Einzelbild herunterladen

Nr. 256 Zweite; Blatt

Giehener Anzeiger iSeneral-Anzeiger für Gderhefienf

Dienstag, itoveinber 1927

Tanger, die Stad! der Vettler und des Spiels.

Oer Schauplatz der italienischen Zlottendemonstration.

Dem SrTanüflimaitttfenben. beffen TamMtt <*6 bet marokkanlchen ttüfu nähert birtet lüt) em herrliche« 'Bilb 3« «in« Ducht. Me Mm rmem Höhenzug e ngttchlosfen W Hegen Mt blen- benb nx -hrr. HLu'er ttnet anwbueatra.r'ch an- getrau n Ciaht unter den durchdr.ngenden Jur nrrvpüt'che Äugen so ichmerchaften Strahlen her afrtkan.'chen Sonne erglhnxtn Wo'cheen. die von malmen um g ben *mb. und den Adsthtutz b ck-» t>ro4>ng<n Y Lbe« biettt ein bin genarrte* ®e- r tube. bie .Kasbah-, setzt mir noch eme Ttuine. bemal« aber eine mächtige Zitadelle. 3tm tm yyntergrjnb schimmern die Äon tu r en des Atlas- ürbirgf« Dieter grofwtrtgembrud vertchwin- bet aber zunächst toenn betBetfenbe b.-' T-amrlet vcrläfii und E.nzelhe.ten des Panoramas totnf- lige ®a*len und orientaH*4te Kaiserhäuser von bet Räh< betichk.gt 3ft doch langer eine ur­alte Stadt. bk 'chön unter dem römischen Ratter Äuguin der (beschichte erwähnt wird, und in gar rcd)t orientalisch oersatten und *d)mufi ig "mb. ringe« nannten bk Bitner diese Stabi. tue unter bcm Äat'er Llaudius zur Hauptstadt bcr römischen Kolonie ..Westmaureta fiten' er- xannt ©urt* Später eroberten nacheinander der gennan/dx Volksstannn der Vandalen, Araber, Mlauren und nn Jahr- 1471 'chdetzltch die Portug »eien ben w.chttgen marvklanifchen Hafen, der von den (Ungebetenen damals und heute Dandicha" genannt wurde Ai« sich im Jahre 1660 dir portugiesische Infantin Katharina mit dem engli'dxn Kön.g Äarl II. vermählte, brachte V ihrem Chatten langer als Broukschatz mit. aber vier Jahre daraus gab der prakti'ch.- König da« wegen 'einer Untcr*)airung«lo<ten oUau teure Gttchernt auf und ü verlieh H den IS in geborenen Erst al« <ich Cranicn imb Frankreich um den vefitz OHarottM stritten wurde langer Im Jahre 1006 unter ftanzc-sttch-spanschen ..Schutz" gelkelU. und hn Jahre 1912 offiziell internatren - riKen

46 000 Einwohner h«u diese Stadt, in dcr neben 12000 Europäer und 12 000 ahifani- «chen Juden tuch das dipiomattickM Korps da« tetnen Sitz hi? Uncrtraglid» hcch wäre es in big von der nahen See ein leichter Wind Kühlung dringen und die Hitze mildern würde. Der öutopärr, der }um erstenmal m Tanger weilt, to.rb nicht glauoen wollen, dah da« Witt- 'chaftsletzen in h.v'em marokkanischen Hafen stag­niert non einer Tevidfinn in tne andere schwankt: kai^chm Stadl, die Fülle der Kaffeehäuser. die den kleinen Salkvplatz umgeben, die schöne Aus­stattung d-r Ba>avc. m denen man sich am ®c- rud> bc* Sandelholzes .mb ber Qlmbr.ibüftc er- fttd)t Äuch der fbcmaligv deutsche Kaiser der Tdiig.r am 31. Mürz 1905 auf feiner Mittel- meerreise besuchte war non der Schönheit und dem lebend igel-. Treiben in Meter Stadt überrascht und entjudr Der moderne Globetrotter wird so­gar den steigenden Wohlstand de« Orte« damit beweisen wollen, dah im Jahre 1923 neue ©troffen in Tanger angelegt. vorhandene Strotzen ge­pflastert und d >- Strahenbeleuchtung verbessert rnnrhen ist Dieser Sortldyritt der Hygiene, der leider da« Stadtbild nicht schöner geiiiacht hat, tätzt aber Sher auf die Ansprüche des Retse- bublrfum« ul« auf gute wirtschaftliche Derhält- nM»c fchl etzen Bald wird man wohl auch au« Tanger einen ße|u«bäteort machen, wenn aber anfpruchsvolle BeHenbe sich in dieser Stadt län­ger aufbalten sollen, so wird man zunächst dem Unwesen der Bettler steuern müssen, den Scha­ren v:- . Blrnden und Aussätzigen, die ihre Ge­brechen Aur Schau stellen, um das Dlitletb der Europäer zu er werken. 8« smd bescheidene Leute, die mcmal« direkt um et ne Gabe bitten, sondern den Ikn-ülxtgebenben nur die Worte: Gotte« Segeti aut d.ch zurufen. Aber nur Touristen pflegen ihnen etwa« zu geben, während die Gangeborenen, die sich an den Anblick der 'Vert­ier seit langem gewöhnt haben, die ärmflen mit dem Trostwort abfpeisen: .Allah wird helfen!"

Wenn die Kaufleute aber auch über 'chlech- len Gang ihrer Geschäfte klagen, weil ftc durch di« poliNachen Greignisfe von chrem na türUdAn Hinterland abgeschmtten toorben find, wenn der Verkehr im Hafen auch nachi.cht. so ist doch eme andere Industrie aufaeblüh: (34 gibt in dieser Nemen Stadt, olwodl Artikel 52 de« Tanger- Statut« da« Hata^spiel verbietet noch unrner etwa 25 Spiv-lhöUcr. in denen gewöhnlich Tag und Lacht Meinet ist. Dort kann man minde­st en« k> gut wie in Monte Garlo bei Bouleite. Shemm bc "Ser Baccarat und ähnlichen Cf1 le­ien kein Geld verlieren, (hing ebenem und 8u- rvpäer verfammeln s«h um die grünen TiMx und in derselben Stadt, deren zahllose Bettler eine unerträgliche Plage bilden, werden täglich grotze Beträge am Spieltisch vergeudet Von allen begehrt stet« umstritten niemand gegönnt Ist langer mchr und mehr au« der wirrtchafrtichen und geographrschen Einheit zu der e« nun ein­mal gehör. herauAgctrennt worden: nachdem sich nun endlich der politische Zustand die Aus­teilung cw.'chen Spanien und Frankretch unter französischer Vorherrschaft. eingebürgert hat. wird e« durch Italien, scheinbar mit Unterstützung Gnglands wieder au« feiner vrientallschen Luhe auf geschreckt

Polen unter amerikanischer Finanzkontrolle.

4* ist den Polen also doch glücklich gelun­gen nach harten Kämpfen die amerikanische An­leihe zu bekommen. Allerdings um welchen Preis' Wenn man den niedrigen Ausgabekur« und den Zinsfutz zusammenkvppelt ergibt sich eine Verz.nsung von reichlich 10 Prozent, wozu noch hinzutritt. datz die Polen sowohl in der Ver­wendung der Gelder toic auch in ihrer ganzen Finanz wirtschaft unter strammer ameri­kanischer Kontrolle stehen. Da« Finanz» fontrolle an sich hecht, da« merken wir in Deutsch­land ja gerade in diesen Tagen, wo der Lepara- tton«agxiu feine Stirn in ernste Falten legt und un« Schwierigkeiten nicht allem in der Beamten- befolbung. sondern auch in der Entschädigung unserer Auslanddeutsche >t macht Trotzdem haben mir im Vergleich zu den Polen doch noch ein sehr viel größere« Stück unserer Finanzhoheit ge­rettet Datz Herr Pittudski in dielen sauren Apfel nicht gerne gebissen hat. ist schliesslich ver­ständlich zumal, da er gegen den '2U?d)luü der früheren Anleihe die hn wesentlichen auf den gleichen Voraussetzungen aufgebaul war gehar­nischten Protest cinlegte. 71 un hat er boaj das­selbe tun müssen was ihm einst für die pvl- n.sche Ehre unerträglich dünkte: realpolitisch ge­sehen konnte er allerding« kaum ander« handeln, weil ohne die amerikanische Anleihe der Zu­sammenbruch nicht nur der polnischen Währung, sondern auch der polnischen Wirtschaft unau«* bl eidlich war.

Die Anleihe ist ziemlich bettächtlich. sie geht auf mehr al« eine Viertelmilliarde das sollte reichlich genügen, um sogar die polnischen Fi­nanzen in Ordnung zu bringen. Wenn allerding« die polnische Regieruna allein darüber zu sagen hätte, würde sie auch diese« Geld verwurschteln. Kein TDunber. datz die Amerikaner daraus bestan­den haben, einen Lreuh änder in War­schau anzusiedeln dessen Rechte formell be­grenzt. praktisch aber unbegrenzt sind, so datz man thn wohl al« ben künftigen Finan^diktator von Polen ansprechen kann. Gr hat nicht nur darüber zu wachen, dah da« Geld zweckmatzig angelegt und vor allen Dingen der Zloty sta­bilisiert wird, er hat auch dafür zu sorgen, dah der Zloty stabil bleibt und dah die Gelder eingeben, die zur Verzinsung und Amortisation der Anleihe erforderlich sind. Ctr wird also rück­sichtslos auf sparsame Wirtschaft drücken, das kann den Polen nicht« schaden

Politisch freilich bedeutet die Anleihe auch so noch einen groben Erfolg für die Polen, den sie gar zu gerne in den Handelsvertrags-

©er Weltkrieg im Film.

Lichispielhatt» Vahntzosslrahc.

Ein historischer Zllm. zusummengeftellt nach amtlichem Material der europäischen Krie^s- archrve. Der erste Teil bebanbeit die Gut- stehuiissid'schtchtt des Kriege« und die Greignisse dis 1915. Knapp zwei Stunden dauert da«, aber in diesen zwei Stunden scheint die Zeit ftUl» -ustehen. f .idlt man sich ruckverwandeit tn die 'Tage von damals: in icncin 'ch ckf alSschweren August erst beginnt für un.« die wir im dunklen TU um sitzen, der x)etgcr der Deltuhr wieder vorwärts zu rücken .. und wir. die wir bas alle« erlebt und gesehen und empfunden und erlitten haben, erleben es jetzt in dielen zwei Stunden abermals. a(« wenn es vor Tagen, und nicht vor langen Jahren gewesen wäre

Hier, an einem solchen Derk, kamt man,ein­mal die ganze Magie der Zilm-Gttindung spüren: die .3eitLofigklt Bieter Bilder hat etwas Un- beiml.cheo und ä2el»erfinnliches in sich Ist es nicht seltfam. Menschen lebendig, redend, han­delnd wieder vor sich zu setzen, deren 71 am en darna.s tausende auf den Lippen hatten, und die nun seit fo vielen Jahren schon begraben finb? Vnd zwischen thnen die heuae noch Leben­den. Da steht TSoelde, da (Tnuneünann. da er­scheint Weddigen neben dem schmalen Unierfee- bcotfturm, da schreitet der russische Zar die Zrvnt feiner^Tieg;menter ab. da umarmt 3offre franzö'ische Truppen^ührer. die «ich auszeichncten, da rollt die engkil-che König«karvs'e. da kehrt Hiir- benburg heim aus der Tannenbergschlacht... Ünb mut) man nicht daran denken, dah wir in zehn, in zwanzig, in fünfzig Jahren so gut wie heute, und an jedem beliebigen Ort, die Zeit wiederum Inllstehen lassen und die Vergangcrnhert zurück- holen können... vor Kindern und KindeSkin- dern? 5ah unfern Enkeln mit den gleichen Wor­ten von der weihen Leinwand her zugesprvchen werden kann, wie heute uns: denkt h^jan! Schaut her und vergeht es nicht, so ist das ge­wesen: so sind wir im August 14 ausgerückt, so haben wir Abschied genommen daheim, so haben wir den Pflug im Acker stehen lallen, so sind Sag und Äacht die Züge über die Brücken gerollt mit Mann und Aoh und Wagen, fo

sind wir marschiert und marschiert und mar­schiert. fo haben wir Geschütz und Gepäck durch Hitze und Kälte, durch Staub und Schlamm, kurch St« und Kleberschwemmung und ins Ge­birge hinein geschleppt so haben wir gehaust, so haben wir geschanzt, so haben wir geftürmt. so find wir zurückaezogen unb wieder marschiert und marschtert und marschiert... Ss hat etwa« Erschütternde«, diese endlosen Kolonnen zu sehen, diese ewig im Taft sich hebenden Fühe und Hufe und die rollenden Ttäbcr.

So haben wir gekämpft in Frankreich, von der Tlorofee bi« zur Schweiz, im Osten, tief in A uh land, in den Alpen, inRumänien, in Italien, in der Türkei in Afrika... über die gamc Welt marschierten die hunderttausend Jühe. rollten die Aäder. Mnb nicht auf der Erde allein: so stiegen uniert Flieger auf. so hingen die Fesselballons Himmel und so stürzten sie ab. . fo zogen unsere Schiffe auf allen Meeren gegen den Feind

Und abermals schaut her! So ist gerüstet wor­den. zahllose Hände bearbeiten Millionen von ®e schossen ... ,o ist gehungert worden dünne Finger zahlen äng'tlid) trockene Scheiben schlechten Brotes ... so sind sie gefallen, die jungen Freiwilligen bei Langemarck, mit dem Deutschlandlied auf den Lip­pen. so ritt der Tod durch Flandern, um Verdun imb über die Karpathen, durch den Schnee der Alpen und den heihen Sand der afrikanischen steppe, so war der Tod in der Luft, im Daher und unter der (Erbe in hunderterlei (Be^br. Denkt daran: über die ganze Dell verstreut sind die Kreuze für den bekannten und den unbekannten Soldaten.

So ist das gewesen: bi- Landkarten werden lebendig Im Südosten zuerst, wo in oerajetoo der verhängnisvolle Mord geschieht. Schwelend grett der Brand um iith, fnht sich hinein nach TOitteb europa, jünbet in den Zentren der Möchte. Peters­burg. Berlin. Dien, London, Paris ... so laufen die Grenzen, und gegen die Grenzen schieden sich eilige schlangen nach Osten und Westen entfalten sich, stellen iich gegeneinander, rücken auf, bilden eme Linie vor der feindlichen Llme. oerbeihm sich in- einander, lösen sich wieder, verteilen und verstärken sich ... alles ist so klar und übersichllich erkennbar: die Umfassung der Stuften bei Tannenberg, unter zu rück geworfen er Flügel nach der Marneschjacht. die mähliche (Erstarrung der beoeafr eben Front im Stellungskriege.

Verhandlungen mit Deutsthiand ausnutzen wurden. Fragt» mir. .nw.eweit Ihnen da« etwa« hilft. Sie haben chre Zolle innah wen verpfändet, der amenkan.fche Treuhänder ist also start daran mtetcffien. datz die Zollla"en möglichst gefüllt werden, und dazu ist die erste Boeaus'etzung. datz Polen mW feinen deutschen Aachbarn. der nun emmal der w.chtigfte Vertragspartner .st. an Handelsablonmen ab'chliestt. 9« ist

allo dafür gtlorg: datz die polnischen Bäume nicht den Himmel wachsen. IInb wenn auch d»e Polen gar zu gerne »etzt b*e Gelegen de. l au*- : üben mMtttn. um chre Forderungen in den HandelAbez.ehungen mit Deutschland zu über­steigern.d rr rb der amerikanische Vertreter auch dafür 'orgen ^atz endlich der deutsch-polnische Zollkrieg tx-enbe1 w.rd Woran letzten Gnde« ja alle Telle gle.chmätztg inttrcflKrt sind

Diese Klarheit, Sachl chkeit und schmucklo'e Watzrhaftigkeil. die aus jedem einzelnen Bilde. auS jeder Figur und jeder Zahl >>ch zu erkennen gibt, machen den großen und bleibenden Wert dre'c-s Films aus. Sin Dokument will er sein, nichts weiter: nur zeigen fo ist das gekommen, 'o ist das gewesen. Vichts weiter Keine Ten­denz, feine Zerrbilder, keine Ausschmückung und Verblendung, kein Hervortreten e.nzelner ISchau- spicler) au« der Meng«. Detm es war nicht die Sache einzelner. 1 ankern aller: jeder hat mit- geipielt. initgekämpft, mitgelitten mitgetrauert, jeben hat da« grobe Sch cttal des Kriege« irgend­wie eriatzt ober gestreift Wir erkennen un» alle selbst wieder in namenloser Gestalt, spiegeln uns inremben und dennoch vertrauten Gef ichtern im marschierenden Soldaten, in der absch ehttnnten- ben Fron, im Kinderschtvarm fogar. der aus der Schule stürmt, einen jungen Sieg zu fc.ern. Qlie- mand kann unbeteiligt, unangerührt bleiben, wie von rgenbeinem anderen .Fitzn. der erfunbeu ift. der fremdes Glück, fremdes Leid. fverndeS Schick­sal enthüllt. Dc« gebt uns an. dies ist unter eigenstes Schicksal, nichts ist erfunden an diefem Film, wir alle lind Darsteller, groh« und klein.- in irgendeiner Gestalt, an irgendeinem Ort. und an uns. die wir heute leben, an un« ift es. das gewicht.ge und ernste B.ld dessen, was damals gefchad. zu bewahren und den kommenden Ge- Ichlccktern zu überliefern, rein und unverfälscht, wie es wirüich gewesen ist. Dokumente, wie dieser Film vorn Kriege sie bewahrt, werden olchem Zweck am besten bienen. H er redet das stumme Bild eine unverfchle:erte und erschüt­ternde Sprache, die jedermann verstehen muh. er mag .dabeigewesen" fein oder nichts 'Xiemanb möge versäumen, dieses Bild an Nch vorüber- ziehen zu lassen. -r-

WerkstoffEchau in Berlin.

Vom 22 Oktober bis 13. Aovember findet in Berlin eine grvhe Wer kstvf f schau statt, die der Verein Deutscher Ingenieure, der Verein Deutscher 6ifenbüttenleiüe. die Deutsche Gesell­schaft für MetclllLmde. der Zenrralverbctnd der Teuttchen Gfektrotechmschen Industrie unter Mit­wirkung zahlreicher anderer Verbände sowie des AussteLmgs-, Mette- und Fremdenverkehrs-

Die Liebesabenteuer der Königin Marie von Rumänien.

Von Zoe Beckley.

I.

Wie König Zerdinand von feiner Semaylin bederrschlwurde.-SiemißverfiandeneZrau

Hi un* unter nicht unl*rttad)t- l täten Sch wreri gleiten und finanziellen Opfern gelungen eine Artikelserie au« Nm Au«lande v. erwerNn. mit deren fort­laufender VclufteniUchunu mir unseren tie­fem eine ungewöhnliche, überaus mier- e'lante Lektüre zu bieten in der Lage *tnb: Zoe Beckley, die mttme Freun- bm der Queen Mary, erzählt in einer Aech- von techs groften Aufsätzen, die sich oft wie die Memoiren einer französischen Marquise und Abenteurer-, n des Dir- burtieme leten, von ihren Grlebnlsfen un jllcrengficn Familienkreise de« rumäni- >chen Königshoie* und von den Lieb­schaften der Königin Marie die gewitz nicht ohne Grund ein europäische« Auf­sehen erregt haben

Vie Leute haben mich oft gefragt Hatten ftch die beiden lieb König Ferdinand imb Königin Tla riv von Rumänien?'

Ich fragte einst Königin Marie selbst die gleich Frage, zur Zeit. aU der König noch am Letzen war. und ihr.- Antwort war frei uni offen: .,3a mir haben une wirklich lieb Denn einem von uns etwas kirn ft e» passierte würde der andere schwer betrübt und traurig fein. Wir find gute Freunde, die sich verstehen heutzutage Das .Heutzu­tage' ist bezetchnend Ferdinand war 1 eben- undzwanzig. als er die englisch Pnnzeffm hei­ratete. und Marie war siebzehn. Sie waren so verschieden, wie es zwei menschlich Deien nur sein können Ferdinand war schüchtern, mist» ttauisch. zurückhaltend, neigte zu trüben Stim­mungen oft sogar zur Verzweiflung Marie war frei und offenherzig, freundlich eitel, selbst- vertrauend reizend voller Lust und Leben und hatte die Gabe, glücklich zu sein

Ferdinand war auf jene steife deutsche Art erzogen worben, mit starren Idealen der Pftichl stet» vor seinen Augen und absolut keiner Begabung, etwa» aus sich heraus zu schaffen, sondern er konnte nur anderen folgen. Marie dagegen hatte eine glücklich Jugend gc- noffen, mit sehr viel guten Freunden, absolut feinen Pflichten, keinen Verantwortlichkeiten, und ohne alle Kenntnis de« Leben« und seiner Bürden.

Der Prinz Ferdinand wurde au« seinem neugezimmerten Lande in die Welt geschickt, um sich eine passende Gemahlin zu suchen, und er fand Marie Königin Viktorias En­kelin. Tnfchn de« russischen Zaren Alerander des Zweiten mütterlicherseits. .Für ihn eine großartige Verbindung. In der Tat. und doch trat es für ihn eine reine Liebe »angelegen he. t Wie hätte es auch ander« sein können? Ein 'chüchterner. schweigsamer, linkischr junger Marrn, zulannnengebracht mit dem Prach11np eine« weiblichen Wesen«, welches er natürlich anbeten muhte, lieblich wie ste war, bi« zur Fuhspitze!

Er liebte sie auch btö zur äuhersten Grenze 'einer Fähigkeit. Aber seine Liebe war die ma­terielle. fleischliche Art von Liebe, eher als eine innige Gemeinschaft geistigen Verstehens und intellektueller Zuneigung. Er liebte ihren Kör­per. konnte aber ihrer Seele nichts geben, so

gern er dte» getan hatte u>at< rr dazu imstande gewesen. Er konnte die glückliche )latur ber iiuiq-fn Frau in k.mr Weife eedleben Er selbst lieble nicht harmlose Vergnügungen n»cht einmal gemütliches Beisammensein tm kleinen Kreise Streng erlogen wie er war und daron gewöhnt das Leben stet« al« etwas S r i st e « zu benagten selbst wenn man nicht hiferic. 'onbern nur einem starken Herrn folgen bunte, belast er weder einen angeborenen Snm für Humor noch irgend etwa« aus Inner Jugend, was ihm helfen konnte, da« lebhafte, leben»- hungrige junge Weib zu verstehen das er ge­heiratet hatte

Andere bewunderten he jeder bewunderte he benn he erschien stets tiing. reizend und voller Lebenslust Ferdinand« Gefühl dabei ttmr eine A r t ängstlicher M i tz b i 11» g u n g . ähnlich dem Gefühl der Henne, bic u n freiwillig Mutter eines Entleins geworden Jt. Marie umr eine vollendete Tänzerin verfett im Sattel, wie in allen anberen Sports fte lachte viel und gern, verstand es. jeden zu fdfein und war immer zum Spielen bereit. Ferdinand hatte keine Veranlagung um sich mh diesem über- Iprudelnden Geist ab-uftnden. er konnte ledig­lich versuchen, ihn zu unterdrücken und je mehr er die Stirn runzelte und murrte, desto toller tobten die Lebensgeister Denn Marie begann nach dem ersten Jahre tritbcn Palastleben» -nn Bukarester Hofe, sich den L u ( u « einer Hei­nen Rebellion zu erlauben Sie hatte die­le« Dasein bis obenhin satt und brannte plötz­lich durch, sozusagen. Sie machte allrtbanb Dummheiten, erlaubte sich Scherze stellte bie verstaubten Palastansichten auf den Kopf. machte unpassende Bekanntschaften, kurz, sie machte alle# verrückt Der arm^, Ferdinand stand am

Enten mutter.

Aber sein Frauchen plätscherte ftöhltch um­her nicht im geringsten daran denkend, was sie beging, noch an dessen Folgen, immer weiter er- perimentierend riskierend und in zweifelhafte Tiefen tauchend. Diejenigen, welche Matte lieb­ten. wurden ängstlich, aber Marie lachte sie nuS. ging -hren Weg lustig weiter und verftest sich instinkriv auf den Xei.< ihrer Pettönlichkeft. um eventuell Verwickelungen zu entgehen und Vergebung für alle« zu gewinnen.

Rach der ziemlich ernsten 'Penode ihrer indiskreten Freundschaft mit einem qe- wifsen jungen Offizier der rumänischen Armee einer Assäre, die sich direkt au« der fatalen Unterdrückung und Strenge des Hof- lebens entspann war Ferdinand noch mehr bedrückt als früher Als aber die Ver­söhnung stattfand und Marie nach Bukarest zurückkehrte, wurde die häusliche Atmosphäre etwa« reiner Es bedarf tm tieben manchmal solcher Greign.sfe, um eine Verständigung her­beizuführe!, Jedenfalls hier wurde ein besseres Verständnis daraus. Wenn auch die Liebe in gewissem Sinne abnahm, es begann eine ge­wisse Freundschaft zwischen Prinz Ferdinand und seiner schönen Gemahlin

Vielleicht ist der beste Teil der Ehe die Freundschaft! Jedenfalls diesen beiden Königs- ftnbem ging es tote vielen anderen Sterblichen, dah sie nach dieser Unterbrechung glatter mit­einander auskamen als je zuvor Wenn die Höhepunkte der Leideiischnfl und E.iersucht we­niger beroortreten, entstehen Gefühle des freund­

amte« der Stadt Berlin veranstalte? Schon aus der Zusammensetzung der Veranstalter geht die allgemeinwirtschaftliche Tendenz Bieter Wcrkstofk- schäu hervor, die nicht nur für den Indufttiellen, sondern «sich für die gesamte Oefsenllichteit von grohem Interesse ist Der Zweck einer Aus- s'.ellung pflegt normalerweise direkt den Einzel- inteodfen der au «stellenden Firmen, die neue Käufer toerben wollen, und erst tTidirekt der Desaninni rtschäft bzw dem Export zu dienen. Aber dtete Werksdottlchan in Berlin hat nichts mit der Reklame für einzelne Unternehmungen zu tun sondern entsprechend ihrer gemein-toirT- schastlichen Tendenz sott sie einmal Zeugnis von der bereits geleisteten Qualüätdarbeil deutscher Industrie ablegen, soweit sie >ich auf Werkstoffe erstreckt zum andern durch ihr streng toilfen» schaftlich aus gebautes System gegebcmenfallS neue Wxg- in der Vervol 1 fonmunmg her Technik toeifer. Unser Mitarbeiter hatte Gelegeni^it bie Werkstvsfschau in allen Teilen eing<f>enb zu besuhtigen. Das äuhere Bild bestätigt die sach­liche Ba<is dieser Schau, denn nirgends treten Fabrikate einzelner Firmen oder Firmennamen hervor. Mit Erfolg ist der Plan m die Tat umgesetz: Worten, den Vettuch als entscheidendes Kennzeichen für die Qualität des IDerfftoffe« in den Mittelpunkt zu stellen. Drei Stoffe ge­langen «lls grundlegende Fafevven der Verarbei­tung zur Schau: Stahl und Eiken, Aichteisen- metalle und fchlies>lich für die Gebv te der «Hrftro« technischen Industrie tue Isolierstofte. Das Gan^e ist gegliedert in eine Wettstosfprüftchau und m eme Weckstoffüberl ich» Eine Ergänzung «i der Werkftosfprüft ckau bildet die 2PerfftDt1überuht nn? einer belehrenden Abteilung. Die deutsch» Industrie braucht eine solche Schau, um auf btefe Weife durch umfassende und im Gedanfen bet Qualität auszusührente llniedudxr'.qen besser« Ausnutzung der verfügbaren Werkftosfe äu er­reichen und dabei gie-.a>*euig zu einer Oüehr- letfhmg der Prvduknon zu gelangen. In Metern Sinne ist tne Werktzc,tt'ch^u auch für unser» E?pvrrwirrsch-s: von höchster -deöeunmg Und toerm sie Gttvlg hat und ben Beweis brrru^t, dah auch bei den Werkstoffen für die deutsche In­dustrie der Qualitätsgedanke ausschlaggebend ist, bann wird sie dazu beitrogen, der 3ntmfb*e den KlmkutTverrzkamps wn Ausland« zu erleichtern.