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fhire, die normalerweise ungefähr 1700 Bergleute unter Tage beschäftigt. Ungefähr 1202 Bergleute waren an der Arbeit als eine Explosion er­folgte. Die Mehrzahl tonnte sich an die Oberfläche retten, andere aber waren so lief in der Grube tätig, datz ein Entrinnen unmöglich war Die loten und Derraifcten zählen 51. Die Grube war durch die Explosion so schwer vergast, dah ohne eine gründliche Ventilation die Hoffnung, die ein- gefchlosfenen Bergleute zu retten, sehr gering 'vor. Mehrere Leute der Rettungskolonnen erlitten eben- falls schwere Gasvergiftungen, obwohl sie mit Gasmasken und anderen Sicherheitsvorrichtungen hinreichend versehen waren. Die Unglücksstelle im Schacht bietet ein furchtbares Bild. Die Gänge waren durch verbogene Eisenteile und zusammen- geknickte Grubenhölzer völlig versperrt und streckenweise durch die Ducht der Explosion ver­schüttet. Man nimmt an, dah gegenwärtig noch 39 Bergarbeiter im Schacht eingeschlossen sind. Re­gierungsbeamte haben den Unglücksschacht in ben Nachmittagsstunden besichtigt und die vorläufige Wiederaufnahme der Arbeit untersagt.

Das zweite Unglück erfolgte in Bilsthorpe bei Mansfield um ungefähr 3 Uhr morgens. Das Platzen eines Wasserrohrs verursachte den Zusammenbruch eines Gerüstes, auf dem eine Anzahl von Bergleuten mit Abfenkungsnrbeiten be­schäftigt war. Das Gerüst stürzte auf den Grund des Schachtes und 14 Mann ertranken.

Vie deutsche Wirtschaftslage. Aussichten ans Besserung der Konjunktur. (Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".)

Berlin, 1. März. 3n dem neuen Heft des Instituts für Konjunktursorschung lautet die Diagnose über die Gestaltung der deutschen Wirt­schaftslage sehr vorsichtig. Das Institut kommt auf Grund seiner umfangreichen Forschung zu dem Ergebnis, daß die verschiedenen Merkmale der deutschen Wirtschaftsenlwicklung sich zu dem Konjunkturbild eines zögernd fortschrei­tenden Aufschwunges zusammenschließen. Reues in den Erkenntnisgrundlagen bringt das Heft nicht, und man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dah in der Verbreiterung der Untersuchungsmethoden, besonders nach der Seite des Umsatzes und Verbrauch noch viel ge­schehen muh. In der Beurteilung der Angaben über die Umsätze, die man mit reichlich vielen Fragezeichen versehen kann, ergeben sich für den Leser große Schwierigkeiten, und dies ist um so bedauerlicher, als gerade diese Ziffern für Schluß­folgerungen auf den Verteilungsapparat und ferne Wandlungen von größter Bedeutung sind. Bei einem sehr wichtigen Punkte trifft nach Angabe des Instituts die freundliche Diagnose nicht zu, nämlich bei den Warenpreisen, die eine leicht sinkende Tendenz aufweisen, was auf wellwirtschaftliche Einflüsse zurückgeführt wrrd. Diese Feststellung liefert unseres Erachtens brs zu einem gewissen Grade* den Beweis dafür, dah Konjunkturvoraussagen nur Sinn haben, wenn sie im Vergleich mit anderen Ländern ausgestellt werden. Die weltwirtschaftliche Ver­flechtung macht heute jedes Land von der Welt­konjunktur abhängig, und Konjunkturdiagnosen, die über ein einzelnes Land aufgestellt werden, gleichgültig mit welchem Ergebnis, haben daher nur einen bedingten Wert.

Gegenüber diesem, auf Grund wissenschaft­licher Untersuchung gefällten Urteil des Instituts für Konjunkturforschung, sind die uns vorliegen­den Berichte der Dresdner Bank und Commerz- und Privat-Bank, als Glieder der deutschen Wirt­schaft. von besonderem Interesse. Beide kommen zu einem relativ günstigen Urteil, da der l durch die Jahreszeit bedingte Rückschlag diesmal weniger bemerkbar geworden ist, in vielen Wirt- 5 schaftszweigen die Aufwärtsbewegung keine Un­terbrechung erfahren hat und früher als sonst '» die mit dem Rahen des Frühjahrs verbundene Belebung sich anzubahnen scheint. Eigenarti­gerweise betrachten beide Banken im Gegensatz zu der Ansicht der Deutschen Bank die B ö r s e n- lage verhältnismäßig optimistisch und un­terstellen der Kursbildung neue Bewertungs­momente. Die Dresdner Bank glaubt sogar, dah der Zusammenhang zwischen Kursniveau und Rentabilitätsausslchten wiederhergestellt und dementsprechend die Boraussetzung für eine sie- tige Börsenentwicklung in der Zukunft geschaffen tmrb. Demgegenüber halten wir nach wie vor an unserer Meinung fest, dah trotz aller gün­stigen Prognosen die Ueberspannung des Kurs­niveaus weiter besteht, und infolgedessen eine allgemeine Kurskorrektur kommen muh. um tatsächlich Rentabilitätsaussichten und Kurs­stand in da« richtige Verhältnis zu bringen.

Vom Verein für das Deutschtum im Auslande.

Leipzig. 1. März. (TU.) Die Frühjahrs­hauptausschuh-Tagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande ist aus dem ganzen Reiche sowie aus Oesterreich außerordentlich stark beschickt worden. Die HauptauSschußsihung wurde durch Staatssekretär a.D. von Hintze mit einem Hinweis auf die Gestaltung der Lage in dem am meisten bedrängten Rotgebiete in Südtirol eingeleitet. Die Stellungnahme des Vereins wurde in einer besonderen Entschlie­ßung. die sich auch an die Reichsregierung wendet, niedergelegt. Der Geschäftsbericht wurde von dem geschästsfuhrenden Vorsitzenden. Kontre- vdmiral a.D. Seebohm erstattet. Aus dem Kassenbericht ergibt sich ein Gesamtetat von über stoei Millionen Mark. An Schulunterstützungen wurden über 700 000 Mark an Studienbeihilfen für ausländische Studierende 200 000 Mark auf­gebracht. Der Voranschlag für das laufende Jahr ist mit 1 815 000 Rm. beziffert. Aus der Fülle der in Aussicht genommenen neuen Arbeiten sei besonders auf die geplante Ausgestaltung des BücherversandeS hingewiefen. Im vergangenen Jahr sind für diesen Zweck 300 000 Mark verausgabt worden, wobei zu berücksichtigen :st, daß der Deutsche Buchhandel in entgegen­kommender Weise dem Verein die notwendigsten Bücher weit unter 'Breid zur Verfügung gestellt hat. Eine besonders lebhafte Aussprache ent­wickelte sich auch über die Heranziehung der B o l k s s ch u l j u g e n d für die Gedanken und die Unterstützungstätigkeit des Vereins. Auch hier sind im letzten Jahre erfreuliche Erfolge erzielt worden.

Der Hauptausschuhsitzung gingen eine An- zahl von Sondersitzungen voran. 3m afa- demischen Ausschuß wurde u. a. die praktisch Nutzbarmachung der Ferienfahrten in auslandsdeutscheGebiete für die Schutz, arbeit erörtert.

Kunst und Wissenschaft.

.tünf Jahre der Rolgemeinschafl der deutschen Wissenschaft.

Die Rotgemeinschaft der deutschen Wissen- chaft, die auf Grund der ihr vom Reiche be­reinigten Mittel zu einem wirksamen Organ für alle Erfordernisse der wissenschaftlichen For- ; schung geworden ist, gibt jetzt ihren fünften Be- ; richt heraus, der neben dem Geschäftsbericht einen umfangreichen Rückblick über die fünf­jährige Betätigung der Rotgemeinschaft in den verschiedenen Wissenschaftszweigen sowie umfassendes Material über die von ihr in An­griff genommenen Gemeinschaftsarbeiten im Be­reiche der nationalen Wirtschaft, dcr Volksgesund­heit und des Dolkswohls gibt. Wie aus dem Ge­schäftsbericht hervorgeht, hat die Rotgemeinfchaft im Rechnungsjahre 1925 26 für die deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken Auslandlite- ratur zum Gesamtpreis von etwa 1 Million Mark beschafft und die Drucklegung von übet 500 wissenschaftlichen Zeitschriften von ins­gesamt 12 000 Dogen ermöglicht. Aus dem Ge­biete der experimentellen Forschung wurden in dem genannten Jahre für über 600 bis 700 Cinzelsorschungen Apparate, Materialien und Versuchstiere geliefert. Ferner unterstützte die Rotgemeinschaft etwa 200 Forschungs- re i f c n , darunter eine Reihe gröberer Expe­ditionen, und arbeitete durch 330 laufende For­schungsstipendien an der Sicherung des wissen­schaftlichen Rachwuchses auf allen For­schungsgebieten. Von den vielen wichtigen Fra­gen. die mit Hilfe der Rotgemeinschaft gefördert wurden, seien nur erwähnt: Krebs-, Syphilis-, Rachitis- und Kropsforschung, sowie Vitamin- und Eiweihforschung, die biologischen Fragen der Vererbungs- und Rassenforschung und auf physi­kalischem und chemischem Gebiete die Probleme der Atome- Ferment- und Etrukturforschung.

Die großen Staatspreise der Akademie der Künste.

Der Wet.bewerb um die großen Staatspreise der Akademie der Künste für Malerei und Ar­chitektur wurde entschieden. Von der Verleihung des großen Staatspreises für Malerei wurde abgesehen. Dagegen sprach die Akademie der Künste dem Maler Bruno Krauskopf -Ber­lin eine Prämie von 2000 Mark und dem Maler Albrecht Kettler- Barmen eine solche von 1000 Mark zu. Der große Staatspreis für Architektur kam gleichfalls nicht zur Verleihung.

Furtwängler und Busch in Aeuhvrk.

Wilhelm Furtwängler und Fritz Busch wur­den aufgefordert, ein Sonderkonzert zu Ehren von Walter D a m r o s ch in Reuhork ge­meinsam zu dirigieren. Der Festabend wird von der Philharmonik Society, deren Konzerte zur Zeit Furtwängler leitet, zusammen mit der Reu- york-Symphonik Soricty arrangiert, bei der Fritz Busch demnächst vier Konzerte dirigiert. Es ist ein Abschiedskonzert für Damrosch, der nach 42jähriger Tätigkeit seinen Posten als Leiter des Symphonie-Orchesters aufgibt.

Aus aller Welt

Ein Essen beim Reichspräsidenten.

Der Herr Reichspräsident veranstal­tete ein Essen z u Ehren der Reichsregie­rung, an dem u. a. der Reichskanzler, die Reichsminister, Reichstagsvizepräsident Rießer. der preußische Ministerpräsident Braun, die Der- treter der Länder beim Reichsrat, der Chef der Marineleitung Admiral Zenker und die Staats­sekretäre mit ihren Damen teilnahmen.

DieHannover" außer Dienst.

Im Ausrüstungshafen der Wilhelmshavener Marinewerft sand die Flaggenhissung auf dem umgebauten LinienschiffSchlesien" und die Außerdienststellung des LinienschiffesHanno- v e r statt. Die Besatzung der Hannover wurde von der Schlesien übernommen.

Die Jungsernrcife des hapagdampfersReuyork".

Der neue Zweifchrauben-Turbinendampfer R e w Vor r der Hamburg-Amerika-Linie wird am 1. April feine Jungfernrebe von Hamburg nach Reuyvrk antreten. Die Ankunft des Schiffes in feiner Patenstadt verspricht ein bedeutsames Ereignis zu werden. Seitens der Behörden und Organisationen der Stadt und des Staates Reu- yori sind feierliche Veranstaltungen geplant. Ge­heimrat Cuno, der Vorsitzende des Direktoriums der Hamburg-Amerika-Linie wird die »Rew Vor!" auf ihrer Erstlingsfahrt begleiten.

Wildschweine im südlichen Odenwald.

In der Rähe dcr Hirschhörner Hohe im Be­zirk Bodenacker entdeckte die Fvrstbehörde Beer­felden eine große Herde von Wildschweinen. Den Förstern gelang es. eines der Tiere zur Strecke zu bringen. Angesichts der Große der Herden und der Rotwendigkeit, den in Gefahr stehenden Wald- und Flurbestand zu schützen, soll auf den Rest der Herde eine Treibjagd veranstaltet werden.

Schweres Bauunglück.

Auf dem Stahlwerk Phönix in Hörde stürzte eine neu erbaute Blauer von vier Meter Höhe und in einer Breite von 15 Meter ein und begrub drei Arbeiter unter sich. Zwei von ihnen konnten nur noch a l s Leichen geborgen werden: der dritte ist mit dem Leben davon- gefommen

Beide Verteidiger gestorben.

Der Prozeß gegen den Lokomotivführer Aubele. der sich wegen deS Münchener Eisenbahn-Unglücks vom Pfingstmontag 1926 morgen vor Gericht verantworten sollte, mußte vertagt werden da fein Münchener Verteidiger, Iuftizrat van Wien. Dienstag früh gestorben und fein zweiter Verteidiger, dcr Berliner Iustizrat Sonnefeld,durch einen sonderbaren Zufall gleichfalls am Dienstag an den Folgen einer Grippe verstorben ist.

Schweden schafft die Orden ab.

Der Versal fungs aus, chuh des schwedischen Reichstages hat den Antrag auf Abschaffung der Orden mit 12:8 Stimmen angenommen. Da die ReichstagsausSchüsse genau nach dem Stärkever­hältnis der Partei zusammengesetzt sind, dürste der Antrag auch im Reichstag angenommen wer­den Die Rachricht gewinnt besonderes Interesse angesichts der Bemühungen in Deutschland, den Art. 109 der Reichsverfassung abzuändern, soweit er die Berleihung ober die Annahme von Orden und Titeln verbietet.

Ausmusterungsbctrug In Italien.

In Neapel hat die Polizei eine Betrügerlxmbc verhaftet, die kränkliche Leute mit ben Pa­

pieren militärbien st pflichtiger Personen zur Ausmusterung entsandt und dadurch etwa 3000 junge Leute nom Militärdienst befreit hat. Nach ben Feststellungen der Polizei mußte jeder der so vorn Militärdienst befreiten Leute den Betrügern gegen 6000 Lire beschien.

Bon Wolfen zerrissen.

Aus der flute route Beirut Bagdad mürbe ein Automobil, bas wegen Motordefektes auf offener Strecke Halt machen mußte, von Wölfen überfallen. Die vier Insassen, die feine Waffen bei sich hatten, wurden von ben Bestien zerrissen.

Reue Erdrutsche an der französischen Riviera

Die Ortschaft Rocquebilliöre bei Rizza ist wiederum von Erd- und Felsmassen überschüttet worden. Das Bürgermeisteramt und ein Teil des Hospitals, die letztesmal verschont geblieben waren, wurden vollkommen unter den her - ab stürzenden Massen begraben. Man erwartet weitere Erdrutsche. Opfer an Menschen­leben find nicht zu beflogen, da die Ortschaft bereits im vorigen Jahre geräumt worden war

Wettervoraussage.

Wolkig, Temperaturen wenig Aenderung und vorwiegend trocken.

Gestrige Tagestemperaturen' Maximum 12,5, Minimum 6.8 Grad Celsius. Riederschläge' 1,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 5,4 Grad Celsius.

Aus der provinzfalhauptstadt.

Gießen, den 2. März 1927.

Passionszett.

In einem Zeitraum, der nun schon länger dauert als ein Menschenalter, bin ich oft durch moderne Großstädte gewandert, in der Heimat und in der Fremde, und habe das Leben auf den Straßen beobachtet. Hastig dahineilende Men­schen. an deren Stirn die Sorge geschrieben stand, Menschen im Drange der Qlrbeit, Men­schen unter dem Druck schwerer Pflichten. Men­schen. trachtend nach Gewinn und Ehre. Dazu Leichtsinn und Sünde. Eitelkeit und große Ver­worfenheit. Plakate, die zum Sinnengenusse locken. Marktschreier, die Käufer gewinnen woll­ten, Musik und Leicherrzüge. Lachen und Weinen, wie sich das im Leben wirr durcheinander­schlingt. Wenn mich dieses Treiben müde ge­macht hatte, so bin ich gern in eine Kirche ge­gangen. Soll ich sagen, wo das war? Es war in Köln, Ulm und Straßburg in Paris, in Amiens und Rouen, in Harlem. Brüssel und Antwerpen, in Mailand und Venedig, wohin meine Wege mich gerade führten. Still habe ich mich dann immer auf eine Bank gesetzt und die Umgebung auf mich wirken lassen. Hochauf ragende Pfecker, den Bäumen vergleichbar, die aus dem Waldesboden emporstreben, bunt be­malte Glasfenster, in edler ernster Linien­führung Steinbilder von Aposteln, Propheten und Märtyrern, über mir das mächtige Ge­wölbe, zu meinen Füßen die Grabinschriften längst Heimgegangener Kirchenmänner, Figuren mancherlei Art an Pfeilern und Säulen, im Hintergrund der Altar, auf dem die Kerzen brannten und in das Dämmerlicht des Gottes­hauses leuchteten. Der Lärm der Stadt war nur noch ganz leise vernehmbar, und wenn bann die Orgel brauste, dah man glaubte, das Gewölbe müßte erzittern, wenn die Klänge harmonisch dahin rauschten, so war nichts zu spüren, als eine große Weihe, und die Seele kam zum Frieden.

Die evangelische Kirche steht darin der fa- tholischen Schwesterki-che nach, daß sie ihre Gotteshäuser nicht ständig geöffnet hält, auch nicht ständig geöffnet halten kann, weil sie eben von anderen Anschauungen be­stimmt wird und weil chre Glieder auch durch die Gewohnheit vieler Jahrhunderte das Gottes­haus nur dann betreten, wenn in ihm eine be­sondere Feier ftaltfinbet. Aber diese Kirche be­sitzt auch ein Heiligtum, das sind chre Pas- sivnsgottesdienste. ihre Passionsfeiern. In Lied, Gebet und Orgelten. ;n der Schriftlesung und in der Predigt des göttlichen Wortes. verkündigt sie das Leiden und Sterben des Heilandes. Die Passionsgeschichte ist ungemein reich an Inhalt, reich an Kraft und Trost, jede c. sangliche Seele wird ergriffen, wenn sie von dem Ostermahl hört, dem letzten, das Jesus mit seinen Jüngern ge­halten hat und das er mit den Worten em» einleitet: Mich hat herzlich verlangt, dies Oster­lamm mit euch zu essen, ehe ich denn leide. Menschliche Untreu: erscheint an dem Charakter­bilde des Judas, menschliche Schwachheit an dem irrenden Jünger Petrus, Sünde und Schandtat treten an den Menschen zutage, die Jesus anschuldigten und herzlos ihm so große Qualen bereiteten, alles wird überragt durch die Gestalt des Heilandes. Still und hoheitsvoll er­trägt er alle Kränkungen, ungebeugt geht er in den Tod. Wie er in Gethsemane betet, tote er sein Kreuz nach dem Hügel Golgatha trägt, wie er für seine Feinde bittet, seine Mutter und seinen Äeblingsjünger aufrichtet, das sind Bil­der, die der Menschheit für immer unvergeß­lich eingeprägt sein werden. Bllder. an denen man merkt: hier tritt das Ewig:. Heilige Ueberweltliche. Gostliche in das Erdenleben e n. Wer dies alles auf sich wirken läßt, dessen Seele wird still Wir brauchen diese Stille be­sonders jetzt: denn unser Leben ist voll von Dissonanzen: die Sorge um das Vaterland und um die eigene Existenz, die Unruhe, die unS anbere Menschen und die wir uns felber be­reiten, verlangen nach Ausgleich und 'Versöh­nung. Wer diesen Ausgleich, diese Versöhnung nicht in den PassionSfeiern seiner kirchlichen Gemeinschaft oder in dem Lesen der Leidens­geschichte sucht hat nicht erkannt, wo di: edel­sten Schätze zu finden sind. H. B.

Provinzialausschuhsttzung.

Der Provinz ialausschuh beschäftigte sich in seiner Sitzung vom vorigen Samstag mit folgenden Angelegenheiten:

Die Zwangsinnung für das Fri - feurgetoerbe in den Ämlsgerichtsbezirken Friedberg. Vilbel und Bad-Rauheim verhängte gegen ihr Mitglied Hans Eisen- r e i ch in Friedberg wegen dessen unentschul- bigten Fehlens in der Hauptversammlung der Innung eine Geldstrafe von 10 Mark. Hiergegen erhob G i s e n r c i ch beim Kreisamt Friedberg Beschwerde mit dem Antrag, die Strafe auf­zuheben. da er wegen Krankheit der Versamm­lung fetngebüeben sei. Das Kreisamt Friedberg erließ am 20. Rovember 1926 Bescheid dahin, daß die Beschwerde alS begründet anzusehen fei,

insbesondere weil nach einem vorgelegten ärzk- lichen Zeugnis das Fernbleiben in der Der- lammlung als entschuldigt zu betrachten sei. Segen diesen Bescheid verfolgte die Innung Beschwerde an den Provinzialausschuß. der sie jedoch als unbegründet kostenpflichtig zurückwies.

Am 5. Januar 1927 wurde in Butzbach eine achtkopfige Familie auf gerichtlichen Be­schluß hin aus ihrer Wohnung zwangsweise Herausgeseht. Da in dem Einfamilienhaus des Johann Jakob Freitag zu Butzbach zwei Zimmer vom Wohnungsamt beschlagnahmt waren, erließ der Bürgermeister zu Butz­bach Polizeibefehl dahin, daß diese Famllie mit sofortiger Wirkung in die zwei Zimmer Oer Freitagschen Wohnung auf di: Dauer von Dier Wochen zwangsweise cingewtesen werde. Hier­gegen erhob der Hauseigentümer Klage mit der Begründung, daß der Erlaß eines Polizei befehl- ungerechtfertigt fei. Der Bürgermeister zu Butz­bach beantragte Klageabweisung. Der Provinzial- ausschuß gewann aus dem Verlauf der Ver­handlung den Eindruck, daß die Stadt Butzbach nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um diese Familie anderweit unterzubringen, zumal der Stadtverwaltung schon längere Zeit bekannt war. dah die zwangsweise Ausweisung aus der bisherigen Wohnung tagtäglich zu erwarten war. Der Provinzialausschuß gab der Klage statt unb hob den Polizeibefehl auf. Die Stadt Butzbach wurde mit den Kosten des Verfahrens belastet.

Das Kreisamt Friedberg hatte dem Karl Lenhard in Pett erweil die Ausstellung eines Wandergewerbescheins für 192* versagt, well Antragsteller noch keine 25 Jahre alt, nicht Ernährer einer Familie ist, noch keine 5 Jahre im Wandergewerbe tätig war und zudem das Wandergewerbe völlig übersetzt sei. Hier­gegen verfolgte Gesuchsteller Klag: mit dem An­trag, ihm den Wandergewerbeschen zu erteilen. Der Provinzialausschuß wies die Klage als un­begründet kostenpflichtig ab.

Das Kreisamt Gießen hatte der Johanna Braden in Gießen den Wandergewerbe­schein für 1926 entzogen und den für daS Jahr 1927 nachgesuchten versagt. Sie legte hier­gegen Klage ein mit dem Antrag, den Bescheid des Kreisamts aufzuheben Die Klage wurde alS unbegründet kostenpflichtig zurückge­wiesen.

In dcr Sache: Berufungen der Gemeinde H a i n - G r ü n d a u und des Gemeinde- rechners zu Hain-Gründau. vertreten durch die Gewerkschaft Hessischer Gemeindebeam­ten. gegen das Urteil des Kreisausschu'seS deS Kreises Büdingen vom 18. September 1926 in Sachen: den Voranschlag der Gemeinde Hain- Gründau für 1926 Rj.: hier: die Beanstandung durch den Kreisdirektor. wurde das ilr.eil wie folgt verkündet:Die Berufung des Gemeinde­rechners Mohn wird als unzulässig, die Be­rufung der Gemeinde Hain-Gründau als unbe­gründet zurückgewiesen. Die Kosten der Be­rufungsinstanz fallen der Gemeinde Hain-Gründau zur Last, mit Ausnahme der baren Auslagen des Gerichts, die durch die Berufung des Gemeindc- rechners Mohn entstanden sind. Letztere hat Ge­meinderechner Mohn zu tragen."

Die mündliche Verhandlung sand bereits am 12. Januar 1927 statt. Der Gemeinderat zu Hain- Gründau hatte bei der Beratung des Voran­schlags für 1926 die Besoldungen derGe- metnbebeamten wie folgt festgesetzt: für den Bürgermeister auf 1200 Mk., statt b.sher 1800 Mk.', für den Gemeinderechner auf 800 Mk.. statt bisher 2074 Mk.', für den Feldfchühen auf 600 Mk., statt bisher 720 Mk.: für den Polizei­diener auf 500 Mk., statt bisher 618 Mk. Nach­dem der Kreisdirektor des KreiseS Büdingen bei Revision des Voranschlags gegen diese Reu- festseyungen Beanstandung m erhob, kam es zum V er waltungsstrcll verfahren. Hiernach einigten sich der Bürgermeister und der Gemeinderat. In der Verhandlung vor dem Kreisausschuh des KreisesBübingen wurden die Beanstandungen des Kreisdirektors bezüglich der Besoldung des Polizeidieners und des Feldschützen für begründet erklärt, bezüglich der Vergütung des Gemeinde­rechners jedoch nur insoweit, als dessen Gehalt auf jährlich 1580 Mk. festgesetzt wurde. Der Gemeinderat erkannte hiernach die für den Feld­schützen festgesetzte Besoldung an, verfolgte iedoch Berufung gegen das Kreisaus^chusturtril mit dem Antrag, die Besoldungen des Pol zeidieners und des Gemeinderechners entsprechend den Ge- meinderatsoeschlüssen festzufetzen. Der Gemeinde­rechner Mohn legte gleichfalls B.rufuna ein und beantragte Besoldung nach Gruppe VI unter Annahme einer Belchäftigungszeit von der Vollbeschäftigung. Er stützte sich darauf, daß zwischen ihm und der Gemeinde mit kreisamtlicher Genehmigung im August 1922 ein 'Aufteilung#- vertrag zustandegekommen sei. wonach er unter Anwendung der ministeriellen Richtlinien für die Besoldung der Gemeindebeamten nach dem Anstellungsvertrag zu besolden sei. Der Ge­meinderat vertrat den Standpunkt, dah eine De- IchäsligungsHeit von 30 Stunden wöchentlich für den Gemcindercchner zu hoch sei, da dieser außer­dem noch staatlicher Untererheber sei und neben­bei auch noch andere Aemter versehe. Auch bezüglich des Polizeidieners nahm der Gemeinde­rat an. dah dieser zu gut bezahlt fei. Die Ge­meinde Hain-Gründau zählt 752 Einwohner. Der Provinzialaus>ch''.h vertrat im Berufungsverfah­ren den Standpunkt, dah die von dent Kreis- auskchuh festgesetzte Besoldung richtig ist und daß der im Juli 1922 zwischen der Gemeinde und dem Gemeinderechner abgeschlossene Anstellungs­vertrag in vorliegender Verwaltungsstreitsache nicht berücksichtigt werden könne.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7* Uhr .Der Geizige" und .Die Matrone von Ephe'us" (Ende nach 10^/, Uhr). Deuttch-österreichischer Alpenvrrein. Sektion Gie­ßen: 8.15 Uhr. Vortrag. -- Südwestdeutschev Ra­dioklub. Ortsgruppe Gießen: Restaurant Strasser, Ludwigstraße 6: Mitgiiederabend. Lichtspiel­haus Bahnhofstraße: »Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit." Astoria-Lichtlpiele: .Menschen­schmuggel."