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Schwierigkeiten äußerer Aatur kommen auch solche innerpolitischer Natur, die vor­läufig noch gegen einen russisch-persischen Aus­gleich sprechen: Der Kapitalmangel des Landes erschwert die versprochenen (Reformen und den wirtschaftlichen Aufbau des Landes,^ da natürlich in dieser Situa'ivn keines der großen kapitalkräftigen Länder den Mut findet. Persien mit größeren, Kapitalien unter die Arme zu greifen. Wozu Dann noch kommt, daß die Perser selbst kein Einsehen in dir Mechanik der Dinge haben, und gegen Die offizielle PolitiOm Parla­ment aas nicht verstandenen nationalen TSTrünöcn opponieren, was wieder zu den dauernden Mi­nisterkrisen des Landes führt.

Der (Regierung des neuen Schahs wird man daher wohl keine Vorwürfe machen können, wenn alles, was im Lande getan wird, nur u n end- l i ch langsam geschieht. Die Ausgabe, ein völlig zerrüttetes und verarmtes Land in die Höhe zu bringen, ist eben außerordentlich schwer, selbst für einen fo begabten und einsichtigen Herrscher wie (Refa Schah Pählawi.

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Zählung von 1920 jedoch 27 000 Fremde und 936 000 Chinesen. Den Hanplanteil Der Fremden stellen die Japaner mit 10 500 Köpfen, bann folgen Die Briten mit 5800. die Amerikaner mit 2800, Die Portugiesen mit 2000. Franzosen sind nur 700. Deutsche nur 500 ansässig. Die ge­samte Einwohnerzahl der Stadt mit Einschluß Der Chinesenstadt wird auf nahezu 2 Millionen geschäht.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Schanghai beruht neben feigem Charakter als Handels­zentrum vor allem auf feiner 3 n b u ft r i e. Es besitzt drei große japanische, fünf britische und eine Reihe chinesischer Seidenspinnereien, wovon die japanischen ein Kapital von 4.5 M.ll.. Die britischen von 18 Will, und die chinesi'chen von 40 bi? 50 Mill. Mark dar'teilen:. Außerdem sind japanische, britische und chinesische Baumwol- s p i n n e r e i e n, Maschinenfabriken. Eisenwerke, eine Papier- und eine Seifenfabrik vorhanden.

Die Umgebung Der Stadt, die in einer frucht- baren, gut bewässert* n Schwemmlandebene liegt, ist sehr gut u. musterhaft angebaut. Etwa 70Pzt. der Anbaufläche trägt Reisfelder; ferner werden noch Dohnen sehr viel angebaut. Die Viehzucht bildet dagegen nur eine Rebenbeschäs- tigung, und auch Der Fischafng spielt hier keine

der Gewährung von Oelkonzellionen verlangte es jetzt mit einemmal auch noch den Abschluß eines Freundschaftsvertrages nach dem Muster des türkisch-persischen stellte also ein Verlangen, das natürlich von Persien abgelehnt werd:n mußte, weil es gegen England nicht Stellung nehmen konnte. Die Verhand­lungen. die so hoffnungsvoll begonnen hatten, endeten daher mit Der Abreise Limurtaschs Moskau, ohne daß es zu einer (Bereinigung gegenseitigen Verhältnisse gekommen wäre. Das ist Die internationale Lage des Landes, sich etwa seit Drei Monaten ..stabilisiert"

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wesentliche Rolle.

Die Einfuhr besteht hauptsächlich in Metall­waren. Webwaren. Kohle, Zucker, Papier, und beträgt etwa 1' . Mill. Mark. Die Ausfuhr um­faßt besonders Seide, Baumwolle, Reis. See und Bohnen. Der jährliche Gesamtumsatz beläuft sich auf 2'bis 3 Mill. Mark. lDiese Zahlen gelten ~ Den letzten zwei Jahren ist infolge Wirren und des zeitweiligen Boy-

und die aus sich heraus auch wohl vorläufig keine Aenderung erfahren Dürfte. Denn zu diesen

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Waren durch die Chineen Der kehr zurückgegangen. Seine wrlt- Bedeutung wird Schanghai auch Rückgabe der Fremdenlvnzessionen behalten, wenn auch die Zeit seiner wirtschaftlichen Höchstblüte vielleicht dahin ist.

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Frankfurter Theater.

BenIonsonslieblose' Komödie ,D o l - pone. oder der Tanz ums Geld" in Der freien Bearbeitung Stefan Zweigs ergab einen angeregten Abend im Reuen Theater. D.ese Komödie vom Tanz ums Geld hat ein uraltes und ewig junges Thenrn. dessen SramaiJterung kjch verlohnt. Allerdings hätte Stefan Zweig Der. Urheber der 3Dce, Ben Ionson (der ein Zeit­genosse Shakespeares war) ein wenig freie? und moderner bearbeiten tonnen, um den einzelnen Tänzern in diesem wilden, gierigen und zyni­schen Reigen das Gesicht unserer Tage zu ver- leihen.Rach Dolde Drängt, am Dolde hangt doch alles." Von dieser Erkenntnis gepackt, läßt der reiche Dolvone die von ihm ausersehenen Figuranten Den Tanz ums goldene Kalb an­treten. Er hetzt sie in einem bösartigen Tempo durcheinairder und lenkt von der Geldtruhe aus, voll grausamer Freude seine Marionetten. 2ll»er das wpicl will, daß er selber die Herrschaft ver­liert und von seinem Dolde lassen muß. Man spürte Die einstige Welt (Ben Ionsons starker aus dem Spiel, als die heutige Stefan Zweigs; schade, das Werk hätte blutvoller gestaltet wer­den können. Die Regie Max OphülS ver­wandte viel Sorgfalt und künstlerische Dedacht- samkeit auf den Abend. Eine interessante Lei­stung war Droßmanns Dolpone, von starker Eindringlichkeit Gaugls Kaufmann und der

schützende Brust. Selig kuschelte sich daS Affen- kind in die Warme, versank in einem Wald von Haaren, fühlte noch eine zärtliche Hand auf feinem Köpfchen, und Dann war nichts mehr als Schlaf, tiefer Schlaf Der Erschöpfung ..

Die Makaken erhoben morgend ein grcßcs Geschrei, als sie das winzige silberässchen ver­gnügt in den Armen des großen Schimpansen sitzen sahen. Auch Die Menschen waren erstaunt ob des ebenso seltsamen wie zärtlichen Pflege­vaters. Jimmy, der Schimpanse, sah eS an ihrem Mienenspiel. Doch lieh er sich nichts inerten und stellte sich dumm. Denn er war ein Weltweiser.

nander laufen. Schließt Der Schrank nicb voll- ominen dicht, ist es gut. einen Vorhang im schrank anzubringen, um die Wäsche vor Staub >i schützen. An der Tür vergesse man nicht ein §stes Band zu befestigen, an Dem man frei ge­wordene Wäschebänder oufhängt. Von Den beiden Schubladen. Die der untere Teil meines Wäsche» 'chrankes enthält, sei die eine für die Aufbewah­rung Der verschiedenen Taschen, die die Teller-, Die Jablettöeden, Die Papierservietten u. Dgf. ent­halten. bestimmt. Die andere birgt Tischläufer und Mitteldeckchen, die man auf Papprollen wickelt. So vermeidet man Die lästigen Brüche, Die durch das Zusammenlegen Der gestärkten Decken ent­liehen. Ein Eckchen birgt endlich noch das Wäsche-Inventarverzeichnis. Die Hausfrau mache zuerst eine Bestandaufnahme, streiche jedes Stuck, das ausrangiert wird, und notiere jedes neu hinzukommende Stück, wobei sie auch das Datum des Erwerbs und Den Ramen der Firma, von der es stammt, hinzufügt. Sie kann dann leicht fest­stellen. ob sie mit der Haltbarkeit Der betreffen­den Wäsche zufrieden ist. Zugleich aber ermöglicht ein solches Verzeichnis eine genaue Kontrolle, was besonders in Fällen, die eine Vertretung bet Hausfrau nötig machen, fehr angebracht ist.

K. G.

Wucherer KnerS: Die übrigen waren mit bestem Wollen bei Der Sache. Das Publ tum ließ sich vorn Stoffe interessieren und ging beifallsfreudig mit. obwohl Der Abend sich ziemlich in Die Länge zog.

3n das Operettentheater ist eine neue Operette eingekehrt, das ,.P u ß t a lie b ch e n" hat DieZirkusprinzefsin" abgelöft. Michael Krauß hat Die geschmackvolle, melodiöse Musik zu Der ziemlich bewegten Handlung Wilhelm Stetig komponiert. Seine mufilalifc en Einfälle find nicht besonders orgindl, aber die Instru­mentierung ist gefällig, und einige von Den Schla­gern haben Anwartschaft auf Popularität. Die Handlung selbst ist etwas linohaft, besonders im zweiten Akt. sehr viel Puhta-Romantik und noch mehr Liebe zwischen einem äußerst tempe­ramentvollen Grafen, der stellenweise, um seine Angebetete zu geioinnen, Den Räuberhauptmann mimt, und eben dieser Angebeteten, einer jungen, mit einem alten Grafen Dcrbelrateten Gräfin. Eine sehr wichtige Rolle svielt noch ein Amu­lett Der jungen Frau, ein diamantenes Strumpf­band Der Lukrezja! Kurz unD gut, auch Die'e Operette weiß, was man von ihr verlangt, und am Schluß hält Der Pußta-Gras fein Pußta- liebd;en im Ar n, und das traditionelle jugend­lich heitere Liebespaar bekommt sich ebenfalls. Die Aufführung hatte dekorativen und musikali­schen Schwung, dank Der Regie ADoks Wies­ners unD Der musikalischen Leitung von Ernst

I. Topitz. Die über schone Stimmmittel ver­fügende, elegante Inge van Heer und ihr temperamentvoller Partner Willy Thunis be­mühten sich erfolgreich um Daß romantische Lie­bespaar: die weniger romantischen Liebesleute waren bei Lisa RaDo unD Gustav Rothe- Carey in besten Händen; dazwischen Ruschi Wiesner als Herzogin, Karl Reuls Hos- rat a. D. und Adolf WieSners nervöser Der- sicherungsdirektor. Stimmung oben, Stimmung unten, Entladung der gesammelten Energien im donnernden Beifall. Das Publikum schien an DemPuhtaliebchen" lebhaftes Gefallen zu fin»

Persien zwischen Len Mächten.

Von unserem (f. H.)-Berichterstatter

Teheran. Februar 1927.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Seit Der Thronbesteigung (Refa Schahs ist es verhältnismäßig still in Persien geworden. Man hort nichts mehr von aufregenden Ereig. niffen und Die Dinge, die vor sich gehen, er­scheinen meist nur von sekundärer Bedeutung. Das wird am ehesten klar, wenn man Die hier mit etwa dreiwöchentlicher Verspätung eintreffen- Den europäischen Zeitungen auf das hin kontrol­liert. was über Persien in ihnen enthalten ist nämlich abgesehen von Den Meldungen über die Ministerkrisen fo gut wie gar nichts. Dar­aus hat man in Europa den Schluß ziehen wollen, daß hier alles stagniere, und daß die Rührigkeit Resas erschöpft fei. seitdem er König geworden ist. 3a, man hat sogar, aus gewissen russischen Tendenzmeldungen herauslesen wollen, daß feine Stellung erschüttert ist, weil es ihm nicht gelang, weitere Erfolge in der inneren und der äußeren Politik herauszuholen.

Das ist jedoch wohl ein falsches Bild. Man kann behaupten, daß die bisherige langsame Auf­bauarbeit im Inneren erfolgreich sor 1 schrei - t e t, und daß die Stellung Resas fester ist Derrn je. Es ist ihm gelungen, alle Widerstände gegen feine Person zu überwinden, die Finanzverwal­tung des Landes weiter zu vervollkommnen, und das große Wege- und Eisenbahnprogramm zeigt, daß feine Tatkraft nicht eingeschlafen ist. Rur auf einem einzigen Gebiet ist es ihm nicht ge­lungen, weitere Erfolge zu erzielen Dem Ge­biet Der russisch-persischen Bezieh un- gen. Das liegt wohl aber in Der dlatur Der Dinge, und weniger an seinem persönlichen Miß­geschick. Da jedoch die Dinge in Europa nicht bekannt zu sein scheinen, Jet hier einmal kurz Darauf hingewiesen, wie sich dies Problem in Wirklichkeit anläßt.

Als vor etwa acht Monaten Refa Schah Pählawi Den persischen Königsthron bestieg, be­tonte man in ganz Persien, Daß mit diesem Er­eignis Persien wieder zu einer selbständigen Macht geworden sei, die weder von Ruß­land noch von England in Zukunft mehr abhängig sein würde. Das Ansteigen des Ratio­nalbewußtseins war dabei so stack, daß viele die alte Ohnmacht und ihre Folgen völlig ver­gaßen und einem politischen Optimismus hul­digten, der geradezu phantastische Vorstellungen von der Bedeutung des Thronwechsels erweckte. Man vergaß, daß sehr wesentliche Teile des persischen Budgets von Dem Wohlwollen der

englischen Oel-Gesellschaften abhängig waren, unD daß andererseits Die Russen im Aorien Deß Landes indirekt einen großen Einifnß auf den Außenhandel zu nehmen vermochten. rocnn_ sic nur wollten. Man hielt cs für richtig, zunächst eine Außenpolitik zu führen. Die außergewöhnlich provozierend auf diese beiden Mächte wrr- ken mußte und schloß mit Der Türkei Den be­kannten Freundschaftsvertrag, der r??'.>cr in Mos­kau noch in London Freude erwecken konnte. ^3a, Darüber hinaus verweigerte man beiden Par­teien den Erwerb neuer Konzessionen im Lande und trieb mit Rußland die Dinge so weit, daß man es in der Frage Der Lianosow-Flscherei- Konzessionen zu einem offenen Bruch kommen lieh.

Persien geriet also gleich durch die ersten Handlungen der neuen Regierung sehr bald mit Den beiden am meisten am Lande interessierten Großmächten in ein ziemlich gespanntes Verhält­nis. das allerdings zunächst durch Die Tatsache verschleiert wurde, daß weder Rußland noch England diesen Zustand nach außen hin in Er­scheinung treten ließen. Deren Diplomatie hielt es vielmehr zunächst einmal süc ilüger. dem persischen Rationalstolz keine Kränkung wider­fahren zu lassen und sie behandelte Persien des­halb mit einer Zuvorkommenheit, die den Ein­druck erwecken mußte, als ob es mit dem Thron­wechsel tatsächlich zu einer Groß nacht _ geworden war Dem Temperament der beiden Länder ent­sprechend. warb Rußland in ziemlich auffälliger und England in etwas mehr'Ucuckhallender Weiss um Die Gunst des neuen Regimes.

Aber sehr bald ffelli: sich heraus, daß dieses aus Klughcitsgründen c ingeschlagene Verhalten zu keinem Erfolge führte. Da Persien naturgemäß nicht Daran dachte, reale Interessen aufzugeben, ohne hierfür entsprechende Konzefsionen zu er­halten. Da zugleich die persische Regierung mit anderen Ländern als den beiden eigentlich allein machtpolitisch interessierten eng zusammenzuarbei- ten begann so wurden Amerikaner. Belgier, Italiener. Franzosen und Deutsche bei Der Ver­gebung von Spezialistenstellen vor Aussen und Engländern bevorzugt - wechselte nach wenigen Wochen bereits die Taktik Der beiden Großmächte. England unternahm Vorstellungen wegen des persisch-türkischen Vertrages, die in Persien eine tiefe Verstimmung auslösten. während Ruß­land sich sogar zu einer Ankündigung offener Fehde entschloß. Es kündigte den persisch-russi­schen Handelsvertrag und sperrte seine Grenzen für alle persischen Waren. Zugleich begann Rußland wieder zu seiner Politik der indirekten Intervention zurückzukehren und zettelte A u f st ä n d e gegen die Zentralregierung an, die dieser viel zu schaffen machten.

So entstand ein Zustand. Der einer Lähmung Der gesamten Aktionsfähigkeit Der persischen (Re­gierung gleichkam und diese zu einer Aenderung ihrer ursprünglichen Haltung zwang. Die vom Parlament verlangte Ausschaltung des Ein­flusses Moskaus und Englands ließ sich eben nicht durchführen, und an Stelle einer solchen Politik trat sehr bald wieder das bewährte Rezept Refa Schahs, wonach eine Neutralisier ung der beiden Mächte erftrebt wurde. Das heißt also, man ging dazu über, wieder beiden Parteien gleichmäßig Konzessionen zu machen und dabei ein gewisses Gleichgewicht zu wahren. Russen und Engländer sollten sich gegenseitig neutralisieren. Da aber die Taktik der beiden Mächte eine sehr verschiedene war, ergab sich aus Der an sich richtigen Grundeinstellung nur ein Erfolg nach der einen Seite. Es gelang nur, das Verhältnis mit England ins Reine zu brin­gen, nicht aber das mit Rußland.

Persien wurde hierdurch gezwungen, größere Aktionen zu unternehmen, um so mehr als sich immer mehr herausstellte, daß die Sperre der nordpersischen Grenze für die dortige Bevölke­rung empfindliche Schädigungen mit sich brachte. Daher entschloß sich (Refa Khan, seinen Vertrau­ten. Den Hofminister Timur 1 asch. persönlich nach Moskau zu entsenden und ihm die Re­gelung der persisch-russischen Streitfragen zu über­tragen. Die Mission dieses (Mannes,_ der Dann bekanntlich später auch nach Der Türkei ge­schickt wurde, verlief erfolgreich, soweit es sich um die (Regelung Der konkreten Streitfragen handelte, lieber die Fischercikonzessionen und die Umge­staltung des Handelsvertrages kam man sehr bald zu einem für beide Parteien annehmbaren Kom­promiß. Als es soweit war, entstanden aber neue Schwierigkeiten. Rußland, das sich bis dahin gemäßigt gezeigt hatte, drehte überraschend den evpieß um, und forderte vor Ratifizierung Der neuen Vereinbarungen, daß Persien ihm grö­ßere Konzessionen zu machen habe. Außer

Schanghais wirtfchaftlichs Bedeutung

Von Dr. H. Maier

Die jetzt so viel genannte Stadt Schanghai ist her weitaus wichtigste Hafen Chinas unD spielt im Handel des gesamten Ostasiens eine führende Rolle. Das chinesische Wort Schanghai bedeutetam Ql?.er"; doch trifft dieser Rame nicht wörtlich zu, denn die am We stuf er des Hwangpu gelegene Stadt ist etwa 25 Kilometer vom rechten Mündungsarm des gewaltigen Jangtse-Stromes entfernt. Schanghai ist das eigentliche Zent.um des chinesischen Auslandshandels, und übertrifft an wirt­schaftlicher Bedeutung Die Hauptstadt Peking, die nur Die neuerdings ebenfalls umstrittene Rolle des Regierungssitzes spielt. Der noch im Bereiche Der Gezeitcnwirkung liegende Flußhafen oon Schanghai ist durch Ausbaggerung und Durchstiche auch für Die größten Seeschiffe zu­gänglich gemacht und besitzt weit ausgedehnte Kais und Ladeeinrichtungen.

Während in Südchina in dem portugiesischen Macao feit 1557 und später in dem britischen Hongkong schon lange europäische (Riebe r- lassungen beftanDen. wurde in Rordchina die Oeffnung von Schanghai für Den fremden Handel erst 1842 nach dem berüchtigten Opiumkrieg durch Den Vertrag von (Nanking erzwungen. Da die Engländer Die günstige Lage des fast genau in Der Mitte Der chinesischen Küste befindlichen Platzes erkannten. 1849 wurde die französische Niederlassung gegründet, und 1853 nach Dem Taipingaufstande wurden die internationalen Konzessionen weiter ausgedehnt. Der älteste Stadtteil, die Chinesenstadt, besitzt enge, un­regelmäßige Straßen und ist von einem 1554 gegen japanische Seeräuber errichteten Grdwall mit Ziegelverkleidung umgeben. Unmittelbar nördlich Daran schließt sich Die etwa 1,5 Quadrat­kilometer umfassende französische Niederlassung an. Den Hauptteil Der Stadt bildet Die sogen, internationale Riederlassung, die aus Der alten britischen und Der 1863 mit ihr verschmolzenen amerikanischen Ansiedlung besteht. Dazu kam später das weiträumig gebaute, viele ichöne Villen besitzende Westviertel, das durch Den künstlich gegrabenenDerteidigungsfluß" von Der übrigen Stadt abgegrenzt ist. Schließlich hat Der Ausbau weiterer flußabwärts gelegener An- lerplätze noch ein Ostviertel entstehen lassen, wäh­lend Der auf dem rechten Flußufer gelegene Stadtteil Putung hauptsächlich Wersten und Btapelplätze enthält. In sanitärer Beziehung ist das neue Schanghai musterhaft versorgt. Als erste Stadt Ostaslens erhielt Schanghai eine mo- Demc Wasserleitung, Die 1883 gebaut wurde. Wit Hangtfchou, Ranklng, und Wusung ist Die Stadt durch Eisenbahnen verbunden.

Die Internationale Ansiedlung umfaßt über 22 Quadratkilometer, sie steht bisyer noch unter eigener europäischer Selbstverwaltung, der auch Die in Der Fremdenniederlassung anfälligen Chi­nefen unterstehen. Die Verwaltung der französi­schen Ansiedlung ist von Der Der übrigen Frem- Dcnnieberlaffungcn völlig getrennt.- Die Einwoh­nerzahl der fremden Ansiedlungen ist sehr rasch gewachsen. Roch 1880 betrug sie nur 2200 Euro­päer und 108 000 Chinesen, nach der letzten

Zettschriflenschau.

Don der Seele des Arbeits­losen gibt M. Sonneborn in dem sehr zeitgemäßen Aussatz überErwerbslofenpäDago- gik", den die ..Zeitwende" (Verlag C. H. Beck in München) soeben veröffentlicht, folgende zutreffende und erschüi ernde Beobachtungen:Die Seele des Proletariers überhaupt und die des Erwerbslosen am meisten ist nicht leicht und nicht schnell zu verstehen. Wir müssen un­klar machen, daß die (Begriffe und Gefühle die­ser Menschen, Die seit ihrer Schulentlassung, ja oft schon vor ihr, Tag für Tag stundenlang körperlich gearbeitet haben, von den unseren wesentlich verschieden sind. Ihnen ist Arbeit unD Gelderwerb identisch. Arbeit, Die diesem Zweck nicht Dient, ist eben Beschäftigung, erscheint Dem Proletarier zuweilen fast wie Zeit­vergeudung,' ja wie Unsinn. Auch er arbeitet gern, zieht eine Art Der Crwerbsarbeit Der anderen vor, aber daß Arbeit an sich Freude bereiten kann, ist ihm eine fremde Vorstel­lung. Was Freude macht, erscheint ihm als Gelderwerb undenkbar, ist in seinem Sinne eben nichtArbeit". Im Geldverdienen, D. h. darin, daß er durch eigene Arbeit, wenn auch einfach, ja vielleicht Dürftig, aber selbständig, unab­hängig, ohnebetteln zu brauchen", leben kann, sieht er seine Ehre; seine Selbstachtung wurzelt in der Erwerbsarbeit. VonAlmosen" leben kommt dem standesbewußten Proletarier oft härter an als mancher anderen Menschen­kategorie. UnD alsAlmosen" empfindet et jedes Einkommen, das et sich nicht durch das erworben hat, was er als Arbeit achtet. In­folgedessen ist seine Arbeitskraft ihm nicht nur höchstes wirtschaftliches, sondern auch sittli­ches Gut, Die Grundlage seiner wirtschaft­lichen, aber auch seiner seelischen Eristenz.

UnD nun wird ihm mit Der Möglichkeit Die­sen seinen höchsten und einzig unentbehrlichen Besitz zweckmäßig zu verwenden, die Grund­lage seiner äußeren und inneren Existenz ent­zogen. Der Erwerbslose fühlt sich entehrt, ge­schändet. Immer und überall quält ihn die Emp­findung, nutzlos, geduldet, über die Achsel an­gesehen. lästig au sein. Er versteht Die Welt einfach nicht mehr. Es erscheint ihm ungerecht, sinnlos, daß er schuldlosI zum Nichts­tuer, zumUnterstützungsempfänger" verurteilt ist. Mit seinem kostbaren, einzigen Gut. seiner Arbeitskraft, fühlt er sich selbst entwertet. Die Verpflichtung der Gesellschaft, ihn zu er­halten, sieht er theoretisch gewiß ein. Die Ver­sammlungen Der Erwerbslosen hallen wider von Forderungen; man ist grundsätzlich unzufrieden, schimpft und flogt "an. leider meistens mit, aber ebenso gern auch wohl einmal ohne Recht. Man weiß und betont geflissentlich, daß man zu ver-

Affen.

Don Marie Henriette ©teil.

Im Käfig der Makaken hockte als einziges seiner Art ein junges Silberäffchen mit gefträub- tem Fell zitternd und zähnellappernd im Stroh. Es fror und fürchtete sich unsagbar.

Unbegrcifltd)e8 Geschehen, eine grausame Rächt hatte ihm seine Welt geraubt Seine Well, haß war bis heute ein weiches, langhaariges Fell gewesen an einer treuen Mutterbruft. und Liebe, Wärme. Sattfein und Geborgensein. Zärt­liche Mu^erhände hatten mit ihm getändelt und gekost, und eine süße, wohlbekannte Stimme hatte den lieben langen Tag mit ihm geplaudert, ge- zwitschert und gegurrt.

So war es Immer gewesen, von Anfang an, leit für haß ©UbcräffCbcn Die Welt bestand. Aber Dann war das Unglück gekommen, über Rächt, dos große, unbegreifliche Unglück. Unbegreiflich, denn Daß Asfenkind wußte nichts von Menschen, die Handel treiben mit fühlenden Tieren tote mit toter Ware

Die Rächt hatte Daß Silberässchen noch fried­lich in Der Mutter Arm geschlafen, so süß, so warm, aber als es am Morgen die Augen auf- schlug, lag frierend im Stroh des großen, tremhen MakalenkäfigS. Verwundert hatte es sich Die Augen gerieben und tastend die Händchen außgeftredt nach Dem gewohnten warmen Pelz, iber griff ins Leere. Die Mutter war fort. Stall ihrer umsprang eS Die wilde Horde der kreischeirden Makaken.

Da begann das Silberäffchen jänunerluf) zu quäken. unD als gar eines der übermütigen Makakenkinder es neckend an feinem wunder­schönen, nachtfchwarzen Schwänze zupfte, verdrehte es die Acuglein und tat, alS ob es gleich in Krämpfe fiele vor Angst.

Eine mütterliche Makakendame aber setzte ull seinen Schreckeit die Krone auf; als sie Daß niedliche Aefschen liebevoll zu ihrem Sprößlina in Die Arme nahm, Da schrie es so durchdringend und strampelte so verzweifelt, daß Die Aesfin

Daß ungebärdige Pflegekind unwillig wieder fallen lieh.

Halbtot von Den außgeftanDenen Aengsten blieb das Aeffchen sitzen, wo es hingekollert war, im Winkel hart am Gitter des Rebenkäfigs, den es noch gestern mit feiner Mutter bewohnt hatte, und in Dem setzt ein riesengroßer, mürrischer Schimpanse saß. Trotz Der gefährlichen Rach­barschaft wagte es nicht, sich von der Stelle zu rühren, auch nid)t, als Der Wärter mit Dem Futter kam, fo sehr es auch Der Hunger plagte. Hier hatte es wenigstens Ruhe vor Den Makaken, Die Die Rahe des Schimpansen vorsichtig mieden.

Bösartig schien Jimmy, der Schinrpanse. nicht zu sein. Anscheinend nicht erbaut fron feiner neuen, etwas engen Wohnung, faß er mürrisch da und wandte Den vorlauten Makaken verächt­lich den Rücken. So begnügte das Silberässchen sich damit, die Bewegungen des (Riefenaffen sorg­fältig zu überwachen und blieb ungestört am Gitter hocken, bis endlich Die Rächt he reinbrach.

Als auch Der letzte Makate einaeschlafen war, verkroch daß unglückliche Affentind sich so gut es ging im Stroh. Dann lag schlaflos, stunden­lang. frierend und hungernd mit schmerzenden Gliedern. Die steif geworden waren vom un­gewohnten Kauern auf harter Unterlage. Manch­mal regte sich ein Malaie im Schlaf, aber der Schimpanse schlief fest, Daß Silberässchen hörte deutlich fein Schnarchen. Mit wachen Sinnen spürte in Die Dunkelheit. Der Hunger wurde nagender, die Kälte beißender, je weiter die Rächt vorrückte, unerträglich schmerzten die Reinen Glieder, und auf einmal begann daß verlassene Aeffchen laut zu klagen. In jammervollen Tönen rief es nach her Mutter, streckte verzweifelt Die kalten Händchen auß da horte dicht neben sich einen Ton. der es vor Glück erbeben lieh, ein zärtliches Gurren, genau wie es di« Mutter hören lieh, wenn sie thr Kind zum Schlaf in die Amre nahm.

Aus steifen Deinen kroch das Aeffchen her lockenden Stimme nach, zwängte sich durch ein Gitter. Da war Daß Gurren ganz nahe, Wärme kam ihm entgegen und ein welches Fell und eine