf den Abend. Eine interessante Leistung war Droßmanns Dolpone, von starker Eindringlichkeit Gaugls Kaufmann und der
schützende Brust. Selig kuschelte sich daS Affen- kind in die Warme, versank in einem Wald von Haaren, fühlte noch eine zärtliche Hand auf feinem Köpfchen, und Dann war nichts mehr als Schlaf, tiefer Schlaf Der Erschöpfung ..
Die Makaken erhoben morgend ein grcßcs Geschrei, als sie das winzige silberässchen vergnügt in den Armen des großen Schimpansen sitzen sahen. Auch Die Menschen waren erstaunt ob des ebenso seltsamen wie zärtlichen Pflegevaters. Jimmy, der Schimpanse, sah eS an ihrem Mienenspiel. Doch lieh er sich nichts inerten und stellte sich dumm. Denn er war ein Weltweiser.
nander laufen. Schließt Der Schrank nicb‘ voll- ominen dicht, ist es gut. einen Vorhang im schrank anzubringen, um die Wäsche vor Staub >i schützen. An der Tür vergesse man nicht ein §stes Band zu befestigen, an Dem man frei gewordene Wäschebänder oufhängt. Von Den beiden Schubladen. Die der untere Teil meines Wäsche» 'chrankes enthält, sei die eine für die Aufbewahrung Der verschiedenen Taschen, die die Teller-, Die Jablettöeden, Die Papierservietten u. Dgf. enthalten. bestimmt. Die andere birgt Tischläufer und Mitteldeckchen, die man auf Papprollen wickelt. So vermeidet man Die lästigen Brüche, Die durch das Zusammenlegen Der gestärkten Decken entliehen. Ein Eckchen birgt endlich noch das Wäsche-Inventarverzeichnis. Die Hausfrau mache zuerst eine Bestandaufnahme, streiche jedes Stuck, das ausrangiert wird, und notiere jedes neu hinzukommende Stück, wobei sie auch das Datum des Erwerbs und Den Ramen der Firma, von der es stammt, hinzufügt. Sie kann dann leicht feststellen. ob sie mit der Haltbarkeit Der betreffenden Wäsche zufrieden ist. Zugleich aber ermöglicht ein solches Verzeichnis eine genaue Kontrolle, was besonders in Fällen, die eine Vertretung bet Hausfrau nötig machen, fehr angebracht ist.
K. G.
Wucherer KnerS: Die übrigen waren mit bestem Wollen bei Der Sache. Das Publ tum ließ sich vorn Stoffe interessieren und ging beifallsfreudig mit. obwohl Der Abend sich ziemlich in Die Länge zog.
3n das Operettentheater ist eine neue Operette eingekehrt, das ,.P u ß t a lie b ch e n" hat Die „Zirkusprinzefsin" abgelöft. Michael Krauß hat Die geschmackvolle, melodiöse Musik zu Der ziemlich bewegten Handlung Wilhelm Stetig komponiert. Seine mufilalifc en Einfälle find nicht besonders orgindl, aber die Instrumentierung ist gefällig, und einige von Den Schlagern haben Anwartschaft auf Popularität. Die Handlung selbst ist etwas linohaft, besonders im zweiten Akt. sehr viel Puhta-Romantik und noch mehr Liebe zwischen einem äußerst temperamentvollen Grafen, der stellenweise, um seine Angebetete zu geioinnen, Den Räuberhauptmann mimt, und eben dieser Angebeteten, einer jungen, mit einem alten Grafen Dcrbelrateten Gräfin. Eine sehr wichtige Rolle svielt noch ein Amulett Der jungen Frau, ein diamantenes Strumpfband Der Lukrezja! Kurz unD gut, auch Die'e Operette weiß, was man von ihr verlangt, und am Schluß hält Der Pußta-Gras fein Pußta- liebd;en im Ar n, und das traditionelle jugendlich heitere Liebespaar bekommt sich ebenfalls. Die Aufführung hatte dekorativen und musikalischen Schwung, dank Der Regie ADoks Wiesners unD Der musikalischen Leitung von Ernst
I. Topitz. Die über schone Stimmmittel verfügende, elegante Inge van Heer und ihr temperamentvoller Partner Willy Thunis bemühten sich erfolgreich um Daß romantische Liebespaar: die weniger romantischen Liebesleute waren bei Lisa RaDo unD Gustav Rothe- Carey in besten Händen; dazwischen Ruschi Wiesner als Herzogin, Karl Reuls Hos- rat a. D. und Adolf WieSners nervöser Der- sicherungsdirektor. Stimmung oben, Stimmung unten, Entladung der gesammelten Energien im donnernden Beifall. Das Publikum schien an Dem „Puhtaliebchen" lebhaftes Gefallen zu fin»
Persien zwischen Len Mächten.
Von unserem (f. H.)-Berichterstatter
Teheran. Februar 1927.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Seit Der Thronbesteigung (Refa Schahs ist es verhältnismäßig still in Persien geworden. Man hort nichts mehr von aufregenden Ereig. niffen und Die Dinge, die vor sich gehen, erscheinen meist nur von sekundärer Bedeutung. Das wird am ehesten klar, wenn man Die hier mit etwa dreiwöchentlicher Verspätung eintreffen- Den europäischen Zeitungen auf das hin kontrolliert. was über Persien in ihnen enthalten ist — nämlich abgesehen von Den Meldungen über die Ministerkrisen fo gut wie gar nichts. Daraus hat man in Europa den Schluß ziehen wollen, daß hier alles stagniere, und daß die Rührigkeit Resas erschöpft fei. seitdem er König geworden ist. 3a, man hat sogar, aus gewissen russischen Tendenzmeldungen herauslesen wollen, daß feine Stellung erschüttert ist, weil es ihm nicht gelang, weitere Erfolge in der inneren und der äußeren Politik herauszuholen.
Das ist jedoch wohl ein falsches Bild. Man kann behaupten, daß die bisherige langsame Aufbauarbeit im Inneren erfolgreich sor 1 schrei - t e t, und daß die Stellung Resas fester ist Derrn je. Es ist ihm gelungen, alle Widerstände gegen feine Person zu überwinden, die Finanzverwaltung des Landes weiter zu vervollkommnen, und das große Wege- und Eisenbahnprogramm zeigt, daß feine Tatkraft nicht eingeschlafen ist. Rur auf einem einzigen Gebiet ist es ihm nicht gelungen, weitere Erfolge zu erzielen — Dem Gebiet Der russisch-persischen Bezieh un- gen. Das liegt wohl aber in Der dlatur Der Dinge, und weniger an seinem persönlichen Mißgeschick. Da jedoch die Dinge in Europa nicht bekannt zu sein scheinen, Jet hier einmal kurz Darauf hingewiesen, wie sich dies Problem in Wirklichkeit anläßt.
Als vor etwa acht Monaten Refa Schah Pählawi Den persischen Königsthron bestieg, betonte man in ganz Persien, Daß mit diesem Ereignis Persien wieder zu einer selbständigen Macht geworden sei, die weder von Rußland noch von England in Zukunft mehr abhängig sein würde. Das Ansteigen des Rationalbewußtseins war dabei so stack, daß viele die alte Ohnmacht und ihre Folgen völlig vergaßen und einem politischen Optimismus huldigten, der geradezu phantastische Vorstellungen von der Bedeutung des Thronwechsels erweckte. Man vergaß, daß sehr wesentliche Teile des persischen Budgets von Dem Wohlwollen der
englischen Oel-Gesellschaften abhängig waren, unD daß andererseits Die Russen im Aorien Deß Landes indirekt einen großen Einifnß auf den Außenhandel zu nehmen vermochten. rocnn_ sic nur wollten. Man hielt cs für richtig, zunächst eine Außenpolitik zu führen. Die außergewöhnlich provozierend auf diese beiden Mächte wrr- ken mußte und schloß mit Der Türkei Den bekannten Freundschaftsvertrag, der r??'.>cr in Moskau noch in London Freude erwecken konnte. ^3a, Darüber hinaus verweigerte man beiden Parteien den Erwerb neuer Konzessionen im Lande und trieb mit Rußland die Dinge so weit, daß man es in der Frage Der Lianosow-Flscherei- Konzessionen zu einem offenen Bruch kommen lieh.
Persien geriet also gleich durch die ersten Handlungen der neuen Regierung sehr bald mit Den beiden am meisten am Lande interessierten Großmächten in ein ziemlich gespanntes Verhältnis. das allerdings zunächst durch Die Tatsache verschleiert wurde, daß weder Rußland noch England diesen Zustand nach außen hin in Erscheinung treten ließen. Deren Diplomatie hielt es vielmehr zunächst einmal süc ilüger. dem persischen Rationalstolz keine Kränkung widerfahren zu lassen und sie behandelte Persien deshalb mit einer Zuvorkommenheit, die den Eindruck erwecken mußte, als ob es mit dem Thronwechsel tatsächlich zu einer Groß nacht _ geworden war Dem Temperament der beiden Länder entsprechend. warb Rußland in ziemlich auffälliger und England in etwas mehr'Ucuckhallender Weiss um Die Gunst des neuen Regimes.
Aber sehr bald ffelli: sich heraus, daß dieses aus Klughcitsgründen c ingeschlagene Verhalten zu keinem Erfolge führte. Da Persien naturgemäß nicht Daran dachte, reale Interessen aufzugeben, ohne hierfür entsprechende Konzefsionen zu erhalten. Da zugleich die persische Regierung mit anderen Ländern als den beiden eigentlich allein machtpolitisch interessierten eng zusammenzuarbei- ten begann — so wurden Amerikaner. Belgier, Italiener. Franzosen und Deutsche bei Der Vergebung von Spezialistenstellen vor Aussen und Engländern bevorzugt - wechselte nach wenigen Wochen bereits die Taktik Der beiden Großmächte. England unternahm Vorstellungen wegen des persisch-türkischen Vertrages, die in Persien eine tiefe Verstimmung auslösten. während Rußland sich sogar zu einer Ankündigung offener Fehde entschloß. Es kündigte den persisch-russischen Handelsvertrag und sperrte seine Grenzen für alle persischen Waren. Zugleich begann Rußland wieder zu seiner Politik der indirekten Intervention zurückzukehren und zettelte A u f st ä n d e gegen die Zentralregierung an, die dieser viel zu schaffen machten.
So entstand ein Zustand. Der einer Lähmung Der gesamten Aktionsfähigkeit Der persischen (Regierung gleichkam und diese zu einer Aenderung ihrer ursprünglichen Haltung zwang. Die vom Parlament verlangte Ausschaltung des Einflusses Moskaus und Englands ließ sich eben nicht durchführen, und an Stelle einer solchen Politik trat sehr bald wieder das bewährte Rezept Refa Schahs, wonach eine Neutralisier ung der beiden Mächte erftrebt wurde. Das heißt also, man ging dazu über, wieder beiden Parteien gleichmäßig Konzessionen zu machen und dabei ein gewisses Gleichgewicht zu wahren. Russen und Engländer sollten sich gegenseitig neutralisieren. Da aber die Taktik der beiden Mächte eine sehr verschiedene war, ergab sich aus Der an sich richtigen Grundeinstellung nur ein Erfolg nach der einen Seite. Es gelang nur, das Verhältnis mit England ins Reine zu bringen, nicht aber das mit Rußland.
Persien wurde hierdurch gezwungen, größere Aktionen zu unternehmen, um so mehr als sich immer mehr herausstellte, daß die Sperre der nordpersischen Grenze für die dortige Bevölkerung empfindliche Schädigungen mit sich brachte. Daher entschloß sich (Refa Khan, seinen Vertrauten. Den Hofminister Timur 1 asch. persönlich nach Moskau zu entsenden und ihm die Regelung der persisch-russischen Streitfragen zu übertragen. Die Mission dieses (Mannes,_ der Dann bekanntlich später auch nach Der Türkei geschickt wurde, verlief erfolgreich, soweit es sich um die (Regelung Der konkreten Streitfragen handelte, lieber die Fischercikonzessionen und die Umgestaltung des Handelsvertrages kam man sehr bald zu einem für beide Parteien annehmbaren Kompromiß. Als es soweit war, entstanden aber neue Schwierigkeiten. Rußland, das sich bis dahin gemäßigt gezeigt hatte, drehte überraschend den evpieß um, und forderte vor Ratifizierung Der neuen Vereinbarungen, daß Persien ihm größere Konzessionen zu machen habe. Außer
Schanghais wirtfchaftlichs Bedeutung
Von Dr. H. Maier
Die jetzt so viel genannte Stadt Schanghai ist her weitaus wichtigste Hafen Chinas unD spielt im Handel des gesamten Ostasiens eine führende Rolle. Das chinesische Wort Schanghai bedeutet „am Ql?.er"; doch trifft dieser Rame nicht wörtlich zu, denn die am We stuf er des Hwangpu gelegene Stadt ist etwa 25 Kilometer vom rechten Mündungsarm des gewaltigen Jangtse-Stromes entfernt. Schanghai ist das eigentliche Zent.um des chinesischen Auslandshandels, und übertrifft an wirtschaftlicher Bedeutung Die Hauptstadt Peking, die nur Die neuerdings ebenfalls umstrittene Rolle des Regierungssitzes spielt. Der noch im Bereiche Der Gezeitcnwirkung liegende Flußhafen oon Schanghai ist durch Ausbaggerung und Durchstiche auch für Die größten Seeschiffe zugänglich gemacht und besitzt weit ausgedehnte Kais und Ladeeinrichtungen.
Während in Südchina in dem portugiesischen Macao feit 1557 und später in dem britischen Hongkong schon lange europäische (Riebe r- lassungen beftanDen. wurde in Rordchina die Oeffnung von Schanghai für Den fremden Handel erst 1842 nach dem berüchtigten Opiumkrieg durch Den Vertrag von (Nanking erzwungen. Da die Engländer Die günstige Lage des fast genau in Der Mitte Der chinesischen Küste befindlichen Platzes erkannten. 1849 wurde die französische Niederlassung gegründet, und 1853 nach Dem Taipingaufstande wurden die internationalen Konzessionen weiter ausgedehnt. Der älteste Stadtteil, die Chinesenstadt, besitzt enge, unregelmäßige Straßen und ist von einem 1554 gegen japanische Seeräuber errichteten Grdwall mit Ziegelverkleidung umgeben. Unmittelbar nördlich Daran schließt sich Die etwa 1,5 Quadratkilometer umfassende französische Niederlassung an. Den Hauptteil Der Stadt bildet Die sogen, internationale Riederlassung, die aus Der alten britischen und Der 1863 mit ihr verschmolzenen amerikanischen Ansiedlung besteht. Dazu kam später das weiträumig gebaute, viele ichöne Villen besitzende Westviertel, das durch Den künstlich gegrabenen „Derteidigungsfluß" von Der übrigen Stadt abgegrenzt ist. Schließlich hat Der Ausbau weiterer flußabwärts gelegener An- lerplätze noch ein Ostviertel entstehen lassen, wählend Der auf dem rechten Flußufer gelegene Stadtteil Putung hauptsächlich Wersten und Btapelplätze enthält. In sanitärer Beziehung ist das neue Schanghai musterhaft versorgt. Als erste Stadt Ostaslens erhielt Schanghai eine mo- Demc Wasserleitung, Die 1883 gebaut wurde. Wit Hangtfchou, Ranklng, und Wusung ist Die Stadt durch Eisenbahnen verbunden.
Die Internationale Ansiedlung umfaßt über 22 Quadratkilometer, sie steht bisyer noch unter eigener europäischer Selbstverwaltung, der auch Die in Der Fremdenniederlassung anfälligen Chinefen unterstehen. Die Verwaltung der französischen Ansiedlung ist von Der Der übrigen Frem- Dcnnieberlaffungcn völlig getrennt.- Die Einwohnerzahl der fremden Ansiedlungen ist sehr rasch gewachsen. Roch 1880 betrug sie nur 2200 Europäer und 108 000 Chinesen, nach der letzten
Zettschriflenschau.
Don der Seele des Arbeitslosen gibt M. Sonneborn in dem sehr zeitgemäßen Aussatz über „ErwerbslofenpäDago- gik", den die ..Zeitwende" (Verlag C. H. Beck in München) soeben veröffentlicht, folgende zutreffende und erschüi ernde Beobachtungen: „Die Seele des Proletariers überhaupt — und die des Erwerbslosen am meisten — ist nicht leicht und nicht schnell zu verstehen. Wir müssen unklar machen, daß die (Begriffe und Gefühle dieser Menschen, Die seit ihrer Schulentlassung, ja oft schon vor ihr, Tag für Tag stundenlang körperlich gearbeitet haben, von den unseren wesentlich verschieden sind. Ihnen ist Arbeit unD Gelderwerb identisch. Arbeit, Die diesem Zweck nicht Dient, ist eben Beschäftigung, erscheint Dem Proletarier zuweilen fast wie Zeitvergeudung,' ja wie Unsinn. Auch er arbeitet gern, zieht eine Art Der Crwerbsarbeit Der anderen vor, aber daß Arbeit an sich Freude bereiten kann, ist ihm eine fremde Vorstellung. Was Freude macht, erscheint ihm als Gelderwerb undenkbar, ist in seinem Sinne eben nicht „Arbeit". Im Geldverdienen, D. h. darin, daß er durch eigene Arbeit, wenn auch einfach, ja vielleicht Dürftig, aber selbständig, unabhängig, ohne „betteln zu brauchen", leben kann, sieht er seine Ehre; seine Selbstachtung wurzelt in der Erwerbsarbeit. Von „Almosen" leben kommt dem standesbewußten Proletarier oft härter an als mancher anderen Menschenkategorie. UnD als „Almosen" empfindet et jedes Einkommen, das et sich nicht durch das erworben hat, was er als Arbeit achtet. Infolgedessen ist seine Arbeitskraft ihm nicht nur höchstes wirtschaftliches, sondern auch sittliches Gut, Die Grundlage seiner wirtschaftlichen, aber auch seiner seelischen Eristenz.
UnD nun wird ihm mit Der Möglichkeit Diesen seinen höchsten und einzig unentbehrlichen Besitz zweckmäßig zu verwenden, die Grundlage seiner äußeren und inneren Existenz entzogen. Der Erwerbslose fühlt sich entehrt, geschändet. Immer und überall quält ihn die Empfindung, nutzlos, geduldet, über die Achsel angesehen. lästig au sein. Er versteht Die Welt einfach nicht mehr. Es erscheint ihm ungerecht, sinnlos, daß er — schuldlosI — zum Nichtstuer, zum „Unterstützungsempfänger" verurteilt ist. Mit seinem kostbaren, einzigen Gut. seiner Arbeitskraft, fühlt er sich selbst entwertet. Die Verpflichtung der Gesellschaft, ihn zu erhalten, sieht er theoretisch gewiß ein. Die Versammlungen Der Erwerbslosen hallen wider von Forderungen; man ist grundsätzlich unzufrieden, schimpft und flogt "an. leider meistens mit, aber ebenso gern auch wohl einmal ohne Recht. Man weiß und betont geflissentlich, daß man zu ver-
Affen.
Don Marie Henriette ©teil.
Im Käfig der Makaken hockte als einziges seiner Art ein junges Silberäffchen mit gefträub- tem Fell zitternd und zähnellappernd im Stroh. Es fror und fürchtete sich unsagbar.
Unbegrcifltd)e8 Geschehen, eine grausame Rächt hatte ihm seine Welt geraubt Seine Well, haß war bis heute ein weiches, langhaariges Fell gewesen an einer treuen Mutterbruft. und Liebe, Wärme. Sattfein und Geborgensein. Zärtliche Mu^erhände hatten mit ihm getändelt und gekost, und eine süße, wohlbekannte Stimme hatte den lieben langen Tag mit ihm geplaudert, ge- zwitschert und gegurrt.
So war es Immer gewesen, von Anfang an, leit für haß ©UbcräffCbcn Die Welt bestand. Aber Dann war das Unglück gekommen, über Rächt, dos große, unbegreifliche Unglück. Unbegreiflich, denn Daß Asfenkind wußte nichts von Menschen, die Handel treiben mit fühlenden Tieren tote mit toter Ware
Die Rächt hatte Daß Silberässchen noch friedlich in Der Mutter Arm geschlafen, so süß, so warm, aber als es am Morgen die Augen auf- schlug, lag eß frierend im Stroh des großen, tremhen MakalenkäfigS. Verwundert hatte es sich Die Augen gerieben und tastend die Händchen außgeftredt nach Dem gewohnten warmen Pelz, iber eß griff ins Leere. Die Mutter war fort. Stall ihrer umsprang eS Die wilde Horde der kreischeirden Makaken.
Da begann das Silberäffchen jänunerluf) zu quäken. unD als gar eines der übermütigen Makakenkinder es neckend an feinem wunderschönen, nachtfchwarzen Schwänze zupfte, verdrehte es die Acuglein und tat, alS ob es gleich in Krämpfe fiele vor Angst.
Eine mütterliche Makakendame aber setzte ull seinen Schreckeit die Krone auf; als sie Daß niedliche Aefschen liebevoll zu ihrem Sprößlina in Die Arme nahm, Da schrie es so durchdringend und strampelte so verzweifelt, daß Die Aesfin
Daß ungebärdige Pflegekind unwillig wieder fallen lieh.
Halbtot von Den außgeftanDenen Aengsten blieb das Aeffchen sitzen, wo es hingekollert war, im Winkel hart am Gitter des Rebenkäfigs, den es noch gestern mit feiner Mutter bewohnt hatte, und in Dem setzt ein riesengroßer, mürrischer Schimpanse saß. Trotz Der gefährlichen Rachbarschaft wagte es nicht, sich von der Stelle zu rühren, auch nid)t, als Der Wärter mit Dem Futter kam, fo sehr es auch Der Hunger plagte. Hier hatte es wenigstens Ruhe vor Den Makaken, Die Die Rahe des Schimpansen vorsichtig mieden.
Bösartig schien Jimmy, der Schinrpanse. nicht zu sein. Anscheinend nicht erbaut fron feiner neuen, etwas engen Wohnung, faß er mürrisch da und wandte Den vorlauten Makaken verächtlich den Rücken. So begnügte das Silberässchen sich damit, die Bewegungen des (Riefenaffen sorgfältig zu überwachen und blieb ungestört am Gitter hocken, bis endlich Die Rächt he reinbrach.
Als auch Der letzte Makate einaeschlafen war, verkroch daß unglückliche Affentind sich so gut es ging im Stroh. Dann lag eß schlaflos, stundenlang. frierend und hungernd mit schmerzenden Gliedern. Die steif geworden waren vom ungewohnten Kauern auf harter Unterlage. Manchmal regte sich ein Malaie im Schlaf, aber der Schimpanse schlief fest, Daß Silberässchen hörte deutlich fein Schnarchen. Mit wachen Sinnen spürte eß in Die Dunkelheit. Der Hunger wurde nagender, die Kälte beißender, je weiter die Rächt vorrückte, unerträglich schmerzten die Reinen Glieder, und auf einmal begann daß verlassene Aeffchen laut zu klagen. In jammervollen Tönen rief es nach her Mutter, streckte verzweifelt Die kalten Händchen auß — da horte eß dicht neben sich einen Ton. der es vor Glück erbeben lieh, ein zärtliches Gurren, genau wie es di« Mutter hören lieh, wenn sie thr Kind zum Schlaf in die Amre nahm.
Aus steifen Deinen kroch das Aeffchen her lockenden Stimme nach, zwängte sich durch ein Gitter. Da war Daß Gurren ganz nahe, Wärme kam ihm entgegen und ein welches Fell und eine


