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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Mittwoch. 2. Mär; 1921

Nr. 5l Zweites Blatt

Aus dem Reiche der Frau.

Frühjahrssorgen.

Don Tlara Prieß.

FrLhjahrSsvrgen? Die mühte es gar nicht geben. Ganz hell und leicht sollte es uns allen mit dem wiederkehrenden Sonnenschein umS Her- Werden.

And doch hat auch diese schönste Jahreszeit für die geplagt« HauSsrau ihre Sorgen und Jüden. Danen und Haus sollen instand gesetzt, die Wintersachen sortgepackt. di« Sommcrkleidung besorgt werden. And vor allem steht in diesen lichten Tagen der Hausfrau ein überliefertes Aebel bevor: bai Drohreinemachen, der Haus­putz, wie man am Rhein sagt. Das bedeutet wochenlang Aeberonstrengung für HauSsrau und Hausangestellte, Hintenansehen von allerlei an­deren Pflichten, bedeutet Angemütlichkeil. Zug­luft und Erkältung für die ganze Familie und Deldausgaben und schlechte Laune für den Haus­herrn.

Wir sind ärmer geworden an Mitteln, unsere Häuser tote früher auf- beste in Ordnung zu halten ärmer an Leistungsfähigkeit und Spann- Kast. Da heiht es für jede HauSsrau, sich klar zu machen, wie weit sie mit den beschränlten Mitteln und Kräften gehen darf was wirüich nottut bei dieser ®eneralreinigunQ. was über­flüssig und schon ein gewisser LuxuS ist. Wo heute Kraft, Zeit und Veld nicht mehr ausreichen, alle- blitzblank unter Farbe und Bohnerwachs zu hal­ten. da müssen wir uns bescheiden, sollten da- aber auch vor allem im Urteil über andere Frauen und ihren Haushalt tun.

Vs ist ohnehin fraglich ob die äuhere häus­liche Behaglichkeit und Gesundheit durch diese Art zu wirtschaften gesteigert worden ist man­cher Hausherr hat mit Recht darunter geseufzt, jedenfalls hat der Ehrgeiz der Hausfrau aus diesem Gebiet« heute vor der Rot der Zeit zu schweigen.

Dielleicht, daß dann auch Kräfte für das andere, Innerliche frei werden, die viel nötiger und wertvoller sind zumal in den Häusern, wo ein liebes Kind konfirmiert wird. Gerade bei Geleaenheit der Konfirmation ist das Be­tonen alles Aeußerlichen so gewachsen, daß ein Besinnen und Einhalten, eine Rückkehr Aum wesentlichen durchaus nottut. Es ist nicht nötig, dah du vorher ..Großreinemachen", hältst und bann abgesvannt in die Feierzeit gehst, nicht nötig, dah dein Kind durchaus passend gekleidet ist, nicht nötig, das; du backst und einlädst und deinem Kind und anderen Konfirmanden große Geschenke machst das alles bringt dich und dein Kind nur um jene- Beste: das Stillesein, das allein köstlich ist.

AIS bestes Geschenk zur Konfirmation solltest du deinem Kinde ein Stückchen von diesem Frie­den oder doch die Sehnsucht darnach mitgeben. Richt-, was du kaufst und schaffst, hat so viel Lebens- und Ewigkeitswerte, nichts anderes wird dir dein Kind einmal danken. Schon vom rein praktischen Gesichtspunkte aus ist s heute nötiger als je, unsere Kinder an Einsachhett, an die Freude an kleinen Dingen zu gewöhnen. Richts schlimmer al- anspruchsvolle Armut. And arm sind und bleiben wir auf lange Zeit hinaus. Aber unfete Einstellung zu diesem Schicksal, die haben wir selbst in der Hand, die kann uns nicht diktiert und aus gezwungen werden, und aus dte kommt es im tiesstcn Grunde an.

Möchten wir die Weisheit und Liebe finden, unfern Kindern hier zu helfen und ihnen in freudiger Entsagung und willigem Derzichten Dor- bUbcr zu sein. Gerade in dieser Zeit vor Ostern muß das immer wieder betont werden. Vieles. baS schon in den reichen Zeiten übertrieben war, ist jetzt töricht geworden und verbraucht so viel Gelb und Kraft, daß einfach Schluß damit ge­macht werden muß. Hoffentlich finden viele Haus­frauen und Mütter den Mut, sich auf sich selbst -u besinnen, einfach und wahr zu sein und mit ihrer Kraft, ihren Mitteln richtig Haus zu bal­len. Dann wird, was Beengung und Verarmung scheint, innerliche Bereicherung werden für uns. unser Haus und unsere Kinder.

Die englische Krankheit und ihre Verhütung.

Von Dr. Hermann Vollmer. Oberarzt am Kaiserin-Auguste-Diktoria°Haus Berlin.

Don einem englischen Arzt wurde im 17. Jahrhundert eine neue Kinderkrankheit beschrie­ben. die zur Erweichung und Verkrümmung der Knochen führt. Roch heute trägt sie bei uns den Damen .englische Krankheit". Sicherlich sind schon, lange bevor man aus sie aufmerksam wurde. Kinder von ihr befallen worden, Wohl so lange schon. alS die Menschen in engen Siedlungen beieinander wohnen. Am häufigsten ist sie in den zivilisierten Ländern der gemäßigten Zone und hier um so häufiger, je dichter die Bevölkerung und je größer die Siedlungen sind. Führt die Rachitis auch nie unmittelbar den Tod herbei, so macht sie doch die betreffenden Kinder in hohem Grade widerstandslos gegen Infektionen, besonder- der Atemorgane und kann, wenn sie nicht rechtzeitig bekämpft wird, zu schweren Ver­krüpplungen führen. Daraus erhellt, wie sehr die Volksgesundheit durch die englische Krank­heit gefährdet wird. Sie ist ein fast ebenso ge- jährlicher Feind wie die Tuberkulose.

Fragen wir nach den Arsachen der englischen Krankheit, so können wir sie schon aus dem, was wir über ihre Verbreitung sagten, zum Teil er­lernten. Am häufigsten erkranken die Kinder des Grohstadtproletariats. Diese leben in engen, dumpfen Wohnungen, es fehlt ihnen an frischer Lust und Sonne, die Mutter kann sich, da sie beim Verdienen Hellen muß. ihrer Pflege nicht hinreichend widmen und sie nur kurze Zeit stillen. So ist der Säugling seiner natürlichen und ur­sprünglichen Lebensbedingungen beraubt. And unter solchen Amständen wird er mit großer Wahrscheinlichkeit rachitisch. Aehnliches ist uns aus der Tierwelt bekannt. Bringt man wllde Tiere in Menagerien, wo ihnen die gewohnte Freiheit und Bewegungsmöglichkeit fehlt oder sperrt man (ange Zeit in einen dunklen Raum, so stell fich bei ihnen die Zeichen der englischen Kn. ki)nt ein. Für die Entstehung

Konfirmationskleider.

Don Lisa Honroth-Lvewe. (Rachdruck verboten.)

3m allgemeinen werden für unsere Konfir­mandinnen des Mittelstandes zwei neue Klei­ber angefertigt, einS für die Prüfung und eins für die Konfirmation selbst. Früher war die Regel, daß die PrüsungSlleider immer dunkel, wenn nicht schwarz, die Konfirmationskleider bei evangelischen Mädchen gleichfalls fchwarz, bei den Katholikinnen hingegen weiß gehalten wur­den. Allmählich hat sich hier die Strenge des allen Brauches ein wenig verwischt Di« Prü­fungskleider werden, schon damit man sie fürs spätere Leben auch brauchen kann zwei schwarze Kleiber sink» für ein junges Mädchen höchst unzweckmäßig in verschiebenen gedämpf­ten Straßenfarben gewählt. Anb daS Weiß, wel­che- früher nur ben katholischen jungen Mädchen Vorbehalten war, wirb nun auch immer häu­figer in evangelischen Kreisen gewählt. Man geht wohl von ber Erwägung auS, dah ein­mal Schwarz für ein junge- Mäbel im allge­meinen unkleidsam ist, und daß man in Weih nicht weniger feierlich, aber freundlicher, fest­licher auSschaut.

Bei ber Wahl bes Prüsungskleides ist zu überlegen, was von besseren Strahensachen schon vorhanden und waS durch das neue Kleid zu er­gänzen ist. Für Blondinen mit srifchen Warben wird daS neue Silberyrau recht hübsch auSsehen, auch dunkelblau in feinen verschiedenen Abwan­delungen ist immer empfehlenswert. Man kauft da am besten so viel Stoss, daß man hinterher eine kurze dazu passende Jacke arbeiten kann, um ein Frühlings- und Sommerkostüm zu haben. Für Brünette wird ein tiefes Lila gut wirken und sich auch weiterhin vorteilhaft verwenden lassen. Wählt man Schwarz, so arbeite man es möglichst so, daß man es späterhin mit einer weißen Westengarnitur jugendlicher gestalten kann. Auch kann man Roll und Bluse extra fertigen, um späterhin die schwarze Bluse durch eine weiße Kasaque zu ergänzen, wie sie in die­sem Jahre die große Diode zu schwarzen Rocken ist. Don Stossen wühlt man fürs Prüfungölleid am besten einen weichen Wollstoff, nicht zu

Allerlei Rezepte.

Pikante Kalbsnieren. Die Dieren werden vollkommen vom Fett befreit, enthäutet, mit Pfeffer und Salz bestreut und in heißer Butter 12 biS 15 Minuten gedünstet. Zur Tunke läßt man ein GlaS Weißwein etwas einkochen, fügt dann unter stetem Rühren einen halben Löffel feinen Mostrich, 50 Gramm in Stückchen zerteilte Butter, den Saft einer halben Zitrone und feingehackte Petersilie hinzu. Die Vieren werden in dünne Scheiben geschnitten und in ber Tunke erhitzt.

Türkische- Hammelgericht. Ein Pfund mageres Hammelfleisch ohne Knochen wird in zwei Zentimeter große Würfel geschnitten, mit feingehackten Zwiebeln in Butter gelb ge­braten und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Dann gibt man ein halbes Pfund oft gewaschenen ReiS, ein Stück Sellerie und dreiviertel Liter Hammel­brühe zu. Rach dem Weichkochen fügt man drei Eßlöffel Tomatenpüre« bei und richtet dieses für etwa vier Personen berechnete, sehr kräftig schmeckende Gericht recht heiß an.

Durchgetriebene Brotsuppe. Fein­geschnittenes, altgebackenes Schwarzbrot wird mit Suppe. Knochenwasser oder Wurzelbrühe eine halbe Stunde zugedeckt gekocht, passiert und wie­der aufs Feuer gesetzt, damit die Suppe heiß zu Tische kommt. Ein Ei wird mit etwas saurem Rahm versprudelt und mit der Suppe verrührt und Schnittlauch baraufgestreut. Scheiben von gekochten, geschälten Frankfurter Würstchen finb gut dazu.

Schwarzwurzel-Auflauf. Schwarz­wurzeln sind eigentlich unser seinstes. einheimisches Wintergemüse. Besonders empfehlenswert find

schwer, denn sonst wird das Kleid für ben Früh­ling zu warm.

Für das Kon firm ationslleid dagegen wirb durchweg Seide genommen. DaS schwarze Kon- firmattonSlleid sieht am hübschesten in Tast auS, toeil Tast durch fein« Lichter das tote Schwarz lebendiger macht und durch daS etwas Stehende seines Materials die meist sehr schlanken Mäd­chenkörper ein wenig fülliger erscheinen läßt. Alle weichen Seiden fallen zu glatt an der Figur hinunter und wirken zu trauermäblg bei den jungen Menschenkindern. Sehr hübsch sieht es bei Tast aus. wenn man den etwa- weit gehaltenen Rock mit Blenden in glänzender Seide oder solchen auS Samt verziert. Späterhin kann man die schwarzen Blenden durch weihe ober farbige ersetzen unb gewinnt so ein reizende- und jugendliches Kleidchen. Auch kann man die Klei­der so arbeiten, daß über einem Westchen auS Eröpe Georgette die Bluse als abgerundetes Jäckchen erscheint. Der Rücken ist im ganzen gearbeitet, ein breiter Gürtel, strafs ausgesetzt, läßt den Stoff hinten leicht überschoppen. Diese Machart hat den Vorteil, daß man später auch wieder ein elfenbeinfarbenes oder weißes ©eor- gellewestchen an Steile des schwarzen sehen kann.

Für das weiße Konfirmationskleid wird Crepe de Chine immer das hübscheste blühen. Auch ihn kann man in ben verschiedensten Variationen verarbeiten, sehr hübsch ist bie Mobe, den Rand unb ben Taillenschluß burch Bogen zu betonen. Ebenso hübsch, aber teuerer ist Reversible ober Crepe Satin, bei dem man bie stumpfe unb bie glänzende Seide zu Grundstoff und Gar- nicrung verarbeiten kann Wem ganz Weiß auf die Dauer nicht gefällt, ber kann es nach den Festtagen mit Hilfe ber neuen bunten Sticke­reien, die man am chinesisch geschnittenen Steh- lrägelchen, an Stulpen und Rocksaum anbringt, verändern. Auch ist eS praktisch, die Aermel solch eines weihen Seidenlleidchens extra an ein Futterleibchen zu arbeiten und unter daS Kleid zu ziehen Auf diese Weise gewinnt man für Tanz und Tee ein sehr nettes Abendkleid.

sie überbacken, als Auflauf zubere.tet. Die Wur­zeln werden sauber geschabt, in Stücke ge­schnitten und in wenig Salzwasser weich gekocht. Aus Butter und Mehl wird eine hellgelbe Mehl­schwitze gemacht. Diese wird mit der wenig vorhandenen Gemüsebrühe zu einer steifen Tunke gekocht. In diese Tunke wird noch ein Ei oder noch besser, es werden zwei Eier unb ein wenig Maggi-Würze gegeben. In eine Auflaussorm werden die weichen Schwarzwurzelstückchen ein­gelegt. Die steife Tunke wird darüber gestrichen Oben hinauf kommen noch einige Butterflöckchen, Semmelbrosel und geriebener Käse. Bei guter Oberhitze ist dieser vorzügliche Gemüse-Auflauf in ungefähr einer halben Stunde goldgelb ge­backen

Süße Kloße. Von einem Pfund seinem Weizenmehl, zwei ganzen Eiern, 50 Gramm Butter, 50 Gramm Zucker, ca. ein Viertel Liter Milch. 20 Gramm Hefe und etwas Salz macht man einen Teig und läßt ihn zugedeckt warm zum Aufgehen stehen. Die Zutaten müssen alle lauwarm sein. Dann gibt man den Teig auf ein mit Mehl bestäubtes Brett, teilt ihn in neun bis zehn Teile, gibt in die Mttte eine Aprikose oder Pflaume, drückt den Teig gut um die Fülle, rollt ihn mit beiden Händen zu einem runden Kloß, bedeckt die Klöße, wenn alle fertig finb, mit einem leichten, erwärmten Tuch unb läßt sie noch ein wenig aufgehen Indessen röstet man Semmelbrösel in Butter goldbraun Run gibt man die Klöße in kochendes Wasser, jedoch nicht zu viele auf einmal, und kocht sie genau 15 Minuten lang; dann nimmt man sie mit einem Seihlöffel heraus, wälzt sie In die Semmelbröseln ein, betropft sie nod> mit heißer Butter unb bestreut sie reichlich mit Zucker.

ber englischen Krankheit müssen wir bemnach ben Mangel an frischer Luft, an Sonne unb Bewe­gung in erster Linie verantwortlich machen Da­neben begünstigt eine unzweckmäßige Ernährung das Austreten ber Krankheit, insbesondere ein Mangel an fog«nannten CrgänAungsstvssen ober Vitaminen, Stosse, welche in hohem Grade in frischen Gemüsen, frischem Obst und in ber Frauenmilch vorhanben finb. So kommt es, daß an der Brust genährte Säuglinge viel seltener an Rachitis erkranken als Flaschenkinder, unb daß die Frauenmilch infolge deS Vitamingehal­tes einen Teil der äußeren Schädigungen auf» wiegen kann

Mangel an Licht, Luft unb Bewegung und der Mangel an Ergänzungsnährftoffen bedeuten einen Eingriff in den normalen Lebensablauf des Säuglings unb lösen eine Verlangsamung deS Stoffwechsels aus. Infolge biefer Störung ist das .Knochengewebe nicht mehr imstande, die an sich in hinreichender Menge mit der Bohrung zugeführten Kalksalze einzulagem unb feftzu- halten. Die KnochenverkaUung wird dadurch ver­zögert und bereits verkalkte Knochen können wieder erweichen Don diesen Vorgängen wird aus begreiflichen Gründen der wachsende Kno­chen, der an sich das größte Kalkbedürfnis hat, am härtesten betroffen. So erklärt es sich daß gerade diejenige Lebensperiode, bie durch die stärkste Wachstumtendenz ausgezeichnet ist, eben bas Säuglingsalter, der Rachitis am meisten aus­gesetzt ist.

Die rachitische Stoffwechselstörung betrifft wohl in erster Linie das Knochensystem, aber auch ben ganzen übrigen Organismus. Demnach ist bie Rachitis nicht nur an der Veränderung des Skeletts, sondern auch des ganzen Kindes zu erkennen Anb dies« müssen der Mutter in erster Linie auffallen

Das erste Zeichen der beginnenden Rachitis ist der Stimmungswechfell Bisher muntere und gut gedeihende Säuglinge werden unruhig und mißlaunig. sie schreien mehr, ohne daß der Appe­tit nachläßt, oder Zeichen einer Darmstörung vorhanden finb. Die Kinder werden blaß und das Körpergewicht bleibt in vielen Fällen stehen Sehr auffällig sind bie starken Kopfschweiße, die das Kopfkissen ganz durchnäfsen können.

Häufig scheuern bie Säuglinge ben Hinterkopf auf ber Unterlage unb verlieren an dieser Stelle bie Haare. Eine Glatze am Hinterkopf muß beim Säugling immer den Verdacht einer beginnenden Rachitis erwecken. Die Muskulatur wird schlaff, ber Kopf wird nicht mehr gehoben und die ersten Versuche, sich auszusehen. werden wieder auf» gegeben. Jeder Anforderung an die Muskei- Iraft sucht sich der Säugling mit ängstlicher Miene und abwehrendem Schreien zu entziehen. Offenbar hat er Schmerzen und will in Ruhe gelassen werden. Am diese Zeit ist das erste Zeichen der Knochenerweichung meist schon voll ausgebildet. Am Hinterkopf findet sich eine mehr oder weniger ausgedehnte Knochenstelle, bie sich wie ein steifer Fillchut embrüden läßt. Run ist die Rachitis im vollen Anmarsch. Tritt man ihr in diesem Stadium nicht energisch entgegen, so kommt es zur Auftreibung der Gelenke, die erweichten Extremitätenknochen verkrümmen sich, sobald sie belastet werden der Brustkorb wird eng und deformiert und nimmt den Lungen die Möglichkeit, sich voll zu entfalten. And damit kommt der Säugling, dessen Widerstandskraft durch die Rachitis an sich schon geschädigt ist, in die Gefahr ernster ßungenertran!ungen. An der Rachitis selbst stirbt kein Kind, sondern nur an den Komplikationen, deren Auftreten der rachitische Grundprozeß Vorschub leistet

Wir sagten schon, daß bie Rachitis eine heilbare Krankheit ist. Es kommt nur daraus an, sie rechtzeitig zu erkennen Es ist darum wichtig, daß die Mutter bie ersten Erscheinungen bildet Krankheit kennt, noch wichtiger aber, dah sie an der Aeberwachung des Kindes einen Arzt Anteil nehmen läßt. Es gelingt, durch Lebertran Höhensonnenbestrahlung und eine Reihe anderer Methoden, bie Krankheit in wenigen Wochen ober Monaten restlos auSzuheilen.

Di« Behandlung muh dem Arzt überlassen werden, aber zu ihrer Verhütung kann jede Mutter beitragen. And die Verhütung einer Krankheit ist immer die dankbarste Ausgabe. Es ist klar, dah sich bet Kampf gegen die Aur Rachitis führenden Schädigungen zu richten hat. In einer Zeit der Wohnungsnot läßt sich eine Verbesserung der Wohnungsverhältnisse leichter raten als durch führen Aber jede Mutter kann

Der Wäscheschrank.

Don neuem beginnt ber Wäscheschrank mit seinem schneeigen Inhalt ber Stolz bet gute« HauSsrau zu werden die trauernden Herzens viele Jahre lang ihren Bestand sehr zusammen- schrumpfen sehen mußte. Jetzt füllt sie, so weit es ihr möglich ist. bie Lücken aus unb nimmt eS gern auf sich, wenn ihr baburch die Verwaltung diese- Schatze- mehr Mühe unb Arbeit schasst. Denn bavon beansprucht bie Wäsche reichlich. Richt nur bie eigentlichen Waschtage sind SchreckenStaac im Haushalt Zwar ist die HauSsrau schon sroh. wenn die Stücke auf ber Leine hängen, doch eilen ihr« Gebanken gleich zu den folgenden Tagen voraus, die mit dem Legen, dem Rollen, dem Bügeln erfüllt finb. Endlich darf sie selbst bann durch das Ginräumen in ben Schrank ben Schluß­stein des Werkes setzen Dies ordenllich unb akkurat zu tun. ist bei größerem Bestände ein« beschwerliche Arbeit, zumal bet Schrank, in dem sie verwahrt wird, meist recht unpraktisch gebaut ist. Er ist häufig ein höchst unbequemes Gebäude, berechnet für ein .Riesenmaß der Leiber". Am zu den obersten Fächern zu gelangen, muh sich die Benutzerin eine- Tritts oder Stuhls bedienen Da- ist für ältere ober beleibte Stauen Ver­zeihung, meine Damen, ich vergoß, bah e- heut­zutage ja nur schlanke Frauen gibt eine um« stündliche unb anftrengenbe Sache. Ra schwierig ist unb bleibt biefc Arbeit selbst für Frauen, bie sich ber mobernen Linie erfreuen, bei einem solchen Wolkenkratzer von Schrank. Wie er auS- sehen müßte, um bie Arbeit ber HauSsrau zu erleichtern? Run, zunächst sei er nur so hoch, baß auch bie obersten Fächer von einer normal großen Frau ohne Kletterkünste erreicht toerben können. Ferner sollte in etwa Tischhöhe ein herausziehbares Brett eingebaut sein in bet Art ber Züge, wie sie vielfach an anbem Möbel­stücken. wie Büfetts. Servier i'chen. Damen^chrcib- tischen angebracht finb. Das wäre eine grob« An­nehmlichkeit für bie Hausfrau, namentlich um e n einzelnes Wäschestück, bas gerabc gebraucht wird, aus einem schweren Stoß herauSzunehmen Alle- übrige, bas ber Erleichterung de- WegpackenS unb ber täglichen Benutzung sowie ber Aebersicht- lichkeit bienen kann, muß bie vernünftig benfenbe Frau selbst hinzutun, indem sie bie einzelnen Fächer richtig belegt. Die beiden Bretter, die etwa in Griffhöhe angebracht sind, bleiben den schweren Stücken, also der De:twäsche und ben großen Tafeliüchern. Vorbehalten, während in den oberen unb unteren Abteilen, beten Be­nutzung ein Sichbücken ober Hochlangen mit sich bringt, bie leichtere Wäsche, wie Handtücher, Küchentücher, Servietten u. dgl. Platz findet. Bei den einzelnen Arten lege man so. daß die viel gebrauchte, also die tägliche Wäsche, oben, bie seltener benutzte, wie beispielsweise da- Tischzeug für Gäste, darunter zu liegen kommt. Damit die Wäsche gleichmäßig benutzt unb nicht immer toieber bie gleiche gebraucht wird, woburch bid« zu stark abgenutzt würde, lege man nach jeder Wäsche die frisch gewaschenen Stücke unter die noch im Schrank befindlichen der gleichen Sorte. Das ergibt einen gleichmäßigen TumuS im Gebrauch.

Sehr praktisch ist eS. die einzelnen Fächer anstatt mit Papier mit weißem Wäschestoff aus­zulegen und diesen mit Reißzwecken zu befesti­gen Zur Legierung nähe man an bie Vorderseite eine Spitze. Diese soll aber nicht breiter sein, als bie Dicke der Bohle ist. Das Annähen erübrigt, das Befestigen der Spitze mit Reißnägeln, die bei dem häufigen Hereinlegen und HerauSnehmen der Wäsche leicht mit herauSgerissen werden. Da» Zusammensassen ber einzelnen Sorten durch Wäschebänder ist mit Recht allgemein üblich. Heut benutzt man dazu nicht mehr so allgemein offene Bänder, die durch Binden geschloffen werden; man bevorzugt vielmehr verstellbare, durch eine Me­chanik geschlossene Bänder. Soll ein Wäsche­schrank einen angenehmen Anblick gewähren, so muß darauf geachtet werden, daß die Bänder in den verschiedenen Reihen hübsch und symme­trisch angeorbnet finb unb nicht wirr durch-

ihr Kinb viel ins Freie unb in bie Sonn« bringen. In jedem Haus findet sich doch ein Balkon, ein Hof oder ein Garten, in bie einig? Stunden am Tage die Sonne hineinkommt. Diese Zeit muß man ausnützen Im Winter ist dies noch wichtiger. als Im Sommer, da in dieser Jahreszeit die geheizten Räume Aumeift un­genügend gelüftet werden, und so Die Schäden derDomestikation' noch schwerer inS Gewicht fallen. Die Rachitis ist ja in erster Linie eine Winterkrankheit. Jeder Säugling muß Gelegen­heit zur Bewegung haben unb Darf nicht durch feste- Eittpacken und Zudecken am Strampeln verhindert werden. Aeltere Säuglinge sollen nicht beständig im Bett liegen, sondern gelegent­lich umgelagert werden. Gerade bie Bauchlage empfiehlt sich, da sie das Kind zur MuSkel- tätigleit anregt. Wer geschickt ist, wird mit seinem Kind auch leichte gymnastische Hebungen ausführen können. Jede Art von Bewegung wirkt ja ber englischen Krankheit entgegen. Schließlich muß die Ernährung zweckmäßig zu­sammengesetzt fern. Aebcrsütterung, inSbdondere mit Milch, soll peinlichst vermieden werden. Mehr als 3/< Liter Vollmilch pro Tag ist in keinem Fall notwendig, zumeist kommt man mit weniger aus. Jede Zettanreicherung der Rahrung ist zu widerraten. Am meisten empfiehlt sich eine knappe Ernährung mit ben einfachen Milch- mischungen. Sehr wichttg ist die rechtzeitige Zu­fütterung von Ergänzungsnährftoffen iDitamine). Darum sollen dem Säugling spätdtens im 6. Monat frische Gemüse unb frisches Obst ver­abreicht werden. Den höchsten Ditamingehali ha­ben Spinat. Tomaten, Karotten und unter ben Obstsorten Zitronen und Apfelsinen. And es gibt keine Jahreszeit, in ber nicht das eine ober das andere zur Verfügung steht. Dbftfäfte kön­nen schon im 3. Monat, zuerst in geringen, dann in ansteigenden Mengen (1 Kaffeelöffel bi- 2 Eßlöffel) gegeben werden. Alle Ernäh­rung-Vorschriften erübrigen sich aber, wo eine natürliche Ernährung an der Brust möglich ist. Sie bietet einen weitgehenden Schuh gegen bie Rachitis. And in den Fällen, wo Brustkinder doch erkranken, handelt es sich fast ausnahms­los um die leichtesten Formen.